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  • Online-Banken bieten höhere Zinsen

    Die Stiftung Finanztest zeigt, wie Sparer gefahrlos bessere Zinsen erhalten als bei den üblichen Filialinstituten

    Guthaben-Zinsen, die unterhalb der Inflationsrate liegen, sind für viele Sparer ein Ärgernis. Denn das kleine Vermögen auf dem Konto verliert an Wert, anstatt zu gewinnen. Und doch zahlen Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Privatinstitute gegenwärtig häufig magere 1,25 Prozent pro Jahr. In einem neuen Überblick zeigt nun die Zeitschrift Finanztest, wie Sparer bei Online-Banken deutlich höhere Zinsen erwirtschaften können.

    „Bis zu 2,6 Prozent Zinsen bekommen Sparer zurzeit, wenn sie ihr Geld auf das Tagesgeldkonto bei einer Direktbank über das Internet anlegen“, sagt Ariane Lauenburg von Finanztest. Wer eine Festgeldanlage mit einjähriger Laufzeit wählt, kann bis zu drei Prozent erzielen.

    Der Grund für die höhere Verzinsung ist einfach und einleuchtend: Internetbanken haben keine Filialen mit Personal und geben die geringeren Kosten in Form einer besseren Rendite an die Kunden weiter.

    Trotzdem scheuen sich viele Kunden, ihr Geld einer Direktbank anzuvertrauen – nachvollziehbar, findet Finanztest. Sind doch viele der Internetinstitute vergleichsweise unbekannt und führen mitunter merkwürdige Namen.

    Aber auch eine Bank, die sich „MoneYou“ nennt, ist häufig nur die Online-Tochter eines etablierten Finanzhauses, in diesem Fall der niederländischen Bank ABN Amro. Sorgen seien deshalb unötig, meint Finanztest.

    Selbst die IKB Direkt wird empfohlen, obwohl sie zur IKB in Düsseldorf gehört, die sich während der Finanzkrise böse verspekulierte und mit 12 Milliarden Euro vom deutschen Staat vor dem Exitus bewahrt wurde. Das Geld der Sparer bei der Online-Bank sei trotzdem sicher, so Finanztest-Mitarbeiterin Lauenburg: „Tages- und Festgeld sind von der Einlagensicherung der Banken geschützt“.

    Um den Sparern die Angst vor der lukrativen Geldanlage zu nehmen, gibt Finanztest einige Tipps für die Auswahl eines Online-Kontos. Gut sei es beispielsweise, eine Bank zu wählen, die sich des Post-Ident-Verfahrens bediene. Dabei müssen sich die künftigen Kunden bei einer Postfiliale persönlich als Inhaber des Online-Kontos identifizieren, um Missbrauch auszuschließen.

    http://www.test.de/zinsen

  • Toyota punktet mit Öko-Technik

    Studie: Die umweltfreundlichsten Autos kommen aus Japan/ Hybrid-Modelle Spitzenreiter/ Elektroautos noch nichts für Privatkäufer

    Der Autokonzern Toyota hat die Nase vorn beim Bau von umweltfreundlichen Fahrzeugen. Auf der aktuellen Umweltliste des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) belegt der japanische Konzern die Plätze eins bis vier. Sieger wurde der Lexus CT 200h, gefolgt vom Toyota Prius Hybrid – beides Hybrid-Fahrzeuge. Nur ein deutscher Hersteller, VW, schafft es unter die Top 10 des Öko-Rankings.

    Mit dem Kleinwagen Toyota iQ 1.0 VVT-i und dem Toyota Auris Hybrid belegt der japanische Autobauer die Ränge drei und vier. Volkswagen kommt mit dem VW Polo 1.2 TDI BlueMotion 87g auf Platz Sieben. Fahrzeuge der Hersteller Honda, Kia, Nissan und Suzuki komplettieren die Top 10 der Umweltbesten. In die Gesamtbewertung fließen neben dem CO2-Ausstoß die Lärm- und Schadstoffbelastung sowie Belastungen für die Natur ein.

    Vom Ergebnis der Studie zeigt sich VCD-Verkehrsexperte Gerd Lottsiepen ernüchtert. Deutsche Hersteller müssten auf dem Weg zu einer besseren Umweltbilanz „in die Gänge kommen“, fordert er. Wie schon im vergangenen Jahr attestiert er den hiesigen Autobauern keine großen Fortschritte und wirft der Autoindustrie vor, sich zu sehr auf das Premiumsegment zu konzentrieren. Damit hätte sich 2010 viel Geld verdienen lassen. „Schwere Luxuslimousinen sind und bleiben Klimakiller“, sagt er.

    Neben der Gesamtbewertung zeichnet der VCD die Fahrzeuge in bestimmten Rubriken aus. Die Kategorie „Klimabeste“ führt – wie auch im Vorjahr – ein deutsches Fahrzeug an: der kleine Zweisitzer Smart cdi mit einem CO2-Ausstoß von 86 Gramm pro Kilometer und einem Verbrauch von 3,3 Litern Diesel auf 100 Kilometern. Mit einem CO2-Wert von 87 Gramm pro Kilometer teilen sich der größere Lexus CT 200h und der VW Polo 1.2 TDI BlueMotion 87g den zweiten Platz. Auf weiteren guten Rängen finden sich die Schwestern des VW Polo von Seat und Skoda sowie die Hybrid-Modelle Prius und Auris von Toyota.

    Das Ranking in der Rubrik „Kompaktklasse“ führt der Testsieger Lexus CT 200h an. Zum besten Familienauto kürte der VCD den Zweitplatzierten der Gesamtwertung, den Toyota Prius Hybrid. Bester 7-Sitzer wurde der VW Touran 1.4 TSI EcoFuel CNG DSG. Elektro-Mobile finden sich nicht in den Listen. Für Privatkunden seien sie noch nicht alltagstauglich.

    In punkto CO2-Ausstoß setzen Autos in diesem Jahr keinen neuen Maßstab, lautet das Fazit des VCD. „2011er Fabrikate sind nicht besser“, so Experte Lottsiepen. Bei 151 Gramm lag der durchschnittliche CO2-Ausstoß der bundesweit verkauften Neuwagen im vergangenen Jahr, so der VCD. In der Europäischen Union waren es knapp über 140 Gramm. Laut EU- Vorgabe soll der Ausstoß aller in der EU verkauften Neuwagen auf 130 Gramm bis 2015 sinken. Diesen Grenzwert hält der Verkehrsclub für „zu lasch“. Mindestens 95 Gramm CO2 je Kilometer müssten bis dahin erreicht werden. Der Stand der Technik zeige, dass dies realisierbar sei.

    Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht sich im Umweltschutz keineswegs unambitioniert. Die Studie „bestätige die Erfolge der deutschen Automobilhersteller und ihrer Marken, beim Klimaschutz so schnell wie möglich voranzukommen“. Insgesamt komme knapp die Hälfte aller CO2-Champions in den verschiedenen Kategorien von deutschen Konzernmarken.

    385 Fahrzeuge hat der VCD für seine „Auto-Umweltliste 2011/2012“ untersucht. Sie kann für 5,90 Euro entweder per Email an bestellung@vcd.org oder telefonisch unter der Nummer 02962/ 845865 bestellt werden.

  • Der Preis lohnt sich

    Brauchen wir Eurobonds? Pro von Hannes Koch

    Gemeinsame Staatsanleihen aller Euro-Staaten wären ein Mittel, um die Angriffe der globalen Privatinvestoren abzuwehren und die Schuldenkrise zu lindern. Bisher verkauft jeder Euro-Staat eigene Staatsanleihen, um seine Verschuldung zu finanzieren. Deshalb fällt es den Investoren leicht, die Zinsen für ein Land nach dem anderen in die Höhe zu treiben. Deutschland muss mit Milliarden Euro helfen – ein teures Unterfangen.

    Gemeinsame Staatsanleihen, so genannte Eurobonds, würden diesen Teufelskreis durchbrechen. Die Investoren könnten nicht mehr unterscheiden, welches Land sie finanzieren. Die Euro-Zone würde gemeinsam haften und die Rückzahlung garantieren. Damit sänken auch die Zinsen für überschuldete Länder wie Irland und Griechenland – die Krise wäre gelöst.

    Mit zwei Nachteilen: Athen und Co. könnten Eurobonds als Anreiz zu neuerlicher Verschuldung missverstehen. Dem ließe sich allerdings mit einer gemeinsamen europäischen Finanzpolitik entgegenwirken. Ohne diese verstärkte Bindung und Kooperation erscheinen Eurobonds nicht ratsam.

    Außerdem dürften Eurobonds die Zinsen auch für Deutschland leicht erhöhen, weil wir unsere gute Bonität mit dem schlechteren Ruf der Südeuropäer belasten. Diesen Preis aber sollten wir zu zahlen bereit sein: Schließlich kaufen Griechen, Iren, Portugiesen, Italiener und Spanier auch unsere Produkte, die wir so lukrativ exportieren.

  • Weniger Soziales, höhere Steuern

    Brauchen wir Eurobonds? Contra von Wolfgang Mulke

    Die Folgen einer gemeinschaftlichen Haftung kennt man aus Wohngemeinschaften. Wenn sich alle ohne besondere Regeln um den Abwasch kümmern sollen, bleibt er schnell liegen, weil es immer gute Gründe gibt, etwas anderes zu tun. Genau diese Gefahr birgt die Gemeinschaftshaftung für den Euro.

    Die hohe Kreditwürdigkeit Frankreichs und Deutschlands würde bei anderen Euroländern für niedrige Zinssätze sorgen. Ohne feste Regeln gäbe es für diese dann keinen Grund mehr für übermäßige Sparanstrengungen. Wenn es schiefgeht, haften so die Großen für die Krisen der Kleinen.

    Eine gemeinsame Wirtschafts- und Finanzregierung könnte dies verhindern. Doch dafür fehlen die politischen Mehrheiten bei den Euro-Partnern. Jeder kann also weiterhin tun, was er will. In solchen Konstellationen überwiegt das Eigeninteresse am Ende immer das Gemeinschaftsinteresse.

    Hinzu kommt noch der Aufschlag, den Deutschland für die eigenen Kredite an den Finanzmärkten bezahlen müsste, weil Euro-Anleihen eben nicht ganz so sicher sind wie deutsche. Bei nur einem Prozentpunkt mehr Zins müssten die öffentlichen Haushalte 20 Milliarden Euro mehr für den Schuldendienst ausgeben – pro Jahr. Bezahlen müssten dies die Arbeitnehmer durch weniger Sozialleistungen oder höhere Steuern.

  • Bleibt das Königsrecht für den Euro auf der Strecke?

    Die Verpflichtungen aus dem Rettungsschirm für die Währung könnten den Bundestag auf lange Sicht entmachten

    Das Parlament kontrolliert die Regierung. Das kann sie traditionell am besten über die Haushaltspolitik. Die Abgeordneten bestimmen, wofür wie viel Geld ausgegeben werden darf. Das macht das Etatrecht seit Jahrhunderten zum Königsrecht des Parlamentarismus. Mit der so genannten Magna Charta sicherte sich der englische Adel 1215 erstmals dieses Vorrecht, um den ausgabefreudigen König der Insel zu zähmen. Wer über die Einnahmen und Ausgaben des Staates bestimmt, hat im Land das Sagen. Im Falle Deutschlands bestimmt der Bundestag laut Grundgesetz über beide Seiten der Medaille, in dem er die Steuern festlegt und den Haushaltsplan erstellt.

    Das Königsrecht ist nun in Gefahr. Das meinen zumindest 13.616 Bürger, die eine Petition an den Bundestag gezeichnet haben. Darin betrachten sie den Europäische Stabilitäts Mechanismus (ESM) als Anfang vom Ende der Demokratie in Deutschland. Dieser Euro-Rettungsschirm soll bis Ende September von allen Mitgliedern der Währungsunion beschlossen werden. In Deutschland muss der Bundestag zustimmen. Insofern sind die Rechte das Parlaments gewahrt.

    Problematisch finden die Petitisten die möglichen langfristigen Folgen dieser Entscheidung. Denn im schlimmsten Fall, wenn Euro-Länder pleite gehen, kämen auf die Bundesrepublik Garantieforderungen in Höhe von rund 190 Milliarden Euro zu. Sollte dieses Szenario eintreffen, hätte der Bundestag schlicht nichts mehr zu verteilen, also auch keine Gestaltungsmacht mehr. „Diese Summen stehen keinesweg fest“, warnt der Initiator der Petition, der Chemiker Johannes Hüdepohl. Mit jedem Ausfall eines Landes gehen dessen Verpflichtungen im ESM auf die verbleibenden Staaten über. Hüdepohl und seine Mitstreiter fordern die Abgeordneten daher auf, das Gesetz abzulehnen. Vor der entscheidenden Abstimmung in Berlin wird die Petition aber wahrscheinlich nicht mehr behandelt.

    Auch im Parlament selbst regt sich Widerstand, zum Beispiel beim CSU-Abgeordneten Peter Gauweiler, der im Bundesverfassungsgericht gegen die Einrichtung klagt. „Mit dem Rettungsschirm wird der Euroraum über den Haftungsverbund für Haushaltsdefizite

    anderer Mitgliedsstaaten zu einer dauerhaften Transferunion umgebaut“, befürchtet der Münchner Politiker. In der Koalition grummelt es vor allem wegen dieser Gemeinschaftshaftung. Die Mehrheit für das Gesetz erscheint aber sicher, weil auch die Opposition zustimmen wird.

    Wann das Bundesverfassungsgericht seine Entscheidung verkündet, ist noch offen. Die Richter haben aber in der Verhandlung durchblicken lassen, dass die Bundesregierung durchaus Kompetenzen abgeben darf. Skeptischer ist der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags. Der ESM könne zu einem Mechanismus führen, „unter welchem bei Inanspruchnahme aus der Bürgschaft massiv in den Staatshaushalt eingegriffen werden kann“. Einfluss darauf habe das Parlament nicht, schreiben die Experten. Der Gesetzgebungsprozess zeigt, wie stark die Machtverschiebung vom Bundestag weg hin zur Bundesregierung bereits vorangeschritten ist. Die Regierungschefs der großen Eurostaaten beschließen Hilfspakete, die von den heimischen Abgeordneten nur noch abgenickt werden. So vereinbarten die Partner die Einführung des ESM für Ende September, obwohl den Abgeordneten noch gar kein abschließender Vertrags- und Gesetzesentwurf vorliegt. Laut Regierungssprecher Steffen Seibert sollen die Unterlagen Ende der Woche verschickt werden und selbstverständlich nehme die Regierung keinen Einfluss auf die Terminplanung des Bundestags. Zusammen passt das nicht.

    Wie aber ließe sich das von vielen beklagte demokratische Defizit künftig lindern? Eine Möglichkeit bestünde darin, die Rechte des europäischen Parlamentes zu stärken und ihm ein europäisches Budgetrecht einzuräumen. Das würde aber bedeuten, dass die nationalen Parlamente Teile ihrer fiskalischen Kompetenzen nach Strassburg abgeben müssten. Nachteil: Die Nationalstaaten würden zugunsten Europas teilweise entmachtet. Vorteil: Demokratisch legitimierte Entscheidungen könnten zentral so schnell stattfinden, wie es für eine Staatengemeinschaft mit 27 Mitgliedern oft notwendig ist. Die Übertragung von weiteren Kompetenzen nach Europa verhindert in Deutschland aber nicht nur das Bundesverfassungsgericht. Auch die Euro-Skeptiker in Union und FDP, die sich über die mangelnde Mitwirkung des Bundestages beschweren, wollen nicht, dass das Europäische Parlament mehr Einfluss erhält.

  • Weniger ist mehr

    Schulanfang: Beim Kauf von Ranzen, Malkasten und Stiften zahlt sich Qualität aus

    Großer Malkasten oder kleiner? Turnschuhe für 10 Euro oder für 50 Euro? Filz- oder Buntstifte? Während hunderttausende Schulanfänger gespannt ihrem ersten Schultag entgegenfiebern, fragen sich Eltern, wie sie die Kleinen für den Schulstart ausrüsten können – und wie viel Geld sie dafür berappen müssen. Hier ein Überblick über Dinge, die zur Ausstattung eines Erstklässlers gehören und was sie kosten.

    Schulranzen:
    Ob pink mit Blümchen, schwarz mit coolen Flitzern oder blau mit Spaceshuttle: Die Auswahl der Tornister ist so riesig, dass manch ein Knirps beim Anblick der kunterbunten Tragehilfen vor Freude ausflippt. Beim Blick auf das Preisschild flippen Mama und Papa manchmal gleich mit aus. Für über 200 Euro bietet manch ein Markenhersteller seine Ware feil. Im „Mega-Set“ kommt der Ranzen dann daher, inklusive diverser Mäppchen, Brotbüchse und anderer Utensilien im passenden Design. Preiswerte Schultaschen gibt es im Discounter schon für 50 Euro. Doch welche Tragehilfe ist die richtige.

    Die Stiftung Warentest empfiehlt, ein Modell zu wählen, das die Schulranzennorm DIN 58124 erfüllt. 120 Euro kostete der Sieger Scout Easy II des letzten Schulranzentests der Warentester (test 04/2009). Beim Kauf von Markenprodukten lässt sich der eine oder andere Euro sparen. „Es muss nicht immer das neuste Modell sein“, sagt Michael Gomolzig, Schulleiter und Pressesprecher des Verbands Bildung und Erziehung Baden-Württemberg (VBE). „Vorjahresmodelle gibt es im Handel schon für 20 oder 30 Euro billiger.“ Allerdings dürfte es für Eltern schwierig sein, den Sprössling für das Dinosaurier-Design anstelle der Pokémon- oder Hello-Kitty-Optik zu begeistern, räumt Gomolzig ein. „Auch Schulranzen gehen mit der Mode.“

    Turnschuhe:
    Ohne die sportlichen Treter läuft nichts. Schwarze Schuhsolen sollten sie jedoch nicht besitzen. Die sind den meisten Sportlehrern ein Dorn im Auge. Auch dünne Ballettschläppchen fallen bei vielen Paukern durch. Eltern sollten beim Kauf des Schuhwerks auf Qualität achten. Nike oder Adidas muss es aber nicht gleich sein. „Teure Markenprodukte sind nicht automatisch besser für Füße oder ärmer an Schadstoffen“, beobachtet Meike Meyer,
    Redakteurin bei Öko-Test. Ob ein Turnschuh mit Schadstoffen belastet ist oder die Sohle schnell kaputt geht, sieht man ihm im Geschäft leider nicht an, sagt sie. Meiden sollte man auf jeden Fall Produkte, die stechend unangenehm riechen. In der letzten Öko-Test-Untersuchung von 2008 hat der Testsieger gerade mal 20 Euro gekostet.

    Sportbekleidung:
    T-Shirt und Turnhose dürfen in der Erstklässler-Grundausstattung ebenso nicht fehlen. Und sie sollten etwas aushalten: Mehrere Runden um den Sportplatz und anschließend einige Runden in der Waschmaschine. Shirt und Hose kosten zusammen um die 20 Euro.

    Bücher:
    Eins für Deutsch, eins für Mathe, eins für Heimatkunde und manchmal eins für Musik und Religion: Viele Bücher brauchen Schulanfänger nicht. Doch auch wenig Lesestoff geht ins Geld. 20 Euro verschlingt so manche Fibel. Ob sich Familien um den Kauf der Bücher selbst kümmern oder sie von der Schule ausleihen können, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Baden-Württemberg müssen sich Eltern von Grundschülern keine Sorgen ums Büchergeld machen. Hier gibt es die Lektüre als kostenlose Leihgabe. Geht der Nachwuchs allerdings nicht pfleglich mit den Werken um, können die Eltern zur Kasse gebeten werden.

    Zeichenkasten:
    Malkästen kommen im Handel mit 12 oder 24 Farben daher. Für den Anfang reicht die kleine Variante völlig aus. Dazu gehört noch eine Tube Deckweiß und ein kippsicheres Wassergefäß. Das gibt es zu kaufen. Ein Gurkenglas tut es aber auch. Für um die 10 Euro ist der Malspaß zu haben.

    Stifte:
    Filzstifte stehen in der Regel nicht auf den Listen der Lehrer, Buntstifte schon. Häufig stecken sie bereits in den Mappen, die es beim Kauf des Schulranzens immer öfter dazu gibt. Möchten Eltern ihren Kindern etwas Gutes tun, sollten sie darauf achten, dass die Stifte etwas aushalten. Qualität zahlt sich aus: „Bricht  die Mine beim Anspitzen ständig ab, frustriert das die Schüler“, erläutert Gomolzig. Eltern rät der Lehrer,

    ihre Kleinen nicht mit einer zu großen Stiftauswahl zu überfordern. „Zu viele Farben verwirren die Schulkinder“, sagt er. Es sei schon vorgekommen, dass ein Kind angefangen hat zu weinen, als der Lehrer die Klasse aufgefordert hat, den Rotstift zu zücken. Manch ein Knirps verzweifelt eben, wenn er nicht weiß, welchen Farbton er wählen soll. Den 12er-Pack Markenstifte gibt es übrigens für rund 5 Euro im Geschäft.

  • Der Kampf gegen die Spekulanten

    Weitere Länder verbieten Leerverkäufe

    Weitere Länder verbieten Leerverkäufe von Finanzaktien, um massive Angriffe von Hedgefonds und Banken abzuwehren.

    Leerverkäufe sind eines der vielen Instrumente, mit denen Spekulanten an den Finanzmärkten handeln oder auch seriöse Vermögende ihr Depot zeitweilig gegen Verluste absichern. Wie diese Geschäfte funktionieren, zeigt ein Beispiel: Ein Investor glaubt an fallende Kurse, ein anderer an steigende. Nun verkauft der Pessimist 100 Aktien der Firma zum aktuellen Preis von beispielsweise 100 Euro an den Optimisten. Es wird vereinbart, dass die Wertpapiere drei Tage später geliefert werden. Fällt in dieser Zeit der Kurs, kann der Verkäufer sich nach drei Tagen billiger mit den Anteilsscheinen eindecken. Er bezahlt 90 Euro. Die Differenz von zehn Euro zwischen beiden Kursen ist sein Gewinn. Umgekehrt hat der Käufer zehn Euro verloren, weil er mehr bezahlt hat als die Aktien zum Liefertermin wert sind.

    Es gibt zwei Arten von Leerverkäufen. Im Normalfall leiht sich der Verkäufer die Wertpapiere gegen eine Gebühr bei Großinvestoren für einen kurzen Zeitraum aus. Das nennt man gedeckte Leerverkäufe. Von ungedeckten Leerverkäufen sprechen die Fachleute, wenn der Verkäufer Aktien oder Anleihen, die er veräußert, gar nicht besitzt. Diese Form der Spekulation kann für die Börsenentwicklung gefährlich werden, wenn in großem Stil auf fallende Kurse gewettet wird. Aus Angst davor steigen immer mehr normale Anleger aus den betroffenen Wertpapieren aus. Mitunter wird die Unsicherheit der Anleger auch befördert, in dem negative Gerüchte über die betroffenen Firmen oder Staaten gestreut werden. Das treibt die Kurse weiter nach unten. Darauf hoffen vor allem die finanzstarken Hedge-Fonds, die sich in großem Stile Leerverkäufe tätigen.

    Es ist nach Ansicht mancher Fachleute eine Strategie der Nadelstiche gegen ausgewählte Opfer. So wird beispielsweise gezielt die Bonität eines Landes wie Irland oder Italien in Frage gestellt. Die Betroffenen müssen mehr Zinsen bezahlen, wenn sie neue Kredite aufnehmen wollen. Auch wenn der Schuldner finanziell gesund ist, kommt er so langsam unter die Räder, weil durch die steigenden Kreditzinsen irgendwann tatsächlich eine bedrohliche Lage entsteht.

    Die Folgen konnten in den letzten Tagen in Frankreich beobachtet werden. Dort verloren Bankentitel rasant an Wert, weil sie angeblich durch Riesenverluste mit Anleihen der Krisenländer in Schieflage geraten sind. Auch die Kreditwürdigkeit der Grande Nation wurde gerüchteweise in Frage gestellt. Darauf haben neben Frankreich auch Spanien, Belgien und Italien reagiert und ungedeckte Leerverkäufe für eine gewisse Zeit verboten. In Deutschland sind solche Geschäfte mit Aktien, Anleihen und Kreditversicherungen schon vor einem Jahr per Gesetz untersagt worden. Das hat der Bundesregierung international viel Kritik eingebracht. Das Verbot hat sich aber offenkundig bewährt. Auch bei den meldepflichtigen gedeckten Leerverkäufen findet nach Angaben der Bundesfinanzaufsicht hierzulande praktisch kein großer Handel mehr statt.

  • Seid umschlungen, Milliarden !

    DIe Schweiz ist bald keine Steueroase mehr

    Deutsche Steuersünder kommen in der Schweiz nicht mehr ungeschoren davon. Die Eidgenossen ziehen die Abgeltungsteuer künftig ei.

    Die Schweiz ist bald kein stiller Ruheplatz für deutsches Schwarzgeld mehr. Beide Staaten einigten sich auf ein Abkommen, dass Anfang 2013 in Kraft treten soll. „Es wird sichergestellt, dass in Zukunft alle Gelder von deutschen Steuerzahlern in gleicher Höhe besteuert werden“, sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Martin Kotthaus. Der Fiskus kann sich zudem auf wenigstens zwei Milliarden Franken freuen. Zur Überweisung dieses Betrags haben sich die Schweizer Banken als garantierte Nachzahlung für in der Vergangenheit hinterzogene Abgaben verpflichtet.

    Den zweifelhaften Ruf als Steueroase inmitten Europas wird die Alpenrepublik damit los. Experten taxieren das heimlich über die Grenze geschaffte Vermögen auf 100 bis 200 Milliarden Euro. Wie viel Geld allerdings tatsächlich illegal im Nachbarland angelegt wurde, weiß auch das Finanzministerium nicht. Daher sträubt sich Kotthaus auch gegen eine Schätzung der zu erwartenden Einnahmen, die sich Bund, Länder und Gemeinen teilen.

    Das Abkommen sieht zwei wesentliche Änderungen vor. Einerseits wird die Schweiz künftig Kapitalerträge an der Quelle, also bei den Banken besteuern. Von jedem Franken Zins oder Dividende aus deutschen Guthaben werden 26,37 Rappen abgezogen und nach Deutschland überwiesen. Das entspricht der hiesigen Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag. Allein diese Nachbarschaftshilfe wird wohl jährlich einen Milliardenbetrag einbringen.

    Auch für bereits seit längerem in der Schweiz ruhendes Schwarzgeld wurde eine Lösung gefunden. Wenn die Inhaber dieser Konten einen Wohnsitz in Deutschland haben, können sie sich entweder freiwillig dem Fiskus offenbaren und Abgaben nachzahlen, oder aber anonym über ihre Schweizer Bankn eine pauschal bemessene Steuer entrichten. Der Steuersatz liegt zwischen 19 und 34 Prozent. Die Höhe hängt vom Kapitalbestand, der Dauer der Hinterziehung sowie dem zwischenzeitlichen Gewinn aus den Schwarzgeldanlagen ab. Die von den Banken erbrachte Garantieleistung wird mit den Erträgen aus diesen Nachzahlungen verrechnet.

    Außerdem will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verhindern, dass weitere Vermögenswerte unter der Hand in der Schweiz verschoben werden. Um dies zu verhindern, dürfen deutsche Behörden künftig Auskunftsgesuche an eidgenössische Dienststellen richten, wenn gegen eine bestimmte Person der Verdacht auf Steuerhinterziehung besteht. Bis zu 999 Anfragen sind in den ersten beiden Jahren nach Inkrafttreten der Regelung erlaubt. Danach wird geprüft, ob diese Rahmenzahl ausreicht oder nicht. Die Fahnder dürfen jedoch nicht auf gut Glück einzelnen Bürgern nachspüren.

    Das Finanzministerium ist zuversichtlich, dass sich die Kreditinstitute in Zürich oder Genf an die neue Gesetzeslage halten werden. „Es wird kein Geld mehr unversteuert in der Schweiz liegen“, glaubt Kotthaus. Das Bankgeheimnis der Alpenrepublik bleibt trotz der neuen Spürmethoden erhalten. Die Kunden können anonym bleiben, wenn sie ihre Abgaben anständig entrichten. Einen Haken hat die Abmachung, der die Parlamente beider Länder noch zustimmen müssen. Da die Regelung erst in fast eineinhalb Jahren in Kraft tritt, haben Steuersünder reichlich Zeit, ihr Vermögen anderswo zu verstecken.

  • Steuer oder Maut?

    Die Sommerlochdebatte

    Mitten im Sommerloch wird wieder einmal heftig darüber diskutiert, wie der Erhalt und Ausbau des Straßennetzes bezahlt werden kann. Die CSU will eine Pkw-Maut, die FDP höhere Mineralölsteuern. Fakt ist, dass die fünf Milliarden Euro, die der Bundesverkehrsminister für den Straßenbau im Jahr ausgeben kann, für ein modernes Streckennetz nicht ausreichen. Fachleute taxieren den Bedarf auf wenigstens sieben Milliarden Euro. Doch woher soll das Geld kommen? Alle Vorschläge haben Vor- und Nachteile.

    Maut

    Insbesondere aus Bayern kommt die Forderung nach einer Pflichtvignette für Autofahrer in Deutschland. Wie in Österreich oder der Schweiz müsste jeder, der eine Autobahn nutzt, eine Jahresgebühr entrichten. 100 Euro schweben der CSU vor. Im Gegenzug soll die Kfz-Steuer gesenkt werden, damit es für die Autofahrer nicht wesentlich teurer wird. Die allgemeine Nutzungsgebühr hat den großen Vorteil, dass auch Ausländer, die durch Deutschland reisen, an den Kosten für das Straßennetz beteiligt werden. Es gibt mehrere Nachteile. So werden bei dieser Mautlösung alle gleichermaßen zur Kasse gebeten, also unabhängig davon, um jemand 3.000 Kilometer oder 30.000 Kilometer auf der Autobahn zurücklegt.

    Aus dem Bundesverkehrsministerium sind in diesem Frühjahr Modellrechnungen für verschiedene Mautvarianten an die Öffentlichkeit gedrungen. Danach müsste die Vignette 365 Euro im Jahr kosten wenn, der Staat zugleich auf neun Milliarden Euro an Kfz-Steuereinnahmen verzichtet. Durchgerechnet wurden auch die Einnahmen aus der Gebühr. Bei 80 Euro im Jahr kämen 3,4 Milliarden Euro zusammen, bei 100 Euro 4,2 Milliarden Euro. Dabei ist jeweils der Beitrag von Motorradfahrern in Höhe von 30 Euro jährlich sowie von Durchreisenden mit Kurzzeitvignetten berücksichtigt.

    Eine zweite Mautvariante spielt in der Debatte derzeit keine Rolle. Ähnlich der Gebühr für Lkw könnte eine generelle, entfernungsabhängige Straßennutzungsabgabe erhoben werden. Allerdings ist

    der technische Aufwand groß. Zum Beispiel müssten alle Fahrzeuge mit Geräten zur Erfassung der gefahrenen Distanzen ausgestattet werden. Diesem Nachteil gegenüber steht die größere Gerechtigkeit zwischen Viel- und Wenigfahrern gegenüber.

    Mineralölsteuer rauf

    Niedersachsens Verkehrsminister Jörg Bode (FDP) will 13 Cent Mineralölsteuer zusätzlich auf den Liter Benzin oder Diesel erheben, dafür aber die Kfz-Steuer abschaffen. Der Liberale sieht dies als besten Weg, weil dadurch derjenige, der viel fährt auch am meisten für die Infrastruktur bezahlen muss. Dagegen sprechen mehrere Argumente. So steigt bei einer Anhebung der Steuern auch der Tanktourismus. Weil der Sprit dann in Nachbarländern deutlich billiger ist, weichen Autofahrer in grenznahen Gebieten verstärkt auf Tankstellen im Ausland aus. Deutschland gehen somit Einnahmen verloren. Auch werden Transitreisende kaum erfasst, weil sie vor der deutschen Grenze Kraftstoffreserven anlegen. Auch könnten über die Kfz-Steuer keine Kaufanreize mehr für bestimmte Fahrzeugmodelle gegeben werden. Schließlich landen Steuereinnahmen grundsätzlich in der Kasse des Finanzministers. Eine Maut kann dagegen direkt in den Verkehrsetat fließen.

    Wie es nun weitergeht, ist noch nicht klar. Denn Bundeskanzlerin Angela Merkel hat der Maut erst kürzlich wieder eine Absage erteilt. CSU-Chef Horst Seehofer will das Thema hingegen bei der nächsten Sitzung der Koalitionsspitzen zur Sprache bringen. Ohne zusätzlich Einnahmen wird es auf mittlere Sicht nicht gehen, weil der Sanierungsbedarf bei Straßen und Brücken immens ist. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) muss innerhalb des nächsten Jahrzehnts ein Viertel aller Brücken erneuern. Dazu warten 850 Ortschaften auf Umgehungsstraßen und mehr als 1.600 Kilometer Autobahn auf einen Ausbau.

  • Die Krise wird noch lange dauern

    Fragen über Fragen…

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft nun auch italienische und spanische Anleihen zur Beruhigung der Finanzmärkte. Kurzfristig war dies erfolgreich. Offen sind die langfristigen Folgen der jüngsten Entwicklung.

    Haftet Deutschland jetzt auch für italienische und spanische Staatsschulden mit?

    Seit diesem Montag haftet Deutschland indirekt für Staatsschulden Italiens und Spaniens mit. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) kauft Anleihen beider Länder auf, um Spekulanten den Boden zu entziehen. Sollte einer der beiden Staaten zahlungsunfähig werden, müssten die Euro-Mitgliedsländer alle zusammen für den Kreditausfall gerade stehen. Auf Deutschland entfiele ein Anteil von gut 26 Prozent. Derzeit rechnet aber niemand mit diesem Ernstfall.

    Steigt durch die Anleihenkäufe der EZB die Geldmenge und damit die Inflationsgefahr?

    Die EZB bezahlt die Anleihen mit neuen Euro. Diese werden nicht gedruckt, sondern nur per Computer erzeugt ausgegeben. Damit vermehrt sich rechnerisch die Geldmenge, was tendenziell zu einem Wertverlust der Währung führt, was wiederum die Inflationsgefahr erhöht. Dies vermeidet die Notenbank aber durch ein anderes Manöver. Einmal wöchentlich sammelt die EZB bei den Banken genau den Betrag wieder ein, den sie neu in Umlauf gebracht hat. Dafür bezahlt sie den Instituten einen Zinssatz von weniger als einem Prozent. Solange auf diese Weise genügend Geld eingezogen werden kann, bleibt die Geldmenge unter dem Strich gleich und die Risiken bestehen nicht. Außerdem zahlen Italien und Spanien für fällig werden Staatspapiere. Im Idealfall bleibt am Ende alles beim Alten.

    Ist die Europäische Zentralbank (EZB) tatsächlich so unabhängig wie die Bundesbank?

    Nach außen wahren die Währungshüter den Schein der Unabhängigkeit. Tatsächlich dürften politische Wünsche der großen Euro-Länder die Entscheidungen der Frankfurter erheblich beeinflussen. Offiziell sieht die EZB die jüngsten Schritte als Teil ihrer Aufgabe, die Funktionsweise der Geldpolitik zu sichern. Die Notenbank agiert faktisch aber als verlängerter Arm der Finanzminister und Regierungschefs, in dem sie die Stabilität des Euro zeitweilig hinten an stellt.

    Bringen die betroffenen Länder auch Gegenleistungen für die Hilfe?

    Alle Krisenländer haben bisher alle finanziellen Verpflichtungen eingehalten. Selbst die Griechen zahlen ihre Schulden mit Zinsen zurück. Unter dem Strich verdienen die Retter also an der Krise – solange kein Land tatsächlich pleite geht. Außerdem knüpft die EZB ebenso wie der Rettungsfonds für den Euro die Garantien für ein Land an harte Sparauflagen. Italien und Spanien haben sich zu tiefer gehenden Einschnitten verpflichtet, wenn die Notenbank ihre Anleihen aufkauft. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat stets betont, dass es keine Leistung ohne Gegenleistung geben wird.

    Ist das Versprechen, Deutschland werde keine Schulden anderen Staaten übernehmen, noch ernst zu nehmen?

    Diese Zusage ist praktisch wertlos. Denn über finanzielle Garantien für andere Länder ist die Bundesrepublik eine Art Mitschuldner der Krisenländer geworden. Das wird aber nur dann auch zu echten Verlusten führen, wenn diese insolvent würden, also fällige Staatsanleihen nicht mehr bedienen könnten und der künftigen Rettungsfonds dafür einstehen müsste. Im schlimmsten Fall liegt das deutsche Risiko bei einem dreistelligen Milliardenbetrag.

    Wie geht es weiter?

    Mit dem Eingreifen der EZB in dieser Woche haben sich die Euro-Regierungen etwas Zeit gekauft. Denn der Rettungsfonds ESM wird erst Ende September funktionstüchtig sein. Zuvor müssen noch die Regierungen aller Mitgliedsländer der Währungsgemeinschaft der Gründung, den Regeln und der Ausstattung des ESM mit rund 400 Milliarden Euro zustimmen. In der Zwischenzeit wird sich zeigen, ob die Finanzmärkte sich beruhigen lassen oder sich die Krise weiter zuspitzt. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Schuldenkrise noch lange andauern wird, weil es keinen schnellen Weg daraus gibt.

    Auf welche Szenarien sollten sich die Bürger einstellen?

    Im besten Fall beruhigt sich die Lage und die Krisenländer rund um den Erdball stabilisieren sind und zahlen ihre Schulden aus eigener Kraft zurück. Wenn einzelne Euro-Staaten zahlungsunfähig werden sollten, kommen auch auf Deutschland Forderungen zu, die der Steuerzahler begleichen müsste. Im schlimmsten Fall eskaliert die Lage, wenn die Wirtschaft vom finanzpolitischen Strudel hinabgerissen wird. Dann würden die Staatseinnahmen zurückgehen und dies die Schuldensituation verschärfen. Problematisch wäre es auch, wenn die USA ihre Finanzen nicht in den Griff bekämen. Daraus könnte eine neuerliche Finanzkrise entstehen, mit ähnlich gravierenden Folgen wie sie 2008 zu beobachten waren.

  • „Man sollte nicht ins fallende Messer greifen“

    Nachgefragt

    Der Analyst und Währungsexperte Folker Hellmeyer (49) von der Bremer Landesbank fordert ein globales Vorgehen der Regierungen gegen die Krise

    Frage: Sollen Anleger an den Börsen jetzt kaufen oder verkaufen?

    Folker Hellmeyer: Die Anleger sollten nicht ins fallende Messer greifen. Zwar ist der starke Kurseinbruch an den Börsen schwer nachzuvollziehen, weil die Unternehmensergebnisse gut sind Doch das sind natürlich Vergangenheitswerte. Der Verkaufsdruck spiegelt die Sorge vor einer neuerlichen Krise der Weltwirtschaft wider. Eine verlässliche Prognose über die weitere Kursentwicklung ist derzeit nicht seriös möglich.

    Frage: Ist diese Sorge nicht berechtigt?

    Hellmeyer: Eigentlich steht die Weltkonjunktur auf einem robusten Fundament. Doch Politik und Finanzmärkte unterminieren die Basis. Hedgefonds und Banken nutzen die Schuldenkrise zu spekulativen Attacken auf den Anleihemärkten und bringen über Kreditausfallversicherungen große europäische Volkswirtschaften wie Italien und Spanien in Bedrängnis. Die USA und Europa werden mit zweierlei Maß gemessen. Die Gefahr eines weltweiten Dominoeffektes mit Folgen für die Realwirtschaft ist groß. Schon jetzt haben die Unsicherheiten zu einer Eintrübung der Konjunktur geführt. Wenn nicht gegengesteuert wird, könnte es schlimmer kommen als 2008/2009.

    Frage: Lässt sich die Entwicklung überhaupt beeinflussen?

    Hellmeyer: Die Politik muss sich endlich zu einem überdimensionierten Rettungspaket zusammenraufen, möglichst gemeinsam global die Finanzmärkte stabilisieren und mit einer Stimme sprechen. Auch sollte dabei China mit ins Boot geholt werden. Es muss jetzt schnell und massiv gehandelt werden. Es geht dabei um Tage, bestenfalls ein paar Wochen. Das wird mit Sicherheit sehr teuer, aber im Vergleich zu den Folgen im anderen Fall ist der Preis bezahlbar.

  • Gefahr einer nachhaltigen Trendwende

    Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Börsengeschehen

    Bricht für mutige Anleger jetzt eine gute Zeit für Schnäppchen am Aktienmarkt an?

    Wie sich die Börsenkurse weiter entwickeln, ist völlig offen. Analysten warnen vor einem Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt. Selbst wenn sich die Kurse kurzzeitig wieder erholen sollten, droht aufgrund der gekippten Stimmung an den Märkten ein weiterer Verfall.

    Wie tief können die Kurse noch sinken?

    Auch dies ist nicht klar. Innerhalb von zehn Tagen hat der deutsche Leitindex Dax 1000 Punkte eingebüßt. Die Geschwindigkeit der Abwärtsbewegung überrascht sogar Experten. Die Deutsche Bank sieht zum Beispiel keine Hinweise auf eine nachhaltige Gegenbewegung. Deren Fachleute sind eher pessimistisch, weil bis zu diesem Freitag keinerlei Stabilisierungstendenzen erkennbar

    waren. „All dies hat das Risiko einer nachhaltigen Trendwende auf ein seit zwei Jahren nicht mehr gesehenes Maß steigen lassen“, heißt es im täglichen Börsenbrief der Bank.

    Was hat den Kurssturz ausgelöst?

    Eine Reihe von Geschehnissen der letzten Tage haben bei den Anlegern Besorgnis ausgelöst, die sich daraufhin von ihren Aktien trennten. Zunächst hat die Einigung auf eine Anhebung der Schuldenbremse in den USA für Pessimismus gesorgt, weil der Kompromiss auch Einsparungen im Haushalt vorsieht. Dies kann die Wirtschaft der USA weiter ausbremsen. Dazu signalisierte ein wichtiger Indikator für die Entwicklung der Industrie, dass sich die Konjunktur am Rande der Rezession bewegt. Dies löste eine Verkaufswelle aus, die durch coputergestützte automatische Verkäufe noch zusätzlich angetrieben wurde. Schließlich hat auch Europa für Unsicherheit gesorgt. EZB-Chef Jean Claude Trichet warnte am Donnerstag vor außergewöhnlichen Konjunkturrisiken. Der Aufkauf von Staatsanleihen der Schuldenländer durch die EZB sowie die Forderung von Kommissionschef José Manuel Barroso nach einer Aufstockung des Euro-Rettungsschirms verunsicherten die Märkte weiter.

    Hat der Crash auf Folgen für andere Geldanlagen?

    Das hängt wie auch bei der Euro-Schuldenkrise von der weiteren Entwicklung ab. Wahrscheinlich erwirtschaften die Versicherungen weniger Überschüsse. Die Allianz muss zum Beispiel durch Verluste mit griechischen Papieren einen Gewinnrückgang verkünden. Das schlägt sich über kurz oder lang in den Erträgen von Lebensversicherungen oder privaten Rentenversicherungen nieder. Schlechtere Erträge bringen auch Aktienfonds ein. Riester-Sparer können auch durch eine niedrigere Verzinsung betroffen sein, wenn der Versicherte seine Altersvorsorge über Aktienfonds anspart.

    Ist Gold jetzt endgültig die bessere Alternative?

    Der Goldpreis ist schon enorm hoch. Zwar halten Fachleute einen weiteren Anstieg für möglich, vor allem, wenn die Schuldenkrise weiter um sich greift. Doch kann der Goldkurs bei einer Stabilisierung der Weltlage auch schnell wieder fallen. Das gesamte Ersparte sollte daher aus Sicherheitsgründen niemand in Gold ummünzen.

  • Millionenspenden für Afrika

    Unicef & Co bemühen sich um mehr Transparenz

    Die Bilder der hungernden Menschen in Ostafrika berühren Leser und TV-Zuschauer. Das löst vielfach den Wunsch zu helfen aus. Die Medien wissen das und liefern entsprechende Hinweise auf die Konten von Hilfsorganisationen gleich mit. Das hat Erfolg, wie das Bündnis der Hilfsorganisationen „Aktion Deutschland hilft“ feststellt. „Vier Wochen nach dem Aufruf haben wir 10,1 Millionen Euro verbucht“, sagt eine Sprecherin des Bündnisses. Das ist weniger als bei den großen Naturkatastrophen der letzten Jahre in Pakistan und Haiti, aber immer noch ungewöhnlich viel.

    Die Freude am Geben hat nach einem Einbruch 2009 wieder deutlich zugenommen. Der Deutsche Spendenrat meldet für 2010 ein Plus von neun Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Jeder Fünfte überwies etwas an eine caritative Einrichtung, im Durchschnitt 28 Euro. Für die Steigerung sorgte vor allem das Mitgefühl mit den Betroffenen des Erdbebens in Haiti. Wie immer nach großen Katastrophen steigen die Einnahmen des Roten Kreuzes, der Welthungerhilfe, von Care und vielen anderen Helfern stark an. Allein in Deutschland kamen für die Erdbebenopfer 230 Millionen Euro zusammen.

    Dabei wissen viele Spender nicht, ob ihr Geld auch wirklich dort ankommt, wo es benötigt wird. Inbesondere der Skandal um die deutsche Sektion des Kinderhilfswerks Unicef 2008 hat die Branche in Zweifel gezogen. Teure Beratungsleistungen und hohe Provisionen für Spendensammler zehrten einen zu großen Teil der Einnahmen auf. Den Vertrauensverlust bekamen auch andere Einrichtungen zu spüren. Gutes tun ist es für die Geber, harter Wettbewerb für die Nehmer des Geldes. 620.000 Vereine und 15.000 Stiftungen sowie dutzende große Hilfsorganisationen stehen im Wettbewerb um freigiebige Bürger. Mit Werbebriefen oder Reklamespots wollen sie Aufmerksamkeit für ihr Anliegen erreichen.

    Kommt es zu Katastrophen wie jetzt am Horn von Afrika, sammeln ebenfalls konkurrierende Bündnisse Spendengelder ein. Neben der Aktion Deutschland hilft, der Beispielsweise die Johanniter oder der Arbeitersamariterbund angehören, rufen das etwa von der Welthungerhilfe unterstützte Bündnis „Entwicklung hilft“ und das auch vom Roten Kreuz mitbetriebene „Aktionsbündnis Katastrophenhilfe“ zu Spenden auf. Es gab den Vorwurf, dass die Helfer erst eingreifen, wenn die bestürzenden Bilder abgemagerter Kinder die Nachrichten erobern. Das weist die Aktionssprecherin zurück. „Wir haben schon lange gerufen, dass etwas passieren muss“, sagt sie und verweist auf die politischen Schwierigkeiten im bürgerkriegserschütterten Somalia. Immerhin kommt das Spendengeld nach ihrer Kenntnis auch in Form von Lebensmitteln bei den Hungernden an. Alle internationalen Hilfsorganisationen haben sich für die Transporte zu großen Konvois zusammengeschlossen, die besser gegen Überfälle von Milizen geschützt werden können. Bislang wurde noch kein LKW geplündert.

    Aus dem Vertrauensverlust durch schwarze Schafe und einer oft geringen Neigung zu konkreten Auskünften über die Mittelverwendung haben die Hilfsorganisationen offenkundig gelernt. Dazu hat ausgerechnet die internationale Unternehmensberatung PwC beigetragen. Seit 2005 vergibt das Unternehmen einen Transparenzpreis für Spendenorganisationen. „Es ist alles sehr viel professioneller geworden“, beobachtet PwC-Sprecher Oliver Heieck. Früher hätte nur ein Teil der Hilfsorganisationen Berichte im Internet veröffentlicht, heute täten dies alle. Informationen über die Vergütung der Helfer fehlten anfangs völlig. Momentan gibt jede zweite Einrichtung diese Interna preis. Oft wussten die Spender nicht, wer hinter der Organisation steckt. Auch diese Informationen wird heute geboten. Im letzten Jahr errang die zuvor gescholtene Unicef den ersten Preis. Es hat sich also etwas geändert bei der Kinderhilfe.

    Inzwischen gibt es auch mehrere gute Informationsquellen für potenzielle Spender. Neben dem Report der PwC, der im Internet abrufbar ist, hilft vor allem das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). Das DZI vergibt ein Spendensiegel und informiert über die Arbeit und Seriosität der Organisationen. Nähere Angaben erhalten Interessenten unter der Webadresse www.dzi.de . Unter anderem hält das Institut derzeit eine Liste der seriösen Helfer in Ostafrika bereit.

  • Nur nichts übereilen

    Tipps für Spender

    Auch Spenden will gelernt sein. Die Experten des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) haben einige Tipps dafür zusammengestellt.

    Ohne Druck: Niemand sollte sich von Spendenwerbern unter Druck setzen lassen. Mitunter werden beeindruckende Bilder gezeigt oder Geschichten geschildert, um Mitleid zu erzeugen. Die Experten sehen in dieser Methode ein Anzeichen dafür, dass die Hilfsorganisation unseriös arbeitet.

    Überlegen: Spender sollten sich in Ruhe Gedanken über die gewünschte Verwendung ihres Obolus machen. Denn immer mehr Organisationen und Stiftungen werben um die Hilfe der Bürger. Wenn der Zweck festgelegt ist, geht die Suche nach einer geeigneten Hilfseinrichtung los. Die meisten von ihnen stellen Jahresberichte oder Projektbeschreibungen ins Internet. Auf dieser Informationsbasis kann die Entscheidung über die Spende am besten getroffen werden.

    Keine Eile: Die großen Hilfswerke haben genügend Vorräte für Not- und Hilfseinsätze. Im Ernstfall kann die Unterstützung sofort gestartet werden. Die Spenden dienen der Fortführung der Aktionen. Auch werden die Rücklagen wieder aufgefüllt. Bei dringlichen Appellen ist daher Vorsicht geboten. Man kann sich Zeit lassen.

    Gezielt Spenden: Es ist besser, sich mit den finanziellen Gaben auf wenige Organisationen zu konzentrieren. Das erleichtert es, die Arbeit der Helfer zu verfolgen und spart Verwaltungskosten. Auch landet weniger Werbung im Briefkasten, weil der Spender nur bei wenigen Organisationen registriert ist.

    Lieber Geld: Viele Hilfswerke ziehen die Geldspende der Sachspende vor. Der Aufwand ist geringer und die Mittelkönnen gezielt eingesetzt werden. Natürlich sind auch Kleiderspenden oder bei gezielten Aufrufen auch andere Sachspenden erwünscht.

    Patenschaften: Einzelschicksale berühren den Menschen besonders. Doch der Kontakt zwischen Paten und Kind verursacht vergleichsweise hohe Kosten. Auch ist es in manchen Gebieten den Dorfgemeinschaften nicht förderlich, wenn einzelne Kinder gezielt gefördert werden, andere nicht.

    Sicheres Überweisen: Viele Menschen spenden mittlerweile per Telefon oder Internet. Aber auch hier gilt es, die üblichen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, damit das Geld auch sicher beim gewünschten Empfänger ankommt. Die Verbindung im Internet sollte verschlüsselt sein, wenn sensible Daten wie die Kreditkartennummer oder die Kontoverbindung angegeben werden.

    Informationen: Tipps für Spender und Adressen von Hilfswerken bietet das DZI auf seiner Internetseite www.dzi.de.