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  • „Das Leben auf dem Land wird schlechter“

    Mit der Demografie-Strategie setze sich die Regierung unerreichbare Ziele, sagt Experte Klingholz.

    Hannes Koch: Unser Land wird leerer, die Bevölkerungszahl nimmt in den kommenden Jahrzehnten stark ab. Schlägt die Bundesregierung in ihrer Demografie-Strategie die richtigen Gegenmaßnahmen vor?

    Reiner Klingholz: Gegen das Schrumpfen gibt es keine realistischen Maßnahmen. Bis 2050 wird unsere Bevölkerung um mindestens zwölf Millionen Menschen zurückgehen – selbst bei einer angenommenen Zuwanderung von 200.000 Personen unter dem Strich pro Jahr. Damit muss man sich abfinden.

    Koch: Hat die Regierung die richtigen Antworten auf diese Herausforderung?

    Klingholz: Die Bundesregierung setzt sich sehr hohe Ziele, die so nicht erreichbar sind. Sie strebt beispielsweise an, dass Deutschland auch künftig ein nennenswertes Wachstum erwirtschaftet und die Menschen in den ländlichen Regionen trotz des massiven Bevölkerungsrückgangs weiterhin “gleichwertige Lebensverhältnisse“ vorfinden. Außerdem verspricht die Regierung eine gleichbleibend gute Versorgung auch der zunehmenden Zahl älterer Menschen – bei Stabilität der Staatsfinanzen und der sozialen Sicherungssysteme.

    Koch: Wieso machen es die Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung schwerer, diese Ziele gleichzeitig zu erreichen?

    Klingholz: Wenn die Bevölkerung abnimmt und dieser Verlust nicht durch eine massive Zuwanderung ausgeglichen wird, verlieren vor allem ländliche Regionen Bewohner. Die Lebensverhältnisse dort werden schlechter. Sie auf heutigem Niveau zu halten, würde die finanziellen Möglichkeiten des Staates überfordern.

    Koch: Wenn Deutschland in 20, 30 Jahren weniger Menschen, Konsumenten und kreative junge Leute hat, wird vielleicht weniger zusätzlicher Wohlstand erwirtschaftet als heute. Aber trotzdem kann die Wirtschaft doch weiter wachsen?

    Klingholz: Einige Faktoren schränken dieses Wachstum erheblich ein. Zum einen müssen deutlich mehr ältere Menschen versorgt werden. Dies sind soziale Investitionen, die nicht zu Innovation und höherer Produktivität führen. Bei Investitionen in die Bildung junger Menschen ist das anders: Sie schaffen später Produktivität und Wohlstand. Hinzu kommt, dass unser Wirtschaftswachstum gegenwärtig im zehnjährigen Schnitt ohnehin nur noch bei 0,9 Prozent jährlich liegt. Wenn nun die Zahl der Erwerbstätigen sinkt und die der zu Versorgenden steigt, werden wir künftig kaum mehr Wachstum erreichen. Dann schrumpft der Kuchen, es gibt weniger zu verteilen.

    Koch: Und gleichzeitig steigen die Steuern und Sozialabgaben?

    Klingholz: Das spricht niemand gerne aus. In 20, 30 Jahren wird uns der Staat mehr Geld aus der Tasche ziehen, weil wir die steigenden Kosten des Alterns bei nachlassender Wirtschaftskraft finanzieren müssen. Und man sollte sich darauf einstellen, dass die Rente mit 67 nicht das letzte Wort zur längeren Lebensarbeitszeit war.

    Koch: Die Bundesregierung suggeriert, wir könnten die heutige Art der Besiedlung Bayerns, Baden-Württembergs, Hessens und anderer Flächenländer aufrechterhalten. Eine Illusion?

    Klingholz: Schon heute schafft vor allem die moderne Wissensgesellschaft in den Zentren neue Jobs. Auf dem platten Land gehen eher Arbeitsplätze verloren. Junge Leute ziehen aus den ländlichen Regionen weg. Die Infrastruktur folgt dieser Abstimmung mit den Füssen. Schwimmbäder werden geschlossen, Schulen, Geschäfte, Banken ebenso, der Bus fährt nicht mehr. Das Leben auf dem Land wird unattraktiver. Wenn nun die Bevölkerung insgesamt schrumpft, verliert vor allem der periphere ländliche Raum weiter und überproportional.

    Koch: Wird man später ganze Dörfer aufgeben?

    Klingholz: Das deutet sich schon heute in dünn besiedelten Gebieten von Brandenburg oder Vorpommern an. Aber auch im Westen, in Oberfranken oder im Bayerischen Wald, in Nordhessen oder im Harz geht der Trend in diese Richtung.  Die Bundesregierung hält jedoch daran fest, dass auch künftig überall auf dem Land gleichwertige Lebensverhältnisse herrschen. Sie sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren.

    Koch: Die Regierung unterstellt, dass weiterhin rund 200.000 Zuwanderer jährlich kommen. Tut sie genug, um dies zu erreichen?

    Klingholz: Nein, die deutsche Politik handelt sehr defensiv, was sich an den Zuwanderungszahlen für Hochqualifizierte zeigt. Innerhalb der EU haben wir zwar eine weitgehende Wanderungsmöglichkeit, aber der Gewinn von Talenten aus Drittstaaten dürfte gegen Null tendieren, denn wir verlieren ja auch gut ausgebildete Leute, etwa in die USA, nach Skandinavien oder in die Schweiz.

    Koch: Was müsste geschehen?

    Klingholz: Wir müssten weltweit offensiv Leute anwerben. Die Goethe-Institute und Stiftungen sollten im Ausland Sprachkurse anbieten. Die Kanadier beispielsweise betreiben Anwerbeagenturen in Deutschland, um qualifizierte Leute von hier nach Kanada zu holen. Das müssten wir kopieren. Denn junge, gut ausgebildete Einwanderer bedeuten künftigen Wohlstand. Unsere eigenen Nachwuchszahlen sind zu gering, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

    Bio-Kasten
    Reiner Klingholz (58) leitet das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Er ist ausgebildeter Chemiker und Molekularbiologe.

  • Benzinpreise werden meldepflichtig

    Wirtschaftsminister Rösler: Tankstellen sollen Preiserhöhungen beim Kartellamt anzeigen

    Jeder Tankwart soll künftig das Bundeskartell informieren, wenn er den Benzinpreis anhebt oder senkt. Auch die größeren Händler von Benzin und Diesel ebenso wie die Raffinerien müssen ihre Preisveränderungen melden. So steht es in einem neuen Gesetzentwurf von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), der dieser Zeitung vorliegt.

    Rösler will damit das Kartellamt stärken und ihm eine bessere Aufsicht über die Preispolitik der Mineralölkonzerne ermöglichen. Hintergrund ist der starke Anstieg der Treibstoffkosten für Autofahrer: 1,70 Euro pro Liter waren in den vergangenen Monaten keine Seltenheit.

    Das Bundeskartellamt weist allerdings daraufhin, dass die Preise an den Konzern-Tankstellen durch die neue Maßnahme nicht sinken werden. Es gehe ausschließlich darum, die Freien Tankstellen vor der Macht der Großen schützen. So kann die Registrierungspflicht möglicherweise dazu führen, dass die unabhängigen Anbieter ihren Sprit bald etwas billiger verkaufen.

    Zentraler Punkt des Gesetzes: Das Bundeskartellamt bekommt eine neue Markttransparenzstelle. Dorthin müssen alle Benzinhändler die Veränderungen ihrer Notierungen per Internet melden. Jede Cent-Verschiebung an irgendeiner der rund 14.000 deutschen Tankstellen wird dem Kartellamt damit bekannt. Das Verfahren gilt nicht nur für Autotreibstoff, sondern auch für den Großhandel mit Strom und Gas.

    „Wir freuen uns über den Gesetzentwurf“, sagte Kartellamtssprecher Kay Weidner. Die in Bonn ansässige Behörde hofft damit „faire Bedingungen für die Freien Tankstellen“ durchsetzen zu können. Denn darum geht es: Unabhängige Tankwarte beschweren sich oft darüber, dass ihnen Aral (BP), Shell, Esso (ExxonMobil), Jet (ConocoPhilipps) und Total Benzin zu höheren Preisen liefern, als zu denen es die Konzerne an ihren eigenen Tankstellen verkaufen. Derartigem Missbrauch von Marktmacht will das Kartellamt einen Riegel vorschieben.

    Wenig Hoffnung macht Kartellamtssprecher Weidner dagegen den Autofahrern, die an den Konzern-Tankstellen tanken: „Auch in Zukunft können wir nicht auf Knopfdruck die Preise senken.“ Aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung würden die Unternehmen die Notierungen im Gleichklang anheben oder senken, ohne damit gegen das Kartellrecht zu verstoßen. „Abgucken ist nicht verboten“, so Weidner. An der normalen Preisentwicklung mit ihren ärgerlichen Oster- und Sommerferienspitzen werde die neue Registrierungspflicht deshalb nichts ändern, sagte der Sprecher.    

    Röslers Sprecher Holger Schlienkamp wies den Verdacht zurück, das Gesetz habe etwas mit dem Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zu tun, wo die FDP Angst haben muss, nicht mehr in die Landtage zu kommen. SPD-Fraktionsvize Florian Pronold bezeichnete den Gesetzentwurf „als Placebo, den Rösler eilig noch vor der Wahl verabreicht“.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt Röslers Initiative, auch CDU-Wirtschaftssprecher Joachim Pfeiffer sendet Zustimmung. Das Gesetz hat deshalb gute Chancen, im Bundestag beschlossen zu werden.

    Einige Bundesländer, darunter Thüringen und Nordrhein-Westfalen, versuchen außerdem, eine weitergehende Regelung mit Hilfe des Bundesrates voranzubringen. Die Tankstellen sollen ihre Preise demnach nur noch einmal täglich erhöhen dürfen. Davon erhoffen sich die Länder eine preisdämpfende Wirkung.

  • Weg vom Einzelkämpfer, hin zum Teamplayer

    Die Medizinerausbildung befindet sich im Innovationszug/ Und der fährt in die richtige Richtung

    In den 1980er Jahren kannten Jungärzte Patienten im Prinzip nur von weitem. Praktische Erfahrungen waren in der Medizinerausbildung damals kaum vorgesehen. „Das Praktikum in der Chirurgie und der Inneren Medizin fand mehrmals in der Woche im großen Hörsaal statt“, erinnert sich Dr. Roman Duelli, der seinerzeit an der Medizinischen Fakultät Bonn studierte. „Zwar wurden Patienten vorgestellt“, sagt er. „Das große Manko damals war aber, dass die Studenten die Patienten nicht selbst untersuchten.“

    Inzwischen leitet Duelli das Studiendekanat der Medizinischen Fakultät Heidelberg. Vieles ist seither besser geworden in der Ärzteausbildung. Zuerst wurde Ende der 1980er Jahre der Arzt im Praktikum – der AiP – eingeführt, den die Absolventen im Anschluss an ihr sechsjähriges Studium anhängten. Den AiP gibt es zwar nicht mehr. Dafür ist der Unterricht insgesamt praktischer geworden. Dafür hat die Änderung der Approbationsordnung im Jahr 2002 gesorgt.

    Doch auch wenn sich seit den 1980er Jahren in der Medizinerausbildung so einiges getan hat, Reformen bedarf das Studium immer wieder – auch heute. „Die Gesundheitswirtschaft gilt als Zukunftsbranche“,  schreiben die Autoren des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) in einer aktuellen Studie. Unstrittig sei, dass ihre Potenziale für mehr Lebensqualität, Wachstum und Beschäftigung nur bei grundlegenden Erneuerungen ihrer Leistungsangebote und Arbeitsprozesse realisiert werden könnten.

    Reichen die heutigen Ausbildungsgänge und Studienangebote aus, um den wachsenden Anforderungen gerecht werden zu können? Das war eine der Fragen die sich die Forscher stellten. Weg vom Einzelkämpfer, hin zum Teamplayer: Ans Licht brachte die Studie unter anderem, dass Mediziner in Zukunft verstärkt nicht nur fachliche Leistungen bieten, sondern auch zu einer verbesserten Organisation der Gesundheitsversorgung beitragen müssen – nicht allein, aber im Austausch mit anderen Gesundheitsberufen und im Zusammenspiel mit Leistungserbringern und Kostenträgern. Kommunikations-, Team- und Führungsfähigkeiten müssen gestärkt werden, urteilen die Autoren. „Ziel ist, dass aus Medizinern, die heute oft hochkompetente ,Einzelkämpfer’ sind, patientenorientierte, orchestrierungsfähige Dienstleister, teamfähige Kollegen und empathische Führungskräfte werden.“

    „Kommunikation ist ein wichtiger Aspekt im Medizinerberuf“, findet auch Studiendekanatsleiter Duelli. An Schauspielpatienten lernen die angehenden Mediziner in Heidelberg heute den richtigen Umgang mit Menschen.

    Heidelberg ist Vorreiter in der Medizinerausbildung. 2001 reformierte die Hochschule unter dem Namen „HeiCuMed“ die Ärzteausbildung, noch bevor die neue Approbationsordnung 2002 eingeführt wurde. „Wir waren so gut aufgestellt, dass wir 2002 kaum noch etwas ändern mussten“, so Duelli. Interdisziplinarität ist seither das Markenzeichen der Heidelberger. Fächer wie Anatomie, Physiologie oder Biochemie werden nicht mehr unabhängig voneinander unterrichtet. „Steht das Herz auf dem Stundenplan, dann bringen wir die Dozenten aus den verschiedenen Fachbereichen zusammen“, erläutert Duelli.

    Mit HeiCuMed besitzt Heidelberg einen Reformstudiengang. Auch andere Universitäten warten mit innovativen Reform- oder Modellstudiengängen auf, zum Beispiel die Berliner Charité oder die Medizinische Hochschule Hannover. Enormes Potential schreiben die IAT-Forscher diesen Angeboten zu. Die Studiengänge griffen insbesondere Inhalte wie Patientenorientierung oder Kommunikation auf. Statt an reiner Wissensakkumulation richteten sie sich deutlich stärker an Kompetenzbildung und Problemlösungsfähigkeit aus. „Der Innovationszug in der deutschen Medizinerausbildung fährt mithin insgesamt in die richtige Richtung“, lautet das Fazit der Studienautoren.

    Ärzteausbildung im Fokus

    Im Auftrag der Kultusministerkonferenz entwickelt die Gesellschaft für medizinische Ausbildung (GMA) gemeinsam mit dem Medizinischen Fakultätentag (MFT) derzeit einen Nationalen kompetenzbasierten Lernzielkatalog Medizin wie er in anderen Ländern längst üblich ist. Er soll die vielen verschiedenen Ansprüche an eine zukunftsfähige Medizinausbildung erfassen, sortieren, bewerten und gewichten. Einen solchen Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog begrüßen die Experten, die für die IAT-Studie befragt wurden, mit Nachdruck. Der Katalog ist ein wichtiges Instrument, um die Medizinerausbildung weiter zu verbessern.

  • Kein Durchblick mehr bei Lebensmitteln

    Aufgrund fehlender Regeln sind Kunden im Supermarkt überfordert / Verbraucherzentralen fordern klare Bezeichnungen auf Nahrungsmitteln

    Immer wieder wirbt die Lebensmittelindustrie um das Vertrauen der Kunden. Doch die Reklamesprüche halten weiterhin oft nicht, was sie versprechen. Mittlerweile sind allein auf der Internetseite Lebensmittelklarheit 200 irreführende Produkte aufgeführt. Der Schokopudding „in Love“ enthält zum Beispiel gerade einmal drei Prozent Schokolade. In einer Rote Beeren Fruchtschnitte findet sich lediglich Saftkonzentrat der von Himbeeren oder die Wildwurst enthält nur ein Drittel Fleisch aus dem Wald, der Rest kommt vom Schwein. „Es ist die Spitze des Eisbergs“, sagt Hartmut König von der Verbraucherzentrale Hessen.

    Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) ist inzwischen überzeugt, dass die Kunden im Supermarkt die Qualität von Müslis, Milchprodukten oder Fertiggerichten gar nicht mehr selbst einschätzen können. „Verbraucher haben nur den Preis als verlässliche Angabe“, glaubt vzbv-Chef Gerd Billen, „sie fühlen sich getäuscht und in die Irre geführt.“ Das ist auch das Ergebnis einer Studie, die der Verband in Auftrag gegeben hat. Zwischen den Werbeaussagen und der tatsächlichen Qualität klafft demnach eine große Lücke.

    Viele Kunden wollen regionale Produkte oder legen auf den Tierschutz wert. Manche Herstellern gaukeln auf der Verpackung eine heile Welt vor, bei der die Tiere zum Beispiel glücklich auf der Wiese stehen. „In Deutschland stehen mehr Kühe im Stall als auf der Weide“, hält die Autorin der Studie, Anke Zühlsdorf, dagegen. Die höhere Qualität der Weidemilch lassen sich Verbraucher gerne auch etwas mehr kosten. Doch der Begriff wird von den Molkereien ganz unterschiedlich ausgelegt. Hansano verweist lediglich darauf, dass die Milch aus norddeutschen Grünlandregionen stammt. Bei Campina müssen die Kühe an 120 Tagen im Jahr wenigstens sechs Stunden lang Weidegang haben. Der Kunde im Supermarkt kann diese Unterschiede nicht kennen und daher gar keine vernünftige Entscheidung treffen.

    Mit der Überforderung und den schlechten Erfahrungen geht ein Vertrauensverlust einher. Schlimmer noch. Laut Zühlsdorf entsteht durch die Werbung mit nicht existenten Qualitätsmerkmalen eine Spirale, bei der der die Produkte am Ende immer schlechter werden. Denn die lauteren Firmen hätten im Wettbewerb gegen die Billigheimer keine Chance mehr und müssten selbst weniger gute Zutaten verwenden. „Es profitieren die Anbieter, die es beim versprechen lassen“, kritisiert Billen.

    Deshalb fordert der vzbv klarere Regeln für die Bezeichnung von Lebensmitteln und zusätzliche staatliche Siegel, zum Beispiel für regionale Produkte oder den Tierschutz, nach dem Vorbild des Biosiegels. Auch würde der Verband gerne durchsetzen, dass Lebensmittel so bezeichnet werden, dass der Kunde weiß, was er kauft. Das bestimmt derzeit eine Kommission, die das Lebensmittelbuch erarbeitet. In dem Gremium sitzen die Lebensmittelkontrolleure zusammen mit der Wirtschaft, Verbraucherschützer und Forschern. Doch jede Gruppe kann ein Veto einlegen. So kann die Wirtschaft verhindern, dass allzu einschränkende Verordnungen erlassen werden und in der Kalbswiener beispielsweise auch Schweinefleisch verarbeitet werden kann.

  • Autofahren mit gespeichertem Windstrom

    Windfirma Enertrag und Mineralölkonzern Total verkaufen ökologisch hergestellten Wasserstoff

    Erstmals in Deutschland kann man jetzt mit gespeichertem Windstrom Auto fahren. Der französische Minerölkonzern Total verkauft ab Mittwoch an einer Tankstelle in Berlin Wasserstoff, den die brandenburgische Firma Enertrag mittels Windenergie erzeugt.

    Enertrag produziert den Strom unter anderem mit eigenen Windanlagen in der Uckermark. Seit einigen Monaten arbeitet dort außerdem ein Hybridkraftwerk, das mittels Windenergie im Verfahren der Elektrolyse Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff spaltet. Letzterer wird von speziellen Wasserstoff-Tankstellen an Fahrzeuge mit Brennstoffzellen verkauft. Brennstoffzellen fusionieren Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser, wobei wieder elektrische Energie entsteht, die das Elektroauto antreibt.  

    Das gesamte Verfahren ist wichtig, um künftig größere Mengen Ökostrom zu speichern, wenn dieser nicht sofort verbraucht wird. Setzt sich diese Art der Speicherung durch, würde ein wesentliches Problem gelöst, das die Energiewende aufwirft. Wind- und Sonnenkraftwerke produzieren gigantische Mengen Elektrizität oft zu Zeiten, zu denen die Nachfrage von Bürgern und Unternehmen gering ist. Die Energie muss für Phasen hohen Verbrauchs aufbewahrt werden. Wasserstoff in Verbindung mit Elektromobilität ist ein Weg, das stark schwankende Angebot von Ökostrom und die Nachfrage in Balance zu bringen.

    Unter realistischen Bedingungen marktreif ist diese Speicher- und Antriebstechnik allerdings noch nicht. Bundesweit stehen etwa 15 öffentlich zugängliche Wasserstoff-Tankstellen zur Verfügung. Das Gas stammt unter anderem als Nebenprodukt aus industriellen Prozessen. Ein Teil wird mit Strom aus dem Netz erzeugt, der ein Ökozertifikat trägt.

    In Berlin fahren rund 50 Wasserstoff-Fahrzeuge, bundesweit sollen es bis Jahresende maximal 130 sein. Firmen wie Opel und Daimler verleasen einzelne teure Test-Autos an Firmenkunden. Mit einermaßen erschwinglichen Fahrzeugen für normale Käufer wird in zwei bis drei Jahren gerechnet.

    Zur Zeit ist auch der Treibstoff noch viel zu teuer. Total verkauft ein Kilo Wasserstoff für 9,50 Euro. Damit kommt man etwa 100 Kilometer weit. Dies entspricht etwa den Benzinkosten eines Fahrzeuges, das sparsame sechs Liter für dieselbe Distanz braucht. So betrachtet wäre der Wind-Wasserstoff-Antrieb im Vergleich zu Autos mit höherem Spritverbrauch günstiger. Diese vermeintliche Konkurrenzfähigkeit hat allerdings einen einfachen Grund: Auf Wasserstoff als Auto-Treibstoff wird bisher keine Steuer erhoben. Rechnet man diese ein, müsste der Preis des Wind-Wasserstoffs auf die Hälfte sinken, um den Wettbewerb mit Benzin auf Erdölbasis bestehen zu können.

    Die Brennstoffzellen-Technologie markiert heute die eine Entwicklungsrichtung der Elektromobilität. In diesem Fall wird der Benzinmotor durch das alternative Aggregat ersetzt. Die Fahrzeuge haben mehr oder weniger dieselbe Reichweite. Anders bei Elektrofahrzeugen mit Batteriespeichern: Diese Technik erlaubt bislang nur geringe Reichweiten von maximal 150 Kilometern. Dann müssen die Batterien aufgeladen werden.

  • Gut versichert gegen zu teure Zähne

    Stiftung Warentest hat Zahnzusatzversicherungen getestet

    Zahnschmerzen können teuer werden, weil die Krankenkassen bei vielen aufwändigen Behandlungen nur einen Teil der Kosten übernehmen. Für den Restbetrag müssen die Patienten aufkommen. „Wer mehrere Implantate braucht, dessen neues Gebiss kostet schnell mehr als ein Kleinwagen“, sagt der Chefredakteur der Zeitschrift Finanztest, Hermann-Josef Tenhagen. Das ist zwar ein extremes Beispiel. Doch auch Keramikkronen oder hochwertige Füllungen bezahlen die Kassen nur teilweise. Ein paar Hundert Euro kommen da schnell zusammen.

    Die Stiftung Warentest hat nun Zahnzusatzversicherungen unter die Lupe genommen. Sie springen grundsätzlich für den Teil des Aufwands ein, den die Krankenkasse nicht bezahlt. Rund 13 Millionen Kunden haben bereits einen Vertrag abgeschlossen. „Das ist auch vernünftig“, rät Tenhagen. Denn es gibt viele gute Angebote. Von den 147 Tarifen der Versicherer haben 33 die Note „sehr gut“ erhalten.

    Doch sowohl bei den Leistungen als auch bei der monatlichen Prämie gibt es deutliche Unterschiede. Zwischen zehn und 50 Euro werden verlangt. Die Auswahl fällt dennoch schwer, auch weil einzelne Unternehmen mit mehreren verschiedenen Angeboten um Kunden werben. Beim Test schnitten die Tarife EZ+EZT der Hanse Merkur, central.prodent der Central, der DT85 der DKV sowie ZZ Premium der Huk Coburg am besten ab. Ein 43-jähriger bezahlt hier maximal 25 Euro Beitrag.

    Gemessen am Umfang der Erstattungsleistungen sieht die Hitliste anders aus. Gewinner sind die Tarife der DFV, der Ergo Direkt und Neckermann. Der Schönheitsfehler dabei sind höhere Prämien. Der gleiche Kunde müsste wenigstens 30 Euro monatlich überweisen. Mit zunehmenden Alter wird die Absicherung dann auch noch teurer. Der 73-jährige bezahlt für das gleiche Paket schon 40 Euro. Die Detailergebnisse veröffentlicht Finanztest in seiner neuesten Ausgabe.

    Die Tester raten auch deshalb zum genauen Vergleich, weil sich die Leistungen der Policen erheblich unterscheiden. Bei einem fehlenden Zahn wollten sie beispielsweise ein Implantat mit vollständig verblendeter Metall-Keramik-Krone einsetzen lassen. Kostenpunkt: 3.000 Euro, wovon die Krankenkasse 387 Euro übernimmt. Auf dem Betrag von 2.613 Euro bleibt der Patient ohne Zusatzpolice alleine sitzen.

    Doch manchmal hilft auch diese nicht. „Wir fanden Versicherungen, die davon keinen Cent übernehmen und andere, die mehr als 2.300 Euro erstatten“, berichtet Testleiter Holger Rohde. Manche Anbieter tricksen auch ein wenig bei der Werbung. Wenn mit einer Erstattung von 100 Prozent geworben wird, umfasst das nicht sicher auch den Ausgleich aller Zahnarztleistungen. In einem Fall meinte die Versicherung damit 100 Prozent Zuschuss zur Regelversorgung. Im Falle des Implantats bekäme der Kunde also nur die 387 Euro, die auch die Krankenkasse beisteuert. Er müsste 2226 Euro selbst tragen.

    Es gibt noch weitere Fallstricke für die Kunden. So nutzt der Abschluss einer Zusatzversicherung nichts, wenn der Arzt bereits ein Zahnproblem erkannt hat. Die jeweilige Behandlung ist vom Versicherungsschutz ausgenommen. Auch tritt der Schutz erst acht Monate nach Vertragsabschluss in Kraft. Mitunter sind die Leistungen in den ersten Jahren auch begrenzt. Verschweigt der Kunde Vorschäden, kann die Leistung verweigert werden. Auch für Eltern gibt es Angebote mit Haken. Manche Unternehmen zahlen bei kieferorthopädischen Behandlungen etwas dazu. Allerdings entfällt die Leistung, wenn die Zähne bei Vertragsabschluss bereits eine Fehlstellung aufweisen. So bleibt der Familie, die auf Nummer sicher gehen will, nur, bereits im Vorschulalter eine Zusatzpolice abzuschließen.

  • Augen auf!

    Kommentar

    Der Besuch beim Zahnarzt wird immer teurer. Seit Jahresbeginn gibt es eine neue Gebührenordnung. Für Leistung, die von den Krankenkassen nicht übernommen werden, dürfen die Zahnärzte höhere Gebühren verlangen. Schnell kommen saftige Beträge zusammen, auf denen die Patienten sitzen bleiben.

    Zahnzusatzversicherungen versprechen da Abhilfe. Sie schließen angeblich die Lücke zwischen der gesetzlichen Regelversorgung und den Ansprüchen der Ärzte. Das klingt verlockend. Doch wer die Offerten genau betrachtet und ein wenig mit dem Taschenrechner spielt, kommt zu einem anderen Ergebnis. Oft fährt günstiger, wer das Geld statt es als Prämie an eine Versicherung zu überweisen, auf ein Sparkonto überweist. Innerhalb weniger Jahre kommt eine Summe zustande, mit der zumindest die finanziellen Folgen mäßiger Zahnschäden bezahlt werden können. Das ist die einfachste Methode, die aber Disziplin erfordert.

    Ansonsten heißt es wie bei vielen anderen Verträgen auch: Augen auf und alle Angebote genau vergleichen. Denn die Leistungspakete und -ausschlüsse können im schlimmsten Fall doppelte Kosten verursachen: Die für die Police und die für jene Rechnungsbeträge, die von der Versicherung nicht übernommen werden.

  • Genossenschaft will Augenmedikament finanzieren

    Patienten sollen Pharmaforschung selbst bezahlen. Experten warnen jedoch, das Konzept habe Tücken

    Patienten schließen sich zusammen und lassen ein neues Medikament entwickeln. Das ist die Idee der Genossenschaft AMD Therapy, die bundesweit um Mitglieder und Geld wirbt. Ziel ist es, ein Arzneimittel gegen die Augenkrankheit trockene AMD zu erforschen, an der viele ältere Menschen leiden. Experten allerdings halten das Konzept für fragwürdig.

    Es geht um die sogenannte „trockene altersbedingte Makuladegeneration“ (AMD). Dabei verlieren ältere Menschen die Fähigkeit scharf zu sehen. Die Außenwelt ist dann oft nur noch schemenhaft wie durch einen Nebel wahrnehmbar. Etwa zwei Millionen Menschen litten in Deutschland an solchen Symptomen, sagt Andreas Mayr, ein Gründer der im baden-württembergischen Reutlingen ansässigen Genossenschaft. In Europa und den USA gebe es rund 20 Millionen potenzielle Betroffene.

    Mittels der Rechtsform einer Genossenschaft wollen Mayr und seine Mitstreiter das Geld aufbringen, um ein Medikament gegen AMD entwickeln zu lassen. Die Konstruktion des Projekts sieht so aus: Bis zu 20.000 Genossen sollen jeweils mindestens 3.000 Euro für Anteile an der gemeinsamen Firma einzahlen. Die im Idealfall 60 Millionen Euro soll die Genossenschaft an einen Fonds überweisen, der ihr gehört. Dieser wiederum investiert in Pharmaunternehmen, die eine AMD-Arznei entwickeln.

    „Das ist ein unternehmerisches Investment“, sagt Mayr, der im Hauptberuf als Unternehmensberater für mittelständische Firmen arbeitet. „Der Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist grundsätzlich möglich.“ Wieviele Genossen und Geld bislang eingeworben wurden, will Mayr nicht verraten. Er begründet diese Zurückhaltung mit Bedenken von Anteilseignern, die nicht wünschten, dass persönliche Informationen über sie bekannt würden.   

    Die Gründung der Genossenschaft sieht Mayr als innovativen Versuch, wie die Betroffenen selbst ein grundsätzliches Problem lösen könnten. Die Augenkrankheit sei ein Beispiel dafür, warum traditionelle Pharmaunternehmen trotz dringenden Bedarfs mitunter keine Medikamente entwickelten. Zwischen der Phase der Grundlagenforschung und der Marktreife einer Arznei klaffe oft eine „Finanzierungslücke“, an der die Forschung scheitere. Im Falle von AMD soll die Genossenschaft diese Lücke schließen helfen.

    Knapp 24 Prozent des akquirierten Kapitals soll in den kommenden zehn Jahren verwendet werden, um Verwaltungskosten zu tragen – 2,4 Prozent jährlich. Mayr selbst, sowie andere Organisatoren und Berater können außerdem in den Genuss einer zehnprozentigen Gewinnbeteiligung kommen, wenn die Medikamentenentwicklung erfolgreich verläuft.  

    Wolfgang Becker-Brüser, Geschäftsführer des Fachinformationsdienstes Arznei-Telegramm, betrachtet die AMD-Genossenschaft skeptisch. Deren Angaben hält er „für zu unkonkret“. So liefere die Genossenschaft keine ausreichenden Informationen, in welche Firmen sie investieren wolle. „Die Anleger begeben sich vollständig in die Hand der Organisatoren,“ sagt Becker-Brüser.

    Gerd Glaesge vom Zentrum für Sozialpolitik der Uni Bremen sieht das ähnlich: „Das therapeutische Konzept ist unklar.“ Glaesge weist zudem darauf hin, dass mit der Substanz Fenretinide bereits ein  aussichtsreiches Medikament gegen die trockene AMD getestet worden sei. Diese Substanz habe „nur bescheidene Erfolge“ gebracht, sagt demgegenüber Genossenschaftsorganisator Mayr.

    Auch Gesundheitsforscher Rolf Rosenbrock vom Wissenschaftszentrum Berlin hält den Ansatz der Genossenschaft für fragwürdig. „Die Neuentwicklung eines Medikamentes kostet heute mindestens mehrere hundert Millionen Euro“, sagt Rosenbrock. „Ich bezweifele stark, ob eine Genossenschaft überhaupt ausreichende Mittel aufbringen kann, um einen nennenswerten finanziellen Beitrag zu solchen Kosten zu leisten.“ 60 Millionen würden möglicherweise nicht reichen, um bei Pharmaunternehmen Interesse zu wecken.

    Info-Kasten 1
    Augenkrankheit AMD
    Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist in Industrieländern eine häufige Ursache für Erblindung. Dabei geht die zentrale Sehfähigkeit des Auges verloren. Gegenstände und Personen erscheinen nicht mehr scharf. Gegen die sogenannte feuchte AMD sind mehrere Medikamente im Handel, die den Fortgang der Krankheit teilweise verlangsamen oder stoppen. Bei der trockenen AMD ist das bisher nicht der Fall. Die Genossenschaft www.amd-therapy.de will das ändern.

    Info-Kasten 2
    Genossenschaften
    2012 ist das internationale Jahr der Genossenschaften, das die Vereinten Nationen ausgerufen haben. In Deutschland gibt es rund 7.600 derartige Unternehmen mit etwa 20 Millionen Anteilseignern. Genossenschaften sind spezielle Firmen: Laut Gesetz können die Mitglieder grundsätzlich gemeinsam und demokratisch wirtschaften. Große Genossenschaften in Deutschland sind beispielsweise Edeka, REWE, Intersport, sowie die Volks- und Raiffeisenbanken.

  • Leere Versprechungen

    Kommentar zur europäischen Ratingagentur von Hannes Koch

    Wer Politik machen will, muss die Dinge bei Gelegenheit selbst in die Hand nehmen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und die Bundesregierung sind dazu aber nicht bereit – wieder einmal. Obwohl die Gründung einer europäischen Ratingagentur am Desinteresse auch der deutschen Banken, Versicherungen und Fonds zu scheitern droht, belässt es Schäuble bei Appellen an die privaten Marktteilnehmer.

    Dabei wäre es wichtig, wenn die Regierung nun die Initiative übernähme. Schäuble selbst hält eine europäische Ratingagentur ja für sinnvoll. Sie könnte ein Gegengewicht bilden zu den drei marktbeherrschenden Firmen Standard & Poor´s, Moody´s und Fitch. Diese tragen nicht nur eine Mitverantwortung für die Finanzkrise, weil sie bestimmte Wertpapiere in den vergangenen Jahren systematisch falsch benoteten. Indem sie außerdem die Staatsanleihen europäischer Staaten zu fragwürdigen Zeitpunkten herabstuften, verschärften sie die Schuldenkrise mehr als nötig.

    Marktkonformer wäre es zwar, wenn eine europäische Bewertungsfirma aus privatem Antrieb entstünde. Bei den Investoren und Fondsmanagern genösse sie dann vermutlich einen besseren Ruf der Unabhängigkeit. Dagegen müsste sich eine unter staatlicher Mitwirkung gegründete Ratingagentur des Vorwurfs erwehren, parteiisch im Sinne der verschuldeten Euro-Staaten zu urteilen. Wenn die Privaten allerdings, wie es sich jetzt abzeichnet, das Geld für die Agentur selbst nicht aufbringen wollen, sollte die Regierung aktiv werden. Eine öffentlich gegründete Agentur muss im Übrigen nicht öffentlich bleiben – man kann sie nach einer Startphase auch privatisieren.

    Im fünften Jahr nach Beginn der Finanz- und Schuldenkrise fällt die Bilanz der Regierung zunehmend mager aus. Nicht nur die Ratingagentur scheint auf der Strecke zu bleiben. Schlecht sieht es auch aus für die Einführung der Finanztransaktionssteuer und eines ausreichenden Reservekapitals bei Banken. Viel war die Rede von der Regulierung der Finanzmärkte. Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte gar das Primat der Politik über die Märkte wiederherstellen, um einer neuen Krise vorzubeugen. Wer so etwas will, muss es im Konfliktfall auch durchsetzen. Sonst bleiben nur leere Versprechungen.

  • Weniger Inflation ohne Öl

    Die Energiewende rechnet sich

    Verdammt, alles wird immer teurer. Die Miete, die Bahn, Zigaretten sowieso. Das nennt man Inflation – ein wirtschaftlicher Mechanismus, der kaum totzukriegen ist, dessen Wirkung sich in Deutschland aber seit Jahrzehnten sehr im Rahmen hält. Eigentlich haben wir keinen Grund, uns über die steigenden Preise zu beschweren. Denn die Löhne klettern ja auch – wenigstens manchmal, gegenwärtig zum Beispiel. Und wenn sie es nicht tun, liegt dies auch an politischen Zuständen, die man beeinflussen kann.  

    Zunächst ist es deshalb keine schlechte Nachricht, wenn auch Energie teurer wird. Diese Entwicklung ist schlicht normal. Der Preis für Haushaltsstrom stieg zwischen 1991 und 2009 um rund 30 Prozent – in etwa so stark wie die gesamten Lebenshaltungskosten. Entgegen mancher interessengeleiteter Hiobsbotschaft ist der Strompreis bei uns noch kein Wohlstandskiller.

    Trotzdem bleibt richtig, dass die Energiewende zum Kostenanstieg der Elektrizität beiträgt. Irgendwer muss ja schließlich die Investitionen in Windparks, Solaranlagen, Stromtrassen und Elektroauto-Forschung bezahlen. Politik, Produzenten, Lieferanten und Verteiler legen diese Ausgaben auf den Strompreis um, der dadurch wächst.

    Wo aber liegt die wirkliche Herausforderung? Wie wird Strom heute im wesentlichen erzeugt? Immer noch überwiegend mit Hilfe fossiler Rohstoffe, Erdgas beispielsweise. Industriell genutztes Erdgas aber ist seit 1991 mehr als doppelt so teuer geworden.

    Und das ist noch wenig, betrachtet man das Erdöl. Autofahrer zahlten 2009 den doppelten Preis im Vergleich zum Anfang der 1990er Jahre. Heute ist es bereits der dreifache. Die Benzinpreis-Inflation innerhalb von 20 Jahren beträgt damit 200 Prozent. Ein Ende ist zudem nicht abzusehen. Schätzungsweise wird fossile Energie noch viel kostspieliger. Der weltweite Verbrauch nimmt zu, die Menschen in aufstrebenden Staaten wie China und Indien benötigen eher mehr Treibstoff als weniger – trotz aller Debatten über Klimaschutz. Bald können die bekannten Lagerstätten die Nachfrage nicht mehr befriedigen, schwerer und teurer auszubeutende Quellen müssen sie ergänzen. Daher kommt der Druck, in immer größere Tiefen unter dem Meer vorzustoßen und irrwitzige Umweltzerstörungen beim Abbau von Ölsand in Kanada einzukalkulieren.

    Sitzen wir also in der Kohle-, Gas- und Ölpreisfalle? Werden wir in zehn oder 20 Jahren auf viele Annehmlichkeiten verzichten müssen, um uns die hohen Energiepreise überhaupt noch leisten zu können? Der Urlaub fällt aus, das Auto wird abgeschafft, eine neue Spülmaschine ist nicht drin, damit wir wenigstens kochen und das Wohnzimmer heizen können?

    USA-Experte Josef Braml schreibt in seinem neuen Buch „Der amerikanische Patient“, dass so etwas kein unrealistisches Horroszenario ist. Im Sommer 2008, kurz vor dem Kollaps der Lehman-Bank erreichte der Ölpreis einen Rekordwert, argumentiert Braml. Weil sie auf Mobilität, Autofahren und teures Benzin angewiesen waren, hätten sich viele US-Arbeitnehmer notgedrungen dafür entschieden, die Kreditraten für ihre Häuser zu stornieren – laut Braml ein Grund für den Zusammenbruch des Immobilien- und schließlich des Finanzmarktes.  

    So weit muss es in Deutschland nicht kommen. Der Trick heißt „Energiewende“. Auch die kostet uns heute zwar Milliarden Euro für Windräder, Leitungen, Sonnenzellen und Elektroautos. Aber das sind Investitionen, mit denen wir morgen Geld sparen. Denn irgendwann zwischen 2020 und 2030 kommt vermutlich der Zeitpunkt, ab dem das neue Energiesystem billiger ist als das alte.

    Der Grund: Wind und Sonne stehen im Prinzip unbegrenzt zur Verfügung. Der Rohstoff des neuen Energiesystems ist zugänglicher und damit billiger nutzbar als der in den Gesteinsschichten der Erde verborgene Vorrat an Kohle, Gas und Erdöl. Während der Preis der fossilen Ressourcen durch die Decke gehen könnte, hätten wir rechtzeitg vorgesorgt. Die Energiewende ist eine Investition in unseren künftigen Wohlstand.

    Zwar gilt der schöne Satz: Das Problem an Prognosen ist die Zukunft. Heute weiß man nicht, wie sich die Preise für unterschiedliche Energieträger künftig entwickeln. Die Annahme, dass wir mit der Energiewende auf der günstigen Seite sind, beruht deshalb nur auf Erfahrung und Wahrscheinlichkeit, nicht auf Sicherheit. Und klar ist auch: Inflation wird es vermutlich immer wieder geben, auch die Kosten erneuerbarer Energien bilden dabei keine Ausnahme. Aber wir können den Versuch unternehmen, der Superinflation des fossilen Systems zu entkommen.

  • Rekordabgaben für Arbeitnehmer

    Gute Konjunktur sorgt für übervolle Sozialkassen / Die Hoffnung auf langfristig sinkende Beiträge ist trotzdem trügerisch

    Die Lohnerhöhungen der letzten Jahre werden durch steigende Abgaben aufgezehrt. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts bezahlten die Beschäftigten im Jahr 2011 durchschnittlich 9.943 Euro für die soziale Sicherung und die Lohnsteuer, gut 550 Euro mehr als im Jahr zuvor und so viel wie noch nie. Der um die Teuerungsrate bereinigte Nettoverdienst ging im Durchschnitt um 16 Euro auf 17.650 Euro zurück.

    „Die weitaus größten Effekte haben die Lohnsteuerentwicklung und Veränderungen bei den Beiträgen zur Krankenversicherung“, erläutert das Bundesarbeitsministerium (BMAS). Jeder Arbeitnehmer zahlte rechnerisch 300 Euro mehr Steuern als 2010. Da mit steigenden Einkünften auch der Steuertarif höher wird, frisst die so genannte kalte Progression einen Teil der Lohnerhöhungen von 3,3 Prozent wieder auf. Dazu sind die Krankenkassenbeiträge um 0,6 Prozent erhöht worden. Unter dem Strich blieb den Beschäftigten daher weniger Netto von Brutto in der Tasche.

    Die gute Lage am Arbeitsmarkt führt auf der anderen Seite bei den Sozialversicherungen für übervolle Kassen. Die Bundesstatistiker haben für 2011 einen Überschuss von fast 14 Milliarden Euro berechnet. Die Rentenversicherung nahm 4,4 Milliarden Euro mehr ein als an Altersbezügen ausbezahlt wurde. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erwirtschaftete ein Plus von 9,3 Milliarden Euro und auch die Pflegeversicherung schrieb schwarze Zahlen. Nur die Bundesagentur für Arbeit weist ein leichtes Minus von 100 Millionen Euro aus. Insgesamt summieren sich die Einnahmen der Sozialkassen auf 526 Milliarden Euro, 2.2 Prozent mehr als 2010. „Der Anstieg wurde maßgeblich durch die positive konjunkturelle Entwicklung bestimmt“, stellen die Statistiker fest.

    Die Hoffnung auf eine dauerhafte Stabilisierung der Sicherungssysteme ist indes trügerisch. Im Wahljahr 2013 werden lediglich die Rentenbeiträge zwischenzeitlich gesenkt. Wahrscheinlich kostet die Altersvorsorge im kommenden Jahr 19,2 Prozent statt derzeit 19.6 Prozent. Arbeitnehmer und Arbeitgeber sparen also je 0,2 Prozentpunkte. Das macht bei einem Bruttoverdienst von 2.000 Euro im Monat auf das Jahr gerechnet 48 Euro aus. Doch schon in den nächsten Jahren wird sich das Blatt wieder wenden, weil nach und nach weniger Beitragszahler mehr Rentner finanzieren müssen. Die Prognosen der Bundesregierung sehen für das Jahr 2020 zwar noch einen Satz von unter 20 Prozent vor. Bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts wird er jedoch auf 22 Prozent ansteigen – trotz der längst beschlossenen Absenkung des Rentenniveaus.

    In anderen Versicherungssparten sieht es ähnlich aus. Besonders auf die Pflegeversicherung kommen enorme Herausforderungen zu. Die Zahl der Bedürftigen liegt noch bei rund 2,5 Millionen. Bis Ende des Jahrzehnts rechnet das Gesundheitsministerium mit 2,8 Millionen und kurz darauf mit über drei Millionen. Da sich Pflegeleistungen zudem tendenziell verteuern werden, wird die Vorsorge für alle teurer. Bei der Krankenversicherung wachsen die Ausgaben ebenfalls weiter an. Sie wollen die Überschüsse deshalb lieber für schlechtere Zeiten zurücklegen als die Beiträge zu senken oder Prämien an ihre Mitglieder auszuzahlen.

  • Mogelpackung Biotüte

    Abbaubare Plastiktaschen sind nichts für die Biotonne/ Deutsche Umwelthilfe spricht von Werbelüge

    Alles Warten war vergebens. Auch nach einem dreiviertel Jahr lag die angebliche Biotüte noch immer auf Herbert Probsts Komposthaufen. „Da hatte sich noch nichts getan“, sagt Probst vom Verband Humus- und Erdenwirtschaft (VHE). Dabei sollte die Tragetasche zu Erde zerfallen. Das Versprechen Handelskonzerne wie Aldi oder Rewe. Als Mogelpackung stempelt nun die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die bunten Bioplastiktaschen ab.

    „100 % kompostierbar“ prangt groß auf der Aldi-Tasche, dennoch gehört sie, wie andere abbaubare Plastiktragebeutel auch, nicht in den Biomüll. So lautet das Fazit der DUH nach eigenen Recherchen. Kompostierbetriebe sortierten die Tüten als Störstoffe aus – entweder vor oder nach der Kompostierung. Dann landeten sie in der Müllverbrennungsanlage. Und recyceln ließen sich die Biokunststofftaschen ebenso nicht.

    Seit wenigen Jahren bieten Aldi und Rewe in ihren Filialen Tüten aus so genanntem Bioplastik an, die etwas teurer als herkömmliche Einwegtragetaschen sind. „Sie bestehen nur zu 30 Prozent aus Maisstärke basiertem Kunststoff“, kritisiert DUH-Chef Jürgen Resch. Beim Mais handele es sich obendrein häufig um genmanipulierten Mais aus den USA. Der Rest des Kunststoffs basiere auf Erdöl.

    „Die Unternehmen locken die Verbraucher auf den falschen Weg“, moniert Resch. Stehe „100 Prozent kompostierbar“ auf der Tüte, würden die Bürger denken, man könne sie in den Bioabfall packen. Doch weder eine herkömmliche noch eine Bioplastiktasche habe darin etwas zu suchen.

    Dass abbaubare Einkaufstüten nichts für den Biomüll sind, stimmt allerdings nicht ganz. In einer industriellen Kompostieranlage, die mit viel höheren Temperaturen und anderen Mikroorganismen funktioniert als der Abfallhaufen im Garten, zerfallen die Beutel weitgehend innerhalb von zwölf Wochen. Hier liegt der Haken: Deutsche Kompostieranlagen arbeiten in der Regel mit deutlich kürzeren Verweilzeiten von fünf bis sechs Wochen.

    Von den Handelsketten forderte die Deutsche Umwelthilfe nun ein Ende der „Werbelüge“. Von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) verlangt DUH-Chef Resch, der Kundentäuschung ein Ende zu bereiten. Den Vorwurf der Werbelüge weist Rewe indes zurück. Das Angebot dieser Tragetaschen sei vielmehr ein erster Schritt, weniger fossile Ressourcen wie Mineralöl einzusetzen.
       
    In Zukunft könnten die Bioplastiktüten tatsächlich umweltfreundlich werden. „Der Kunststoff entwickelt sich permanent weiter“, erläutert Jens Boggel vom Unternehmen Victor Güthoff & Partner, das 30 bis 40 Millionen biologisch abbaubarer Plastiktüten pro Jahr mit Kunststoffen von BASF produziert. In zwei Jahren, prognostiziert er, zerfallen die Tragetaschen in ungefähr drei Wochen. Dem Argument, Biotüten seien nicht recycelbar, hält Boggel vehement entgegen: „Schon heute lassen sich die Materialien mit der richtigen Technik zu wieder verwendbarem Granulat recyceln“. 

  • „Deutschland verschärft die Eurokrise“

    Milliardär und Philantrop Georges Soros kritisiert die Bundesregierung

    Der berühmte Investor und Spekulant George Soros ist nicht mehr so richtig auf der Höhe. Als er am Mittwoch in Berlin die deutsche Ausgabe seines neuen Buches vorstellt, fällt es dem grauhaarigen 81Jährigen mitunter schwer, die passenden englischen Fachtermini zu finden. Schließlich nimmt er Zuflucht zum schriftlichen Manuskript. Die darin enthaltene Kritik unter anderem an Bundeskanzlerin Angela Merkel allerdings wiegt schwer: Die Politik der Bundesregierung und der Bundesbank trage dazu bei, die Eurokrise zu verschärfen, nicht sie zu lindern.

    Soros ist einer der erfahrensten und reichsten Finanzinvestoren der Welt. Mehrmals in seiner Karriere hat er Warnungen und Ratschläge an die Adresse von Regierungen ausgesprochen, sich aber in der Folge auch nicht gescheut, die jeweilige politische und ökonomische Situation auszunutzen und brutal Kasse zu machen. So erzielte Soros mit seinem Quantum Fonds 1992 angeblich einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Dollar, als er gegen das seiner Ansicht nach überbewertete britische Pfund spekulierte. Großbritannien musste mit seiner Währung deshalb aus dem europäischen Währungssystem ausscheiden.  

    Sein aktuelles Buch „Gedanken und Lösungsvorschläge zum Finanzchaos in Europa und Amerika“, eine Sammlung von Reden, Vorträgen und Artikeln, enthält zwei Hauptargumente zur Eurokrise. Erstens sagt der Milliardär: Die augenblickliche Finanzpolitik der Eurozone-Staaten und der Europäischen Zentralbank (EZB) reiche nicht, um die Staatsfinanzen Griechenlands, Spaniens oder Irlands zu stabilisieren. Als Beleg verweist er auf die hohen und teils wieder steigenden Schuldzinsen, die beispielsweise Spanien zahlen müsse, um seine Staatsanleihen verkaufen zu können.

    Soros zieht daraus die Schlussfolgerung, dass viele Investoren auf den Finanzmärkten die Lage der verschuldeten Euro-Länder nach wie vor als prekär einschätzen – ein Bankrott sei nicht ausschließen. Die Summen, die Europa zur Absicherung dieser Staaten bereitstelle, seien demnach zu gering. Soros schlägt einen anderen Mechanismus vor: Die Euro-Staaten sollten sich grundsätzlich mit gemeinsamen Papieren, so genannten Euro-Bonds verschulden, damit die schwachen Staaten in Form niedrigerer Zinsen von der Bonität der starken Ländern profitierten.

    Außerdem warnt Soros vor einer „Spirale der Deflation“, die die von Deutschland aufgezwungene Sparpolitik auslöse. Der Investor stellt zwar die grundsätzlich notwendige Sanierung der Staatsfinanzen nicht in Frage, hält aber die Fokussierung auf Sparen für tödliche Medizin. Griechenland beispielsweise brauche beides: solide Finanzpolitik plus europäisches Geld, um das Wachstum anzukurbeln. Sonst würden Athen, aber auch Spanien, Portugal und Irland nur weiter in die Krise rutschen.    

    Mit diesen Positionen steht Soros nicht allein. Viele Ökonomen argumentieren ähnlich. Zu ihnen gehört auch US-Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. Bei allem Verständnis für die Sicht der Bundesregierung und der Bundesbank lautet die vielfach geäußerte Kritik: Deutschland müsse einsehen, dass Europa und der Euro nur zu bewahren seien, wenn die stärkste Wirtschaftsmacht des Kontinents mehr finanzielle Verantwortung übernehme.

    Bei alledem, sagt der Milliardär, argumentiere er nicht aus ökonomischem Interesse. „Ich kümmere mich nicht mehr aktiv um mein eigenes Geld.“ Er wolle nicht gegen den Euro spekulieren, sondern wünsche ihm im Gegenteil Erfolg. Als Rentier im Ruhestand überlasse er das Alltagsgeschäft inzwischen jüngeren Leuten. Wobei Soros´ aktive Manager sicher aufmerksam zuhören, wenn der Alte seine Einschätzungen abgibt. Und der hat vermutlich nichts dagegen, wenn sein Vermögen weiter wächst.

    Zumal Soros seit längerem daran arbeitet, nicht nur als Investor, sondern auch als Menschenfreund in Erinnerung zu bleiben. Der gebürtige Ungar mit jüdischen Wurzeln, der den Judenmord überlebte, während der 1950er Jahre nach Großbritannien auswanderte und später in die USA übersiedelte, hat mit viel Geld die osteuropäische Demokratiebewegung unterstützt. Auch im Westen fördert seine Stiftung liberale und sogar linke Gruppen. Weil Soros den Irak-Krieg für einen Fehler hielt, positionierte er sich öffentlich gegen den damaligen US-Präsidenten George Bush. Der Investor steckte Milliarden Dollar in die erneuerbaren Energien. Ebensowenig scheute er sich Geld zu spenden, um eine Kampagne zur Legalisierung des Besitzes geringer Mengen von Marihuana zu fördern.

    An dieser Mischung aus ökonomischer Macht und Bürgersinn mag es liegen, dass George Soros  noch immer ein begehrter Gesprächspartner ist. Als er im vergangenen Januar die englische Ausgabe seines neuen Buches beim Weltwirtschaftsforum in Davos präsentierte, kamen 300 Leute oder mehr. Die Auftritte von Staatspräsidenten und Außenministern nebenan waren keine direkte Konkurrenz für den Investor.

    George Soros: Gedanken und Lösungsvorschläge zum Finanzchaos in Europa und Amerika. Plassen Verlag, Kulmbach. 160 Seiten. 24,90 Euro.

  • Bundesregierung nimmt Daimler in Schutz

    Klage gegen den Konzern in den USA wegen Menschenrechtsverstößen

    Die Bundesregierung versucht den Daimler-Konzern vor einer Klage in den USA zu schützen. Eine entsprechende Stellungnahme, die dieser Zeitung vorliegt, hat die Regierung unlängst an das Oberste Gericht der USA geschickt. In dem Verfahren geht es um Menschenrechtsverstöße, die südafrikanische Bürgerrechtler dem deutschen Konzern vorwerfen.

    Zu Zeiten des Apartheid-Regimes in Südafrika soll Daimler speziell ausgerüstete Unimog-Lkw an den dortigen Sicherheitsapparat geliefert haben. Die Fahrzeuge seien eingesetzt worden, um den Widerstand der Schwarzen zu brechen, argumentieren die Bürgerrechtler. Damit sei der deutsche Konzern mitverantwortlich für die Menschenrechtsverstöße der früheren Apartheid-Regierung.

    Die Klage gegen Daimler wurde 2002 eingereicht auf der Basis eines speziellen US-Gestzes, des Alien Tort Claims Act. Diese Regelung ermöglicht es, Verstöße gegen das Völkergewohnheitsrecht, also auch gegen die Menschenrechte, in den USA vor Gericht zu bringen – auch wenn Täter und Opfer keine amerikanischen Staatsbürger sind.

    Das Gesetz ist mehr als 200 Jahre alt. Seit den 1980er Jahren versuchen Menschenrechtsaktivisten mit seiner Hilfe transnationale Konzerne zu belangen. Der bekannteste Fall, in dem dies gelang, betrifft Shell in Nigeria. Der Erdölkonzern zahlte 15,5 Millionen Dollar Entschädigung an die Hinterbliebenen unter anderem des nigerianischen Oppositionspolitikers Ken Saro-Wiwa, den die dortige Regierung hatte hinrichten lassen.

    In ihrer Stellungnahme argumentiert die Bundesregierung nun, das US-Gesetz müsse enger ausgelegt werden. US-Gerichte seien nicht zuständig, zuerst sei die deutsche Justiz gefragt. In dieser Position erhält Berlin Unterstützung von der niederländischen und britischen Regierung. Die Obama-Administration und die südafrikanische Regierung sind dagegen der Ansicht, dass die US-Justiz entscheiden dürfe.

    Miriam Saage-Maaß vom Europäischen Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) in Berlin kritisiert die „ablehnende Haltung der Bundesregierung“. Nach Einschätzung der Menschenrechtsanwältin sind US-Gerichte im Fall Daimler durchaus zuständig. Die Forderung der Bundesregierung, die Sache vor deutschen Gerichten zu verhandeln, gehe in die Irre, so Saage-Maaß. „Solche Entschädigungsklagen sind nach deutschem Recht nahezu unmöglich“.

    In der aktuellen juristischen Auseinandersetzung geht es nicht unmittelbar um den Daimler-Fall. Dieses Verfahren ist einstweilen ausgesetzt. Konkret gestritten wird jetzt in den USA noch einmal über die Verantwortung des Ölkonzerns Shell für Verstöße gegen Menschenrechte in Nigeria. Der Ausgang dieses Falles ist aber entscheidend dafür, ob die Daimler-Geschichte wieder aufgenommen und möglicherweise im Sinne der Menschenrechtsaktivisten entschieden wird.

  • Kassen wollen Zahnärzten auf die Finger schauen

    Krankenkassen verlangen bessere Kontrolle der Rechnungen für Zusatzleistungen / Versicherte könnten so viel Geld sparen

    Die Krankenkassen wollen die Gebühren der Zahnärzte künftig kontrollieren. „Die Versicherten werden mit der Überprüfung der Rechnung ihres Zahnarztes allein gelassen“, kritisiert der GKV-Spitzenverband der Kassen. Immer wieder gibt es bei den Patienten Ärger über die Höhe der geforderten Vergütung für die rund 54.000 Zahnärzte. Fast ein Drittel der Beschwerden, die bei der Unabhängigen Patientenberatung eingereicht werden, richtet sich gegen Dentisten.

    Seit einigen Jahren steigt der Anteil der privat zu übernehmenden Kosten stark an. Das liegt am geltenden Festzuschussystem. Die Krankenkasse übernimmt dabei die Kosten einer Grundversorgung, zum Beispiel einer einfachen Krone oder Füllung. Will der Patient eine darüber hinausgehende Versorgung, zum Beispiel unauffälligere Kronen, muss das aus eigener Tasche bezahlt werden. Das kann schnell teuer werden, weil die Praxen mittlerweile statt des Vergütungssystems für gesetzlich Versicherte die für Privatpatienten geltende Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) anwenden. Drei von vier Behandlungen zum Zahnersatz werden mittlerweile nach der GOZ abgerechnet. „ Durch diese Verlagerung haben sich die Eigenanteile der Versicherten erhöht“, stellen die Kassen fest. Zwischen 2005 und 2009 sei die Mehrbelastung für Leistungen außerhalb der Regelversorgung um 14,2 Prozent gestiegen.

    Der GKV sieht hierin eine sozial unausgewogene Mehrbelastung der gesetzlich Versicherten, ohne dass sie dagegen von ihrer Kasse geschützt werden können. Denn die Rechnung für Zusatzleistungen geht direkt an den Patienten, auch wenn die Krankenkasse einen festen Teil der Behandlungskosten übernimmt. Bei der Abrechnung der Versicherungsleistung erfährt die Kasse weder den Namen des Arztes noch Informationen über eventuelle weitere Kosten für das Mitglied. „Das macht es den Kassen unmöglich, die Leistungen auf ihre Qualität hin zu prüfen und deren Abrechnung nachzuvollziehen“, beklagt der Verband. Deshalb fordern die Kassen nun mehr Transparenz ein. Bei allen Behandlungen sollen die Ärzte Kopien von den Privatrechnungen vorlegen.

    Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) weist die Kritik an fehlender Transparenz zurück. „Die Vorwürfe sind aus der Luft geholt“, sagt Vize-Präsident Dietmar Oesterreich. Die Gebühren würden wie vorgeschrieben nach der Schwierigkeit und dem Zeitaufwand der Behandlung abgerechnet. Außerdem berufen sich die Ärzte auf die Kostenvoranschläge, die jeder Patient zuvor erhält und die einen Preisvergleich zwischen verschiedenen Ärzten ermöglichen. "Der Patient entscheidet, ob ihm die Regelversorgung reicht oder er zusätzlichen Leistungen erhalten will,“ verteidigt Oesterreich die gängige Praxis.

    Dagegen rechnen die Kassen damit, dass der Eigenanteil billiger wird, wenn sie die Abrechnungspraxis überprüfen können. In einem Positionspapier verlangt der GKV darüber hinaus, dass die Kassen direkt Höchstbeträge für zahnärztliche Leistungen aushandeln dürfen. Entsprechende Regelungen fehlen noch.

  • Wie Autofahrer dem Benzin entkommen

    Benzinpreis: Elektroautos werden irgendwann billiger fahren als fossile Fahrzeuge

    Jörg Müller stellt den Stoff her, der Autofahrern einen Teil ihrer Sorgen nehmen könnte. Mit hunderten Windrädern produziert er Ökostrom, den seine Firma Enertrag in der brandenburgischen Uckermark neuerdings auch nutzt, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten. Letzteren  kauft demnächst der Mineralölkonzern Total und veräußert ihn an einer Wasserstoff-Tankstelle in Berlin als Auto-Treibstoff. Bei manchen Fahrzeugen ist diese Variante im Vergleich zu Benzin billiger.

    Enertrag und Total testen damit ein Geschäftsmodell, dass sich nicht nur für deutsche Autofahrer als zunehmend  interessant erweisen könnte. Bereits heute sind Gasantriebe teils wesentlich günstiger als Benzin, das aus Erdöl gewonnen wird. Künftig könnte der Kostenvorteil noch wachsen. Weil der Spritpreis vor den Ostertagen auf Rekordwerte um 1,70 Euro stieg, läuft jetzt wieder einmal eine muntere Debatte darüber, wie Autofahrer zu entlasten wären.

    Verkehr ohne Erdöl: In diese Richtung führen mehrere Wege. Gas in den Motoren der Fahrzeuge zu verbrennen, ist eine Variante. Eine andere Strategie, mit der die Bundesregierung Deutschland zum internationalen Vorreiter machen will, ist die Elektromobilität. Auch dabei lautet die gute Nachricht: Stark steigende Benzinpreise sind für Bürger und Politiker kein unentrinnbares Schicksal. Es dauert zwar noch einige Zeit, aber künftig werden Elektrofahrzeuge so ausgereift und zahlreich sein, dass man mit ihnen billiger fährt als mit ölgetriebenen Vehikeln.

    Diese Vision sei nicht unrealistisch, sagt Georg Wilke, Projektleiter beim Wuppertal Institut für Umwelt, Klima, Energie: „Wahrscheinlich wird die Nutzung von Elektrofahrzeugen irgendwann kostengünstiger sein als die Mobilität mit Autos, die fossilen Treibstoff brauchen.“ Einschränkend fügt Wilke aber hinzu, dass dieser Vorteil nur ein relativer sei: „Man darf nicht vergessen, dass die Kosten für Mobilität so oder so weiter steigen werden. Das gilt auch dann, wenn der Strom für den Antrieb der Elektrofahrzeuge aus erneuerbaren Energien gewonnen wird.“

    Die Smiles AG, die elektrische Kleinstwagen anbietet, ist dagegen betont optimistisch. Elektromobilität sei bereits heute billiger sei als fossiles Fahren, heißt es am Firmensitz im bayerischen Städtchen Aub. Für den in Italien hergestellten Kleinstwagen Tazzari Zero gibt Smiles Gesamtkosten von 24 Cent pro Kilometer an – inklusive Kauf, Abschreibung, Reparaturen und Strom. Dem stellt die Firma einen sparsamen Benziner vom Typ Smart gegenüber, für den sie Fahrkosten von 30 Cent errechnet. Bei einem VW Polo würden 34 Cent anfallen. Die Botschaft: Elektrisch zu fahren sei heute schon für die Bürger ein Geschäft, das sich rechnet.

    Unabhängige Experten sind da allerdings vorsichtiger. So kamen das Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers in einer gemeinsamen Studie zu dem Ergebnis, dass heutige Elektroautos deutlich teurer fahren. Wegen der vergleichweise hohen Anschaffungskosten rechne sich ihr Betrieb erst ab sehr langen Jahresfahrleistungen von etwa 45.000 Kilometern, die kaum ein privater Nutzer erreicht. Eine Größe, die die differierenden Ergebnisse bedingt, sind unterschiedliche Annahmen über den alljährlichen Wertverlust der Fahrzeuge.      

    Auch Wuppertal-Forscher Wilke sagt: „Ich bin skeptisch, ob die Hersteller die höheren Kosten von Elektrofahrzeugen in den kommenden zehn Jahren in den Griff bekommen. Das Kernproblem liegt in der Batterietechnik, unter anderem in derem hohen Preis.“ Das Elektroauto an sich ist zwar einfacher und billiger als ein benzingetriebenes Fahrzeug, aber die Speichertechnik setzt noch deutliche Grenzen. Die geladene Energiemenge ermöglicht meist nur geringe Distanzen, beispielsweise 150 Kilometer. Bei normalem Nutzungsverhalten laufen Autofahrer Gefahr liegen zu bleiben. Außerdem dauert der Ladevorgang oft noch zu lange.    

    Hinzu kommen weitere Kostenfaktoren, die Elektroautos in Zukunft teurer machen könnten. So ist heute nicht bekannt, wie weit der Strompreis steigen wird. Im übrigen mag die Regierung irgendwann auf die Idee kommen, eine höhere Verbrauchssteuer für Fahrstrom ähnlich der Mineralölsteuer zu kassieren.

    Trotz allem gehen die großen Autohersteller mittlerweile davon aus, dass sie irgendwann konkurrenzfähige Elektromobile verkaufen können. Zwar sind heute erst wenige tausend solcher Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs. Aber nachdem Toyota, Mitsubishi oder Peugeot alltagstaugliche Modelle in den Verkehr geschickt haben, ziehen auch deutsche Unternehmen nach. Seit kurzem wird der Opel Ampera ausgeliefert, bald sollen neue Fahrzeuge beispielsweise von BMW folgen. Zulieferer wie BASF und Bosch entwickeln intensiv neue Batterietechnik und Komponenten. Bosch-Manager Bernd Bohr rechnet damit, dass sich ab Mitte des nächsten Jahrzehnts – also etwa 2025 – die E-Autos durchsetzen und von da an weniger Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor verkauft werden.

  • Stadtplaner helfen Sprit zu sparen

    Weil die Mobilitätskosten steigen, ziehen mehr Menschen in die Städte

    Steigende Energiekosten werden dazu beitragen, dass künftig mehr Menschen in Städten leben. Das nimmt Klaus Beckmann, der Leiter des Deutschen Instituts für Urbanistik, an. „Auch deshalb dürfte die Besiedlung der Peripherie in Deutschland zurückgehen.“

    Schon seit Jahren ist zu beobachten, dass das Wohnen in der Stadt wieder attraktiver wird. Für diese Entwicklung stehen Stadtteile wie Vauban und Rieselfeld in Freiburg, das Französische Viertel in Tübingen oder die geplanten Quartiere rund um das Gleisdreieck in Berlin.

    Bürger mit solidem Einkommen, Singles, aber auch junge Familien zieht es nicht mehr so stark in´s Einfamilienhaus auf´s Land, weil sich die Lebensbedingungen in vielen Städten deutlich gebessert haben. Nur selten gibt es in der Nähe zu Wohnvierteln noch Industrieunternehmen, die ihre Umgebung spürbar mit Abgasen, Abwasser oder Krach belasten. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel – aber stärkere Umweltauflagen haben die Emissionen doch erheblich verringert. Und ein Teil der dreckigen Industrie hat nicht nur die Städte, sondern gleich das Land verlassen.

    Parallel dazu nimmt mindestens hier und da die Belastung durch den Autoverkehr ab. Außerdem bemühen sich die Stadtplaner, den Bürgern attraktive Angebote für das Wohnen in der Stadt zu machen. Dies reicht von bezahlbarem Bauland über vielfältiges Kulturleben bis zu Kinderbetreuung.

    Diese Motive würden künftig durch ein weiteres verstärkt, sagt Stadtforscher Beckmann: „Das Bewusstsein nimmt zu, dass Verkehr nicht umsonst ist. Viele Menschen werden die vermeintliche Notwendigkeit zur Mobilität zunehmend kritisch reflektieren.“ Ein Beispiel: Berufspendler, die auf dem Land wohnen und in der Stadt arbeiten, geben oft mehrere hundert Euro monatlich für Benzin aus. Dieses Geld kann man auch in eine teurere Eigentumswohnung im Zentrum investieren. Unter dem Strich steigen die Lebenshaltungskosten möglicherweise nicht, aber man gewinnt Zeit, die man sonst mit Autofahren zugebracht hätte.

    Die Stadtplanung wird diesen Prozess unterstützen. „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ lautet das Motto. Dahinter stehen mehrere Notwendigkeiten. Zum einen verfügen viele Städte über freie Flächen – nicht nur in Ostdeutschland, sondern auch im Westen. Industriebetriebe wurden geschlossen oder Kasernen abgerissen. Auch die Bahn braucht oft weniger Platz.  

    Im Übrigen wirkt der demografische Wandel, die Bevölkerungszahl stagniert oder schrumpft. Da ist es für die Stadtkämmerer und kommunalen Unternehmen mitunter günstiger, mehr Menschen auf engem Raum zu versorgen, als teure Wasser- und Gasleitungen in die Außenbezirke zu unterhalten, die durch die Gebühren der wenigen Anwohner nicht mehr zu finanzieren sind. „Nicht nur die Metropolen könnten deshalb künftig wachsen, sondern auch mittlere und kleinere Städte“, sagt Beckmann. Das Land jedenfalls wird leerer.

    Info-Kasten: Der ölfreie Haushalt

    Über 90 Prozent des geförderten Erdöls werden weltweit verbrannt – das meiste in Motoren und Heizungen. Aber auch ein kleiner Restposten von unter zehn Prozent ist extrem wichtig. Daraus stammen fast alle Kunststoffe, die uns täglich umgeben – in Form von Autoteilen, Küchengeräten, Bettdecken, Rucksäcken, Möbeln und vielem mehr.

    Wer eine Zukunft ohne Erdöl anpeilt, muss sich folglich auch Gedanken darüber machen, wie man ohne Plastik auskommen kann. Die österreichische Familie Krautwaschl in Graz nimmt diese Herausforderung seit einigen Jahren ernst. Vieles, was aus Erdöl hergestellt wurde, haben die Eltern und ihre drei Kinder aussortiert. Zum Fototermin vor ihrem rustikalen Haus bauten die Krautwaschls eine farbenfrohe Halde aus Kunststoffprodukten auf – vom Fahrrad über die Gartenstühle, die Regenbekleidung bis zur Skiausrüstung.  

    Wer so konsequent sein will, muss auch zum Verzicht bereit sein. Manche Plastikprodukte kann man zwar relativ mühelos einsparen, etwa die Tüte beim Einkaufen. Doch schon bei Elektrogeräten wird es schwierig. Auch im Geschirrspüler steckt Kunststoff. Also das Geschirr für eine fünfköpfige Familie per Hand abwaschen? Und was ist mit Skifahren? Diese Sportart kann wohl vergessen, wer keinen ölbasierten Kunststoff mehr verwenden will.

    Auch Musik wird zum Problem. CD-Player, iPod, Keyboard, E-Gitarre? Ohne Plastik ist vieles unmöglich oder mindestens sehr teuer. Partielle Rettung bringt da ein Pionierunternehmen aus der Nähe von Heilbronn. Tecnaro hat einen Bio-Kunststoff auf der Basis von Lignin entwickelt – das ist der Stoff, der Pflanzenfasern zu Holz werden lässt. Das gut formbare und sehr feste Material eignet sich beispielsweise, um Blockflöten herzustellen. Ein wichtigerer Markt für Tecnaro allerdings sind Autozulieferer. Trotzdem: Kunststoffe ohne Öl – diese Entwicklung steht noch ganz am Anfang.