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  • Wettbewerb auf der Schiene bedroht

    Bei Ausschreibungen im Nahverkehr bieten immer weniger Privatbahnen mit / Verbände beklagen ungleiche Startbedingungen

    Die marktbeherrschende Stellung der Deutschen Bahn (DB) ist trotz der Marktöffnung noch immer unangefochten. Das geht aus dem Wettbewerber-Report 2010/2011 hervor, den die Konkurrenten in Auftrag gegeben haben. Danach bestreitet die DB im Nahverkehr noch 87,5 Prozent der Verkehrsleistung, im Fernverkehr sogar 99 Prozent. Nur beim Gütertransport haben die Wettbewerber dem Konzern bereits ein Viertel des Verkehrs abgenommen.

    Von neuen Anbietern versprechen sich vor allem die öffentlichen Auftraggeber für den Nahverkehr bessere Leistungen bei geringeren Kosten. Das belegen auch die Ergebnisse bisheriger Ausschreibungen. „Wettbewerb ist erfolgreich, wenn er stattfindet“, bestätigt der Chef des Nahverkehrsverbands BAGSPNV, Bernhard Wewers. Genau dies ist aber laut Wettbewerbsreport immer seltener der Fall. 2010 ging die durchschnittliche Bieterzahl bei Ausschreibung auf nur noch 2,4 zurück. In einigen Fällen machte nur ein Unternehmen dem Platzhirschen DB Regio Konkurrenz.

    Der hohe Marktanteil der DB resultiert noch aus Zeiten, in denen viele große Aufträge direkt an den Konzern vergeben wurden. Diese Praxis wurde mittlerweile gerichtlich verboten. Dennoch ziehen sich Unternehmen zurück, wie der Autor des Report, der Verkehrsexperte Michael Holtzey, beobachtet. Dafür gebe es mehrere Gründe. Einer davon sind die stetig steigenden Preise für die Nutzung von Trassen und Bahnhöfen. Eine zweite Ursache sehen die Privatbahnen in den Strompreisen der Bahn. Zudem haben sie Schwierigkeiten beim Kauf von Zügen. An diesen Punkten sehen sich die Konkurrenten benachteiligt.

    Deshalb plädiert der Chef des Unternehmensverbands Mofair, Wolfgang Meyer, für eine unabhängige Führung des Netzes. „Für uns ist es zentral, das wir eine Konzerntrennung bekommen“, sagt Meyer. Derzeit würden die Privatbahnen mit den Gebühren die Gewinne der DB finanzieren.

    Die Deutsche Bahn widerspricht dem Report vehement.. Die Vorwürfe könnte widerlegt werden, teilte der Konzern mit und verwies auf mittlerweile 340 neue Bahnen auf den Gleisen. Im Nahverkehr kämen die Wettbewerber gemessen an den Zugkilometern bereits auf einen Marktanteil von 22 Prozent, erläutert die DB. Ebenso weist die Bahn den Vorwurf zu hoher Preise zurück. „Weder behindert die DB den Marktzutritt anderer Unternehmen, noch werden DB-eigene Transportunternehmen bevorzugt“, hieß es weiter. Die Trennung von Netz und Betrieb lehnt der Konzern weiterhin ab.

    Doch der Report zeigt noch eine Entwicklung. „Der Mittelstand ist einfach weg“, stellt Torsten Severin vom Netzwerk Privatbahnen fest. Diese Beobachtung bestätigt der Report. Immer wieder wechseln Bahnunternehmen den Besitzer. Wenn die mittelständischen Firmen übernommen werden, steckt hinter dem Käufer mittlerweile meist eine ausländische Staatsbahn. „Wir haben einen klaren Trend zur Staatsbahnisierung“, erläutert Holtzey.

  • Wieder Tote in der Apple-Produktion

    Durch Explosion beim iPad-Produzenten Foxconn im chinesischen Chengdu sterben drei Menschen. Beschäftigte beklagen schlechte Arbeitsbedingungen

    Wieder muss Apple-Lieferant Foxconn Todesfälle unter Arbeitern in China melden. Wie erst jetzt bekannt wurde, sind Ende der vergangenen Woche drei Arbeiter im Foxconn-Werk in Chengdu gestorben, wo iPads produziert werden. 15 weitere Beschäftigte wurden verletzt, erklärte der taiwanesische Konzern. Als Ursache gab die Firma an, dass staubförmiger Brennstoff in einer Leitung explodiert sei.

    Vor etwa einem Jahr hatten sich 13 Arbeiter und Arbeiterinnen im Foxconn-Werk in Shenzhen bei Hongkong das Leben genommen. Sie stürzten sich aus den höheren Stockwerken der Fabrik in den Tod. Kritiker führen die Selbstmorde auch auf harte Arbeitsbedingungen und Perspektivlosigkeit der Beschäftigten zurück. Nach den Suiziden hatte Foxconn unter anderem den Lohn in Shenzhen nahezu verdoppelt und psychologische Berater eingestellt.

    Der aktuelle Unfall ereignete sich in der neuen Foxconn-Fabrik in Chengdu, etwa 1.500 Kilometer nördlich von Hongkong. Foxconn-Chef Terry Gou hatte sich anlässlich der Eröffnung gerühmt, das Werk sei in der „Weltrekord“-Zeit von nur 76 Tagen errichtet worden. Dies könnte eine Ursache der Probleme sein: Die Anlagen, in denen gegenwärtig rund 100.000 Menschen arbeiten, sind noch immer Baustelle und Produktionsstätte zugleich.

    Im persönlichen Gespräch mit der Deutschen Welle in Chengdu klagten Foxconn-Beschäftigte unlängst über die schlechten Arbeitsbedingungen. „Die Produktionshallen sind sehr dreckig“, sagte ein 25jähriger Arbeiter, der in der Qualitätskontrolle der iPads tätig war. Ein Besuch der Fabrik bestätigt diesen Eindruck: Die Straßen zwischen den Hallen, in denen die Produktion bereits läuft, sind teilweise noch nicht asphaltiert, sondern Schlammpisten. An vielen Stellen liegen Stahlträger und anderes Baumaterial herum, weil weitere Hallen hochgezogen werden.

    Dass aus diesem Nebeneinander von Bau und Produktion Sicherheitsprobleme resultieren können, betont die Organisation Sacom (Studenten und Professoren gegen das Fehlverhalten von Unternehmen). Auf die schlechte Lüftung und die hohe Staubbelastung in dem Teil der Fabrik, in dem nun offenbar die Explosion stattgefunden hat, wiesen die Kritiker bereits vor Monaten hin.

    „Die Kantinen sind zu klein und überfüllt“, berichteten Arbeiter gegenüber der DW außerdem. Der Ausbau der Sozialinfrastruktur hält mit dem Wachstum der Fabrik offenbar nicht Schritt. Die Zimmer in den Wohnheimen außerhalb der Fabrik seien mit jeweils acht Personen belegt, sagen Beschäftigte.

    Foxconn-Manager Louis Woo räumte im Gespräch mit der Deutschen Welle auch ein, dass das Unternehmen gegen die Überstunden-Regelung des chinesischen Arbeitsgesetzes verstoße. Während darin die Zahl der monatlichen Überstunden auf 36 begrenzt ist, leisten Foxconn-Arbeiter bis zu 80 oder mehr pro Monat. Woo führt dies auf die große Nachfrage nach Foxconn-Produkten zurück. Um die hohe Zahl der Überstunden zu reduzieren, „bauen wir mehr Fabriken, errichten in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden mehr Infrastruktur und stellen mehr Leute ein“.

    Die Arbeitsbedingungen bei Foxconn in Chengdu sind vergleichbar mit der Situation in Europa vor 90 Jahren. In den Fabriken herrscht oft harte, fast militärische Disziplin. Die Beschäftigten dürfen sich kaum miteinder unterhalten. Die Löhne reichen knapp für´s Leben, ermöglichen aber nicht die Gründung einer eigenen Familie. Mit 12 Stunden pro Tag sind die Arbeitszeiten lang und lassen wenig Platz für Freizeit und Kultur. Der Widerspruch zwischen dem eigenen kärglichen Dasein und dem umgebenden Reichtum des 21. Jahrhunderts erzeugt bei vielen Beschäftigten Enttäuschung.

  • Von der Energiewende zur Demokratiewende

    Um die Bürger vom Umbau der Energiewirtschaft zu überzeugen, ist mehr Beteiligung an der Planung der Bauvorhaben notwendig

    Filmregisseur Thomas Jakob lebt in einem Dörfchen mit 68 Einwohnern am idyllischen Spreewald in Brandenburg. In den dritten Fernsehprogrammen läuft noch sein Heimatfilm „Die Hüttenwirtin“, den er vor anderthalb Jahren gedreht hat. Aber auch ohne einen neuen Film hat der 68Jährige genug zu tun. „Ich kämpfe“, sagt er. Drei Kilometer von seinem Dorf Glietz entfernt stehen elf Windräder. „179 Meter hoch“, so Jacob, „von der Dorfstraße aus kann man sie sehen.“

    Dass die modernen Kraftwerke auch an vielen anderen Orten gebaut werden, will Jacob verhindern. In Brandenburg spricht er für 26 Bürgerinitiativen, die sich gegen Windanlagen engagieren. Einen bundesweiten Verband gegen Windräder wollen die Aktivisten bald gründen.

    Die Zersiedlung der Landschaft, die Schlagschatten der Rotoren, die Geräusche – das ist das Eine. Mindestens ebenso aber stört Jacob der Eindruck, dass Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck die Windparks rigoros gegen die Interessen der Bürger durchsetze. „In der Regel werden die Anwohner systematisch von der Planung ausgeschlossen.“

    Keine Frage, dass die Landesregierung diesen Vorwurf zurückweist. Erst kürzlich hat Wirtschaftsminister Ralf Christoffers lange mit den Initiativen debattiert. Vielleicht werden die Formalitäten tatsächlich eingehalten. Und doch bleibt ein entscheidender Punkt: Im Zusammenhang mit dem Ausbau der erneuerbaren Energie beklagt sich eine nennenswerte Anzahl von Bürgern über ein Demokratiedefizit.

    Das ist ein Problem. Eines, das den Neubau tausender Wind- und Solarkraftwerke, der dringend notwendigen Stromleitungen, die gesamte Energiewende blockieren kann, die durch den schnelleren Ausstieg aus der Atomkraft in greifbare Nähe rückt. Wenn der Umbau des Energiesystems – eine Mega-Aufgabe für die kommenden 50 Jahre – gelingen soll, darf die Politik dies nicht gegen eine breite Protestbewegung durchsetzen. Die Frage lautet: Wie schaffen es die Regierungen, mehr Akzeptanz für die Energiewende zu organisieren?

    Thomas Jacob kennt die Antwort bereits. „Wir fordern eine nachvollziehbare Planung unter Beteiligung der Bürger.“ Und was wäre, wenn diese Forderung erfüllt würde? Gäbe es dann keinen Protest gegen Windkraftwerke mehr? „Wenn nach einem transparenten Verfahren 60 Prozent der über Windkraft aufgeklärten Bürger einer Planungsvariante für den Ausbau zustimmten, würden wir unsere Gegenwehr einstellen.“ Das klingt auch nach einem Hintertürchen. Trotzdem: Mehr Bürgerbeteiligung, mehr Mitbestimmung kann dazu beitragen, politische Konflikte zu entschärfen – siehe die Schlichtung um den Bahnhof Stuttgart 21.

    Anstrengungen in diese Richtung seien überfällig, meint Miranda Schreurs. Die Professorin für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin sitzt in der Ethikkommission, die im Auftrag von Kanzlerin Angela Merkel über den Atomausstieg berät. Schreurs, eine Amerikanerin, die seit Jahren in Deutschland arbeitet, sagt: „Vieles wird hier noch im Top-Down-Verfahren entschieden.“ Ihr Rat: „Die Politik sollte eine grundsätzliche Debatte über das neue Energiesystem eröffnen.“

    Wie schnell wollen wir den Systemwechsel bewerkstelligen? Auf welche Energiequellen setzen wir besonders? In welchen Bundesländern finden sich die besten Standorte für die neuen Kraftwerke – gemessen an nachvollziehbaren Kriterien? Dies sind nur einige der Fragen, die öffentlich zu debattieren wären.

    In diese Richtung denkt auch Lutz Mez, Politologe der Freien Universität. „Heute fühlen sich viele Leute nicht ernstgenommen“, so Mez. „Die Regierungen sollten die Bürger zu Versammlungen einladen, um mit ihnen in einem möglichst offenen, moderierten Prozess zu diskutieren.“

    Wie darf man sich das vorstellen? In einem bundesweiten Verfahren müsste dieser Prozess wahrscheinlich über ein, zwei Jahre ablaufen. Beraten durch Fachleute, würden die Bundes- und Landesregierungen den Deutschen einen groben Plan für den Umbau des Energiesystems vorlegen. Die Haltung der Bürger dazu würde in Versammlungen auf Gemeinde-, Kreis-, Landes- und Bundesebene ermittelt und das Umbaukonzept entsprechend verändert. Man kann die Hoffnung hegen, dass der neue Masterplan nach mehreren Rückkopplungsschleifen auf breiterer Unterstützung basiert als ohne Partizipation.

    Mit der Energiewende käme so auch die Demokratiewende. Denn klar ist, dass ein derartiger Prozess im Rahmen der heutigen Institutionen unmöglich ist. Dass man neue Verfahren der Mitbestimmung entwickeln muss, darauf weist Politologe Claus Leggewie im Interview hin. Beispielsweise Zukunftskammern könnten die Gesetzgebung der Parlamente ergänzen. Und auch Lutz Mez sagt: „Wir brauchen eine Revitalisierung der Demokratie – sonst gibt es begreiflicherweise Widerstand.“

    Das ist die politische Dimension, um mehr Akzeptanz für die Energiewende herzustellen. Es gibt aber auch den ökonomischen Aspekt. Wer verdient an den Windparks? Warum sollten Bürger die Spargel auf den Hügel toll finden, wenn sie nicht selbst davon profitieren, sondern nur eine Betreibergesellschaft, die weit weg, in Hamburg oder Frankfurt sitzt?

    Möglicherweise sähe die Lage anders aus, gehörten den Einwohnern der Dörfer Anteile der neuen Kraftwerke. „Es wäre hilfreich, wenn die finanzielle Beteiligung der Bürger beispielsweise an Windparks politisch unterstützt und gefördert würde,“ sagt Mez deshalb. Wer die Energiewende wolle, solle sie mit neuen Eigentumsstrukturen untermauern. In Dänemark wurde diese Idee in den 1990er Jahren bereits ausprobiert und hat gut funktioniert.

  • Ampelfarben für Restauranthygiene

    Länder wollen einheitliche Kennzeichnung für Hygiene in der Gastronomie einführen

    An diesem Donnerstag wollen die Verbraucherminister der Länder in Bremen den Weg für ein Hygienebarometer in Gaststätten und Imbissbuden freimachen. Die Gäste sollen künftig schon am Eingang zum Speiseraum erkennen, ob die Lebensmittelkontrolleure hygienische Mängel in Küche, Toilette oder Lagerräumen gefunden haben. Im Gegensatz zur bisherigen Praxis wollen die Behörden ihre Untersuchungsergebnisse ab 2012 in Form eines „Kontrollbarometers“ veröffentlichen. Dieses Balkendiagramm zeigt die Ampelfarben. Zeigt der darüber angebrachte Pfeil auf den grünen Bereich, ist alles in Ordnung. Bei gelb wurden die gesetzlichen Bestimmungen nur teilweise erfüllt, bei rot nur unzureichend.

    „Wir brauchen ein einheitliches und verbindliches Modell, das Aktualität und Verlässlichkeit sicherstellt“, sagt der Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, Robert Kloos. Bei gravierenden Verstößen gegen die Hygienepflichten sei es mit einer Kennzeichnung nicht getan. In diesen Fällen müssten die zuständigen Behörden den betroffenen Betrieb sperren. Der Bund will nun zügig die Rechtsgrundlage für das einheitliche Prüfsystem schaffen.

    Das Kontrollbarometer wird nach dem Vorbild des dänischen Smiley-Systems eingeführt. Im Nachbarland signalisiert ein Smiley am Eingang der Gaststätten, ob es drinnen sauber zugeht oder nicht. Das kann der Gast am Gesichtsausdruck des Aufklebers erkennen. In Deutschland hat sich als erstes der Berliner Bezirk Pankow hervorgewagt und von den Lebensmittelkontrolleuren entdeckte Missstände im Internet veröffentlicht.

    Nun sollen die Prüfergebnisse bundeseinheitlich gestaltet werden. Die Betriebe werden auf eine ganze Reihe von Merkmalen hin überprüft. Dazu gehört die Hygiene in der Lebensmittelproduktion und beim Personal, die bauliche Beschaffenheit, die Eigenkontrolle oder die Temperaturen bei Lagerung und Verarbeitung der Nahrungsmittel. Für Mängel verteilen die Prüfer Punkte, insgesamt bis zu achtzig. Wer weniger als 40 Punkte erhält, bleibt im grünen Bereich. Zwischen 40 und 60 Punkten landet das Restaurant im gelben Bereich, bei einem höheren Wert setzt es rot.

    Zunächst muss sich die Gastronomie dieser Bewertung stellen, sofern die Länder die Einführung heute auch beschließen. In einer zweiten Stufe folgen Bäckereien und Fleischereien. Später kommen Kantinen oder Cateringfirmen, der Einzelhandel und am Ende auch Wochenmärkte dazu.

    Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert schnellstmöglich mehr Transparenz. „Es ist Zeit, endlich die Verbraucher vor Schmuddelbetrieben zu schützen statt wie bisher Schmuddelbetriebe vor dem Verbraucher“, fordert Foodwatch-Vize Matthias Wolfschmidt. Alle Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen müssten veröffentlicht und das System auf alle Lebens- und Futtermittelbetriebe ausgeweitet werden. Wolfschmidt erhofft sich davon einen höheren Druck auf die Branche, in der die Behörden fast jeden vierten geprüften Betrieb beanstanden.

    Ganz anders sieht der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) das Vorhaben. „Dieses System ist geeignet, Existenzen zu gefährden“, warnt Verbandspräsident Ernst Fischer. Die Gastwirte befürchten Umsatzeinbrüche, wenn das Prüfergebnis nicht gut ausfällt. Die große Sorge des Dehoga ist der fehlende Anspruch der Gastronomen auf eine zeitnahe Nachkontrolle. Mängel sind vielleicht längst beseitigt worden. Doch der Betrieb muss bis zur nächsten Prüfung mit einer Warnfarbe im Eingang leben.

  • Guten Appetit!

    Kommentar

    Transparenz ist die einfachste Formel für einen besseren Verbraucherschutz. Unternehmen lassen sich ungern in die Karten schauen. Auch bei den Behörden ist es mit der Offenheit oft nicht weit her. Dabei können die Konsumenten nur dann die richtigen Entscheidungen treffen, wenn sie gut informiert sind. Daran hapert es oft.

    Die nun beschlossene Einführung einer Restaurant-Ampel zeigt, dass es auch anders und besser geht. Die Gäste wird es freuen, weil sie auf leicht verständliche Weise eine echte Hilfe bei der Auswahl eines Lokals an die Hand bekommen. In welcher Küche hygienisch geschludert wird, ist künftig auf einen Blick zu erkennen. Allein schon die Furcht vor einer solchen Brandmarke dürfte in der Gastronomie positive Wirkung zeigen. Dabei machen die Behörden eigentlich nur etwas selbstverständliches, in dem sie die Kontrollergebnisse der Lebensmittelüberwachung in einem Gesamtwert für jedes Restaurant zusammenfassen und veröffentlichen. Die Farbe grün zeigt, dass es sich Gäste hier mit gutem Appetit schmecken lassen können. So einfach kann Verbraucherschutz sein.

    Die Angst der Gastronomen vor der Ampel ist übertrieben. Allerdings müssen die Länder auch eine ausreichende Kontrolldichte sicherstellen, damit Veränderungen auch zeitnah abgebildet werden. Es ist auch nicht so, dass ein Restaurantbesitzer für Kleinigkeiten abgestraft wird. Den abschreckenden roten Balken bekommt nur zugewiesen, der massiv gegen die Vorschriften verstößt. Und das hat sich diese Küche dann auch verdient.

  • Der Blick auf den Gehaltsscheck

    Neue Studie verrät, wie viel Hochschulabsolventen im ersten Job verdienen

    Wie viel kann ein Uni-Absolvent eigentlich verdienen? Bekommt ein Akademiker mit Master-Abschluss tatsächlich mehr als einer mit Bachelor-Abschluss? Und in welcher Branche lockt der Spitzenverdienst? Diesen Fragen ist eine aktuelle Studie nachgegangen.

    Deutschlandweit 902 Hochschulabsolventen hat der Personalvermittler alma mater für seine „Gehaltsstudie 2011“ befragt. Rund 40.000 Euro brutto – so das Ergebnis der Untersuchung – verdienen Berufseinsteiger im Schnitt. Von Region zu Region sehen die Verdienstmöglichkeiten allerdings recht unterschiedlich aus: Auf das höchste Gehalt können sich Erstjobber in Schleswig Holstein freuen. Fast 2.000 Euro über dem Durchschnitt zahlen Firmen hier. In Bayern und dem Saarland gibt es rund 1.300 Euro und in Baden-Württemberg immerhin 1.000 Euro mehr. Finanziell am schwächsten stehen die Jungakademiker der Hauptstadt da. Der Berliner Wirtschaft ist eine studierte Arbeitskraft direkt nach dem Abschluss jährlich rund 38.800 Euro wert.

    Branche, Funktion und Unternehmensgröße entscheiden unter anderem, wie gut oder wie schlecht die Bezahlung ausfällt. „Wie in 2010 sind es die Branchen Medien, Zeitarbeit, öffentlicher Dienst und sonstige Dienstleistungen, in denen Absolventen weniger verdienen als in anderen Branchen“, urteilen die Autoren der Studie. Aber auch die Tourismusbranche liefere den Untersuchungen zufolge ein „ernüchterndes Ergebnis“. Mit einer Gehaltsspanne zwischen 24.000 und 30.000 Euro bildet sie das Schlusslicht.

    Anders sieht es in den Branchen Automotive, Elektrotechnik, Maschinenbau aus. Hier lassen sich besonders hohe Gehälter erzielen, was auch in der Chemie, bei den Banken, in der Baubranche und in der Konsum- und Gebrauchsgüterherstellung, möglich ist. Mindesten 38.000 Euro verdienen studierte Neueinsteiger hier. Maximal sind rund 50.000 Euro möglich.

    Die weit verbreitete Annahme, dass Unternehmensberater Top-Verdienste mit nachhause bringen, bestätigt die Studie im Übrigen nicht. „Das Klischee, dass Berater Spitzenlöhne verdienen, trifft nur auf die Big-Player zu“, so alma mater-Mitarbeiterin Sabrina Schmalisch. Davon gebe es in Deutschland vielleicht ein Dutzend. Auf dem Markt befänden sich aber sehr viele solcher Firmen – auch sehr kleine mit weitaus geringeren Umsätzen.

    Auch die Anzahl der Kollegen entscheidet, wie viel Geld letztendlich auf das Konto geht: „In Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern sind die Verdienstmöglichkeiten erwartungsgemäß hoch“, lautet das Fazit der Autoren. Mehr als acht Prozent über dem Durchschnitt, so das Ergebnis, zahlen Konzerne ihren Junior-Arbeitnehmern.

    Und wie steht es um die einzelnen Hochschulabschlüsse? Die, so die Verfasser, haben einen großen Einfluss auf die Gehälter. Hat ein Unternehmen 100 bis 999 Mitarbeiter, zahlt es bei einem Bachelor-Abschluss erst einmal 38.170 Euro im Schnitt pro Jahr. Etwas höher, mit 40.062 Euro, wird das Diplom in derselben Unternehmensgröße entlohnt. Und Absolventen mit Master-Titel können durchschnittlich mit 40.281 Euro rechnen. Ebenso unterschiedlich steht es um die Einkommenschancen in den meisten anderen Firmengrößen. Lediglich in Kleinstunternehmen mit unter zehn Mitarbeitern liegen die Gehälter auf fast gleicher Höhe. Absolventen mit Bachelor-Abschluss, so die Studienmacher, haben nach wie vor meist das Nachsehen.

    Seit 2005 untersucht alma mater die Einstiegsgehälter. Dabei fallen immer wieder Veränderungen auf. Alma mater-Mitarbeiterin Schmalisch vermutet, dass sich die Unternehmen je nach wirtschaftlicher Lage gerade bei den Einstieggehältern  flexibel zeigen. Unterstützung in dieser Annahme bekommt sie von Stefanie Zimmermann, Redaktionsleiterin im Staufenbiel Institut, wo man ebenso die Trends bei den Einstiegsgehältern beobachtet. Sie sagt: „Die wirtschaftliche Gesamtlage spielt eine große Rolle dabei, dass es bei den Einstiegsgehältern nie einfach nur bergauf, sondern auch mal runter geht – oder es sich kaum etwas tue“.

    Aber auch Angebot und Nachfrage bestimmen die Gehälter in den verschiedenen Branchen. „Wenn Unternehmen händeringend nach Absolventen bestimmter Fachrichtungen wie Ingenieure oder IT-Experten suchen, weil sich der Fachkräftemangel bemerkbar macht“, so Zimmermann, „kann das die Gehälter in die Höhe treiben.“ In Branchen, wo ein großes Angebot an potenziellen Mitarbeitern bestehe – wie der Medienbranche – drücke das die Gehälter.

  • „Unbewusster Konsum ist zum Problem geworden“

    In vielen Lebensmitteln für Kinder stecken Aromen. Eigentlich gehören die da aber nicht rein, sagt Ulrich Fegeler. Im Gespräch erklärt der Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde, wie genau es Eltern mit den geschmacklich aufgepeppten Speisen für den Nac

    Mandy Kunstmann: Herr Fegeler, gehören industriell hergestellte Aromen in Kindernahrung?

    Ulrich Fegeler: Eigentlich nicht. Grundsätzlich sollten Kinder nur mit natürlichen Substanzen konfrontiert werden. Das Problem ist allerdings, dass Eltern manchmal nur schwer erkennen können, ob Lebensmittel Zusatzstoffe enthalten. Selbst in Bio-Ware ist nicht immer nur Bio drin. Eltern sollten deshalb Babynahrung lieber selbst mit frischen Zutaten zubereiten.

    Kunstmann: Es heißt, Aromastoffe machen Kinder dick.

    Fegeler: Zuallererst betonen Aromen bestimmte Geschmacksrichtungen. Die Hersteller zeigen sich da recht experimentell und übertreiben es bisweilen. Die Lebensmittel sollen den Kindern lecker schmecken, was den Verkauf fördert. Von leckeren Sachen isst man eben mehr. Und das kann zu Übergewicht führen.

    Kunstmann: Viele Kinder bevorzugen aromatisierten Quark und finden frische Erdbeeren mit Quark absolut nicht lecker. Was können Eltern dagegen tun?

    Fegeler: Statt den Quark aus dem Kühlregal zu kaufen, sollten sie ihn selbst anrühren – und dabei die Kinder mit einbeziehen. Die finden es toll, wenn sie beschäftigt werden. Für sie ist es hochinteressant, wenn sie lernen, wie sich das Vanillemark aus der Schote holen lässt oder wie man eine Zitrone ausquetscht. Allerdings setzt so etwas Zuwendung und Zeit voraus. Eltern sollten sich das leisten.

    Kunstmann: Darf Zucker in den Quark?

    Fegeler: Klar darf es auch Zucker sein. Es müssen auch nicht ausschließlich reine Nahrungsmittel sein. Süßigkeiten und ab und an mal Zusatzstoffe sind okay. Eltern sollten die Produkte jedoch kontrolliert aussuchen. Unbewusster Konsum ist heute zum Problem geworden.

    Kunstmann: Was meinen Sie damit?

    Fegeler: Kinder bekommen alle Nase lang Süßigkeiten zugesteckt. Wenn sie an der Supermarktkasse quengeln, gibt es eben einen Schokoriegel. Darüber sollten sich Eltern hinwegsetzen. Gut ist es, wenn sie einen Süßigkeiten-Tag einführen.

    Kunstmann: Da gibt es dann an einem bestimmten Tag der Woche die Süßigkeiten, die sich das Kind wünscht?

    Fegeler: Nicht ganz. Eine Begrenzung ist schon notwendig. Mit großen Mengen können Kinder nicht haushalten und essen alles auf einmal auf. Unter der Woche kann man ja dann noch mal ein Eis schlecken. Ganz so streng darf es eben nicht sein. Und für den Süßigkeiten-Tag gilt: Die Auswahl der Süßigkeiten können Eltern auch mit Spielen verbinden. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

    Bio-Box: Dr. Ulrich Fegeler (62) ist seit 2007 Bundespressesprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Er ist Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde in einer Praxisgemeinschaft in Berlin.

  • Aroma: Natürlich ist nicht gleich natürlich

    Prangt auf dem Erdbeerjoghurt „natürliches Aroma“, heißt das noch lange nicht, dass der süßlich beerige Geschmack von den roten Früchten kommt. „Natürlich“ heißt auf Lebensmitteletiketten lediglich, dass bei der Aromaherstellung Rohstoffe zum Einsatz kommen, die in der Natur vorhanden sind. Und das können Pflanzen, Tiere oder gar Mikroorganismen sein.  

    Eins vorab: Ein Aroma besteht in der Regel aus einer Kombination verschiedener Einzelstoffe. 2.600 davon, das schätzt der Lebensmittelchemiker und Buchautor Udo Pollmer, stehen der Lebensmittelwirtschaft zur Verfügung. Bei der Produktion von natürlichen Aromastoffen kommen im Gegensatz zu naturidentischen und künstlichen Aromastoffen ausschließlich physikalische Verfahren zum Einsatz. Es heißt also extrahieren  oder destillieren, anstatt die chemischen Verbindungen künstlich im Labor aufzubauen.

    Hölzer, Zellkulturen, Schimmelpilze oder zum Beispiel Bakterien halten für die Herstellung von natürlichen Aromen her. Welche Stoffe der Johannisbeerbrause den letzten Schliff verleihen, verraten die Lebensmittelmacher ungern. „Die Rezepte sind ein Betriebsgeheimnis“, sagt Ulrich Arzberger vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart. Buchautor Pollmer kennt die skurrilen Mixturen. In seinem Buch „Food-Design: Panschen erlaubt“ gibt er einige davon preis: Für „natürlichen“ Apfelgeschmack bietet sich eine Mixtur aus Weinfuselöl und Hefeöl-Destillat unter Zusatz von biotechnologisch erzeugten Ethylacetat an, schreibt er. Hinzu kommen noch ein paar Tropfen Tagetesöl. Und für „Himbeere“ eignet sich Zedernholzöl. Nimmt man die Sägespäne des Baumes und destilliert sie, kommt ein typischer Himbeerduft heraus.

    Freilich lässt sich der Geschmack auch aus Obst gewinnen. „Natürliches Erdbeeraroma“ steht in dem Fall auf dem Produkt. Mindestens 95 Prozent des Aromas kommen dann aus der namensgebenden Quelle. Ziert allein das Wörtchen „Aroma“ die Schachtel, ist das ein Indiz dafür, dass naturidentische oder künstliche Aromastoffe im Essen stecken. Beides wird mithilfe chemischer Verfahren im Labor hergestellt.

    Naturidentische Aromastoffe haben, wie der Name schon sagt, ein entsprechendes Vorbild in der Natur. „Die Chemiker schauen sich Aromen bei der Natur ab und bauen sie im Labor nach“, erklärt Lebensmittelchemiker Arzberger die Produktion vereinfacht. „Naturidentisches Vanillin wird zum Beispiel synthetisch aus Eugenol, also Gewürznelkenöl, gewonnen“, sagt Christiane Manthey, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Es könne aber auch biotechnologisch hergestellt werden. Die richtige Vanilleschote kommt hier also nicht zum Einsatz.

    Etwas anders sieht es bei den künstlichen Aromastoffen aus. Sie haben kein Vorbild in der Natur. In der Praxis spielen sie aber kaum noch eine Rolle. „Lediglich Ethylvanillin, das etwas intensiver und bitterer nach Vanille riecht als das natürlich vorkommende
    Vanillin, wird in einigen Lebensmitteln eingesetzt“, so Arzberger.

    Ob die geschmacksgebenden Zusätze schädlich sind, lässt sich nur schwer beantworten. „Die allermeisten Aromastoffe sind gesundheitlich völlig unbedenklich“, sagt Chemiker Arzberger. Für manche pflanzlichen Lebensmittel, wie etwa Zimt, wurden allerdings  Höchstmengen festgelegt, die nicht überschritten werden dürften. Viele Ärzte und Ernährungswissenschaftler stehen dem Einsatz von Aromen kritisch gegenüber: Sie sagen, die Stoffe könnten zum Übergewicht beitragen, weil sie Konsumenten  dazu anregen, mehr zu essen.

    Ein Wermutstropfen bleibt: Mit dem Oberbegriff „Aroma“ können die Lebensmittelproduzenten auch natürliche Aromastoffe betiteln. Doch weil das Wörtchen „natürlich“ als Verkaufsargument  zieht, dürften die meisten Hersteller großen Wert darauf legen, das auch gesondert auf der Verpackung auszuloben.

    Lesetipp: Lektüre erklärt Zusatzstoffe

    Zusatzstoffe sind buchstäblich in unser aller Munde. Einschlägige Fachbücher listen über 7500 Präparate und Zusätze auf. Wozu diese ungeheure Vielfalt von Emulgatoren und Stabilisatoren, von Hydrocolloiden, Schmelzsalzen, Geschmacksverstärkern und Aromatisierungshilfen? Die Industrie kommt ohne die heimlichen Helfer kaum noch aus, doch in den Zutatenlisten fehlen diese oft. In ihrem Buch „Food-Design. Panschen erlaubt: Wie unsere Nahrung ihre Unschuld verliert“ erzählen Lebensmittelchemiker Udo Pollmer und Biologin Monika Niehaus die Geschichte der Nahrungszusätze. Die Lektüre ist nicht nur spannend, sondern auch sehr informativ. Das Buch ist 2010 in 3. Auflage im Hirzel-Verlag erschienen, hat 247 Seiten und kostet 22 Euro.

    Gesundheitstipp: Cappuccino – Nicht immer leichter Genuss

    Auf Werbesprüche wie „ungesüßt“ oder „weniger süß“ sollten Cappucchino-Liebhaber nicht blind vertrauen. Darauf, dass kein oder weniger Zucker im Getränkepulver steckt, ist kein Verlass. „Zum Teil enthalten die Produkte bis zu 40 Prozent davon, weil die Hersteller Glucosesirup oder Süßmolkenpulver, das Laktose, also Milchzucker, konzentriert enthält, verwenden“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.  Gerade mahnen die Verbraucherschützer einige Cappuccinopulver-Produzenten.

  • Auf dem Weg zum Ausstieg

    Kommentar zum RSK-Bericht von Hannes Koch

    Daumen hoch oder Daumen runter für die deutschen Atomkraftwerke? Wer von den Physikern und Ingenieuren der Reaktorsicherheitskommission ein solches Urteil erwartete, muss nun enttäuscht sein. Der Bericht zur Sicherheit der AKW ist notwendigerweise uneindeutig. Die Wissenschaftler haben zahlreiche technische Fragen beantwortet und sind deshalb zu einem differenzierten Bild gelangt. Einfach gesagt: Einige deutsche Kernkraftwerke sind einigermaßen sicher, andere stellen in mancher Hinsicht ein Risiko dar.

    Die eindeutige moralische und politische Konsequenz muss nun die Politik ziehen. Schließlich hat die Bundesregierung die Expertisen der Reaktorssicherheits- und der Ethikkommission auch angefordert, um eine Grundlage für die eigene Entscheidung zu haben. Diese wird eindeutig, damit aber auch angreifbar sein. Kommt es nun nach Fukushima zum schnellen deutschen Atomausstieg?

    Plausibel erscheinen würde diese Schlussfolgerung: Die meisten der bereits abgeschalteten Kernkraftwerke älterer Bauart gehen nicht mehr an´s Netz. Denn ihnen fehlen entscheidende Schutzeinrichtungen – etwa Dämme gegen Hochwasser oder Bunker gegen Flugzeugabstürze. Diese jetzt noch zu bauen, ist schlicht zu teuer. Rund zehn relativ verlässliche Reaktoren aber werden weiter Strom produzieren – vielleicht noch zehn oder 15 Jahre. Wenn dann genug Windparks auf der Nordsee stehen, wird man auch die letzten AKW abschalten.

    Wissen wir das aber nicht schon seit einigen Wochen – wozu die Arbeit der Sicherheitskommisison? Das Gutachten ist Teil eines öffentlichen Verständigungsprozesses, der am Ende eine relativ konfliktfreie Lösung ermöglicht. Wenn alle Interessengruppen alles gesagt haben, wird sich die Aufregung legen. Die Lösung mag sich seit Fukushima abzeichnen, besiegelt werden kann sie erst, wenn sie nach monatelangen Diskussionen eine hohe Bindungskraft erreicht.

  • Manche Atomkraftwerke sind halbwegs sicher

    Kein Kernkraftwerk erreicht die höchste Sicherheitsstufe in allen wichtigen Punkten. Gutachten der Reaktorsicherheitskommission im Auftrag der Bundesregierung. Für einige alte AKW ist das Aus damit wohl besiegelt

    Ein Atomunfall wie im japanischen Fukushima ist in Deutschland nicht zu erwarten, sagen die Ingenieure, Physiker und Experten der Reaktorsicherheitskommission. Nicht nur, weil hier keine Monsterwellen mit derartiger Zerstörungskraft aufträten, sondern wegen der vergleichsweise soliden technischen Schutzmaßnahmen an deutschen Kernkraftwerken. Das ist eine der positiven Botschaften, die der Chef der Kommission, Rudolf Wieland, am Dienstag Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) überbrachte.

    Die Bundesregierung hatte die RSK Ende März beauftragt, die Sicherheit der 17 hiesigen Atomkraftwerke vor dem Hintergrund der Katastrophe in Japan neu zu bewerten. Bis Ende Juni will die Bundesregierung klären, wie schnell die Atomkraft in Deutschland durch andere Energieträger ersetzt werden kann. Sieben AKW sind seit dem Unfall von Fukushima abgeschaltet, weil der Regierung das Betriebsrisiko zu groß war.

    Im Bericht, der gestern veröffentlicht wurde, steht aber auch: Keines der deutschen AKW erreicht in allen Bereichen die höchste Sicherheitsstufe. Defizite angesichts vorstellbarer Unfälle und Naturkatastrophen sind also bei allen Anlagen vorhanden. Manche weisen frappierende Mängel auf. Das Atomkraftwerk Unterweser bei Bremerhaven beispielsweise kommt sehr schlecht weg. Obwohl es am Fluss steht, ist es gegen Hochwasser kaum gesichert und erreicht nicht einmal die unterste von drei Sicherheitsstufen. Vier Anlagen – Biblis A und B, Brunsbüttel und Philippsburg 1 – sind nicht gegen den Absturz eines kleinen Militärflugzeugs gesichert. Auch sie verfehlen das unterste Sicherheitslevel.

    Was aber machte der Umweltminister aus dem neuen Bericht? Er eierte herum. Einerseits bewertete Röttgen die Studie als Bestätigung der relativen Sicherheit deutscher AKW: „Es ist verantwortbar, nicht sofort aus der Kernkraft auszusteigen.“ Andererseits ließ der Minister jedoch auch durchblicken, dass die Zeit mancher alter Kraftwerke endgültig abläuft. Die Sicherheitsdefizite bezeichnete Röttgen als „Anknüpfungspunkt für die politische Entscheidung“.

    Für jedes Kernkraftwerk hat die RSK verschiedene Risiko-Szenarien anhand verschärfter Kriterien überprüft. Im Hinblick auf den Schutz gegen Hochwasser kam beispielsweise heraus, dass drei Anlagen dem höchsten Sicherheitslevel 3 genügen: Biblis A, B und Emsland. Selbst gigantische Hochwasser könnten deren „vitale Funktionen“ nicht außer Kraft setzen. Zwei weitere – Isar 2 und Krümmel – rangieren in Level 2. Mit Hilfe zusätzlicher Pumpen und anderer Notfallmaßnahmen können sie starke Überflutungen überstehen. Isar 1 würde einem etwas niedrigeren Hochwasser standhalten und bekam deshalb Level 1. Alle anderen Kraftwerke könnten mindestens Level 1 erreichen, wenn die Unternehmen entsprechende Nachweise vorlegten, schreibt die Kommission.

    So zeigen sich an diesem und anderen Punkten die Grenzen des Verfahrens. Den Wissenschaftlern und Technikern fehlte die Zeit, um alle Fragen ausreichend zu beantworten. Sechs Wochen seit Ende März reichten offenbar nicht aus.

    Hinsichtlich der Gefahr von Flugzeugabstürzen und terroristischen Attacken wie am 11. September 2001 kam die Kommission zu dem Ergebnis, dass kein Kernkraftwerk gegen einen sehr schweren Unfall ausreichend gewappnet sei. Prallte ein großes Verkehrsflugzeug wie eine vollbetankte Boeing 747 oder ein Airbus A380 in ein Atomkraftwerk, würden die Gebäude nicht standhalten und die Nottechnik ausfallen, weil das Kerosin aus den Flugzeugtanks verbrennte. Folglich stuften die Experten keine Anlage in die höchste Sicherheitsstufe 3 ein, zehn Kraftwerke bekamen Stufe 2, drei Stufe 1, vier schafften nicht einmal dieses Niveau. Auch hier blieben viele Fragen offen – besonders zum Problem des Kerosinbrandes.

    Was die Versorgung der Reaktoren mit Notstrom im Falle einer Havarie betrifft, ist die Lage gemischt. Fünf Kraftwerke (Biblis A, B, Neckarwestheim 1, Isar 1, Krümmel) würden das unterste Level 1 nur erreichen, wenn die Betreiber weitere Unterlagen nachliefern. Gegenwärtig erscheint der Kommission nicht sicher, dass diese Blöcke mittels Notstrom vor einer Kernschmelze bewahrt werden könnten. Die übrigen Kraftwerke wurden in Sicherheitsstufe 2 einsortiert.

    SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisierte die RSK-Studie als zu ungenau und wenig aussagekräftig. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin und die Umweltorganisation Greenpeace werteten sie als Grundlage zur Abschaltung der sieben ältesten Reaktoren.

    Von der Sicherheitslage abgesehen, ergab die Präsentation der RSK-Studie eine interessante Zusatzinformation. Wie Röttgen bestätigte, ist gegenwärtig nur noch 33 Prozent der deutschen Atomkraft-Leistung am Netz. Die meisten Atomkraftwerke stehen still – vorübergehend abgeschaltet wegen technischer Risiken oder regulärer Wartung. Deutschland scheint diese Art der Stromproduktion ganz gut entbehren zu können.

  • Verbrauchertäuschung leicht gemacht

    Kommentar

    Die Lebensmittelindustrie ist der Politik immer einen Tick voraus. Mit immer wieder neuen Tricks haut sie die Konsumenten übers Ohr. Dazu gehört zum Beispiel das jüngste Täuschungsmanöver. Statt den auf den Packungen abgebildeten saftigen Himbeeren oder Kirschen verwenden einige Hersteller billigere Ersatzzutaten für Müslis, Snacks oder Riegel.

    Das alles ist ganz legal. Die Unternehmen nutzen die Spielräume im Graubereich der Kennzeichnungspflicht. Denn es ist noch immer nicht ganz klar geklärt, wann von der verbotenen Verbrauchertäuschung gesprochen werden kann und wann nicht. So kommt es immer wieder zu sehr ärgerlichen Praktiken. Der Ablauf ist von Mogelkäse und Schinkenimitaten bekannt. Erst wenn der Schwindel für reichlich öffentlichen Ärger sorgt, schreitet der Gesetzgeber ein. Auch bei den falschen Früchten ist die Politik nun gefragt.

    Die Schuld an den immer wieder vorkommenden Tricksereien tragen die Hersteller der betreffenden Waren. Die Verbraucher werden bewusst hinters Licht geführt. Von der immer wieder beschworenen unternehmerischen Ethik ist nicht viel zu spüren, wenn es um die Steigerung des eigenen

  • Wenn aus Äpfeln Himbeeren werden

    Faule Versprechen: Etiketten werben mit Früchten, die gar nicht in der Verpackung stecken

    Lebensmittelproduzenten sparen immer häufiger an den Zutaten, ohne dass Konsumenten es merken. Zuletzt ärgerten sich Verbraucherschützer über Schokoladenkekse die ohne echte Schokolade auskommen oder über Garnelen, die lediglich aus gepresstem Fischeiweis bestehen. Jetzt haben sie ähnliche Mogeleien bei Früchten aufgedeckt. Da werden aus Äpfeln Himbeeren gemacht und wie beim Formfleisch ganze Früchte aus Obstbrei zusammengefügt.

    Mit Fruchtabbildungen auf Verpackungen wird oft geschummelt, lautet das Fazit der Verbraucherzentrale Hamburg, die den Betrug in einer Untersuchung aufgedeckt hat. Die Etiketten zeigen andere Früchte als die Zutatenlisten. Zum einen fanden die Verbraucherschützer ein Schoko-Kirsch-Müsli, in dem mehr getrocknete kostengünstige Cranberries stecken als Kirschen. Zum anderen fielen ihnen „umgefruchtete“ Früchte auf.

    Umfruchten ist nichts anderes als ein gelungenes Täuschungsmanöver. So wird aus Billigbeeren teures Obst. „Apfelstückchen lassen sich mit Himbeersaft einfärben und aromatisieren“, sagt Armin Valet, Ernährungsexperte der Verbraucherzentrale der Hansestadt. Da steckten dann im Müsli anstelle der auf der Verpackung umworbenen Himbeeren mit Himbeersaft gefärbte Apfelstücke. Auch aus Cranberries, also den roten säuerlich schmeckenden Moosbeeren, lassen sich edlere Früchte wie etwa Kirschen oder Erdbeeren machen – mithilfe von preiswerten Aromastoffen. Ein lukratives Geschäft für die Hersteller: Kirschen beispielsweise sind im Einkauf mehr als doppelt so teuer wie Cranberries.

    Rein gesundheitlich ist an Cranberries oder Äpfeln freilich nichts auszusetzen. Sie enthalten Vitamine und es spricht nichts dagegen, sie zu verzehren. Doch zum Umfruchten verwendet die Lebensmittelindustrie meist natürliche Aromen. Und die kommen in der Regel nicht aus Früchten. „Wichtige Aromastoffe für ein „natürliches  Himbeeraroma“ kann man zum Beispiel aus Zedernholz gewinnen“, erläutert Verbraucherschützer Valet. Selbst Pilzkulturen hielten für die Produktion von „natürlichen Aromen“ her.

    Zwar gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Aromastoffe, die hierzulande in Lebensmitteln stecken, schädlich sind. Doch ihr Einsatz, so Valet, führt dazu, dass die Lebensmittel überaromatisiert werden und Verbraucher dazu anregen, mehr zu essen. „Außerdem lehnen Kinder heute häufig natürliche Früchte ab, weil sie ihnen nicht schmeckten“, erläutert der Experte eine weitere Nebenwirkung der Technologie.

    Ähnlich wie beim Klebefleisch bauen die Lebensmittelmacher selbst ganze Früchte nach – aus Obstbrei. Die so genannten Formfrüchte fielen der Verbraucherzentrale Hamburg in einem Snack, der mit „100 % Frucht Erdbeere Softe Stückchen“ wirbt, auf. Aus Apfelsaft, Apfel- und Erdbeermus fügt der Hersteller die roten Sommerfrüchte zusammen, gaukelt dem Konsumenten auf dem Etikett aber echte Erdbeeren vor. Eine Täuschung, die es in den Augen der Hamburger Verbraucherzentrale so nicht geben darf.

    „Zutaten, die auf der Abbildung zu sehen sind, müssen im Produkt auch drin sein“, fordert Ernährungsexperte Valet. Prangten auf der Verpackung saftige Himbeeren, müssten die im Müsli drin stecken – und nicht nur Himbeersaft. Enthalte ein Kirsch-Müsli mehr Cranberries als Kirschen, sollte das für Verbraucher deutlich erkennbar sein. Schließlich könne man von Konsumenten nicht erwarten, dass sie beim Einkauf erst einmal drei Minuten lang das Etikett nebst Zutatenliste studieren. „Wichtige Dinge müssen auf den ersten Blick klar sein“, so Valet.

    In zwei Listen nennt die Verbraucherzentrale Hamburg die Plagiatoren. Im Internet unter www.vzhh.de sind sie zu finden.

  • „In Griechenland investieren“

    Die Hilfe zugunsten Griechenlands und Portugals rentiert sich für Deutschland, sagt Bank-Analyst Folker Hellmeyer. Die EU solle europäischen Unternehmen Anreize bieten, dort Arbeitsplätze zu schaffen

    Hannes Koch: Herr Hellmeyer, in der Euro-Krise plädieren Sie dafür, Griechenland weiter zu unterstützen. Warum sollen deutsche Steuerzahler dem zustimmen, wenn gleichzeitig griechische Beamte feudale Gehälter erhalten?

    Folker Hellmeyer: Das Bild der verschwenderischen Griechen stimmt nicht mehr. Dort wird gegenwärtig die härteste Reform durchgesetzt, die sich ein Industrieland seit langem zumutet. Erfolge in der Defizitreduktion und Deregulierung sind bereits gegeben.

    Koch: Die Steuerhinterziehung gerade der Reichen scheint noch immer ein Problem zu sein. Muss Athen nicht erst einmal die Yachten im Hafen von Piräus ordentlich besteuern, bevor Europa neue Kredite bewilligt?

    Hellmeyer: Die griechische Verwaltung ist tatsächlich nicht so effektiv, wie sie sein sollte. Man kann Fortschritte feststellen, aber weitere Anstrengungen sind notwendig, um höhere Standards zu etablieren. Fakt ist allerdings auch, dass die Steuerzahlung im vergangenen Jahr um neun Prozent gestiegen ist, obwohl die Wirtschaftsleistung um 4,5 Prozent schrumpfte. Zahlreiche Yachten liegen schon an der Kette.

    Koch: Den Deutschen verlangen die Bundesregierungen seit zehn Jahren Sparmaßnahmen ab. Das Stichwort ist Hartz IV. Erscheint es da politisch nicht ratsam, von Griechenland Ähnliches zu fordern, anstatt mehr Geld zu bewilligen?

    Hellmeyer: Mit einem Medikament alleine ist Griechenland nicht zu helfen. Deutschland kann als Modell dienen, um die internationale Konkurrenzfähigkeit wieder herzustellen. Das weiß die griechische Regierung, sie orientiert sich am deutschen Vorbild. Mit Erfolg: Die griechischen Exporte steigen. Im ersten Quartal verzeichnete die Wirtschaft sogar ein leichtes Wachstum. Doch man darf die Sparpolitik nicht übertreiben.

    Koch: Was schlagen Sie stattdessen vor?

    Hellmeyer: Die EU-Kommission sollte einen runden Tisch mit den großen europäischen Konzernen einberufen und beraten, wie sich deren Investitionen in Griechenland verstärken ließen. Damit könnte man der dortigen Wirtschaft unter die Arme greifen.

    Koch: Warum sollten die Unternehmen diesem Ruf Folge leisten?

    Hellmeyer: Angesichts des starken Wachstums unter anderem in Deutschland ist es für manche Firmen allmählich schwierig, Fachkräfte in ausreichender Zahl anzuwerben. In Griechenland sind augenblicklich dagegen viele Arbeitskräfte erwerbslos. Die EU könnte außerdem Anreize für derartige Investionen aus ihren bestehenden Fonds zahlen.

    Koch: Was werden die deutschen Arbeitslosen sagen, wenn wir nicht nur Geld, sondern auch noch Arbeitsplätze in die Schuldenländer schicken?

    Hellmeyer: Bei uns sinkt die Erwerbslosigkeit schnell – dieses Jahr unter drei Millionen. Durch Investitionen in Griechenland oder Portugal würde dieser Prozess nicht verlangsamt. Die weltweite Nachfrage nach deutschen Produkten ist so groß, dass alle davon profitieren könnten.

    Koch: Griechenland ist klein. Es spielt für den deutschen Export kaum eine Rolle. Warum plädieren Sie trotzdem so eindringlich dafür, das Land mit finanzieller Unterstützung vor dem Kollaps zu bewahren?

    Hellmeyer: Fällt Griechenland, steht die Integrität der Eurozone in Frage. In diese Länder aber verkaufen wir 60 Prozent unserer Exporte. Deshalb ist es lebenswichtig, einen Flächenbrand zu verhindern.

    Koch: Wie muss man sich diese Kettenreaktion vorstellen?

    Hellmeyer: Würde Athen zahlungsunfähig und stiege möglicherweise aus der Euro-Zone aus, bestünde eine ähnliche Gefahr durch spekulative Attacken am Finanzmarkt für Irland, Portugal, Spanien und Italien. Wenn uns aber diese Euro-Märkte verlorengehen, sind wir in Deutschland schnell wieder bei fünf Millionen Arbeitslosen und großen Bugetdefiziten.

    Koch: Wieviel sollen wir uns die Rettung kosten lassen – nochmal 30 oder 40 Milliarden Euro?

    Hellmeyer: Bisher bezahlt Deutschland gar nichts, sondern erhält Zinsen für seine Hilfskredite. Aber machen wir eine Beispielrechnung. Vielleicht braucht Griechenland zusätzliche 90 Milliarden Euro, was die Hilfen auf insgesamt 200 Milliarden erhöhen würde. Wenn man die Hälfte davon tatsächlich als Verlust verbuchen müsste, was vorausssichtlich nicht nötig sein wird, bedeutete dies gemäß des europäischen Verteilungssschlüssels für Deutschland Kosten von rund 20 Milliarden Euro. Im Falle einer Systemkrise Europas dagegen würden wir viel mehr verlieren – auch die zu erwartenden 135 Milliarden Steuermehreinnahmen in den kommenden Jahren.

    Bio-Kasten

    Folker Hellmeyer (49) ist Chefanalyst der Bremer Landesbank und gibt täglich den Marktbericht „Forex-Report“ heraus.

    Info-Kasten

    Euro-Krise

    Braucht Griechenland weitere europäische Kredite, um den Staatsbankrott zu verhindern? Wie soll das Hilfspaket für Portugal ausgestaltet werden? Diese Fragen verhandeln Finanzminister Wolfgang Schäuble und seine europäischen KollegInnen gestern und heute in Brüssel. Während ein neues Programm für Griechenland wohl noch etwas auf sich warten lässt, wollten die EU-Finanzminister für Portugal Kredite in Höhe von 78 Milliarden Euro beschließen. Im Gegenzug muss Portugal ein Sparpaket auflegen. Steuern steigen und Sozialleistungen sinken.

  • Der weite Weg zum sauberen Auto

    Die Wirtschaft pocht beim Elektroauto auf Staatshilfe.

    Die Wirtschaft pocht beim Elektroauto auf Staatshilfe. Der Bund will Käufer mit Vergünstigungen locken. Kritiker monieren einseitige Ausrichtung auf Industrieinteressen

    Leise und umweltfreundlich sollen Ende des Jahrzehnts rund eine Million Elektromobile auf Deutschlands Straßen rollen. Die neuen Antriebe werden durch erneuerbare Energien gespeist und schonen so das Klima. Zugleich rollt die deutsche Autoindustrie damit das Feld der Konkurrenten auf. Davon träumt zumindest die Bundesregierung. „Wir wollen bei der Elektromobilität eine Spitzenstellung einnehmen“, sagt der neue Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). Und Kanzlerin Angela Merkel spricht von einem Leitmarkt, der hierzulande entsteht

    Doch ganz so einfach ist der Umstieg auf einen batteriebetriebenen Fuhrpark nicht. Das zeigt der zweite Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität, den die Regierungschefin an diesem Montag im Kanzleramt entgegen nahm. Der von der Industrie, Wissenschaftlern und Gewerkschaften dominierte Arbeitskreis zeigt sich deutlich skeptischer. „Ohne Anreizmaßnahmen wird das Vorhaben nicht gelingen“, stellen die Experten fest. Das heißt, der Steuerzahler soll die Einführung der E-Mobile unterstützen.

    Denn noch immer sind die Autohersteller weit von einer massentauglichen Produktion der Elektroautos entfernt. Nur gut 2.600 Probefahrzeuge sind derzeit unterwegs. Und die Herstellung ist viel teurer als die von herkömmlichen Motoren. Vor allem die Batterien bereiten den Entwicklern Kopfzerbrechen. Die Fahrzeuge kosten deshalb bis zu 9.000 Euro mehr. 2017 will die Industrie ie Massenproduktion beginnen. Doch die Regierungspläne halten die Fachleute für zu optimistisch. Ohne Subventionen rechnen sie bis 2020 mit höchstens 450.000 verkauften E-Mobilen. Angesichts von bundesweit 42 Millionen zugelassenen Pkw ist dies eine dürftige Ausbeute.

    Andere Länder, etwa Frankreich, schießen beim Kauf eine Prämie von mehreren Tausend Euro zu. Das lehnt Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) weiterhin ab. „Gerade in Zeiten knapper Kassen kann es sich kein Land leisten, in einen teuren Subventionswettlauf zu treten“, stellt der Minister klar und weiß die Koalition an seiner Seite. Ganz anders sehen es die Grünen. „Damit E-Autos in Deutschland endlich durchstarten, brauchen wir eine Kaufprämie von 5.000 Euro“, verlangt Fraktionschefin Renate Künast.

    Dagegen will das Bundeskabinett an diesem Mittwoch ein „Regierungsprogramm Elektromobilität“ ohne Prämie verabschieden. Mit einer Mischung aus mehr Geld für die Forschung, Steuererleichterungen für Käufer von E-Mobilen und Vergünstigungen im Alltagsverkehr sollen bessere Voraussetzungen für die Markteinführung geschaffen werden. Ein Bestandteil ist die zehnjährige Befreiung der Käufer von der Kfz-Steuer. Außerdem werden die Regelungen zur Dienstwagenbesteuerung angepasst, damit durch die teureren Antriebe keine Nachteile für Betriebe oder Selbständige entstehen. Denn die Dienstwagenbesitzer müssen heute einen Teil des Kaufpreises für die private Nutzung des Wagens versteuern. Bei gleicher Leistung lohnt sich der Umstieg auf ein E-Mobil für diese wichtige Kundengruppe daher nicht.

    Mehr Geld will der Bund auch bereitstellen. Die Forschungsförderung wird auf eine Milliarde Euro bis Ende 2013 verdoppelt. „Einen besonderen Schwerpunkt werden wir dabei auf die Batterieforschung legen“, verspricht Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU).

    Darüber hinaus sollen vor allem weiche Vorteile Käufer anlocken. Sonderparkplätze für Elektroautos oder die Erlaubnis, mit den leisen Flitzern auf der Busspur fahren zu dürfen, gehören dazu. Auch die Parkgebühren könnten den Besitzern erspart werden. Aber die letzteren Überlegungen wären am Ende Sache der Kommunen. Der Bund will mit gutem Beispiel vorangehen und zehn Prozent der von den Beamten, Ministern und Abgeordneten genutzten Fahrzeuge mit Strom betreiben. Der Verband der Automobilindustrie begrüßt die Ankündigungen und verweist auf Investitionen von bis zu zwölf Milliarden Euro durch die Industrie für die Entwicklung alternativer Antriebe.

    Von Umwelt- und Verbraucherverbänden setzt es Kritik an den Plänen. „Der Bund soll die Katze im Sack kaufen“, glaubt der Vorsitzende der Allianz pro Schiene, Alexander Kirchner und befürchtet am Ende Milliardensubventionen für die Autoindustrie. Der Bericht sei ausschließlich auf die Anbieterperspektive der Autoindustrie ausgelegt. Der Verkehrsclub Deutschland sieht noch keine Garantie, dass die E-Mobile auch mit Ökostrom betrieben werden. „Die Vorschläge laufen darauf hinaus, die Investitionsrisiken auf Steuerzahler und Verbraucher abzuwälzen“, kritisiert Gerd Billen vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Subventionen seien nur gerechtfertigt, wenn dadurch nachweislich etwas zum Klimaschutz beigetragen werde.

  • Das wird teuer

    Kommentar

    Zwischen schönen Worten und echten Taten klafft bisweilen eine schwer zu schließende Lücke. Beim Elektroauto wird sie nur mit großem finanziellen Aufwand durch die Steuerzahler geschlossen werden können. Denn die Industrie kann wettbewerbsfähige E-Mobile nicht aus eigener Kraft auf die Straße bringen. Die batteriebetriebenen Fahrzeuge sind noch viel zu teuer, es fehlt an Stromtankstellen und vor allem einer Garantie, dass die neue Generation der Antriebe auch tatsächlich umweltfreundliche, also mit Elektrizität aus erneuerbaren Energien betrieben werden. Deshalb ist neben der Wirtschaft auch der Staat gefragt, wenn diese Technologien den Durchbruch schaffen sollen.

    Aber in welchem Umfang sollte es Unterstützung geben? Die Forderung der Grünen nach einer Anschaffungsprämie von 5.000 Euro kann nicht die Lösung sein, selbst wenn konkurrierende Länder so verfahren. Warum sollte sich die Industrie dann noch um preisgünstige Lösungen kümmern? Das hat die Bundesregierung erkannt und setzt auch eine Mischung aus Vergünstigungen und Forschungsförderung. Wenn Deutschland die Chance auf eine Spitzenposition in diesem Zukunftsmarkt sichern will, führt an einer kostspieligen Unterstützung bis zur Marktreife der E-Mobile kein Weg vorbei. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Industrie alle Risiken dem Steuerzahler aufbürden darf. Schließlich sind es die Unternehmen, die am Ende die Gewinne aus dem Massenmarkt einstreichen. Die Lasten müssen gerecht verteilt werden.

    Das allein wird jedoch nicht reichen, weil Elektromobilität bisher allein von den Interessen der Industrie her betrachtet wird. Es sind auch Verkehrskonzepte gefragt, die darüber hinaus gehen und Fahrten vermeiden oder den CO2-Ausstoß durch eine geschickte Planung der Verkehrsströme vermindern. Es ist also trotz großer Einigkeit im Ziel noch ein ganz dickes Brett, das hier zu durchbohren ist.

  • „FDPler sind keine Dogmatiker“

    An der FDP scheitere die Stabilisierung Griechenlands und des Euros nicht, sagt Finanzpolitiker Volker Wissing anlässlich des Parteitages in Rostock. Im Inland müsse liberale Politik „Mehrwert für jeden, nicht nur für einige bringen“

    Hannes Koch: Beim Parteitag in Rostock versucht die FDP den Neustart. Welches Signal ist Ihnen wichtiger: Milliarden Euro für eine Steuersenkung oder Milliarden für die Stabilisierung Griechenlands?

    Volker Wissing: Diese Alternative existiert nicht. Der Euro und die Eurozone müssen stabil bleiben. Dabei ist die Bundesregierung ja bisher auch erfolgreich gewesen. Gleichzeitig wollen wir unseren Auftrag umsetzen, die unteren und mittleren Einkommen gerechter zu besteuern. In den kommenden Monaten werden wir daran arbeiten.

    Koch: Würden Sie ein weiteres Hilfspaket für Griechenland im Bundestag unterstützen, wenn damit neue Milliardenzahlungen auf Deutschland zukämen?

    Wissing: Die FDP steht zur gemeinsamen europäischen Währung. Wir sehen, dass Griechenland in einer schwierigen Lage steckt, und deshalb werden wir eine tragfähige Lösung finden. Hilfe bedeutet aber immer auch Hilfe zur Selbsthilfe. Länder, die wir unterstützen, müssen einen starken eigenen Beitrag leisten.

    Koch: Angela Merkels Kanzlermehrheit im Bundestag für die Euro-Rettung ist durch die FDP nicht in Gefahr?

    Wissing: Nein. Auch hier beim Parteitag kämpfe ich dafür, dass wir die Politik der Bundesregierung für den Euro unterstützen. Gleichzeitig darf der Bundestag aber nicht auf seine Budgethoheit verzichten. Blankochecks für Milliardenhilfen stellen wir nicht aus.

    Koch: In einer neuen Umfrage des Instituts Forsa für die Zeitung „Freitag“ bemängeln 70 Prozent der Befragten, dass zuviel deutsches Geld nach Europa fließe. Besonders Anhänger der FDP sehen das so. Warum?

    Wissing: Traditionell stehen Liberale der überbordenden Macht eines zentralen Staates kritisch gegenüber. Deshalb kontrollieren wir die Staatsausgaben mit strengem Blick – nicht nur in Deutschland, auch in Europa. Dabei ist aber immer klar, dass die FDP eine Europa-Partei ist.

    Koch: Sehen Sie die Gefahr, dass der Euro-Skeptizismus vieler FDP-Anhänger in rechtspopulistisches Gedankengut abgleitet?

    Wissing: Ich verwahre mich gegen Diffamierungen. Es handelt sich nicht um Euro-Skeptizimus, sondern um einen kritischen Blick. Den Nutzen Europas für die Bürger stellt die FDP in keiner Weise in Frage.

    Koch: Der neue FDP-Vorsitzende Philipp Rösler leitet eine Neuorientierung und die Abkehr vom Dogma der Steuersenkung ein. Hat die Partei in der Vergangenheit zu sehr auf dieses Pferd gesetzt?

    Wissing: Wir sind keine Dogmatiker. Ich spreche deshalb lieber von Re-Orientierung. Für eine liberale Partei ist die Steuerbelastung der Bürger jedoch immer eine zentrale Frage. Liberalismus bedeutet ja, dass wir konsequent für die Stärkung des Individuums kämpfen. Starke Bürger bilden einen starken Staat. Ein zu mächtiger Staat hingegen nimmt den Bürgern ihre Selbstbestimmung.

    Koch: Generalsekretär Christian Lindner will die frühere Fokussierung auf das Steuer-Thema durch seinen Slogan des „mitfühlenden Liberalismus“ ausbalancieren. Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wie Sie diesen neuen Begriff mit Leben füllen?

    Wissing: Unsere Gesellschaft soll Mehrwert für jeden bringen, nicht nur für einige. Deswegen arbeiten wir daran, das Bildungssystem durchlässiger zu machen. Beispielsweise die Kinder von Einwanderern müssen dieselben Aufstiegschancen haben wie alle anderen. Das ist keine ganz neue Botschaft, aber bislang ist sie zu wenig zum Ausdruck gekommen.

    Koch: Halten Sie es für sinnvoll, beim Parteitag noch einmal eine Debatte über Außenminister Guido Westerwelle zu führen?

    Wissing: Der Parteitag ist souverän. Aber jeder muss selbst wissen, welches Thema er aufgreift. Ich glaube, die Mehrheit möchte die Personaldebatte beenden und sie nicht in den kommenden Wochen weiterführen.

    Bio-Kasten

    Volker Wissing

    Der 41jährige FDP-Politiker Volker Wissing leitet den Finanzausschuss des Bundestages. Der Jurist kommt aus Landau in der Pfalz. Nebenbei ist er Organist und Kirchenmusiker.

  • Satt sein ist nicht selbstverständlich

    Analyse

    Die jüngsten Inflationsdaten belegen einen längst gefühlten Trend. Gutes Essen und Trinken wird immer teurer. Die Konsumenten müssen sieben Prozent mehr für Nahrungsmittel ausgeben als vor einem Jahr. Einzelne Erzeugnisse haben sich gar drastisch verteuert, zum Beispiel Kaffee oder Kakao. Das ist ein erstes starkes Anzeichen für einen langfristigen Trend.

    Über Jahrzehnte ist in Deutschland der Anteil der Ausgaben für Obst, Gemüse oder Nudeln rückläufig gewesen, von fast 19 Prozent im Jahr 1970 auf gut elf Prozent im Jahr 2009. Damals musst der Durchschnittsarbeitnehmer noch mehr als eineinhalb Stunden für ein Kilogramm Kotelett arbeiten, heute nur 23 Minuten. Der Überfluss an Lebensmitteln zu günstigen Preisen hat dafür gesorgt, dass die Versorgung für alle Zeiten gesichert erschien und Konsumenten sich allenfalls Gedanken um die Qualität der Erzeugnisse machten, nicht jedoch über die Verfügbarkeit. Nahrungsmittelmangel als eigene Erfahrung ist nur noch im kollektiven Gedächtnis der Ältere verhaftet. Dies birgt tendenziell die Gefahr, dass die Anzeichen für Ernährungskrisen zu spät wahrgenommen werden.

    Essen und trinken wird aus vielen Gründen teurer. Bis Mitte des Jahrhunderts wächst die Erdbevölkerung noch einmal um zwei Milliarden Menschen an, die ernährt werden wollen. Die Anbauflächen können nicht beliebig erweitert werden. Die Versorgung aller ist rechnerisch trotzdem möglich, wenn zum Beispiel weniger Fleisch und mehr Gemüse auf dem Teller liegt. Doch realistisch ist ein anderes Szenario, weil es genügend Menschen gibt, die sich für die Gesamtheit nachteilige Konsumgewohnheiten leisten können.

    Damit die Versorgung dauerhaft gesichert werden kann, wird die Landwirtschaft ihre Produktivität steigern müssen. Damit sind allerdings viele neue Probleme verbunden. Die Folgen der grünen Gentechnik sind beispielsweise nicht richtig erforscht und ihre Akzeptanz hierzulande geht gegen Null. Auch steigt die Umweltbelastung bei einer intensiveren Bewirtschaftung der Böden. Schließlich besteht die Gefahr, dass Masse immer mehr Klasse ersetzt, wie es auch in den Nachkriegsjahren der Fall war. Anders gesagt: Die Verbraucher bekommen für dasselbe Geld schlechtere Lebensmittel. Das ist auch eine Art Preissteigerung.

    Schließlich wird Getreide, Reis oder Kaffee auch mehr zum virtuellen Handelsgut, das Finanzinvestoren anzieht. Ökonomen zufolge gehen bis zu 25 Prozent der jüngsten Preissteigerungen auf Spekulation zurück. Auf einem Weltmarkt für Nahrungsmittel lässt sich dieser Preistreiber kaum verhindern. All diese Entwicklungen – bis hin zur Konkurrenz zwischen Weizen für das Brot und Mais für den Biosprit – sorgen für einen lang anhaltenden Aufwärtstrend bei den Lebensmittelausgaben.

    Dem Trend inne wohnen auch große Gefahren. Der Klimawandel könnte zu Missernten führen, womöglich gar zeitgleich in allen wichtigen Anbaugebieten. Momentan vertrocknen die deutschen Äcker während die amerikanischen ersaufen. Und das Preisniveau könnte arme Haushalte überfordern. Dann hätten wir den ausgerottet geglaubten Hunger wieder vor der eigenen Tür. Es gibt also gewichtige Gründe, die Entwicklung achtsam zu verfolgen. Denn satt sein war vielleicht nur für wenige Jahrzehnte selbstverständlich.

  • Steuersenkung oder Griechenland

    Kommentar zur Steuerschätzung von Hannes Koch

    Die Bürger müssen sich entscheiden, der Bundestag muss sich entscheiden: Wohin mit dem vielen zusätzlichen Geld, das uns die Steuerschätzer für die kommenden Jahre prognostizieren? Entweder wir investieren es in unseren gegenwärtigen Konsum. Das würde heißen, die Regierung könnte die Steuern abermals senken. Oder aber wir investieren in unsere Zukunft. Dann sollten wir die Schulden senken und die finanzschwachen Euro-Staaten unterstützen.

    Letzteres scheint keine verlockende Alternative zu sein. Warum den demonstrierenden, verschwenderischen Griechen noch mehr gute Euros hinterherwerfen? Allerdings sieht die Sache so aus: Geht Griechenland pleite oder tritt gar aus der Euro-Zone aus, wäre die gesamte europäische Währung in Gefahr. Denn auch Irland, Portugal und Spanien stünden dann auf der Abschussliste der globalen Finanzinvestoren.

    Wir sollten, ja wir müssen uns die Rettung Griechenlands etwas kosten lassen. Denn kaum eine Volkswirtschaft profitiert so stark vom Euro und von Europa wie die deutsche. Unsere Exportindustrie ist auch deshalb so erfolgreich, weil sie ihre Produkte ohne Währungsschwankungen an die Bürger und Unternehmen der anderen Euro-Länder verkaufen kann. Unsere Arbeitsplätze hängen auch daran, dass es Griechenland gut geht.

    Deshalb sollten wir nicht so kurzsichtig und egoistisch sein, den Griechen die Hilfe zu verweigern. Um diese Aufgabe auch künftig bewältigen zu können, braucht Bundesfinanzminister Schäuble erstens ein finanzielles Polster. Und zweitens muss er unsere Staatsverschuldung reduzieren, damit Deutschland als wichtigster Staat Europas finanzpolitisch stabil bleibt. Es ist besser, in den Euro und damit unseren künftigen Wohlstand zu investieren, als das zusätzliche Geld in Form einer Steuersenkung zu verfrühstücken.