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  • Der Weltmeister und sein Konkurrent

    China verkaufte im ersten Halbjahr 2009 mehr Waren ins Ausland als Deutschland. Steht deshalb das deutsche Exportmodell in Frage? Die Debatte hat begonnen

    Die ökonomisch und psychologisch wichtige Stellung Deutschlands als Exportweltmeister scheint gefährdet. Denn erstmals verkaufte China mehr Waren ins Ausland als die bundesrepublikanische Wirtschaft. Das haben Berechnungen der Welthandelsorganisation WTO für die ersten sechs Monate diesen Jahres ergeben. Neben der aktuellen Krise, die die exportorientierte deutsche Wirtschaft besonders hart trifft, ist dies ein weiteres Signal, dass das bisherige ökonomische Erfolgsmodell ins Wanken geraten und eine Neuorientierung notwendig werden könnte.


    Die chinesischen Unternehmen belieferten den Weltmarkt von Januar bis Juni 2009 mit Waren im Wert von 521,7 Milliarden Dollar (365 Milliarden Euro). Deutschland exportierte im gleichen Zeitraum Güter und Dienstleistungen, die 521,6 Milliarden Dollar einbrachten. Der chinesische Vorsprung sei freilich minimal, sagte WTO-Chefvolkswirt Patrick Low. Auch lasse sich gegenwärtig nicht sagen, wer am Ende des Jahres die Nase vorne habe. Weil die weltmarktorientierte chinesische Wirtschaft aber schon seit Jahren viel stärker wächst, dürfte Deutschland seinen Spitzenplatz als Exportweltmeister mittelfristig in jedem Fall einbüßen.


    2008 erzielten deutsche Firmen Einnahmen von 993 Milliarden Euro, indem sie Autos, Maschinen und andere Waren ins Ausland verkauften. Über 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wurden im Export erwirtschaftet. Das Kopf-an-Kopf-Rennen mit China ist nun einer von mehreren Hinweisen auf die Probleme der gegenwärtigen Exportorientierung. So hat Deutschland durch den Einbruch der Weltmärkte im Zuge der aktuellen Krise besonders starke Einbußen hinnehmen müssen. 2009 könnte die Wirtschaftsleistung um bis zu sechs Prozent sinken. Daran knüpft sich jetzt die wirtschaftspolitische Debatte, ob es mit der Exportstrategie künftig so weitergehen kann wie bisher.


    Eine „Abkehr von der Exportstrategie“ fordert Ökonom Gustav Adolf Horn, der das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie (IMK) leitet. Denn der hohe deutsche Exportanteil fördere die Verschuldung beispielsweise in den USA und bilde damit eine Ursache der Finanzkrise, so Horn. Ein Beispiel: US-Bürger kauften auf Kredit Fahrzeuge von BMW, Daimler, Porsche oder Volkswagen. Mit ihren hohen Gewinnen erwarben deutsche Unternehmen und Banken umgekehrt risikoreiche US-Wertpapiere und finanzierten damit die dortige Verschuldung.


    IMK-Forscher Horn argumentiert außerdem, dass deutsche Firmen auch deshalb so erfolgreich im Export seien, weil sie die Lohnsteigerung der Beschäftigten in engen Grenzen hielten. Dadurch könnten die Arbeitnehmer weniger konsumieren, was im Inland Nachfrage und Arbeitsplätze koste.


    Andere Akzente setzt dagegen Christian Dreger, der Abteilungsleiter für Konjunktur beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Er verweist auf die Vorteile, die die Exportstrategie biete. Deutschland werde durch die augenblickliche Schwäche des Weltmarktes zwar stark getroffen, könne aber auch überdurchschnittlich stark profitieren, wenn die globale Wirtschaft wieder anziehe. Dreger betont, dass der Verzicht auf zu hohe Lohnsteigerungen die Zunahme der Arbeitsplätze in Deutschland vor der Krise erst ermöglicht habe.


    Angesichts der zunehmenden chinesischen Exporte müsse man sich keine allzu großen Sorgen machen, so Dreger. Schließlich verkaufe China vornehmlich Konsumgüter wie Textilien und Unterhaltungselektronik. Deutschland bediene dagegen einen anderen Markt, indem es seinen hohen Exportüberschuss in erster Linie mit Investitionsgütern wie Maschinen erziele. Die ökonomische Stellung der bundesrepublikanischen Firmen und des deutschen Wohlstandsmodells sei durch das chinesische Wachstum deshalb vorläufig kaum gefährdet, sagt Dreger.

  • Sozial ist Spitze

    Kommentar von Hannes Koch

    Nicht nur Individuen, auch Nationen fühlen sich gut, wenn sie Spitze sind. Seit dem Zweiten Weltkrieg spielte die wirtschaftliche Stärke eine besondere Rolle für das kollektive Selbstbewusstsein vieler Deutscher. Die harte D-Mark wurde zwar ausrangiert, doch nun erfreut sich der Titel des „Exportweltmeisters“ großer Beliebtheit. Deshalb ist es schmerzlich, wenn dieses Symbol bald ebenfalls fällt.


    Demnächst könnte es tatsächlich soweit sein. Denn im ersten Halbjahr hat China wertmäßig erstmals mehr Güter exportiert als Deutschland. Und doch ist es kein Grund zur Depression, wenn 1,2 Milliarden Chinesen mehr Waren verkaufen als 80 Millionen Deutsche. Hiesige Produkte – seien es Autos, Maschinen, Taschenlampen oder Solaranlagen – sind oft von so guter Qualität, dass die Kunden lieber das teure Original als ein billiges Plagiat kaufen. Diese Substanz wird bleiben, auch wenn sich die Gewichte der Weltwirtschaft stärker nach Asien verschieben.


    Andererseits kann es sogar vorteilhaft sein, den deutschen Leistungsbilanzüberschuss – viele Exporte, weniger Importe – zu verringern. Denn die bisherige Exportorientierung hat ihren Preis: Sie wird auch erkauft mir relativ niedrigen Löhnen, die die deutschen Produkte im Ausland noch konkurrenzfähiger machen. Wer diese Strategie überzieht, stellt langfristig aber die Leistungsbereitschaft der Beschäftigten in Frage. Etwas höhere Löhne und etwas niedrigere Exporte könnten deshalb dazu führen, dass Deutschland auf andere Art Spitze bleibt – beim sozialen Ausgleich zwischen den Unternehmen und ihren Beschäftigten.

  • Aus für Krümmel und Gorleben?

    Politiker zweifeln an Zuverlässigkeit von Vattenfall / Gabriel gibt Endlager keine Chance mehr

    SPD und Grüne wollen den Atommeiler Krümmel bei Hamburg nicht wieder ans Netz lassen. „Wir sind dafür, dem Betreiber Vattenfall die Zuverlässigkeit abzusprechen und Krümmel stillzulegen“, sagte die Umweltexpertin der Grünen, Bärbel Höhn, nach einer Sondersitzung des Umweltausschusses im Bundestag. Der Konzern habe aus früheren Störfällen nichts gelernt. Auch Umweltminister Sigmar Gabriel nannte das Sicherheitsverhalten des schwedischen Konzerns „katastrophal“. Es gebe Anzeichen dafür, dass der Betreiber unzuverlässig sei. Dann könne dem Unternehmen die Betriebsgenehmigung für den Reaktor entzogen werden.

    Krümmel ist eines der ältesten Atomkraftwerke. 2007 musste es wegen eines Trafobrandes abgeschaltet werden. Erst im Juni 2009 wurde wieder Strom erzeugt, allerdings nur zwei Wochen lang. Dann fiel wieder ein Trafo aus und sorgte für eine Schnellabschaltung, nach der ein Teil des Hamburger Stromnetzes zusammenbrach. Überdies gab Vattenfall zu, dass es auch innerhalb des Reaktors ein Problem gibt. Im Kühlwasser befinden sich Fremdkörper, die die Brennstäbe beschädigen können.

    Die Pannenserie deutet nach Ansicht von SPD und Grünen auf eine vernachlässigte Sicherheitskultur Vattenfalls hin. Das Unternehmen hat laut Gabriel diverse Zusagen bei den Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten. Außerdem klagen die Schweden gegen eine Vorgabe der Aufsichtsbehörden, die Kommunikation in der Leitwarte aufzuzeichnen, um nach Störfällen den Ursachen dafür auf die Spur zu kommen. All dies deutet Gabriel zufolge auf die Unzuverlässigkeit Vattenfalls hin. Doch müssen die Behörden den Augenschein juristisch hieb- und stichfest beweisen. Wann ein entsprechendes Gutachten vorliegt, konnte der dafür zuständige schleswig-holsteinische Minister Christian von Boetticher nicht sagen. Dies könne Monate dauern, erklärte der CDU-Politiker den Abgeordneten.
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    Scharfe Kritik übte Gabriel auch an Bayern und Niedersachsen. Beide Länder würden eine Überprüfung ihrer Atombehörden verweigern. Der Minister fordert, dass die Überwachung der Atommeiler zur Bundesangelegenheit wird.

    Mit Sicherheitsfragen gehen offenkundig nicht nur die Betreiber mitunter zu lässig um, sondern auch die Politik. Anfang der achtziger Jahre seien Bedenken gegen ein Endlager für Atommüll im Salzstock Gorleben aus politischen Gründen beiseite gewischt worden, erläuterte Gabriel. Die Gutachter für Gorleben waren demnach dieselben, die den mittlerweile durchwässerten Schacht Asse untersucht und für sicher erklärt haben.

    „Gorleben ist tot“, stellte Gabriel klar, der eine weitere Erkundung des Salzstocks in Niedersachsen für unmöglich hält. Denn die Nutzungsverträge mit den Grundstückseigentümern rund um Gorleben laufen in sechs Jahren aus. Diese Zeit reicht laut Gabriel für eine ordentlich Sicherheitsprüfung des Standortes nicht aus.

    Die SPD will die Suche nach einem geeigneten Lagerplatz für schwer verseuchte Stoffe neu beginnen. Damit kämen auch Standorte in Süddeutschland in Betracht, zum Beispiel im Schwarzwald. Auch deshalb haben gerade die Südländer bislang auf eine Festlegung auf Gorleben gedrängt.

  • Verbraucher wollen mehr Schutz

    Politiker sollen sich mehr kümmern / Künftig müssen Gesetze auf Wirkung für Konsumenten geprüft werden

    Ein kleiner Absatz in der zum 1. Juni geänderten Geschäftsordnung der Bundesministerien könnte Verbrauchern eine Menge Arbeit ersparen. Seither müssen alle Gesetzesvorhaben auf ihre Auswirkungen auf die Verbraucher hin untersucht werden. Bislang mussten nur erwartete Preissteigerungen angegeben werden. Zudem soll das Verbraucherministerium genauso früh in das Verfahren eingebunden werden wie das Wirtschaftsministerium. Selbst Fachleuten ist die Neufassung entgangen. „Das ist ein Meilenstein“, freut sich der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Gerd Billen. Der vzbv hatte den Konsumentencheck lange vergeblich gefordert.

    Spannend wird die Umsetzung in die parlamentarische Praxis. Denn erst dort entscheidet sich, wie ernst die Politik die Verbraucherbelange nimmt. Mit dem Vertrauen in der Politik ist es auch in diesem Zusammenhang nicht weit her. Eine Umfrage des vzbv zeigt, dass 80 Prozent der Bevölkerung einen besseren Verbraucherschutz erwarten. Drei von vier Bürgern beziehen die Ideen der Parteien dazu in ihre Wahlentscheidung ein.

    Den größten Handlungsbedarf erkennen die Wähler im Gesundheitssystem, beim Datenschutz, dem Energiemarkt sowie bei Finanzdiensten und Lebensmitteln. So fordern mehr als 90 Prozent, dass sie selbst über die Verwendung persönlicher Daten bestimmen sollten. 84 Prozent der Befragten sehen in der Gleichbehandlung von Privatpatienten und gesetzlich Versicherten eine wichtige Aufgabe und auch eine stärkere Überprüfung der Finanzprodukte für Privatanleger steht bei den Bürgern hoch im Kurs. Bei der Bewertung ihrer Verbraucherpolitik schneiden die meisten Parteien miserabel ab. Lediglich den Grünen attestieren immerhin 28 Prozent der Befragten den Einsatz für die Konsumenteninteressen. Die Union kommt nur auf 14 Prozent, die SPD auf zehn Prozent.

  • Waffengleichheit

    Kommentar

    Das Internet hat seine Unschuld schon lange verloren. Das gilt nicht nur für kriminelle Umtriebe, von denen mittlerweile jeder weiß. Auch im Kleinen wird das Netz zum eigenen Vorteil genutzt, wann immer es geht. So ist es weder überraschend noch kritikwürdig, wenn sich Arbeitgeber vor der Einstellung eines Bewerbers online auf die Suche nach Informationen über die Kandidaten begeben. Wer diese Möglichkeit nicht einkalkuliert und bedenkenlos Persönliches im Netz preisgibt, ist bestenfalls naiv, ansonsten einfach dumm.

    Gegen Unbedarftheit helfen auch keine Gesetze. Hier sind allein die eigene Verantwortung und eine kritische Haltung gegenüber den vielen tollen Möglichkeiten im Internet gefragt. Gefordert sind jedoch Eltern und Schulen. Offenkundig sind die Risiken der virtuellen Selbstdarstellung längst nicht gut genug bekannt. Das muss sich ändern.

    Den Arbeitgebern, die allein aufgrund der aus dem Internet bezogenen Informationen jemanden zum Vorstellungsgespräch ein- oder ausladen, sei etwas anderes gesagt. Der Schuss kann schnell nach hinten losgehen. Denn immer mehr Bewerber frischen ihr farbloses Profil im Netz bewusst auf und vermitteln so einen viel besseren Eindruck von sich selbst. Es herrscht also in gewisser Weise Waffengleichheit.

  • Internetauftritt kann Karrierebremse sein

    Arbeitgeber suchen im Netz Informationen über Bewerber / Persönliche Äußerungen können Chancen vermasseln

    Das Internet kann für Stellensuchende zur Karrierefalle werden. Einer Studie des Bundesverbraucherministeriums zufolge suchen viele Unternehmen gezielt Webseiten mit Informationen über Bewerber. 28 Prozent von 500 befragten Personalmanagern gehen online auf Spurensuche.

    Die im Netz gewonnenen Informationen fließen in das Auswahlverfahren ein. Jede vierte Firma, die so verfährt, hat Bewerber schon einmal aufgrund dessen Selbstdarstellung im Internet abgelehnt oder gar nicht erst zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Allerdings hat gut die Hälfte der Personalstellen Informationen gefunden, die Kandidaten erst interessant werden ließen. Auch sehr persönliche Informationen sind gefragt. So stöbert ein Drittel der Unternehmen gezielt in sozialen Netzwerken wie Facebook, StudieVZ oder My Face, bevor eine Personalentscheidung getroffen wird. Die Nutzer dieser Webseiten tauschen vornehmlich persönliche Nachrichten aus oder kommunizieren über ihre Hobbys und anderweitige Vorlieben.

    Kaum noch Chancen haben Bewerber, die sich im Internet negativ über ihre Arbeit oder den Chef äußern. Drei Viertel beurteilen derlei Äußerungen negativ. Sehr private Inhalte kommen bei fast jeder zweiten Personalstelle schlecht an. Bilder vom Trinkgelage angehender Azubis auf einer Party können deren Zukunftschancen deutlich schmälern. Umgekehrt helfen manche Informationen auch bei der Einstellung. Angaben zu Hobbys oder einem sozialen Engagement steigern bei 60 Prozent der Onlinefahndern das Interesse am Kandidaten.

    Das Ministerium ließ nur Unternehmen befragen. Gezielte Onlinerecherchen könnten aber auch von anderen Arbeitgebern durchgeführt werden. „Da ist der öffentliche Dienst weitgehend sauber“, schätzt der Sprecher der Bundesregierung, Klaus Vater.

    Verbraucherministerin Ilse Aigner warnt vor allzu großer Offenheit im Netz. „Die unbekümmerte Preisgabe persönlicher Daten im Netz kann zu Stolperstein für die berufliche Karriere werden“, befürchtet die CSU-Politikerin. Rechtlich sind die Spähaktionen in Ordnung. Die Informationen im Internet können, wenn sie für alle frei zugänglich sind, auch von jedem ganz legal eingesehen werden. Experten raten daher schon seit langem zu großer Vorsicht. Persönliche Fotos können beispielsweise kaum mehr entfernt werden, wenn sie erst einmal den Weg ins Netz gefunden haben.

    Weltweit werden ständig Daten aus dem Internet kopiert, weitergegeben oder archiviert. Niemand kann genau wissen, wo seine Informationen schon abgespeichert worden sind. Suchmaschinen zeigen mitunter noch lange nach der Löschung den Hinweis auf einen Eintrag. Das Onlinemagazin Netzwelt macht schon einen Gegentrend aus. Immer häufiger feilen Internetnutzer mit Hilfe von Profis an einem bestimmten Image im Netz.

  • Bauern mit schlechter finanzieller Ernte

    Getreidepreise im Sturzflug / Landwirtschaft steckt mitten im Umbruch

    Die Landwirte fahren in diesem Jahr eine gute Ernte ein. „Die Mengen und Qualitäten sind zufrieden stellend“, sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV), Gerd Sonnleitner, am Freitag in Berlin. Fast 50 Millionen Tonnen Getreide haben die Betriebe von den Feldern geholt, etwas weniger als im vergangenen Jahr. Doch der Ertrag liegt acht Prozent höher als im langjährigen Durchschnitt.

    Dennoch ist der DBV höchst besorgt. „m meisten Nerven kostet es, dass die Getreidepreise um nahezu die Hälfte abgestürzt sind“, klagte Sonnleitner. Nicht einmal mehr die Produktionskosten kommen laut DBV beim Verkauf derzeit wieder herein. Der Verband rät den Landwirten, die Ernte zunächst zu behalten und erst bei steigenden Preisen abzugeben.

    Die großen Preisschwankungen bereiten dem Nahrungsstand zunehmend Probleme. Auch der Klimawandel erhöht die Unsicherheit. Starkregen oder Hagel, Stürme und Frostperioden fallen stärker aus als früher. Zudem bringt die Globalisierung unliebsame Nebenwirkungen mit sich. Tierseuchen und Pflanzenschädlinge folgen den internationalen Waren- und Touristenströmen. Risikovorsorge wird deshalb mehr und mehr zur Pflicht für die Höfe.
    Dabei fordert der DBV mehr öffentliche Unterstützung, zum Beispiel bei der noch jungen Versicherung gegen Wetterschäden. Der Bund will auf diese Policen 19 Prozent Versicherungssteuer erheben. „Das können wir nicht akzeptieren“, wetterte Sonnleitner, weil die Eigenvorsorge der Landwirte so behindert werde.

  • „Fotos von Alkoholexzessen sind sicher nicht von Vorteil“

    „Fotos von Alkoholexzessen sind sicher nicht von Vorteil“

    Immer mehr Menschen nutzen Online-Plattformen wie StudiVZ oder Facebook, um mit Freunden zu kommunizieren. Über den Reiz virtueller Freundschaften und die damit verbundenen Gefahren sprach unsere Mitarbeiterin Mandy Kunstmann mit Astrid Carolus, Medienpsychologin an der Universität des Saarlandes.
     
    Frage: Oft forschen Arbeitgeber Bewerber im Internet aus. Sollte man also darauf verzichten, sich in Online-Gemeinschaften zu präsentieren?

    Astrid Carolus: Grundsätzlich zeigt das Vorgehen der Unternehmen, wie leicht es ist, an persönliche Daten zu gelangen. Vielen Internetnutzern ist dies nicht bewusst. Das kann zum Problem werden: Wer sich in einem sozialen Netzwerk ein Profil anlegt, sollte sich auf jeden Fall der Gefahr bewusst sein, dass jeder – Freunde genauso wie Eltern und  Lehrer – die persönlichen Angaben und Äußerungen sehen kann. Also auch Menschen, vor denen man die Informationen lieber geheim halten würde. Manche Angaben im Netz bleiben daher nicht folgenlos. Wenn ein potentieller Arbeitgeber strikt gegen Alkohol ist, der Bewerber sich auf einem Foto aber im Alkoholexzess präsentiert, ist das sicher nicht von Vorteil.

    Frage: Dann ist die Zurschaustellung also zu gefährlich?

    Die Frage ist nicht, ob man sich im Internet präsentiert oder nicht, sondern wie sensibel man mit den eignen Daten umgeht. Man sollte sich in einem ersten Schritt fragen, welche Daten man online stellen möchte und in einem zweiten, wer auf diese Daten zugreifen darf. Denn jede Netzwerkseite bietet die Möglichkeit, den Zugriff so einzuschränken, dass nur bestimmte Nutzer die eigenen Angaben sehen können.

    Frage: Was suchen Menschen in sozialen Netzwerken? Haben sie keine echten, so dass sie auf virtuelle angewiesen sind?

    Carolus: Die Communities sprechen etwas Wesentliches im Menschen an: das Bedürfnis, in Kontakt zu sein. Und dieses Begehren kann durch virtuelle Communities gemütlich von zuhause aus bedient werden. Online-Netzwerke ersetzen aber keineswegs reale Netze. Sie ergänzen diese lediglich.

    Frage: Gelingt es Außenseitern, durch solche Plattformen Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und Freunde zu gewinnen?

    Carolus: Schwächere haben im Internet einen grundsätzlichen Vorteil: Die anderen User können nicht erkennen, wie man aussieht, wie man spricht oder ob man ein Mann oder eine Frau ist. Im Internet kann man sich eben komplett anders darstellen. Für Menschen, die beispielsweise unter einer gänzlich falschen Identität neue Leute kennen lernen möchten, sind virtuelle Communities jedoch weniger geeignet.

    Frage: … warum?

    Carolus: Weil die soziale Kontrolle dort vergleichsweise hoch ist. Denn im SNS umgibt man sich immer auch mit Kontakten aus dem „echten Leben“, also mit Freunden aus der Schule, dem Dorf oder mit Familienmitgliedern. Mit einer falschen Identität ist dies kaum möglich. Somit sinkt die Glaubwürdigkeit und gleichzeitig auch die Chance, im Netzwerk akzeptiert zu werden.

    Frage: … und was ist mit den Stärkeren?

    Carolus: Leute, die sich im realen Leben eh schon gut darstellen können, können das auch Online ganz gut.

    Frage: Geht es denn den Menschen besser, wenn sie mehr Freunde haben?

    Carolus: Da der Mensch ein soziales Wesen und kein Einzelgänger ist, ist er auf soziale Kontakte angewiesen. Sein Empfinden hängt entsprechend stark davon ab. Die Antwort lautet also: ja. Für Netzwerk-User ist es eine ganz zentrale Frage, wie viele Freunde sie haben. Hier scheint zu gelten: je mehr, desto besser. Wer keine oder wenig Freunde hat, fällt dann schon auf. Interessant ist folgendes: Im normalen Leben gelten um die 120 Freunde als Obergrenze. So viele kann man sich gerade noch merken. Netzwerker aber, liegen locker im 500er Bereich.

    Frage: Welchen Nutzen bringen Communities eigentlich den Teilnehmern?

    Carolus: Die Plattformen stillen das Grundbedürfnis, mit Menschen in Kontakt zu treten. Sie ermöglichen es den Teilnehmern, Beziehungen zu pflegen und mit anderen zu kommunizieren. Auch das Dazugehörigkeitsbedürfnis wird befriedigt. Musikanhänger können sich beispielsweise mit Gleichgesinnten austauschen. Und Fußballfans können andere Menschen treffen, die genau den gleichen Lieblingsclub haben.

    Frage: Wird unsere Welt in Zukunft nur noch aus virtueller Kommunikation bestehen?

    Carolus: Viele befürchten, dass sich die einzelnen Mitglieder unserer Gesellschaft immer mehr zurückziehen und nur noch über den Computer agieren – dass die Face-to-face-Kommunikation, also die direkte Verständigung, zurückgeht. Man kann die Situation aber auch anders verstehen und die  virtuelle Kommunikation als eine Reaktion auf die globalisierte Welt betrachten. In der heutigen Zeit leben Familien und Freunde eben nicht mehr wie früher ein ganzes Leben lang in engster Nachbarschaft zusammen. Oftmals verlassen wir aus beruflichen Gründen die Heimat und ab dann wird es eben schwieriger, sich tatsächlich zu sehen, und im persönlichen Gespräch auszutauschen. Soziale Netzwerke helfen hier weiter und ermöglichen es uns, unabhängig von Ort und Zeit, mit anderen in Kontakt zu treten und zu kommunizieren.

    Frage: Abgesehen von Gefahren wie Datenklau oder Angriffen von Hackern – bergen soziale Netzwerke auch „menschliche“ Risiken?

    Carolus: Gerade für Kinder sehe ich eine Gefahr. Bereitwillig geben sie auf den Sozialen Netzwerkseiten all ihre Daten an. Und oftmals wissen die Eltern nicht einmal davon oder verstehen gar nicht genau, was ihre Kinder eigentlich im Computer machen. Kriminelle haben da ein leichtes Spiel. Sich als Erwachsener ein Profil eines 16-Jährigen anzulegen, ist eine Sache von zwei Minuten. Auch Cybermobbing ist ein großes Problem. Minderjährige, die im Internet gedemütigt werden, wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Hier brauchen wir Schulungen in denen Kinder, aber auch ihre Eltern und Lehrer, lernen, wie sie damit umgehen können.

    Frage: Können Communities abhängig machen?

    Carolus: Das hängt davon ab, wie man Abhängigkeit definiert. Es gibt Leute, die den ganzen Tag online sind – auch in Sozialen Netzwerken. Ebenso wie bei manchen Menschen den ganzen Tag der Fernseher läuft. Einschränkend muss man aber darauf hinweisen, dass kaum jemand ununterbrochen zum Fernseher schaut bzw. im Netzwerk tatsächlich aktiv ist. In diesen Fällen handelt es sich um „Nebenbeimedien“. Problematisch wird es, wenn das Online-Engagement dem Individuum in irgendeiner Weise schadet. Wenn andere Bereiche des sozialen Lebens beeinträchtigt werden, Kinder beispielsweise Gleichaltrige gar nicht mehr „offline“ treffen oder Erwachsene ihr komplettes soziales Leben im Internet austragen.

    Frage: Nutzen Frauen soziale Netzwerke anders als Männer?

    Carolus: Ja. Frauen nutzen die virtuellen Plattformen etwas stärker als Männer. Das ist nicht überraschend, da Frauen in der Regel sozialer und kommunikativer sind. In den Foren stellen sich Frauen als Frauen dar. Das heißt, sie präsentieren sich in frauentypischen Rollen, also als attraktiv und begehrenswert auf der einen Seite, als fürsorgliche Mutter auf der anderen. Männer betonen männertypischen Facetten – sie legen Wert auf Status und zeigen sich zum Beispiel als Besitzer eines teuren Autos. Das alles ist nicht unlogisch, schließlich schauen sich andere die Bilder an. Und man möchte die Plattform nutzen, um sich potentiellen Partnern vorzustellen. Auch wenn viele das nicht zugeben wollen, es geht neben dem Thema Freundschaft doch zumindest unterschwellig auch um die Liebe.
       
     

  • Abzocke mit geklauten Identitäten

    Online-Communities machen es leicht, soziale Kontakte zu pflegen/ Doch aufgepasst: Cyberkriminelle haben die Plattformen im Visier

    „Am Samstag hätte ich noch behauptet, dass mir so etwas nie passieren könnte“, erzählt Franz Patzig in seinem Internet-Tagebuch, „heute weiß ich es besser.“ Vor kurzem fiel der  Blogger Betrügern zum Opfer. In gutem Glauben half er einer Freundin mit 150 Euro aus der Patsche. Über Facebook hatte sie ihn kontaktiert und gejammert, mittellos in London festzusitzen. Dass es gar nicht seine Bekannte war, die ihn um Unterstützung bat, erfuhr er kurze Zeit später: „Mein Mitgliedskonto wurde gehackt“, schrieb Lisa.

    „Die Betrüger werden immer erfinderischer“, berichtet Matthias Gärtner, über die Angriffe von Hackern auf Online-Communities wie Facebook, Xing oder StudiVZ.      
    Der Pressesprecher des Bundesamts für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) kennt die Gefahren, die soziale Netzwerke bergen. Die Szene werde immer professioneller und oberstes Ziel der Hacker sei es, mit Angriffen Geld zu machen. Verteufeln dürfe man das ganze freilich nicht. „Man muss sich aber der Gefahr bewusst sein und ein Stück gesundes Misstrauen an den Tag legen“, klärt Gärtner auf.

    Auch Medienwissenschaftler Hendrik Speck weiß um das Gefahrenpotential der Online-Netzwerke: “Ein grundsätzliches Problem entsteht durch den freizügigen Umgang mit den eigenen Daten.“ Den Plattformen sei es dadurch möglich, umfassende Datensammlungen zu erstellen, und die Informationen mit Werbepartnern zu teilen. Auf „mehr Daten als Einwohnermeldeämter“ hätten die Netzwerkfirmen Zugriff. Da hilft nur, sparsam mit den eigenen Daten umzugehen.  

    Noch mehr ärgert sich Speck über  internationale Netzwerke: „Facebook zum Beispiel, sitzt in den Vereinigten Staaten – deutsche Datenschutzbestrebungen erzeugen  deshalb bei dem Unternehmen im besten Fall ein freundliches Lächeln.“ So sei es kein Problem für die Betreiber, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu ändern und Nutzerdaten oder gleich die ganze Website weiterzuverkaufen.  

    Online, unter www.bsi-fuer-buerger.de, finden Surfer Tipps rund um die Sicherheit im Internet. Hier erfährt man zum Beispiel, wie man sich komplizierte Passwörter einfach merken kann. Dazu lohnt ein Blick auf die Seite www.buerger-cert.de. Dort warnen Experten vor Viren, Würmern und Sicherheitslücken in Computeranwendungen

  • Das Mitmach-Web

    Internet-Communities werden immer populärer/ Auch internationale Gemeinschaften finden hierzulande Anhänger

    Leute treffen im Internet: Seit dem Web 2.0 kein Problem mehr. Vor allem junge Menschen begeben sich auf virtuelle Plattformen, um mit Freunden über Musiktrends zu diskutieren, oder um mit ehemaligen Schulkameraden das nächste Klassentreffen zu organisieren. Doch was ist eigentlich dieses „Web Zweinull“? Welches sind die beliebtesten Netzwerke, und wie kommt man rein in die so genannten Communities (engl.: Gemeinschaften)?
     
    Die Zahl 2.0 bedeutet nichts anderes, als dass es sich um die zweite Version des Internets handelt. Web 1.0 war nichts weiter als eine Einbahnstraße. Internetnutzer konnten sich Webseiten anschauen, mehr aber auch nicht. Seit 2004 werden interaktive Webseiten immer populärer. Man kann sich mit anderen austauschen. Seither schießen soziale Netzwerke wie Pilze aus dem Boden.

    Die Auswahl an „Online-Stammtischen“ ist riesig. Egal ob Star-Trek-Fan oder Tierliebhaber –Communities gibt es mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten und für die verschiedensten Zielgruppen. Allein unter dem Stichwort „Community“ liefert Google 1.460.000.000 Treffer. Hier ist ein Überblick über die bekanntesten Netzwerke in Deutschland:

    Für alle:
    Sowohl die deutsche Plattform MeinVZ mit 3,5 Millionen Mitgliedern,  als auch die US-amerikanische Seite FaceBook mit weltweit 250 Millionen Anhängern, richten sich an kein bestimmtes Publikum. Hier sucht man nach ehemaligen Arbeitskollegen, findet Partner für die Freizeit oder bleibt einfach mit Freunden in Kontakt.

    Für Schüler und angehende Akademiker:
    Auf StudiVZ (knapp sechs Millionen Mitglieder) und
    SchülerVZ (fast fünf Millionen Teilnehmer) finden Studenten und Schüler ihren eigenen virtuellen Raum. Aus Jugendschutzgründen kann beim Schülernetzwerk nur Mitglied werden, wer von einem bereits angemeldeten Freund eingeladen wird.  

    Für alte Bekannte:
    In der 6,5 Millionen Mitglieder starken Community Wer-kennt-wen findet man Freunde, Kollegen und Mitschüler. Auch hier gilt: Wer dabei sein will, muss sich von einem Bekannten einladen lassen. Speziell für die Suche nach Schulfreunden ist StayFriends ausgelegt. Auf der Plattform mit mittlerweile acht Millionen registrierten Nutzern, kann gezielt nach einzelnen Personen, Schulen und Abschlussjahrgängen gesucht werden.

    Für Freischaffende und Angestellte:
    Musiker und Künstler finden ihren Platz in der MySpace-Gemeinschaft, die inzwischen über 200 Millionen Mitglieder rund um den Globus verzeichnet. Geschäftskontakte knüpft man bei Xing (mehr als acht Millionen Nutzer weltweit) oder LinkedIn (über 40 Millionen internationale Teilnehmer).

    Für Lokalpatrioten:
    Wer sich für Menschen in seiner näheren Umgebung interessiert, schaut bei www.lokalisten.de vorbei. Mittlerweile drei Millionen Nutzer hat die Gemeinschaft in Deutschland schon.

    Für Kurzangebundene:
    Beim Online-Dienst Twitter können sich Mitglieder gegenseitig Nachrichten mit maximal 140 Zeichen senden. Das Besondere dabei ist, dass die Texte auch ohne das Internet per SMS vom Mobiltelefon aus verbreitet werden können. Wer hier mitmachen möchte, sollte sich nicht nur kurz fassen können, sondern auch über Grundkenntnisse in Englisch oder Japanisch verfügen. Denn das sind derzeit die beiden einzigen Sprachen in denen das  Anmeldeformular ausgefüllt werden kann.

    Die Registrierung bei einer Community dauert in der Regel nur wenige Minuten. Schließlich wird man „nur“ nach Namen, Geschlecht, Geburtsdatum, Emailadresse und Passwort gefragt. Das erforderliche Abtippen des Sicherheitscodes allerdings, kann zum Geduldspiel werden. Denn der kommt in handschriftlichen Buchstaben daher, und ist nicht immer leicht zu entziffern. Manchmal benötigt es mehrer Anläufe, bevor der Wirrwarr aus Zahlen und/oder Buchstaben richtig eingegeben ist.

    Etwas Geduld sollte auch mitbringen, wer auf der Suche nach den deutschen Versionen der internationalen Webseiten (ausgenommen Twitter) ist. Internet-Suchmaschinen spucken für gewöhnlich zuerst die Treffer für die Community im Ausland aus. Erst einige Suchergebnisse später erscheint der Link zur deutschen Seite.

  • Der Traum ist aus

    Gewinneinbruch bei der Bahn / Nix mehr los in der Logistik / Grube schließt Stellenabbau nicht aus

    Die erste Zwischenbilanz als Chef der Deutschen Bahn hat sich Rüdiger Grube sicher angenehmer vorgestellt. Doch 112 Tage nach Übernahme des Postens muss der Konzern an allen Ecken und Enden kämpfen. Die Wirtschaftskrise macht der Bahn schwer zu schaffen. Im ersten Halbjahr ging der Gewinn um 40 Prozent auf knapp 550 Millionen Euro zurück. Der Umsatz sank um 14 Prozent auf gut 14 Milliarden Euro. „Wir schreiben weiterhin schwarze Zahlen“, konnte Grube wenigstens eine gute Nachricht verkünden.

    Dies gilt nicht für alle Geschäftsbereiche. Der Güterverkehr ist ins Minus gerutscht. Fast 130 Millionen Euro butterte das Unternehmen hier zu. Grund ist die weltweite Wirtschaftskrise, die mit der Stahl-, Chemie- und Autoindustrie besonders jene Branchen trifft, die besonders viele Güter auf der Schiene transportieren. „Die Stahlproduktion ist auf dem Niveau der 50er Jahre“, verdeutlicht Grube den Einbruch im Stammgeschäft. Bei LKW-Transporten sowie dem Frachtgeschäft in der Luft und zur See sieht es nicht viel besser aus. Hier gingen die Erlöse um fast 25 bis 30 Prozent zurück. Der Gewinn reduzierte sich um fast 80 Prozent.  

    Der Traum vom weltweit einträglichen Logistikgeschäft ist erst einmal ausgeträumt. Grube kündigte an, dass vorläufig keine weiteren Unternehmen zugekauft werden. Dabei wollte der Konzern bisher vor allem in dieser Sparte wachsen und mit dieser Aussicht private Investoren ködern. Daraus wird vorerst nichts. „Wir sehen noch keine Anzeichen für eine Stabilisierung“, räumte Finanzchef Diethelm Sack ein. Die Bahn rechnet mit einer mehrjährigen Durststrecke. Erst in fünf Jahren kann das Unternehmen demnach den Stand von 2008 wieder erreichen.

    Als Hort der Stabilität erweist sich derzeit der Personenverkehr. Zwar gingen auch im Fernverkehr die Umsätze zurück. Doch lag dies vornehmlich am ausgedünnten ICE-Verkehr. Auf den Regionalstrecken konnte die Bahn sogar höhere Erlöse verzeichnen. Dennoch will Grube keinen grundsätzlichen Strategiewandel hin zum reinen Inlandsgeschäft vollziehen. Dafür stehe er nicht zur Verfügung, stellte der Vorstand klar.

    Mit einem rigiden Sparkurs will Grube durch die Krise kommen. Die Kosten sollen um zwei Milliarden Euro jährlich gesenkt werden. Einsparungen in der Verwaltung sollen allein ein Zehntel davon bringen. So streicht Grube etwa eine ganze Hierarchieebene ein. Auch einen Stellenabbau schließt der Vorstand nicht mehr aus. Derzeit sind 8.000 der 240.000 Beschäftigten auf Kurzarbeit gesetzt. Die Zahl könnte bis zum Jahresende auf 10.000 ansteigen. Wenn die Krise anhält, werden Stellen abgebaut. Betriebsbedingte Kündigungen soll es aber weiterhin nicht geben.

    Ein paar Lichtblicke hat Grube dennoch ausmachen können. Im Unternehmen wurde aufgeräumt. Etliche Manager und Vorstände mussten als Folge der Datenskandale und der Missstände bei der Berliner S-Bahn gehen und wurden durch unbelastetes Personal ersetzt. Auch das Verhältnis zur Politik hat sich nach Einschätzung des Bahnchefs wieder verbessert.

    Eine Reaktion aus dem Bundestag auf die Bilanz lässt anderes vermuten. „Die Halbjahreszahlen sind noch schlechter, als sie auf den ersten Blick erscheinen“, kritisierte der verkehrspolitische Sprecher der Union, Dirk Fischer, die Geschäftspolitik. Nur die staatlichen Zuschüsse hätten der Bahn zu schwarzen Zahlen verholfen. Fischer warf den für die Bahn zuständigen SPD-Ministern ein Versagen in ihrer Beteiligungspolitik vor.

    Einen Ausblick auf das Gesamtjahr wollten die Vorstände noch gar nicht wagen. Offen ist auch noch, ob die Fahrpreise im Dezember wie zuletzt in schöner Regelmäßigkeit angehoben werden. „Darüber wird im Herbst entschieden“, kündigte Grube an.

  • Schwere Jahre

    Kommentar

    Der Bahn stehen schwere Jahre ins Haus. Die Hoffnung auf stetig wachsende Gewinne aus dem internationalen Transportgeschäft hat sich nicht erfüllt. Die Krise der Weltwirtschaft hat die Logistikbranche besonders hart getroffen. Wenn nicht produziert wird, muss auch nichts transportiert werden. Hort der Stabilität sind allein der Personenverkehr in Deutschland und der Betrieb des staatlich subventionierten Netzes. Damit ist der Börsengang für viele Jahre unmöglich geworden. Es gibt schlicht keine „Story“ mehr, mit denen Investoren angeworben werden können.

    Jetzt zeigt sich auch das hohe Risiko, dass der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn mit Blick auf die Börse eingegangen ist. Da wurden auf Pump Beteiligungen zugekauft, die heute sicher weniger wert sind und ein gewaltiger Schuldenberg aufgetürmt. Für Zinsen gingen allein im ersten Halbjahr 450 Millionen Euro drauf. In schlechten Zeiten ist dies eine enorme Belastung.

    Diese Entwicklung scheint also jenen Kritikern Recht zu geben, die die Bahn gerne als rein inländisches Verkehrsunternehmen sehen würden. So einfach ist es nicht. Von der Krise sind alle Transportunternehmen betroffen, vielfach noch stärker. Die zweigleisige Geschäftsstrategie der Deutschen Bahn bewährt sich eher. Trotz eines denkbar schlechten Umfelds schreibt der Konzern nach wie vor schwarze Zahlen. Wenn die Konjunktur irgendwann einmal wieder richtig anspringt, werden auch die momentan weniger lukrativen Sparten wieder kräftige Gewinne abwerfen.

    Statt einer völligen Neuausrichtung ist vielmehr Geduld und Bescheidenheit gefragt. Dann kann die Bahn am Ende international auf der Gewinnerseite stehen, auch wenn es jetzt gerade nicht so aussieht.

  • Im Osten keine Kreditklemme

    Unternehmen werden vorsichtig/ Krise noch nicht richtig angekommen

    Unternehmen in den neuen Ländern können weiterhin Darlehen erhalten. Von generellen Finanzierungsschwierigkeiten kann nach Einschätzung des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV) keine Rede sein. „Bei uns sprudelt es aus dem Kredithahn“, sagte OSV-Präsident Claus Friedrich Holtmann am Donnerstag in Berlin. Im ersten Halbjahr haben die Mitgliedsinstitute sogar deutlich mehr Darlehen zugesagt und ausgezahlt als im Vergleichszeitraum 2008.

    Die 49 OSV-Sparkassen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt zahlten in den ersten sechs Monaten 2009 neue Kredite in Höhe von insgesamt  2,7 Milliarden Euro aus. Das sind 21,5 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Davon entfielen 1,2 Milliarden Euro auf Unternehmen und Selbständige sowie eine Milliarde Euro auf Privatpersonen. Im gleichen Zeitraum stieg auch die Höhe der neu bewilligten, aber noch nicht abgerufenen, Kredite.

    Viele Kredite werden gar nicht abgerufen. Offenkundig scheuen besonders kleine Unternehmen Investitionen und Risiken angesichts der insgesamt unsicheren Auftragsentwicklung. Im Herbst könnte sich die Situation aber verbessern, hofft Holtmann. Die Zuversicht basiert auf den Konjunkturpaketen der Bundesregierung, die allmählich greifen und vor allem Handwerksbetrieben zu Aufträgen verhelfen.

    Von einer Kreditklemme kann auch in Sachsen keine Rede sein. Die 15 Sparkassen des Freistaates zahlten im ersten Halbjahr 2009 knapp eine Milliarde Euro neue Kredite aus, ein Zuwachs um 13 Prozent. Fast die Hälfte des Geldes entfiel auf Unternehmer und Selbständige, 40 Prozent gingen an private Haushalte.

    Bislang haben die Sparkassen die Krise recht gut überstanden. Holtmann rechnet in diesem Jahr sogar mit einer Gewinnsteigerung um gut vier Prozent. 2010 wird dem OSV-Präsidenten zufolge schwieriger. Dann dürfte sich die Konjunkturflaute auf die Zahlungsfähigkeit der Kunden auswirken. Die Sparkassen richten sich auf höhere Kreditausfälle ein.

           

  • Viele Fehler beim Scoring

    Schufa & Co haben viele falsche Daten im Bestand / Aigner fordert mehr Verbraucherfreundlichkeit

    Die großen Wirtschaftsauskunfteien wie die Schufa arbeiten äußerst nachlässig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesverbraucherministeriums. „Die Fehlerquote ist einfach zu hoch“, sagte Ministerin Ilsa Aigner am Dienstag in Berlin. Bei der Schufa erwiesen sich beispielsweise mehr als die Hälfte der Selbstauskünfte als fehlerhaft.

    Die Auskunfteien schätzen anhand verschiedener persönlicher Daten die Zahlungsfähigkeit der Kunden ein. Das so genannte Scoring-Verfahren ergibt am Ende eine Punktwert. Je höher der Wert desto geringer ist der Wahrscheinlichkeit, dass jemand seine Rechnung nicht bezahlen kann. Für die Kunden kann ein schlechtes Ergebnis gravierende Folgen haben. So werden Kredite eventuell verwehrt oder nur zu höheren Zinsen ausgereicht. Auch kann es vorkommen, dass Diskokredite über Nacht gekündigt werden und Versandhändler Waren nicht gegen Rechnung sondern nur per Nachnahme liefern.

    Für die Untersuchung forderten 100 verdeckte Prüfer bei den Auskunfteien die dort über sie gespeicherten Daten ab. „Bei keiner sind Verbraucherdaten in vollständiger oder befriedigender Weise abgespeichert“, bemängelte der Autor der Studie, Dieter Korczak. Mal fehlten Angaben zu einem vorhandenen Girokonto, mal war die Adresse falsch. Scheinbar harmlose Fehler können Folgen für die Bonitätseinstufung haben. Wer kein Girokonto hat, dessen Kreditwürdigkeit wird beispielsweise herabgestuft. Auch mit der Löschung falscher Daten klappt es mitunter nicht. Eine Witwe musste lange unter einem falschen Negativeintrag bei einer Auskunftei leiden. Denn aufgrund dessen kündigte die Hausbank ihren Dispo und ihr Konto. „Teilweise sind gravierende Fehler aufgetreten“, erläuterte Korczak.

  • Ein weiter Weg

    Kommentar

    Nationale Aktionspläne haben offenkundig eines gemeinsam. Sie formulieren in schwammigen Worten große Ziele und bleiben doch seltsam unfassbar und unverbindlich. Dies gilt für den nun verkündeten Einstieg ins Zeitalter der Elektroautos auch. Die sauberen E-Mobile, möglichst aus erneuerbaren Energien gespeist, werden als Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel und das Ende des Ölzeitalters gepriesen. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee erwartet gar eine mobile Revolution. Das alles ist viel zu hoch gegriffen.

    Seit vielen Jahren schiebt die Industrie die Markteinführung alternativer Antriebe vor sich her. Die Entwicklung kommt insbesondere bei den Batterien nicht schnell genug voran. Es bedarf noch eines technologischen Quantensprungs für eine wirtschaftliche und alltagstaugliche Speichertechnik. Ob dieser Fortschritt in gewünschter Zeit erreicht werden kann, ist völlig offen. Auch die flächendeckende Infrastruktur für das Laden der E-Mobile fehlt. Beträchtliche Investitionen werden dafür notwendig sein. Es erscheint fraglich, ob sich der Einsatz für private Firmen lohnen kann, solange nur wenig Nachfrage besteht. Der Staat ist hier gefordert, doch der hat in den nächsten Jahren nur begrenzte finanzielle Spielräume. Gleiches gilt für die Kaufanreize, ohne die die ersten, teuren Serienmodelle kaum absetzbar sein werden. Eine Festlegung darauf fehlt. Das erhöht das Risiko der Industrie und mindert so die Bereitschaft zu verstärkten Entwicklungsanstrengungen.

    Andere Industrienationen gehen die Elektromobilität viel aggressiver an und könnten sich an die Spitze der Bewegung stellen. Der Anschluss sollte ob der vielen mit der Elektromobilität verbundenen Chancen nicht verpasst werden. Dazu müssten sich die diffusen Absichtserklärungen in schnelle Erfolge verwandeln. Absehbar ist dies nicht. Ein gehöriges Maß an Skepsis am Heilsbringer E-Mobilität ist also angezeigt. Es ist noch ein weiter Weg, bis der Traum vom sauberen Verkehr Wirklichkeit wird.

  • Bund hofft auf das E-Mobil

    Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nationale Aktionsplan

    Ersetzt der Elektromotor bald den herkömmlichen Antrieb durch Benzin- oder Dieselmotoren?
    Die Umstellung der gesamten Fahrzeugflotte auf umweltfreundliche Antriebe wird Jahrzehnte dauern. Bislang gibt es noch nicht einmal alltagstaugliche und serienreife Modelle. Die Bundesregierung will die Entwicklung in den nächsten Jahren forcieren. Bis zum Jahr 2020 sollen eine Million E-Mobile auf Deutschlands Straßen fahren. Die Zahl klingt beeindruckend. Bei einer Gesamtzahl von rund 50 Millionen Fahrzeugen ist der Anteil der Elektrofahrzeuge dann aber immer noch sehr gering. Erst zur Mitte des Jahrhunderts erwarten Fachleute den endgültigen Abschied vom Verbrennungsmotor. Dann könnte entweder der reine Elektroantrieb, der Wasserstoff verbrennende oder die Brennstoffzelle zum neuen Standard werden.

    Wann kommen die ersten E-Mobile auf den Markt?

    Der Bundeswirtschaftsminister rechnet ab 2011 mit den ersten Angeboten der Autoindustrie. Zwischen 2012 und 2017 soll die Markteinführung der ersten Serienmodelle stattfinden. Am Ende dieser Phase wird der Planung nach die bislang sehr teure Produktion aufgrund der Nachfrage billiger. Mit sinkenden Fahrzeugpreisen könnten die Elektrofahrzeuge dann allmählich den erhofften Siegeszug antreten.

    Wie viel werden die ersten Modelle kosten?

    Klar ist derzeit nur, dass die ersten Käufer tief in die Tasche greifen müssen. Das liegt vor allem am aufwändigen und schweren Energiespeicher im Auto. Heute kostet allein die Batterie für ein Elektroauto zwischen 10.000 Euro und 15.000 Euro. Erst wenn die Herstellungskosten für die Batterien sinken und die Nachfrage eine Massenfertigung lohnenswert werden lässt, werden die E-Mobile konkurrenzfähig. Ohne eine staatliche Hilfe beim Kauf wird die Markteinführung deshalb nur schwer gelingen. Frankreich geht diesen Weg und schießt 5.000 Euro für besonders umweltfreundliche Autos zu. Auf eine ähnliche Förderung konnte sich die große Koalition hierzulande nicht einigen. Das soll die nächste Bundesregierung entscheiden.

    Wo liegen die Schwierigkeiten bei der Entwicklung?

    Zwei gewaltige Herausforderungen müssen die Ingenieure und Strategen meistern. Die Batterien für den Elektroantrieb gleichen immer noch Dinosauriern. Sie sind zu groß und zu schwer für den Einsatz im Verkehr. Außerdem ist die Reichweite der Fahrzeuge mit einer Speicherladung noch viel zu gering. Nach höchstens 200 Kilometern müssen die meisten tauglichen Prototypen an die Steckdose. Darin besteht die zweite große Aufgabe. Es gibt bisher keine Infrastruktur, die das Aufladen der Batterien allerorten erlaubt. Dagegen erscheint das dritte Problem vergleichsweise harmlos. Die Autoindustrie muss aus der neuen Technik ein attraktives und verkaufsfähiges Produkt machen.

    Wie „tankt“ der Fahrer eines Elektrofahrzeugs?

    Mit der Markteinführung muss auch Netz von Stromtankstellen aufgebaut werden. Dafür sind verschiedene Varianten denkbar. Eine Möglichkeit ist das Laden der Batterie über Nacht in der eigenen Garage. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee schließt auch ein öffentliches flächendeckendes Steckdosennetz nicht aus. Als Alternative kommen auch Stationen in Betracht, an denen die Autofahrer ihre leere Batterie gegen eine aufgeladene austauschen können. Die Versorgungsinfrastruktur soll in den nächsten Jahren in bundesweit acht Modellregionen erprobt werden. Das sind München, Stuttgart, Berlin/Potsdam, Bremen/Oldenburg, Hamburg, Sachsen, das Rhein-Ruhr- und das Rhein-Main-Gebiet.

    Wird aus der Abhängigkeit vom Öl nun eine von den vier großen Energieversorgern?

    Die Versorger freuen sich schon auf den zusätzlichen Bedarf. Die nächtliche Batterieladung würde die Kapazitäten der Kraftwerke besser auslasten. Die Abhängigkeit von den Stromproduzenten würde sich den Planungen nach nur geringfügig erhöhen. Laut Bundesregierung steigt der Strombedarf beim Einsatz von einer Million Elektrofahrzeugen lediglich um 0,3 Prozent. Viel wird trotzdem davon abhängen, ob auf dem Energiemarkt endlich ein Wettbewerb mit vielen dezentralen Anbietern in Gang kommt. Sonst steigt die Macht der vier großen Energiekonzerne in Deutschland nach und nach weiter an.

    Ist das E-Mobil der Klimaretter?

    Die Fahrzeuge selbst sind sauber. Es gibt keine Abgase und die Lärmbelästigung ist minimal. Ob der Umstieg etwas für den Klimaschutz bringt, hängt von der Stromerzeugung für die Batterien ab. Ein echter Gewinn sind Elektrofahrzeuge nur, wenn ihr Betriebsstrom aus erneuerbaren Energien kommt. Andernfalls müssen irgendwo Kraftwerke mehr Kohle, Gas oder Öl verbrennen, beziehungsweise Atomkraftwerke mehr Elektrizität liefern. Das würde die Bilanz des E-Mobils deutlich verschlechtern.

    Ist Deutschland in der Technik Spitzenreiter?

    Deutschland steht technologisch zwar nicht schlecht da. 500 Millionen Euro gibt der Bund für die Entwicklung des Elektromotors aus. Doch andere Länder stecken weitaus mehr Geld in alternative Antriebe. Drei Milliarden Euro gibt China aus, mit zwei Milliarden Dollar fördert die US-Regierung allein die Erforschung besserer Batterien. Das deutsche Ziel, bald Leitmarkt für Elektromobile zu werden, erscheint daher etwas zu ehrgeizig.

  • Bioprodukte sind doch besser

    EU-Studie belegt höheren Gehalt an nützlichen Stoffen

    Gemüse oder tierische Produkte aus biologischem Anbau weisen einen höheren Anteil an nützlichen Wertstoffen auf als konventionelle erzeugte Nahrungsmittel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), das im Auftrag der EU fünf Jahre lang Kohl, Salat, Tomaten, Kartoffeln und Milch analysiert hat. Im Ökogemüse fanden die Forscher höhere Anteile an Vitaminen sowie Stoffen, die die Abwehrkräfte gegen Krebs oder Infekte stärken. Biomilch erwies sich als deutlich nahrhafter als herkömmliche. Den Grund dafür sieht FiBL-Chef Urs Niggli im Futter der Kühe, die auf Biohöfen mehr Grünfutter erhalten oder direkt auf der Weide grasen. Beim Gemüse sei die organische Düngung Ursache der besseren Ergebnisse.

    Hart ins Gericht ging der Wissenschaftler mit einer kürzlich in England veröffentlichten Studie, die zu einem anderen Ergebnis kam. Dort seien wichtige Forschungsergebnisse und relevante Fakten ausgeblendet worden, kritisierte Niggli. So berücksichtigte die britische Untersuchung zum Beispiel nicht, konventionelle Lebensmittel höher mit Rückständen von Pestiziden, Wachstumshormonen oder Schwermetallen belastet sind als Bioerzeugnisse.

  • Weiter Weg

    Kommentar

    Deutschland will erklärtermaßen „weg vom Öl“. Der Weg ist noch weiter, als viele denken. Insbesondere der Straßenverkehr wird noch viele Jahre auf das schwarze Gold angewiesen sein. Alternative Antriebe wie die Brennstoffzelle oder der Elektromobil werden den Verbrennungsmotor noch lange nicht ersetzen können. Eine Million Elektrofahrzeuge sollen zwar bis zum Jahr 2020 verkauft werden. Doch das sind gerade einmal zwei Prozent der gesamten Fahrzeugflotte. Sonderlich ambitioniert ist das Ziel daher nicht, schon gar nicht aus Sicht des Klimaschutzes.

    Wenn der CO2-Ausstoß des Verkehrs tatsächlich dauerhaft stark gesenkt werden soll, geht dies nur durch die Entwicklung sparsamer Modelle und die Einsicht der Verbraucher in den Kauf derselben. Es ist ja nicht nur die Schuld der Autokonzerne, dass große und verbrauchsstarke Limousinen das Straßenbild lange beherrschten. Es sind die Käufer der Karossen, die eine unnötige Umweltbelastung für das persönliche Fahrvergnügen in Kauf nehmen. Der Benzinpreisschock 2008 zeigt schon Wirkung. Sparmobile verkaufen sich immer besser. Die neue Auto-Umweltliste zeigt, dass die Käufer der besten Modelle keineswegs auf Komfort verzichten müssen.

    Die Industrie kann also saubere Autos bauen. Damit sie es auf der gesamten Breite aber auch tut, sind Verbraucher und Staat gefragt. Die einen können ihre Kaufentscheidung an die Umweltverträglichkeit des Fahrzeugs koppeln. Der Staat kann durch die Kfz-Steuer oder schärfere Grenzwerte Hersteller zum Besten aller zwingen. Dann gelingt es VW und Co vielleicht auch einmal, die japanischen Serienmeister in der Hitliste der Sparmobile vom Thron zu stoßen.