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  • Unterhaltungselektronik trotzt der Krise

    Branche erwartet nur leichten Umsatzrückgang / Bald gibt es 3D-Fernseher / Funkausstellung erwartet Rekordumsätze

    Flachbildfernseher und HiFi-Geräte erfreuen sich bei den Konsumenten einer ungebrochenen Beliebtheit. So zeigen sich die Hersteller der Unterhaltungselektronik kurz vor Beginn der Internationalen Funkausstellung (Ifa), die am Freitag eröffnet wird, vom allgegenwärtigen Krisengerede unbeeindruckt. „Wir erwarten auf der Ifa in diesem Jahr erneut ein Ordervolumen von mehr als drei Milliarden Euro“, sagte der Chef der Gesellschaft für Konsumelektronik (gfu), Rainer Hecker. Insgesamt erwartet die Branche in diesem Jahr mit rund 23 Milliarden Euro Umsatz ein leichtes Minus von 1,5 Prozent.

    Für die sinkenden Einnahmen ist weniger die Zurückhaltung der Kunden als vielmehr der Preisverfall bei den flachen TV-Geräten verantwortlich. Während die Industrie in anderen europäischen Ländern eine deutliche Kaufzurückhaltung feststellt, ist die Konsumlaune der deutschen Verbraucher nach wie vor hoch.

    Ganz große Neuerungen sind auf der Messe diesmal nicht zu sehen. Vielmehr werden bestehende Technologien verfeinert und verbessert. So schreitet beispielsweise die Verschmelzung von Handy, Computer und TV weiter voran. Auch beim hochauflösenden Fernsehen verbessern sich Bilder und Töne weiter. Mehr als sieben Millionen Flachbildgeräte werden in diesem Jahr in Deutschland verkauft. Bald schon wird in jedem zweiten Haushalt das Röhrengerät durch die neue Generation ersetzt worden sein. Eines der größten Probleme soll bald der Vergangenheit angehören. Bislang gibt es kaum hochauflösend produzierte Filme oder Sendungen. Im nächsten Jahr wollen die öffentlich-rechtlichen Kanäle dann regelmäßig gestochen scharfe Bilder liefern. Die Privatsender planen ebenfalls Angebote. Auf der Ifa sollen auch Prototypen der nächsten TV-Generation mit räumlichen Bildern vorgestellt werden: der 3D-Fernseher.

    Die Berliner Messegesellschaft ist schon jetzt vom Erfolg der Ifa überzeugt. 1150 Aussteller haben sich angemeldet, das Gelände ist weitgehend ausgebucht. Vertreten sind neben der Konsumelektronik auch die Hersteller von Haushaltsgeräten. Auch diese Sparte zeigt sich mit dem Geschäftsverlauf in diesem Jahr zufrieden, denn vor allem hochwertige Kühlschränke und Waschmaschinen sind gefragt. Miele und Siemens vermeldeten Umsatzgewinne. Dafür sorgt vor allem der Wunsch der Kunden nach energiesparenden Geräten.

  • Top oder Flop?

    Contra Abwrackprämie

    Hat die Abwrackprämie Arbeitsplätze gesichert?

    Natürlich profitieren die Beschäftigten in der Automobilindustrie von den vielen Autokäufen. Doch erstens ist der Effekt nur kurzfristig. Die Nachfrage nach neuen Autos wird schnell drastisch einbrechen. Die Jobs in den Autofabriken geraten erneut in Gefahr. Zweitens leiden andere Sparten durch die Förderung, Gebrauchtwagenhändler und Werkstätten zum Beispiel. Auf die Autohändler rollt nach Einschätzung von Experten eine Pleitewelle zu, weil die Kunden nun ausbleiben. Im schlimmsten Fall gehen dort 90.000 Jobs verloren. Stellen kostet die Prämie auch in anderen Branchen. Denn das Geld für den Autokauf hätten viele Kunden sonst teilweise für andere Konsumgüter, für Möbel, Unterhaltungselektronik oder Küchengeräte ausgegeben.

    Lohnt sich der Milliardenaufwand?

    Es ist nur ein Strohfeuer zugunsten einer Branche entfacht worden, die aufgrund eigener Fehler kriselt. Allein der Arbeitnehmer bei Opel oder VW wegen lässt sich zähneknirschend damit leben. Die Unternehmen haben die Hilfe nicht verdient. Da schachern VW und Porsche um die Vormacht im neuen Superkonzern, führt Opel-Mutter GM die Bundesregierung am Ring durch die Manege. Wenn schon Subventionen, dann sollten sie in zukunftstaugliche Anschaffungen fließen. Für die Entwicklung der Elektromobile stehen 500 Millionen Euro bereit, für die Abwrackprämie hat der Bund zehn Mal so viel verschleudert.

    Wer ist Nutznießer der Prämie?

    Neben den Beschäftigten in den Autofabriken sind die Kunden die größten Nutznießer der Prämie. Die Förderung erweckt den Anschein der Gerechtigkeit. Endlich rettet der Staat mal nicht nur Banken und Großkonzerne, sondern hilft auch den kleinen Leuten. Das ist allerdings ein fataler Trugschluss. Denn die Steuerzahler müssen für die Prämie am Ende aufkommen. Die kleinen Leute, die sich kein Auto leisten können, finanzieren mit ihren Steuergroschen den Autokauf anderer.  

    Hilft der Kaufrausch der Umwelt?

    Die Umwelt hat wenig von der Abwrackprämie. Vielmehr werden gewaltige Summen in eine überholte Technik gesteckt, die für die Umwelt gar nicht gut ist. Wenn der Staat schon großzügig sein will, müsste er zukunftsfähige Technologien unterstützen. Die Auszahlung der Prämie wurde nicht einmal an die Auflage gekoppelt, ein möglichst spritsparendes Fefährt zu erwerben. Auch für die PS-starke Limousine gab es den Zuschuss, sofern die Voraussetzungen dafür erfüllt wurden.

    Sollte der Staat der Wirtschaft weiter durch Subventionen helfen?

    Jetzt muss erst einmal Schluss sein mit den Hilfen für einzelne Branchen wie der Autoindustrie. Eine Verlängerung der Prämienzahlung würde auch gar nicht mehr viel bringen, weil die meisten Anschaffungswünsche nun bereits erfüllt sind. Die Bevorzugung einer einzelnen Sparte war ein Fehler, der möglichst nicht wiederholt werden sollte, auch nicht, wenn es einmal in einer anderen Branche schlecht läuft. Denn am Ende gewinnen wenige, aber viele müssen es mit ihren Steuern bezahlen, ohne das ein langfristiger Effekt erzielt wird.

  • Top oder Flop?

    Pro Abwrackprämie

    Sichert die Abwrackprämie Arbeitsplätze?
    Mit der Prämie hat die Regierung Hunderttausende Arbeitsplätze geschützt – genau richtig angesichts der Wirtschaftskrise. Auch in den kommenden Monaten drohen keine Massenentlassungen. Denn die Abwrackprämie hat den Autoverkauf im Vergleich zu den Vorjahren nicht auf abenteuerliche Höhen getrieben. 2009 melden die deutschen Autokäufer etwa 3,6 Millionen Fahrzeuge neu an – weniger als beispielsweise 1999. Die Wirtschaft kann mit solchen Boomjahren und den dazwischen liegenden Tälern offenbar gut umgehen, ohne dass es zu gigantischen Verwerfungen kommt. Die Sorge, dass demnächst 6.500 Autohändler schließen müssen, grenzt deshalb an Panikmache. Weil sich die Wirtschaft schneller erholt, als ursprünglich angenommen, werden auch nächstes Jahr viele Autos verkauft. Prognosen sagen, dass die Neuanmeldungen 2010 nur wenig unter der Normalmenge von rund drei Millionen liegen werden.

    Lohnt sich der Milliardenaufwand?
    Die Ausgaben dienen der gesamten Volkswirtschaft. Einen großen Teil des Geldes zahlen die Autohersteller und Händler als Löhne an ihre Beschäftigten. Diese finanzieren damit ihr tägliches Leben und sichern durch diese Nachfrage Arbeitsplätze in allen anderen Branchen. Nur deshalb geht es Deutschland gegenwärtig noch so gut: Die Binnennachfrage der Verbraucher läuft insgesamt erstaunlich stabil, während der Export nachgelassen hat.

    Wer ist Nutznießer der Prämie?
    Anders als die Rettungspakete für Banken kommt die Abwrackprämie direkt den Bürgern zugute. Im Sinne einer gerechteren Verteilung staatlicher Mittel dient sie den so genannten „kleinen Leuten“ – den Beschäftigten und Konsumenten. Außerdem profitiert die deutsche Wirtschaft überdurchschnittlich. Fast 65 Prozent aller in Deutschland angemeldeten Fahrzeuge wurden auch hier hergestellt. Durch die Abwrackprämie stieg zwar der Anteil importierter Kleinwagen – dem steht aber gegenüber, dass der Automarkt ein weltweiter ist. Von der Verschrottungsprämie in den USA profitiert unter anderem VW, weil diese Autos sparsamer sind als die dicken US-Modelle.

    Hilft der Kaufrausch der Umwelt?
    Die Prämie kam zur rechten Zeit. Sie unterstützt den Wandel auf dem Automarkt von großen, spritfressenden zu kleineren, umweltfreundlicheren Fahrzeugen. Die Bürger erwarben vermehrt kleine Fahrzeuge, weil sich die Prämie von 2.500 Euro im Vergleich zum Kaufpreis dabei besser rechnete. Ein ökologischer Fortschritt ist auch eingetreten, weil alte Spritschlucker durch effiziente Autos ersetzt wurden.

    Sollte der Staat der Wirtschaft weiter durch Subventionen helfen?
    Das Prinzip der Abwrackprämie kann man grundsätzlich in andere Bereiche der Wirtschaft übertragen. Es ist sinnvoll, dass der Staat technische und ökologische Modernisierungen finanziell unterstützt. In der Energieerzeugung klappt das sehr gut. Warum soll man nicht auch den Erwerb umweltfreundlicher Kühlschränke und Waschmaschinen fördern?

  • Merkel will Banken entschleunigen

    Vorschriften für höhere Kapitalreserven könnten Instituten manches Geschäft verleiden. Ausfallrisiko und mögliche Kosten für den Staat würden sinken

    Banken-Hasser wie manche Linke sind Angela Merkel und Peer Steinbrück natürlich nicht. Und doch treibt die Bundeskanzlerin und den Bundesfinanzminister eine grundlegende Sorge um. Die Finanzkrise habe gezeigt, so finden beide, dass viele global tätige Institute mittlerweile schlicht zu groß geworden seien.


    „Zu groß, um gerettet zu werden“ – so lautet der Satz, mit dem Merkel und Steinbrück diesen Missstand beschreiben. Soll heißen: Schon ein auf den ersten Blick unbedeutendes Institut wie die Münchner Hypo Real Estate (HRE), ist so groß und wichtig, dass der Staat sie nicht einfach pleitegehen lassen kann. Andererseits aber fehlt dem Bund das Geld, um reihenweise Banken wie die HRE zu retten. Alleine in diesem Fall hat der Staat rund 100 Milliarden Euro aus Steuergeld zur Verfügung gestellt.


    Merkels Schlussfolgerung ist daher naheliegend: „Keine Bank darf so groß werden, dass sie eine Regierung erpressen kann“. Dies sagte die Kanzlerin nach einem Treffen mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Montag Abend. Die Frage ist nun: Wie kann man es schaffen, die Institute künftig in die Lage zu versetzen, die Mittel für ihre Rettung selbst aufzubringen? Die internationale Debatte darüber hat gerade erst begonnen. Die Bundesregierung will erreichen, dass der Gipfel der 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) Ende September in Pittsburgh/ USA dazu erste Beschlüsse fasst.


    In Berlin hat man bereits eine Idee, wie eine Lösung aussehen kann. Nach ihrem Gespräch mit Sarkozy schlug Merkel vor, den Banken in einem internationalen Abkommen vorzuschreiben, dass sie für besonders risikoreiche Geschäfte hohe Summen eigenen Geldes in Reserve halten müssen. Der Grundsatz würde lauten: geringes Risiko, geringe Kapitalreserve – hohes Risiko, viel Eigenkapital. Im Notfall stünden den Instituten damit mehr Mittel zur Verfügung, um einen größeren Teil der von ihnen angerichteten Schäden selbst zu bezahlen. Außerdem würde ihr Wachstum eingeschränkt: „Höhere Eigenkapitalanforderungen machen die Geschäfte der Institute teurer und reduzieren sie potenziell auch“, sagt Hermann Wagner, Professor an der Frankfurt School of Finance.


    Der Mechanismus progressiver Kapitalreserven ist heute schon wirksam. Das Abkommen „Basel 2“, benannt nach dem Sitz des internationalen Bankenausschusses, schreibt den Instituten Eigenkapital von bis zu acht Prozent der jeweiligen Geschäftssumme vor. Angesichts der Finanzkrise diskutieren die Fachleute allerdings darüber, wie weit diese Grenze anzuheben ist. Unter anderem „wird man auch über eine deutliche Erhöhung des haftenden Eigenkapitals bei bestimmten Geschäftsmodellen reden müssen“, so Finanzprofessor Wagner. Der Bundesverband Deutscher Banken, der die privaten Institute vertritt, hat sich mit einer solchen Verschärfung der Regeln zähneknirschend abgefunden.


    Von diesem Ansatz abgesehen, sind weitere Eingriffe in die Geschäftsmodelle der Banken in der Diskussion. In der Schweiz arbeitet die Nationalbank an der Begrenzung der Marktanteile von Großbanken wie UBS und Credit Suisse. Und der Chef der britischen Finanzaufsicht FSA, Adair Turner, hat ungelängst vorgeschlagen, die Gewinne der Banken durch eine neue internationale Steuer abzuschöpfen.

  • Banker sollen Boni zurückzahlen

    Die Politik reagiert zunehmend ungehalten auf hohe Bonuszahlungen bei Banken. Merkel trifft Sarkozy. Erfolgsprämien normaler Bankangestellter nicht betroffen

    Die US-Bank Goldman Sachs verkündete kürzlich Erstaunliches. Die Manager sollen für 2008 mehr Bonuszahlungen erhalten, als die Bank Gewinn machte. Manche Aktienhändler dürfen sich über zweistellige Millionenbeträge freuen. Solche Übertreibungen, die trotz der Finanzkrise immer wieder vorkommen, waren am Montag Anlass für ein Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatspräsidenten Nicloas Sarkozy in Berlin. Beide Regierungen wollen nun durchsetzen, dass horrende Bonuszahlungen für Bankvorstände und Manager eingedämmt werden.


    „Die Bonuszahlungen bringen viele Bürger auf die Palme“, sagte Merkel. „Die Exesse dürfen sich nicht wiederholen“, so Sarkozy, „wir werden diesem Skandal ein Ende bereiten“. Beide vereinbarten, in der Bonus-Frage voranzugehen und andere Regierungen zur Mitarbeit einzuladen. „Es wäre gut, wenn es ein einheitliches Vorgehen gäbe“, sagte Merkel. „Wir werden unsere Maßnahmen umsetzen, unabhängig von der Position der anderen“, kündigte Sarkozy an.


    Wie könnte die neue Bonus-Regel aussehen?
    In einem Brief an die 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) schlägt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück jetzt vor, dass hohe Erfolgsbeteiligungen die Banker nicht dazu verleiten dürfen, unkalkulierbare Risiken einzugehen. Die alte Logik „hohes Risiko, hoher Profit, hoher Erfolgsbonus“ müsse durchbrochen werden. Steinbrücks Gegenmittel: Aktienoptionen, mit denen die Banker bezahlt werden, dürfen diese frühestens nach vier Jahren einlösen. Weil sie nicht sofort, sondern erst später Kasse machen können, so das Kalkül, legen die Händler mehr Wert auf solide, langfristige Geschäfte.


    Gibt es eine Beteiligung an Verlusten?
    Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat den Instituten in Deutschland neue Richtlinien zukommen lassen. Hohe Bonuszahlungen können künftig rückwirkend gekürzt werden, wenn ein Institut anstatt eines Gewinn einen Verlust erwirtschaftet. Der Sinn dieser Neuregelung besteht darin, dass Banker nicht nur am Gewinn partizipieren, sondern auch etwaige Verluste zu spüren bekommen. Eine derartige Regelung schlägt die Bundesregierung auch international vor.


    Sind die Festgehälter der Banker begrenzt?
    Nein. Weder für Bonuszahlungen, die einen besonderen Erfolg honorieren, noch für die festen Gehaltsbestandteile, gibt es absolute Obergrenzen. Vorstände, Manager, Aktienhändler und andere herausgehobene Beschäftigte handeln ihre Verträge mit dem Unternehmen individuell aus. Bei allen Begrenzungen, die zur Zeit diskutiert werden, geht es nur darum, das Prinzip der Mäßigung einzubauen. Auch weiterhin wird es grundsätzlich möglich sein, dass einzelne Händler 100 Millionen Euro pro Jahr oder mehr erhalten.


    Was hat der Bundestag beschlossen?
    Auch Union und SPD haben in ihrer jüngsten Reform des Aktiengesetzes keine Obergrenze definiert. Bundestag und Bundesrat legten lediglich fest, dass die Managergehälter in einem „angemessenen“ Verhältnis zur Leistung des Unternehmens stehen müssen. Allerdings existiert eine Ausnahme: Banken, die Staatsgeld zur Überbrückung der Krise erhalten, dürfen ihren Vorständen höchstens 500.000 Euro jährlich zahlen. Die Linkspartei fordert, eine ähnliche Regelung für alle Institute: Manager sollen höchstens das Zwanzigfache des Lohnes eines normalen Beschäftigten verdienen.


    Geht es auch um die Erfolgsprämie normaler Bankangestellter?
    Um die Erfolgsprämien, die die Mehrheit der Bankangestellten bekommt, geht es in der augenblicklichen Debatte nicht. Diese will kein Politiker kürzen. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers meinte nicht die Bezahlung der durchschnittlichen Bankbeschäftigten, als er sich gegen Bonuszahlungen bei der Westdeutschen Landesbank (WestLB) für 2009 aussprach. Etwa zwei Drittel der Bankbeschäftigten in Deutschland erhalten Tarifgehälter, die nicht einzelvertraglich ausgehandelt werden. 13 Monatsgehälter eines Bankangestellten machen im Jahr rund 45.000 Euro Bruttogehalt aus. Bis zu einem weiteren Monatsgehalt zahlen die Institute in der Regel als freiwillige, nichttarifliche Erfolgsprämie. Diese kann unterschiedlich hoch ausfallen, ist aber meist nicht direkt an den Verkauf einzelner Bankprodukte geknüpft.

    Infokasten: Boni im Ausland


    Die Regierungen der mächtigsten Wirtschaftsnationen (G20) und das internationale Financial Stability Board (FSB) wollen durchsetzen, dass besonders risikoreiche Geschäfte der Banken nicht mehr mit hohen Bonuszahlungen belohnt werden.


    Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat den Banken deshalb unlängst vorgeschrieben, dass Erfolgsbeteiligungen im Falle von Verlusten zurückgezahlt werden müssen. Instituten, die dies nicht praktizieren, droht die französische Regierung mit dem Entzug von Staatsaufträgen.


    In Großbritannien hat sich Adair Turner, der Chef der Finanzaufsicht FSA, für die Begrenzung von Erfolgsbeteiligungen ausgesprochen. Eine konkrete Regelung existiert dort aber noch nicht.


    In den USA versucht die Regierung Millionen Dollar an Bonuszahlungen zurückzufordern, die Banken an Aktienhändler gezahlt haben, obwohl die Institute nur durch Staatshilfe überlebten.

  • Datenschutz mit Löchern

    Heute tritt das neue Datenschutzrecht in Kraft

    Dürfen Unternehmen weiterhin persönliche Daten von ihren Kunden weitergeben oder verkaufen?

    Der Handel mit Adressen und anderen persönlichen Daten wird eingeschränkt, aber nicht ganz verboten. Grundsätzlich müssen die Kunden einer Weitergabe ihrer Daten zustimmen. Dabei gibt es jedoch zahlreiche Ausnahmen und Übergangsregelungen. Bereits gesammelte Informationen können noch ein Jahr lang weiter genutzt werden, wenn sie für der Markt- oder Meinungsforschung Verlagen oder gemeinnützigen Organisationen dienen. Noch drei Jahre lang können die Daten für die Werbung eingesetzt werden. Ab heute müssen werbetreibende Unternehmen angeben, woher sie ihre Informationen über die potenzielle Klientel bekommen haben. Das muss auf den Reklameschreiben deutlich sichtbar vermerkt werden. Auch wenn bereits eine Geschäftsbeziehung zwischen Firma und Kunde besteht, dürfen dessen Daten weiter genutzt werden.

    Müssen die Verbraucher der Weitergabe ihrer Daten zustimmen, wenn der Anbieter einer Ware oder Dienstleistung davon den Vertragsabschluss abhängig macht?

    Die Koppelung von einem Vertragsabschluss an die Zustimmung zur Datenweitergabe ist immer dann verboten, wenn ein Kunde, der seine Informationen nicht freigeben will, nicht auf ein anderes Angebot mit einer Wahlmöglichkeit umsteigen kann. Wenn beispielsweise nur eine Fluggesellschaft die Verbindung zwischen zwei Städten bedient, darf sie beim Ticketverkauf keine Koppelung verlangen, weil dem Passagier kein Alternativflug offen steht. Bedienen zwei Gesellschaften die Linie, könnte theoretisch eine den Koppelungsvertrag anbieten, wenn die andere dem Kunden die frei Wahl lässt.

    Werden Datenhändler bestraft?

    Die Bußgelder für Verstöße gegen das Datenschutzgesetz werden deutlich erhöht. Bis zu 50.000 Euro kann die illegale Weitergabe persönlicher Informationen kosten. In schweren Fällen droht sogar ein Strafgeld von 300.000 Euro. Auch kann der Staat durch Datenmissbrauch erzielte Gewinne einziehen.

    Verbessert das Gesetz auch die Arbeitnehmerrechte?

    Ein eigenes Arbeitnehmer-Datenschutzgesetz hat die große Koalition nicht mehr zuwege gebracht. Partiell wurden die Rechte der Beschäftigten jedoch gestärkt. So dürfen Unternehmen nur noch Daten nutzen oder speichern, die mit dem Arbeitsverhältnis in Verbindung stehen, also beispielsweise die Adresse und Kontoverbindung eines Angestellten. Nur zur Aufdeckung von Straftaten darf der Arbeitgeber weitere Informationen sammeln.

  • Von Osmium und Wolfram

    Die Glühbirne hat eine lange Geschichte

    Die fein geschwungene Kohlefaser glüht über dem Feuerwehrauto in freundlich-warmem Farbton. Die Glühlampe ist der ganze Stolz der Stadt Livermore in der Nähe von San Francisco. Die Birne gilt als eine Art ewiges Licht. Seit 1901 beleuchtet sie die kleine Feuerwehrstation und ist damit die älteste Glühbirne der Welt. Da kann eine herkömmliche Birne nur Staunen. Nach durchschnittlich lediglich 1000 Stunden brennt der Draht in ihrem Inneren durch.

    Die Entwicklung der Glühlampe führt in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Pionier war nicht der Erfinder Thomas A. Edison, der allerdings später auch eine Lampe patentieren ließ. Eine erste Bogenlampe wurde 1809 vorgeführt. Später wurde ein Platinfaden zum glühen gebracht. 1880 brachte Edison dann einen Kohlefaden zum Einsatz. In dieser Zeit begann auch die Elektrifizierung der Privathaushalte. Damit wurde die Voraussetzung für den Siegeszug des elektrischen Lichts geschaffen.

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte sich der Lichtfaden aus Wolfram durch. 1906 begann damit auch die Erfolgsgeschichte der deutschen Traditionsmarke Osram. Der Unternehmensname entstand aus der Verbindung der beiden Stoffe Osmium und Wolfram, die für die Glühbirnenfabrikation verwendet wurden.

    Der nächste Quantensprung ließ nicht lange auf sich warten. Ab 1911 füllten die Hersteller Gas in die Glühbirnen, deren Lebensdauer sich dadurch erheblich verlängerte. Bei den preiswerten Massenprodukten kommt heute ein Argon-Stickstoffgemsich zum Einsatz, bei Luxuslampen wird Xenon verwendet.

    Die Glühbirne ist überall auf der Welt verbreitet. Kaum ein Haushalt verzichtet auf sie. Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr  270 Millionen Stück davon verkauft. Von einem solchen Erfolg sind die Energiesparlampen mit gut 40 Millionen verkauften Exemplaren noch weit entfernt.

  • Die letzten Tage der Glühbirne

    Am 1. September beginnt die Umstellung auf andere Leuchtmittel / Keine Gesundheitsgefahren durch Energiesparlampen

    Der Kunde im Baumarkt packt sich noch ein paar 100-Watt-Birnen in den Einkaufswagen und eilt damit zur Kasse. Diese Szene ist derzeit bundesweit häufig zu sehen. Die Deutschen hamstern noch Birnen, bevor die Glühdrähte aus den Regalen verbannt werden. „Wir haben dreistellige Zuwächse im Abverkauf“, erläutert ein Sprecher der Kette Bauhaus. Vorräte hat das Unternehmen nicht angelegt. Wenn die Reste veräußert worden sind, gibt es die ab dem 1. September verbotenen Leuchten nicht mehr. 

    Ein Teil der Vorratshaltung ist überflüssig. Denn die Glühlampe wird nicht auf einen Schlag aus den Regalen verbannt. Zunächst dürfen nur die 100-Watt-Birnen und sämtliche matten Lampen nicht mehr hergestellt werden. Sie werden allerdings noch verkauft, bis die Lager geräumt sind. Schrittweise geht es weiter. In einem Jahr darf keine Birne mit mehr als 60 Watt mehr verkauft werden, 2016 soll es nur noch energiesparende Lampen geben. Das sieht eine Verordnung der EU vor, mit der die Europäer zum Umstieg auf klimafreundliche Leuchtmittel gezwungen werden sollen.

    Viele Konsumenten legen sich nun Vorräte an, weil die Glühbirne im Vergleich zur Energiesparlampe mit einem Kaufpreis von weniger als einem Euro konkurrenzlos günstig in der Anschaffung ist und das Licht der alternativen Produkte längst noch nicht an die gewohnte Beleuchtung herankommt. Langfristig lohnt sich der Klimaschutz. „Wer eine 100-Watt-Glühbirne gegen eine gleich helle 21-Watt-Energiesparlampe austauscht, spart bei täglich fünfstündiger Nutzung im Laufe von fünf Jahren etwa 140 Euro“, rechnet die Stiftung Warentest vor.

    Als Alternative kommen vor allem Energiesparlampen in Betracht. Mit Preisen zwischen sechs und 30 Euro für eine der 100-Watt-Birne vergleichbaren Leistung sind sie noch recht teuer. Dafür ist ihre Betriebszeit mit bis zu 15.000 Stunden weitaus länger als die der herkömmlichen Lampen. Beim letzten Test der Stiftung konnte allerdings kein Produkt sehr gute Lichteigenschaften vorweisen. Doch immerhin gibt es inzwischen nicht mehr nur die kalten, ins bläuliche driftenden Lichter, bei denen der Gegenüber stets etwas krank aussieht. Unter der Bezeichnung „Warmweiß“ werden im Handel Lampen angeboten, die dem gemütlichen Licht der Glühbirne nahe kommen. Zudem gibt es das „Tageslichtweiß“, das sich eher für die Beleuchtung von Fluren oder Arbeitsplätzen eignet.

    Auch Halogenlampen kommen als Birnenersatz in Frage, die rund 30 Prozent weniger Strom verbrauchen und deren Licht dem der Glühbirne ähnlich ist. Allerdings werden die meisten Halogenlampen ebenfalls 2016 vom Markt verschwinden, weil sie die strengen Normen der EU nicht mehr erfüllen. Energiesparer sind auch die noch jungen LED-Lampen, die die meisten Verbraucher zum Beispiel aus Taschenlampen kennen. Allerdings sind die LED noch sehr teure Anschaffungen und für die großflächige sehr helle Beleuchtung noch nicht leistungsfähig genug.

    Viele Verbraucher stehen den Energiesparlampen noch skeptisch gegenüber. In der letzten Zeit wurde der Vorwurf laut, die Klimaschoner seien gesundheitsgefährdend. Die ultraviolette und elektromagnetische Strahlung unterscheidet sich nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz allerdings nur graduell von der von Glühbirnen. Auch die Warentester geben Entwarnung. „Die von den Lampen abgegebenen UV-Strahlen und die elektromagnetischen Felder haben sich in verschiedenen Tests als unbedenklich erwiesen“, teilt die Stiftung mit.

    Ein anderes Problem könnte sich als gravierender erweisen. In den Leuchtstoffkörpern befinden sich einige Gramm des höchst giftigen Schwermetalls Quecksilber. Verbraucher sollten Vorsicht walten lassen, wenn ihnen eine Lampe zu Bruch geht. Experten raten, die Reste ohne Berührung zusammenzukehren und zu entsorgen. Gegebenenfalls sollten auch Staubsaugertüten in den Abfall wandern. Anschließend wird der Raum gut durchlüftet.

    Unbequem ist auch die Entsorgung gebrauchter Energiesparlampen. Aufgrund des Quecksilbers dürfen die Lampen nicht in die Hausmülltonne geworfen werden, sondern müssen bei Sammelstellen oder den Händlern abgeliefert werden.

  • Von Watt und Lumen

    Energiesparlampen geben eine höhere Lichtmenge ab. Deshalb benötigt man eine geringere Leistung in Watt als bei der herkömmlichen Glühlampe. Eine genaue Umrechnung ist nur schwer möglich. Es gibt jedoch eine Faustformel. Der herkömmlichen 75-Watt-Birne kommt eine Sparlampe mit 18 Watt gleich. Zwischen fünf und sieben Watt der Energiesparlampen entsprechen einer 40-Watt-Lampe. Beim Einkauf kommt es vor allem auf den in Lumen gemessenen Lichtstrom an. Je höher der Wert ist, desto heller scheint das Licht.

  • „Ich bin eine schöne Seite!“

    Homepages gibt es wie Sand am Meer. Da ist es nützlich, wenn der eigene Internetauftritt aus der Masse hervorsticht. Was eine Seite überhaupt erst interessant macht und welche Fehler man tunlichst vermeiden sollte, weiß Dirk Boelsems, Geschäftsführer der

    Frage: Was macht eine Homepage interessant für andere?

    Dirk Boelsems: Das funktioniert in erster Linie über spannende Inhalte, die für andere zunächst kostenfrei sind. Dann sollte der Internetauftritt eine harmonische Farbgestaltung haben. Die Besucher müssen sich auf meiner Seite gut zurechtfinden und das Thema muss klar erkennbar sein. Die Seite muss sagen: „Ich bin eine schöne Seite! Ich habe das, was dich interessiert!“       

    Frage: Das heißt, ich packe schöne Bilder auf die Seite?

    Boelsems: Ja, aber nicht nur irgendwelche. Das Interesse des Users steigert man zum Beispiel mit Bildern, auf denen nette Gesichter zu sehen sind, die einen darüber hinaus noch anschauen. Da halten die Besucher länger inne als bei Fotos von toten Gegenständen.

    Frage: Nun nützt es mir aber nichts, wenn meine Seite ganz toll ist, aber niemand sie findet. Wie locke ich denn Besucher auf meine Homepage?

    Boelsems: Da gibt es zwei entscheidende Wege. Zum einen sollte man sich mit anderen Internetseiten vernetzen. Natürlich nicht mit Wettbewerbern, das versteht sich ja von selbst. Wenn man von vielen Seiten verlinkt wird und Links zu anderen anbietet, wird man von Suchmaschinen besser beurteilt und so auch von mehr Menschen gefunden. Zum zweiten, gibt es noch die Möglichkeit, bei Google Werbung zu schalten. Das geht zum Beispiel über das Tool, also Werkzeug, AdWords. Jeder, der etwas Geld auf den Tisch legt, kann das machen. Das gute daran ist, dass man die Kosten gut kontrollieren kann und nur zahlt, wenn die Anzeige angeklickt wird. Mit einem Budget von fünf Euro im Monat kann man beispielsweise starten.

    Frage: Gibt es denn Fehler, die immer wieder gemacht werden, die man auf der eigenen Webseite unbedingt vermeiden sollte?

    Boelsems: Ja, da fällt mir ein ganz beliebter aber äußerst schädlicher Fauxpas ein. Wenn man auf einer Seite landet und da steht, „Herzlich willkommen, wir sind die Firma Meier“, dann ist das keine klare Botschaft. Aber genau die möchte der Kunde. Er will nicht wissen, ob die Firma Meier zehn oder 15  Mitarbeiter hat, und dass er sich gerade auf deren Webseite befindet. Ihn interessiert, ob er das was er möchte dort bekommen kann.

    Frage: Ist es denn wirklich so dramatisch, wenn man auf der ersten Seite herzlich willkommen geheißen wird?

    Boelsems: Ja! Wenn auf der so genannten Landing Page keine relevanten Infos stehen, dann wird die Homepage auch von Suchmaschinen nicht gefunden.
    Der richtige Text ist auch wichtig. Schlagwörter zum Beispiel, die dürfen auf keinen Fall fehlen. Denn die werden von Suchmaschinen gefunden. 

    Frage: Haben Sie noch ein schlechtes Beispiel?  

    Boelsems: Flashanimationen auf der ersten Seite. Da bekommt man 30 Sekunden eine Bilderlandschaft präsentiert, bevor es zum eigentlichen Internetauftritt geht. Für Suchmaschinen ist das Ganze tödlich – die können doch nur lesen und nicht sehen.

    Frage: Ein tolles Design hat doch aber auch etwas!

    Boelsems: Ja, das Design ist auch ein ausschlaggebender Faktor. Aber hier gilt die Regel „Form follows function“: Die Form muss sich daran orientieren, was ich erreichen möchte.

    Zur Person: Dirk Boelsems ist Geschäftsführer der e-Business Unternehmensberatung, 41 Jahre alt, verheiratet und Vater einer Tochter.

       

            

        
       

  • Bastelstunden im Internet

    Eine eigene Webseite anfertigen ist gar nicht so schwer/ Es gibt sogar kostenlose Anbieter und Programme

    Über sieben Millionen Deutsche haben schon eine Homepage. Der Hightech-Verband Bitkom beobachtet gar einen „Megatrend“: Immer mehr Menschen begeben sich mit einer eigenen Seite ins weltweite Netz. Egal ob digitale Diaschau vom Nachwuchs,  Fotos der letzten Afrikareise, Videoclip vom tollpatschigen Vierbeiner oder Kommentar zur aktuellen politischen Lage, vieles lässt sich so mit Freunden und Fremden teilen. Weder umfangreiche Programmierkenntnisse noch ein prall gefüllter Geldbeutel sind heutzutage für den Bau einer Webseite notwendig. Juristische Fallstricke gilt es dennoch zu beachten. 

    Wie einfach es ist, sich eine eigene Homepage anzufertigen, weiß IT-Experte und Buchautor Jörg Schieb: „Es gibt nicht nur kinderleicht zu bedienende Software, die nahezu alles automatisch erledigt, sondern auch Onlineangebote, mit denen man seine Webseite im Baukastenprinzip zusammenstellen kann. "Für Neulinge, die sich schnell und preiswert eine Homepage anlegen möchten, hat Schieb einen ganz besonderen Tipp: „Völlig kostenlos ist eine Webseite als Blog bei http://de.wordpress.org. " Zwar bieten auch einige Provider die Möglichkeit, kostenlos Internetseiten einzurichten, doch davon rät der Experte ab. Der Grund: Bei diesen Angeboten mangele es an Service. 

    Tatsächlich, Gratisanbieter wie www.lima-city.de oder www.funpic.de verursachen zwar keine monatlichen Kosten, dafür muss der User Einschränkungen hinnehmen. Die wohl wichtigste Entbehrung: Eine individuelle Internetadresse gibt es nicht. Stattdessen bekommt der Nutzer eine Subdomain (Unterdomain) in Form von www.wunschname.anbieter.de.

    Oftmals schalten kostenlose Speicherplatzanbieter auch Werbung auf den Seiten ihrer Kunden. Wer darauf lieber verzichten möchte und sich darüber hinaus eine eigene Domain in Form von www.wunschname.de zulegen möchte, sollte auf kostenpflichtige Anbieter wie www.strato.de oder www.1und1.de ausweichen. „Sinnvoll ist es, wenigstens zwei bis drei Euro im Monat zu bezahlen“, rät Schieb. Dem User stehen so mehr Möglichkeiten zur Verfügung: „Die Webseite kann besser wachsen und man kann problemlos umziehen.“

    Für den Webseitenbau gilt eine einfache Formel: Je individueller die Gestaltung, desto schwieriger wird es. Am schnellsten und einfachsten kann man sich eine eigene Onlinepräsenz mithilfe eines Homepage-Baukastens zulegen. „Viele Internetprovider bieten diesen besonderen Service an“, erklärt Schieb, „nach dem Baukastenprinzip stellt man so Stück für Stück einzelne Seiten der Homepage zusammen.“ Der Haken: Diese Systeme liefern zwar schnelle Erfolgserlebnisse. Die Bearbeitungsmöglichkeiten sind jedoch beschränkt. Es lässt sich nur das einbauen, was der Baukasten hergibt. Individuelles Design oder das Bearbeiten des HTML-Quellcodes (Programmiersprache) sind nicht möglich.

    Webeditoren, also Seiten-Gestaltungsprogramme, bieten da mehr Freiheit. Wer sich etwas auskennt, kann so zum Beispiel den Quellcode ändern, um an einer beliebigen Stelle seiner Homepage eine Landkarte einzufügen, die er sich zuvor online und individuell bei Google Maps zurechtgebastelt hat. Die Webeditoren funktionieren nach einem simplen Prinzip: Zuerst wird die Webseite offline im Editor gestaltet, im Anschluss wird sie auf die Homepage übertragen.

    Die Stiftung Warentest empfiehlt das kostenlose Programm Nvu Composer. Unter www.nvu-composer.de kann die Software herunter geladen werden. Die Arbeit mit dem Webeditor ist jedoch etwas kniffeliger. Denn die am PC vorgefertigten Seiten müssen im Anschluss auf die Homepage übertragen werden. Dazu benötigt man ein FTP-Programm (FTP: engl. File Transfer Protocol,  „Dateiübertragungsprotokoll“). Zusätzliche Kosten fallen dafür jedoch nicht an, denn unter www.filezilla.de gibt es die Software gratis, verraten die Warentester.

    Damit aus dem kostengünstigen Internetspaß keine teuere Angelegenheit wird, gilt es einige wichtige Spielregeln zu beachten. Wer mit seiner Webseite beispielsweise ohne Impressum an den Start geht oder fremde Texte sowie urheberrechtlich geschützte Fotos veröffentlicht, kann von Mitbewerbern oder Urheberrechtsinhabern abgemahnt werden. Das kann teuer werden.  Für private Seiten gilt: Vor- und Nachname, vollständige postalische Anschrift, Telefon- und (falls vorhanden) Faxnummer sowie Emailadresse gehören ins Impressum. Für Gewerbetreibende gelten strengere Auflagen.

    Lesenswert:

    Im Internet kann jeder mitmachen, Webseiten veröffentlichen, seine Gedanken in einen Blog schreiben, Podcasts erstellen oder Videos ins Netz stellen. Wie man Informationen jeder Art ins Internet stellt, was es kostet und was es rechtlich alles zu beachten gibt, erklären die Autoren Jörg Schieb und Mirko Müller in ihrem Buch „Homepage, Blog & Wiki: So präsentieren Sie sich im Internet“. Hier erfährt man auch wie Baukastensysteme funktionieren und wie man mit einem Webeditor, einfach und kostengünstig die eigene Webseite gestaltet. Der 176 Seiten starke Ausgabe ist in der Buchreihe PC konkret der Stiftung Warentest erschienen und kostet 12,90 Euro (zzgl. Versandkosten). Der Lesestoff kann bei der Stiftung Warentest entweder im Internetshop unter www.test.de/shop oder per Telefon unter der Rufnummer 01805/002467 (14 Cent pro Minute aus dem Festnetz) bestellt werden. 
       

  • So rollt der Rubel

    Im Internet muss man keine Waren feilbieten um Geld zu verdienen/ Wer Werbung schaltet oder Online-Shops verlinkt, füllt sein Konto ohne großen Aufwand auf

    „Weiblich frisch“ oder doch lieber „weiblich orientalisch“? Apfelblüte, Lavendel oder doch besser Jasmin? Wer bei MyParfuem.de seinen eigenen Duft kreiert und bestellt, hält am Ende mit Sicherheit einen ganz einzigartigen Flacon in den Händen. Schließlich locken über acht Milliarden Kombinationsmöglichkeiten.  Jedem sein individuelles Parfüm: Mit dieser Idee gingen drei Berliner Teens im vergangenen Jahr online. „Der Erfolg hat uns überrollt“, sagt Mitgründer Matti Niebelschütz. Inzwischen hat das Unternehmen zehn Leute und verdient im Internet echtes Geld.

    Das wollen viele, schaffen aber nur wenige, meist mit Shops auf großen Portalen wie Ebay. Doch auch mit der privaten Homepage lässt sich ohne viel Aufwand und ohne Waren feilbieten zu müssen, eine Geldeinnahmequelle erschließen. „Man kann zum Beispiel Bannerplätze verkaufen“, erklärt Mario Fischer, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Würzburg „oder man lässt über Google AdSense Anzeigen schalten.“ Der Clou beim Internetwerkzeug AdSense: Auf der Homepage wird nur relevante Reklame eingeblendet. Wer also einen Reiseblog besitzt, muss nicht fürchten, dass plötzlich Werbung für Babywindeln auf der Webseite aufblinkt. „Jedes mal, wenn ein Benutzer auf die Anzeige klickt, erhält man Geld“, erklärt der Experte für Online-Marketing das Prinzip.

    Auch Affiliate-Netzwerke (engl. affiliate „angliedern“) machen sich bezahlt. Das funktioniert so: Wer beispielsweise eine Homepage zum Thema Mode betreibt, verweist mit einem Link auf einen Versandhändler. Jedes Mal, wenn ein Besucher über die Modeseite auf die Seite des Händlers gelangt und dort etwas bestellt, erhält der Seitenbesitzer eine Provision. „In der Regel sind das zwischen sieben und zehn Prozent des Warenkaufwerts“, weiß Fischer.

    Doch nicht auf jeder Internetseite verwandelt sich Werbung auch in bare Münze: „Nur wenn man ,traffic’ (engl. Verkehr) hat, rentiert sich das“, erklärt der Experte. „20 oder 30 Besucher am Tag lohnen sich nicht – aber 100.“ So lassen sich monatlich zwischen 50 und 100 Euro dazu verdienen. Wie viele Besucher die Homepage am Tag anlockt findet man kostenlos mit Google Analytics heraus.   

    Doch aufgepasst: Wer auch nur einen Cent verdient, gilt nicht mehr als Privatperson. Impressum, Steuernummer und Gewerbe anmelden sind dann Pflicht.     

  • Das Ministerium für Stil und Mumm

    Wie Wirtschaftsminister zu Guttenberg mit Glück und Geschick zum Shootingstar wurde

    Angst vor dem Volk kennt der Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg nicht. Als vor dem Berliner Wirtschaftsministerium im Frühjahr rund 5.000 Beschäftigte des Warenhauskonzerns Karstadt für Staatshilfen demonstrierten, scheute der neue Medienstar unter den Politikern nicht, sondern nahm ein Mikrofon in die Hand und erklärte seine skeptische Sicht der Dinge. „Ich spreche jetzt mit den Leuten“, sagte er anschließend und verschwand in der Menschenmenge. Die Personenschützer ließ er einfach stehen.

    Solche Bilder haben dem fränkischen Freiherrn in kürzester Zeit eine ungeahnte Popularität eingebracht. Wo der Baron auftritt, strebt das Fußvolk scharenweise hin. Unternehmer feiern den Wirtschaftsminister mit stehenden Ovationen, im konservativen Allgäu stehen junge Frauen vor einer Wahlkampfveranstaltung Schlange für einen Blick auf den blaublütigen Minister. Nach nicht einmal sechs Monaten im Amt hat zu Guttenberg fast alle Kollegen abgehängt. Im Ranking der beliebtesten Politiker hat er sich hinter Kanzlerin Angela Merkel auf den zweiten Platz vorgearbeitet. 
    Der Turbostart auf der Regierungsbank wirft auch Fragen auf. Welche Strategie verfolgt der Freiherr und wer hilft bei der Umsetzung im Hintergrund? Die Antworten darauf sind erstaunlich einfach. „Mir ist kein Berater bekannt“, sagt Regierungssprecher Klaus Vater. Auch Steffen Moritz, der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, bestreitet, dass im Hintergrund ein gewiefter Profi die Fäden zieht. Der Minister entscheide selbst, erläutert Moritz. 

    Dabei gilt der Franke durchaus nicht als beratungsresistent. Er nimmt Tipps von anderen an oder verwirft sie. Nach welchen Kriterien der öffentliche Auftritt geplant und dosiert wird, wird nicht verraten. Ein Interview mit seinem Sprecher über die Medienstrategie des Hauses verweigerte zu Guttenberg. Auf eine gute fachliche Beratung ist der noch unerfahrene Minister vor allem inhaltlich angewiesen. Im Haus gilt Staatssekretär Walther Otremba als wichtigster Helfer, wenn es um wirtschaftspolitische Aussagen geht. Auch ansonsten verlässt sich der Minister auf die Beamten im eigenen Haus. In der Chefetage ging beim Amtsantritt im Februar noch die Angst um, zu Guttenberg bringe seinen eigenen Beraterstab mit. Die Sorge um  Posten war unbegründet. Der CSU-Mann beließ bis hin zum Sprecher und der Büroleitung alles beim alten.

    So erlebt Moritz nun den dritten Ressortchef nach Wolfgang Clement (SPD) und Michael Glos (CSU). Der Vergleich zwischen ihnen zeigt einen der Pluspunkte des Senkrechtstarters. Der 37-jährige Franke braucht keine ausgedruckten Papiervorlagen, sondern arbeitet sich mit Hilfe elektronischer Medien schnell in neue Themen ein. Bei Glos und Clement stand nicht einmal ein Computer auf dem Schreibtisch. Der große Altersunterschied zu seinen Vorgängern ist in Hinsicht auf die Lernfähigkeit ein Vorteil des jungen CSU-Mannes.

    Die Frage nach der politischen Strategie zu Guttenbergs ist nicht ganz so einfach zu beantworten. „Er hat keine, sondern entscheidet je nach Situation“, glaubt der Korrespondent einer großen Frankfurter Zeitung. Die Parlaments- und Regierungskorrespondenten beäugen den Shootingstar mit einer Mischung aus Anerkennung und inhaltlicher Kritik. Denn wirtschaftspolitisch zustande gebracht hat zu Guttenberg bislang eigentlich nichts Nennenswertes. Viel mag als Ersatzspieler am Ende einer Legislaturperiode zwar nicht drin gewesen sein. Doch wird im Nichtstun auch ein Prinzip des Freiherrn sichtbar. Zu Guttenberg bietet auf diese Weise keinerlei Angriffsflächen. Kratzer auf dem Lack sollen möglichst vermieden werden.

    Mit Glück, Geschick und einer gewissen Abschottung ist dies bisher meist gelungen. Fortuna half vor allem am Anfang. Als zu Guttenberg antrat, beherrschte die Rettung von Opel die Schlagzeilen. „Er musste auf einen rasenden Zug aufzuspringen und nutzte die Chance, so wahrgenommen zu werden“, erinnert sich Moritz. Die komplexen Themen des Ressorts, zum Beispiel die Energiepolitik, konnte der Minister so erst einmal links liegen lassen. Die schnell mögliche Einarbeitung in ein Einzelthema genügt zum Nachweis der Kompetenz. Die sich daraus ergebenen Möglichkeiten nahm zu Guttenberg ebenso mutig wie konsequent an. Höhepunkt der Kampagne in eigener Sache war das Rücktrittsangebot in der langen Opel-Nacht im Frühsommer. Zur Erinnerung: Während Kanzlerin Angela Merkel, die SPD-Spitze und die Ministerpräsidenten der Opel-Länder das Übernahmekonzept des Zulieferers Magna bevorzugten, plädierte zu Guttenberg für eine Insolvenz der Autofirma, trat als ordnungspolitischer Hardliner vor die Kameras und zeichnete das Bild des Unbeugsamen. Mutig war dieses Vorgehen allemal. Da legte sich ein Newcomer mit der alten Elite an – und gewann das Spiel. Im Wirtschaftsministerium gingen reihenweise Mails ein, die den Baron in der Ablehnung des Rettungsplans unterstützten und auf der Popularitätsskala ging es fortan steil bergauf.

    „Kompetenz ist wichtiger als ein Programm“, weiß der langjährige Wahlkampfmanager der Union, Peter Radunski (siehe Interview). Im monatelangen Gezerre um die Zukunft von Opel hat zu Guttenberg keine Gelegenheit zur Demonstration von Sachkenntnis vor laufenden Kameras ausgelassen. Nach beinahe jeder Spitzenrunde lud das Ministerium zu einem in der Hauptstadt unüblich eingeschränkten Pressestatement ein. Der Ressortleiter verkündete mit ernster Miene ein paar Sätze zum Sachstand. Dann wurden allenfalls zwei oder drei Fragen der Journalisten zugelassen und der Freiherr entschwand wieder. So konnte kein Korrespondent tiefer bohren als erwünscht.

    Auch die wirtschaftspolitischen Reden zu Guttenbergs zielen auf die Vermeidung von Fehlern und die Imagebildung ab. Der CSU-Mann profiliert sich als Verfechter der sozialen Marktwirtschaft, als moderner Konservativer und Förderer der Leistungseliten. „Selbstdisziplin, Gerechtigkeitssinn, Ehrlichkeit, Fairness, Ritterlichkeit, Maßhalten, Gemeinsinn, Achtung vor der Menschenwürde des anderen, feste sittliche Normen“, zitiert zu Guttenberg in einem Wahlbeitrag die gesuchten Werte für den idealen Teilnehmer an Markt und Wettbewerb. Damit füllt der Franke eine große personelle Lücke in der Union und der Politik insgesamt, von der weite Teile der die Bevölkerung mehr Verlässlichkeit und Gemeinsinn erwarten. Ein gewisser Hang zur Schwulstigkeit und zum Pathos schwingt bei dem Adligen gelegentlich auch mit. So attestiert sich zu Guttenberg im Vorwort seiner Dissertation eine „verwegene Charakter- und Lebensmelange“.

    „Das ist der beste Selbstdarsteller in Berlin“, urteilt Sascha Buchbinder, der als Korrespondent des Züricher Tages-Anzeigers das Geschehen verfolgt. Zu Guttenberg besetze nur lauter Leerstellen und liefere inhaltlich nichts. Diese Schwäche wird von den Journalisten immer häufiger festgestellt. Mit perfekten Auftritten und Mut zur Auseinandersetzung wird die inhaltliche Schwäche kaschiert. Das Wirtschaftsressort ist zum Ministerium für Stil und Mumm geworden. Bis zur Wahl mag der Minister mit seiner Strategie noch durchkommen. Auf Dauer sind Taten gefragt. Allerdings zweifelt auch kein Beobachter an einem sicheren Posten zu Guttenbergs im nächsten Bundeskabinett. Wer es unter die Top Ten der beliebtesten Deutschen geschafft hat, ist für die Kanzlerin kaum entbehrlich.

    Medial ist der Freiherr längst zum Selbstläufer geworden. Das erste Interview bekam standesgemäß die Frankfurter Allgemeine Zeitung, danach kam Bild dran. Besonders gepflegt wird laut Ministerium noch der Kontakt zu den Heimatzeitungen. Um gute Bilder und Aufmerksamkeit muss sich zu Guttenberg längst nicht mehr selbst bemühen. Selbst eine im Stern jüngst veröffentlichte, äußerst wohlmeinende Titelgeschichte geht auf das Interesse der Parlamentsredaktion des Magazins zurück. „Er geht intuitiv mit der Presse um“, schätzt Stern-Korrespondent Andreas Hoffmann.

    Gerne hätten die Hamburger den Minister als schwarzen Ritter verkleidet auf das Titelbild gebracht. Doch da wollte zu Guttenberg nicht mitspielen. Denn obwohl er kaum eine Gelegenheit auslässt, die für Aufmerksamkeit sorgt, hat er die Gefahren einer allzu selbstherrlichen Darstellung kennen lernen müssen. Bei einem Besuch in New York bedrängten mitreisende Fotografen den Politiker massiv, auf dem Times Square mit ausgebreiteten Armen zu posieren. Ein Bild, das inmitten der Wirtschaftskrise bei jedem anderen verheerend gewirkt hätte. Doch der Fehler blieb nicht lange haften.

    Überhaupt kommt zu Guttenberg trotz mancher Schwäche bislang ungeschoren davon. Schon der erste Auftritt als Wirtschaftsminister war eher peinlich. Er präsentierte sich den versammelten Journalisten als mittelständischer Unternehmer, obschon die genannte Firma lediglich das eigene, allerdings beträchtliche Familienvermögen von einigen hundert Millionen Euro verwaltet.

    Sechs Wochen vor der Bundestagswahl gelang es der SPD zum ersten Mal, eine kleine Schramme in den Imagelack zu ziehen. Der Wirtschaftsminister hat von einer Anwaltskanzlei einen Gesetzentwurf zur Entmündigung taumelnder Banken schreiben lassen, statt die eigenen Beamten zu bemühen. Ansonsten haben die Genossen ein Problem. Sie können den Baron nicht fassen. Der Franke ist weiterhin in den Medien omnipräsent. Auch Berichte in den Klatschspalten sind willkommen. Da rückt Gattin Stephanie dem Baron bei den Salzburger Festspielen in der Bild-Zeitung die Fliege gerade. Auch für die „Bunte“ ließ sich Frau Ministerin ablichten.

    Wie lange sich der Politstar im Lichte sonnen darf, ist die spannende Frage. Zu Guttenberg rechnet selbst mit härteren Zeiten, spätestens wenn die Arbeitslosenzahlen stark steigen. Nach der Wahl muss die neue Regierung, der er aller Wahrscheinlichkeit nach angehören wird, auch unpopuläre Entscheidungen treffen. Da das Wirtschaftsressort im Falle einer Koalition von Union und FDP von den Liberalen besetzt wird, könnte zu Guttenberg das Finanzministerium anstreben. Die Chefs in der Wilhelmstraße zählen von Amts wegen in der Regel zu den beliebtesten Regierungsmitgliedern, zumal bald wohl ein harter Sparkurs angezeigt ist. Aber wegzudenken ist zu Guttenberg nicht mehr. Mit Glück und Geschick hat er sich für die höchsten Ämter empfohlen. „Das war ein zufälliger Riesenerfolg“, urteil der Reuters-Chefreporter Gernod Heller, „damit hat die Wirtschaftspolitik der CDU wieder ein Gesicht bekommen“. 

  • „Kompetenz ist wichtiger als ein Programm“

    Für den Politikberater und langjährigen CDU-Wahlkampfmanager Peter Radunski stillt Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Sehnsucht der Deutschen nach charismatischen und ehrlichen Politikern. Der Experte weiß aus eigener Erfahrung, wie Politi

    Frage: Erkennen Sie eine Kommunikationsstrategie hinter der Erfolgsgeschichte des Wirtschaftsministers zu Guttenberg?

    Peter Radunski: Er hat das größte Defizit der deutschen Politik erkannt. Außer Angela Merkel findet doch kaum noch jemand größere Aufmerksamkeit. Es mangelt an frischen Gesichtern und munteren Geistern. Diese Lücke füllt er. Zu Guttenberg stillt die Hoffnung auf einen deutschen Obama. Er hat einen schönen Namen, ist jung und hat perfekte Manieren. Seine Auftritte liefern gute Bilder. Wie er spricht und sich darstellt weist auf Talent und eine große menschliche Ausstrahlungskraft hin. Diese Stärke kommt von innen heraus.

    Frage: Wirtschaft interessiert die meisten Menschen wenig. Wie lässt sich die Popularität des neuen Hoffnungsträgers erklären?

    Radunski: Da ist zum einen der Gegensatz zu seinem Vorgänger Michael Glos, der im Amt äußerst farblos blieb. Zum anderen haben Wirtschaftsminister vor allem eine Aufgabe: Sie müssen erklären, was passiert und für gute Stimmung sorgen. Zu Guttenberg kommt dabei ausgezeichnet herüber. Er gibt sich kompetent. Kompetenz ist in der Politik inzwischen wichtiger als ein Programm. Für die Union ist dies ein Glücksfall.

    Frage: Was können andere Politiker daraus lernen?

    Radunski: Die Politik behandelt die Wählerschaft insgesamt schlecht. Es ist ein Fehlschluss, mit unglaubwürdigen Versprechen und fehlenden Fakten Erfolg haben zu können. Die Politik muss wieder zur strategischen Arbeit zurückfinden, das heißt Ziele setzen und Vorgänge verständlich erklären.

    Frage: Wird das Spitzenpersonal schlecht beraten?

    Radunski: Die wenigsten Politiker leisten sich professionelle Berater. Die Imagebildung wird nicht ernst genug genommen und es fehlt auch das Geld dazu. Meist berät das engere Umfeld die Abgeordneten und Minister. Es ist fraglich, ob so ein gutes Außenbild des Politikers entsteht.

  • Ignoranten

    Kommentar

    Den Herstellern von Kinderwagen sind ihre kleinen Endkunden offenkundig überwiegend schnuppe. Anders lässt sich die geringe Lernfähigkeit der Branche nicht erklären. Schon mehrfach hat die Stiftung Warentest eine unangemessene Schadstoffbelastung der Produkte festgestellt. Der jüngste Test zeigt, dass sich daran nichts geändert hat. Diese Ignoranz ist nicht nachvollziehbar.

    Die Firmen können sich zwar auf die geltende Gesetzeslage berufen. Danach sind ihre Kinderwagen verkehrsfähig, das heißt, die geltenden Richtlinien werden eingehalten. Das liegt aber in erster Linie an einem Versäumnis des Gesetzgebers. Solange es keine Grenzwerte für bestimmte Stoffe gibt, können diese eben auch nicht überschritten werden. Diese Lücke muss möglichst bald geschlossen werden.

    Der Verweis auf Recht und Ordnung zieht außerdem nicht. Gerade von denen, die Produkte für Kinder anfertigen, kann eine besondere Sorgfalt verlangt werden. Wenn möglicherweise gesundheitsgefährdende Chemikalien gefunden werden, sollte schon aus Gründen der Vorsorge auf eine andere Produktionsweise umgestiegen werden. Das gebietet ein verantwortliches unternehmerisches Handeln, auch wenn der Gesetzgeber dies nicht ausdrücklich vorschreibt. Natürlich ist es aufwändig, in Fabriken irgendwo am Rande der Welt auf die Einhaltung der erwünschten Standards zu achten. Doch die Eltern erwarten dies, und zwar zu Recht, zumal sich die Hersteller ihre Produkte gut bezahlen lassen.

    Eltern müssen sich trotz der alarmierenden Testergebnisse wohl keine unmittelbaren Sorgen machen. Eine akute Gesundheitsgefahr besteht bei keinem Produkt. Die langfristigen Risiken sind jedoch schwer abzuschätzen. Deshalb werden sicher viele Eltern zu den zwar immer noch nicht guten, aber wenigstens erträglichen Kinderwagen greifen und so mit den Füßen über das Verhalten mancher Hersteller abstimmen. Vielleicht denken die betreffenden Unternehmen unter diesem Druck ja um. Zeit dafür wird es.

  • Kinderwagen voller Schadstoffe

    Warentest findet kein gutes Modell / Auf teure Modelle mangelhaft

    Viele Kinderwagen sind mit Schadstoffen belastet oder zeigen funktionale Schwächen. Von 14 durch die Stiftung Warentest untersuchten Modellen erhielten deshalb zehn die Note „mangelhaft“. Selbst die drei Spitzenreiter wurden lediglich als befriedigend eingestuft. „Insgesamt ist das Ergebnis sehr enttäuschend“ sagte der stellvertretende Chefredakteur der Zeitschrift Test, Peter Gurr.

    Die Tester haben gängige Modelle ausgesucht, die immerhin bis zu 910 Euro kosten. Ein hoher Preis ist noch lange keine Garantie für gute Ware. Vor allem die chemische Belastung ist bei vielen Kinderwagen beträchtlich. In den Kunststoffteilen fanden die Chemiker zum Beispiel Weichmacher, die die Fortpflanzungsfähigkeit beinträchtigen können oder krebserregende Stoffe wie Flammschutzmittel und Formaldehyd. Gegen Gesetze verstoßen die Hersteller dabei nicht. Es gibt schlicht keine geregelten Grenzwerte für diese Stoffe. „Wir haben die paradoxe Situation, dass der Schadstoffgehalt von Kinderwagen für Puppen weitergehend geregelt ist als der, in dem das Kind selbst sitzt“, stellt Untersuchungsleiter Holger Brackemann fest. Eine akute Gesundheitsgefährdung geht von den Kinderwagen nicht aus.

    Mängel stellte die Stiftung auch bei der Handhabung und Gestaltung der Wagen fest. Zu große oder zu kleine Sitze, schlecht erreichbare Bremsen und Klemmfallen führten zu einer schlechten Bewertung.

    Testsieger war der Bugaboo Cameleon, der mit gut 900 Euro auch das teuerste Modell war. Die beiden Kinderwagen Teutonia Mistral S und Zekiwa Alu-Cross schnitten ebenfalls befriedigend ab, sind aber mit 550 Euro und 299 Euro deutlich preiswerter. Ausreichend benotet wurde noch der 550 Euro teure Hartan Topline S. Alle anderen fielen durch. Dze Stiftung rät Eltern vom Kauf eines mangelhaften Kinderwagens ab. Ein Rückgaberecht für bereits erworbene Modelle gibt es nicht, da alle Produkte zugelassen sind. Die Warentester fordern nun, dass für Kinderwagen wenigstens dieselben Anforderungen wie an Spielzeug gestellt werden.

    Verärgert sind die Tester über das Verhalten der Hersteller. Bei zurück liegenden Tests von Buggys, Kinderstühlen und Laufrädern wurden ebenfalls Schadstoffe gefunden. Geändert hat sich seither offenkundig nichts.

  • Der Glanz in ihren Augen

    Welchen Wert Gold heute hat

    Der Schatz liegt im Keller. Heiko Ganß (41), der Geschäftsführer des Edelmetall-Händlers pro Aurum in Berlin, steigt die Wendeltreppe hinunter. Zwei mächtige, fast mannshohe Tresore stehen hier – die 35 Zentimeter starken Stahltüren sind offen. Drinnen auf den Borden liegen sie: die Gold-, Platin-, Silbermünzen und Barren jeder Größe und Herkunft.


    Wiegt man eine Gold-Münze in der Handfläche, schimmert sie rötlichgolden. Ein gewisses warmes Leuchten scheint von dem südafrikanischen Krügerrand auszugehen. Plötzlich öffnet sich eine alte Welt aus Magie, Mystik und Gedichten. Wie heißt es in Heinrich Heines „Loreley“? „Die schönste Jungfrau sitzet / Dort oben wunderbar / Ihr goldenes Geschmeide blitzet / Sie kämmt Ihr goldenes Haar / Sie kämmt es mit goldenem Kamme / Und singt ein Lied dabey / Das hat eine wundersame / gewaltige Melodey“.


    Kleine, in den arabischen Emiraten geprägte Barren tragen als Verzierung und Erkennungszeichen die fein stilisierte „Rose von Dubai“. Der australische „Koala“, eine vier Zentimeter große Münze, zeigt vorne den kuscheligen Bär, der sich an einen Ast schmiegt, auf der Rückseite das Profil der englischen Königin Elisabeth II.


    Heiko Ganß nimmt einen Ein-Kilo-Barren Gold aus dem Tresor. Seine Maße betragen nur 12 mal 5 mal 0,8 Zentimeter, wegen der hohen physikalischen Dichte des Materials ist er aber erstaunlich schwer. „Legt man den Kunden so einen Goldbarren auf den Tisch, gehen bei ihnen die Mundwinkel hoch“, sagt er.


    Deutschland lebt im Goldrausch. An den vorläufigen Höhepunkt vor ein paar Monaten kann Ganß sich bestens erinnern. So einen Ansturm hatte er noch nie erlebt. „Die Leute standen bis auf die Straße. Wir waren nahezu ausverkauft.“ Gold, Platin, Silber, Barren, Münzen, ganz egal, die Käufer schleppten alles raus, was der Edelmetallhandel an der Berliner Hardenbergstraße vorrätig hatte und beschaffen konnte – selbst Granulat, Säckchen mit Gold- und Silberkrümeln, nahmen die Leute mit. Hauptsache, sie gingen nicht leer aus.


    Es waren die Tage nach dem 5. Oktober 2008. An jenem Sonntag hatten Angela Merkel und Peer Steinbrück verkündet, dass der deutsche Staat die Spareinkommen der Bundesbürger garantiere. Ab Montag aber passierte das Gegenteil des Absichtigten – teilweise zumindest. Die beruhigend gemeinte Zusage von Kanzlerin und Finanzminister machte viele Menschen erst richtig darauf aufmerksam, wie schlecht es um ihre Ersparnisse bestellt sein könnte.


    Ein Kunde habe sich erkundigt, so berichtet Ganß, wieviel Zuladung sein Pkw maximal vertrage. Die Auskunft der Autofirma lautete: 650 Kilo würden die Achsen wohl aushalten. Also bestellte der Mann bei pro aurum 650 Kilogramm Silber in Barren und wuchtete sie in den Kofferraum. Er zahlte rund 270.000 Euro.


    Ein paar Jahre früher hätte solch ein Kauf nicht mal die Hälfte gekostet. So teuer wie in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise waren Edelmetalle noch nie. Mitte August 2009 kostete eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) fast 940 Dollar . Das bisherige Allzeithoch war im März 2008 mit über 1.000 Dollar erreicht. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren musste man für Gold nur etwa ein Drittel bezahlen, vor 30 Jahren weniger als ein Viertel.


    Die Krise hat Deutschland zum Goldstaat Nr. 1 gemacht. 2008 haben Anleger hierzulande 108 Tonnen Gold gekauft – mehr als in jedem anderen Land der Welt. Goldshops und Ankaufsstellen seriöser und windiger Art sprießen allerorten. Die Nachfrage scheint keine Grenzen zu kennen.


    Das bringt Goldhändler Ganß aber nicht aus der Ruhe. Er ist ein bedächtiger Mann mit etwas schütterem, dunkelgrauem Haar, Mittelscheitel und einem Anflug von Solariumsbräune. Jetzt lehnt mit der linken Schulter an einem seiner Stahlschränke. Was ihn selbst am Gold fasziniere? Seine Tochter sei zweieinhalb Jahre alt, erzählt er, das Edelmetall solle später als Mitgift dienen. „Vielleicht sagt meine Tochter irgendwann: `Papa war ein schlauer Fuchs`.“ Der Händler hofft, dass die Zeit und der steigende Goldpreis aus seinem kleinen Schatz einen großen machen.


    Aber darin soll die ganze Motivation bestehen? Nein, antwortet Ganß und wiegt den Kilo-Barren in seiner Hand: „Gold hat seinen Glanz“. Und nun überstrahlt sein Gesicht ein glückliches, fast beseeltes Lächeln. In derartige Zustände plötzlicher Verzückung verfallen nicht wenige Menschen, die sich mit Gold beschäftigen. Ist es das, was Goethe meinte, als er schrieb: „Zum Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen.“?


    Es ist ein besonderer Stoff, den die Menschen seit mehr als 5.000 Jahren fördern und verarbeiten. Schon die griechische Sage erzählt von der Jagd der Argonauten nach dem goldenen Vlies. Auf der Suche nach Gold begingen die Menschen grausamste Verbrechen. In der Bibel steht das goldene Kalb für Gier und Gottesferne. Und doch ruft Gold auch die genau gegenteilige Vorstellung hervor. So gilt das „goldene Zeitalter“ in der Mythologie als versunkenes Paradies zu Beginn der Menschheitsgeschichte. Zerstörung, Tod, Sehnsucht, Glück: Gold ist ein magisches Material, das die Menschen je nach Lage mit den unterschiedlichsten Wünschen, Hoffnungen und Empfindungen aufladen.


    Auch mit Angst und ihrem Gegenteil, dem Bedürfnis nach Sicherheit. Dieses ist es, was jetzt in der Krise die entscheidende Rolle spielt. Um ihren Kunden die Vorteile des Edelmetalls zu beschreiben, bedienen sich die Goldhändler eines zentralen Argumentes. „Gold erhält die Kaufkraft“, so Heiko Ganß. Soll heißen: Wer in Gold investiert, entgeht zwei Gefahren. Erstens: Man besitzt ein Zahlungsmittel, das auch dann noch vorhanden ist, wenn die Banken zusammenbrechen. Zweitens: Weil die Regierungen hunderte Milliarden Dollar auf die Märkte werfen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, nimmt die Kaufkraft der Währungen ab. Ganß: „Der Wert von Papiergeld ist von Inflation bedroht.“ Bei Gold sei das anders. „Durch seinen inneren Wert bietet es Sicherheit“, erklärt der Berliner Geschäftsführer von pro aurum.


    Das ist eine starke Behauptung. Aber ist das Edelmetall wirklich so sicher? „Das denkt man ja“, sagt Gerhard Wegner*, der als privater Kunde viel Gold gekauft hat. Der 70jährige ehemalige Besitzer einer chemischen Reinigung im dem Berliner Bezirk Neukölln ist zu 90 Prozent überzeugt, dass seine private Investitionsentscheidung richtig ist. Aber es bleibt ein Restzweifel. Als die Finanzkrise ausbrach, haben Wegner und seine Frau Silvia erlebt, dass sie mit „Aktien reichlich Verlust gemacht haben“. Das ist bitter, denn in die Rentenversicherung haben sie früher kaum eingezahlt.


    Nun wollen sie richtig handeln. „Ungefähr den Wert eines Audi-Geländewagens“ habe er gegenwärtig in Goldbarren investiert, sagt der Rentner. Macht über den Daumen 100 Feinunzen oder knapp 70.000 Euro. Für Gold hat Wegner sich entschieden, weil er die Angst spürt, dass „die Scheine irgendwann nichts mehr wert sind“.


    Inflation des Geldes – dieses Risiko kalkuliert man durchaus ein. Gleiches müsste eigentlich für Gold gelten. Seltsamerweise eilt ihm jedoch der Ruf der Stabilität voraus. Zu Unrecht: Denn seit der so genannte Goldstandard, der feste Wechselkurs zwischen Dollar und Gold, 1971 zusammenbrach, schwankt der Kurs des Edelmetalles beträchtlich. Anfang der 1980er Jahre war mit über 800 Dollar pro Unze ein erster Rekord erreicht. Danach setzte eine Entwicklung ein, die Goldbesitzer nur ungern zur Kenntnis nehmen: Der Kurs brach dramatisch ein. Wer Edelmetall teuer erworben hatte, musste abwarten oder es im Extremfall mit zwei Drittel Verlust verkaufen. Der vorläufig niedrigste Wert lag 2001 bei weniger als 260 Dollar. Und jetzt rollt die nächste Spekulationswelle. Verantwortlich dafür sind die Angstkäufer, Spekulanten und Privatinvestoren. Kein gutes Vorzeichen für eine sichere Wertanlage.


    Goldschmiedemeister Norbert Strahler (52) betreibt sein Atelier am Kudamm. Beste Lage, alteingesessener Betrieb. Außerdem ist Strahler Obermeister der Goldschmiede-Innung, die seit 1555 existiert. Sein weißes Sporthemd weht, sein hellblondes Haar schwebt über der hohen Stirn, die rötlichen Augenbrauen heben sich, als er schwungvoll ein schwarzes Kästchen aus dem Panzerschrank zieht. Wieder dieser Glanz in den Augen, als er sagt: „Die Gestaltbarkeit von Gold weckt tiefe Befriedigung. Seine polierte Oberfläche gleicht einem Spiegel. Es ist beständig und ewig.“


    Strahler hebt den Deckel der kleinen Schatzkiste, in der er die schönsten Stücke aus alter Zeit aufbewahrt. „Sie einzuschmelzen wäre zu schade. Da würde mir das Herz bluten“. Zum Beispiel dieser Biedermeier-Ring aus dem 19. Jahrhundert: ein blauer Saphir, eingefasst von Edelmetallkügelchen. Das schwierige Verfahren des Granulierens beherrschen heute nur noch wenige Juweliere.


    Preziosen der Vergangenheit werden Strahler jetzt öfter angeboten. Das macht die Krise. Wer Geld braucht, versucht, vom hohen Goldpreis zu profitieren. „Alte Damen kommen zu uns, weil sie die Miete nicht mehr zahlen können“, sagt der Goldschmied. Das ist die eine, die kurzfristige Dimension. Aber es gibt auch die zweite, die Sicht auf die langfristige Entwicklung. „Vor 30 Jahren stand Goldschmuck viel höher im Kurs als heute. Früher trugen die Moderatorinnen im Fernsehen ein Collier, heute zeigen sie nackten Hals.“


    Die kulturelle Bedeutung des Goldes ist nicht statisch, sie schwankt. Das gilt erst recht für historische Zeitspannen. Als die Berliner Goldschmiede ihre Innung im 16. Jahrhundert gründeten, arbeiteten die 23 Handwerker ausschließlich für den Adel und die Kirche. In Berührung mit dem Edelmetall kam überhaupt nur eine sehr schmale Elite. Das änderte sich im 18. Jahrhundert. „Damals begann die Demokratisierung des Goldes“, sagt Strahler. Auch das Bürgertum wollte und durfte Gold besitzen. Indem mehr Menschen Zugang zu dem begehrten Material erhielten, sank allerdings die Wertschätzung, die man ihm entgegenbrachte. Was viele besitzen, ist nicht mehr exklusiv.


    Im Laufe der Geschichte nimmt der Wert des Goldes also ab. Das bedeutet auch, dass man sich heute für eine Feinunze Gold weniger kaufen kann als vor 100 Jahren. Anfang des 20. Jahrhunderts beispielsweise bekam man ein Auto mit Verbrennungsmotor, ein revolutionäres Luxusgut, für ungefähr 40 Feinunzen. Heute dagegen erhält man dafür nur noch ein schnödes Mittelklassemodell. Im Vergleich zum durchschnittlichen Lebensstandard hat Gold also massiv verloren. „Die Kaufkraft des Goldes war früher deutlich höher“, erklärt der Historiker Michael North, Autor des Buches „Kleine Geschichte des Geldes“. „Seine Funktion als Wert- und Kaufkraftspeicher lässt nach“.


    Der doppelte Charakter des Goldes – seine abnehmende ökonomische und seine zunehmende magische Rolle – sind nirgendwo besser zu erkennen, als dort, wo der Stoff geschmolzen wird. Die Firma Heraeus in Hanau: Hierhin liefern Juweliere wie Norbert Strahler den alten Schmuck, um ihn für eine neue Verarbeitung als reines Gold zurückzuerhalten. Von hier beziehen Goldhändler wie Heiko Ganß ihre Barren.


    Bei Heraeus gibt es einen schicken Handelsraum, oval, ockerfarbene Kurven sind auf die Glaswände gedruckt. Die Innenarchitekten haben sich voll ausgelebt. An sechs Arbeitsplätzen mit jeweils vier Bildschirmen können die Händler die Reuters-Ticker verfolgen, die Kurse und die Nachrichten, sie können kaufen und verkaufen. An der Stirnseite zeigen Uhren die Zeit in den Goldmetropolen: New York, London, Hongkong, Hanau, Tokyo.


    Wolfgang Wrzesniok- Rossbach (45) ist seit Jahren im Geschäft, früher bei der Dresdner Bank, jetzt bei Heraeus, dem weltweit größten industriellen Goldhändler. Der Leiter für Marketing und Handel hat einen nüchternen Blick auf die Entwicklung. „Lange Zeit war es ein Zahlungsmittel, heute dient es eher der virtuellen Wertaufbewahrung oder nur noch als Sammlerobjekt. Während die psychologische Bedeutung des Goldes als `sicherer Hafen` zuletzt zunahm“, schwinde seine ökonomische Stellung.


    Und tatsächlich: In der Schmelze ein paar hundert Meter entfernt haftet dem Gold gar nichts Besonderes an. Goldschmiedin Stephanie Künesch bringt eine Blechschale voller Ringe, Armbänder, Halsketten und Ohrringe – die Schmuck gewordenen Liebesbeweise, Heiratsversprechen, Schwüre und Spanien-Urlaube der vergangenen Jahrzehnte. Oben auf dem kleinen Berg liegt ein Kettchen mit güldenen Buchstaben: „Edyta“ hieß die Trägerin.


    Hinfort damit! Künesch, blass-rot-gelb kariertes Hemd von Schoeffel, Kniehose, Outdoorschuhe, Pferdeschwanz, entleert die Schale in einen schmutzigen, schwarz-grauen Tiegel. „Steckt man im Prozess der Produktion, übt Gold keine besondere Faszination aus“, sagt die 43jährige Frau, die bei Heraeus das Goldrecycling leitet. „Es ist ein Material wie viele andere“.


    Nun bringt das Magnetfeld unter dem Tiegel das Gold zum Schmelzen. Edyta löst sich auf, t und a sind noch zu erkennen, die anderen Buchstaben bereits in der gleißend weißen Lava untergegangen. 1.200 Grad, der Höllenbrei spuckt, spritzt, blubbert, und Flammen züngeln heraus.


    Aber dann kommt er doch wieder, der magische Moment. Küneschs Kollege hat sich den Hitzeschutzhelm mit dem verspiegelten Visier aufgesetzt, die dicken Handschuhe übergestreift und mit einer meterlangen Zange den glühenden Tiegel gegriffen. Jetzt schüttet er ihn aus. Der goldene Strom ergießt sich in die Graphit-Form, die das flüssige Metall zum Barren zwingt. Fasziniert betrachtet die Goldschmiedin die dampfende, bebende, leuchtende Oberfläche. „Es hat eine wunderbare, warme, orangerote Farbe“, sagt sie, ihr Gesicht glänzt, „beim Ausschmelzen sieht das Gold doch sehr schön aus“.


    * Name geändert

  • Neue Töne aus Großbritannien

    Für eine neue Steuer auf Bankgeschäfte spricht sich der Chef der britischen Finanzaufsicht FSA, Adair Turner, aus. Als Reaktion auf die Krise will er mit Hilfe der Tobin-Steuer den „aufgeblähten Finanzsektor“ reduzieren

    Diese Idee bricht mit der alten Logik der Finanzmärkte. Mehr Geld, mehr Risiko, mehr Profit – so kann es nach Ansicht von Adair Turner, dem Vorsitzenden der britischen Finanzaufsicht FSA, nicht weitergehen. Um den „aufgeblähten Finanzsektor“ nach der Krise zu verkleinern, schlägt der Chef der Financial Services Authority unter anderem die Einführung einer neuen „Steuer auf Finanztransaktionen“ vor.


    Im Gespräch mit der Zeitschrift „Prospects“ nannte Turner auch gleich das konfliktträchtige Schlagwort, unter dem diese Idee in Frankreich, Deutschland, Belgien und einigen anderen Ländern bislang bekannt ist: Tobin-Steuer, benannt nach dem US-Ökonomen James Tobin. Der Sinn einer solchen Steuer ist es, die Geschäfte auf den Finanzmärkten zu verlangsamen und einen Teil des Gewinns aus Finanztransaktionen zugunsten des Staates abzuschöpfen.


    Bislang war die Tobin-Steuer in Großbritannien kaum bekannt. Das könnte sich nun ändern. Turner, der seit 2005 ehrenhalber den Titel eines Barons von Ecchinswell trägt, hat sich schon früher als Vordenker betätigt. So sitzt er der Regierungskommission für die Bekämpfung des Klimawandels vor. Mitarbeiter von Großbritanniens Schatzkanzler Alistair Darling gingen auf Distanz zu dem Steuervorschlag. Die Regierung versucht, eine starke Regulierung des Finanzwirtschaft zu verhindern, um die Geschäfte der Banken in der Londoner City nicht zu sehr zu beeinträchtigen.


    Zur Tobin-Steuer sagte Turner, diese sei „lange Zeit ein Traum von Entwicklungsökonomen und Klimaschützern gewesen“. Wenn andere Maßnahmen wirkten, solle man die Steuer jetzt jedoch als Regulierungsinstrument angesichts der Finanzkrise in Betracht ziehen. Turner räumte allerdings ein, dass es „sehr schwer werde, ein globales Einverständnis darüber zu erzielen“.


    Idealtypisch würde die Tobin-Steuer so wirken: Der Staat könnte bestimmte Arten von Geschäften – Spekulation mit Devisen, Papieren oder Aktien – mit einer neuen Steuer belegen. Diese würde den Spekulationsgewinn reduzieren und die entsprechende Transaktion dadurch uninteressanter machen. In einem angenehmen Nebeneffekt nähme der Staat dadurch einige Milliarden Pfund, Euro oder Dollar pro Jahr ein, die er angesichts der horrenden Ausgaben zur Linderung der Finanzkrise gut gebrauchen kann.


    Verbreitet wird die Idee seit zehn Jahren von der globalisierungskritischen Organisation Attac. Das französische, kanadische, belgische und österreichische Parlament haben sich mittlerweile dafür ausgesprochen. Im Wahlprogramm der SPD für die Bundestagswahl Ende September findet sich eine Mini-Version der Tobin-Steuer. Eingeführt wurde sie bislang aber nirgendwo. Der Grund: Die Nationalregierungen haben Angst, im Wettbewerb der Börsenstandorte ins Hintertreffen zu geraten. Jedes Land wartet darauf, dass andere, möglichst auch die USA und Großbritannien, mitmachen.


    Von der Steuer auf Finanztransaktionen abgesehen, plädiert FSA-Chef Turner dafür, die Gehälter und Boni der Banker durch staatliche Abgaben zu reduzieren und die Vorschriften für Banken zu verschärfen. Diese müssten mehr eigenes Geld in Reserve halten, um ihr Risiko zu reduzieren, sagte Turner. Seiner Ansicht nach ist der Finanzsektor über eine „sozial vernünftige Größe hinaus gewachsen“. Manche der Geschäfte, die Banken und Anlagefirmen tätigten, seien „überflüssig“.