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  • Unter 35-Jährige im Stresstest

    Paradox: Junge Menschen in Dienstleistungsjobs arbeiten viel, haben wenig Zeit und geben sich dennoch zufrieden

    Gehetzt, gestresst und überfordert: So fühlen sich junge Menschen heute, die in der Dienstleistungsbranche Fuß gefasst haben. Der Druck hat in allen Lebenslagen zugenommen, sagen sowohl Erzieherinnen oder Krankenpfleger, als auch Bankangestellte oder Informationstechniker. Gleichzeitig sagen sie, persönlich wenig belastet zu sein. Diese beiden Aussagen, wollen auf den ersten Blick nicht recht zusammenpassen.

    Den Widerspruch ans Licht gebracht hat die Studie „Was bewegt junge Menschen“ der Tübinger Forschungsgruppe . Über 1.200 Beschäftigte zwischen 25 und 35 Jahren aus dem Gesundheitswesen, dem Banken- und Versicherungssektor, dem Öffentlichem Dienst und der IT-Branche haben die Forscher befragt. Mithilfe von Interviews und Fragebögen konnten sie Einblicke in das Leben der jungen Leute gewinnen.

    „Irgendwo hab’ ich das Gefühl, ich schaff das nicht mehr“ oder  „Die Aufgaben werden immer größer, immer breitgefächerter“ bekamen die Wissenschaftler ebenso zu hören wie „Es gibt eigentlich nichts, mit dem ich total unzufrieden bin“ oder „Ich bin eigentlich ganz zufrieden.“ Wie sich diese Aussagen unter einen Hut bringen lassen, erklärt die Psychologie – und der Zeitgeist: „Man muss heute zeigen, dass man alles schafft“, bringt es Studienleiter Josef Held auf den Punkt. Junge Menschen nehmen nicht wahr, dass der Job belasten kann. Zumindest nach außen sind sie immer bemüht, einen guten Eindruck zu hinterlassen.

    „Also manchmal habe ich das Gefühl, dass ich schon einem großen Druck ausgesetzt bin, wobei dieser Druck jetzt eher nicht von der Industrie oder der Wirtschaft herrührt (…) sondern eher so ein persönlicher Anspruch ist (…)“, fiel die Antwort einer Informatikerin auf die Frage aus, was sie denn bewege. Damit spricht sie einer Mehrheit aus dem Herzen, die sich eher selbst unter Druck setzt. Fast drei Viertel der Befragten belastet Zeitdruck. Mehr als die Hälfte empfindet psychischen Druck. Knapp ein Drittel sagt, unter Arbeitsdruck zu stehen.

    Vor allem ein Ergebnis verblüffte die Forscher: Viele Beschäftigte legen einen „Gerechte-Welt-Glauben“ an den Tag. Sie sagen, im Job und in der Welt geht es gerecht zu. Gänzlich unrealistisch ist das, sagt Held. „Das ist ein Abwehrmechanismus, der die eigene Zufriedenheit stabilisiert.“  Es existiere eine Tendenz zur positiven Selbsteinschätzung. Viele würden nichts von Kritik hören wollen. „Erzieherinnen“, erläutert der Leiter der Forschungsgruppe exemplarisch, „sind mit Abstand am zufriedensten mit ihrer Arbeit.“ Die hohe Zufriedenheit sei aber eher oberflächlich. Schließlich zeigten sie sich in hohem Maße unzufrieden mit der Bezahlung.

    Im Laufe der Zeit hat der Job für jungen Menschen immer mehr an Bedeutung gewonnen. Auch das ist ein Ergebnis der Studie. Es ist ihnen wichtig geworden, dass die Arbeit Spaß macht. Mit ihrer Firma fühlen sie sich verbunden und bringen ihr Engagement dort ein. „Junge Leute identifizierten sich sehr stark mit ihrer Beschäftigung“, urteilt Held.

    In dem starken Engagement sehen die Tübinger Forscher jedoch ein Problem. Heute tragen die Menschen die Arbeit in ihr Privatleben mit hinein, sagen sie, was bis hin zur Scheidung führen kann. Im Gegensatz zu früher würden heute private Probleme verdeckt gehalten. Damals sei das umgekehrt gewesen. Da hätten Beschäftigte für private Angelegenheiten ein Gehör bei den Kollegen gefunden. Junge Arbeitnehmer, so Forschungsleiter Held, haben heute Depressionen und wissen nicht, wo die Probleme herkommen. Erst beim Psychologen werde ihnen klar, dass die Arbeit Schuld an dem Tief ist und nicht sie selbst.
    „Den Leuten fehlt die Selbsteinsicht in ihre Situation“,  erläutert Held.

    Im Zuge ihrer Arbeit sind die Forscher immer wieder krassen Lebensläufen begegnet: Da wohnte die alleinerziehende Krankenpflegerin bei ihrer Mutter, um finanziell über die Runden zu kommen, und die Erzieherin ging nach der Arbeit in der Kita im Fitnessstudio jobben, um genügend Geld zum Leben zu haben. Übliche Beschäftigungsverhältnisse, schlussfolgern sie, werden immer prekärer.

    Die Untersuchung:
    Im Mittelpunkt der Studie „Was bewegt junge Menschen? Lebensführung und solidarisches Handeln junger Beschäftigter im Dienstleistungsbereich“ standen Baden-Württemberg, Brandenburg und Berlin. Dennoch, so die Autoren, treffen die Untersuchungsergebnisse ebenso auf die restlichen Bundesländer zu. Die Begründung: Die untersuchten Regionen sind wirtschaftlich unterschiedlich stark aufgestellt, zeigen aber kaum Unterschiede.

  • Ebay will anderes Image

    Viele Millionen Euro gegen den Ruf als Flohmarkt für Gebrauchtes

    Das Internet-Auktionshaus Ebay will sich mit großem Reklameaufwand ein neues Image verpassen. Das Unternehmen will weg vom Bild eines Gebrauchtwarenhändlers und sich künftig als „Einkaufsuniversum“ für neue und alte Produkte präsentieren. Nach Angaben von Markenchef Jan Waltenbauer kostet die dafür ins Leben gerufene Werbekampagne einen „signifikant zweistelligen Millionenbetrag“. Ab heute laufen die 30 Sekunden langen Streifen in allen wesentlichen TV-Sendern.

    Mit dem Imagewechsel will Ebay nachholen, was in der Handelspraxis längst der Fall ist. Die privaten Versteigerungen verlieren an Bedeutung. Immer mehr professionelle Händler nutzen die Plattform und bieten ihre Angebote dort zum Fixpreis an. „61 Prozent des Handelsvolumens wurden im letzten Jahr im Festpreisbereich abgewickelt“, berichtete Geschäftsführer Stephan Zoll. Das war im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs um 15 Prozent. Professionelle Händern stellen derzeit fast 60 Prozent der verkauften Artikel.

    Ebay will zudem stärker mit Markenherstellern zusammenarbeiten und mit den Unternehmen virtuelle Fabrikverkaufsstellen aufbauen. „Die Bedürfnisse und Ansprüche der Käufer haben sich verändert“, begründet Zoll die neue strategische Ausrichtung als Riesenkaufhaus im Internet. „Mein Ein für Alles“ lautet denn auch der Slogan der heute startenden Werbekampagne.

    Den finanziellen Aufwand für Fernsehspots und Zeitschriftenwerbung kann sich Ebay offenkundig leicht leisten. Nach Unternehmensangaben setzte das Internetportal im vergangenen Jahr gut 850 Millionen Euro um. Die Kennzahl nannte die Tochter des gleichnamigen US-Konzerns erstmals. Vergleichszahlen oder Zielmarken der neuen Richtung wollte Zoll nicht nennen. „Wir wachsen“, sagte der Manager lediglich. Ebay lebt von den Gebühren, die die Verkäufer der Waren abführen müssen.

    Private Auktionen sollen trotz des veränderten Schwerpunkts weiter Bestandteil bei Ebay bleiben. Doch das Hauptaugenmerk liegt auf den neuen Waren. Insbesondere bei Modeartikeln verzeichnet Ebay eine starke Nachfrage. Chancen rechnet sich das Unternehmen vor allem durch das gewaltige Angebot aus. Nach Firmenangaben sind ständig rund 30 Millionen Artikel im Angebot. Ebay zählt in Deutschland 16 Millionen aktive Mitglieder, rund fünf Millionen private und 160.000 gewerbliche Verkäufer.

  • „Gezielt ausländische Fachkräfte anwerben“

    Weil bald einheimische Spezialisten fehlten, brauche Deutschland mehr Menschen von außen, sagt Raimund Becker, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit. Schon jetzt herrsche ein Mangel an Ärzten

    Hannes Koch: Sie plädieren dafür, dass Deutschland Millionen zusätzlicher Einwanderer anwirbt. Warum?

    Raimund Becker: Wir müssen damit rechnen, dass im Jahr 2025 in Deutschland rund 6,5 Millionen Arbeitskräfte fehlen. Um den Wohlstand zu erhalten und die notwendigen Stellen in Krankenhäusern, Altenheimen und Industrieunternehmen zu besetzen, brauchen wir deshalb auch Menschen von außen.

    Koch: Sehr viele Deutsche lehnen eine weitere Zuwanderung ab. Gehen Sie mit Ihren Vorschlägen nicht das Risiko ein, dass rechtspopulistische Strömungen oder Parteien Zulauf erhalten?

    Becker: Wir sollten objektiv an die Dinge herangehen. Was bringt es, wenn in den Krankenhäusern Ärzte fehlen und die Patienten nicht angemessen versorgt werden? Schon heute herrscht in diesem Beruf ein Mangel. Und in Zukunft wird sich diese Lage noch verschärfen. Wenn Mediziner aus anderen Ländern zu uns kommen, nehmen sie also keinem Deutschen einen Arbeitsplatz weg.

    Koch: Wie könnte die Politik auf die ablehnende Stimmung reagieren?

    Becker: Man muss versuchen, mit rationalen Argumenten zu überzeugen. Angst vor Einwanderung haben ja häufig Menschen, die sich Sorgen um ihren Job machen. Das kann damit zusammenhängen, dass sie eher einfache Berufe mit geringeren Qualifikationen ausüben. Um diese Berufsgruppen geht es bei der Einwanderung, die wir brauchen, aber gerade nicht. Deutschland fehlen heute und in Zukunft vor allem Hochqualifizierte, Akademiker und spezialisierte Fachkräfte. Die Bundesagentur plädiert dafür, diese gezielt anzuwerben. Ein Verdrängungswettbewerb zu Ungunsten einheimischer Arbeitskräfte ist damit weitgehend ausgeschlossen.

    Koch: Heute sind noch drei Millionen Menschen in Deutschland erwerbslos. Wieso wird diese Situation später in einen Mangel an Arbeitskräften umschlagen?

    Becker: Weil zu wenige Kinder geboren werden und mehr Bürger in Rente gehen. Wenn parallel zu diesem Prozess das Wirtschaftswachstum wie bisher weiterläuft, braucht die Wirtschaft künftig viel mehr Menschen, als dann noch auf unserem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Den Effekt kann man teilweise heute schon beobachten. Vor zehn Jahren verließen jährlich rund 200.000 junge Leute die Schulen in den östlichen Bundesländern, heute sind es noch 120.000. In manchen Regionen suchen die Betriebe dringend nach Auszubildenden.

    Koch: Ließe sich die Lücke nicht schließen, indem man gezielt einheimische Arbeitskräfte in den Mangelberufen ausbildet?

    Becker: Die Bundesagentur wird gern ihren Beitrag dazu leisten, einheimisches Potenzial für den Arbeitsmarkt besser zu erschließen. Wenn wir ältere Arbeitnehmer und Frauen stärker in den Arbeitsmarkt integrieren könnten, dann gewönnen wir damit im günstigsten Fall etwa zwei Millionen Fachkräfte. Trotz dieser und anderer Maßnahmen prognostizieren wir aber eine weitere Lücke von etwa zwei Millionen Beschäftigten. Deshalb müssen wir uns Gedanken darüber machen, wie attraktiv unser Land für Einwanderer ist.

    Koch: Kanada ist ein Einwanderungsland. Die Regierung veröffentlicht eine genaue Liste mit Berufen, die die Einwanderer beherrschen sollten. Mit einer ähnlichen Idee ist Arbeitsministerin Ursula von der Leyen gerade an ihren Parteifreunden gescheitert. Wie stehen Sie dazu?

    Becker: Es wäre gut, wenn Deutschland einen Kriterienkatalog für Zuwanderer erstellen würde. Darin könnten kulturelle Merkmale wie beispielsweise Sprachkenntnisse enthalten sein, aber auch berufliche Anforderungen. Letztere sollten im Vordergrund stehen. Gegenwärtig würde ich Elektro- und Maschinenbau-Ingenieure, sowie Ärzte auf die Liste setzen.

    Koch: Wäre es ratsam, die Zahl der einwandernden Mediziner und Techniker zu beschränken?

    Becker: Nein, denn wir müssen zuerst erreichen, dass diese Fachkräfte tatsächlich kommen. Wer die Qualifikation und eine Arbeit nachweist, den sollten wir willkommen heißen. Das heißt, dass auch die Familien mitkommen dürften. Später könnte man das Verfahren auf weitere Berufe ausdehnen – beispielsweise Informatik-Fachkräfte, examinierte Krankenschwestern oder Altenpfleger.

    Bio-Kasten

    Raimund Becker (52) ist Vorstand der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg für den Bereich Arbeitslosenversicherung.

    Info-Kasten

    Pro und Contra Anwerbung

    In den 1960er Jahren warb Deutschland Industriearbeiter aus Spanien, Italien, der Türkei und anderen Staaten an, um die große Zahl freier Stellen zu besetzen. Nun debattiert die Regierung über die gezielte Einwanderung hochqualifizierter Spezialisten wie Ärzte, Ingenieure für Maschinenbau und Elektronik. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ist dafür, wie er gestern sagte. Große Wirtschaftsverbände wie der DIHK sind ebenfalls dafür. Und auch CDU-Politikerinnen wie Arbeitsminister Ursula von der Leyen plädieren für mehr Zuwanderung. Die Ministerin will die Einkommensgrenze senken, die bisher den Zuzug erschwert, die Vorrangprüfung einschränken, die deutsche Arbeitskräfte begünstigt, und eine Liste mit gesuchten Qualifikationen für die gezielte Anwerbung veröffentlichen. Ablehnend äußerten sich bislang unter anderem Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) und CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach.

  • 'We Were Not a Very Open Company Before'

    An Inside Look at Apple Supplier Foxconn

    Secretive electronics giant Foxconn, which makes products for Apple and other Western firms, attracted unwanted publicity in 2010 when 13 workers committed suicide. In a visit to its plants in China, SPIEGEL ONLINE saw how the company has responded, including measures such as appointing counselors and installing anti-suicide nets.

    They jog in orderly rows of twos through the industrial area. The young people, who look about 19 or 20, hope to be future builders of the iPad. Each of them holds a brown envelope in his or her left hand that contains their job application. At the foreman's command, they turn a corner onto the steps of the recruitment office.
    They are here because of electronic component manufacturer Foxconn, which is hiring tens of thousands of employees. The company has built new factories in the Chinese city of Chengdu to produce millions of iPads for Apple. The supplier is known for the strict rules it imposes on its employees. Last year, that strict discipline may have helped lead to the 13 suicides of workers at a Foxconn facility in Shenzhen. At the time, observers spoke of terrible working conditions there.
    SPIEGEL ONLINE visited the Chengdu plant to examine the question of whether the company is now treating its employees better.
    'Work Is Work'
    "We are not allowed to talk while we are working," says 19-year-old Wang Cui, whose name was changed for this story. She has prominent eyes and dark skin, and wears a blue vest with the Foxconn logo over her white plastic jacket. Her long fingernails are well cared-for. She does not work on the production line, but instead performs quality control on iPad housings.
    Is she bothered by the strict rules? "Work is work, the rest is the rest," says Wang, shrugging her shoulders. She says she fears the foremen. "The supervisors do not respect the workers," she says, adding that her colleagues have been punished even for small mistakes. The supervisors forced them to stand between the production lines for all to see — almost as if they were in the pillory.
    "Order and obedience rule here," says Wang. Her colleagues nod.
    Foxconn concedes the possibly that there might have been misconduct. "We do not support it, but cannot rule out that it can happen," the company said in a statement. "But we want to change that."
    Obligatory Overtime
    At lunchtime thousands of workers stream out of the factory and into the area in front of the factory's gate. The food in the factory's cafeteria is not to their taste, so they buy noodles in plastic bowls and steamed vegetables from food stands mounted on bicycles and motorcycles. Trucks with heavy loads squeeze their way through the crowds on their way to the factory, honking their horns.
    "I work from Monday to Saturday, 12 hours a day," says Zhang Feng, 20, who also works in quality control. He has combed his dyed-brown hair diagonally across his face, following a Japanese fashion. Two obligatory overtime hours are included in each work day, and Saturdays also count as overtime. "That makes almost 20 overtime hours per week," says Zhang, "and a total of 80 a month."
    These working hours are standard at Foxconn in Chengdu, but Chinese labor laws only allow 36 overtime hours a month. "The overtime at Foxconn often exceeds the legal limit by more than 100 percent," says Chan Sze Wan of the Hong Kong-based workers' rights non-profit Sacom. Together with the campaign "Make IT Fair," which is being supported by the European Union, Chan regularly investigates the working conditions at Foxconn.
    The company says it is pursuing the goal of limiting overtime to 36 hours per month. Along those lines, it is working in conjunction with local authorities to build more dormitories and factories. "In addition, we are working on making the basic wage high and ensuring that employees do not have to work overtime just to cover their basic needs," says a spokesperson.
    City within a City
    The construction of factories in Chengdu only began last year, but 100,000 people are already working there. Few outsiders have visited the plants in that time.
    Foxconn, which is based in Taiwan, has its main factory in mainland China in Shenzhen, which is 1,500 kilometers south of Chengdu, near Hong Kong. Here, everything looks orderly. About 400,000 people work here in a factory complex that is several square kilometers in size — a city within a city. In the past, outsiders were not able to visit the campus, but the company now allows visitors to this facility in a bid to improve its image following the series of suicides in 2010.
    Dozens of production lines stand next to each other in the brightly-lit factory buildings, which are hundreds of meters long. The shiny floors are painted gray. Everything is extremely clean, almost sterile. The workers who put together the iPhones, MacBooks and other products wear anti-static jackets. Visitors have to wear caps and put covers on their shoes, so they don't bring in any dirt.
    Some of the production steps are fully automated. But many employees have to repeat the same monotonous hand movements thousands of times a day. Talking is not allowed unless it is absolutely necessary, and workers have to ask their supervisors for permission to use the restroom.
    Safety Nets
    The main street that leads, past barriers and control points, from the factory gate to the interior of the extensive grounds is lined with palm trees and flower beds. There are banks, stores, libraries, swimming pools and cafés where one can get a good cup of espresso.
    Only the safety nets attached to the facades of the taller buildings do not fit so well with the image of a civilized industrial compound. They were installed a year ago to prevent future distraught employees from jumping to their deaths. At the same time, the company opened a "care center" in which advisers are available around the clock to help employees with their personal and work problems.
    "We were not a very open company before," says Foxconn manager Louis Woo. "But now we are listening more to our employees in order to learn what they expect from life." A distinguished-looking 63-year-old, he is wearing a shirt with suspenders and has shed his jacket on account of the heat.
    He says he knows that Chinese labor law only allows for 36 hours of overtime a month, but explains that a lack of infrastructure makes it hard to adhere to the guidelines. "That should not be an excuse," Woo says. "We don't want to break the rules. In order to abide by them, we are building more factories and more dormitories for the workers, and we are hiring more people."
    Violating Apple's Code of Conduct
    In other words, the demand from Apple, Nokia, Sony and other big-name companies is so high that Foxconn is simply letting its workers work over the legal limits.
    In theory, this business practice violates the code of conduct that Apple requires of its producers. Their policy dictates that working hours should not exceed legal limits under any circumstances.
    But when contacted by SPIEGEL ONLINE, Apple spokesman Alan Hely did not address the issue of overtime. Instead, he merely pointed out the improvements that Foxconn has undertaken since 2010.

  • Wettbewerb auf der Schiene bedroht

    Bei Ausschreibungen im Nahverkehr bieten immer weniger Privatbahnen mit / Verbände beklagen ungleiche Startbedingungen

    Die marktbeherrschende Stellung der Deutschen Bahn (DB) ist trotz der Marktöffnung noch immer unangefochten. Das geht aus dem Wettbewerber-Report 2010/2011 hervor, den die Konkurrenten in Auftrag gegeben haben. Danach bestreitet die DB im Nahverkehr noch 87,5 Prozent der Verkehrsleistung, im Fernverkehr sogar 99 Prozent. Nur beim Gütertransport haben die Wettbewerber dem Konzern bereits ein Viertel des Verkehrs abgenommen.

    Von neuen Anbietern versprechen sich vor allem die öffentlichen Auftraggeber für den Nahverkehr bessere Leistungen bei geringeren Kosten. Das belegen auch die Ergebnisse bisheriger Ausschreibungen. „Wettbewerb ist erfolgreich, wenn er stattfindet“, bestätigt der Chef des Nahverkehrsverbands BAGSPNV, Bernhard Wewers. Genau dies ist aber laut Wettbewerbsreport immer seltener der Fall. 2010 ging die durchschnittliche Bieterzahl bei Ausschreibung auf nur noch 2,4 zurück. In einigen Fällen machte nur ein Unternehmen dem Platzhirschen DB Regio Konkurrenz.

    Der hohe Marktanteil der DB resultiert noch aus Zeiten, in denen viele große Aufträge direkt an den Konzern vergeben wurden. Diese Praxis wurde mittlerweile gerichtlich verboten. Dennoch ziehen sich Unternehmen zurück, wie der Autor des Report, der Verkehrsexperte Michael Holtzey, beobachtet. Dafür gebe es mehrere Gründe. Einer davon sind die stetig steigenden Preise für die Nutzung von Trassen und Bahnhöfen. Eine zweite Ursache sehen die Privatbahnen in den Strompreisen der Bahn. Zudem haben sie Schwierigkeiten beim Kauf von Zügen. An diesen Punkten sehen sich die Konkurrenten benachteiligt.

    Deshalb plädiert der Chef des Unternehmensverbands Mofair, Wolfgang Meyer, für eine unabhängige Führung des Netzes. „Für uns ist es zentral, das wir eine Konzerntrennung bekommen“, sagt Meyer. Derzeit würden die Privatbahnen mit den Gebühren die Gewinne der DB finanzieren.

    Die Deutsche Bahn widerspricht dem Report vehement.. Die Vorwürfe könnte widerlegt werden, teilte der Konzern mit und verwies auf mittlerweile 340 neue Bahnen auf den Gleisen. Im Nahverkehr kämen die Wettbewerber gemessen an den Zugkilometern bereits auf einen Marktanteil von 22 Prozent, erläutert die DB. Ebenso weist die Bahn den Vorwurf zu hoher Preise zurück. „Weder behindert die DB den Marktzutritt anderer Unternehmen, noch werden DB-eigene Transportunternehmen bevorzugt“, hieß es weiter. Die Trennung von Netz und Betrieb lehnt der Konzern weiterhin ab.

    Doch der Report zeigt noch eine Entwicklung. „Der Mittelstand ist einfach weg“, stellt Torsten Severin vom Netzwerk Privatbahnen fest. Diese Beobachtung bestätigt der Report. Immer wieder wechseln Bahnunternehmen den Besitzer. Wenn die mittelständischen Firmen übernommen werden, steckt hinter dem Käufer mittlerweile meist eine ausländische Staatsbahn. „Wir haben einen klaren Trend zur Staatsbahnisierung“, erläutert Holtzey.

  • Wieder Tote in der Apple-Produktion

    Durch Explosion beim iPad-Produzenten Foxconn im chinesischen Chengdu sterben drei Menschen. Beschäftigte beklagen schlechte Arbeitsbedingungen

    Wieder muss Apple-Lieferant Foxconn Todesfälle unter Arbeitern in China melden. Wie erst jetzt bekannt wurde, sind Ende der vergangenen Woche drei Arbeiter im Foxconn-Werk in Chengdu gestorben, wo iPads produziert werden. 15 weitere Beschäftigte wurden verletzt, erklärte der taiwanesische Konzern. Als Ursache gab die Firma an, dass staubförmiger Brennstoff in einer Leitung explodiert sei.

    Vor etwa einem Jahr hatten sich 13 Arbeiter und Arbeiterinnen im Foxconn-Werk in Shenzhen bei Hongkong das Leben genommen. Sie stürzten sich aus den höheren Stockwerken der Fabrik in den Tod. Kritiker führen die Selbstmorde auch auf harte Arbeitsbedingungen und Perspektivlosigkeit der Beschäftigten zurück. Nach den Suiziden hatte Foxconn unter anderem den Lohn in Shenzhen nahezu verdoppelt und psychologische Berater eingestellt.

    Der aktuelle Unfall ereignete sich in der neuen Foxconn-Fabrik in Chengdu, etwa 1.500 Kilometer nördlich von Hongkong. Foxconn-Chef Terry Gou hatte sich anlässlich der Eröffnung gerühmt, das Werk sei in der „Weltrekord“-Zeit von nur 76 Tagen errichtet worden. Dies könnte eine Ursache der Probleme sein: Die Anlagen, in denen gegenwärtig rund 100.000 Menschen arbeiten, sind noch immer Baustelle und Produktionsstätte zugleich.

    Im persönlichen Gespräch mit der Deutschen Welle in Chengdu klagten Foxconn-Beschäftigte unlängst über die schlechten Arbeitsbedingungen. „Die Produktionshallen sind sehr dreckig“, sagte ein 25jähriger Arbeiter, der in der Qualitätskontrolle der iPads tätig war. Ein Besuch der Fabrik bestätigt diesen Eindruck: Die Straßen zwischen den Hallen, in denen die Produktion bereits läuft, sind teilweise noch nicht asphaltiert, sondern Schlammpisten. An vielen Stellen liegen Stahlträger und anderes Baumaterial herum, weil weitere Hallen hochgezogen werden.

    Dass aus diesem Nebeneinander von Bau und Produktion Sicherheitsprobleme resultieren können, betont die Organisation Sacom (Studenten und Professoren gegen das Fehlverhalten von Unternehmen). Auf die schlechte Lüftung und die hohe Staubbelastung in dem Teil der Fabrik, in dem nun offenbar die Explosion stattgefunden hat, wiesen die Kritiker bereits vor Monaten hin.

    „Die Kantinen sind zu klein und überfüllt“, berichteten Arbeiter gegenüber der DW außerdem. Der Ausbau der Sozialinfrastruktur hält mit dem Wachstum der Fabrik offenbar nicht Schritt. Die Zimmer in den Wohnheimen außerhalb der Fabrik seien mit jeweils acht Personen belegt, sagen Beschäftigte.

    Foxconn-Manager Louis Woo räumte im Gespräch mit der Deutschen Welle auch ein, dass das Unternehmen gegen die Überstunden-Regelung des chinesischen Arbeitsgesetzes verstoße. Während darin die Zahl der monatlichen Überstunden auf 36 begrenzt ist, leisten Foxconn-Arbeiter bis zu 80 oder mehr pro Monat. Woo führt dies auf die große Nachfrage nach Foxconn-Produkten zurück. Um die hohe Zahl der Überstunden zu reduzieren, „bauen wir mehr Fabriken, errichten in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden mehr Infrastruktur und stellen mehr Leute ein“.

    Die Arbeitsbedingungen bei Foxconn in Chengdu sind vergleichbar mit der Situation in Europa vor 90 Jahren. In den Fabriken herrscht oft harte, fast militärische Disziplin. Die Beschäftigten dürfen sich kaum miteinder unterhalten. Die Löhne reichen knapp für´s Leben, ermöglichen aber nicht die Gründung einer eigenen Familie. Mit 12 Stunden pro Tag sind die Arbeitszeiten lang und lassen wenig Platz für Freizeit und Kultur. Der Widerspruch zwischen dem eigenen kärglichen Dasein und dem umgebenden Reichtum des 21. Jahrhunderts erzeugt bei vielen Beschäftigten Enttäuschung.

  • Von der Energiewende zur Demokratiewende

    Um die Bürger vom Umbau der Energiewirtschaft zu überzeugen, ist mehr Beteiligung an der Planung der Bauvorhaben notwendig

    Filmregisseur Thomas Jakob lebt in einem Dörfchen mit 68 Einwohnern am idyllischen Spreewald in Brandenburg. In den dritten Fernsehprogrammen läuft noch sein Heimatfilm „Die Hüttenwirtin“, den er vor anderthalb Jahren gedreht hat. Aber auch ohne einen neuen Film hat der 68Jährige genug zu tun. „Ich kämpfe“, sagt er. Drei Kilometer von seinem Dorf Glietz entfernt stehen elf Windräder. „179 Meter hoch“, so Jacob, „von der Dorfstraße aus kann man sie sehen.“

    Dass die modernen Kraftwerke auch an vielen anderen Orten gebaut werden, will Jacob verhindern. In Brandenburg spricht er für 26 Bürgerinitiativen, die sich gegen Windanlagen engagieren. Einen bundesweiten Verband gegen Windräder wollen die Aktivisten bald gründen.

    Die Zersiedlung der Landschaft, die Schlagschatten der Rotoren, die Geräusche – das ist das Eine. Mindestens ebenso aber stört Jacob der Eindruck, dass Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck die Windparks rigoros gegen die Interessen der Bürger durchsetze. „In der Regel werden die Anwohner systematisch von der Planung ausgeschlossen.“

    Keine Frage, dass die Landesregierung diesen Vorwurf zurückweist. Erst kürzlich hat Wirtschaftsminister Ralf Christoffers lange mit den Initiativen debattiert. Vielleicht werden die Formalitäten tatsächlich eingehalten. Und doch bleibt ein entscheidender Punkt: Im Zusammenhang mit dem Ausbau der erneuerbaren Energie beklagt sich eine nennenswerte Anzahl von Bürgern über ein Demokratiedefizit.

    Das ist ein Problem. Eines, das den Neubau tausender Wind- und Solarkraftwerke, der dringend notwendigen Stromleitungen, die gesamte Energiewende blockieren kann, die durch den schnelleren Ausstieg aus der Atomkraft in greifbare Nähe rückt. Wenn der Umbau des Energiesystems – eine Mega-Aufgabe für die kommenden 50 Jahre – gelingen soll, darf die Politik dies nicht gegen eine breite Protestbewegung durchsetzen. Die Frage lautet: Wie schaffen es die Regierungen, mehr Akzeptanz für die Energiewende zu organisieren?

    Thomas Jacob kennt die Antwort bereits. „Wir fordern eine nachvollziehbare Planung unter Beteiligung der Bürger.“ Und was wäre, wenn diese Forderung erfüllt würde? Gäbe es dann keinen Protest gegen Windkraftwerke mehr? „Wenn nach einem transparenten Verfahren 60 Prozent der über Windkraft aufgeklärten Bürger einer Planungsvariante für den Ausbau zustimmten, würden wir unsere Gegenwehr einstellen.“ Das klingt auch nach einem Hintertürchen. Trotzdem: Mehr Bürgerbeteiligung, mehr Mitbestimmung kann dazu beitragen, politische Konflikte zu entschärfen – siehe die Schlichtung um den Bahnhof Stuttgart 21.

    Anstrengungen in diese Richtung seien überfällig, meint Miranda Schreurs. Die Professorin für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin sitzt in der Ethikkommission, die im Auftrag von Kanzlerin Angela Merkel über den Atomausstieg berät. Schreurs, eine Amerikanerin, die seit Jahren in Deutschland arbeitet, sagt: „Vieles wird hier noch im Top-Down-Verfahren entschieden.“ Ihr Rat: „Die Politik sollte eine grundsätzliche Debatte über das neue Energiesystem eröffnen.“

    Wie schnell wollen wir den Systemwechsel bewerkstelligen? Auf welche Energiequellen setzen wir besonders? In welchen Bundesländern finden sich die besten Standorte für die neuen Kraftwerke – gemessen an nachvollziehbaren Kriterien? Dies sind nur einige der Fragen, die öffentlich zu debattieren wären.

    In diese Richtung denkt auch Lutz Mez, Politologe der Freien Universität. „Heute fühlen sich viele Leute nicht ernstgenommen“, so Mez. „Die Regierungen sollten die Bürger zu Versammlungen einladen, um mit ihnen in einem möglichst offenen, moderierten Prozess zu diskutieren.“

    Wie darf man sich das vorstellen? In einem bundesweiten Verfahren müsste dieser Prozess wahrscheinlich über ein, zwei Jahre ablaufen. Beraten durch Fachleute, würden die Bundes- und Landesregierungen den Deutschen einen groben Plan für den Umbau des Energiesystems vorlegen. Die Haltung der Bürger dazu würde in Versammlungen auf Gemeinde-, Kreis-, Landes- und Bundesebene ermittelt und das Umbaukonzept entsprechend verändert. Man kann die Hoffnung hegen, dass der neue Masterplan nach mehreren Rückkopplungsschleifen auf breiterer Unterstützung basiert als ohne Partizipation.

    Mit der Energiewende käme so auch die Demokratiewende. Denn klar ist, dass ein derartiger Prozess im Rahmen der heutigen Institutionen unmöglich ist. Dass man neue Verfahren der Mitbestimmung entwickeln muss, darauf weist Politologe Claus Leggewie im Interview hin. Beispielsweise Zukunftskammern könnten die Gesetzgebung der Parlamente ergänzen. Und auch Lutz Mez sagt: „Wir brauchen eine Revitalisierung der Demokratie – sonst gibt es begreiflicherweise Widerstand.“

    Das ist die politische Dimension, um mehr Akzeptanz für die Energiewende herzustellen. Es gibt aber auch den ökonomischen Aspekt. Wer verdient an den Windparks? Warum sollten Bürger die Spargel auf den Hügel toll finden, wenn sie nicht selbst davon profitieren, sondern nur eine Betreibergesellschaft, die weit weg, in Hamburg oder Frankfurt sitzt?

    Möglicherweise sähe die Lage anders aus, gehörten den Einwohnern der Dörfer Anteile der neuen Kraftwerke. „Es wäre hilfreich, wenn die finanzielle Beteiligung der Bürger beispielsweise an Windparks politisch unterstützt und gefördert würde,“ sagt Mez deshalb. Wer die Energiewende wolle, solle sie mit neuen Eigentumsstrukturen untermauern. In Dänemark wurde diese Idee in den 1990er Jahren bereits ausprobiert und hat gut funktioniert.

  • Ampelfarben für Restauranthygiene

    Länder wollen einheitliche Kennzeichnung für Hygiene in der Gastronomie einführen

    An diesem Donnerstag wollen die Verbraucherminister der Länder in Bremen den Weg für ein Hygienebarometer in Gaststätten und Imbissbuden freimachen. Die Gäste sollen künftig schon am Eingang zum Speiseraum erkennen, ob die Lebensmittelkontrolleure hygienische Mängel in Küche, Toilette oder Lagerräumen gefunden haben. Im Gegensatz zur bisherigen Praxis wollen die Behörden ihre Untersuchungsergebnisse ab 2012 in Form eines „Kontrollbarometers“ veröffentlichen. Dieses Balkendiagramm zeigt die Ampelfarben. Zeigt der darüber angebrachte Pfeil auf den grünen Bereich, ist alles in Ordnung. Bei gelb wurden die gesetzlichen Bestimmungen nur teilweise erfüllt, bei rot nur unzureichend.

    „Wir brauchen ein einheitliches und verbindliches Modell, das Aktualität und Verlässlichkeit sicherstellt“, sagt der Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, Robert Kloos. Bei gravierenden Verstößen gegen die Hygienepflichten sei es mit einer Kennzeichnung nicht getan. In diesen Fällen müssten die zuständigen Behörden den betroffenen Betrieb sperren. Der Bund will nun zügig die Rechtsgrundlage für das einheitliche Prüfsystem schaffen.

    Das Kontrollbarometer wird nach dem Vorbild des dänischen Smiley-Systems eingeführt. Im Nachbarland signalisiert ein Smiley am Eingang der Gaststätten, ob es drinnen sauber zugeht oder nicht. Das kann der Gast am Gesichtsausdruck des Aufklebers erkennen. In Deutschland hat sich als erstes der Berliner Bezirk Pankow hervorgewagt und von den Lebensmittelkontrolleuren entdeckte Missstände im Internet veröffentlicht.

    Nun sollen die Prüfergebnisse bundeseinheitlich gestaltet werden. Die Betriebe werden auf eine ganze Reihe von Merkmalen hin überprüft. Dazu gehört die Hygiene in der Lebensmittelproduktion und beim Personal, die bauliche Beschaffenheit, die Eigenkontrolle oder die Temperaturen bei Lagerung und Verarbeitung der Nahrungsmittel. Für Mängel verteilen die Prüfer Punkte, insgesamt bis zu achtzig. Wer weniger als 40 Punkte erhält, bleibt im grünen Bereich. Zwischen 40 und 60 Punkten landet das Restaurant im gelben Bereich, bei einem höheren Wert setzt es rot.

    Zunächst muss sich die Gastronomie dieser Bewertung stellen, sofern die Länder die Einführung heute auch beschließen. In einer zweiten Stufe folgen Bäckereien und Fleischereien. Später kommen Kantinen oder Cateringfirmen, der Einzelhandel und am Ende auch Wochenmärkte dazu.

    Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert schnellstmöglich mehr Transparenz. „Es ist Zeit, endlich die Verbraucher vor Schmuddelbetrieben zu schützen statt wie bisher Schmuddelbetriebe vor dem Verbraucher“, fordert Foodwatch-Vize Matthias Wolfschmidt. Alle Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen müssten veröffentlicht und das System auf alle Lebens- und Futtermittelbetriebe ausgeweitet werden. Wolfschmidt erhofft sich davon einen höheren Druck auf die Branche, in der die Behörden fast jeden vierten geprüften Betrieb beanstanden.

    Ganz anders sieht der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) das Vorhaben. „Dieses System ist geeignet, Existenzen zu gefährden“, warnt Verbandspräsident Ernst Fischer. Die Gastwirte befürchten Umsatzeinbrüche, wenn das Prüfergebnis nicht gut ausfällt. Die große Sorge des Dehoga ist der fehlende Anspruch der Gastronomen auf eine zeitnahe Nachkontrolle. Mängel sind vielleicht längst beseitigt worden. Doch der Betrieb muss bis zur nächsten Prüfung mit einer Warnfarbe im Eingang leben.

  • Guten Appetit!

    Kommentar

    Transparenz ist die einfachste Formel für einen besseren Verbraucherschutz. Unternehmen lassen sich ungern in die Karten schauen. Auch bei den Behörden ist es mit der Offenheit oft nicht weit her. Dabei können die Konsumenten nur dann die richtigen Entscheidungen treffen, wenn sie gut informiert sind. Daran hapert es oft.

    Die nun beschlossene Einführung einer Restaurant-Ampel zeigt, dass es auch anders und besser geht. Die Gäste wird es freuen, weil sie auf leicht verständliche Weise eine echte Hilfe bei der Auswahl eines Lokals an die Hand bekommen. In welcher Küche hygienisch geschludert wird, ist künftig auf einen Blick zu erkennen. Allein schon die Furcht vor einer solchen Brandmarke dürfte in der Gastronomie positive Wirkung zeigen. Dabei machen die Behörden eigentlich nur etwas selbstverständliches, in dem sie die Kontrollergebnisse der Lebensmittelüberwachung in einem Gesamtwert für jedes Restaurant zusammenfassen und veröffentlichen. Die Farbe grün zeigt, dass es sich Gäste hier mit gutem Appetit schmecken lassen können. So einfach kann Verbraucherschutz sein.

    Die Angst der Gastronomen vor der Ampel ist übertrieben. Allerdings müssen die Länder auch eine ausreichende Kontrolldichte sicherstellen, damit Veränderungen auch zeitnah abgebildet werden. Es ist auch nicht so, dass ein Restaurantbesitzer für Kleinigkeiten abgestraft wird. Den abschreckenden roten Balken bekommt nur zugewiesen, der massiv gegen die Vorschriften verstößt. Und das hat sich diese Küche dann auch verdient.

  • Der Blick auf den Gehaltsscheck

    Neue Studie verrät, wie viel Hochschulabsolventen im ersten Job verdienen

    Wie viel kann ein Uni-Absolvent eigentlich verdienen? Bekommt ein Akademiker mit Master-Abschluss tatsächlich mehr als einer mit Bachelor-Abschluss? Und in welcher Branche lockt der Spitzenverdienst? Diesen Fragen ist eine aktuelle Studie nachgegangen.

    Deutschlandweit 902 Hochschulabsolventen hat der Personalvermittler alma mater für seine „Gehaltsstudie 2011“ befragt. Rund 40.000 Euro brutto – so das Ergebnis der Untersuchung – verdienen Berufseinsteiger im Schnitt. Von Region zu Region sehen die Verdienstmöglichkeiten allerdings recht unterschiedlich aus: Auf das höchste Gehalt können sich Erstjobber in Schleswig Holstein freuen. Fast 2.000 Euro über dem Durchschnitt zahlen Firmen hier. In Bayern und dem Saarland gibt es rund 1.300 Euro und in Baden-Württemberg immerhin 1.000 Euro mehr. Finanziell am schwächsten stehen die Jungakademiker der Hauptstadt da. Der Berliner Wirtschaft ist eine studierte Arbeitskraft direkt nach dem Abschluss jährlich rund 38.800 Euro wert.

    Branche, Funktion und Unternehmensgröße entscheiden unter anderem, wie gut oder wie schlecht die Bezahlung ausfällt. „Wie in 2010 sind es die Branchen Medien, Zeitarbeit, öffentlicher Dienst und sonstige Dienstleistungen, in denen Absolventen weniger verdienen als in anderen Branchen“, urteilen die Autoren der Studie. Aber auch die Tourismusbranche liefere den Untersuchungen zufolge ein „ernüchterndes Ergebnis“. Mit einer Gehaltsspanne zwischen 24.000 und 30.000 Euro bildet sie das Schlusslicht.

    Anders sieht es in den Branchen Automotive, Elektrotechnik, Maschinenbau aus. Hier lassen sich besonders hohe Gehälter erzielen, was auch in der Chemie, bei den Banken, in der Baubranche und in der Konsum- und Gebrauchsgüterherstellung, möglich ist. Mindesten 38.000 Euro verdienen studierte Neueinsteiger hier. Maximal sind rund 50.000 Euro möglich.

    Die weit verbreitete Annahme, dass Unternehmensberater Top-Verdienste mit nachhause bringen, bestätigt die Studie im Übrigen nicht. „Das Klischee, dass Berater Spitzenlöhne verdienen, trifft nur auf die Big-Player zu“, so alma mater-Mitarbeiterin Sabrina Schmalisch. Davon gebe es in Deutschland vielleicht ein Dutzend. Auf dem Markt befänden sich aber sehr viele solcher Firmen – auch sehr kleine mit weitaus geringeren Umsätzen.

    Auch die Anzahl der Kollegen entscheidet, wie viel Geld letztendlich auf das Konto geht: „In Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern sind die Verdienstmöglichkeiten erwartungsgemäß hoch“, lautet das Fazit der Autoren. Mehr als acht Prozent über dem Durchschnitt, so das Ergebnis, zahlen Konzerne ihren Junior-Arbeitnehmern.

    Und wie steht es um die einzelnen Hochschulabschlüsse? Die, so die Verfasser, haben einen großen Einfluss auf die Gehälter. Hat ein Unternehmen 100 bis 999 Mitarbeiter, zahlt es bei einem Bachelor-Abschluss erst einmal 38.170 Euro im Schnitt pro Jahr. Etwas höher, mit 40.062 Euro, wird das Diplom in derselben Unternehmensgröße entlohnt. Und Absolventen mit Master-Titel können durchschnittlich mit 40.281 Euro rechnen. Ebenso unterschiedlich steht es um die Einkommenschancen in den meisten anderen Firmengrößen. Lediglich in Kleinstunternehmen mit unter zehn Mitarbeitern liegen die Gehälter auf fast gleicher Höhe. Absolventen mit Bachelor-Abschluss, so die Studienmacher, haben nach wie vor meist das Nachsehen.

    Seit 2005 untersucht alma mater die Einstiegsgehälter. Dabei fallen immer wieder Veränderungen auf. Alma mater-Mitarbeiterin Schmalisch vermutet, dass sich die Unternehmen je nach wirtschaftlicher Lage gerade bei den Einstieggehältern  flexibel zeigen. Unterstützung in dieser Annahme bekommt sie von Stefanie Zimmermann, Redaktionsleiterin im Staufenbiel Institut, wo man ebenso die Trends bei den Einstiegsgehältern beobachtet. Sie sagt: „Die wirtschaftliche Gesamtlage spielt eine große Rolle dabei, dass es bei den Einstiegsgehältern nie einfach nur bergauf, sondern auch mal runter geht – oder es sich kaum etwas tue“.

    Aber auch Angebot und Nachfrage bestimmen die Gehälter in den verschiedenen Branchen. „Wenn Unternehmen händeringend nach Absolventen bestimmter Fachrichtungen wie Ingenieure oder IT-Experten suchen, weil sich der Fachkräftemangel bemerkbar macht“, so Zimmermann, „kann das die Gehälter in die Höhe treiben.“ In Branchen, wo ein großes Angebot an potenziellen Mitarbeitern bestehe – wie der Medienbranche – drücke das die Gehälter.

  • „Unbewusster Konsum ist zum Problem geworden“

    In vielen Lebensmitteln für Kinder stecken Aromen. Eigentlich gehören die da aber nicht rein, sagt Ulrich Fegeler. Im Gespräch erklärt der Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, wie genau es Eltern mit den geschmacklich aufgepeppten Speisen für den Nac

    Mandy Kunstmann: Herr Fegeler, gehören industriell hergestellte Aromen in Kindernahrung?

    Ulrich Fegeler: Eigentlich nicht. Grundsätzlich sollten Kinder nur mit natürlichen Substanzen konfrontiert werden. Das Problem ist allerdings, dass Eltern manchmal nur schwer erkennen können, ob Lebensmittel Zusatzstoffe enthalten. Selbst in Bio-Ware ist nicht immer nur Bio drin. Eltern sollten deshalb Babynahrung lieber selbst mit frischen Zutaten zubereiten.

    Kunstmann: Es heißt, Aromastoffe machen Kinder dick.

    Fegeler: Zuallererst betonen Aromen bestimmte Geschmacksrichtungen. Die Hersteller zeigen sich da recht experimentell und übertreiben es bisweilen. Die Lebensmittel sollen den Kindern lecker schmecken, was den Verkauf fördert. Von leckeren Sachen isst man eben mehr. Und das kann zu Übergewicht führen.

    Kunstmann: Viele Kinder bevorzugen aromatisierten Quark und finden frische Erdbeeren mit Quark absolut nicht lecker. Was können Eltern dagegen tun?

    Fegeler: Statt den Quark aus dem Kühlregal zu kaufen, sollten sie ihn selbst anrühren – und dabei die Kinder mit einbeziehen. Die finden es toll, wenn sie beschäftigt werden. Für sie ist es hochinteressant, wenn sie lernen, wie sich das Vanillemark aus der Schote holen lässt oder wie man eine Zitrone ausquetscht. Allerdings setzt so etwas Zuwendung und Zeit voraus. Eltern sollten sich das leisten.

    Kunstmann: Darf Zucker in den Quark?

    Fegeler: Klar darf es auch Zucker sein. Es müssen auch nicht ausschließlich reine Nahrungsmittel sein. Süßigkeiten und ab und an mal Zusatzstoffe sind okay. Eltern sollten die Produkte jedoch kontrolliert aussuchen. Unbewusster Konsum ist heute zum Problem geworden.

    Kunstmann: Was meinen Sie damit?

    Fegeler: Kinder bekommen alle Nase lang Süßigkeiten zugesteckt. Wenn sie an der Supermarktkasse quengeln, gibt es eben einen Schokoriegel. Darüber sollten sich Eltern hinwegsetzen. Gut ist es, wenn sie einen Süßigkeiten-Tag einführen.

    Kunstmann: Da gibt es dann an einem bestimmten Tag der Woche die Süßigkeiten, die sich das Kind wünscht?

    Fegeler: Nicht ganz. Eine Begrenzung ist schon notwendig. Mit großen Mengen können Kinder nicht haushalten und essen alles auf einmal auf. Unter der Woche kann man ja dann noch mal ein Eis schlecken. Ganz so streng darf es eben nicht sein. Und für den Süßigkeiten-Tag gilt: Die Auswahl der Süßigkeiten können Eltern auch mit Spielen verbinden. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

    Bio-Box: Dr. Ulrich Fegeler (62) ist seit 2007 Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Er ist Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde in einer Praxisgemeinschaft in Berlin.

  • Aroma: Natürlich ist nicht gleich natürlich

    Prangt auf dem Erdbeerjoghurt „natürliches Aroma“, heißt das noch lange nicht, dass der süßlich beerige Geschmack von den roten Früchten kommt. „Natürlich“ heißt auf Lebensmitteletiketten lediglich, dass bei der Aromaherstellung Rohstoffe zum Einsatz kommen, die in der Natur vorhanden sind. Und das können Pflanzen, Tiere oder gar Mikroorganismen sein.  

    Eins vorab: Ein Aroma besteht in der Regel aus einer Kombination verschiedener Einzelstoffe. 2.600 davon, das schätzt der Lebensmittelchemiker und Buchautor Udo Pollmer, stehen der Lebensmittelwirtschaft zur Verfügung. Bei der Produktion von natürlichen Aromastoffen kommen im Gegensatz zu naturidentischen und künstlichen Aromastoffen ausschließlich physikalische Verfahren zum Einsatz. Es heißt also extrahieren  oder destillieren, anstatt die chemischen Verbindungen künstlich im Labor aufzubauen.

    Hölzer, Zellkulturen, Schimmelpilze oder zum Beispiel Bakterien halten für die Herstellung von natürlichen Aromen her. Welche Stoffe der Johannisbeerbrause den letzten Schliff verleihen, verraten die Lebensmittelmacher ungern. „Die Rezepte sind ein Betriebsgeheimnis“, sagt Ulrich Arzberger vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart. Buchautor Pollmer kennt die skurrilen Mixturen. In seinem Buch „Food-Design: Panschen erlaubt“ gibt er einige davon preis: Für „natürlichen“ Apfelgeschmack bietet sich eine Mixtur aus Weinfuselöl und Hefeöl-Destillat unter Zusatz von biotechnologisch erzeugten Ethylacetat an, schreibt er. Hinzu kommen noch ein paar Tropfen Tagetesöl. Und für „Himbeere“ eignet sich Zedernholzöl. Nimmt man die Sägespäne des Baumes und destilliert sie, kommt ein typischer Himbeerduft heraus.

    Freilich lässt sich der Geschmack auch aus Obst gewinnen. „Natürliches Erdbeeraroma“ steht in dem Fall auf dem Produkt. Mindestens 95 Prozent des Aromas kommen dann aus der namensgebenden Quelle. Ziert allein das Wörtchen „Aroma“ die Schachtel, ist das ein Indiz dafür, dass naturidentische oder künstliche Aromastoffe im Essen stecken. Beides wird mithilfe chemischer Verfahren im Labor hergestellt.

    Naturidentische Aromastoffe haben, wie der Name schon sagt, ein entsprechendes Vorbild in der Natur. „Die Chemiker schauen sich Aromen bei der Natur ab und bauen sie im Labor nach“, erklärt Lebensmittelchemiker Arzberger die Produktion vereinfacht. „Naturidentisches Vanillin wird zum Beispiel synthetisch aus Eugenol, also Gewürznelkenöl, gewonnen“, sagt Christiane Manthey, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Es könne aber auch biotechnologisch hergestellt werden. Die richtige Vanilleschote kommt hier also nicht zum Einsatz.

    Etwas anders sieht es bei den künstlichen Aromastoffen aus. Sie haben kein Vorbild in der Natur. In der Praxis spielen sie aber kaum noch eine Rolle. „Lediglich Ethylvanillin, das etwas intensiver und bitterer nach Vanille riecht als das natürlich vorkommende
    Vanillin, wird in einigen Lebensmitteln eingesetzt“, so Arzberger.

    Ob die geschmacksgebenden Zusätze schädlich sind, lässt sich nur schwer beantworten. „Die allermeisten Aromastoffe sind gesundheitlich völlig unbedenklich“, sagt Chemiker Arzberger. Für manche pflanzlichen Lebensmittel, wie etwa Zimt, wurden allerdings  Höchstmengen festgelegt, die nicht überschritten werden dürften. Viele Ärzte und Ernährungswissenschaftler stehen dem Einsatz von Aromen kritisch gegenüber: Sie sagen, die Stoffe könnten zum Übergewicht beitragen, weil sie Konsumenten  dazu anregen, mehr zu essen.

    Ein Wermutstropfen bleibt: Mit dem Oberbegriff „Aroma“ können die Lebensmittelproduzenten auch natürliche Aromastoffe betiteln. Doch weil das Wörtchen „natürlich“ als Verkaufsargument  zieht, dürften die meisten Hersteller großen Wert darauf legen, das auch gesondert auf der Verpackung auszuloben.

    Lesetipp: Lektüre erklärt Zusatzstoffe

    Zusatzstoffe sind buchstäblich in unser aller Munde. Einschlägige Fachbücher listen über 7500 Präparate und Zusätze auf. Wozu diese ungeheure Vielfalt von Emulgatoren und Stabilisatoren, von Hydrocolloiden, Schmelzsalzen, Geschmacksverstärkern und Aromatisierungshilfen? Die Industrie kommt ohne die heimlichen Helfer kaum noch aus, doch in den Zutatenlisten fehlen diese oft. In ihrem Buch „Food-Design. Panschen erlaubt: Wie unsere Nahrung ihre Unschuld verliert“ erzählen Lebensmittelchemiker Udo Pollmer und Biologin Monika Niehaus die Geschichte der Nahrungszusätze. Die Lektüre ist nicht nur spannend, sondern auch sehr informativ. Das Buch ist 2010 in 3. Auflage im Hirzel-Verlag erschienen, hat 247 Seiten und kostet 22 Euro.

    Gesundheitstipp: Cappuccino – Nicht immer leichter Genuss

    Auf Werbesprüche wie „ungesüßt“ oder „weniger süß“ sollten Cappucchino-Liebhaber nicht blind vertrauen. Darauf, dass kein oder weniger Zucker im Getränkepulver steckt, ist kein Verlass. „Zum Teil enthalten die Produkte bis zu 40 Prozent davon, weil die Hersteller Glucosesirup oder Süßmolkenpulver, das Laktose, also Milchzucker, konzentriert enthält, verwenden“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.  Gerade mahnen die Verbraucherschützer einige Cappuccinopulver-Produzenten.

  • Auf dem Weg zum Ausstieg

    Kommentar zum RSK-Bericht von Hannes Koch

    Daumen hoch oder Daumen runter für die deutschen Atomkraftwerke? Wer von den Physikern und Ingenieuren der Reaktorsicherheitskommission ein solches Urteil erwartete, muss nun enttäuscht sein. Der Bericht zur Sicherheit der AKW ist notwendigerweise uneindeutig. Die Wissenschaftler haben zahlreiche technische Fragen beantwortet und sind deshalb zu einem differenzierten Bild gelangt. Einfach gesagt: Einige deutsche Kernkraftwerke sind einigermaßen sicher, andere stellen in mancher Hinsicht ein Risiko dar.

    Die eindeutige moralische und politische Konsequenz muss nun die Politik ziehen. Schließlich hat die Bundesregierung die Expertisen der Reaktorssicherheits- und der Ethikkommission auch angefordert, um eine Grundlage für die eigene Entscheidung zu haben. Diese wird eindeutig, damit aber auch angreifbar sein. Kommt es nun nach Fukushima zum schnellen deutschen Atomausstieg?

    Plausibel erscheinen würde diese Schlussfolgerung: Die meisten der bereits abgeschalteten Kernkraftwerke älterer Bauart gehen nicht mehr an´s Netz. Denn ihnen fehlen entscheidende Schutzeinrichtungen – etwa Dämme gegen Hochwasser oder Bunker gegen Flugzeugabstürze. Diese jetzt noch zu bauen, ist schlicht zu teuer. Rund zehn relativ verlässliche Reaktoren aber werden weiter Strom produzieren – vielleicht noch zehn oder 15 Jahre. Wenn dann genug Windparks auf der Nordsee stehen, wird man auch die letzten AKW abschalten.

    Wissen wir das aber nicht schon seit einigen Wochen – wozu die Arbeit der Sicherheitskommisison? Das Gutachten ist Teil eines öffentlichen Verständigungsprozesses, der am Ende eine relativ konfliktfreie Lösung ermöglicht. Wenn alle Interessengruppen alles gesagt haben, wird sich die Aufregung legen. Die Lösung mag sich seit Fukushima abzeichnen, besiegelt werden kann sie erst, wenn sie nach monatelangen Diskussionen eine hohe Bindungskraft erreicht.