Blog

  • G20 drohen Investoren mit Steuern

    Der Krisengipfel von Pittsburgh erwägt erstmals internationale Steuern auf Finanztransaktionen. Banken sollen die Manager-Boni „sofort“ begrenzen. Keine konkreten Zahlen zu höherem Eigenkapital der Institute

    Der G20-Gipfel zur Finanzkrise hat einige Fortschritte erbracht. Erstmals ziehen die Regierungen der 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen die Einführung internationaler Steuern für Finanztransaktionen in Betracht. Dies geht aus der Abschlusserklärung hervor, die US-Präsident Barack Obama, Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und 17 weitere Regierungschefs am vergangenen Freitag Abend in Pittsburgh/ USA beschlossen.


    Die Regierungen haben vereinbart, dass der Internationale Währungsfonds bis zum nächsten G20-Gipfel in Canada im Juni 2010 einen Bericht über Möglichkeiten von Finanzmarktsteuern vorlegen soll. Zur Begründung heißt es im Gipfeldokument, „der Finanzsektor könnte einen fairen und substantiellen Beitrag leisten“, um die Schäden der Krise zu bezahlen. Peter Wahl vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac hält die Formulierung im Kommuniqué für einen großen Fortschritt.


    Tatsächlich steht die Steuer damit erstmals ganz oben auf der internationalen politischen Agenda. Einige Staaten wie Frankreich, Österreich und Belgien hatten sich bereits früher für dieses Instrument ausgesprochen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Kanzlerin Merkel unterstützen die Idee erst seit Kurzem – manche Skeptiker meinen, um Pluspunkte vor der Bundestagswahl zu sammeln. Die nach dem US-Ökonomen James Tobin benannten Tobin-Steuern sollen riskante Transaktionen bremsen und öffentliche Einnahmen generieren.


    Im Gipfeldokument heißt es weiter, dass die Unternehmen des Finanzsektors die Bezahlung ihrer Manager „sofort“ ändern sollen. Einig sind sich die Regierungen, dass die Banker keine garantierten Boni mehr kassieren dürfen. Im Gegenteil sollen die Aufsichtsbehörden Banken und Investoren verpflichten, die Zahlungen im Verlustfall nachträglich zu reduzieren. Boni werden künftig nur noch einen bestimmten Prozentsatz des Unternehmensgewinns ausmachen dürfen. Diese Maßnahmen dienen dazu, den Anreiz für allzu risikoreiche Entscheidungen zu verringern. Die internationale Behörde für Finanzstabilität soll bis März 2010 überprüfen, ob die Banken die neuen Vorgaben umgesetzen. Keinen Erfolg hatte Finanzminister Steinbrück mit seiner Initiative, die Erfolgsbeteiligungen in einem festen Verhältnis an das Fixgehalt der Banker zu binden.


    Wenn die unmittelbare Krise ausgestanden ist, werden die Institute außerdem mehr eigenes Geld in Reserve halten müssen. Diese Unterlegung mit Eigenkapital soll das Risiko im Verlustfall verringern. Die Details werden bis Ende 2010 ausgearbeitet und bis Ende 2012 umgesetzt. Konkrete Zahlen für das höhere Eigenkapital gibt es bislang aber nicht. Das gilt auch für eine spezielle Kapitalreserve, die systemrelevante Großbanken künftig zurücklegen müssen.


    Um China, Indien, Brasilien, Indonesien, Südafrika und andere Staaten besser einzubinden, erhalten die Schwellenländer erhalten fünf Prozent mehr Stimmrechte im IWF, die Industrieländer entsprechend weniger.


    Nur Formelkompromisse gab es dagegen beim Thema der „globalen Ungleichgewichte“. Die USA und Großbritannien forderten Exportländer wie Deutschland, China und Japan auf, ihre Binnenmärkte besser mit Konjunkturprogrammen zu unterstützen. Dies soll verhindern, dass einige Staaten den Weltmarkt mit ihren Produkten überschwemmen, während andere zu viel importieren und sich entsprechend verschulden. Hier enthält die Gipfelerklärung wohlklingende Bekenntnisse zu einem ausgewogenen Welthandel, die keiner Seite wehtun. Ändern wird sich deshalb wohl nichts.

  • Bauern vor Milchgipfel skeptisch

    Die Bauern sehen das Angebot eines Milchgipfels bei Bundeskanzlerin Angela Merkel skeptisch. Es sei fraglich, ob das Treffen in der kommenden Woche nicht allein aus wahltaktischen Gründen unterbreitet wurde, sagte der Chef des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, am Freitag in Berlin.

    Die Proteste der unter einem enormen Preisdruck leidenden Viehhalter sollen deshalb weiter laufen. Der Lieferboykott gegenüber den Molkereien wurde jedoch vorerst gestoppt. Insgesamt 500 Millionen Liter Milch haben die europäischen Landwirte in den letzten 16 Tagen vernichtet. Das macht sich schon im Preis bemerkbar. An den Rohstoffmärkten kostet der Liter Frischmilch laut Schaber derzeit 36 bis 38 Cent. Die Landwirte in Deutschland bekamen zuletzt nur noch zwischen 20 und 27 Cent, zu wenig für eine kostendeckende Betriebsführung.

    Trotz der gestiegenen Preise beharrt der BDM auf seiner Forderung, die Milchproduktion EU-weit zu steuern, damit die Landwirte stabile Erlöse einplanen können. Die momentan etwas bessere Situation werde sonst bald wieder beendet, warnte Schaber.

  • Jetzt kommt die Krise

    Obwohl es wieder aufwärts geht, droht Deutschland ein deutlicher Verlust
    an Arbeitsplätzen. Die Regierung kann dagegen wenig tun, glaubt der
    Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung(IAB) der
    Nürnberger Bundesagentur für Arbeit, J

    Frage: Die Wirtschaft erholt sich wieder. Sie erwarten dennoch einen 
    Anstieg der Arbeitslosenzahl um rund 650.000 im nächsten Jahr. Wie passt
    das zusammen?



    Joachim Möller: Der Einbruch der Produktion war zu dramatisch und ohne
    Beispiel in der Bundesrepublik. Es grenzt fast an ein Wunder, dass wir
    am Arbeitsmarkt bisher ohne große Blessuren davon gekommen sind. Die
    innerbetriebliche Flexibilität hat bestens funktioniert und die Krise
    hat zunächst die wirtschaftlich starke Exportindustrie getroffen. Die
    Unternehmen konnten die erste Schockwelle noch abfedern. Doch es wird
    lange dauern, bis die Produktion wieder den Stand des letzten Jahres
    erreicht hat. Die Betriebe passen ihre Beschäftigtenzahl nun den
    Gegebenheiten an. Außerdem gibt es vielfach einen Einstellungsstopp. Das
    zieht auch eine steigende Arbeitslosenzahl nach sich.



    Frage: Kann die nächste Bundesregierung etwas gegen diesen Anstieg tun?



    Möller: Die amtierende Regierung hat sehr viel getan. Die
    Konjunkturprogramme entfalten ihre Wirkung größtenteils erst noch. Die
    Kurzarbeiterregelung hat sich glänzend bewährt. Doch das Instrument
    Kurzarbeit kann kaum noch attraktiver gestaltet werden und der
    finanzielle Spielraum für weitere Konjunkturprogramme ist ausgereizt.
    Die künftige Arbeitsmarktpolitik kann vor allem für die Qualifizierung
    der Jobsuchenden sorgen und ihnen so zu besseren Einstellungschancen
    verhelfen. Die Nachfrage nach Beschäftigung können Politiker jedoch nur
    begrenzt stimulieren.



    Frage: Im letzten Abschwung wurde eine geringe Flexibilität des
    Arbeitsmarktes für die hohe Zahl der Jobsuchenden verantwortlich
    gemacht. Spielen strukturelle Probleme gar keine Rolle mehr?



    Möller: Der Arbeitsmarkt funktioniert deutlich besser als früher. Das
    Fördern und Fordern zeigt Wirkung, wie sich an der zuletzt deutlich
    gesunkenen Sockelarbeitslosigkeit zeigt. Es wäre heute viel schlimmer,
    wenn es keine Reformen gegeben hätte.



    Frage: Über einen Mindestlohn für alle wird zwischen den Parteien heftig
    gestritten. Was kann die Wissenschaft dazu sagen?



    Möller: Unsere Analyse des Baugewerbes hat gezeigt, das die Höhe des
    Mindestlohnes hier entscheidend für den Erfolg ist. Bei geringen
    Mindestlöhnen kann es teilweise sogar mehr Stellen geben. Das Beispiel
    England zeigt keinen Einfluss der Lohnuntergrenze auf den
    Beschäftigungsstand. Ein vernünftig angelegter Mindestlohn führt nicht
    in ein Jobdesaster. Ob es regionale oder nach Branchen unterschiedliche
    Mindestlöhne geben soll, kann die Forschung nicht abschließend
    beantworten. Das ist letztlich eine politische Entscheidung.



    Frage: Wie sehen die mittelfristigen Perspektiven für den Arbeitsmarkt
    in Deutschland aus?



    Möller: Wir werden mit der Krise noch über das kommende Jahr hinaus zu
    tun haben. In den Betrieben hat sich ein Polster an Beschäftigung
    aufgebaut. Viele Arbeitszeitkonten sind ins Minus gerutscht. Wenn es zum
    Aufschwung kommt, werden erst diese Puffer aufgelöst, bevor es zu
    Neueinstellungen kommt. Etwas Entlastung kommt von der Alterung der
    Gesellschaft. Jährlich verlassen etwa 150.000 Arbeitnehmer mehr den
    Arbeitsmarkt als Berufseinsteiger nachkommen.

  • Möglichst früh informieren

    Peter Hauk ist Minister für Ernährung und Ländlichen Raum in Baden-Württemberg. In seinen Aufgabenbereich fällt auch der Verbraucherschutz. Im Gespräch erklärt der Diplom-Forstwirt wie das Land dabei hilft, den Nachwuchs fit für die Konsumwelt zu machen.

    Mandy Kunstmann: Kinder sind gefragte Konsumenten, weil sie über eine große Kaufkraft verfügen. Wie erklärt der Vater Peter Hauk seinen Kindern die Fallstricke des Geschäftslebens?

    Peter Hauk: Kinder sollten bereits so früh wie möglich über Themen informiert werden, die zum Alltag einer Familie gehören, zum Beispiel über Kaufverträge, Reklamationsmöglichkeiten, die Wahl des Internetproviders und des Energieanbieters. Wenn Kinder und Jugendliche Fragen in diesen Bereichen haben, dann sollten Eltern versuchen, diese nachvollziehbar und ehrlich zu beantworten und sie nicht mit der Floskel abspeisen, dass sie noch zu klein dafür seien. Wer später als Verbraucher verantwortungsvoll entscheiden soll, muss dies als Kind und Jugendlicher gelernt haben. Das war mir auch in der Erziehung meiner Kinder wichtig.
    Kunstmann: Politiker sprechen gerne vom mündigen Verbraucher, der von klein auf den Umgang mit der komplexen Konsumwelt erlernen soll. Welche Aufgaben muss dabei die Schule übernehmen?

    Hauk: In der Schule erreichen wir Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, das ist ein großer Vorteil. Die Themen der Verbraucherbildung sind im Alltag der Jugendlichen präsent. Umgang mit Geld, Handyverträge, Internetabzocke, Werbestrategien, aber auch nachhaltiger Konsum stoßen auf Interesse und lassen sich sehr praxisnah im Unterricht umsetzen. In Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium und der Verbraucherkommission Baden-Württemberg starten wir gerade eine Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte, damit Verbraucherbildung ein noch größeres Gewicht bekommt.

    Kunstmann: Was können die Eltern leisten, die oft selbst überfordert sind?

    Hauk: Kinder sollten bereits früh lernen, kritikfähig zu sein, und sich bei Fragen auch Hilfe von außen zu holen. Wir können nur immer wieder auf die vielen Möglichkeiten zur kostenlosen Information durch Verbraucherberatungsstellen und im Internet oder aber durch Schriftmaterial hinweisen. Anlaufstellen sind in vielen Fällen auch die Verbraucherzentralen, Landratsämter, Schuldnerberatungsstellen oder Volkshochschulen. Eltern sollten nicht aus falschem Stolz versuchen Antworten oder Lösungsvorschläge zu geben, wenn sie sich selbst nicht sicher sind. Vorbild ist in solchen Fällen, der fremde Hilfe nicht scheut.

    Kunstmann: Warum gibt es kein eigenständiges Schulfach Verbraucherbildung, wie es in Schleswig Holstein eingeführt wurde?

    Hauk: In Baden-Württemberg sind Verbraucherthemen integrativer Bestandteil vieler Fächer und Fächerverbünde. Auch für die Behandlung in fächerübergreifendem Unterricht eignen sich viele Inhalte. Die Umsetzung im Unterricht kann aber sicher in vielen Fällen noch deutlich verstärkt werden, um jungen Menschen Alltagskompetenz zu vermitteln. Dafür stellt das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum in Kürze ganz neue Materialien als Hilfen zur Verfügung: "Money & Kids" zur Verbesserung der Finanzkompetenz schon in der Grundschule und "Konsumieren mit Köpfchen", eine umfangreiche Materialsammlung für die weiterführenden Schulen.
    Kunstmann: Welche Hilfestellung gibt das Land den Eltern, die ihren Nachwuchs auf den Ernst des Lebens vorbereiten wollen?

    Hauk: Wir unterstützen neutrale Beratungsinstitutionen und fördern Informationsmöglichkeiten im Internet. Die Fülle der Themen im gesundheitlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Verbraucherschutz spiegelt zum Beispiel das Verbraucher-Journal wider, das bei uns erhältlich ist. Darin sind konkrete Ansprechadressen und Hilfsangebote für Verbraucher aufgelistet, etwa bei Reklamationen von Lebensmitteln oder bei Anfragen zum Datenschutz. Auch im Internet können sich jung und alt auf unserem Verbraucherportal unter www.verbraucherportal-bw.de über Fragen des Verbraucherschutzes informieren. Die Verbraucherpolitik in Baden-Württemberg hat das Motto "Wir machen die Verbraucher stark!". Wir schaffen als Staat die Rahmenbedingungen und das Informationsangebot, nutzen müssen die Eltern und ihre Kinder dieses aber selbst.

    Zur Person: Peter Hauk ist seit April 2005 Minister für Ernährung und Ländlichen Raum in der baden-württembergischen Landesregierung. Er ist 48 Jahre und Vater zweier Kinder.

  • Der lange Weg zum mündigen Verbraucher

    Was Kinder über Verbraucherschutz wissen sollten

    Eine Schonzeit für die Jüngsten gibt es schon lange nicht mehr. Kids und Teens von heute sind schon in frühen Jahren fast vollwertige Verbraucher mit Rechten, Pflichten und den daraus resultierenden Problemen. Wer unbedarft im Internet surft, einen Handyvertrag abschließt oder
    Klingeltöne lädt, wird schnell über den Tisch gezogen. Dem Menschen wird die Fähigkeit zum guten Konsum nicht in die Wiege gelegt. "Die heute notwendigen Konsumkompetenz müssen junge Verbraucher erst erlernen", heißt es im zuständigen Landesministerium. Doch viele Eltern und Lehrer fühlen sich damit überfordert.

    Denn auch die Konsumwelt der Heranwachsenden ist kompliziert, wie das Beispiel von Verträgen zeigt. Generell sind Minderjährige schon ab dem achten Geburtstag beschränkt geschäftsfähig, können also auch ohne ihre Eltern Vereinbarungen treffen. Beschert ihnen der Vertrag nur Vorteile,
    benötigen sie nicht einmal die nachträgliche Zustimmung des
    Elternhauses. Das trifft zum Beispiel auch Schenkungen zu. Beim Einkauf sieht es anders aus. Kauf sich das Kind vom eigenen Taschengeld oder vom dafür vorgesehenen von der Oma geschenkten 100-Euro-Schein eine schicke Jacke, ist der Vertrag rechtskräftig. Das sieht der so genannte Taschengeldparagraph vor. In allen anderen Fällen müssen die Eltern dem
    Vertragsabschluss zustimmen. Auch im Internet oder am Telefon dürfen die Jugendlichen keine Verpflichtungen ohne Erlaubnis eingehen. Das ist nur ein Beispiel für das Grundwissen, das möglichst alle Kinder früh mit
    auf ihren Weg nehmen sollten.

    Bislang fehlt es Eltern wie Lehrern noch häufig an gebündelten
    Informationen über die Verbraucherrechte der Jüngsten. Doch allmählich wird das Defizit ausgeglichen. Das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg hat jetzt die Initiative ergriffen und Unterrichtsmaterial erstellt, das die Kinder fit im Umgang mit Finanzen und beim täglichen Konsum machen soll. Die umfangreiche Sammlung soll
    den Schulen demnächst kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Nur den Versand müssen die Lehranstalten bezahlen.

    Das Lernprogramm zum Thema Geld zeigt, dass Eltern auch zuhause leicht eine Basis für ein vernünftiges Konsumverhalten legen können. "Money &
    Kids" heißt das in Nordrhein-Westfalen entwickelte Lehrmodul. Zunächst lernen die Schüler den Unterschied zwischen materiellen Bedürfnissen wie dem Besitz von Comics und anderen Wünschen wie Liebe, Freundschaft und
    Vertrauen. Anschließend geht es um die Funktionen des Geldes. Man kann es ausgeben, sparen, damit den Wert von Dingen oder Leistungen messen oder es verschenken und vererben. Danach geht es um das Haushaltsgeld.
    Wie kommt die Familie mit dem Einkommen aus, was kostet das Leben und wie vergleicht man Preise. Schließlich lernen die Kids den Geldkreislauf kennen, wissen also, dass der Mammon hart erarbeitet werden muss.

    Die meisten Verbraucherprobleme kennen Erwachsene aus eigener Erfahrung und können sie warnend weiter geben. Doch jede Generation hat einen anderen Lebensstil und damit auch eigene Herausforderungen zu bewältigen. Einige Internetseiten befassen sich intensiv mit Verbraucherfallen für Kinder und Jugendliche, sowie deren speziellen Lebensgewohnheiten. Eltern
    finden beispielsweise unter der Webadresse www.vis-bayern.de
    Informationen über die wesentlichen Lebensbereiche der Heranwachsenden. Unter den Rubriken, Geld, Internet, Handy, Freizeit, Haushalt und Ernährung können Väter und Mütter die Belange ihrer Sprösslinge erkunden. An Kinder und Jugendliche selbst richtet sich das Online-Magazin der
    Verbraucherzentrale NRW unter der Adresse: www.checked4you.de, das unterhaltsam große Verbraucherthemen
    wie das Energiesparen präsentiert, aber auch Musterbriefe gegen die
    Abzocke im Internet bereithält. Eine dritte Onlineplattform ist vor
    allem für Erwachsene interessant. Unter www.verbraucherbildung.de
    werden aktuelle Themen, zurzeit
    beispielsweise die immer populäreren sozialen Netzwerke im Internet, kritisch beleuchtet. Mit etwas Engagement können sich Eltern also gut für die Fragen ihrer Kinder präparieren.

    Zu den notwendigen Kenntnissen junger Verbraucher gehören Theorie und Praxis gleichermaßen. Die Fähigkeit zum Preisvergleich muss ebenso erlernt werden wie das Verständnis für Marketing-Tricks der Wirtschaft.
    Die Webseite www.kinderkampagne.de der
    Verbraucherzentralen steht Eltern mit Tipps für beide Seiten der
    Medaille bei. Dazu gehören Ratschläge, wie lange Kinder fernsehen oder im Internet surfen sollten ebenso, wie die Sensibilisierung der Söhne
    und Töchter für ausgeklügelte Werbebotschaften

  • Kritische Kids

    Beim Wettbewerb „Jugend testet“ können junge Verbraucher zeigen, wie gewieft sie sind

    Mogelpackungen, Schummelkäse oder Gammelfleisch: Skandale zeigen immer wieder, dass Konsumenten beim täglichen Einkauf kritisch sein sollten. „Früh übt sich“, hat sich die Stiftung Warentest gedacht und den Wettbewerb „Jugend testet“ ins Leben gerufen. Der Startschuss für den aktuellen Wettbewerb ist zwar bereits gefallen, doch noch bis Ende November 2009 können sich Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren für den Wettbewerb anmelden.

    Ob Taschentücher, Tintenkiller oder Tiefkühlpizza, getestet werden darf, was interessiert, auffällt oder stört. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Auch ist es egal, ob man als Einzelkämpfer, mit einer Gruppe oder mit der ganzen Klasse an den Start geht. Einsendeschluss für die Arbeiten ist der 28. Februar 2010.  Im Sommer 2010 fällt die Jury ihre Entscheidung. Preisgelder von insgesamt 9000 Euro gibt es für die besten Arbeiten. Wer mitmachen möchte, kann sich im Internet unter www.test.de anmelden. Dort findet man auch ausführliche Informationen über die Teilnahme.  

  • Kartentausch mit Foto

    Am 1. Oktober startet die Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte/ Versicherte in der Region Nordrhein bekommen sie zuerst

    Und freundlich lächeln bitte: Millionen Deutsche werden sich demnächst um ein neues Lichtbild kümmern müssen. Denn ab 1. Oktober beginnen die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) mit der schrittweisen Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Auf die gehört auch ein Foto des Versicherten, zumindest, wenn er über 15 Jahre alt ist.

    „Los geht die Verteilung der neuen Karten in der Pilotregion Nordrhein“, sagt Dirk Ruiss, Pressesprecher des Verbands der Ersatzkassen (VDEK). Andere Bundesländer würden folgen. „In der Region Essen werden die ersten TK-Versicherten ihre Gesundheitskarte erhalten“, erklärt der Sprecher der Techniker Krankenkasse (TK) Nordrhein-Westfalen, Christian Elspas.

    Ob per Post, per Email, via Internet-Upload oder direkte Anfertigung in der Geschäftsstelle: Auf welchem Weg GKV-Mitglieder das Foto einreichen, können die Versicherungen selbst entscheiden. „Die Krankenkasse wird ihre Mitglieder vorab schriftlich über die entsprechenden Möglichkeiten informieren“, erklärt VDEK-Sprecher Ruiss.

     

    TK-Kunden beispielsweise, stehen zwei Mittel zur Verfügung: „Wenn sie zuhause einen Internetanschluss besitzen, dann können die Versicherten den Passbild-Upload nutzen und stellen uns ihr digitales Passbild online zur Verfügung“, sagt Elspas, „alternativ können sie uns ein Bild per Post schicken.“

    Bezahlen müssen Versicherte für die neue Karte nichts. Lediglich für das Lichtbild können Kosten anfallen – müssen aber nicht. Denn manch eine Geschäftsstelle wartet mit  einem Foto-Automaten auf, der die Bilder gratis knipst. Auch Kooperationen mit Fotografen wird es geben, um Versicherte bei  einer preisgünstigen Fotoerstellung zu unterstützen. Wer im Besitz eines PCs samt Webcam ist, kann im Internet auch bei www.clickyourpic.de vorbeischauen. In Eigenregie und ganz ohne Fotografen kann man dort Bilder aufnehmen und sich  preiswert nachhause schicken lassen.

    Unter Druck stehen die Kassen bei der Einführung nicht: „Es gibt keinen Stichtag für den Abschluss“, weiß André Maßmann, Pressesprecher der AOK Rheinland/ Hamburg. Er prognostiziert, dass sich die Verteilung der Karten an die 2,9 Millionen Kunden der Region sich „weit bis ins nächste Jahr“ hineinziehen wird.

    Biometrisch muss das Bild für die elektronische Versichertenkarte übrigens nicht sein. Ein ganz normales Farb- oder Schwarzweiß-Foto mit neutralem Hintergrund genügt. Die Größe ist allerdings festgelegt: ungefähr 45 Millimeter hoch und 35 Millimeter breit.

  • Gesundheitskarte mit moderner Technik

    Ein Mikroprozessorchip auf der Karte ermöglicht den Datenaustausch zwischen Ärzten, Apotheken und Versicherten/ Auch die Patientenakte kann gespeichert werden

    Die elektronische Versichertenkarte soll das deutsche Gesundheitswesen moderner machen. Patienten sollen künftig besser und wirtschaftlicher behandelt werden. Auch der Informationsaustausch zwischen Ärzten, Apotheken sowie Versicherten soll leichter werden. Ein programmierbarer Mikroprozessorchip macht es möglich.

    Die Karte wird schrittweise eingeführt und nach und nach neue Funktionen erhalten. Von Beginn an werden auf der so genannten E-Card die administrativen Daten, also Name, Geburtsdatum, Geschlecht, Versicherten- und Zuzahlungsstatus, Anschrift und Krankenkasse, gespeichert. Das konnte die alte Karte auch. Neu ist, dass diese Versichertendaten nicht nur wie bisher auf der Karte gespeichert sind, sondern auch in einem Onlineverfahren beim Arztbesuch abgeglichen und aktualisiert werden können.

    Von Anfang an ist auf der Rückseite der Gesundheitskarte auch die Europäische Krankenversicherungskarte aufgedruckt. Versicherte können sich mit ihr im Krankheitsfall unbürokratisch medizinisch im europäischen Ausland behandeln lassen.

    Nach und nach erhält die E-Card neue Funktionen: Zuerst wird die Karte das Rezept übertragen können, das so genannte elektronische Rezept. Mit Einverständnis des Versicherten können zusätzliche Funktionen genutzt werden, wie zum Beispiel die Arzneimitteldokumentation, also die Speicherung aller ärztlich verordneten Medikamente. Auch Notfalldaten, beispielsweise Arzneimittelunverträglichkeiten, Allergien oder Vorerkrankungen können auf dem Chip Platz finden.

    In einem weiteren Schritt sollen –
    mit Einverständnis des Versicherten – Arztbriefe mithilfe des Mikroprozessorchips gespeichert, beziehungsweise weitergeleitet werden. Bei der Behandlung durch mehrere Mediziner können so Informationen ausgetauscht werden. Zuletzt soll auch die Patientenakte elektronisch aufgezeichnet werden. Diese Funktion ist für die Versicherten ebenfalls freiwillig. Die digitale Akte kann Hinweise auf die individuelle Krankengeschichte oder auf wichtige Laborbefunde, sowie Operationsberichte oder sogar Röntgenbilder enthalten.

  • Der Wunsch nach mehr Freizeit

    Teilzeitjobs sind umstritten und gelten als Karrierebremse / Die meisten
    Beschäftigten sehen es anders

    Immer mehr  Arbeitnehmer in Deutschland haben Teilzeitjobs.
    Vor allem für Frauen sind die kürzeren Arbeitszeiten attraktiv. Familie
    und Beruf lassen sich so leichter unter einen Hut bringen. Neben der
    klassischen Halbtagsstelle haben mittlerweile auch amerikanische
    Jobmodelle Einzug gehalten.

    2008 war nach Berechnungen des Institut für Arbeitsmarkt- und
    Berufsforschung (IAB) jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland weniger als
    40 Stunden im Büro oder im Geschäft. Oft wird der zeitlich flexible Einsatz
    zu Lasten der Beschäftigten eingeführt, etwa um im Supermarkt die Kassen
    entsprechend der Kundenströme zu besetzen. Auch werden vor allem in
    schlecht bezahlten Jobs Teilzeitarbeiten angeboten. Auch deshalb ist es
    eine Frauendomäne. „90 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind weiblich“,
    erklärt Werner Eichhorst, stellvertretender Direktor für
    Arbeitsmarktpolitik am Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA). Nur in den
    Niederlanden ist die reduzierte Arbeitszeit noch weiter verbreitet.

    Aber auch in qualifizierten Berufen sind die inzwischen vielfältigen
    Arbeitszeitmodelle auf dem Vormarsch, diesmal zum beiderseitigen Nutzen.
    Die Betriebe ein Interesse. „Für die Unternehmen ist Teilzeit das Modell,
    um qualifizierte junge Frauen im Erwerbsleben zu halten“ sagt Eichhorst.
    Für die Angestellten steht die Vereinbarkeit von Privatleben und Job im
    Vordergrund.

    Vor allem öffentliche Verwaltung, der Dienstleistungssektor und das
    Kredit- und Versicherungsgewerbe setzen auf flexible und kürzere
    Arbeitszeiten – also Branchen die einen hohen Frauenanteil aufweisen. In
    Männer dominierten Wirtschaftszweigen wie dem Bau- oder Verarbeitenden
    Gewerbe, finden Teilzeitangebote hingegen kaum einen Platz.

    Für die Wirtschaft ist Teilzeitarbeit aus mehreren Gründen interessant.
    „Die Unternehmen bieten die Jobs an, weil sie flexible Arbeitskräfte
    benötigen und weil Teilzeitarbeiter in der Regel produktiver sind als ihre
    Kollegen mit Vollbeschäftigung“, erläutert IZA-Experte Eichhorst. Darüber
    hinaus würden Teilzeitjobber auch eine Verdichtung der Arbeitsabläufe in
    kauf nehmen – sprich, weniger Pausen machen – und in der Regel auch etwas
    länger arbeiten als vereinbart.

    Beschäftigte reduzierten ihre Arbeitszeit vor allem aus familiären
    Gründen. Laut Mikrozensus des Statistischen Bundesamts sind mehr als die
    Hälfte der Teilzeitjobber die weniger als 21 Stunden pro Woche arbeiten
    deshalb nicht Vollzeit berufstätig, weil sie Kinder betreuen, Angehörige
    pflegen oder anderen familiären Pflichten nachkommen. Dieses Argument gilt
    vor allem für Westdeutschland. Nach Angaben des Instituts der Deutschen
    Wirtschaft (IW) Köln verzichten 57 Prozent der Teilzeitbeschäftigten auf
    ein volles Gehalt der Familie zuliebe. In Ostdeutschland sind es lediglich
    14 Prozent.

    Teilzeitarbeit gilt auch als Karrierebremse. Denn nicht jeder
    Arbeitnehmer, der weniger Stunden arbeitet, tut dies aus freien Stücken.
    Häufig findet sich einfach keine adäquate Vollzeitstelle oder kein
    Kita-Platz für den Nachwuchs. Vor allem Mütter in den westlichen
    Bundesländern bleibt häufig keine andere Wahl als kürzer arbeiten zu gehen,
    weil Krippen-, Kindergarten- und Ganztagsschulangebote rar sind: Nur eins
    von zehn Kindern unter drei Jahren besucht hier eine
    Kindertageseinrichtung. Im Osten sind es fast viermal so viele.

    Dass Teilzeit keine optimale Lösung ist, weil es eben oftmals
    Aufstiegsmöglichkeiten verhindert, räumt man auch beim IZA ein. „Dennoch
    scheint eine relative Zufriedenheit unter den Arbeitnehmern zu bestehen“,
    sagt Arbeitsmarktpolitikexperte Eichhorst. 80 Prozent der Frauen hätten
    sich bewusst für reduzierte Arbeitszeiten entschieden. In Frankreich
    hingegen, würden nur zwei Drittel der Frauen freiwillig in einem
    Teilzeitjob arbeiten.

    Nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz muss der Arbeitgeber dem Wunsch
    nach Teilzeitarbeit nachkommen, es sei denn, er kann eine Teilzeitstelle
    aus betriebsorganisatorischen Gründen nicht anbieten. Neben dem klassischen
    Teilzeitmodell, bei dem an den fünf Tagen der Woche einfach kürzer
    gearbeitet wird, warten Unternehmen mittlerweile mit einer Vielzahl von
    Möglichkeiten auf, die es ihren Mitarbeitern erlauben, kürzer und flexibler
    zu arbeiten.

    Beim Jobsharing zum Beispiel, teilen sich zwei Arbeitnehmer
    eigenverantwortlich eine Stelle. Teilzeit Invest nennt sich eine andere
    Variante. Hier ist der Arbeitnehmer zwar Vollzeit tätig, bekommt aber
    Teilzeit bezahlt. Die Differenz wird als Zeit- oder Geldguthaben auf einem
    Langzeitkonto angespart. So sind mehrmonatige Urlaubsphasen, Sabbaticals
    (Auszeitjahre) oder sogar den vorgezogene Ruhestand möglich. Das Gehalt
    wird dann einfach weitergezahlt. Durchgesetzt haben sich die modernen
    Arbeitsformen jedoch noch nicht: „Die meisten Arbeitnehmer arbeiten
    halbtags“, berichtet IZA-Mann Eichhorst.

    Sogar der Krise trotzt die Teilzeitarbeit: Während es im zweiten Quartal
    diesen Jahres 0,5 Prozent weniger Vollzeitbeschäftigte gab als im Jahr
    zuvor, erlebte die Teilzeitarbeit im gleichen Zeitraum einen Wachstumsschub
    von 1,2 Prozent. Das hat das IAB errechnet. Der Grund für den Aufschwung:
    In den von der Wirtschaftskrise stark betroffenen Branchen der Industrie
    ist Teilzeitarbeit wenig verbreitet.

  • Kanzlerin bringt Zockern kein Geld

    Wettanbieter Intertops sieht eher Schlämmer als Steinmeier als Kanzler

    Die Bundestagswahl ist längst entschieden. Angela Merkel bleibt Kanzlerin und führt eine schwarzgelbe Regierung. So sehen es wenigstens Kunden des Wettanbieters Intertops. Je geringer die Quote für ein Ergebnis ist, desto wahrscheinlicher ist es. Setzt ein Zocker auf Merkel als künftige Kanzlerin, zahlt Intertops pro Euro gerade einmal sieben Cent Gewinn zurück. Wer auf Frank Walter Steinmeier setzt, erhält für jeden gesetzten Euro sieben zurück. Der Unterschied in der Quote entspricht etwa dem üblichen bei einem Fußballspiel zwischen Bayern München und einem drittklassigen Verein. Sollte es Oskar Lafontaine ins dritthöchste Amt schaffen, könnten seine Wettanhänger ein kleines Vermögen einheimsen. Für 100 Euro Einsatz gäbe es 50.000 Euro zurück. Wie wenig dem Spitzenmann der SPD der Sieg zugetraut wird, zeigt eine Spaßwette. Die Frage, ob eher der Filmkandidat Horst Schlämmer oder der echte Sozialdemokrat den Gipfel erringen könnte, beantworten die Zocker eindeutig. Schlämmer werden der Quote nach doppelt so hohe Chancen eingeräumt.

    Enger geht es bei der Frage nach den Regierungsparteien zu. Das Wahlergebnis sieht die Union mit 34 Prozent vor der SPD mit 26 Prozent. Die FDP wird nach Ansicht der Glücksritter mit 13 Prozent drittstärkste Kraft vor der Linken mit elf Prozent und den Grünen mit zehn Prozent.

    Schwarzgelb ist mit einer Quote von 1,75 zu eins Favorit vor einer großen Koalition, die den 2,3-fachen Gewinn einbringt. Jamaika und die Ampel sind mit einer Quote von 12:1 weit abgeschlagen

  • G20 gehen an´s Eingemachte

    Die Regulierung der Finanzmärkte beschränkt Gehälter und Gewinne

    Eine neue und unerwartete Erfahrung machte unlängst Wolfgang Ziebart. Der ehemalige Vorstand des Chip-Herstellers Infineon erhielt die Nachricht, dass seine Pension gekürzt würde. Das Unternehmen ist nicht mehr bereit, Ziebart ab diesem September die gut 500.000 Euro jährlich als Altersgeld zu bezahlen, die einst vereinbart worden waren. Begründung: Die wirtschaftliche Situation der Firma habe sich nach Ziebarts Ausscheiden im Frühjahr 2008 verschlechtert, demzufolge müssten die letzten Gehaltszahlungen aufgrund des alten Vertrages um etwa ein Viertel sinken – und damit auch die Pension.


    So wie Ziebart dürfte es künftig einer Reihe von Managern gehen – möglicherweise Ex-Arcandor-Chef Middelhoff und den früheren Vorständen von BMW. Denn das politische Umfeld für die Unternehmen hat sich seit dem Beginn der Finanzkrise stark geändert. So werden die Regierungen der mächtigsten Wirtschaftsnationen (G20) morgen (Freitag) bei ihrem Gipfel in Pittsburgh/USA beschließen, dass die Bonuszahlungen für Bankmanager, die in der Vergangenheit oft Dutzende Millionen betrugen, beschränkt werden. In dieser Logik liegt auch eine Verschärfung des deutschen Aktiengesetzes, die kürzlich in Kraft getreten ist.


    Deshalb freute sich Joachim Poss sehr über die Geschichte mit Ziebarts Ruhegeld. Denn nach Einschätzung des Fraktionsvize der SPD ist der Fall Ziebart das erste Beispiel dafür, dass das neue Aktiengesetz wirkt. Darin hat die große Koalition kürzlich festgelegt, dass der Aufsichtsrat die Bezüge des Vorstandes rückwirkend reduzieren soll, wenn sie nicht mehr in einem „angemessenen Verhältnis zur Lage der Gesellschaft stehen“.


    Die Gerechtigkeitsdebatte über die horrenden Gehälter von Managern beschäftigt Deutschland schon einige Jahre – ohne die Finanzkrise wäre das Gesetz aber nicht so schnell geändert worden. Und erst recht hätte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nicht die neuen Möglichkeiten bekommen, die sie jetzt hat. Denn auch BaFin-Chef Jochen Sanio, Deutschlands oberster Bankenaufseher, kann nun, wenn er will, ungerechtfertigt hohe Gehälter und Erfolgsbeteiligungen untersagen.


    Das ist ein Anfang – aber der morgige Beschluss der G20 könnte noch mehr ermöglichen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) will erreichen, dass die Bonuszahlungen ein bestimmtes Verhältnis zum Fixgehalt eines Managers nicht überschreiten. Und ein zweiter Ansatz ist im Gespräch: eine feste Relation zwischen Boni und Gewinn. Dass Banken 60 Prozent ihres Profits als Milliarden-Regen über den Wertpapierhändlern und Vorständen niedergehen lassen, wäre dann nicht mehr möglich.


    Zwar bleiben auch mit den neuen Regelungen Millionen-Gehälter künftig weiter möglich – eine absolute Obergrenze wird ja nicht eingeführt. Allerdings ziehen die Regierungen die Schraube deutlich an. Der Rechtfertigungsdruck für die Unternehmen steigt. Man darf hoffen, dass Exesse seltener werden. Die Regulierung der Gehälter und Boni ist deshalb nicht überflüssig, sondern auch ein Versuch, die Gerechtigkeitskluft zu verringern.


    Die Boni-Frage ist ein Beleg dafür, dass die Regulierung der Finanzmärkte jetzt am Kern der Wirtschaft angekommen ist – beim Profit der Individuen und Unternehmen. Nun geht es an´s Eingemachte. Nicht nur bei den Gehältern, sondern auch bei den Gewinnen der Banken. Axel Weber, Präsident der Bundesbank und Hüter des Systems, sagte unlängst in kleinem Kreis, dass infolge der neuen Regulierung die Renditen sinken und die Geschäftsmodelle der Banken weniger profitabel würden. Diese Äußerung beinhaltete einen Teil Beschwichtigung der kritischen Öffentlichkeit, aber sie war auch eine Beschreibung des Kommenden.


    Die Regierungen der G20 werden beschließen, die Geschäfte der Banken zu bremsen. Sie wollen damit die risikoreichen Geschäfte erschweren, die zur Finanzkrise führten. Als Hebel nutzen die Regierungen verschärfte Vorschriften für das Eigenkapital der Institute. Während Banken ihre Geschäfte heute nur mit wenigen Prozent Aktienkapital und Rücklagen absichern müssen, wird diese Quote künftig auf bis zu acht Prozent steigen. Für jedes risikoreiche Geschäft halten die Finanzhäuser dann mehr eigenes Geld in Reserve. Und der Aufbau dieser Kapitalreserve reduziert den frei verfügbaren Gewinn.


    Was die G20 da machen, ist also nicht nur Kosmetik. Es kostet die Deutsche Bank, UBS, Barclays, Goldman Sachs und andere Institute Geld. Und reduziert damit das Risiko gefährlicher Spekulationen. Allerdings ist dieser Regulierungsprozess noch in der Schwebe. Konkrete Zahlen für die Höhe des Eigenkapitals gibt es bislang nicht, sie werden auch noch eine Weile auf sich warten lassen. Dies beinhaltet die Gefahr, dass die politische Dynamik nachlässt, Gras über die Krise wächst und die Regulierungsversuche verebben.


    Was aber in jedem Fall klar ist, ist dies: Den G20-Regierungen geht es nicht darum, die Gewinne derart einzuschränken, dass aus großen Banken wieder kleine werden. Weder Kanzlerin Angela Merkel noch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy oder US-Präsident Barack Obama wollen den einheimischen Finanzsektor zerschlagen. Der Finanzkapitalismus bleibt intakt. Er wird nur etwas langsamer.

  • Die Banken-Bremser von Pittsburgh

    Nur viel Gerede beim G20-Gipfel gegen die Finanzkrise? Nein, die Bankenregulierung kommt.

    Ja, es gibt Bewegung. Das große Geld wird etwas gebremst. Dies dürfte das wichtigste Ergebnis des Gipfels der 20 wichtigsten Wirtschaftsnationen sein, deren Regierungen sich ab Donnerstag in Pittsburgh/ USA treffen. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy, US-Präsident Barack Obama und die anderen 17 Regierungschefs verhandeln, stecken sie den Rahmen ab für eine stabilere internationale Wirtschaftsordnung. In Ansätzen ist diese bereits zu erkennen. Unsere Zeitung gibt einen Überblick über die Themen und möglichen Ergebnisse.


    Warum findet der G20-Gipfel statt?
    Die Regierungen wollen Lehren aus der Finanzkrise ziehen. Neu ist, dass sich daran nicht nur die alten, meist westlichen Industriestaaten beteiligen, sondern auch große Schwellenländer wie China, Indien, Indonesien und Brasilien.


    Werden die Banken beschränkt?
    Ja, die Regierungen wollen das Risiko von Bankgeschäften für Bürger und Staat reduzieren. Wenn die Institute mehr eigenes Geld in Reserve halten, so die Überlegung, sind sie besser gegen Verluste abgesichert und müssen nicht vom Steuerzahler gerettet werden. Heute schreibt das Bankenabkommen Basel II eine maximale Eigenkapitalquote von acht Prozent vor. Diese könnte künftig steigen. Die Schweizer Notenbank hat bereits 16 Prozent ins Gespräch gebracht. Konkrete Zahlen für die neue Eigenkapitalquote gibt es aber noch nicht.


    Gibt es schärfere Regeln für große Institute?
    Manche Institute sind so groß und wichtig für das Funkionieren des gesamten Finanzmarktes, dass die Staaten sie selbst im Falle gigantischer Verluste nicht pleitegehen lassen können. In Deutschland traf diese Analyse unter anderem auf die Hypo Real Estate und die Commerzbank zu, in den USA waren es Bear Stearns, Merill Lynch und andere. Wegen ihrer besonderen Bedeutung sollen solche Institute künftig noch mehr Eigenkapital zurücklegen als normale Banken. Kanzlerin Merkel hat es so ausgedrückt: „Keine Bank darf so groß werden, dass sie eine Regierung erpressen kann“.


    Verdienen die Banker bald weniger?
    Die Bonuszahlungen für Manager und Wertpapierhändler könnten sinken. Unter anderem Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) möchte ein bestimmtes Verhältnis der Boni zu den Fixgehältern der Banker festlegen, das erstere nicht überschreiten dürfen – beispielsweise drei zu eins. Die internationale Behörde für Finanzstabilität prüft zweitens, ob es sinnvoll wäre, die Erfolgsbeteiligungen auf einen gewissen Anteil vom Gewinn der jeweiligen Firma zu beschränken. Außerdem werden die Unternehmen verpflichtet, überhöhte Zahlungen im Falle von Verlusten zurückzufordern. Dahinter steht die Überlegung, dass die horrenden Boni, die an die Gewinne gekoppelt waren, die Investoren zu immer waghalsigeren Spielen trieben und damit zur Finanzkrise beitrugen. Eine Obergrenze für fixe und variable Gehaltsbestandteile ist aber nicht im Gespräch.


    Wer soll die Schäden der Krise bezahlen?
    Hunderte Milliarden Dollar und Euro bleiben bei den Staaten, letztlich den Steuerzahlern hängen. Aber mehr und mehr Politiker wollen auch die Verursacher beteiligen – sie machen sich stark für eine neue Steuer auf Finanzgeschäfte. Sogar EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquin Almunia hält dies mittlerweile für eine „sehr gute Idee“. Jede Finanztransaktion würde mit einer geringen staatlichen Abgabe belegt. Den Finanzmärkten entzöge man damit etwas Kapital und reduzierte das Risiko gefährlicher Spekulation. Zugleich würden die Staaten dutzende Milliarden Dollar und Euro von denen einkassieren, die die Krise verursacht haben. Der Haken an der Sache: Damit die Steuer wirkt, müssten die wichtigsten Finanzplätze mitmachen – London, New York, Tokio, Hongkong, Frankfurt. Danach sieht es augenblicklich nicht aus, besonders die britische und die US-Regierung haben Vorbehalte.


    Hat der Gipfel Sinn?
    Ja, seit dem G20-Gipfel von Washington 2008 ist viel passiert – vor allem auf der Ebene von Beschlüssen. Theoretisch nimmt der neue Regulierungsrahmen für Banken und Investoren Gestalt an. Die praktische Umsetzung jedoch fehlt bisher an vielen Punkten. „Wir müssen den Druck aufrechterhalten“, sagt deshalb ein hoher Beamter des Finanzministeriums. Fraglich ist, ob es dazu kommt. Sollte das Bundesfinanzministerium nach der Wahl an die CSU fallen, könnte auch dort der Elan nachlassen. Bundeskanzler Angela Merkel gibt sich freilich optimistisch: Die meisten internationalen Reformen müssten „bis Mitte 2010 stehen“, sagte sie kürzlich.

  • Harte Zeiten für Haushälter

    Die Staatsfinanzen geraten als Folge der Krise unter einen erheblichen Druck. Die Ausgaben steigen stärker als geplant, die Einnahmen gehen zurück und die Sozialkassen benötigen höhere Zuschüsse als ursprünglich erwartet. Deshalb glauben die meisten Ökono

    Bund, Länder und Gemeinden

    „Wir tappen im Dunkeln“, gesteht der Kieler Ökonom und Steuerschätzer Alfred Boss mit Blick auf die Kosten der Krise. Denn es bestehen noch erhebliche Unsicherheiten, wie hoch die Belastungen aus den vielen Rettungsschirmen für den Steuerzahler werden. Der Bund hat vor allem Garantien für Darlehen ausgesprochen. Bislang ist keine Bürgschaft fällig geworden. Im Gegenteil. Die Hilfspakete bringen dem Finanzminister erhebliche Zinszahlungen ein. Neun Prozent Jahreszins muss beispielsweise die Commerzbank für die Milliardeneinlage des Bundes bezahlen. Was in einigen Jahren unter dem Strich des Krisenmanagements steht, ist völlig offen.

    Leichter lassen sich die Effekte in den normalen Haushalten beziffern. Allein 113 Milliarden Euro neue Schulden macht die öffentliche Hand in diesem Jahr. 80 Milliarden davon entfallen auf den Bund. 133 Milliarden Euro werden Bund, Länder und Kommunen im kommenden Jahr an neuen Darlehen aufnehmen. Bis 2013 sinkt die Neuverschuldung dann auf 70 Milliarden Euro. Eigentlich wollte der Finanzminister 2010 erstmals einen ausgeglichenen Etat servieren.

    Krankenkassen

    Die Folgen der Gesundheitsreform sowie die steigende Arbeitslosigkeit bescheren den Krankenkassen hohe Defizite. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erwartet in diesem und dem nächsten Jahr ein Minus von 10,5 Milliarden Euro bei den Krankenkassen. Damit besteht die Gefahr, dass viele Krankenkassen von ihren Mitgliedern Zusatzbeiträge erheben.

    Arbeitslosenversicherung

    In der Kasse der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) klafft eine gewaltige Lücke. Die Rücklagen von 18 Milliarden Euro werden am Jahresende aufgebraucht sein. Im kommenden Jahr erwartet das RWI ein Defizit von 18 Milliarden Euro. Die BA-Spitze ging sogar von über 20 Milliarden Euro aus. Die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung werden wohl spätestens 2011 steigen.

    Rentenversicherung

    Die Deutsche Rentenversicherung ist bislang weitgehend ungeschoren durch die Krise gekommen. Das Beitragsaufkommen blieb bislang stabil. Auf den Konten befinden sich fast 14 Milliarden Euro an Reserven. Davon dürfte die Rentenversicherung, wenn es nötig wird, noch auf gut zehn Milliarden Euro zurückgreifen, bevor die gesetzliche Mindestreserve in Sichtweite kommt.

    Steuereinnahmen

    Während die Ausgaben krisenbedingt explodieren, gehen die Einnahmen aus gleichem Grund zurück. 45 Milliarden Euro fehlen in diesem Jahr, 85 Milliarden Euro im nächsten. Steuerschätzer Alfred Boss vom Kieler Institut für Weltwirtschaft sieht trotz der konjunkturellen Erholung noch keinen Grund zur Entwarnung. Durch das leichte Wachstum kämen im kommenden Jahr vielleicht zwei bis drei Milliarden Euro mehr herein, sagt der Forscher. Von einer Trendwende kann also noch nicht gesprochen werden.

  • „Wir brauchen einen klaren Zeitplan für Klimaschutz“

    Michael Otto und andere Konzernchefs fordern mehr politische Anstrengungen gegen die Erwärmung der Atmosphäre

    Hannes Koch: Anlässlich der UN-Klimakonferenz in New York in dieser Woche fordern Sie und andere Unternehmer besseren Klimaschutz. Um wieviel sollten wir unseren Ausstoß von Kohlendioxid reduzieren, damit das Weltklima stabil bleibt?


    Dr. Michael Otto: In den Industrieländer muss der CO2-Ausstoß bis 2050 um bis zu 85 Prozent sinken. Das ist auch realistisch. Denn die Entwicklung umweltfreundlicher Energieversorgung und klimaschonender Antriebe kommt erstaunlich schnell voran.


    Koch: Sie erheben politische Forderungen. Haben Sie kein Vertrauen in die Anstrengungen der Bundesregierung und anderer Staaten?


    Otto: Wir wollen die Politik unterstützen. Und wir treten dem verbreiteten Eindruck entgegen, die Wirtschaft verschließe sich dem ernsthaften Schutz des Klimas. Viele Unternehmen sind bereit mitzumachen. Denn wir begreifen die Reduzierung des CO2-Ausstoßes auch als Chance für umweltfreundliche deutsche Exportprodukte.


    Koch: Sie stehen mit ihrer Initiative in der Welt der Wirtschaft noch recht alleine da.


    Otto: Das würde ich nicht so sehen. 500 große Unternehmen unterstützen bereits das Ziel, den weltweiten CO2-Ausstoß zwischen 50 bis 85 Prozent zu reduzieren. Es ist immer so, dass einige beginnen. Die Initiative zieht Kreise.


    Koch: Sie beklagen, dass es der Politik an konsequenten Zielen und einem klarem Zeitplan fehle.


    Otto: Deutschland ist in Europa ein Vorreiter des Klimaschutzes. Aber die internationalen Anstrengungen könnten stärker ausfallen. Schon bis 2020 müssten die Industrieländer ihre gesamte Klimabelastung durch CO2 um 40 Prozent reduzieren. Dazu sollten sie sich bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Dezember verpflichten. Und es ist richtig: Wir brauchen einen konsequenten, klaren Zeitplan mit überprüfbaren Zwischenschritten. Sonst verfehlen wir das Ziel, die Erwärmung der Erdatmosphäre bei zwei Grad zu stabilisieren.


    Koch: Das weltweite Wirtschaftswachstum, die permanente Erhöhung von Produktion und Konsum frisst die Klimaentlastung zumindest teilweise wieder auf. Ist das auch bei der Otto Gruppe so?


    Otto: Nein, wir haben beispielsweise den CO2-Ausstoß durch Verkehr in unserem Unternehmen zwischen 1993 und 2005 um die Hälfte reduziert. Container wurden sparsamer gepackt, Luftfracht teilweise durch Seeverkehr ersetzt und verbrauchsarme Fahrzeuge angeschafft. Vom heutigen Stand aus gerechnet wollen wir die Klimabelastung bis 2020 nochmals um 50 Prozent senken. Man sieht: Wachstum und Klimaschutz müssen nicht im Widerspruch zueinander stehen.


    Koch: Gilt diese These auch, wenn Sie die Auslagerung von vergleichsweise schmutziger Produktion im Textilbereich nach China oder Indien einkalkulieren?


    Otto: Das ist ein sehr schwieriges Thema. Den so genannten CO2-Fußabdruck können wir bisher erst für wenige Produkte berechnen. Bei T-Shirts haben wir das gemacht und festgestellt, dass die größte Klimabelastung erstaunlicherweise nicht aus den langen Verkehrswegen, sondern auch der Färbung der Stoffe resultiert. Deswegen sind wir an die chemische Industrie herangetreten, die daraufhin einen neuen, schonenderen Farbstoff entwickelte. Dieser wird nun in die Produktion eingeführt.


    Dr. Michael Otto (Jg. 1943) ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der in Hamburg ansässigen Otto Gruppe, einem der weltweit größten Versandhändler.

    Konzerne für Klima
    500 Unternehmen weltweit haben am Dienstag das Kopenhagen-Kommuniqué veröffentlicht. Darin fordern sie die internationale Politik auf, den Ausstoß von Kohlendioxid bis 2050 um bis zu 85 Prozent zu reduzieren. Diese Ziele sollten die Industrieländer bei der Weltklima-Konferenz in Kopenhagen im kommenden Dezember beschließen. Beteiligt an dieser Initiative sind unter anderem die Allianz AG, Beluga Shipping (Hamburg) und die Otto Gruppe. Diese und andere Unternehmen haben sich auch in der deutschen „Initiative 2 Grad“ zusammengeschlossen – benannt nach dem Ziel, die Erwärmung der Atmosphäre auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Die Mitgliedsfirmen sind Vorreiter beim Klimaschutz, verpflichten sich aber nicht zu gemeinsamen Reduktionszielen.
    Koch

  • „Silber hat sich in der Haut abgelagert“

    Der Nutzen von Silberpartikeln in Alltagstextilien ist hoch umstritten. Kranken Menschen jedoch, kann die „Metallkleidung“ helfen. Prof. Dr. med. Margitta Worm, stellvertretende Leiterin des Allergie-Zentrums der Charité in Berlin, beantwortet die wichtig

    Mandy Kunstmann: Welchen Patienten kann Silber in der Kleidung helfen?

    Margitta Worm: Menschen, die an Neurodermitis leiden, kann das zum Beispiel helfen. Silber wirkt ja antibakteriell, sprich es tötet Bakterien ab. Bestimmte Bakterien lösen auf der Haut von Neurodermitikern Entzündungen aus. Wenn diese abgetötet werden, reduziert sich auch die Entzündung.

    Kunstmann: Müssen die Patienten dann alle Silberanzüge tragen?

    Worm: Nein, nicht unbedingt. Das hängt davon ab, wo sich die Hautentzündung abspielt. Ist sie zum Beispiel an den Ellenbogen, an Händen oder Füßen, können die betroffenen Stellen mit silberhaltigen Materialien abgedeckt werden – eben je nach Bedarf. Für Säuglinge gibt es sogar Strampler. Mützen und Schals gibt es übrigens auch.

    Kunstmann: Abgesehen von Neurodermitis, hilft Silber auch bei anderen Krankheiten?

    Worm: Ja. Offene Beine können mit Silberhaltigen Wundauflagen behandelt werden.

    Kunstmann: Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Behandlung mit Silbermaterialien?

    Worm: Nun, man kann versuchen, eine Kostenübernahme bei der Kasse zu beantragen. Eine Regelleistung ist die Behandlung aber keineswegs. Die Krankenkassen entscheiden das für den Einzelfall.

    Kunstmann: Helfen die Silberstoffe allen Neurodermitikern?

    Worm: Das hängt auch vom Einzelfall ab. Ist die bakterielle Besiedlung gering, erzielt man eher Erfolge mit der antientzündlichen Behandlung. Bei Patienten, die sehr viele Bakterien auf der Haut haben, können die Materialen unterstützend wirken.

    Kunstmann: Kann Silber nicht auch Allergien auslösen? Schließlich gibt es Nickelallergiker.

    Worm: Theoretisch ja. Schließlich können alle körperfremden Stoffe, wie eben Nickel oder auch Duftstoffe, allergische Reaktionen auslösen. Praktisch ist das aber noch nicht vorgekommen.          

    Kunstmann: Hilft Silber auch in anderer Form als in Textilien gegen Krankheiten?

    Worm: Früher gab es so genannte Rollkuren für Magenpatienten. Menschen die unter Magengeschwüren litten, bekamen silberhaltige Lösungen verabreicht. Damals hat man aber beobachtet, dass sich Silberpartikel bei einigen Patienten in der Haut ablagerten. Die sind dann regelrecht grau geworden. Das war aber eine andere Silberform als in den verwendeten Stoffen heute.
     Kunstmann: Ist Silber in den Textilien nicht eher gefährlich? Schließlich weiß man, dass es sich beim Waschen lösen kann. Könnte das Silber dann nicht auch in die Haut eindringen?

    Worm: Tatsächlich ist das derzeit Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Bisher gibt es dafür aber noch keine Hinweise.

    Kunstmann: Manche Menschen trinken Silberwasser. Das soll wie ein Antibiotikum wirken. Was halten Sie davon?

    Worm: Falls die Menschen eine Wirkung verspüren, halte ich das für einen Placeboeffekt. Die Mengen in dem Wasser sind viel zu gering für eine antibakterielle Wirkung. Wer einen wirklichen Effekt erzielen möchte, müsste wirklich sehr, sehr viel davon trinken.  

  • Raus aus dem Alltag und hinein in die Natur

    Wandern ist „in“ / Schicke und leichte Funktionstextilien liegen im Trend

    Berge erklimmen, mit dem Paddelboot Seenlandschaften erkunden oder auf dem Rad entlegenen Ortschaften entgegen brausen: Immer mehr Menschen zieht es in ihrer Freizeit an die frische Luft. Am liebsten schnüren die Deutschen ihre Wanderschuhe und ziehen mit dem Rucksack auf dem Rücken durchs Land. Vom verstaubten Wanderimage ist nichts mehr geblieben. Im Gegenteil: Moderne und farbenfrohe Kleidung macht aus den Pilgern einen willkommenen Hingucker. 

    Umfragen zufolge wandert jeder zweite Deutsche gelegentlich oder regelmäßig durch Wald und Flur. Die meisten legen die auserkorene Strecke lieber gemütlich zurück. Immer häufiger geht es dabei Querfeldein. Populär sind zum Beispiel Schnitzeljagden mit GPS-Gerät. Beim so genannten Geocaching („cache“ engl.: geheimes Lager), sucht man mit dem Navigationssystem einen Schatz, dessen Koordinaten zuvor im Internet veröffentlicht wurden. Das zieht auch Menschen an, die normalerweise für das Wandern nicht zu begeistern sind.

    Eigentlich kann der Spaziergänger auf deutschen Wegen kaum verloren gehen. Trotzdem wappnen sich dagegen immer mehr Ausflügler mit einem GPS-Gerät. Die modernen Wegweiser sind bereits für 100 Euro erhältlich. Es gibt dazu Spezialkarten für Wassersportler ebenso wie für Radfahrer. Eine gute digitale Karte ist oft teurer als das Gerät selbst und kostet locker einen dreistelligen Betrag.

    Am wichtigsten ist jedoch die richtige Kleidung für jedes Wetter und jede Aktivität. Festes Schuhwerk mit Profil gehört zum Beispiel zur Grundausrüstung eines jeden Wanderers. "Gute Schuhe kauft man am besten im Fachhandel und testet sie vor Ort“, empfiehlt der stellvertretende Geschäftsführer des Deutschen Wanderverbands Erik Neumeyer, „100 Euro sollte man dafür kalkulieren." Neben dem Rucksack ist auch eine wasserdichte aber atmungsaktive Regenjacke empfehlenswert.

    „Funktionskleidung ist absolut sinnvoll“, erklärt Wanderexperte Neumeyer. Beim Outdoorhändler Camp4 weiß man sogar schon über künftige Trends bei den funktionellen Bekleidungsstücken Bescheid. „Merino-Wollunterwäsche wird der Renner“,  prognostiziert Mitarbeiter Enriko Wolff die Aussichten für das Weihnachtsgeschäft. Egal ob Unterhemd oder -hose, T-Shirt oder Leggings, die feinfaserigen Textilien kratzen garantiert nicht, sind atmungsaktiv und regulieren den Wärmehaushalt ganz natürlich. Freilich, günstig ist die Wäsche nicht, scheint aber zu überzeugen: „Wer einmal Merino gekauft hat kommt wieder“, beobachtet der Mann vom Fach.

    Tatsächlich, mit seiner Prognose könnte Wolff Recht haben, schließlich warten die Hersteller inzwischen mit modischen Kollektionen in bunten Farben auf und setzen damit auf einen Trend: Funktionskleidung darf heute auch gut aussehen. Das stärker werdende Modebewusstsein der Kunden beobachtet man auch bei der Zeitschrift Outdoor: „Die Hersteller machen sich über das Design Gedanken“, berichtet Redakteur Frank Wacker, „die Produkte sind mittlerweile sehr modisch geworden.“

    Angesagte Farbtöne und fesche Schnitte sind aber nicht das einzige, auf das sich Outdoorfreunde freuen können: Getreu dem Motto „weniger ist mehr“ setzt die Branche immer stärker auf ultraleichte Stoffe. Das lässt die Pfunde bei Jacken, Zelten und Schuhen purzeln. Gerade einmal 250 Gramm bringt das wasserdichte und atmungsaktive Marmot Mica Jacket auf die Waage. „Rekordverdächtig“ nennt das die Outdoor-Redaktion. Mit der „wohl leichtesten“ Jacke aus Gore-Tex Pro Shell – einem, nach Händlerangaben, aus den strapazierfähigsten und atmungsaktivsten Geweben hergestelltem Material, das dauerhafte Wasser- und Winddichtigkeit bietet – wartet Adidas auf. Das Terrex Feather Jacket ist gerade einmal 325 Gramm leicht.

    Den Wunsch nach Leichtigkeit spürt auch der Fachhändler. „Soft Shells werden immer stärker nachgefragt“, beobachtet Wolff vom Camp4-Team das Käuferverhalten. Die bequemen Stoffjacken aus elastischem Material mit glatter Außen- und weicher Innenseite wehren bedingt Nässe ab, sind windabweisend bis winddicht und bedingt wasserdicht – ideal fürs Wandern. „Sie ersetzen das klassische Wanderhemd“, urteilt Outdoor-Mann Wacker. 

    Atmungsaktive Kleidung ist für sportliche Aktivitäten die erste Wahl. Wer jedoch mit seinem Funktionsanorak beim Skifahren oder Geocaching nicht unverhofft ins Schwitzen geraten möchte, sollte auf das passende Darunter achten. „Die beste Jacke nützt nichts, wenn man keine Unterwäsche trägt, die die  Feuchtigkeit so schnell wie möglich vom Körper wegleitet“, erklärt Wolff. Sowohl Textilien aus Kunstfaser als auch aus Merino-Wolle können das.

    Weil Kunstfaser leichter anfängt zu riechen, bearbeitet die Industrie die Materialien mit Silberionen nach. Das wirkt antibakteriell, die Wäsche bleibt länger frisch. Von  Silberhöschen und Co. als Alltagskleidung rät das Bundesinstitut für Risikobewertung jedoch ab. Die Textilien seien noch nicht ausreichend erforscht. Und mögliche allergische Reaktionen oder Resistenzbildungen nicht auszuschließen.

  • Gut beraten

    Die teuersten Outdoorjacken sind nicht unbedingt die besten/ Beim Kauf auf Schwachstellen achten

    Mit einer guten Funktionsjacke trotzt man ohne zu schwitzen strömendem Regen. Bis zu mehreren Hundert Euro kosten die „Wasserabweiser“ im Fachgeschäft. Auch Discounter haben die funktionellen Oberteile ab und an im Angebot. Zwar steigt mit jedem ausgegebenen Euro die Wahrscheinlichkeit, dass die Jacke hält was sie verspricht. Ein hoher Preis garantiert jedoch noch lange keine gute Qualität. 

    „Auf die Verarbeitung kommt es an“, erklärt Renate Ehrnsperger von der Stiftung Warentest worauf Kunden beim Kauf einer Outdoorjacke achten sollten. Denn wie wasserdicht die Jacke ist, hängt nicht allein vom Material, sondern auch von der Konstruktion ab. An Schwachstellen kann Wasser eindringen und den Aufenthalt im Freien schnell zu einer recht unangenehmen Angelegenheit machen.

    „Sogar mit einer 500 Euro teuren Jacke kann man baden gehen“, urteilt Redakteur Frank Wacker, der bei der Zeitschrift Outdoor selbst regelmäßig Jacken testet. Potentieller Schwachpunkt sind die Nähte. Zwar ist das Material der Jacke wasserfest, doch sobald eine Nadel durch den Stoff sticht, ist es mit dem Regenschutz dahin. Hersteller bringen deshalb Klebebänder auf die Nähte auf, die das Eindringen von Feuchtigkeit verhindern. „Käufer sollten darauf achten, dass die Klebebänder sauber aufgebracht sind“, erklärt Ehrnsperger. Auch undichte Reißverschlüsse bereiten Probleme. Sie müssen gut abgedeckt oder wasserabweisend  sein. Darüber hinaus ist ein Blick auf die Säume ratsam. Denn an ihnen kann sich die Nässe leicht hochziehen und nach innen gelangen. Sind sie regendicht, passiert das nicht.

    Mit Hilfe verschiedener Systeme schützen Hersteller ihre Textilien vor dem Eindringen von Feuchtigkeit. Mikroporöse Membranen zum Beispiel, wie Gore-Tex, haben so kleine Poren, dass nicht einmal der kleinste Regentropfen hindurchpasst. Wasserdampfmoleküle hingegen, können ohne Probleme entweichen. Auch unterschiedliche Beschichtungen machen Jacken regenundurchlässig. Den besten Stoff gibt es jedoch nicht. „Die Materialien haben unterschiedliche Stärken“, erläutert Fachmann Wacker. Kunden müssten so zum Beispiel abwägen, ob ihnen eine lange Haltbarkeit oder vielleicht doch ein geringes Gewicht wichtig sei.

  • Nachgezählt

    Auf 390 Millionen Wanderungen begeben sich die Deutschen im Jahr und ziehen dabei gut gerüstet durch das Land: 85 Prozent der Frischlufttouristen besitzen wetterfeste Jacken, die Hälfte hat mindestens ein paar Wanderschuhe im Schrank. Das hat das Europäische Tourismusinstitut (ETI) ausgerechnet.