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  • Angebunden statt abgehängt

    Kleinbusse, die man per Smartphone ruft, verbessern den öffentlichen Nahverkehr vor allem auf dem Land. Beispiele aus Brandenburg, Bayern und Hessen.

    „Busfahren“ ist nicht mehr das richtige Wort. Wie soll man sie nennen, diese Kombination aus Bus und Taxi? „Dalli“ heißt sie hier in Bad Saarow und Umgebung, 50 Kilometer südöstlich Berlins. Die weiß-grün-blauen Kleinbusse, die per Smartphone gerufen werden, kommen zwar nicht ganz nach Hause, aber fast. Sie fahren Bürgerinnen und Bürger zum Arzt, zum Einkaufen, oder holen sie abends vom Konzert ab – zum normalen Tarif des öffentlichen Nahverkehrs, plus ein Euro „Komfortzuschlag“.

    „Es stimmt nicht mehr, dass die Leute hier abgehängt sind“, sagt Tim Jurrmann, der beim Kreisentwicklungsamt des Landkreises Oder-Spree arbeitet. Dieser organisiert und bezahlt den modernen Beförderungsdienst. Ähnliche Angebote gibt es mittlerweile bundesweit bei etwa einem Drittel der Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs. Die Klage, dass man auf dem Land abgeschnitten sei, spiegelt in vielen Fällen vielleicht eher ein Gefühl wider als die Realität.

    Ab Januar 2025 werde der Dalli noch attraktiver, kündigt Jurrmann an. Donnerstags, freitags und samstags fahren die elektrischen Mini-Vans dann bis 0.30 Uhr in der Nacht. Wer am Wochenende die Oper in Berlin besucht oder einen Kneipenabend mit Freunden in der Großstadt verbringt, kann sich noch spät vom Bahnhof in der Kleinstadt Storkow abholen und in die Nähe der Wohnung bringen lassen. Momentan fahren die Kleinbusse täglich zwischen 6.00 oder 8.00 Uhr und 22.00 Uhr. Neben Storkow und Bad Saarow mit seiner Therme bedient der Service mehrere Gemeinden rund um den Scharmützelsee.

    Die Dalli-Busse sind dafür gedacht, die Bürger von deren Wohnort bis zur nächsten Bus- oder Bahnlinie zu bringen. Sie bedienen die „erste und letzte Meile“, wie die Fachleute sagen. Es handelt sich um einen „Linienbedarfsverkehr“: Die Fahrerinnen und Fahrer steuern hunderte Haltestellen nach Bedarf an. Im Unterschied zu Taxis werden bis zu fünf Personen gemeinsam transportiert, die auch unabhängig von einander buchen können. Die Kleinbusse kommen nur, wenn sie gerufen werden. Reservieren kann man die Plätze per Telefon, Smartphone oder in der Dalli-Zentrale. In der Regel finden sich die Haltestellen maximal 200 Meter von bebauten Gebieten entfernt.

    Pro Woche werden durchschnittlich 1.000 Transporte abgewickelt. Knapp ein Fünftel der Fahrten hätten sonst nicht stattgefunden, sagten die Nutzer in einer Auswertung – sie wären zuhause geblieben. Es handelt sich um einen Zugewinn an Bewegungsfreiheit, der beispielsweise Arztbesuche ermöglicht, die andernfalls unterblieben. „Ein Quantensprung der Mobilität“, freut sich Jurrmann. Und jede zweite Dalli-Fahrt ersetzt eine Tour mit privaten Pkw. „Die Leute überlegen, ob sie ihren Zweitwagen noch brauchen.“

    Im nordöstlichen Bayern ergänzt der Hofer Landbus ebenfalls die Linien des traditionellen Nahverkehrs. 2024 wurde das Netz stark ausgedehnt, berichtet Andreas Weinrich, Geschäftsführer der Logistik Agentur Oberfranken. Mittlerweile werden 1.450 Haltestellen im Umkreis der Stadt Hof angesteuert. Eine Fahrt kostet dort pauschal drei Euro.

    Im Norden rollen im Gebiet des Hamburger Verkehrsverbundes über 75 unterschiedliche Bedarfsverkehre. Hinzu kommt Moia, eine private Tochter des VW-Konzerns, die Sammel-Ruftaxis anbietet. Südlich von Frankfurt/Main versorgen die Fahrzeuge der Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach einige hessische Gemeinden. Ähnliches funktioniert in zahlreichen weiteren Städten und Landkreisen. In einer Übersicht kam die Beratungsfirma rms Anfang diesen Jahres auf 93 Angebote bundesweit. Setzt man diese Zahl ins Verhältnis zu den etwa 280 kommunalen Nahverkehrsgesellschaften, die Mitglieder im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sind, ergibt sich eine bundesweite Abdeckung von etwa einem Drittel.

    Mit Rufbussen experimentieren Gemeinden seit 40 Jahren. In der vergangenen Dekade allerdings hat die Technik einen Sprung gemacht. Smartphone-Apps, die Nutzer und Busse lokalisieren, ermöglichen es, die Fahrzeuge zum genau richtigen Zeitpunkt an den gewünschten Ort zu bestellen. Das sei einer der Gründe für die bundesweite Verbreitung der Bedarfsverkehre, sagt Frank Hunsicker von der Beratungsfirma Nuts One in Berlin. Hinzu kam die Reform des Personenbeförderungsgesetzes unter der letzten Regierung Angela Merkels, die unter anderem neue digitalbasierte Mobilitätsdienste ermöglichte.

    Allerdings stellen sich auch Finanzierungsfragen. Die neuen Angebote erwirtschaften bislang nur etwa 15 bis 20 Prozent ihrer Einnahmen selbst mittels des Ticketverkaufs. Vier Fünftel der notwendigen Mittel stammen aus Zuschüssen unterschiedlicher staatlicher Kassen. Bei den traditionellen Liniendiensten liegt die Kostendeckung dagegen bei durchschnittlich 30 Prozent. Ein Grund dafür ist dort die hohe Auslastung vielbefahrener Strecken.

    In dieser Situation machen sich nun die teilweise gestiegenen Energiepreise, die wirtschaftliche Stagnation und die dadurch verursachte Knappheit der Staatsfinanzen bemerkbar. Laut der rms-Übersicht ist bei 90 Prozent der Projekte unklar, ob und wie sie mittelfristig fortgeführt werden. Es hängt vom Geld ab. Bei manchen wirkt sich im Übrigen ein Mangel an Fahrern und Fahrerinnen aus. Autonomes Fahren könnte da künftig eine Lösung sein, aber in größerem Maßstab praxistauglich ist das noch nicht.

    Der Dalli am Scharmützelsee hat glücklicherweise keine Probleme, Leute mit Führerschein zu finden, die die Busse steuern wollen. Und er sei bis Mitte 2026 gesichert, sagt Tim Jurrmann, bis dahin müsse man jedoch alles neu ausgeschrieben haben. Gut sieht es vorläufig auch beim Hofer Landbus aus, wie Andreas Weinrich erklärt – vor allem, weil das Bundesland Bayern den Betrieb für drei bis vier Jahre finanziell abgesichert hat.

  • Kaffee wird teurer

    Klimawandel treibt die Preise

    Kaffeefans müssen sich auf schwere Zeiten einstellen. Ihr Lieblingsgetränk dürfte in diesem Jahr deutlich teurer werden. Schon seit längerem steigen die Preise für Rohkaffee – inzwischen haben sie sogar den Rekord von 1977 eingestellt. Wie viel die Deutschen tatsächlich mehr zahlen müssen, ist unklar. Die Branche ist notorisch verschwiegen. Und die Einkaufsmacht der großen Handelsketten spielt auch eine Rolle.

    Nichts wird in so großen Mengen in Deutschland getrunken wie Kaffee. Rund 164 Liter pro Kopf waren es 2023, mehr als Mineralwasser und Bier. Aufgebrüht wird vor allem die Sorte Arabica, die vollmundiger schmeckt als die etwas härtere Sorte Robusta. Bei vielen Kaffeeangeboten im Supermarktregal sind die Sorten gemischt.

    Ende vergangener Woche kostete ein amerikanisches Pfund (454 Gramm) Rohkaffee der Sorte Arabica an der Börse in New York 3,48 Dollar, rund 86 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und sogar 171 Prozent mehr als Ende 2020. Der Preis für Robusta, gehandelt in London, verdoppelte sich binnen eines Jahres sogar. Seit 2021 hat Brasilien Probleme mit der Ernte. Aus dem südamerikanischen Land kommen etwa 37 Prozent des Kaffees weltweit. Zweitgrößtes Anbauland ist Vietnam mit gut 21 Prozent. Und auch dort hapert es.

    Die Kaffeepflanze ist sehr eigen, benötigt zur richtigen Zeit die richtige Temperatur und Feuchtigkeit um etwa die Kirschen auszubilden, in denen die Kaffeebohne heranwächst. Deshalb wächst Kaffee ausschließlich rund um den Äquator. Brasilien hat seit Jahren mit Trockenheit und Frost zu kämpfen. Beides verträgt die Kaffeepflanze nicht. Entsprechend schlecht fiel die Ernte aus.

    Üblicherweise gleichen die Kaffeefirmen solche Ausfälle aus. Rohkaffee lässt sich gut lagern, entsprechend wird in guten Jahren ein Vorrat angelegt. Aber: „Es gibt praktisch keine Reserven“, sagt der Experte eines großen Unternehmens, der nicht genannt werden will. „Die vergangenen fünf Jahre konnte das Angebot nicht mit der weltweiten Nachfrage mithalten.“ Er rechnet mit weiteren schlechten Jahren. Der Klimawandel hinterlasse Spuren. Experten schätzen, dass bis 2050 die Hälfte der Erntefläche verlorengehen könnte, etwa wenn bei starken Regenfällen der Boden weggeschwemmt wird.

    Ein weiteres Problem: In vielen Kaffeeländern bauen Kleinbauern an. Sie sind nicht so effizient wie etwa die großen Betriebe in Brasilien, die versuchen, ihre riesigen Flächen – „Denken sie in 1000 Fußballfeldern“, sagt eine andere Expertin – optimal zu nutzen. Manche Kaffeebauern steigen auch ganz aus, weil andere Pflanzen mehr Ertrag bringen und weniger arbeitsintensiv sind. Denn auch auf Kaffeeplantagen fehlen Arbeitskräfte.

    Und die Nachfrage nach dem schwarzen Getränk steigt weiter. Vor allem in Asien, in China, Indien und Japan wird Kaffee beliebter, wie das US-Analysehaus Mordor Intelligence ermittelt hat. Mehr Nachfrage, bei sinkendem Angebot bedeutet steigende Preise.

    Allerdings gilt der Börsenpreis des Rohkaffees nur als Richtwert. Er ist eine Art Durchschnittspreis für Durchschnittsware. Wie viel ein großer Kaffeehändler oder -röster tatsächlich für zahlt, zeigt er nicht. Je nach Qualität des Kaffees werden Auf- oder Abschläge fällig. Manch Kaffeefirma baut in Teilen sogar selbst an, weshalb sie von der Börse zumindest etwas unabhängig ist.

    Dann ist da der Transport. Weil Reeder die Strecke durch Rotes Meer und Suezkanal wegen der Huthi-rebellen im Jemen meiden, sind die Schiffe um Afrika herum länger unterwegs und verbrauchen mehr Sprit. Das verteuert die Frachtraten, was ebenfalls die Preise für Kaffee verteuert, bevor er in einer Rösterei in Deutschland landet.

    Und dann kommt die besondere deutsche Marktsituation zum Tragen: Die Bundesbürger achten weniger auf den Geschmack als auf den Preis, besonders bei Waren des täglichen Bedarfs. Im Handel zählen zu solchen sogenannten Eckprodukten Butter, Eier, Mehl und eben Kaffee. Entsprechend versuchen die großen Supermarktketten, die Preise dieser Produkte möglichst günstig zu halten. Und so spielen Edeka, Rewe, Lidl ihre Marktmacht aus, um bei Kaffeefirmen und Röstereien niedrige Einkaufspreise durchzusetzen.

    Aldi Süd röstet sogar selbst, um Zwischenhändler auszuschalten und bietet notfalls sogar unterhalb der Herstellungskosten an, wie kürzlich während eines Prozesses deutlich wurde. Das Unternehmen ist Deutschlands größter Kaffeeröster und sieht sich als Preisführer. An seinen Vorgaben orientiert sich der Markt.

    Größte Kaffeeunternehmen weltweit sind JDE Peet’s (Jacobs), die zur JAB Holding der deutschen Milliardärsfamilie Reimann gehören, der Lebensmittelkonzern Nestlé aus der Schweiz (Nespresso-Kapseln) und die italienische Lavazza-Gruppe. In Deutschland ist Tchibo die bekannteste Marke, die Kaffee auch selbst anbaut, röstet und über eigene Filialen vertreibt. Das Unternehmen gehört zur Maxingvest-Holding der Tchibo-Gründerfamilie Herz aus Hamburg.

    Wird Kaffee nun teurer? „Wenn der Börsenpreis steigt, steigt mittelfristig auch der Preis im Supermarkt“, sagt ein Experte, auch er will nicht genannt werden, weil die Aussagen die Konkurrenz oder gar den Preis beeinflussen könnten. Wer jetzt Kaffee auf Vorrat kaufen will: Gerösteter Kaffee hält sich luftdicht verpackt und ohne Licht, ungefähr 18 Monate. Geöffnet sollte er dann binnen einiger Tage getrunken werden. Das Aroma verfliegt schnell.

  • Bezahlen mit Basstölpel oder Beethoven

    EZB legt Motive für neue Scheine fest

    Kaum etwas ist so alltäglich wie die Euro-Scheine. Welche Motive abgebildet sind, wird kaum jemand spontan wissen. Das soll für nächste Serie der Banknoten anders werden. Jetzt hat die Europäische Zentralbank verschiedene Motive ausgewählt – es geht um Kultur sowie Flüsse und Vögel. „Die neuen Banknoten werden unsere gemeinsame Identität und die Vielfalt symbolisieren, die Europa stark macht“, sagt EZB-Präsidentin Lagarde.

    Die Themen europäische Kultur und Flüsse/Vögel stehen seit Ende 2023 fest. Sie ergaben sich aus zwei großen Umfragen in Europa. Knapp ein Jahr lang arbeiteten jetzt Experten daran, einzelne Motive vorzugeben. Voraussichtlich im April startet ein Wettbewerb, bei dem Designer zeigen sollen, wie sie sich die jeweilige Serie vorstellen. 2026 sollen dann wieder die EU-Bürger über ausgewählte Designs entscheiden und letztlich darüber, ob auf den neuen Scheinen Natur zu sehen ist oder europäische Kultur. Vermischt werden sollen die Motive nicht, auch unterschiedliche 20er soll es nicht geben.

    Europäische Kultur: Die Vorderseite der Scheine soll jeweils eine bedeutende Person aus Kultur und Wissenschaft zieren, die in verschiedenen Ländern gelebt haben und als Europäer dachten, mit denen viele aber auch kein einzelnes Land verbinden. Ausgewählt wurden Opernsängerin Maria Callas (fünf Euro), Komponist Ludwig van Beethoven (zehn Euro), Forscherin Marie Curie (20er), Schriftsteller Miguel Cervantes (50er), Renaissance-Genie Leonardo da Vinci (100er) und Literatin und Friedensforscherin Bertha von Suttner (200er). Auf den Rückseiten sind Straßenkünstler, ein Chor, eine Lernsituation, eine Bibliothek, Menschen, die Streetart bewundern, und ein belebter Platz mit Bäumen vorgesehen.

    Flüsse/Vögel: Diese Serie folgt auf der Vorderseite einem Fluss von der Quelle bis zum Meer und zeigt jeweils einen für den Teil typischen Vogel. Den Fünfer ziert eine Gebirgsquelle nebst Mauerläufer. Auf dem Zehner schwirrt ein Eisvogel an einem Wasserfall, Der 20er könnte einen Schwarm Bienenfresser in einem Flusstal zeigen. Auf dem 50er soll ein Weißstorch über einem mäandernden Fluss fliegen. Auf dem 100er mündet der Fluss, zu sehen wäre ein Säbelschnäbler. Und auf dem 200er soll ein Basstölpel über dem Ozean segeln. Auf den jeweiligen Rückseiten sind europäische Institutionen geplant: Parlament, Kommission, EZB, Gerichtshof der EU, Europäischer Rat und Rat der EU sowie Europäischer Rechnungshof.

    Wann die neuen Scheine tatsächlich in Umlauf kommen, ist unklar, schon aus technischen Gründen. Ausgewählt erden muss auch noch das Material der neuen Banknoten. Es soll sicherer sein als die bestehenden Noten, gleichzeitig aber auch nachhaltig und umweltfreundlich. Die aktuellen Scheine bestehen aus reiner Baumwolle. Britische Pfundnoten sind aus Polymer, einem langlebigen Kunststoff.

    Zudem dauert allein der Druck der Euro-Scheine, ebenfalls, sie in der Euro-Zone zu verteilen. Schließlich ist die Euro-Zone mit 20 Ländern und 350 Millionen Einwohnern ein sehr großer Währungsraum. Derzeit sind mehr als 29 Milliarden Banknoten im Wert von mehr als 1,5 Billionen Euro im Umlauf. Experten rechnen, dass es nach der Auswahl der Serie weitere zwei bis drei Jahre dauert, bevor die neuen Scheine eingeführt werden. Sie kämen dann 2029 in Umlauf. Möglicherweise ist dann auch gar nicht mehr so viel Bargeld nötig, denn in der Euro-Zone wird immer weniger bar gezahlt.

    Das Aussehen der aktuellen Euro-Banknoten stammt noch von der Jahrtausendwende. Der Euro wurde zum 1. Januar 2002 als Bargeld eingeführt. Zwischen 2013 und 2019 überarbeitete die EZB die Banknoten, sie bekamen neue Sicherheitsmerkmale. Damals wurde auch der 500er abgeschafft.

    Der Euro ist nicht nur in der Euro-Zone Zahlungsmittel, sondern auch in Andorra, Monaco, San Marino und Vatikanstaat, die auch selbst Münzen prägen dürfen. Im Kosovo und in Montenegro wird in Euro bezahlt. Die Währungen vieler afrikanischer Staaten sind an die Währung gekoppelt. Zuletzt trat Kroatien der Euro-Zone bei. Bulgarien plant es zum 1. Januar 2026.

  • Schottischer Wasserstoff für Deutschland

    Windstrom aus der Nordsee soll das Gas erzeugen

    Im Zuge der Energiewende soll Wasserstoff das klassische Erdgas in der deutschen Industrie ablösen. Unklar ist noch, wer die nötigen Mengen liefern kann. Projekte sind unter anderem mit Kanada, Namibia und den Vereinigten Arabischen Emiraten beschlossen. Doch ein großer Lieferant liegt viel näher: Schottland, bisher für Öl- und Gasförderung bekannt.

    „Wir werden mehr Strom erzeugen, als wir verbrauchen können“, sagt Gillian Martin, schottische Energieministerin. „Mit dem überschüssigen Strom produzieren wir grünen Wasserstoff. Und den können wir nach Deutschland liefern.“ Mit Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen sowie der Bundesregierung sind bereits Abkommen unterzeichnet. Der Bedarf ist riesig, nach Zahlen der Deutschen Energieagentur Dena braucht Deutschland 2030 rund 66 Terawattstunden Wasserstoff, ein Großteil muss importiert werden. Schottland könnte dann mehr als die Hälfte liefern.

    Innerhalb Großbritanniens ist die Region weitgehend unabhängig, mit teils eigenen Gesetzen. So unterscheidet sich auch die Energiepolitik. Das Land will 2045 klimaneutral sein, lehnt Atomenergie und Fracking an Land ab und baut in großem Stil Windenergie aus. Denn Wind weht reichlich im hohen britischen Norden. Geplant sind zahlreiche feste und schwimmende Windparks mit mehr als 40 Gigawatt (GW) Leistung, vor allem vor der Ostküste und im Nordwesten. Windkraftanlagen mit drei GW Leistung liefern bereits Strom. An Land sind bereits gut zehn GW Leistung installiert. In Deutschland laufen nach Angaben des Windenergieverbands BWE zurzeit Windanlagen mit einer Leistung von insgesamt 63,5 GW.

    Selbst wenn Schottland mit dem Windstrom noch Teile Englands versorgt, wird einiges übrigbleiben, dass in Wasserstoff umgewandelt werden soll. „Bereits heute wird Wasserstoff an zahlreichen Orten hergestellt, allerdings in kleinem Maßstab“, sagt Energieministerin Martin, etwa auf den nördlich des Festlands gelegenen Orkney-Inseln oder in Aberdeen, der Ölhauptstadt Schottlands. Mit Wasserstoff, so die Idee, kann das Land das Öl und Gasgeschäft ablösen. Die Quellen in der Nordsee, die Großbritannien Jahrzehnte lang Geld einbrachten, versiegen langsam. Die fossile Industrie bietet einen Vorteile: Offshore-Personal und Infrastruktur vor der Küste.

    Transportiert werden solle der Wasserstoff zunächst per Schiff, sagt die Energieministerin. „Wir hoffen auf eine Pipeline, die von Schottland über Nordengland nach Deutschland verläuft.“ Denn Transport durch eine Leitung ist deutlich günstiger. Dann wäre der schottische Wasserstoff auch billiger als Gas etwa aus Kanada. Eine Studie im Auftrag des staatlichen Net Zero Technology Centers in Aberdeen schätzt, die Pipeline könnte rund 3,1 Milliarden Euro kosten. Endpunkt wäre Emden in Niedersachsen.

    Projekte gibt es bereits: Hylion, gesteuert von MHP, eine Beratungsfirma aus dem Porsche-Konzern. Zu den Partnern gehören Siemens Energy, der Baukonzern Bilfinger und der Industriegase-Spezialist Messer Group. Bis die Pipeline fertig ist, soll der Wasserstoff mit besonderen Kühlcontainern per Lastwagen, Zug und Schiff transportiert werden. Als Umschlaghafen in Deutschland ist Duisburg vorgesehen. LH2Europe in Amsterdam, gegründet von ehemaligen Ölmanagern, plant, flüssigen Wasserstoff zunächst per Schiff nach Deutschland zu bringen.

    Mit der Pipeline kann es noch dauern, wie auch Schottlands Energieministerin weiß. „Eine Pipeline kostet sehr viel Geld. Das kann kein Land allein stemmen“, sagt sie. „Wir sind aber jetzt zuversichtlicher als in den vergangenen Jahren, dass es vorangeht.“ Ein Problem aus Sicht der Schotten, die den Ausstieg Großbritanniens aus der EU für falsch hielten: Für Außenhandel ist die britische Regierung in London zuständig. Dort hat Labour nach Jahren die Konservativen abgelöst. Offenbar steigen die Chancen auf die Pipeline, weil die neue Regierung sich der EU annähert. „Es ist alles da“, sagt Martin mit Blick auf London und Brüssel. „Wir brauchen den politischen Willen zu handeln.“

    Was auf ein anderes Problem im Zusammenhang mit Wasserstoff weist: Sehr viel ist Projekt, wenig ist tatsächlich umgesetzt. Das gilt für die deutsche Wasserstoffstrategie und die Pläne für ein tausende Kilometer langes Leitungsnetz durch die Bundesrepublik genauso wie für Schottlands Wasserstoffziele. „Technologien sind da, der Markt muss sich entwickeln“, sagt die Energieministerin. Im Klartext: Theoretisch ist die Nachfrage hoch, theoretisch lässt sich Angebot schaffen. Aber viele warten ab. Zu hoch sind die Investitionssummen, die Risiken.

    Abgesehen davon haben die Schotten große Konkurrenz. Deutschland hat bereits mit Namibia, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kanada über grünen Wasserstoff gesprochen. In Namibia und den Emiraten soll Strom aus Solarkraftwerken den grünen Wasserstoff erzeugen. An der kanadischen Westküste ist ein Windpark geplant.

    Noch gibt es nur Absichtserklärungen, wie jene, die Deutschland, Italien und Österreich mit Algerien und Tunesien gerade geschlossen haben. In diesem Fall geht es um eine 3500 bis 4000 Kilometer lange Pipeline, mit der grüner Wasserstoff aus Nordafrika nach Süd- und Zentraleuropa fließen soll. Für die 3250 Kilometer des europäischen Teils sollen bestehende Gaspipelines umgerüstet werden. Derzeit bekommt Italien Erdgas aus Algerien durch die Transmed-Pipeline.

  • Strahlende Zukunft

    Fragen und Antworten zur Atomenergie

    Weltweit steigt der Energiehunger. Je wohlhabender die Menschen werden, desto mehr Strom benötigen sie. Die Zahl der E-Autos steigt rasant. Größter Verbraucher dürften Rechenzentren für künstliche Intelligenz sein. Microsoft will deshalb ein abgeschaltetes US-Atomkraftwerk wieder hochfahren lassen. Und für Deutschland denken Union, FDP und AfD im Wahlkampf über neue Anlagen nach.

    Welche Vorteile hat Atomkraft?

    Atomkraft liefert Strom unabhängig vom Wetter. Sie ist etwas unabhängiger von den Weltmarktpreisen als Kohle und Gas, die für entsprechende Kraftwerke eingeführt werden müssen. Atomkraftwerkle stoßen im Betrieb kein CO2 aus und belasten das Klima deshalb nicht. Sie erzeugen ununterbrochen und gleichmäßig Strom.

    Welche Nachteile hat Atomkraft?

    Akw sind unflexibel, können nicht nach Belieben an- und ausgeschaltet werden. Der Strom ist im Vergleich zu dem aus erneuerbaren Energien teurer. Eine Havarie kann lebensbedrohlich sein. Die verbrauchten Brennstäbe, der Atommüll, müssen aufwändig gelagert werden und sind lebensgefährlich.

    Was ist dran an der Renaissance der Atomkraft?

    Die Internationale Energie Agentur erkannte in einem Bericht Mitte Januar eine Wiedergeburt der Atomenergie. Es werde viel Geld investiert, der hohe Energiebedarf befeuere, zudem böten neuartige kleine und in Masse hergestellte Reaktoren (SMR) neue Chancen. In Europa wollen Länder wie Polen und Großbritannien neue Akw bauen – alles bisher nur Pläne. Der World Nuclear Industry Status Report 2024 berichtet, dass 2023 gut 9,1 Prozent des Stroms weltweit aus Atomenergie stammten, 1996 waren es noch 17,5 Prozent. Zwischen 2004 und 2023 wurden 102 neue Reaktoren gebaut, davon 49 in China, und 104 stillgelegt. 2024 nahm die weltweit installierte Leistung aus Atomkraftwerken um 4.3 Gigawatt zu. Allein China erweiterte in den ersten neun Monaten seinen Solarpark um eine Leistung von rund 161 Gigawatt.

    Wie viele Akw sind weltweit in Betrieb?

    Anfang des Jahres lieferten dem Nuklearbericht zufolge weltweit 411 Atomreaktoren Strom, zwei weniger als ein Jahr zuvor. Installiert sind rund 372 Gigawatt Leistung. Die meisten Anlagen laufen in den USA (94), dort liefern sie zwischen 18 und 19 Prozent allen Stroms. Frankreich mit 57 Reaktoren bezieht 65 Prozent des Stroms aus Atomenergie, China (59) rund fünf Prozent. Neugebaut wird vor allem in Asien. In Europa entstehen derzeit nur zwei neue Reaktoren: Im Südwesten Englands laufen seit 2017 die Arbeiten für Hinkley Point C.

    Kann Deutschland wieder in die Atomkraft einsteigen?

    2011 beschloss die Bundesregierung, damals getragen von Union und FDP, die letzten deutschen Atomkraftwerke bis Ende 2022 vom Netz zu nehmen. Die letzten drei Anlagen, Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim liefen noch bis April 2023. So wie der Ausstieg ließe sich auch der Einstieg politisch beschließen, die Gesetze könnten geändert werden. Ob ein Bau in Deutschland angesichts der aufwändigen Verfahren genehmigt würde, ist unklar.

    Lassen sich die abgeschalteten deutschen Akw wieder hochfahren?

    Im Prinzip ja, zumindest die sechs, die zuletzt abgeschaltet wurden. Allerdings haben die ehemaligen Betreiber bereits mit dem Abriss begonnen, etwa von Turbinen, Dampfgeneratoren, Leitungen. „Technisch kann man viel machen, alles eine Frage von Zeit und Geld und, ob es sich überhaupt rechnet“, sagt ein Experte, der nicht genannt werden will. Bei den Akw Brokdorf an der Elbe und Emsland in Niedersachsen wäre der Aufwand am geringsten. Sie haben die Rückbaugenehmigung erst vor wenigen Monaten erhalten. Unklar ist, ob ein solches Kraftwerk eine neue Betriebsgenehmigung mit strengen Prüfungen benötigt. Der Experte erwartet Kosten von mindestens 0,5 bis eine Milliarde Euro, um ein Kraftwerk wieder fit zu machen. Bis es wieder am Netz sei, vergingen bis zu fünf Jahre, weil Personal ausgebildet werden müsse.

    Welche Firmen bauen Akw?

    Weltweit liefern im Wesentlichen fünf große Firmen Atomreaktoren: der chinesische Staatskonzern CNNC, der französische Staatskonzern EdF, das japanische Unternehmen Hitachi. ein Tochterunternehmen der russischen Atombehörde Rosatom und das US-Unternehmen Westinghouse, das dem Finanzinvestor Brookfield und dem Brennelementehersteller Cameco (beide Kanada) gehört.

    Wie lange dauert der Bau eines neuen Akw?

    Im vergangenen Jahrzehnt dauerte der Bau eine Atomkraftwerks im Schnitt knapp zehn Jahre, Planung und Genehmigung nicht eingeschlossen. Allerdings hängt es sehr stark vom Einzelfall ab. Beim dritten Reaktor im finnischen Olkiluoto waren 16,6 Jahre vom ersten Spatenstich bis zur Stromlieferung nötig, geplant waren 4,2 Jahre. Der Doppelreaktor im britischen Hinkley Point C sollte 2023 nach zehn Jahren Bauzeit ans Netz, derzeit wird mit 2031 gerechnet. Die Arbeiten am französischen Reaktor Flamanville-3 in der Normandie begannen 2007, der Probebetrieb soll in diesem Jahr starten. Geplant war 2012. Dem Nuklearreport zufolge verzögern sich fast die Hälfte aller Akw-Projekte weltweit. China schafft es, neue Reaktoren in knapp über sieben Jahren zu bauen. Der Staat nimmt wenig Rücksicht auf die Bevölkerung, wenn er plant und baut.

    Was kostet ein neues Atomkraftwerk?

    Je nach Größe und Technologie unterscheiden sich auch die Kosten. Die beiden Reaktoren in Hinkley Point C haben eine Leistung von zusammen 3,2 Gigawatt, die Technologie stammt vom französischen Staatskonzern EdF. Die Kosten werden derzeit mit 57 Milliarden Euro beziffert, geplant waren 19 Milliarden Euro. Olkiluoto-3 (1,6 Gigawatt Leistung, seit 2022 am Netz) kostete rund elf Milliarden Euro, geschätzt waren 4,5 Milliarden Euro. Gebaut haben die EdF-Tochter Framatome (Reaktor) und Siemens (konventioneller Teil). Flamanville-3 (ebenfalls von EdF) kostet geschätzt 23,7 Milliarden Euro statt der geplanten 3,3 Milliarden Euro. Und Hinkley Point C, derzeit das größte Akw-Projekt Europas, sollte ursprünglich (2013) umgerechnet 19 Milliarden Euro kosten. Im Januar 2024 schätzt EdF die Kosten auf umgerechnet bis zu 57,5 Milliarden Euro.

    Wie teuer ist Atomstrom?

    Die US-Investmentbank Lazard schätzt jedes Jahr für die USA, was es kostet, eine Kilowattstunde Strom zu erzeugen. Für Atomenergie waren danach 2024 im Schnitt 18,2 US-Cent nötig. Gas kam auf 16,9 US-Cent. Solarstrom kostete 6,1 US-Cent, Windstrom 5,0 US-Cent. Das es billiger wird, ist unwahrscheinlich. Christian von Hirschhausen, Wirtschaftsprofessor an der Technischen Universität Berlin, schreibt in seinem Buch zur Atomenergie: „Fehlende Wirtschaftlichkeit und steigende Kosten dominieren die kommerzielle Kernkraftwirtschaft bis heute.“ Deshalb steht hinter praktisch allen Neubauten weltweit der Staat.

    Was sagen die ehemaligen Betreiber der deutschen Atomkraftwerke?

    Die vier ehemaligen Akw-Betreiber EnBW, Eon, RWE und Vattenfall haben mit Kernenergie in Deutschland abgeschlossen. EnBW und RWE investieren kräftig in erneuerbare Energien. Eon hat sich zum Netzbetreiber und Stromvertrieb gewandelt. Vattenfall konzentriert sich auf Strom aus erneuerbaren Quellen und das Endkundengeschäft. „Atomkraftwerke rechnen sich nicht und sind deshalb uninteressant“, sagt ein hochrangiger Manager aus der Branche, der nicht genannt werden möchte.

    Was versprechen neuartige kleine Akw, sogenannte SMR?

    SMR sind kleine Reaktoren mit einer Leistung von bis zu 300 Megawatt. Die Idee: Werden wesentliche Teile standardisiert und in Masse gefertigt, lassen sie sich billiger herstellen. Statt einer großen Anlage könnten dann dezentral viele kleine aufgestellt werden. Weltweit werden verschiedene Konzepte verfolgt, meist handelt es sich um kleine Versionen von Akw mit bewährter Technik. Prominentester Entwickler ist sicherlich der britische Triebwerksbauer Rolls-Royce. Innovativere Ansätze arbeiten zum Beispiel mit flüssigem Uran und flüssigem Blei als Kühlmittel wie die deutsche Firme Dualfluid. Manche wollen Atommüll als Brennstoff benutzen.

    Wann können solche SMR einsatzbereit sein und was kosten sie?

    Viele dieser Konzepte sind nur Theorie. In großem Maßstab gebaut wurden bisher keine dieser neuartigen Reaktoren, geschweige denn kommerziell betrieben. „Die Lücke zwischen der Begeisterung für SMR und der industriellen Realität wächst weiter“, befinden die Experten des Nuklearreports. Neuen Auftrieb bekamen die Verfechter der SMR kürzlich durch den britischen Premierminister Keir Starmer. Er will solche Anlagen überall in England und Wales zulassen und das Planungsrecht radikal vereinfachen. Bisher können Akw nur an acht Standorten gebaut werden. Starmer möchte energiehungrige Technologieunternehmen anziehen, die sehr viel Strom für Rechenzentren benötigen. In den USA denken Amazon, Google und Microsoft bereits darüber nach, Atomenergie zu nutzen. Dass weltweit bisher keine kommerziellen SMR laufen, stört weder Starmer noch die Technologiekonzerne.

    Wie viel Atommüll gibt es in Deutschland und was soll damit geschehen?

    Während des Betriebs der deutschen Akw sind rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll angefallen. Er soll tief unter der Erde verstaut werden. Einen geeigneten Standort sucht die Bundesgesellschaft für Endlagerung. Er wird frühestens in 20 Jahren feststehen. Ursprünglich sollte 2031 ein Standort benannt werden, zuletzt war in einer Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung sogar von 2074 die Rede. Jahrzehnte lang war ein Salzstock in Gorleben als Endlager vorgesehen. Der Standort war vor allem politisch gewählt. Er erwies sich 2020 endgültig als nicht geeignet, das entsprechende Erkundungsbergwerk wird stillgelegt. Derzeit lagert der Atommüll an den ehemaligen Kraftwerken und in den Zwischenlagern Ahaus (Nordrhein-Westfalen) und Gorleben (Niedersachsen).

    Wer hat das Endlagerproblem bereits gelöst?

    Finnland ist das einzige Land der Welt, das bereits über ein Endlager verfügt. Seit August 2024 läuft der Probebetrieb in der Anlage. Betreiber Posiva spricht davon, Mitte des Jahrzehnts erste Brennstäbe einzulagern. Möglicherweise ist es in diesem Jahr soweit. Schweden baut ein Endlager nahe des Atomkraftwerks Forsmark. Die Schweiz erkundet das Gestein in Nördlich Lägern nahe der deutschen Grenze. Frankreich setzt auf ein Endlager in Bure im Osten des Landes, derzeit wird untersucht. Großbritannien hatte einen Standort benannt, die Entscheidung dann aber zurückgezogen. Derzeit ist alles offen.

  • „Das Paket ist gut“

    Beim Weltwirtschaftsforum in Davos kann man sehen, dass viele Unternehmen das Programm des neuen US-Präsidenten gar nicht so schlecht finden.

    Der Chef von Coca-Cola reagierte amüsiert. „Warum sollte ich das nicht gut finden?“, fragte James Quincey beim Weltwirtschaftsforum in Davos. „Ich hoffe, es wird klappen“, gab er seine Einschätzung zur annoncierten Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump bekannt. Er hoffe auf zusätzliches Wachstum der US-Wirtschaft in diesem Jahr: „Das Paket ist gut.“

    Der Kongress in der Schweiz ist eine Art Barometer der Weltwirtschaft und globalen Politik. Dort kann man sehen, wie sich Stimmungen der Weltelite bilden und verschieben. In diesem Jahr ist interessant zu beobachten, welche Position die Chefinnen und Chefs großer Unternehmen zur neuen US-Regierung einnehmen.

    Viele Firmen in den USA seien für 2025 optimistisch gestimmt, berichtete Rich Lesser, Vorstand der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), in der Diskussionsrunde, in der auch der Coca-Cola-Chef saß. Die Manager freuten sich darauf, sagte Lesser, dass Trump die Gewinnsteuer senken, bestimmte Verwaltungsregeln einschränken und Bürokratie verringern wolle. Deshalb hofften die Firmen auf geringere Kosten und höhere Gewinne. Außerdem rechneten sie damit, dass die US-Notenbank die Zinsen weiter senke, was Kredite verbillige.

    Vicki Hollub, Vorstandsvorsitzende des Öl- und Erdgas-Förderers Occidental, ging außerdem davon aus, dass die Produktion fossiler Brennstoffe in der Folge der Trump-Politik zunehme und der Benzinpreis sinken könne – wenn nicht dieses Jahr, dann doch bald. Die Ankündigung, staatliche Regulierung zu beseitigen, begrüßte sie ebenfalls.

    Gegen diese optimistischen Annahmen sprechen aber teilweise die Zölle, die Trump gegen Importe aus China oder Europa verhängen will. Einerseits schützen sie zwar die US-Produktion, andererseits führen sie wahrscheinlich jedoch zu höheren Preisen, was die Inflation antreibt. Zweitens könnte es zu einem Mangel an Arbeitskräften kommen, wenn, wie Trump es will, weniger Einwanderer in die USA kommen. BCG-Chef Lesser bezeichnete diesen Teil des Trump-Programms als potenziell „besorgniserregend“. Die Auswirkungen der Zölle, die Trump verhängen will, würden schon nicht so schlimm ausfallen, meinte dagegen Coca-Cola-Chef Quincey.

    „Optimismus“ scheint die vorherrschende Stimmungslage zu sein. Das geht auch aus der neuen Umfrage unter Spitzenmanagern des Beratungsunternehmens PwC hervor. 60 Prozent der Vorstandsvorsitzenden rechnen dieses Jahr mit mehr Wirtschaftswachstum, gegenüber 38 Prozent 2024. Und ein zweiter Begriff wird in Davos oft verwendet, etwa von der Ökonomin Allison Schrager: „animal spirit“. Soll heißen: Weil Trump jetzt mal alles durchschüttelt, sehen Firmen neue Geschäftschancen.

    Solche Äußerungen stellen eine Fortsetzung dessen dar, was in den vergangenen Monaten zu beobachten war. Die Chefs mancher US-Konzerne suchten Trumps Nähe, unterstützten ihn, äußerten sich positiv zu seinen Plänen oder richteten ihre Unternehmenspolitik an seinen Vorstellungen aus. So kassierte Meta-Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ethische Kontrollen in seinem Netzwerk, was die Art von Meinungsfreiheit befördert, die der US-Präsident wünscht. Unternehmen handeln in erster Linie so, weil sie sich positive Auswirkungen für ihre Geschäfte erhoffen, wenn sie ein gutes Verhältnis zur US-Regierung pflegen. Politik und Ökonomie stärken sich so gegenseitig.

    Dieser Trend beeinflusst zunehmend auch die internationale Meinungsbildung. Das, was bisher eine dominante Interpretation der Wirklichkeit war, wird in Frage gestellt – und büßt vielleicht die Rolle als Leitbild ein. Auch das sieht man in Davos. So räumte Gill Einhorn, die Klima-Chefin des Forums ein, dass viele „Unternehmen und Individuen“ in der Klimapolitik den Rückwärtsgang einlegten. Fortschritte in Richtung Kohlendioxid-Reduzierung sehen sie nicht mehr als so wichtig an.

    Aber die Stimmung der Wirtschaft in dieser großen Auseinandersetzung ist nicht einheitlich. Beispielsweise Paul Achleitner, Ex-Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, grenzt sich von der Trump-Politik ab. „Jetzt erleben wir eine Supermacht, die sich unverblümt an den eigenen Interessen orientiert“, sagte Achleitner dem Spiegel.

    Kein Wunder: Viele Firmen werden unter der neuen US-amerikanischen Wirtschaftspolitik leiden. Zölle und andere Regularien werden ihren Zugang zum Markt der größten Wirtschaftsnation erschweren. Manche Vorhaben müssen sie gleich ganz beerdigen. Wenn Trump den Bau von neuen Windparks auf dem Meer per Dekret verbietet, um die Öl- und Gasproduktion zu günstigen, ist das für die komplette Ökoenergiebranche eine schlechte Nachricht. Gerade europäische Unternehmen müssen künftig mit Problemen rechnen, etwa die Auto-, Chemie-, Pharma- und Maschinenbauindustrie.

    Diesen potenziellen Verlierern stehen nun mehrere Reaktionen offen. Sie können sich teilweise anpassen und Kompromisse machen. Sie können aber auch Risikominimierung betreiben, einige Aktivitäten verlagern, neue Geschäftsbeziehungen aufbauen. Die südamerikanischen Staaten des Mercosur, mit denen die EU gerade das Handelsabkommen unterzeichnet hat, bieten sich als wichtigere Partner an. Oder auch Indien: In Davos kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen an, demnächst dorthin reisen zu wollen.

  • Die den Ring küssen

    Was die neue Präsidentschaft Donald Trumps für das Weltwirtschaftsforum in Davos bedeutet, das in dieser Woche stattfindet.

    Als US-Präsident Donald Trump zum Weltwirtschaftsforum nach Davos kam, brachte er seinen eigenen Hubschrauber und einen Tross von 2.000 Leuten mit. Tagelang waren die engen Straßen des Schweizer Bergorts mit gepanzerten Limousinen verstopft. Das war 2018.

    Nun freut sich Kongress-Chef Borge Brende, dass Trump zu Beginn seiner zweiten Amtszeit dieses Jahr wieder dabei ist. Wenn auch nicht persönlich, sondern per Video-Schalte. Am Donnerstag, 23. Januar, soll der US-Präsident eine Rede über die Bildschirme im großen Saal halten und danach mit Managern diskutieren.

    Das alljährliche Treffen der Wirtschafts- und Politikelite steht unter dem Motto „Zusammenarbeit im intelligenten Zeitalter“, womit vor allem die Künstliche Intelligenz gemeint ist. Weitere Themen unter anderem: die internationalen Kriege und Krisen, das schwache Wachstum der Weltwirtschaft und das Schicksal der Klimapolitik. Das Weltwirtschaftsforum (WEF) mit Sitz in Genf wirkt als Lobbyorganisation der größten Unternehmen der Welt, sieht sich als globaler Runder Tisch für die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und organisiert den gleichnamigen Kongress in Davos. Wie jedes Jahr werden auch diesmal rund 3.000 Manager:innen und mehrere Dutzend Regierungschef:innen erwartet.

    Trump hasst Davos eigentlich. Denn das WEF ist das ökonomische und teils auch gesellschaftliche Gegenbild dessen, was er selbst propagiert. Der Kongress wurde zum Inbegriff der Globalisierung, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Fahrt aufnahm. Der weltweit möglichst freie Fluss von Waren, Kapital und Menschen widerspricht Trumps America First-Denken, das Ideal einer offenen, diversen Gesellschaft steht in scharfem Gegensatz zu seiner Idee, weißen Männern Vorrechte zu sichern. Den „Globalisten“ von Davos gibt Trump die Schuld für die Vernichtung von Industriearbeitersplätzen in den USA.

    Andererseits bietet das WEF Mächtigen wie Trump eine geniale Gelegenheit, ihre Botschaften direkt und persönlich an die Weltelite durchzustellen. Wo versammeln sich sonst so viele Entscheider:innen?

    Und einige von ihnen haben bereits vorher den Ring des Herrschers geküsst. Meta-Chef Mark Zuckerberg spendete einen großen Betrag für Trumps Amtseinführung und beseitigte ethische Kontrollen in seinen Netzwerken, Amazon-Gründer Jeff Besos verhinderte bei der ihm gehörenden Zeitung Washington Post die Wahlempfehlung für Trumps Konkurrentin Kamala Harris. Solche Änderungen der Unternehmenspolitik dürften sich auch auf das WEF auswirken. Zum Beispiel Meta und Amazon gehören zu den Partnern der Organisation, über die es auf deren Internetseite heißt: „Sie sind die treibende Kraft hinter dem Programm des Forums.“ Ob sich diese Entwicklung fortsetzt, wird in den kommenden Tagen in Davos zu beobachten sein.

    Der Prozess könnte das Weltwirtschaftsforum auch tiefer verändern. Um die Gewinninteressen ihrer Aktionäre und Investoren zu schützen, werden viele, wenn auch nicht alle Konzerne dem folgen, was Trump will – vorauseilend, in Anpassung an die Lage oder notgedrungen. Ein Beispiel: Der neue US-Präsident sagte, er wolle Windräder abreißen lassen. Dazu passt, dass sich die US-Bank JP Morgan Chase, ebenfalls eine WEF-Partnerin, kürzlich aus der Net-Zero Banking Alliance, einer Klimaschutz-Organisation der Vereinten Nationen, verabschiedet hat. Wenn das Schule macht, fließen weniger Investitionen in Kohlendioxid-sparende Techniken.

    Den Epochenwechsel hat WEF-Präsident Brende kürzlich so beschrieben: Nach dem Ende des Kalten Krieges 1989 habe drei Jahrzehnte eine relativ stabile internationale Ordnung geherrscht, die nun aber Konflikten und Konkurrenzen zum Opfer falle. Wie die neue Weltordnung aussehe, sei noch nicht klar, hoffentlich nicht ein Zustand des „Dschungels“, so Brende.

    Wenn das richtig ist, was passiert dann mit dem Gipfeltreffen einer Globalisierung, die jetzt in Machtblöcke zerfällt? Das WEF hat ein massives Problem. Gegründet zu Beginn der 1970er Jahre, wurde es in den 1990er Jahren richtig wichtig. Sein Motto lautet: „Verpflichtet den Zustand der Welt zu verbessern“. Es verbreitet die Botschaft, dass es eine für alle gute Globalisierung geben könne. Das stimmte in dieser Schlichtheit allerdings nie. Der stärkere wirtschaftliche Austausch war immer Verheißung und Bedrohung zugleich. Hunderte Millionen Menschen etwa in China und Indien ließen die Armut hinter sich, andererseits kam es zu neuer Ausbeutung, miesen Arbeitsbedingungen und Menschenrechtsverletzungen in den globalen Lieferketten der europäischen und nordamerikanischen Konzerne.

    Während die Machtblöcke nicht mehr zusammen-, sondern auseinanderrücken und die Globalisierung sich mindestens stark verändert, wird das WEF sein Motto der Weltverbesserung beibehalten. Gesprächsbedarf gibt es immer, vielleicht sogar mehr. Trotzdem könnten auch in Davos künftig eher egoistische als kooperative Lösungen auf der Tagesordnung stehen.

  • „Die USA werden unser Partner bleiben“

    Aber Europa wäre auch „gut beraten, für sich selbst zu sorgen“, sagt Geopolitik-Expertin Claudia Schmucker zum Weltwirtschaftsforum in Davos und der Amtseinführung Donald Trumps.

    Hannes Koch: Wenn am 20. Januar das Weltwirtschaftsforum in Davos beginnt, wird in Washington der neue US-Präsident Donald Trump ins Amt eingeführt. Keine gute Nachricht für Europa. Sollte und kann sich die EU unabhängiger machen von den USA?

    Claudia Schmucker: Die USA ist die größte Wirtschaftsmacht der Welt, Europa neben China die zweitgrößte. Dabei handeln Nordamerika und die EU als gleichberechtigte Partner, beide genießen die Vorteile dieses Austausches. In der Sicherheitspolitik sieht es dagegen anders aus: Da ist Europa abhängig von den USA und auf deren Schutz angewiesen. Deshalb erscheint es aus dieser Sicht insgesamt problematisch, die transatlantische Partnerschaft in Frage zu stellen. Parallel wäre Europa gut beraten, für sich selbst zu sorgen, indem es seinen Binnenmarkt ausbaut, um mehr von den eigenen Stärken zu profitieren.

    Koch: Die großen Wirtschaftsblöcke streben auseinander. Um Problemen mit China vorzubeugen, bauen hiesige Unternehmen deshalb Alternativen in anderen Ländern auf. Ist eine ähnliche Strategie der Risikominimierung auch gegenüber den USA nötig?

    Schmucker: Die EU pflegt zu Recht eine größere Nähe zu den USA als zu China, und auch unter der Präsidentschaft von Donald Trump werden die Vereinigten Staaten unser Partner bleiben. Gegenüber China bestehen dagegen kritische Abhängigkeiten, wie die Europäische Kommission schon vor Jahren feststellte, etwa bei Rohstoffen wie den sogenannten Seltenen Erden. Da müssen Europa und seine Unternehmen unabhängiger werden und sich andere oder zusätzliche Lieferanten suchen. Eine solche Risikominimierung spielt bei den USA keine Rolle.

    Koch: In entscheidenden Bereichen, etwa bei Hochleistungschips, Datenbanken und Künstlicher Intelligenz, ist Europa von US-Firmen abhängig. Erscheint es nicht dringend, über derart lebenswichtige Fähigkeiten auch selbst zu verfügen?

    Schmucker: Das kann man so sehen. Ein solches Ungleichgewicht ermöglicht es der US-Regierung grundsätzlich auch, Druck auf Europa auszuüben. Wer dem vorbeugen will, muss ähnliche Kapazitäten hier aufbauen. Politische und wirtschaftliche Initiativen in diese Richtung verlaufen in Europa aber gerne mal im Sande.

    Koch: Wie kann die EU ihre ökonomische Konkurrenzfähigkeit erneuern?

    Schmucker: Vor allem, indem sie den Binnenmarkt der 27 Staaten und 450 Millionen Bürgerinnen und Bürger stärkt. Weniger nationale Vorschriften, weniger Verwaltungsaufwand, mehr einheitliche Regeln für Banken und grenzüberschreitende Übernahmen von Unternehmen – solche Verbesserungen reduzieren die Kosten und schaffen finanziellen Spielraum für Investitionen. Die Firmen und Regierungen sollten auch deutlich mehr Mittel für Forschung und Entwicklung ausgeben.

    Koch: Die Europäer versuchen, ihre Verbindungen zu anderen Staaten zu stärken. So hat die EU-Kommission gerade das Abkommen mit den vier Ländern des südamerikanischen Mercosur-Marktes unterschrieben. Welche Regionen kommen noch in Frage?

    Schmucker: Auf jeden Fall Asien. Die EU sollte die Verhandlungen über die Freihandelsabkommen beispielsweise mit Indonesien, Thailand, Australien oder Indien vorantreiben, und zwar zügig.

    Koch: Aggressive Mächte wie Russland und China versuchen, ihren Einfluss auch in Europa geltend zumachen. Sollte die EU deshalb schnell die Staaten aufnehmen, die dies wünschen, besonders den Westbalkan?

    Schmucker: Die Erweiterung ist ein wichtiges Instrument. Auch dabei sollten die Verhandlungen schneller vorankommen. Die Verhandlungen mit Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien dauern leider viel zu lange. Seit geraumer Zeit laufen die Gespräche über die Mitgliedschaft mit der Republik Moldau, die unter starkem russischen Druck steht.

    Koch: Bisher agiert die EU im Schutz der amerikanischen Militärmacht. Aber funktioniert deren Abschreckung überhaupt noch?

    Schmucker: Ich gehe davon aus, dass Trump an der Nato festhält. Das weiß man jedoch nicht. Aus meiner Sicht gibt es keine Alternative zu dem Bündnis.

    Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagt: „Wir müssen in dieser Welt Machtpolitik für die Demokratie machen.“ Richtig?

    Schmucker: Parallel zur Nato geht kein Weg daran vorbei, dass sich die Europäer mehr um ihre eigene Sicherheit kümmern. Das wird auch beinhalten, zum Beispiel Seewege zu sichern – und insgesamt höhere Militärausgaben erforderlich machen. Dieses Geld steht dann für andere Aufgaben nicht zur Verfügung.

    Claudia Schmucker leitet das Zentrum für Geopolitik, Geoökonomie und Technologie der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin.

  • Die Wasserrutsche entscheidet

    TUI-Deutschland-Chef über Trends und Rabatte

    Regen, Kälte und graue Wolken – der Januar erfreut gerade nur wenige. Dafür träumen viele von Sonne, Strand und blauem Himmel – vom Sommer. Reisen werden bereits seit Wochen angeboten. Wann sollte der Urlaub gebucht werden? Und wo ist es angesichts der gestiegenen Preise noch günstig?

    „Wer auf Ferien angewiesen ist, eine gute Flugzeit, ein bestimmtes Hotel, ein bestimmtes Zimmer haben möchte, sollte früh buchen“, sagt Benjamin Jacobi, Deutschland-Chef von TUI, Europas größtem Reiseveranstalter. „Wem egal ist, ob es Türkei, Griechenland, Spanien oder Portugal wird und ob der Flug von Berlin oder München geht, wird auch kurz vor Abreise etwas finden.“ Besonders günstig dürfte das nur im Einzelfall werden. „Was es nicht mehr so kurzfristig gibt wie vor Jahren noch, sind Schnäppchenpreise“, sagt Jacobi. Entsprechend hat sich das Buchungsverhalten geändert. Der Last-Minute-Trend sei heutzutage so nicht mehr da.

    Stattdessen locken Reiseanbieter wie Dertour, Alltours und TUI mit Frühbucherrabatten. Was die Kunden offenbar gut annehmen, vor allem Familien. Zur großen Rabattwoche Black Week im November hätten viele schon den Sommerurlaub 2025 klar gemacht, sagt Jacobi. Sogar der Winterurlaub 25/26 lässt sich schon buchen. Wer das früh findet: Den Briten bietet TUI bereits jetzt Reisen für Sommer 2026 an. Das Unternehmen mit Sitz in Hannover verkauft Pauschalreisen. Es betreibt mehr als 430 eigene Hotels und arbeitet mit Partnern zusammen. Rund 125 eigene Flugzeuge sollen die Urlauber ans Ziel bringen. Gemeinsam mit Royal Caribbean Cruises schickt das börsennotierte Unternehmen auch Kreuzfahrtschiffe um die Welt.

    89 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2023 für längere Reisen aus, wie die Reiseanalyse 2024 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen zeigt. Kurztrips bis zu vier Tage ließen sie sich noch einmal insgesamt 27 Milliarden Euro kosten. Allein mit TUI verreisten 2024 rund 7,9 Millionen Menschen aus dem deutschsprachigen Raum und Polen. Insgesamt waren 20,3 Millionen Urlauber. Tendenz steigend.

    „Dieser Sommer wird eine sehr, sehr gute Saison, wenn wir von den aktuellen Buchungszahlen ausgehen“, sagt Jacobi. Es gebe eine hohe Nachfrage bei den klassischen Zielen. Am beliebtesten für den Sommer sind der türkische Badeort Antalya, Mallorca und die griechische Insel Kreta. Anders als an anderen Ausgaben sparen die Deutschen bisher nicht, wenn es um Entspannung geht. „Die Deutschen geben im Urlaub eher mehr aus, gönnen sich eine Nacht zusätzlich, ein besseres Zimmer, ein besseres Hotel“, sagt der TUI-Deutschland-Chef.

    Überall ist es in den vergangenen Jahren auch wegen der Inflation teurer geworden. Wer genau aufs Geld schauen muss, wird Jacobi zufolge aber fündig. „Im Mittelmeerraum oder ähnlichen Regionen gibt es immer noch Ziele, die etwas günstiger sind als andere. Bulgarien und Tunesien gehören mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis dazu. Bei den größeren Zielen auch Ägypten und die Türkei.“ In den vier Ländern bekomme man in der Regel das meiste für den Euro. „Soll es etwas näher sein, kann auch die polnische Ostseeküste interessant sein.“

    Und wie viel Geld muss eine Familie in diesem Jahr ausgeben? „Was ein Familienurlaub mit Flug kostet, ist wegen der vielen Wahlmöglichkeiten schwer zu sagen“, sagt der Urlaubsmanager. „Für 1000 bis 1200 Euro pro Woche und Erwachsenem lässt es sich aber schon sehr gut erholen.“ Auf den Flug verzichten und lieber zwischen Alpen und Küste bleiben, kommt nicht unbedingt günstiger. „Ferienwohnung an der Ostsee, Einkaufen, Essen gehen, zwischendurch vielleicht ein Eis – am Ende ist der Urlaub in Deutschland mitunter genauso, wenn nicht sogar teurer als eine Flugreise in den Süden“, rechnet Jacobi vor. „Und im Mittelmeerraum ist das Wetter stabiler warm.“

    Nach oben sind den Wünschen fast keine Grenzen gesetzt. Das kann die 52-Tage-Kreuzfahrt von Triest nach Singapur ab 13.000 Euro sein, die TUI Cruises für den Herbst im Angebot hat. „Es gibt auch Kunden, die für eine Woche Emirate 60.000 Euro ausgeben. Und wir versuchen wir, auch Sonderwünsche zu erfüllen“, sagt Jacobi. Die Pauschalreise ist offenbar nicht mehr so standardisiert, wie viele denken.

    Eine Zeitlang sah es aus, als würden Reisebüros überflüssig. Der komplette Urlaub lässt sich schließlich über das Internet zusammenstellen und buchen. Es ist anders gekommen. „Die Reisebüros werden wieder wichtiger“, sagt der TUI-Manager. „Die Urlauber lassen sich beraten, damit der Urlaub gelingt. Schließlich ist eine Reise immer noch eine hohe Ausgabe für jeden Haushalt.“ Das Informationsbedürfnis sei hoch. „Mittlerweile geht es nicht mehr um die Frage, ob der Pool beheizt ist, sondern auf wie viel Grad.“ Wer das zu kleinteilig findet, kann einfach den Nachwuchs befragen. „Kinder würden Hotels komplett nach der Wasserrutsche aussuchen“, sagt Jacobi. „Unsere Hotelpartner in Griechenland bauen sogar gemeinsam neue Wasserparks.“

    Gerade am Mittelmeer schwitzten in den vergangenen Jahren Urlauber wegen Hitzewellen. Einen großen Trend Richtung Norden kann der TUI-Deutschland-Chef dennoch nicht erkennen. „Wir sehen hohe Wachstumsraten in den skandinavischen Ländern, aber von eher geringem Niveau. Es geht um ein paar tausend Gäste“, sagt er. „In Griechenland allein sind wir im Konzern von 2,9 Millionen auf 3,1 Millionen Gäste gewachsen.“

  • „Wir denken zu wenig darüber nach, was uns Essen wert ist“

    Tina Andres leitet Supermärkte und kämpft für gesunde, umweltschonende Lebensmittel. Das sei so konservativ wie die CDU, sagt die Chefin des „Bundes für Ökologische Lebensmittelwirtschaft“

    https://www.freitag.de/autoren/hanna-gersmann/tina-andres-wir-denken-zu-wenig-darueber-nach-was-uns-essen-wert-ist

  • Fehler im Geschäftsmodell

    Kommentar zur schrumpfenden Wirtschaftsleistung

    Fehler im Geschäftsmodell

    Von Björn Hartmann

    Jetzt ist es amtliche. Deutschland steckt in einer Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt ist 2024 geschätzt um 0,2 Prozent gesunken. Bereits 2023 schrumpfte es. Viele Experten hatten das Minus erwartet. Wahrscheinlich werden zahlreiche Politiker wieder auf eigene Konzepte verweisen, mit denen alles besser wird, oder die Ideen der Konkurrenz schlecht reden. Dabei lassen sich wesentliche Gründe für das Minus kaum politisch lösen. Deutschlands Geschäftsmodell schwächelt ganz grundsätzlich.

    Die Bundesrepublik ist exportorientiert, wir leben davon, unsere Spitzenprodukte weltweit zu verkaufen. Weltpolitisch schwindet der freie Markt aber gerade. China setzt vor allem auf sich. Die USA schotten sich ab, drohen lieber mit Zöllen, einer Methode aus der wirtschaftspolitischen Mottenkiste, statt sich auf Wettbewerb zu verlassen.

    Auch hier hakt es. China hat bei Paradebranchen wie Maschinenbau aufgeholt, in Teilen sogar überholt. Das zeigt sich vor allem in der Autoindustrie. Deutsche Firmen mögen tolle Fahrzeuge im Angebot haben, sie sind aber am Markt vorbei entwickelt. Die Kunden weltweit wollen andere. Das wäre kein großes Problem, stünde die Branche mit ihren Zulieferern nicht für einen sehr wesentlichen Teil der deutschen Wirtschaftskraft.

    Zu alldem kommen zaghafte Verbraucher im Inland. Sie haben zwar wegen Lohnerhöhungen mehr Geld zur Verfügung, sparen aber lieber, als es auszugeben. Es könnten schlechtere Zeiten kommen. Viele fürchten auch die Rückkehr hoher Inflationsraten. 2022 und 2023 stiegen die Preise kräftig. Weil die Europäische Zentralbank die Leitzinsen anhob, um die Inflation zu bekämpfen, verteuerten sich Kredite. Das hält Firmen davon ab, zu investieren. Was sich politisch immerhin zum Teil beeinflussen lässt, sind die hohen Energiepreise in Deutschland.

    Der Schluss, die Autoindustrie zu schützen, gar zu versuchen, das Gestern zu zementieren, wird alles schlimmer machen, weil es neue Ideen blockiert. Besser ist es, den Strukturwandel politisch zurückhaltend zu begleiten. Das wird erst einmal schwierig, lohnt sich aber auf lange Sicht.

  • Ein Gewinn für beide Seiten

    Wohnen für Hilfe verschafft Studenten ein Dach über dem Kopf ältere Menschen Unterstützung im Haushalt. Angesichts des Wohnraummangels sind gute Ideen für das Wohnen im Alter gefragt.

    Wolfgang Mulke

    Ein wichtiger Zukunftswunsch ist in der Generation der Babyboomer weit verbreitet. Sieben von zehn Befragten wollen auf jeden Fall möglichst lange in der eigenen Wohnung bleiben. Selbständig zu bleiben steht dieser von der Apotheken-Rundschau 2022 veröffentlichten Umfrage nach hoch im Kurs. Immerhin jeder dritte kann sich vorstellen, dafür auch einen Teil der bei vielen nach dem Auszug der Kinder zu großen Wohnung an junge Leute unterzuvermieten. Das wäre angesichts der Wohnraummisere in den Ballungsgebieten wohl auch für alle Beteiligten hilfreich. 

    Alternative Wohnformen könnten auch aus einem anderen Grund zu einer längeren Selbständigkeit im Alter verhelfen. Denn der Generation zwischen 55 und 65 Jahren ist längst bewusst geworden, dass Unterstützung oder gar Pflege teuer wird und von Personalmangel gekennzeichnet ist. Das Modell „Wohnen für Hilfe“ ist zumindest für die Unterstützung im Alter ein Lösungsansatz für die anstehende Herausforderung. „Ältere Menschen nehmen Jüngere bei sich auf und sie wohnen zusammen“, beschreibt der Ökonom Daniel Fuhrhop das einfache Prinzip.

    Statt eine Untermiete zu bezahlen, helfen die Jüngeren im Alltag. Allenfalls eine kleine finanzielle Beteiligung an den Nebenkosten der Wohnung kann es sie kosten. Es geht dabei nicht um eine Pflege der Älteren, sondern um kleinere Aufgaben wie den Einkauf oder ein Gesellschaft am Abend. „Als Faustregel gilt: Pro Quadratmeter bezogenen Wohnraum eine Stunde Hilfe pro Monat“, erläutert das Deutsche Studierendenwerk. Bei einem 15 Quadratmeter großen Zimmer kämen im Monat 15 Stunden Hilfe zusammen. Gerade für Studierende kann dieses Modell attraktiv sein, sind sie doch in den Uni-Städten besonders stark vom Wohnraummangel betroffen.

    So sind es auch überwiegend Studierendenwerke, die Wohnen für Hilfe vermitteln. Es gibt darüber hinaus auch private Agenturen, die sich des Themas angenommen haben. Weit verbreitet ist diese Form des Gemeinschaftswohnens in Deutschland noch nicht. Die Bundesregierung ging in einem Bericht an den Bundesrechnungshof von rund 50.000 Fällen aus. Die Kassenprüfer haben sich wegen einer ungelösten Steuerfrage mit dem Thema beschäftigt. 

    Denn je nach Sichtweise kommt die Hilfe einem Minijob gleich und wäre dann auch steuerpflichtig. Eigentlich wollte der Bundestag schon 2019 eine Befreiung von der Einkommensteuer beschließen. Doch der Gesetzentwurf wurde dann doch nicht beschlossen. Der Rechnungshof forderte im vergangenen Sommer eine rechtliche Klarstellung der Steuerfrage. Doch das hat die Ampel nicht mehr zuwege gebracht. Auch das zeigt, dass das Wohnen für Hilfe noch in den Kinderschuhen steckt.

    In anderen Ländern ist man da schon weiter, wie Fuhrhop berichtet. International lautet der Fachbegriff dafür Homeshare, Vermittlungsprogramme zum Teilen des Wohnraums. Der Wissenschaftler erforscht neue Wohnformen und berät auch Kommunen beim Aufbau von sozialen Programmen zur Mobilisierung ungenutzten Wohnraums. „Das deutsche Modell wird leider oft nur nebenbei betrieben und professionelle Rahmenbedingungen fehlen“, beobachtet er. Daher bliebe Erfolge aus. Anders sieht es zum Beispiel in Brüssel aus. Eine Agentur dort vermittelt laut Fuhrhop jährlich 400 Wohnpaare im Jahr. Der Experte plädiert auch an die deutsche Politik, ebenfalls professionelle Vermittlungsstrukturen aufzubauen.

    Überall in Deutschland machen sich die Boomer Gedanken über ihre Wohnzukunft. Guter Rat muss erst einmal nicht teuer sein. Dafür ist Bettina Held ein Beispiel. Sie berät nach dem Beispiel der Kölner „Wohnschule“ Ältere bei ihrer Suche nach einer passenden Wohnform in den späten Lebensjahren. „Mein Ansatz ist, sorgende Gemeinschaften zu bilden“, sagt die studierte Kunsthistorikerin und heutige Rentnerin. Das trifft auch die Bedürfnisse der Teilnehmer. 

    Schnell stellt sich heraus, dass Wohngemeinschaften weniger attraktiv erscheinen. Auf das eigene Bad und die eigene Küche will niemand verzichten. Die Mieter größerer Wohnungen können sich allenfalls vorstellen, ein Zimmer unterzuvermieten oder gegen Hilfe eine jungen Menschen aufzunehmen. „Man könnte gemeinsam einen großen Raum mieten, den alle gut erreichen können“, lautet ein Vorschlag. Dort könnten dann zum Beispiel Partys oder Spieleabende veranstaltet werden, für die in kleineren Wohnungen nicht mehr genügend Platz wäre. Soziale Kontakte stehen für alle ganz oben auf der Wunschliste zum Leben im Alter.

    Aber zunächst geht es in einer kleinen Runde von Mietern um die ersten wichtigen Fragen rund um das Wohnen im Alter. Acht Interessenten sind hier zusammengekommen, um sich zu informieren und auszutauschen. Die Wohnschule fragt nach dem Platzbedarf, den Wohnwünschen oder auch den materiellen Bedürfnissen. Denn wer den Umzug in eine kleinere Wohnung ins Auge fasst, muss sich oft von vielen Dingen trennen. „Mich würde interessieren, ob Ihr einen Plan habt“, sagt die Expertin. Es sei wichtig, sich frühzeitig darum zu kümmern: „Sonst steht man nachher da und muss nehmen, was gerade kommt“.

    Einer gewissen Dringlichkeit sind sich die meisten Teilnehmer bewusst. Die Mehrheit wohnt in Altbauten ohne Aufzug ganz oben. „Die fünf Stockwerke schaffe ich irgendwann nicht mehr“, sagt einer. Doch in einem so angespannten Wohnungsmarkt wie Berlin sind Alternativen Mangelware. „Es muss eine Wohnung sein, die man auch im hohen Alter gut erreichen kann“, ergänzt eine andere Mieterin, „manche scheitern da schon an fünf Stufen.“ 

    An den realen Bedingungen auf dem Wohnungsmarkt können alle Wünsche schnell scheitern. Kleinere Wohnungen sind oft bei Neuvermietungen so teuer, dass sich ein Umzug finanziell nicht auszahlt. „Alle gemeinnützigen Träger haben ihre Wartelisten geschlossen“, beobachtet Expertin Held. Von der Politik komme kaum Unterstützung für neue Wohnmodelle, kritisiert sie. Der Abend in der Wohnschule endet mit der Erkenntnis, dass eigenes Engagement wohl das wichtigste Kapital für ein zufriedenes Wohnen im Alter zu ermöglichen. Mehr zum Konzept der Wohnschule gibt es im Internet unter www.wohnschule.com . Entsprechende Beratungen gibt es inzwischen in vielen Städten.

  • Die Adern des Welthandels

    Wichtige Wasserstraßen für den Wohlstand

    Seit Jahrhunderten sind Schiffe Garanten für den Handel. Über die Weltmeere werden Öl und Gas, Autos und Konsumgüter transportiert. Deutschlands exportorientierte Wirtschaft, Häfen wie Bremerhaven, Hamburg und Wilhelmshaven sind auf freie Seewege angewiesen. Sind strategische Stellen blockiert, trifft das den Welthandel empfindlich. Ein Überblick über die wichtigsten Wasserstraßen der Welt.

    Panamakanal: Seit 1914 verbindet der Panamakanal den Atlantik mit dem Pazifik. Schiffe können sich die lange Reise um Südamerika und die gefährlichen Strömungen und Winde am Kap Hoorn sparen. Für den Welthandel insgesamt ist der Kanal nach Zahlen der Nachrichtenagentur Bloomberg nicht so wichtig wie andere Wasserstraßen: Drei Prozent der weltweiten Seefracht schwimmen über die mehr als 80 Kilometer jährlich, vor allem Gas und Container. Mehr als 11.000 Schiffe passierten den Kanal 2024. Er hat vor allem für die USA strategische Bedeutung. Sie können einen Teil ihrer Flotte schnell von einem Ozean in den anderen verlegen.

    1903 hatten die Amerikaner die Unabhängigkeit Panamas von Kolumbien militärisch erzwungen. Sie bauten den Kanal und sicherten sich die Hoheitsrechte. Erst Ende 1999 übernahm Panama die Wasserstraße. Der designierte US-Präsident Donald Trump forderte bereits Sonderrechte für US-Schiffe und drohte wieder mit dem Militär.

    Gefahr für den Welthandel könnte auch der Klimawandel bringen. Zuletzt fehlte Wasser. Der riesige künstliche Gatún-See, der den Kanal speist, war wegen anhaltender Trockenheit nur spärlich gefüllt, die Schifffahrt eingeschränkt.

    Bab el-Mandeb/Suezkanal: Durch die Meerenge Bab el-Mandeb im Süden und den Suezkanal im Norden des Roten Meeres müssen fast alle Schiffe, die Waren zwischen Europa und Asien transportieren. 8,7 Prozent des Seehandels der Welt passierten 2023 die Meerenge, darunter ein Fünftel des Containervolumens und ein Fünftel aller per Schiff transportierten Fahrzeuge.

    Das „Tor der Tränen“ heißt so, weil die gefährlichen Strömungen, Fallwinde und Riffe hier manch Schiff untergehen ließen. Seit 2023 beschießen die Huthi-Rebellen aus dem Jemen Handelsschiffe mit Raketen. Trotz internationaler Militärpräsenz ist die Durchfahrt vielen Reedern zu gefährlich, weshalb sie ihre Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung schicken. Die Fahrt dauert jetzt deutlich länger, was viele Produkte verteuert.

    Wer durch die Meerenge fährt, passiert meist auch den gut 193 Kilometer langen Suezkanal durch Ägypten. Wie wichtig er ist, zeigte sich, als sich im Frühjahr 2023 das Containerschiff Ever Given im Kanal verkantete und ihn für sechs Tage blockierte. Vor dem Kanal stauten sich Schiffe. Dringend benötigte Waren konnten nicht rechtzeitig geliefert werden und fehlten in Europa.

    Straße von Hormus: Diese Meerenge zwischen dem Iran im Norden sowie Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten im Süden ist für den Ölpreis wichtig. Auf der einen Seite liegen große Förderländer wie Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und die vereinigten Arabischen Emirate. Die Tanker, die das Öl zu Kunden in aller Welt transportieren, müssen durch die Straße von Hormus, die an der schmalsten Stelle 55 Kilometer breit ist. Sperrt der Iran sie, wie er in den vergangenen Jahren immer wieder drohte, bedeutet das Ölknappheit und steigende Weltmarktpreise. 39 Prozent allen mit Schiffen transportierten Öls passiert die Enge, 31 Prozent allen verschifften Propangases, 19 Prozent allen Flüssiggases.

    Straße von Malakka: Mit rund 23,7 Prozent Anteil am weltweiten Seehandel ist die Meerenge zwischen Malaysia und der indonesischen Insel Sumatra die wichtigste Wasserstraße der Welt. Sie verbindet Pazifik und Indischen Ozean. Rund 94.000 Schiffe fahren hier jährlich durch. Transportiert werden vor allem Öl, Chemikalien und Gas zu Asiens Wirtschaftsmächten wie China, Südkorea und Taiwan. In die andere Richtung werden Autos und Container verschifft. An der Meerenge liegt auch Singapur mit seinem riesigen Hafen. Weil sie so stark befahren ist, stauen sich die Schiffe oft. Seit Jahrhunderten versuchen hier Piraten ihr Glück. Eine Gefahr für den Welthandel könnte auch sein, dass die Region für Erdbeben und Vulkanausbrüche bekannt ist.

    Nord-Ostsee-Kanal: Der Kanal, der Schleswig-Holstein zerschneidet, hält den Weltrekord für Schiffspassagen auf künstlichen Wasserstraßen. Rund 27.000 waren es im vergangenen Jahr, Sportboote nicht eingerechnet. Der Marktanteil am Seehandel der Welt ist eher übersichtlich, für Europa ist der Kanal dennoch sehr wichtig.

    Auf 98,6 Kilometern verbindet er Nord- und Ostsee – und beschleunigt den Warentransport zwischen den baltischen Staaten, Skandinavien und Polen einerseits und Westeuropa andererseits. Seit 1914 sparen Schiffe im Schnitt 463 Kilometer Strecke, weil sie sonst rund um die dänische Halbinsel Jütland fahren müssten. Zuletzt nahm der Verkehr ab, dafür sind immer größere Schiffe unterwegs. In den vergangenen gut 25 Jahren hat sich die Tonnage im Schnitt etwa verdoppelt.

    Wegen des Trends zur Größe bei Schiffen sinkt die Bedeutung des Kanals für den internationalen Seehandel. Denn bei einer Schiffslänge von 235 Metern ist derzeit Schluss. Moderne Containerschiffe kommen auf 400 Meter Länge. Und so bewegt sich etwa zwei Drittel des Verkehrs zwischen Nord- und Ostsee inzwischen doch um Jütland herum. Der Anteil am Weltseehandel dieser Route: rund 3,9 Prozent.

  • Die Kunst der Sandale

    Sind Birkenstocks vom Urheberrecht geschützt?

    Regnerisch, grau, kühl beginnt der Tag in Karlsruhe, nicht gerade das richtige Wetter, um Birkenstock-Sandalen zu tragen. Dennoch ist das Schuhwerk Thema im Bundesgerichtshof. Vor dem 1. Zivilsenat geht es um die Frage, ob Karl Birkenstock die Modelle Arizona, Boston, Gizeh und Madrid künstlerisch gestaltet hat oder ob es schnöde Sandalen sind. Das Urteil kann Folgen für viele andere deutsche Firmen haben, die ikonische Produkte herstellen.

    Das Unternehmen aus dem rheinland-pfälzischen Linz am Rhein hat gegen drei Firmen geklagt, die die Birkenstock-Klassiker aus den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern kopiert haben. Das kann rechtmäßig sein, muss es aber nicht. Entscheidend ist, ob es rechtlichen Schutz gibt. Und hier wird es kompliziert. Das Designrecht schützt 25 Jahre, danach kann im Prinzip jeder nachahmen. Im Birkenstock-Fall wäre eine Kopie kein Problem.

    Anders beim Urheberrecht: Es schützt bis 70 Jahre nach dem Tod des Schöpfers. Allerdings muss das Produkt dafür erkennbar künstlerisch gestaltet sein. Oder, wie es Konstantin Wegner von der Kanzlei SKW Schwarz sagt, der Birkenstock vertritt: „Angewandte Kunst kann urheberrechtlichen Schutz genießen. Das betrifft Alltagsgegenstände, die so gestaltet sind, dass sie ein ikonisches unverwechselbares Design haben.“

    Darum, wie viel künstlerische Schöpferkraft in den Sandalen steckt, geht es jetzt seit mehreren Jahren. Das Landgericht Köln gab Birkenstock recht, das Oberlandesgericht Köln der Gegenseite, den drei Firmen Tschibo, Schuh.de und dem Bekleidungsriesen Bestseller. Jetzt muss der BGH sich mit dem Thema befassen. „Gerade, dass die Sandalen so viel kopiert werden, zeigt das Schutzbedürfnis“, sagt Anwalt Wegner.

    Seit etwa acht Jahren kämpft Birkenstock verstärkt gegen alle, die die Hauptprodukte nachahmen. Im Fall von Arizona, Boston, Gizeh und Madrid gebe es inzwischen mehrere tausend Seiten mit Gutachten und Ausführungen, sagt Steffen Schäffner, der im Unternehmen zuständig ist für geistiges Eigentum. „Die Produkte der anderen sind praktisch identisch nachgemacht. Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die Sandale zu gestalten.“

    Sind also die Modelle mit dem Korkfußbett künstlerisch gestaltet? Oder hätte jeder auf das Design kommen können, weil es sich irgendwie anbietet? Die Richter entschieden nach der mündlichen Verhandlung am Donnerstag noch nicht. Einen ähnlichen Fall, der den deutschen Regalspezialisten USM betrifft, hatte das Gericht an den Europäischen Gerichtshof verwiesen. Für Birkenstock ist das Urteil besonders wichtig, auch wenn es nur für den deutschen Markt gilt. Denn: „Die Modelle sind für die Wahrnehmung der Marke Birkenstock prägend“, sagt Anwalt Wegner. Im Klartext: Wer Arizona sieht, denkt Birkenstock. Und nur die echte, teure Sandale bringt dem Unternehmen etwas.

    Die Marke Birkenstock verbanden viele lange mit Gesundheitsschuhwerk. Die Sandalen sind beliebt bei medizinischem Personal. Jahrzehntelang teilte das Design die Menschen grob in jene, die es als hässlich empfanden, und jene, die große Fans waren. Die Hippies der Siebziger zum Beispiel. Inzwischen hat sich die Marke auch weit entfernt vom Bild des deutschen Urlaubers in weißen Tennissocken und Birkenstock-Sandalen. Dem Unternehmen gelang es, die Schuhe in ein gefragtes Modeprodukt zu verwandeln. Im Kinofilm Barbie trägt die Hauptfiguren die Sandalen in Pink – und anders als viele Unternehmen, deren Produkte zu sehen sind, hat Birkenstock weder etwas bezahlt noch den Film kostenlos ausgestattet.

    Die Chancen erkannte Frankreichs Luxusunternehmer Bernard Arnault und sein Konzern LVMH (Louis Vuitton, Tiffany, Dior). Sie kauften 2021 direkt und indirekt die Mehrheit von den Erben der Gründerfamilie, brachten Birkenstock 2023 in den USA an die Börse. Und das Geschäft mit den Sandalen läuft. Vor allem in Asien baut Birkenstock kräftig aus. Im Geschäftsjahr 23/24 (30. September) setzte das Unternehmen 1,8 Milliarden Euro um, ein Plus von 21 Prozent. Der Gewinn stieg sogar um 155 Prozent auf 192 Millionen Euro.

    Insgesamt verkaufte das Unternehmen 34,1 Millionen Paar Schuhe, 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Alle produziert in den deutschen Werken. Besonders beliebt trotz aller Sonderauflagen in Gold oder mit Fell und Plüsch sind die Birkenstock-Klassiker, um die es vor dem BGH geht. Mit etwas Glück ist der Fall entschieden, bis sich das Wetter wieder für Sandalen eignet – Hersteller egal.

  • Heidelberg entthront München

    Neue Gründerhauptstadt profitiert von Universität

    Gute Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft: Gründer glauben an den Standort und seine Zukunft. 2024 entstanden so viele neue Technologiefirmen wie seit langem nicht mehr. Der Boom künstlicher Intelligenz beflügelt, wie der Startup-Verband berichtet. Der größte Teil der jungen Unternehmen beschäftigt sich mit Software.

    Insgesamt 2766 neue Technologiefirmen zählte der Verband, elf Prozent mehr als 2023 und zweitbester Wert, seit die Zahlen ermittelt werden. Die Zahl der Gründungen werten die Experten als Hinweis darauf, wie gut die Stimmung unter den Innovatoren ist, jenen, die an neuen Ideen arbeiten. Offenbar sehen viele die aktuelle Lage als Chance. „Krisenzeiten sind Gründungszeiten. Die aktuellen Zahlen sind ein starkes Signal für den Standort Deutschland“, sagt Helmut Schönenberger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Verbands.

    Die meisten neuen Firmen gab es 2024 in Bayern (538) vor Berlin (498), Nordrhein-Westfalen (494) und Baden-Württemberg (352). Doch die Zahlen täuschen etwas: Gegründet wird vor allem in großen Städten. So profitiert Bayern von der Region München. Außerhalb des Großraums passiert deutlich weniger. Ähnlich ist es in Baden-Württemberg. In nur sechs Städten und Kreisen entstanden jeweils 50 oder mehr Startups, insgesamt 38 Prozent aller Neugründungen. Absolut ganz vorn: Berlin (498), München (213), Hamburg (161), Köln (73) Landkreis München (58) und Frankfurt (51).

    Das Gefälle zum Land ist riesig. In 354 der 400 deutschen Städte und Kreise sind jeweils weniger als zehn Technologiefirmen gegründet worden, wie der Startup-Verband ermittelt hat. Er vermutet, „dass noch große Potenziale jenseits der Hotspots zu heben sind.“ Wobei fraglich ist, ob sich Gründer ins niedersächsische Zeven, das sächsische Johanngeorgenstadt oder ins rheinland-pfälzische Daun locken lassen. Große Städte haben meist schon viele andere Gründer und Geldgeber, was Neulingen hilft. Außerdem bieten sie oft kulturell mehr und sind international besser angebunden.

    Gründerhauptstadt ist in diesem Jahr Heidelberg. Auf 100.000 Einwohner gab es hier im vergangenen Jahr 13,5 neue Unternehmen. Die Gründer stammen vor allem aus dem Umfeld der Universitäten. Die Baden-Württemberger kletterten von Rang 5 an die Spitze und verwiesen München mit 13,4 auf Rang 2. Berlin liegt mit 13,2 auf Rang drei. Darmstadt, vergangenes Jahr auf Rang 3, rutschte auf Rang 5 ab. Neu unter den besonders gründungsfreudigen Städten ist Köln auf Rang 10.

    Als Startups gelten Unternehmen, die bis zu acht Jahre alt sind, von Innovation und Technologie getrieben werden und vor allem schnell stark wachsen wollen. Klassische Handwerker werden deshalb nicht gezählt, auch wenn sie neu starten. Der Startup-Verband nutzt Daten von Startupdetector. Die Firma durchsucht Handelsregister nach Gründungen und bewertet sie. Etwa drei Prozent aller neuen Firmen entsprechen den Vorgaben: Der Wollladen ist raus, das Unternehmen mit Schulungssoftware fürs Mobiltelefon dabei.

    Startups beginnen meist klein mit wenigen Beschäftigten. Viele scheitern, im vergangenen Jahr meldeten 336 Insolvenz an, 2023 waren es 286. Vor allem im Onlinehandel gaben viele auf. Andere Startups landen nach einiger Zeit bei größeren Konzernen, die sich die Technologien sichern wollen. Und einige Firmen entwickeln sich zu den großen Arbeitgebern von Morgen mit jeweils mehreren tausend Mitarbeitern. Der Online-Modehändler Zalando aus Berlin etwa, der bis in den Deutschen Aktienindex Dax aufstieg, in dem die wichtigsten börsennotierten deutschen Unternehmen erfasst sind.

    Manche der Startups sind groß, aber nicht börsennotiert, etwa Celonis aus München, deren Software Unternehmensstrukturen durchleuchtet und Abläufe beschleunigen kann. Auch die Onlinebanken N26 und Trade Republic aus Berlin oder der Übersetzungsspezialisten Deepl aus Köln gehören dazu. Weil viele Investoren Risikokapital gegeben haben, ist ein theoretischer Unternehmenswert bekannt.

    Wertvollstes deutsches Startup ist danach Celonis mit rund 13 Milliarden Dollar, wie die US-Analysefirma CB Insights ermittelt hat. Auf Rang 2 folgt N26 mit 9,23 Milliarden Dollar. Insgesamt 31 deutsche Technologiefirmen sind mehr als eine Milliarden Dollar wert. Solche Unternehmen werden Einhörner genannt. In der Liste tauchen auch Personio (Personalsoftware, München), Helsing (Rüstung, München), Forto (Logistiksoftware, Berlin) und der Drohnenhersteller Volocopter aus dem baden-württembergischen Bruchsal auf.

  • „Neues Wachstum entfesseln“

    Bankenpräsident Christian Sewing im Interview

    2024 ist schlecht gelaufen. Deutsche Produkte sind weltweit weniger gefragt als noch vor Jahren. Die Autobranche, Deutschlands Schlüsselindustrie, schwächelt. In den USA wartet ein neuer Präsident. Und die Ampel-Koalition ist gescheitert. Was kommt 2025? Christian Sewing, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, antwortet.

    Konjunktur

    Optimismus versprüht Sewing nicht. „Das kommende Jahr wird herausfordernd bleiben“, sagt er. Deutschland habe mit einer andauernden Wachstumsschwäche zu kämpfen. „Eine kurzfristige Verbesserung ist derzeit nicht absehbar – wir starten mit einer schwachen Konjunktur ins neue Jahr.“ Vom Außenhandel, der in der Vergangenheit ein starker Wachstumsmotor gewesen sei, seien 2025 keine größeren Impulse zu erwarten. Der private Konsum bleibe ein wichtiger Hoffnungsträger.

    Trotzdem hält Sewing für 2025 ein leichtes Wirtschaftswachstum von etwa 0,5 Prozent für möglich. „Aber gemessen am wirtschaftlichen Potenzial Deutschlands und unserem Investitionsbedarf ist das auf Dauer natürlich viel zu wenig.“ Die Wirtschaftsweisen gehen von 0,4 Prozent Plus aus, der Internationale Währungsfonds von 0,8 Prozent. Die Bundesregierung erwartet 1,1 Prozent. 2024 dürfte die deutsche Wirtschaft geschrumpft sein.

    Die Wachstumsschwäche breitet sich 2025 auch auf dem Arbeitsmarkt aus. „Die Zahl der Arbeitslosen könnte im Verlauf des kommenden Jahres auf rund 2,9 Millionen steigen“, sagt der Bankenpräsident. „Im Jahresdurchschnitt wäre das ein Anstieg um etwa 80.000 Personen.“ Dabei trifft es nicht alle gleichermaßen: „Fachkräfte und gut Ausgebildete werden unvermindert gesucht“, sagt Sewing, der auch Chef der Deutschen Bank ist.

    USA-Wahl

    Die Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten hat den Druck auf Deutschland und Europa erhöht. „Eine protektionistische „America First“-Politik der neuen US-Regierung könnte sowohl den Handel als auch die Verteidigungslage spürbar beeinflussen“, sagt der Bankenpräsident. „Für unser offenes Wirtschaftsmodell stellt das eine ernsthafte Herausforderung dar.“

    Für Europa heiße das, enger zusammenzuarbeiten, eigenständiger zu handeln und die Wettbewerbs- und Verteidigungsfähigkeit zu stärken. „Nur durch Geschlossenheit können wir in einem sich wandelnden globalen Umfeld unsere wirtschaftliche Stellung und politische Souveränität behaupten“, sagt Sewing. „Vor allem aber müssen wir einen steigenden externen Druck auf unser Wirtschafsmodell als Weckruf verstehen“, fordert er. „Wir brauchen dringend Reformen, die das Wachstumspotenzial in Deutschland und Europa insgesamt stärken.“

    Bundestagswahl

    Für die nächste Bundesregierung hat Sewing klare Vorschläge. Umfassende Strukturreformen seien nötig.Weder wirtschaftspolitische Einzelmaßnahmen noch die staatliche Förderung ausgewählter Wirtschaftsbereiche reichen aus“, sagt der Bankenpräsident. „Auch die Vorstellung, man könne die Wirtschaft allein durch eine höhere Staatsverschuldung wieder auf einen stabilen Wachstumspfad bringen, ist unrealistisch.“

    „Die Wahlen zum Deutschen Bundestag könnten ein Neubeginn sein, wenn die neue Regierung die Situation als Chance begreift und dringend notwendige Reformen schnell angeht“, sagt Sewing. Dazu gehören für ihn spürbare Entlastungen bei den Energiekosten, wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern, schnellere Genehmigungsverfahren und eine modernisierte Infrastruktur. „Mit einem solchen Reformpaket könnten wir nicht nur unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken, sondern auch neues Wachstum entfesseln“, sagt er. „Für die nächste Bundesregierung muss gelten: Wirtschaftsreformen haben oberste Priorität.“

    Inflation

    Nach kräftigem Rückgang ist die Inflationsrate in Deutschland von 1,6 Prozent im September auf 2,2 Prozent im November gestiegen. „Da sich die Lohnentwicklung im Euro-Raum nur langsam abschwächt, gehen die privaten Banken davon aus, dass sich die Inflationsrate im kommenden Jahr bei etwas über zwei Prozent einpendeln wird“, sagt der Bankenpräsident. Niedriger, wenn der Euro-Raum sich schwächer entwickelt, höher wenn die Handelskonflikte mit gegenseitigen Zollerhöhungen eskalieren. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt nahe zwei Prozent an.

    Zinsen

    Sewing erwartet, dass die EZB die Leitzinsen weiter senkt. Der Prozess werde voraussichtlich auch 2025 weitergehen. Eine konkrete Zahl nennt er nicht. Derzeit beträgt der sogenannte Einlagenzins 3,0 Prozent. Beobachter können sich einen Leitzins von unter zwei Prozent vorstellen. „Ob das so kommt, wird man sehen müssen“, sagt Sewing. „Die Unsicherheit bleibt hoch.“

    Für Sparer bedeutet das nichts Gutes. „Sollten die Zinsen weiter sinken, gehen wir generell davon aus, dass auch die Guthabenzinsen sinken“, sagt Sewing. Allerdings seien die Zinsen für Tagesgeld- und Sparkonten stark vom Geschäftsmodell der einzelnen Institute abhängig.

    Filialen

    Wer für seine Bankgeschäfte eine Filiale aufsucht, wird es 2025 noch schwerer haben. „Die Zahl der Bankfilialen in Deutschland wird weiter abnehmen, weil sich das Verhalten der Kunden verändert hat“, schätzt der Bankenpräsident. 2023 hatte die Bundesbank 19.501 Filialen gezählt. 2013 waren es noch 36.192. Die Rolle der Filialen habe sich verändert, sagt Sewing. Heute kämen die meisten Kunden, wenn sie persönliche Beratung brauchen – zum Beispiel bei Themen wie Immobilienkauf oder Altersvorsorge. Für solche Kunden werde es auch in Zukunft Filialen geben.

  • Die Welt spricht Deepl

    Kölner gehören zu wichtigsten KI-Firmen der Welt

    So sieht also der Chef eines Unternehmens aus, das Google ausgestochen hat. Jarek Kutylowski trägt ein dunkles Poloshirt. Die Haare sind dunkel und leicht zurückgekämmt. Er ist seit längerer Zeit mal wieder in seinem Büro in einem Kölner Gewerbegebiet und nicht an einem der internationalen Standorte oder bei Investoren. Der Mann reißt Sprachbarrieren ein – weltweit und sehr erfolgreich.

    Sein Unternehmen Deepl ist so etwas wie der Goldstandard bei Übersetzungen, besser als Google Translate. Es nutzte schon künstliche Intelligenz (KI), als das Programm ChatGPT nur eine Idee in den Köpfen einiger Technokraten war. Millionen Menschen verwenden die Produkte der Kölner täglich für Geschäftspost, Fachbeiträge, Verträge. In Behörden und Firmen weltweit läuft es im Hintergrund.

    Deepl ist ein deutsches Vorzeigeunternehmen, das kaum öffentlich genannt wird. Kutylowski formuliert es so: „Wir konzentrieren uns darauf, unser Produkt zu bauen und Wert für den Kunden zu schaffen.“ Lautstarke Auftritte stören da manchmal.

    Der Chef kennt sich mit Sprachbarrieren aus, auch das ein Antrieb, Deepl zu entwickeln. Als kleines Kind kommt er mit seinen Eltern aus Polen nach Deutschland – ohne Deutsch zu können. Nach seinem Promotion in Computer Science an der Universität Paderborn startet der Informatiker 2012 beim Online-Wörterbuch Linguee in Köln als Technikchef. Sein Team entwickelt eine Software, die über neuronale Netze Sprachen „lernt“. Solche Netze ahmen das menschliche Gehirn nach.

    2017 startet der Online-Übersetzer mit sieben Sprachen, darunter Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Polnisch. Kutylowski gründet Deepl, eine Abkürzung für Deep Learning, vertieftes Lernen. Inzwischen beherrscht die Software 26 weitere Sprachen, darunter Chinesisch, Japanisch und Koreanisch sowie Russisch.

    Wie bringt man der Software eine Sprache bei? „Wir sagen der KI nicht explizit etwas über die Sprache, die sie lernen soll“, sagt Kutylowski. „Wir geben auch keine Grammatik vor. Sie bekommt eine Menge von Beispieltexten. Die KI lernt die Sprache dann größtenteils selbst.“ Klingt einfach, hat aber seine Tücken. „Im Japanischen ist beispielsweise die Beziehung zwischen einer Person und einer anderen wichtig. Im Englischen wird dies nicht vermittelt“, sagt der Deepl-Chef.

    Es gibt zahlreiche Firmen, die Übersetzungsprogramme anbieten, auch Technologieriesen. „Bei Konzernen wie Google denkt man immer, die haben sehr viel Geld. Aber die haben auch sehr viele Projekte. Übersetzung ist nur eines davon“, sagt Kutylowski. „Die Geschichte hat gezeigt, dass Start-ups sich mit eigenen Ideen behaupten können, wenn sie die Expertise haben und hart arbeiten.“

    Deepl half noch etwas anderes. „Als wir 2017 starteten, kamen KI und neuronale Netze gerade auf. Sie zeigten einen neuen Weg, wie Sprache übersetzt werden kann“, erinnert sich der Chef. Da hätten auch etablierte Firmen neu anfangen müssen. „Wir hatten deshalb als Start-up keinen großen Nachteil.“ Aber offenbar eine sehr gute Idee für die Software. Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ führt Deepl auf seiner Liste der 50 wichtigsten KI-Unternehmen der Welt als einzige deutsche Firma.

    Über Zahlen schweigt sich der Chef aus. Ältere Informationen aus dem Bundesanzeiger sind nur bedingt aussagefähig. 2021 schrieb Deepl bei mehr als 28,3 Millionen Euro Umsatz 1,5 Millionen Euro Gewinn. Seither ist einiges passiert. 2017 gab es 22 Mitarbeiter, heute sind es mehr als 1000 in der Zentrale in Köln, in Amsterdam, Berlin, London und New York, in Austin, Texas und Tokio. Das Unternehmen betreibt eigene Rechenzentren.

    In mehreren Runden beschaffte sich Deepl Geld für Wachstum von Investoren. Es gehört mit einem Wert von rund zwei Milliarden Dollar zu den deutschen Einhörnern. So werden Firmen mit Milliardenwert genannt, die nicht an der Börse sind. „Ich habe mich bewusst entschieden, Investoren zu beteiligen, auch amerikanische“, sagt Kutylowski. „Die USA sind der wichtigste Markt für Technologiefirmen. Wir haben so andere Perspektiven hereingeholt und wichtige Kontakte bekommen.“ Und die sind nötig. Denn die Software mag besser sein als die der Konkurrenz, doch die holt auf.

    „Alle großen Plattformanbieter wie Amazon, Apple, Google und Meta haben ein Übersetzungsprogramm. Und auch die neuen KI-Anwendungen wie ChatGPT können übersetzen, auch mehrsprachig“, sagt der Deepl-Chef. „Aber nicht so korrekt und gut wie wir.“ Das liegt an der eingesetzten KI und daran, wie sie eingestellt ist.

    Das Unternehmen bietet einen begrenzten kostenlosen Übersetzungsservice. Es gibt auch ein KI-gestütztes Schreibprogramm. Geld verdient Deepl aber vor allem mit den Anwendungen für Unternehmen und Behörden. Kunde ist unter anderem die Deutsche Bahn. Der Übersetzer lässt sich in Internetbrowser sowie gängige Software wie Microsoft Office oder Google Workspace einbinden.

    Seit November gibt es auch ein Programm für Videokonferenzen. Es erkenne derzeit 13 gesprochene Sprachen, sagt Kutylowski, übersetze sie in eine der derzeit 33 Deepl-Sprachen und zeige die Übersetzung in Untertiteln für alle an. Es klingt wie der Traum vieler Schüler: Vokabeln in der Schule zu pauken, scheint dank der Technik überflüssig. Der Deepl-Chef, der Deutsch, Polnisch, Englisch und etwas Französisch spricht, lächelt. „Ich bin sehr dafür, Sprachen selbst zu lernen.“

  • Braucht Deutschland einen Elon Musk?

    Argumente für die Feiertagsdiskussion

    An den Feiertagen kommt die Familie zusammen. Nicht immer ist es besinnlich, gerade in diesem Jahr könnten einige Wirtschaftsthemen aufregen. Argumente für erhellende Gespräch

    1. Der deutschen Wirtschaft geht es angeblich schlecht. Warum steigen dann die Börsenkurse?

    Wie die Wirtschaft läuft, zeigt das Bruttoinlandsprodukt, die Summe aller Leistungen. Und die ist in Deutschland zuletzt geschrumpft. Die Autoindustrie zum Beispiel hat offenbar nicht die Produkte entwickelt, die weltweit gefragt sind. Das hat Folgen auch für Zulieferbetriebe. Die Börsenkurse geben das nur zum Teil wieder. Die meisten deutschen Unternehmen sind nicht an der Börse notiert. Dort finden sich vor allem große, die international tätig sind. Zudem bildet der Deutsche Aktienindex Dax viele Firmen ab. Die, die gut laufen überwiegen. Der Softwarekonzern SAP treibt die Börse eher an, der Pharmakonzern Bayer und VW bremsen eher.

    Die Aktienkurse werden nicht nur von der Geschäftslage der Unternehmen beeinflusst, sondern auch von Anderem, sinkenden Zinsen zum Beispiel. Es kann attraktiver sein, in Aktien zu investieren, als mickrige Erträge auf einem Tagesgeldkonto mitzunehmen. Zudem spiegeln Kurse eher Spekulation auf künftige Gewinne wider als die wahre Lage der Wirtschaft.

    2. Die Inflation sinkt. Wann wird es wieder billiger?

    Weniger Inflation heißt leider, dass die Preise im Schnitt immer noch steigen, allerdings nicht mehr so stark. Das bedeutet auch: So günstig wie 2019 wird es nicht mehr. Wichtig: Weil die Löhne und Gehälter in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen sind, können sich viele Menschen trotz höherer Preise ein klein wenig mehr leisten – im Durchschnitt jedenfalls. Wer keine Arbeit hat, konnte auch nicht von höheren Löhnen profitieren. Und die Inflationsrate ist ein Durchschnittswert. Energie ist binnen eines Jahres sehr viel billiger geworden, was überdeckt, dass zum Beispiel einige Lebensmittel wie Butter und vor allem Dienstleistungen sehr viel teurer wurden. Manche Lebensmittel sind dagegen günstiger zu haben: Marmelade, Mehl und Zucker zum Beispiel.

    3. Die USA wollen Zölle erheben. Auch Deutschland braucht sie, um seine Wirtschaft zu schützen.

    Donald Trump liebt Zölle. Vor allem, weil er mit ihnen drohen kann, um mit anderen Ländern dann zu verhandeln, etwa mehr US-Produkte zu kaufen. Der designierte nächste US-Präsident glaubt, so auch die riesige Wirtschaftsmacht China auf Abstand zu halten.

    Deutschland kann keine Zölle einführen, sie sind Sache der EU. Erhöbe sie zum Beispiel Zölle auf chinesische Waren, würde sich China wohl wehren – mit Zöllen auf EU-Waren. Auch deutsche Produkte verteuerten sich dann in China und verkauften sich schlechter. Für die deutsche Wirtschaft ist das gefährlich. Die Bundesrepublik lebt davon, Waren in alle Welt zu verkaufen.

    Selbst wenn Deutschland Zölle erheben könnte: Dass Produktion aus China zurückkommt, ist unwahrscheinlich. Denn es dauert, neue Fabriken zu bauen. Und Deutschland ist im Vergleich zu den USA ein kleiner Markt, da rechnet sich das nicht. Zudem werden die Produkte wegen der höheren Kosten hier teurer hergestellt.

    Und es gibt weitere Gefahren. Möglicherweise investieren Firmen nicht, weil die Zölle sie vor der günstigeren und effizienteren ausländischen Konkurrenz schützen. Der Antrieb, besser als die anderen sein zu wollen, entfällt. Dank dieses Antriebs hat zum Beispiel der deutsche Maschinen- und Anlagenbau jahrzehntelang die im Vergleich zum Weltmarkt höheren deutschen Lohnkosten ausgeglichen. Auch deshalb ist er Weltspitze.

    Und nie vergessen: Deutschlands wirtschaftlicher Aufstieg und Wohlstand war nur möglich, weil die Kleinstaaterei mit dem Deutschen Zollverein 1834 ein Ende hatte und die Reichsgründung 1871 vorwegnahm. Das ist auch der Kern der EU – ein zollfreier Binnenmarkt.

    4. Bürokratieabbau lässt sich offenbar nur brachial machen. Deutschland braucht einen Elon Musk.

    Zunächst: Musk soll die Staatsausgaben senken. Deshalb will er zahlreiche Behörden abschaffen, was Bürokratie verringert. Letztlich vereinfachen Regeln und Vorgaben auch das Zusammenleben aller – ein Vorteil von Bürokratie. Grundsätzlich ist der radikale Ansatz, über alles nachzudenken, erst einmal gut. Aber: Wer möchte die Lebensmittelkontrolle abschaffen? Die staatliche KfW mit ihren Förderkrediten, die auch kontrolliert werden müssen?

    Viel läuft in Deutschland über die föderale Struktur, es gibt vieles 16 Mal. Das Aus für Bremen, Hessen, Bayern und andere würde enorme Doppelarbeit beenden und die Digitalisierung beschleunigen. Aber die Struktur gibt es genau, um einen starken Zentralstaat zu verhindern. Eine Lösung: Die Bundesländer erfinden nicht alle das Rad neu, sondern eines entwickelt zum Beispiel eine Verwaltungssoftware für alle. Musk mit seinen Kahlschlagphantasien ist dafür nicht nötig.

    5. Die Wärmepumpe ist tot. Ölheizungen sind eine günstige Alternative.

    Die Wärmepumpe ist mit dem verkorksten Heizungsgesetz der Ampel-Koalition und vermeintlichen Verboten anderer Heizungsarten verknüpft. Die Debatte verlief hitzig und eher ideologisch. Grundsätzlich darf eine Ölheizung eingebaut werden. Ob es sinnvoll ist, ist eine andere Frage.

    Sachlich betrachtet hat die Wärmepumpe Vorteile: Sie ist sauberer als eine Gas- und Ölheizung, braucht weniger Platz, der Einbau wird staatlich gefördert. Die Wärmepumpe wird mit Strom betrieben, idealerweise aus erneuerbaren Quellen in Deutschland. Eine Ölheizung wird mit einem Stoff befeuert, der auf dem Weltmarkt gekauft werden muss. Die deutsche Förderung in der Nordsee reicht bei weitem nicht.

    Wer mit Öl heizt, ist deshalb immer dem Spiel der Weltmächte ausgeliefert. Es ist unklar, wie sich der Preis entwickelt. Vor allem das Kartell Opec, die Organisation Erdöl exportierender Länder, ist daran interessiert, ihn hochzuhalten. In der Bundesrepublik dürften die Preise für Heizöl über die Jahre steigen, weil die Abnahmemengen sinken, wenn die Deutschen modernere Heizungen einbauen. Zudem muss die Heizung von 2029 an zunehmend grüne Brennstoffe verarbeiten – schwierig bei Öl.

    Für fossile Brennstoffe wie Öl wird zudem ein CO2-Preis fällig. Derzeit setzt ihn die Bundesregierung fest. Von 2027 an unterliegen Heizungen auch dem EU-Zertifikatehandel, der Preis wird dann europaweit an einer Börse bestimmt. Die Menge der Zertifikate sinkt über die Jahre, so dass der Preis steigen wird.

    6. Deutschland hat hohe Energiepreise. Die nächste Bundesregierung setzt wieder auf Atomenergie, dann wird alles billiger.

    Atomstrom hat zwei Vorteile: Er fließt stetig und es entsteht kein CO2, das die Erderwärmung befeuert. Der Wiedereinstieg kostet zunächst sehr viel Zeit: Atomkraftwerke müssen genehmigt werden, kaum jemand möchte eines vor der Tür haben. Selbst wenn alles geklärt ist: Derzeit dauert der Bau eines Akw weltweit im Schnitt mehr als zehn Jahre. Die Milliarden-Kosten vieler Neubauten etwa in Frankreich und Großbritannien liegen jeweils um ein Vielfaches höher als geplant.

    Die deutschen Altbetreiber EnBW, Eon, RWE und Vattenfall wollen nicht wieder ins Geschäft einsteigen – zu teuer, zu viel Risiko. Das müsste der Staat abnehmen. Und Atomstrom ist derzeit deutlich teurer als Strom aus Kohle, Gas und vor allem erneuerbaren Energien.

    Was, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint? Dann fehlt Strom, der Preis kann kurzzeitig hoch schnellen. Solche Stromlücken können Akw, die dauerhaft laufen, nicht füllen. Nötig sind Gaskraftwerke, die bei Bedarf schnell angeworfen werden können.

    Bleibt noch der für Jahrtausende strahlende Atommüll. Neuartige kleine, in Masse billig gefertigte Kraftwerke sollen ihn als Brennstoff nutzen. Konzepte gibt es viele. Doch von diesen sogenannten SMR (Small Modular Reactors) ist noch keiner in Betrieb, auch bei Prototypen hapert es bisher.

    7. Die EU überschwemmt Deutschland mit Bürokratie und Regeln, die uns lähmen. Allein sind wir besser und effizienter.

    Tatsächlich regelt die EU inzwischen sehr vieles. Vor allem das Lieferkettengesetz mit seiner Pflicht, sehr, sehr viel zu dokumentieren, schafft Bürokratie, aber wenig wirtschaftlichen Gewinn. Dann hat die Bundesregierung ohne Not eine deutsche Fassung des Gesetzes noch umfangreicher gestaltet. Das ist nicht Schuld der EU.

    Vergessen wird oft, welche Vorteile die Gemeinschaft dank einheitlicher Regeln hat, die jeweils nationale abgelöst haben. Zölle entfallen und damit reichlich Papierkram. Es gibt fast keine Grenzkontrollen. Mit Roaming sind die Mobilfunkkosten in jedem Land auf das gedeckelt, was man zu Hause zahlt. Mit dem Euro entfällt lästiges Umrechnen in vielen Ländern. Es gibt vereinfachte Studentenaustauschprogramme und vergleichbare Studiengänge. Geldüberweisungen sind vereinheitlicht.

    Was passiert, wenn man allein alles besser weiß, ist in Großbritannien zu sehen. Die Wirtschaftsleistung ist nach dem Verlassen der EU eingebrochen. Neue Behörden mussten her, um Zölle zu verwalten und das zu übernehmen, was vorher zentral in der EU geregelt war. Der wichtige Handel mit der EU ist wegen Zöllen deutlich teurer und kräftig geschrumpft. Und Briten zahlen plötzlich ein Vielfaches für Mobilfunk.