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  • Die Zorn-Abgabe

    Kommentar zur Bankenabgabe von Hannes Koch

    Eine wirtschaftsfreundliche Regierung erlegt der Großfinanz eine Sondersteuer auf. Wer hätte damit vor ein paar Monaten gerechnet? Wenn bislang ein Beleg für die These fehlte, dass die Finanzkrise die Koordinaten des politisch-ökonomischen Systems verschoben hat, dann ist er nun erbracht. Selbst FDP-Chef Guido Westerwelle stellt sich vor die Kameras, um die geplante Bankenabgabe zu begründen – wohlgemerkt: eine Steuererhöhung, keine Steuersenkung.

    Damit liegt aber auch schon die erste Erklärung nahe, warum die christlich-liberale Bundesregierung eine Sondersteuer für Finanzinstitute – nichts anderes ist die geplante Bankenabgabe – eintreiben will. Die Zorn der Bevölkerung erzwingt diesen Schritt, auch wenn er Merkel, Schäuble und Westerwelle innerlich zuwiderlaufen mag. Doch Schwarz-Gelb kann ähnliche Initiativen in den USA, Großbritannien und Frankreich nicht ignorieren. Was dort möglich ist, so meinen viele Bürger, stehe auch hier auf der Tagesordnung: die Beteiligung der Finanzkonzerne an den gigantischen Kosten der Krise.

    Leider allerdings geht es nicht um hunderte Milliarden Euro, die die aktuelle Krise verschlingt. Die müssen wir, die Steuerzahler, weiter alleine finanzieren. Die Regierung beschränkt sich offenbar darauf, dass die Banken einen Fonds für ihre eventuell nächste Rettung ansparen sollen. Diese Lösung erscheint gleichermaßen notwendig und weise, aber trotzdem zu kurz gesprungen. Denn sie lässt zwei fundamentale Fragen unbeantwortet: Wie kann man die faire Verteilung der gegenwärtigen Lasten bewerkstelligen? Und woher soll das Geld zur Sanierung des Bundeshaushaltes kommen?

  • „Man kann Wählerstimmen nicht kaufen“

    Parteienfinanzierung

    Die rote Fahne auf dem Dach des schmucken Neubaus im Berliner Bezirk Kreuzberg weist Besuchern den Weg zur Parteizentrale der SPD. Der Standort ist fast ein Symbol für den Zustand der Partei. Ein paar Hundert Meter weiter nördlich tummelt sich die politische und gesellschaftliche Elite im schicken Bezirk Mitte. Nicht viel weiter weg in anderer Richtung rechnen viele Familien eher mit Cent als mit Euro. Dazwischen residieren die Sozialdemokraten. Von ihrem Fenster in der vierten Etage des Willy-Brandt-Hauses aus schaut Barbara Hendricks auf die ärmere Seite. Die Schatzmeisterin der SPD sitzt in einem nüchtern eingerichteten Büro, in dem moderne Kunst die Farbtupfer setzt und ständig die neuesten Nachrichten über den Bildschirm des Fernsehers in der Ecke laufen.

     

    Die 57-jährige Politikerin aus Kleve muss beide Seiten im Blick behalten. Bundespolitisch muss die Partei kampfstark bleiben und über genügend Geld für Wahlkämpfe und Kampagne verfügen. Im Beritt der kleinen Leute wird die Parteiarbeit finanziert, von Flyern über Infostände bis hin zur regionalen Veranstaltung. Als Staatssekretärin im Finanzministerium hat Hendricks gezeigt, dass sie mit Zahlen umgehen kann. Das ist im Unternehmen Partei auch nötig. 2008 nahmen die Sozialdemokraten 167 Millionen Euro ein, soviel wie ein größeres, mittelständisches Industrieunternehmen.

     

    In den letzten Jahrzehnten ist die Parteienfinanzierung immer wieder ins Gerede gekommen, zuletzt, als die CDU Firmen gegen Geld Gesprächszeit mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers anbot. „Das hat mit Sponsoring nichts zu tun“, ärgert sich Hendricks. Denn der daraus entstehende Imageverlust trifft alle Parteien. Es gab schon weitaus gravierendere Verstöße gegen die Etikette. Wie in einem schlechten Krimi nahm zum Beispiel der frühere CDU-Schatzmeister Walter Leisler-Kiep einen Koffer voll mit Geldscheinen des einstigen Waffen-Lobbyisten Karlheinz Schreiber konspirativ entgegen. In den siebziger Jahren speiste der Industriemagnat Flick alle Bundestagparteien mit Millionenzuwendungen aus schwarzen Kassen.

     

    Vor allem diese großen Affären haben das Vertrauen in die Parteien und ihre Unabhängigkeit von der Wirtschaft in Frage gestellt. Gegen die pauschale Kritik wehrt sich Hendricks. „Wir sind nicht käuflich“, stellt die Bundestagsabgeordnete klar. Von Spenden und Sponsoren lasse sich die SPD nicht beeinflussen. Tatsächlich ist der Anteil von Firmenspenden am Etat mit 2,7 Millionen Euro im Jahr 2008 gegenüber den wichtigsten Einnahmequellen gering. 46 Millionen brachten Mitgliedsbeiträge ein, gut 43 Millionen staatliche Zuschüsse. 22 Millionen Euro führten Abgeordnete und andere Mandatsträger an die Partei ab und fast ebenso viel brachten die Beteiligungen und Vermögenswerte der SPD ein.

     

    Entsprechend vielseitig ist auch das Arbeitsgebiet der Schatzmeisterin. „Spenden werben ist nicht meine Hauptaufgabe“, sagt Hendricks. Einmal jährlich schreibt die Politikerin Unternehmen an und bittet um Unterstützung. Ansonsten kümmert sich eine Halbtagskraft um Gaben für die Bundespartei. Hendricks kümmert sich eher darum, dass es bei den Beteiligungen der SPD gut läuft. Die Partei ist einer der großen Medienkonzerne, der Anteile an einem guten Dutzend Tageszeitungen und einigen Druckhäusern hält. Fast zwölf Millionen Euro bringt das Unternehmen SPD der Schatzmeisterin im Jahr ein. Ins operative Geschäft mischt sich die Partei nicht ein. Kritiker vermuten aber, dass die Partei die Medien schon einmal vor ihren Karren spannt.

     

    Die eigene wirtschaftliche Tätigkeit unterscheidet die SPD von den anderen Bundestagsparteien. Bei der CDU spielen Spender und Sponsoren zum Beispiel eine deutlich größere Rolle. Die Christdemokraten haben 2008 148 Millionen Euro eingenommen. Sieben Millionen Euro ließ die Wirtschaft springen, 13,5 Millionen Euro spendeten Privatpersonen. Auch das Sponsoring wird eine immer wichtigere Geldquelle. Allerdings wird dieses Aufkommen nicht aufgeschlüsselt. In der vom Bundestag veröffentlichten Liste der Großspenden liegt die CDU weit vorne. Doch auch hier bringen Mitglieder und Staat mit zusammen 84 Millionen Euro den größten Teil des Etats auf. FDP und CSU erfreuen sich ebenfalls zahlungskräftiger Spender. Nur die Grünen und die Linke gehen fast leer aus.

     

    Die hohen staatlichen Zuschüsse erklären sich aus dem Auftrag des Grundgesetzes an die Parteien. So sollen die politische Bildung und Meinungsbildung befördern. So erhalten sie für jede bei Wahlen abgegebene Stimme einen kleinen Betrag. Für die ersten vier Millionen Stimmen gibt es 85 Cent, für jede weitere 70 Cent. Allerdings muss ein Stimmanteil von 0,5 Prozent bei bundesweiten Wahlen oder einem Prozent bei Landtagswahlen überschritten werden. Das lausige Wahlergebnis bei der Bundestagswahl macht der SPD daher schwer zu schaffen. 3,5 Millionen Euro weniger gab es dafür. Diese Summe muss Hendricks irgendwo einsparen.

     

    Wie wichtig eine gute finanzielle Ausstattung ist, lässt sich nicht recht nachweisen. „Man kann Wählerstimmen nicht kaufen“, erläutert die Schatzmeisterin. Wohl aber lässt sich die öffentliche Meinung mit Kampagnen beeinflussen. Auch deshalb gibt es viele Kritiker des heutigen Systems der Parteienfinanzierung. Dazu gehört zum Beispiel die Organisation LobbyControl. „So große Geldsummen fließen nicht aus Wohltätigkeitsgrünen“, glaubt Geschäftsführerin Heidi Klein. Die Gesetzgebung werde wohl nicht direkt beeinflusst, doch die Pflege der politischen Landschaft zahle sich aus. Deshalb fordern die Kritiker mehr Transparenz. Spenden und Sponsoreneinnahmen sollen gedeckelt und das Aufkommen durch eine unabhängige Kommission kontrolliert werden.

     

    Noch weiter geht der frühere baden-württembergische Wirtschaftsminister Dieter Spöri, der auch in der SPD ist. Er fordert ein absolutes Verbot für Firmenspenden und Sponsoring, damit erst gar nicht der Anschein von Käuflichkeit erweckt wird. Der Politiker glaubt nicht, dass die politische Arbeit darunter leiden muss. Dies würden allein die Wahlkämpfe zeigen. „Je mehr der Aufwand für Parteiapparate und Werbebudgets gestiegen ist, desto unterschiedloser wurden die Positionen der Parteien

  • Druck zur Gebührensenkung wächst

    Banken und Sparkassen uneins über künftige Automatengebühren / Auswüchse sollen aber beendet werden

    Die hohen Gebühren für das Abheben von Bargeld an 
    fremden Geldautomaten könnten bald der Vergangenheit angehören. Die
    beiden großen Bankenverbände suchen eine neue Gebührenregelung. Momentan
    müssen Kunden oft zehn Euro bezahlen, wenn sie am Automaten einer
    fremden Bank etwas abheben wollen. Die Höhe der Kosten ist dabei nicht
    immer leicht erkennbar.

    Der Ärger über die kaum nachvollziehbaren Gebühren ist mittlerweile
    groß. Der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv)
    spricht gar von Wucher. "Deshalb muss die Politik eingreifen und die
    Gebühren deckeln", verlangt Gerd Billen. Verbündete für diesen Vorschlag
    finden sich in der SPD. "Eine angemessene Gebühr dürfte zwei Euro nicht
    übersteigen", sagt deren verbraucherpolitische Sprecherin Elvira
    Dobrinski-Weiß. Auch in der Union ist das Unbehagen über die momentane
    Praxis groß. Verbraucherministerin Ilse Aigner will über das weitere
    Vorgehen aber erst entscheiden, wenn die Ergebnisse einer Prüfung des
    Bundeskartellamts vorliegen.

    Die Behörde reagiert damit auf die Beschwerden von Verbrauchern und
    Kreditinstituten. Inzwischen hat das Amt 280 Banken und Sparkassen
    angeschrieben. Dabei interessiert die Wettbewerbshüter vor allem, wie
    die Institute Bargeldabhebungen untereinander berechnen. Denn auch hier
    schlagen einige Geldhäuser gnadenlos Gebühren drauf. Nach Angaben des
    Bundesverbands der Deutschen Banken (BdB) kann das Abheben am fremden
    Geldautomaten die kontoführende Bank schon einmal 20 Euro kosten. Auch
    aufgrund dieser so genannten Interbankengebühren werden die Verbraucher
    am Ende kräftig zur Kasse gebeten. Das Kartellamt rechnet noch im März
    mit den Antworten, die schnell ausgewertet werden sollen.

    Union und FDP wollen keine staatliche Preisvorgabe einführen. Der
    Vorsitzende des Verbraucherausschusses, Hans-Michael Goldmann (FDP)
    plädiert für eine Selbstverpflichtung der Banken. Ihm schwebt ein
    Gebührenkorridor von fünf bis sieben Euro pro Abhebung vor. Die CDU will
    vor allem mehr Klarheit am Automaten. Der Preis für eine Abhebung soll
    dem Kunden deutlich vor Augen geführt werden, damit dieser zu einer
    anderen Bank gehen kann, wenn es ihm zu teuer wird.

    Auch die Kreditwirtschaft selbst sucht neue Wege. Sparkassen und
    Privatbanken vertreten aber noch unterschiedliche Positionen. Die Banken
    wollen einen Preisdeckel für die Berechnung der Abhebungen untereinander
    einführen. Die Sparkassen hingegen plädieren für eine Abschaffung der
    Interbankengebühr. Nur am Geldautomaten selbst sollen Kosten geltend
    gemacht werden. "Dann tritt erstmals Wettbewerb ein", glaubt eine
    Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Der
    Streit zwischen den Verbänden geht auf differierende Interessenslagen
    zurück. Die Sparkassen haben mit über 25.000 Geldautomaten das größte
    Netz installiert. Sie wollen den Betrieb insbesondere in den dünn
    besiedelten Gebieten nicht kostengünstig in den Dienst der Konkurrenz
    stellen. Die Geschäftsbanken befürchten wiederum, dass die Sparkassen
    Kunden anderer Institute über dort hohe Gebühren abkassieren, wo es
    keine Geldautomaten anderer Unternehmen gibt. In der nächsten Woche
    treffen sich die Branchenvertreter, um einen Kompromiss auszuhandeln.

  • Die Mär vom armen Mittelstand

    Die Bundesregierung will die Steuerprogression mildern und den Mittelstandsbauch verringern. Beides ist nicht so dramatisch, wie viele meinen

    In der Union wird erwogen, noch vor der NRW-Landtagswahl im Mai ein Konzept für eine kleine Steuerreform zu präsentieren. Unter anderem Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) will damit den sinkenden Umfragewerten entgegenwirken. Im Mittelpunkt dieser Steuerreform könnte stehen, die so genannte kalte Progression zu mildern, den schleichenden Anstieg der Steuerbelastung infolge von Lohnerhöhungen.

    Regierungssprecher Ulrich Wilhelm freilich dementierte: „Das Thema Steuern wird bei dem Gespräch der Parteivorsitzenden am kommenden Sonntag nicht auf der Tagesordnung stehen.“ Die Süddeutsche Zeitung hatte zuvor berichtet, die Spitze der Koalition könnte schnell die Grundzüge einer Steuerreform mit einem Entlastungsvolumen von fünf bis zehn Milliarden Euro festlegen. Dies liefe allerdings den Absichten der FDP zuwider. Dementsprechend wies Volker Wissing, der finanzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, die Überlegungen zurück: „Es bleibt bei dem, was die Koalition vereinbart hat“. Die Steuerreform müsste demnach ein Volumen von rund 20 Milliarden Euro umfassen.

    Die umstrittene „kalte Progression“ dient Teilen der Union, der FDP und dem Bund der Steuerzahler als Begründung für die vermeintlich ungerechte Belastung der Bürger. Hinter dem Begriff verbirgt sich dieser Umstand: Durch Lohnerhöhungen steigen die Verdienste. Dadurch nimmt auch die Steuerbelastung zu, denn die Bürger rutschen durch ihre höheren Einnahmen in höhere Steuerklassen. Ohne offizielle Steuererhöhungen nimmt der Staat also von Jahr zu Jahr mehr ein. Wie hoch diese Mehreinnahmen ausfallen, ist nur sehr schwer zu berechnen. Zahlen hat nicht einmal der Bund der Steuerzahler. Um den Effekt auszugleichen, reduziert das Bundesfinanzministerium den Steuertarif ab und zu leicht – zuletzt Anfang 2010. Einen festen Turnus für diese Anpassungen gibt es freilich nicht.

    Die kalte Progression, so sagen die liberalen Befürworter der Steuerreform, belaste vor allem die Mittelschicht und den Mittelstand. Die schleichenden Steuererhöhungen würden also den so genannten Mittelstandsbauch aufblähen. Dieser Begriff soll aussagen, dass die eigentlichen Leistungsträger besonders unter hohen Steuersätzen zu leiden hätten. Stimmt das?

    Die Steuersenkungen des vergangenen Jahrzehnts haben stark die unteren Einkommensgruppen und Wohlhabenden begünstigt. Bei geringen und mittleren Einkommen bedeutet das: Ein verheiratetes Paar mit zwei Kindern zahlt bis zu einem Jahresbruttoeinkommen von fast 40.000 Euro gar keine Steuern mehr. Das ist unter anderem das Ergebnis der hohen Grundfreibeträge von 7008 Euro pro Kind und 8004 Euro pro Erwachsenem. Oberhalb der Grundfreibeträge allerdings steigt die Steuerzahlung recht schnell an. Zwei Beispiele aus dem Abgabenrechner des Finanzministeriums belegen dies. Demnach zahlt ein alleinstehender Beschäftigter mit 8.000 Euro Einkommen null Steuer, mit 20.000 Euro schon 2.849 Euro Steuer, mit 30.000 Euro fast 6.000 Euro Steuer. Jenseits 70.000 Euro Jahresverdienst nimmt die Belastung dank des gesenkten Spitzensteuersatzes für Reiche nur noch ganz allmählich zu. Das heißt: Wenn Facharbeiter und andere Bürger mit mittleren Einkommen den Eindruck haben, die Steuer würde bei ihnen besonders zuschlagen, liegen sie nicht ganz falsch.

    Andererseits weist das Bonner Institut für Finanzen und Steuern die Mär vom armen, steuerlich ausgeplünderten Mittelstand zurück. Ein Vergleich des Steuertarifs von 1990 und 2007 beweist, dass die Steuerbelastung mittlerer Einkommen zwar gestiegen ist, aber nur minimal. Die Mehrbelastung, also die zunehmende Fülle des Mittelstandsbauchs infolge auch der kalten Progression liege bei nur einem Prozent, schreibt das Institut.

  • „Manche Berufe sind zu wenigen bekannt“

    Auch in diesem Jahr wird es für Ausbildungsplätze in den begehrtesten Jobs mehr Bewerber als Stellen geben. Doch das ist kein Grund für Schulabgänger, die Flinte ins Korn zu werfen. Über chancenreiche Berufe und Alternativen zur Lehre weiß Günter Walden b

    Frage: Welche Ausbildungsberufe sind derzeit besonders aussichtsreich?

    Günter Walden: Prognosen über die in Zukunft besonders gebrauchten Arbeitnehmer sind schwierig. Außerdem ist nicht jeder Beruf für jeden aussichtsreich. Wichtiger ist es für Bewerber, eine für ihn oder sie geeignete Ausbildung zu suchen. Ein Interesse an der Tätigkeit ist auch wichtig. Denn die Wahrscheinlichkeit von beruflichem Erfolg ist höher, wenn die Arbeit engagiert erledigt wird. Umgekehrt gilt dies auch. Ohne Spaß am Job scheitert man eher. Grundsätzlich gelten aber die MINT-Berufe als besonders zukunftsträchtig, also Ausbildungen, die Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik zum Inhalt haben. Wir müssen mehr Menschen dafür interessieren. Da gibt es noch einen Nachholbedarf bei der Ausbildung. Auch Berufe im Dienstleistungsbereich werden in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen.

    Frage: Welche Berufe werden bislang noch nicht genügend wahrgenommen?

    Walden: Bei den dualen Ausbildungen gibt es einige noch nicht entdeckte Perlen. Der Fachinformatiker bzw. die Fachinformatikerin ist so ein Beispiel. Fachinformatiker realisieren Softwareprojekte nach Kundenwunsch. Hier analysieren Sie IT-Systeme und planen diese. Daneben schulen Sie auch Benutzer.Das ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. In den letzten Jahren sind neue, interessante und qualifizierte Berufe mit besten Perspektiven entstanden. Dazu zählen der Fachangestellte für Markt- und Sozialforschung oder der Personaldienstleistungskaufmann. Milchtechnologen und Produktionstechnologen sind ebenfalls ebenfalls attraktive neue Berufe .

    Frage: Gibt es eine Rangliste der Ausbildungsberufe?

    Walden: Es gibt 349 duale Ausbildungsberufe von A wie Änderungsschneiderin bis Z wie Zweiradmachaniker. Doch drei Viertel der Ausbildungsverträge entfallen auf nur 44 Berufe. Spitzenreiter bei den Männdern ist der Kfz-Mechatroniker, gefolgt vom Einzelhandelskaufmann, dem Industriemechaniker und dem Koch. Bei jungen Frauen ist die Konzentration auf wenige Berufe noch ausgeprägter. Die meisten Lehrverträge entfallen auf die Einzelhandelskauffrau, die Verkäuferin, die Bürokauffrau und die medizinische Fachangestellte.

    Frage: Wie entwickeln sich die Vergütungen?

    Walden: 2009 sind die Ausbildungsvergütungen um 3,7 Prozent angestiegen. Das war der stärkste Anstieg seit 14 Jahren. In Westdeutschland verdient ein Azubi im Durchschnitt 679 Euro monatlich, im Osten 595 Euro. Allerdings ist die Vergütung von Beruf zu Beruf sehr unterschiedlich. Am meisten erhalten mit Abstand die Binnenschiffer/innen mit 949 Euro im Monat. Überdurchschnittlich hoch fällt die Bezahlung auch im Bauhauptgewerbe, bei Mechatronikern sowie im Bank- und Versicherungsgewerbe aus. Am unteren Ende der Rangliste finden sich Maler und Lackierer mit 449 Euro im Westen und 388 Euro im Osten sowie Friseurinnen, Floristen und Bäcker.

    Frage: Welche Anforderungen sollten Bewerber grundsätzlich mitbringen?

    Walden: Da gibt es mit dem Hauptschulabschluss zunächst nur eine formale Voraussetzung. Grundsätzlich müssen die Bewerber natürlich ausbildungsreif sein. Sie müssen genügend Grundkenntnisse mitbringen, zum Beispiel in Deutsch und Mathematik. Zudem werden Tugenden wie Zuverlässigkeit, Arbeitsmotivation und Pünktlichkeit verlangt. Darüber hinaus unterscheiden sich die Anforderungen von Beruf zu Beruf. Wer in den MINT-Berufen eine Ausbildung machen will, sollte gute Noten in Mathematik und Naturwissenschaften vorweisen können. Von kaufmännischen Bewerbern wird neben guten Matheleistungen auch ein gutes Deutsch erwartet. In handwerklichen Berufen wiederum ist auch Geschick gefragt. Letztlich suchen sich die Betriebe die jeweils besten Jugendlichen aus. Gute Noten sind also wichtig. Wer dort nicht mithalten kann, ist aber keineswegs chancenlos. In manchen Berufen haben die Betriebe Nachwuchssorgen und Ausbildungsplätze nicht besetzen. Dazu gehören zum Beispiel Bäcker, Fleischer oder Fachverkäuferinnen im Lebensmitteleinzelhandel.

    Frage: Bilden die Betriebe trotz Kurzarbeit und Auftragsmangel genügend aus?

    Walden: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Ausbildungsplätze um acht Prozent zurückgegangen. Gründe waren einerseits die wirtschaftliche Krise, andererseits die ebenfalls rückläufige Zahl der Schulabgänger. Wir gehen auch 2010 davon aus, dass das Stellenangebot leicht zurückgehen wird. Das Interesse von Jugendlichen an Ausbildungsplätzen ist dabei deutlich höher als die Zahl der tatsächlich abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Vielen Jugendlichen gelingt die Einmündung ins duale System nicht und sie ergreifen Alternativen. Hier gibt es besonders im Bereich der berufsbildenden Schulen ein vielfältiges Angebot. Häufig gelingt dann nach dem Besuch einen entsprechenden Bildungsgangs die Aufnahme einer betrieblichen Lehre.

  • Von der Leyen will Kurzzeit-Jobs ausbauen

    Koalition bereitet Gesetz vor, um die Befristung von Arbeitsplätzen zu erleichtern. Gewerkschaften: „Abbau des Kündigungsschutzes durch die Hintertür“. Zahl der befristeten Stellen hat stark zugenommen.

    Trotz einer stark zunehmenden Zahl von Kurzzeit-Jobs will die Bundesregierung die Liberalisierung des Arbeitsmarktes weiter vorantreiben. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) arbeitet an einem Gesetz, um die Befristung von Arbeitsverträgen zu erleichtern. Mehr Beschäftigte müssten dann damit rechnen, keinen unbefristeten Vertrag mehr zu erhalten, sondern Jobs mit Zeitbegrenzung auf beispielsweise zwei Jahre. Nach Informationen dieser Zeitung will das Arbeitsministerium den Gesetzentwurf voraussichtlich im Mai an den Bundestag schicken.

    Das Bundesamt für Statistik hatte zuvor bekanntgegeben, dass der Anteil befristeter Arbeitsplätze im Jahr 2008 bereits 8,9 Prozent betrug. Rund 2,7 Millionen von etwa 30 Millionen abhängig Beschäftigten in Deutschland arbeiteten demnach auf zeitlich begrenzten Stellen. 1991 waren erst 5,7 Prozent der Arbeitsplätze befristet.

    Die neuen Zahlen heizen nun den Streit zwischen Bundesregierung und Opposition an. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte: „Wir wollen die befristete Arbeit zurückdrängen“. Die Begründung für diese Haltung liefert die gewerkschaftliche Hans-Böckler-Stiftung. Deren Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) erklärte am Mittwoch, die Koalition betreibe „den Abbau des Kündigungsschutzes durch die Hintertür“. Befristete Stellen bedeuteten für die Beschäftigten mehr Unsicherheit und Druck.

    Union und FDP wollen dagegen tun, was sie im Koalitionsvertrag festgelegt haben. Dort heißt es, dass die Unternehmen mehr Möglichkeiten erhalten sollen, Arbeitsverträge zeitlich zu begrenzen, ohne dafür eine juristisch überprüfbare Begründung liefern zu müssen. Heute dagegen ist die Befristung ohne Begründung stark reglementiert. In vielen Fällen müssen die Firmen konkrete Argumente anführen, wenn sie die Vertragsdauer für eine Stelle begrenzen wollen. Durch die geplante Liberalisierung würde die Zahl der Kurzzeit-Jobs vermutlich weiter steigen.

    Nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt in Nürnberg (IAB) erfolgt heute schon fast jede zweite Neueinstellung (47 Prozent) befristet. Besonders davon betroffen sind junge Leute. „In der Altersgruppe der 20- bis 25-Jährigen arbeitete 2008 gut jeder Vierte mit befristetem Vertrag“, weiß das Statistische Bundesamt. Viele der jungen Arbeitnehmer machen freilich Studentenjobs, so dass man aus der Zahl der Befristungen nicht unbedingt soziale Unsicherheit herauslesen kann. Etwas anders dürfte es bei Wissenschaftlern, Gebäudereinigern und anderen Dienstleistungen aussehen – auch dort ist der Anteil der begrenzten Stellen sehr hoch. Frauen erhalten in vielen Branchen öfter Kurzzeit-Jobs als Männer.

    Die Frage ist nun, wie die Entwicklung einzuschätzen ist – positiv oder negativ? Daten darüber, ob traditionelle, unbefristete Arbeitsplätze zunehmend durch kurze Jobs ersetzt werden, seien nicht vorhanden, heißt es beim IAB. Auch belastbare Erkenntnisse darüber, ob Firmen neue Stellen nur deshalb einrichten, weil sie sie befristen können, liegen nicht vor. Die Frage „Schafft Befristung zusätzliche Arbeit?“ lässt sich seriös kaum beantworten.

    Andererseits kann das Nürnberger Institut mit dieser Zahl aufwarten: Fast die Hälfte derjenigen, die erst befristet eingestellt werden, erhält von derselben Firma später auch eine Stelle ohne zeitliche Begrenzung. Dies unterstützt die Annahme von Union und FDP, dass Kurzzeit-Jobs für viele Beschäftigte eine Brücke in normale Arbeitsverhältnisse darstellen.

    Dieser augenblicklich opportunen Einstellung scheint das Arbeitsministerium freilich noch nicht ganz zu vertrauen. Entgegen den Zahlen des Statistikamtes erklärte eine Sprecherin am Mittwoch, „insgesamt kann man nicht von einem signifikanten Anstieg befristeter Beschäftigung sprechen“. Der Zuwachs zwischen 1991 und 2008 beruhe im wesentlichen auf einer Veränderung der statistischen Berechnungsmethoden.

    Das Statistik-Amt in Wiesbaden wies diese Einschätzung umgehend zurück. Die Zahlen seien belastbar, die neue Berechnungsmethode habe den Anstieg befristeter Beschäftigung allenfalls „etwas überzeichnet“.

  • Ost-Renten im freien Fall

    Arbeitslosigkeit drückt Rente unter die Grundsicherung

    Die jüngeren Ostdeutschen müssen sich auf eine dramatisch sinkende Rente einstellen. Dies ergibt sich aus einer Langzeitstudie, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für die Deutsche Rentenversicherung angefertigt hat. Die mittlere Rente der Altersjahrgänge von 1942 bis 1946 liegt in den neuen Ländern noch bei 1031 Euro im Monat. Die zwischen 1967 und 1971 geborenen Männer müssen sich später mit 624 Euro begnügen. Bei den Frauen sinkt die Monatszahlung von 790 Euro auf 536 Euro

     

    Im Westen bleiben die Ruhestandsgelder dagegen fast stabil. Die heutigen Rentner erhalten im Mittel 1133 Euro, heute 40-jährige können mit einer Zahlung von 1053 Euro rechnen. Durch die höhere Erwerbstätigkeit steigen die Renten der Frauen in den alten Ländern sogar leicht von 556 Euro auf 634 Euro an. Die Zahlen sind um Einflüsse wie die Inflation oder Lohnsteigerungen bereinigt, damit die verschiedenen Jahrgänge überhaupt miteinander verglichen werden können.

     

    Für die Entwicklung im Osten sieht der DIW-Forscher Viktor Steiner vor allen zwei Ursachen. „Gründe sind die hohe Arbeitslosigkeit seit der Wiedervereinigung und die Rentenabsenkung“, berichtet der Forscher. Die Verteilung der Renten zeigt das Ausmaß des Problems. Bei den zwischen 1937 und 1951 geborenen West-Männern kommen 36 Prozent auf mehr als 1200 Euro Rente. Im Osten liegt dieser Anteil nur bei elf Prozent. Dort erhält fast jeder zweite weniger als 900 Euro. Bei den jüngeren spitzt sich die Situation deutlich zu. Nur ein Prozent der nach 1952 geborenen Ostdeutschen kann auf mehr als 1200 Euro Altersgeld hoffen. Knapp 52 Prozent werden bis zu 900 Euro bekommen, nahezu ein Drittel rutscht unter die Grundsicherungsmarke von 600 Euro. In den alten Ländern sieht es ungleich besser aus. Bei den jüngeren Frauen ist die Verteilung der Rentenansprüche dagegen fast identisch.

     

    Den wichtigsten Ansatzpunkt für Reformen sieht das DIW in einer Förderung sozialversicherungspflichtiger Arbeit. Außerdem plädiert das Institut dafür, das Renteneintrittsalter an der steigenden Lebenserwartung auszurichten. Zudem sollen die private Altersvorsorge bis zum Grundsicherungsniveau verpflichtend und Renten von Geringverdienern aus Steuermitteln aufgestockt werden.

     

     

     

  • Bahngewerkschaften fordern sechs Prozent

    Auch Beschäftigungssicherung wird verhandelt

     

    Die beiden Gewerkschaften Transnet und GDBA wollen bei den anstehenden Tarifverhandlungen mit der Bahn eine Einkommenserhöhung von sechs Prozent durchsetzen. Davon solle aber nur ein Teil in höhere Löhne fließen. Auch bei den Arbeitszeiten und den Zulagen soll der Konzern Zugeständnisse machen. „Eine Lohnpause wäre in der aktuellen Situation das völlig falsche Signal“, stellte Transnet-Chef Alexander Kirchner klar.

     

    Die Tarifverträge der beiden großen Bahngewerkschaften für rund 165.000 Beschäftigte im Konzern laufen Ende Juli aus. Die Lokführergewerkschaft GdL sitzt nicht mit im Boot, sondern verhandelt seit der letzten Tarifrunde eigenständig. Transnet und GDBA peilen ein Gesamtpaket an. Auch in der gegenwärtigen Krise halten beide Organisationen die Forderung für vertretbar. Der Konzern werde in der kommenden Woche wieder einen Milliardengewinn bekannt geben, begründeten die Gewerkschaften ihren Anspruch.

     

    Außerdem wollen Bahn und Gewerkschaften zeitgleich einen neuen Beschäftigungspakt aushandeln. Ende 2010 läuft die geltende Vereinbarung aus. Bis dahin sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. „Dieser Tarifvertrag hat sich bewährt“, sagte Kirchner. Er müsse jedoch durch neue Regelungen für Nachwuchskräfte und ältere Arbeitnehmer ergänzt werden.

     

    Auf der Tagesordnung steht ferner ein Flächentarifvertrag für die Bahnbranche. Dazu müssten allerdings die nicht zur Deutschen Bahn gehörenden Privatbahnen mit an den Tisch. Deren Bereitschaft, die vergleichsweise hohen Tarife des Staatskonzerns zu bezahlen, ist allerdings gering. Der Branchenprimus unterstützt die Forderung aus eigenem Interesse. Das Unternehmen will die Gewerkschaftsforderungen derzeit nicht kommentieren.

     

     

     

     

  • Gabriels Spiel mit der Angst

    Kommentar zur SPD-Hartz-Reform von Hannes Koch

    Hartz macht Angst. Die harte Reform der Schröder-Jahre lässt auch Berufstätige ahnen, wie schnell der Abstieg auf Sozialhilfe-Niveau geschehen kann. Die daraus resultierende Sorge vieler Bürger ist ein wesentlicher Grund für die schlechten Wahlergebnisse der SPD, die Identitätskrise der Partei und den Aufstieg der Linken.

    Gegen diese Furcht setzt SPD-Chef Sigmar Gabriel nun die Korrektur der Hartz-Gesetze. Dieser Versuch ist einerseits überfällig, denn die Union und selbst die FDP arbeiten mit Erfolg daran, das SPD-Markenimage der sozialen Gerechtigkeit mit eigenen Konzepten zu schwächen. Andererseits schießt Gabriel über das Ziel hinaus. Die SPD plant nun nichts weniger, als das Arbeitslosengeld bis zu 36 Monate zu zahlen. CDU-Bundeskanzler Helmut Kohl war 1987 im Vergleich dazu bescheiden: Er ließ die Unterstützung nur auf 32 Monate verlängern.

    Gabriels Ansage ist reine Oppositionspolitik, die niemals realisiert wird. Sollte die SPD ab 2013 oder 2017 im Bund wieder reagieren, wird die Partei feststellen, dass ihr Versprechen ziemlich teuer kommt. Das dürfte auch der Grund sein, warum die Sozialdemokraten die Kosten lieber erst gar nicht ausgerechnet haben. Dieses Verfahren erscheint im heutigen Politikbetrieb zwar normal, doch gleichwohl unseriös und unehrlich. Das ist keine Politik gegen, sondern ein Spiel mit der Angst der Bürger.

  • Arbeitslosengeld länger als unter Kohl

    Die SPD korrigiert Schröders Agenda 2010 und verspricht den Erwerbslosen Arbeitslosengeld für drei Jahre. Unter der früheren CDU-Regierung wurde es höchstens 32 Monate gezahlt

    Die SPD will das Arbeitslosengeld auf maximal drei Jahre verlängern. Das erklärte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Montag in Berlin anlässlich der Präsentation des Konzeptes „Fairness auf dem Arbeitsmarkt“. Sollte eine Bundesregierung das Konzept jemals realisieren, würde das Arbeitslosengeld dann länger gezahlt, als vor den Hartz-Reformen.

    Nach den anderen Parteien hat damit auch die SPD eine Korrektur der Hartz-Gesetze vorgelegt. Diese Änderung ist für die SPD besonders wichtig und zugleich schmerzhaft, weil die Agenda 2010 ein Produkt der rot-grünen Ära unter Bundeskanzler Gerhard Schröder war. Die umstrittenen Hartz-Gesetze sind dafür verantwortlich, dass die Sozialdemokraten in den vergangenen Jahren in Umfragen auf 25 Prozent absackten.

    Heute ist das Arbeitslosengeld I, das die Bundesagentur als Versicherungsleistung auszahlt, auf maximal zwei Jahre begrenzt. Danach rutschen die Erwerbslosen in jedem Fall auf das niedrige Arbeitslosengeld II ab (Hartz IV). Unter bestimmten Bedingungen will der SPD-Vorstand die Bezugsdauer nun auf „bis zu 36 Monate ausdehnen“, wie Gabriel sagte. In den Genuss der längeren Zahlung sollen ältere Erwerbslose kommen, wenn sie eine anerkannte, hochwertige Qualifizierungsmaßnahme absolvieren. Über diesen Beschluss soll der SPD-Parteitag im September abstimmen.

    Die SPD-Führungsriege aus Gabriel, Frank-Walter Steinmeier, Olaf Scholz und Andrea Nahles schlägt auch ein höheres Arbeitslosengeld II vor. Wenn sie von ALG I auf ALG II sinken, erhalten Erwerbslose heute ein zusätzliches Übergangsgeld von maximal 160 Euro. Die SPD will diese Extrazahlung anheben, allerdings in Abhängigkeit von der früheren Beschäftigungsdauer des Betroffenen. Details hat der Parteivorstand noch nicht ausgearbeitet.

    Außerdem soll das Vermögen von Erwerbslosen nicht mehr auf die Hartz-IV-Leistungen angerechnet werden. Bisher müssen Langzeitarbeitslose den großen Teil ihres angesparten Kapitals aufbrauchen, bevor sie Arbeitslosengeld II erhalten. Um diese von vielen als unfair empfundene Regelung abzumildern, hat die schwarz-gelbe Regierung unlängst die Grenze für das sogenannte Schonvermögen angehoben. Von dieser Verbesserung sind freilich nur wenige Arbeitslose betroffenen, da die meisten nicht viel Geld angespart haben.

    Wie Nordrhein-Westfalens SPD-Chefin Hannelore Kraft in der vergangenen Woche bereits angedeutet hat, will die SPD auch den öffentlichen Arbeitsmarkt für diejenigen ausbauen, die keine Chancen auf eine reguläre Stelle haben. 200.000 soziale Arbeitsplätze in Städten und Gemeinden sollen zusätzlich entstehen. Nach Berechnungen der Sozialdemokraten würde das rund drei Milliarden Euro pro Jahr kosten.

    Über die Kosten des höheren Arbeitslosengeldes und der anderen Maßnahmen wollten Gabriel und Scholz keine Angaben machen. Die SPD-Chef sprach sich aber dafür aus, den Arbeitslosenbeitrag nach der Krise nicht wieder zu senken, sondern die Einnahmen für die Arbeitsmarktpolitik auszugeben. Der Wirtschaft stellen die Sozialdemokraten weiterhin in Aussicht, einen bundesweiten, gesetzlichen Mindestlohn von rund 8,50 Euro festzulegen.

    Die SPD hat ihre Vorschläge auch deshalb jetzt vorgelegt, weil sie damit in den Wahlkampf für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen Anfang Mai eingreifen will. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat eine Überarbeitung der Agenda 2010 gefordert. Auch er spricht über ein längeres Arbeitslosengeld I.

    Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts muss die Bundesregierung zudem die Hartz-IV-Leistungen für Kinder verbessern. Dazu sagte Gabriel, dass seiner Meinung nach die Regelsätze steigen müssten. Ferner will die Bundesregierung den Erwerbslosen zu gestatten, mehr eigenen Lohn zum Arbeitslosengeld II hinzuzuverdienen.

    Eine weitere Ebene der Debatte haben in den vergangenen Wochen Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), FDP-Chef Guido Westerwelle und CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt bestritten. Sie verlangten, dass Hartz-IV-Empfängern schärfere Sanktionen drohen müssten, sollten sie angebotene Arbeiten verweigern.

  • CSU will Solarförderung nachbessern

    Der Neubau auf bestimmten Ackerflächen soll möglich bleiben, der Zuschuss für Solarstrom weniger stark sinken

    Bei der Förderung von Solaranlagen wird es wohl nicht zu der umstrittenen Absenkung kommen, die CDU-Umweltminister Norbert Röttgen plant. Georg Nüßlein, der wirtschaftspolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, stellte in Aussicht, dass die Flächenbeschränkung gelockert die finanzielle Förderung weniger stark reduziert werde. Röttgens Pläne, die das Bundeskabinett bereits abgesegnet hat, gingen „entschieden zu weit“, sagte auch Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil.

    Am Freitag trafen sich Zeil und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) in München mit den Vertretern von Solarfirmen und ihren Verbänden. Wie die Länder Thüringen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und andere befürchten auch bayerische Landespolitiker Schaden für die heimische Solarindustrie und Landwirtschaft. Um die vermeintlich zu hohe Förderung von Solarstrom zu reduzieren, will Röttgen die Zuschüsse dieses Jahr um weitere 16 Prozent kürzen und den Neubau von großen Solaranlagen auf Ackerflächen verbieten.

    Besonders über das geplante Verbot ist Zeil erzürnt: „Diese Regelung würde faktisch das Aus für die Freiflächen-Photovoltaik in Deutschland bedeuten.“ Kompromisslösungen lägen bereits vor, sagte Zeil. Laut Nüßlein denkt man beispielsweise darüber nach, Solaranlagen im Umkreis von Gewerbegebieten zu genehmigen. Dabei dürfe es aber nicht zur „Zersiedlung der Landschaft“ kommen.

    Auch die geplante starke Degression der Einspeisevergütung für Solarstrom stellt die CSU in Frage. Der Zuschuss, den alle Stromverbraucher tragen, sank Anfang 2010 turnusgemäß um acht Prozent. 2011 würde er um weitere zehn Prozent abnehmen. Zusätzlich plant Röttgen nun eine Verringerung von 15 bis 16 Prozent. Dazu sagte Wirtschaftsminister Zeil: „Die geplante Absenkung der Einspeisevergütung von insgesamt rund 35 Prozent binnen eines Jahres könnte zu einem übermäßigen Einbruch des Photovoltaikmarktes führen.“ Ein Kompromiss könnte darin bestehen, den Degressionsschritt zu Beginn des kommenden Jahres zu mildern oder hinauszuschieben. Die FDP-Fraktion im Bundestag zeigte sich „offen“ für eine Änderung des Röttgen-Plans. Im April berät der Bundestag über das Vorhaben.

  • Schäuble: Verschuldete Euro-Länder notfalls ausschließen

    Damit der Euro so hart bleibt, wie es die D-Mark war, will der Bundesfinanzminister einen Europäischen Währungsfonds gründen. „Staatsbankrott muss möglich bleiben“

    Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, hoch verschuldete Staaten notfalls aus der Eurozone auszuschließen. Dies müsse das letzte Mittel sein, wenn auch die Regeln eines neuen Europäischen Währungsfonds nicht mehr wirkten, schrieb der Minister in einem Gastbeitrag für die Freitag-Ausgabe der Financial Times.

    Vor dem Treffen der europäischen Finanzminister am kommenden Dienstag hat die Bundesregierung damit einen Pflock eingeschlagen: Sie peilt die Gründung eines Europäischen Währungsfonds an, der wie der Internationale Währungsfonds (IWF) Ländern mit Zahlungsbilanzdefiziten Kredite geben soll. Ausgelöst wurde die Debatte durch die hohe Verschuldung Griechenlands und den vorübergehend sinkenden Wert des Euro. Schäuble lehnt es ab, den IWF zu Hilfe zu holen – Europa müsse seine Probleme selbst lösen können. Sein Plädoyer für einen Europäischen Währungsfonds (EWS) ist außerdem ein Signal an die Bundesbürger: Wir tun alles dafür, dass der Euro so hart bleibt, wie es die D-Mark früher war.

    Der EWS soll an verschuldete Ländern Notkredite auszahlen können, schreibt Schäuble in seinem FT-Beitrag. Dadurch bekämen sie die Möglichkeit, ihre Staatsfinanzen wieder ins Lot zu bringen. Parallel zur finanziellen Unterstützung solle der Fonds aber harte und wirksame Maßnahmen durchsetzen, damit das betreffende Euro-Land seine Verschuldung reduziere und die gemeinsame Währung nicht in Gefahr bringe. Eine Sanktion könne sein, so Schäuble, den betroffenen Staat vorübergehend aus den Entscheidungsprozessen der Eurozone auszuschließen. Am Ende müsse die Drohung stehen, ihm die Mitgliedschaft in der gemeinsamen Währung zu entziehen. „Im Prinzip muss es auch möglich bleiben, dass ein Staat bankrott geht“, schreibt Schäuble. Nur durch derartige Hartherzigkeit lasse sich der unsoliden Wirtschaftspolitik mancher Regierung vorbeugen.

    Was von diesen Vorschlägen schließlich umgesetzt wird, muss man sehen. Die französische Regierung unterstützt die Fonds-Idee, die Bundesbank hat sich skeptisch geäußert, und die Europäische Zentralbank zurückhaltend.

    Im Umkreis der Debatte hatte das Handelsblatt berichtet, Schäuble trete Merkel zu forsch auf. Bei der Regierungspressekonferenz am Freitag wiesen die SprecherInnen des Kanzleramtes und des Finanzministeriums die These vom Streit zwischen Merkel und Schäuble allerdings zurück.

  • Der Druck, eine saubere Jugendbiografie abzuliefern

    Abschluss in der Tasche und hinaus in die Welt der Erwachsenen: Nach der Schule fängt für Jugendliche ein neuer Lebensabschnitt an. Soziologe Wolfgang Gaiser vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München erklärt, welche Probleme Berufs- und Studienanfänge

    Mandy Kunstmann: Herr Gaiser, die Schule ist endlich aus, das Abschlusszeugnis in der Hand. Welche Schwierigkeiten kommen auf Jugendliche dann zu?

    Wolfgang Gaiser: Das hängt ganz davon ab, welchen Abschluss die Schüler in der Tasche haben. Hauptschüler haben Probleme damit, ihre Wunschausbildung zu bekommen. Sie wollen einen zukunftsträchtigen Beruf erlernen. Sie möchten zum Beispiel KfZ-Mechaniker bei BMW werden und nicht irgendwo in einer langweiligen Werkstatt auf dem Lande arbeiten, wo sie nach der Ausbildung keine Stelle bekommen. Die großen Betriebe sieben jedoch extrem aus.

    Kunstmann: Und wie geht es den Abiturienten?

    Gaiser: Abiturienten stehen unter Stress. In den Bundesländern, in denen die Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre verkürzt worden ist, müssen die Schüler den Stoff schließlich in kürzerer Zeit packen. Wenn sie dann die auf die Universität gehen wollen, müssen sie heute in ein verschultes System einsteigen, das wiederum Druck ausübt.

    Kunstmann: Schadet der Bachelor, also das Kurzstudium, den jungen Leuten?

    Gaiser: Es ist fraglich, ob das Bachelor-System mit seiner Verdichtung und Formierung den jungen Leuten wirklich zugute kommt. Die Zeit, in der das Studium eine schöne Phase des sich Ausprobierens war, ist vorbei.

    Kunstmann: Wie groß ist der Druck, den unsere Gesellschaft auf die jungen Menschen ausübt?

    Gaiser: Der ist enorm. Junge Menschen stehen heute gänzlich unter öffentlicher Kontrolle. Von ihnen wird erwartet, mit 25 Jahren eine saubere Jugendbiografie abzuliefern. Alles ist heutzutage schließlich mit Zeugnissen versehen. An der Schule gibt es Noten, an der Uni Scheine oder Praktika-Beurteilungen und sogar das freiwillige soziale Jahr wird bewertet.

    Kunstmann: Ist dieser Leistungsdruck schädlich?

    Gaiser: Tatsächlich kann zu viel Druck schaden. Wir beobachten, dass Depressionen unter Jugendlichen zunehmen. Zornausbrüche oder Rückzugstendenzen treten auch immer häufiger auf.

    Kunstmann: Gibt es Jugendliche, die besonders gefährdet sind.

    Gaiser: Nicht jeder wird in Depression verfallen oder an Wutausbrüchen leiden. Ein starker Familienzusammenhalt oder ein guter Freundeskreis können die Belastungen auffangen.

    Kunstmann: Nicht jeder ist mit einem starken sozialen Umfeld gesegnet…

    Gaiser: … und die Schere zwischen denen, die auf der Strecke bleiben und denen, die eine internationale Karriere hinlegen, weil sie genügend Unterstützung haben, wird immer breiter.

    Bio-Box: Wolfgang Gaiser arbeitet seit 1972 beim Deutschen Jugendinstitut (DJI). Der 63-Jährige Diplom-Soziologe und Doktor der Sozialwissenschaften ist bei dem Münchner Institut Grundsatzreferent für Jugendforschung.

  • Bloß nicht Abwarten

    Wer kurz vor dem Abitur noch nicht weiß, welchen Weg er danach einschlagen soll, riskiert unnötige Enttäuschungen/ Für die Entscheidungsfindung gibt es Tricks

    „Ich hätte damals sogar Medizin studieren können“, erzählt Ina Walter. „Doch ich wusste nicht, dass mir die Zeit nach dem Abi als Wartezeit angerechnet wird.“ Gänzlich unvorbereitet stürzte sich die 32-Jährige Wahlberlinerin damals in das Unileben. Letztendlich entschied sie sich für den Studiengang Lebensmitteltechnik. Mittlerweile sechs Jahre studiert sie das Fach und ist sich immer noch nicht ganz sicher, ob das der richtige Weg ist. So wie Ina Walter geht es vielen jungen Menschen. Ohne genau zu wissen, welcher Job für sie der richtige ist, gehen sie nach dem Abi der Arbeitswelt entgegen.

    Aufschieben und bloß nicht an später denken, das scheint unter deutschen Oberstufenschülern eine gängige Strategie – zumindest was die Berufsplanung angeht. Knapp jeder zweite Schüler macht sich erst im letzten Jahr vor dem Abschluss darüber Gedanken, wie der weitere Bildungswegs aussehen soll. Jeder Zehnte hat sich sogar ein halbes Jahr vor den Abi-Prüfungen noch nicht mit dem Thema beschäftigt. Das hat eine Befragung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) ergeben. Dabei riskieren Jugendliche, die sich unvorbereitet ins Berufsleben begeben, unnötige Enttäuschungen.

    „Viele Studienabbrüche und manches Unglück kann man vermeiden, wenn man zumindest in etwa die Zielrichtung weiß“, sagt die Münchner Karriereberaterin Madeleine Leitner. „Natürlich hat die Abiprüfung Priorität, aber man sollte sich möglichst bald und intensiv mit der Zeit danach beschäftigen.“ Schließlich gehe es ja um den Rest des Lebens.

    Jugendlichen, die auf der Suche nach dem passenden Job sind, empfiehlt die Diplom-Psychologin zuerst einmal drei bis fünf Jobideen zu entwickeln und diese dann auf ihre Realität zu prüfen. Wer in die Betriebe hineinhört und Gespräche mit den Menschen die dort arbeiten führt, erfährt, wie der berufliche Alltag aussieht, welche Aufstiegschancen es gibt oder welche Ansprüche mit dem Job verbunden sind. Informationsveranstaltungen an den Universitäten findet Leitner weniger hilfreich. „Dort ist häufig nur Hochschulpersonal anwesend“, bemängelt die Beraterin. „Die wenigsten möchten doch aber Dekan oder Professor werden.“

    Vielen jungen Menschen fällt es schwer sich zu entscheiden, welchen beruflichen Weg sie einschlagen sollen. Nur sieben Prozent der Jugendlichen gaben bei der HIS-Befragung an, keine besonderen Schwierigkeiten bei der Wahl des künftigen Werdegangs zu haben. Wer auf der Suche nach dem Traumjob ist, sollte zu allererst genau wissen, wo die eigenen Talente liegen. „Erst wenn ich meine Fähigkeiten kenne kann ich auf Jobsuche gehen“, erklärt Leitner. Wo die eigenen Stärken liegen, lässt sich jedoch nicht immer einfach herausfinden. „Menschen sind oft besonders betriebsblind für das, was sie am besten können“, so die Psychologin. „Was sie gut können ist für sie so selbstverständlich, dass es ihnen gar nicht auffällt.“

    Auf die Suche nach den eigenen Talenten müssen sich Schüler nicht alleine begeben. Unterstützung bekommen sie von Berufs- oder Studienberatern. Und auch im Internet gibt es Hilfe. Eine gute Möglichkeit die eigenen Fähigkeiten ausfindig zu machen, ist der kostenlose Online-Test Borakel der Universität Bochum. Im Internet unter www.ruhr-uni-bochum.de/borakel/ ist er zu finden. Auch das Internet-Tool Explorix (www.explorix.de) hilft die eigenen Stärken zu erkennen. Die Teilnahme kostet 11,50 Euro.

    Studentin Ina steuert möglicherweise an ihrem Traumjob vorbei. „Ich glaube, ich hätte lieber Chemie studieren sollen“, gibt sie zu bedenken. Karriere-Expertin Leitner rät jedem, der merkt, dass er die falsche Richtung eingeschlagen hat, möglichst bald die Strategie zu ändern. „Menschen, die auf einem falschen Weg sind, tendieren dazu, noch mehr ins Abseits zu gehen.“
    Wer glaube, wenn er erst einmal zu Ende studiert habe, werde er schon eine Lösung finden, liege meist falsch.

    Welches die starken Seiten ihrer Klienten sind, erfährt die Beraterin übrigens indem sie deren Lebensgeschichten analysiert. „Meine Kunden schreiben Episoden aus ihrem Leben auf in denen sie etwas besonders gut gemacht oder die ihnen Freude bereitet haben“, sagt sie. Ein unglücklicher Jurist habe so zum Beispiel von seinem Vertriebstalent erfahren. Als Student hatte er einmal eine Konferenz organisiert. Mühelos ist ihm die Finanzierung gelungen – so mühelos, dass ihm das verborgene Talent gar nicht aufgefallen war. Heute ist der studierte Jurist Unternehmensberater für Anwaltskanzleien und um einiges glücklicher.  

  • Hier gibt es Geld für die Ausbildung

    Studiengebühren, Lernmaterialien, Miete und Taschengeld: Eine gute Ausbildung kostet Geld. Nicht nur mithilfe der Eltern oder einem Nebenjob lässt sich der Besuch einer Schule oder Universität finanzieren. Auch vom Staat und von privaten Unternehmen gibt es finanzielle Hilfen.

    Stipendien: Am kostengünstigsten finanziert sich eine Ausbildung durch ein Stipendium. Zuwendungen für Auslandssemester gibt es zum Beispiel vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Der Markt an Stipendiengebern ist vielfältig. Das sind auch die Voraussetzungen für die Förderung. Überdurchschnittliche Leistungen, finanzielle Bedürftigkeit oder besonderes Engagement sind nur einige Beispiele. Bei der Suche nach einem geeigneten Programm hilft das Bundesministerium für Bildung. Unter   www.stipendienlotse.de finden interessierte Angebote von 462 Anbietern.

    BAföG: Die staatliche Zuwendung gibt es nicht nur für das Studium an Hochschulen. Auch Ausbildungen an allgemein- und berufsbildenden Schulen, an Kollegs, Akademien oder Fernunterrichtslehrgänge werden unterstützt. Allerdings existiert eine Altersgrenze. BAföG erhalten junge Menschen, die bei Beginn der Ausbildung das 30. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Ebenso für Schuljahre oder Praktika im Ausland gibt es die Mittel, denn auf Deutschland ist die staatliche Unterstützung nicht beschränkt. Wie hoch die Zahlungen ausfallen, hängt davon ab, ob Auszubildende bei ihren Eltern wohnen und für welche Ausbildung sie sich entschieden haben. Schüler bekommen das Geld in der Regel, solange sie die Bildungsstätte besuchen. Sie müssen es nicht zurückzahlen. Studenten werden in der Regelstudienzeit unterstützt. Sie müssen die Hälfte der Summe später in niedrigen Raten begleichen. Unter www.das-neue-bafoeg.de gibt es weitere Informationen.

    Bildungskredit: Volljährige Schüler und Studenten können unter bestimmten Voraussetzungen auch den zinsgünstigen Bildungskredit der KfW in Anspruch nehmen. Älter als 35 Jahre dürfen sie allerdings nicht sein. In monatlichen Raten von 100 Euro, 200 Euro oder 300 Euro wird das Darlehen ausgezahlt. Bis zu 7.200 Euro können innerhalb eines Ausbildungsabschnittes gewährt werden. Nach Ablauf einer tilgungsfreien Zeit von vier Jahren muss der Kredit in monatlichen Raten von 120 Euro zurückgezahlt werden. Auch andere Banken bieten Darlehen. Vor dem Kreditabschluss empfiehlt es sich mehrere Angebote zu vergleichen. einen Studienkreditrechner hält die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg im Internet unter www.vz-bawue.de bereit.

  • Lesenswert

    Literatur für den Berufserfolg

    Strategische Berufsberatung: Wer nicht nur irgendeinen Job, sondern den Traumjob sucht, bekommt vom amerikanischen Buchautor Richard Nelson Bolles Unterstützung. In seinem Bestseller „Durchstarten zum Traumjob. Das ultimative Handbuch für Ein-, Um- und Aufsteiger“ zeigt er, wie jeder den passenden Arbeitsplatz finden kann. Das Buch erklärt, warum die konventionellen Methoden der Arbeitssuche oft ergebnislos bleiben und welche Strategien wirklich zum Erfolg führen. 

    Praktische Selbstanalyse: Wer nicht nur irgendeinen, sondern seinen Traumjob sucht, muss seine Talente und Fähigkeiten genau kennen. Nur dann lässt sich herausfinden, welcher Beruf am besten zu einem passt. Mit dem Arbeitsbuch „Durchstarten zum Traumjob – Das Workbook“ hilft Bolles Jobsuchenden ihre eigenen Stärken zu erkennen. Das eigenständige Buch zur Berufsorientierung konzipiert, eignet sich aber auch als Ergänzung zu „Durchstarten zum Traumjob. Das ultimative Handbuch für Ein-, Um- und Aufsteiger“.

    „Durchstarten zum Traumjob. Das ultimative Handbuch für Ein-, Um- und Aufsteiger“ (2009, 9. aktualisierte Auflage) ist für 24,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Das Arbeitsheft „Durchstarten zum Traumjob – Das Workbook“ (2007, 3. aktualisierte Auflage) gibt es für 17,90 Euro. Beide Bücher sind im Campus-Verlag erschienen.

  • Karriere als Kreuzfahrer

    An Bord eines Cruisers lockt der schnelle berufliche Aufstieg/ Die Voraussetzungen für die Jobs auf See sind jedoch hoch

    „Ich selbst will später unbedingt in die Kreuzfahrtbranche“, erklärt das blonde zierliche Mädchen im Hosenanzug. „Da kommt man in relativ kurzer Zeit sehr weit rum.“ 20 Jahre ist Udine Handorf alt und studiert im zweiten Semester Tourismusmanagement an der Karlshochschule International University in Karlsruhe. In Halle 5.1 der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin erklärt sie Schülern, welche beruflichen Möglichkeiten sich hinter ihrem Studiengang verbergen. Mit dem Plan, später einmal auf einem Kreuzliner zu arbeiten, hat sie selbst schon einen Schritt in Richtung einer viel versprechenden Berufslaufbahn gemacht. Denn die Arbeit an Bord gilt als Karrieresprungbrett im Reisesektor.

    Die Palette der gefragten  Berufe ist groß. An Bord werden Kabinenstewards, Konditoren, Köche Barkeeper, Schiffsingenieure, Fitnesstrainer,  Animateure oder Physiotherapeuten gebraucht.

    „Wer in seinem Lebenslauf eine Referenz aus der Kreuzfahrt vorweisen kann, hat einen enormen Marktwert“, erklärt Frank Fleischmann. Der Pressesprecher der Suhler Agentur für Arbeit weiß, welche Vorteile eine Anstellung auf See mit sich bringt. „Auf einem Schiff gewinnen die Leute hochwertige Kenntnisse“, sagt er. „Die Tätigkeit ist vergleichbar mit der Arbeit in einem Vier- oder Fünf-Sterne Hotel.“ Zudem gebe es auf den schwimmenden Herbergen flache Hierarchien und weniger Personal als an Land. Da falle es eher auf, wenn jemand gute Leistungen bringe. „Da sind auch die Chancen für einen Aufstieg höher“, so Fleischmann.

    Regelmäßig organisieren die Arbeitsvermittler die Jobbörse „Meer Arbeit“. „Wir wollen motivierte Bewerber und angebotsstarke Unternehmen auf unkomplizierte Weise zusammenzubringen“, sagt Sprecher Fleischer. Auch wenn die Treffen zwischen Firmen und potentiellen Mitarbeitern in dem Thüringer Städtchen stattfinden, regional beschränkt ist die Vermittlung nicht. Jeder, der an einem Job in der Kreuzfahrtbranche interessiert ist, kann vorbeikommen und Unternehmen wie AIDA Cruises, die Peter Deilmann Reederei oder TUI kennen lernen. Die Chancen durch das persönliche Treffen eine Tätigkeit an Bord zu ergattern, stehen gut. „Von den rund 1.000 Besuchern interessieren sich 500 tatsächlich für einen Job“, erläutert Fleischmann. Zuletzt habe man über 150 Stellen vermitteln können.

    Für die Arbeit auf See gibt es allerdings hohe Voraussetzungen. Nur wer entsprechende Vorkenntnisse mitbringt, hat Aussicht auf die berufliche Weltreise. Eine Ausbildung im Tourismusbereich und Arbeitserfahrung sind Pflicht. Optimal sollten die Bewerber ein halbes bis eineinhalb Jahre in einem Hotel, Restaurant oder vielleicht einem Freizeitpark gearbeitet haben. Und wen es auf ein Hochseeschiff zieht, der sollte möglichst schon Erfahrungen auf einem Flussschiff gesammelt haben.     

    Die hohen Anforderungen in der Hotellerie und Gastronomie kennt auch Michaela Spiegel. Auf der ITB ist sie Karriereberaterin am Stand der Internet-Jobbörse YourCareerGroup (www.ycg.de). Im beruflichen Alltag ist die 37-Jährige Personaldirektorin bei ArabellaStarwood Hotels. „Ausbildung, Auslandserfahrung und Englischkenntnisse sind Grundvoraussetzungen“, erzählt sie. Eigentlich findet sie, sollte die Branche in dieser Hinsicht flexibler werden. Auch Quereinsteiger verdienten es, berücksichtigt zu werden, weil sie oftmals viel motivierter seien. „Ein KfZ-Mechaniker, der schon lange mit einem Job als Koch liebäugelt, bringt vielleicht mehr Leidenschaft mit als jemand mit einer Ausbildung.“   

    Der Kreuzfahrtenmarkt gehört zu den am stärksten wachsenden touristischen Segmenten. Laut Deutschem Reiseverband (DRV) hat sich die Passagierzahl allein bei den Fahrten auf den Weltmeeren in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. 2009 wurde erstmals die Zahl von über einer Million Hochseekreuzfahrern überschritten.

    Der Trend geht also hin zum Urlaub auf dem „schwimmenden Hotel“. Bei der Online-Stellenvermittlung Joborama (www.joborama.de) beobachten die Mitarbeiter noch eine weitere Entwicklung – und zwar mit Sorge. „Es werden immer mehr Praktika ausgeschrieben“, bemängelt der Leiter der auf die Bereiche Sport, Fitness, Wellness, Tourismus, Hotellerie und Gastronomie spezialisierten Börse, Uwe Wasserloos. Udine, der blonden Studentin im adretten Anzug, und ihren Kommilitonen empfiehlt er, bloß nicht zu viele Praktika zu machen. Ein einziges könne schließlich reichen, „um den Fuß in die Tür zu kriegen“. 

  • Brüderles laues Lüftchen

    Kommentar zu Rainer Brüderle von Hannes Koch

    Wer Rainer Brüderle wohlwollend betrachtet, wird sagen, dass der Wirtschaftsminister der FDP bislang keine Fehler gemacht habe. Wer den rheinland-pfälzischen Politiker kritisch sieht, urteilt dagegen, man könne gar nicht erkennen, was Brüderle so treibe.

    Das stimmt nicht. Wahrnehmbar war Brüderle als einer der Mitwirkenden am Wachstumsgesetz der schwarz-gelben Koalition und der darin enthaltenen Steuersenkung für Hotels. Außerdem hat er ein Entflechtungsgesetz für Konzerne angekündigt, um deren Macht im Extremfall einzudämmen. Und drittens hat er einen Kreditmediator berufen, der unter gutem Zureden Banken davon überzeugen soll, Unternehmen Geld zu leihen. Der Erfolg dieser Mission ist bislang offen.

    Ist das die überzeugende Halbjahresbilanz eines Wirtschaftspolitikers, der jahrelang darauf warten musste, endlich wieder regieren zu können? Wer Brüderle neutral beobachtet, ist erstaunt über die Gemütlichkeit seines Handelns und die Leere seiner Statements. Mehr als das einförmige Bekenntnis zu Wachstum und Marktfreiheit ist da nicht zu hören. Vielleicht besteht in dieser Nicht-Politik aber die eigentliche Raffinesse. Wer nichts tut, unterstützt diejenigen, die ohnehin profitieren.