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  • Heißes Eisen

    Kommentar

    Deutschland droht wenigstens langfristig ein dramatischer Pflegenotstand. Aus eigener Kraft wird sich das Problem nicht lösen lassen. Jede zweite Frau und jeder dritte Mann muss im Alter mit Demenz rechnen. Der Grund: Die Menschen werden älter, nicht kränker. Neue Ideen und Konzepte sind folglich gefragt. Die Union packt hier gerade ein sehr heißes Eisen an und will den Arbeitsmarkt für private Pflegekräfte praktisch für alle Länder der Welt öffnen.

    Die Idee weist in die richtige Richtung, auch wenn man über die Ausformung noch gut nachdenken muss. Fakt ist, dass in zehn oder zwanzig Jahren ein eklatanter Mangel an jungen Menschen auftreten wird. Diese Generation wird für viele andere wichtige Aufgaben von der Gesellschaft gebraucht. Sie müssen die Wirtschaft in Gang halten und mit neuen Ideen für wettbewerbsfähige Produkte sorgen und sie müssen mit ihrer bezahlten Arbeit die Sozialsysteme finanzieren. Es wird daher kaum möglich sein, ihnen auch noch die Pflege ihrer Eltern oder Großeltern aufzuerlegen.

    Allein schon aus diesem Grund werden weitere Hilfskräfte benötigt. Da die Problematik in den wichtigsten EU-Ländern vergleichbar ist, bleibt nur die Suche anderswo. Die Umsetzung ist allerdings schwierig. Wie kann eine qualitativ angemessene Versorgung sichergestellt werden? Wie werden pflegende Zuwanderer vor bodenloser Ausbeutung geschützt? Kann gewährleistet werden, dass das Pflegepersonal nicht nebenbei noch schwarz arbeitet und es dadurch Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt gibt?

    Es wäre ein leichtes, den Vorschlag der Union zu verdammen, weil er noch mit vielen Risiken behaftet ist. Aber es wäre auch leichtfertig. Denn wer das Problem lösen will, wird an unangenehmen Wahrheiten nicht vorbeikommen. Das weiß niemand besser als jene, die heute schon pflegebedürftige Angehörige versorgen. Der Zugang zur Pflegeversicherung ist schwer und Hilfe teuer.

  • „Deutsche Atomkritik ist nicht irrational“

    Haben die Deutschen eine Öko-Macke? Wollen wir deshalb als einziges Land möglich schnell alle AKW abschalten? Professor Udo Kukartz sieht einen Grund für die besondere deutsche Atomkritik im ausgeprägten Bedürfnis nach politischer Mitentscheidung

    Hannes Koch: Die Katastrophe von Fukushima hat in Deutschland eine neue Debatte über den schnellen Atomausstieg ausgelöst. In den meisten anderen Ländern, die ebenfalls Atomkraftwerke betreiben, scheint das nicht so zu sein. Reagieren die Deutschen sensibler als andere Nationen?

    Udo Kukartz: Die aktuelle atomkritische Stimmung in Deutschland hat einen langen Vorlauf. Der Anteil der Menschen, die die Atomkraft ablehnen, war hierzulande schon immer größer als beispielsweise in Frankreich. Im vergangenen Jahr plädierten gut 30 Prozent der Deutschen für einen schnelleren Ausstieg, als ihn Rot-Grün beschlossen hatte. Nur zehn Prozent wollten die Kraftwerke länger laufen lassen.

    Koch: Keine andere Regierung hat von einem Tag auf den anderen ein Drittel der Atomkraftwerke abschalten lassen. Trug Kanzlerin Merkel damit den besonderen Sorgen der Deutschen Rechnung?

    Kukartz: Zu spät – diese Stimmung hätte die Kanzlerin bereits 2010 kennen können, als sie die Laufzeit der AKW verlängerte. Nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung stand hinter dieser höchst riskanten Abkehr vom Rot-Grünen Atomausstieg. Denn auch die konservative Klientel – mit Ausnahme der FDP – ist seit langem von grünem Gedankengut durchdrungen. Das Umweltbewusstsein der Deutschen kommt mir vor wie ein schlafender Bär. Man muss ihn nur anstoßen, dann wacht er auf und brummt.

    Koch: Am 26. April jährt sich zum 25. Mal der Unfall im AKW Tschernobyl. Waren die Deutschen auch damals schon aufgeregter als beispielsweise die Polen, Österreicher oder Schweden?

    Kukartz: Das war auch vor 25 Jahren schon so. Damals stand die Umwelt in der Hierarchie der Sorgen auf Platz Nummer Eins – vor Arbeitslosigkeit und allen anderen Fragen. Erst durch den Fall der Mauer änderte sich diese Reihenfolge wieder.

    Koch: Saurer Regen, Waldsterben, Mülltrennung, Atom – hierzulande wurden in den vergangenen Jahrzehnten große Debatten über Umweltprobleme geführt. Haben sich die Deutschen um diese Themen früher gekümmert als die Menschen in anderen Ländern?

    Kukartz: Im europäischen Vergleich ja. Aber die Umweltbewegung in den USA ist älter als die deutsche. In Amerika begann die Debatte schon 1962 mit dem Buch „Silent Spring“, in dem Rachel Carson den Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln anprangerte. Das Thema gewann dort schnell an Dynamik, weil viele, auch konservative US-Bürger im Naturschutz aktiv waren.

    Koch: Welches war das treibende Motiv, als in den 1970er Jahren die deutsche Öko-Bewegung entstand?

    Kukartz: Anders als in den USA ist die hiesige Umweltbewegung überwiegend links inspiriert. Sie entstand als Ausläufer von 1968. Die Kritik am Kapitalismus mag ein Grund dafür sein, dass hier die großen Unternehmen, und damit auch die Atomkonzerne unter besonderer Beobachtung stehen. Außerdem haben die Deutschen im Vergleich zu unseren Nachbarländern insgesamt ein stärkeres Bedürfnis, bei politischen Entscheidungen mitzureden. Umfragen zeigen uns, dass der demokratische Gedanke der Partizipation hier weit verbreitet ist.

    Koch: Vor 220 Jahren köpften die Franzosen ihren König. Hier hatten es Revolutionäre dagegen schwerer. Deshalb sagt man dem deutschen Bürgertum einen auf Enttäuschung basierenden Hang zur Innerlichkeit nach. Könnte das eine Wurzel übertriebener Schwärmerei für die Natur sein?

    Kukartz: Historisch ist ein solcher Erklärungsansatz durchaus plausibel. Und auch in zeitgenössischen Umfragen lassen sich Motive nachweisen, die man als Folge dieser geschichtlichen Entwicklung deuten kann. Viele Deutsche haben beispielsweise ein sehr harmonisches Bild von der Natur und dem Zusammenleben der Tiere.

    Koch: Sind wir also Öko-Romantiker und als solche möglicherweise übertrieben ängstlich, was die Atomkraft betrifft?

    Kukartz: Es fällt mir schwer, dies zu behaupten. Trägt nicht eher der Glaube an die Technik, die Hoffnung auf die Sicherheit der Atomkraftwerke, romantische Züge? Seit Tschernobyl und Ulrich Becks Buch „Risikogesellschaft“ wissen wir, warum man Atomkraftwerke nicht gegen Unfälle versichern kann. Wegen der möglichen unbezahlbaren und unkontrollierbaren Folgen erscheint mir die Forderung nach dem Atomaustieg sehr rational zu sein.

    Koch: Wir sehen uns nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch als Umwelt-Weltmeister. Niemand hat so viel tolle Windräder wie wir. Stimmt diese Selbstwahrnehmung?

    Kukartz: Nein. Da gibt eine ziemliche Lücke zwischen der Selbsteinschätzung und der Realität. Wenn Umweltschutz Geld kostet oder sie ihr persönliches Verhalten ändern müssten, schrecken viele Deutsche zurück. Beim ökologischen Konsum oder Energiesparen sind sie im europäischen Vergleich keine Vorbilder. Beispielsweise die Menschen in Skandinavien sind da konsequenter.

    Bio-Kasten:

    Udo Kukartz (60) erforscht unter anderem im Auftrag des Umweltbundesamtes die Einstellung der Deutschen zur Ökologie. Er ist Professor am Fachbereich für Erziehungswissenschaften der Universität Marburg.

  • Abschied von der westlichen Geldherrschaft

    Finanzminister Schäuble schlägt vor, den chinesischen Renmimbi in den Kreis der Weltwährungen aufzunehmen. Tagung von IWF und G20 in Washington

    Die weltweite Herrschaft der westlichen Währungen geht dem Ende entgegen. Dollar und Euro könnten schon bald durch den chinesischen Renmimbi, den russischen Rubel oder die indische Rupie ergänzt werden, heißt es im Bundesfinanzministerium. Man arbeite daran, einen „Fahrplan für die Integration“ zu entwerfen.

    Bis kommenden Samstag finden in Washington die turnusgemäßen Tagungen des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und der G20-Gruppe der wichtigsten Wirtschaftsnationen statt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nimmt daran teil und hält mehrere Reden über die Reform des Weltwährungssystems.

    Mit der Initiative des Finanzministeriums, für die Staatssekretär Jörg Asmussen maßgeblich verantwortlich ist, kommt Deutschland den Interessen der fünf großen Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika entgegen, die als BRICS-Staaten bezeichnet werden. Bei einem Treffen in China am Donnerstag vereinbarten diese Länder, sich stärker vom dominierenden US-Dollar abzukoppeln. Deshalb wollen sie einander künftig auch Kredite in eigener Währung bereitstellen. Am Dollar bemängeln die BRICS-Staaten, dass die US-Währung wegen der hohen Verschuldung der USA zunehmend instabil werde und immer weniger als sichere Reserve-Währung tauge. China und andere Länder haben zur Zeit noch Dollar-Reserven in Billionenhöhe.

    Das Bundesfinanzministerium regt nun an, beispielsweise den chinesischen Renmimbi in den Währungskorb der Sonderziehungsrechte (SZR) beim Internationalen Währungsfonds (IWF) aufzunehmen. Die so genannten Sonderziehungsrechte stellen die künstliche Währung des IWF dar. Jedes Mitgliedsland hat das Recht, sich in Krisensituationen gegenüber dem Fonds in der synthetischen Währung der Sonderziehungsrechte zu verschulden. Der Wert der SZR basiert heute auf den Währungen US-Dollar, japanischer Jen, britisches Pfund und Euro.

    Das deutsche Anliegen ist aber auch nicht selbstlos. Bevor der Renmimbi Teil des Wahrungskorbes wird, müsste die chinesische Regierung den Außenhandel mit ihrer Währung liberalisieren. Heute ist der Wert des Renmimbi noch fest an den Dollar gekoppelt. Deshalb gilt die chinesische Währung als unterbewertet und Waren, die China nach Europa und Amerika exportiert, sind vergleichweise billig. Avancierte der Remimbi zu einer Weltwährung, müsste sein Wert steigen, wodurch Chinas ökonomischer Vorteil abnähme.

    Die Erweiterung des Weltwährungssystems könnte auch institutionelle Folgen nach sich ziehen. Weltbank-Präsident Robert Zoellick hält es für notwendig, ein neues Gremium der Länder mit Weltwährungen ins Leben zu rufen – ein „SZR-Forum“. Dieses könnte die G7-Gruppe der großen westlichen Industrieländer allmählich bedeutungslos machen.

    Im Rahmen der G20 leitet Deutschland gegenwärtig eine Arbeitsgruppe zur Reform des Weltwährungssystems. Im November 2011 soll diese einen Bericht vorlegen. Dabei geht es unter anderem auch um neue Lösungen, um zu hohe grenzüberschreitende Kapitalflüsse einzudämmen. Diese tragen immer wieder dazu bei, Staaten zu destabilisieren und Spekulationsblasen entstehen zu lassen.

  • Viel wird geplant, wenig gebaut

    Windparks auf dem Meer sollen bald viel Strom liefern. Aber noch stehen die Anlagen nicht. Bremens Umweltsenator Loske fordert die Bundesregierung nun auf, schneller mehr Geld zur Verfügung zu stellen

    Alle reden über Windparks auf dem Meer – besonders nach Fukushima. Für die Stromproduktion auf hoher See gibt es auch umfangreiche Planungen und zahlreiche Genehmigungen. Nur praktisch ist bislang nicht viel passiert. Deshalb fordert der Bremer Umweltsenator Reinhard Loske (Grüne) jetzt den schnelleren Ausbau der Offshore-Windenergie. In der Bundesratssitzung am kommenden Freitag reichen fünf norddeutsche Bundesländer ähnliche Anträge ein.

    Die Listen der genehmigten Parks nehmen sich eindrucksvoll aus. Für 28 Anlagen mit weit über 1.000 Windrädern in den deutschen Gewässern der Nord- und Ostsee wurden bereits Genehmigungen vergeben. Allerdings sind nur zwei Parks ganz oder teilweise in Betrieb: Alpha Ventus bei Borkum mit 12 Rotoren und Bard Offshore 1 nordwestlich von Borkum mit elf Windrädern. Baltic 1 in der Ostsee beginnt demnächst mit der Stromlieferung. Alles andere ist Zukunftsmusik.

    Wenn es in diesem Tempo weitergeht, bliebe die Energiewende stecken, sagen die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. In der morgigen Bundesratssitzung fordern sie die Bundesregierung auf, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Windparks schneller gebaut werden.

    „Wir sollten darauf hinarbeiten, dass die Kapazität der Stromproduktion in deutschen Gewässern bis 2025 rund 30.000 Megawatt beträgt“, sagte Bremens Umweltsenator Loske. Das entspräche etwa der heutigen Leistung von 25 Atomkraftwerken. Rund 100 Windparks würden dafür benötigt. Sie könnten 15 bis 20 Prozent des gesamten deutschen Strombedarfs decken.

    In seinem Antrag für den Bundesrat schlägt Loske vor, dass die Bundesregierung ein schon geplantes Windkraft-Förderprogramm der öffentlichen KfW-Bank schneller auf denWeg bringen solle. Bisher ist vorgesehen, dass fünf Milliarden Euro für günstige Kredite zugunsten von Windparks vor den Küsten („offshore“) zur Verfügung gestellt werden. Nach Loskes Ansicht sollte die Kfw aber nicht nur selbst Kredite geben, sondern auch Bürgschaften übernehmen für Kredite von Geschäftsbanken an Parkbetreiber.

    Loske weist daraufhin, dass Stadtwerken und anderen kleineren Energieunternehmen meist das Geld fehle, um sich bei Offshore-Windparks zu engagieren. „Heute haben nur die vier großen Energiekonzerne das Kapital, um Windparks auf See zu bauen.“ Anlagen mit 300 Megawatt Leistung erfordern derzeit Investitionen von etwa einer Milliarde Euro. Wer eine oligopolistische Struktur der erneuerbaren Stromproduktion auf dem Meer verhindern wolle, müsse deshalb die Finanzierungsmöglichkeiten ausweiten, so Loske. Auch bei den Geschäftsbanken müsse etwas passieren: „Viele Banken haben noch keine Geschäftsmodelle entwickelt, um Offshore-Windparks zu finanzieren.“

    Um das notwendige Kapital zu mobilisieren, schlägt Loske außerdem vor, dass die Einnahmen, die die Lieferenten erneuerbaren Stroms aus der Einspeisevergütung erhalten, zeitlich vorgezogen werden könnten. Dann flösse das Geld teilweise als Vorauszahlung, um die hohen Anfangsinvestitionen abzudecken.

  • Fehler auf allen Seiten

    Neustart bei E10 fällig

    Bis vor wenigen Jahren standen auf den Verpackungen der Nahrungsmittelindustrie häufig Zahlen auf der Zutatenliste, denen ein großes „E“ vorangestellt war. Hinter den Kürzeln verbergen sich allerlei Zusatzstoffe der Rezeptur. Die auf möglichst natürliche Waren geeichten Verbraucher ließen die E-Lebensmittel irgendwann links liegen. Heute finden sich deshalb kaum noch welche in den Regalen. Das Image der E-Nummern war einfach zu mies. Doch am Gehalt der umstrittenen Zutaten hat sich nichts geändert. Nur stehen sie jetzt unter anderen, unverfänglichen Namen auf der Pizza oder dem Funktionsdrink. Daraus kann man etwas lernen.

    Denn nun erregt E10 die Gemüter der Autofahrer. Kaum jemand will den mit Bioethanol versetzten Sprit. Allein schon der Begriff schreckt ab. Das hätten die Kommunikationsexperten nach den Erfahrungen aus der Lebensmittelbranche ahnen können. Das ist zwar nur ein kleiner, aber durchaus erwähnenswerter Fehler bei der Einführung des klimaschonenden Kraftstoffs. Dessen Premiere ist auch deshalb nicht geglückt.

    Schwerer noch wiegen die Kommunikationsfehler der Beteiligten, die allesamt versagt haben. Der zuständige Umweltminister ist in Sachen E10 auf Tauchstation gegangen. Norbert Röttgen schweigt und sitzt das Problem aus. Die Autoindustrie hat sich lange keine Mühe gegeben, die Einführung durch leicht zugängliche Informationen zu unterstützen. Und die Mineralölwirtschaft nimmt, ohne rot zu werden, die höheren Gewinnmargen den teureren Sprits mit, auf den die Autofahrer ausweichen. Nun will sie sich auch noch um drohende Strafzahlungen drücken. Diese werden fällig, wenn die vorgeschriebene Biospritquote nicht eingehalten wird. Den Rest des Flops besorgen die übervorsichtigen Autofahrer.

    Als Reaktion auf den Kaufboykott wird nur wieder das alte Superbenzin vermehrt angeboten. Das ist der falsche Weg. Ein Neustart muss her, denn um höhere Beimischungsquoten kommen wir nicht herum, wenn Deutschland die Klimaschutzziele erreichen soll. Daran müssen sich die Autofahrer langsam gewöhnen. Der Einsatz von Biosprit ist zwar keine alleinige Lösung, aber Teil des Gesamtkonzepts.

    Wer das nicht einsieht, muss Alternativen wie ein scharfes Tempolimit auf Autobahnen vorschlagen. Ohne einen nennenswerten Beitrag des Individualverkehrs geht es nicht. Auch die Konkurrenz Tank gegen Teller zieht nicht, zumindest derzeit nicht. Von den zwölf Millionen Hektar landwirtschaftlicher Anbauflächen werden momentan keine 300.000 Hektar für die Energiegewinnung genutzt. Dieses Verhältnis ist unproblematisch.

    Wie geht es jetzt weiter? Die Bundesregierung wird keinen Rückzieher machen. E10 ist Teil des Energiekonzeptes, dass schon durch den Rückzug aus der Atomkraft fast zur Makulatur geworden ist. Ein Neustart muss also her, der den Sinn der Beimischungsquote noch einmal verdeutlicht und die Bürger mit ihren Befürchtungen wirklich ernst nimmt. Dazu gehört auch eine offene Debatte über den Preis des Sprits. Denn der höhere Verbrauch von E10 kommt bei gleichem Literpreis einer verdeckten Preiserhöhung gleich. Kein Wunder, dass sich viele Autofahrer veräppelt vorkommen.

  • Bundesregierung verzögert Datenschutzgesetze

    Bundesbeauftragter wirft der Koalition Ankündigungspolitik vor / Immer mehr Bürger beschweren sich

    Der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar wirft der Bundesregierung einee zu zögerliche Haltung beim Schutz der Persönlichkeit vor. „Es wurde viel angekündigt, wenig auf den Weg gebracht und nichts umgesetzt“, sagte Schaar bei der Vorlage seines Jahresberichts. Als Beispiel nannte er den Datenschutz im Internet. Das Bundesinnenministerium hatte eine Gesetzesinitiative angekündigt, mit der eine „rote Linie“ bei der Sammlung persönlicher Informationen im Netz gezogen werden sollte. Bis heute liegt nicht einmal ein Entwurf dafür vor. „Mir ist nicht deutlich geworden, ob die Bundesregierung das Vorhaben überhaupt noch verfolgt“, kritisierte Schaa

    Auch beim Arbeitnehmerdatenschutz ist der Kontrolleur des Bundes unzufrieden und nannte vor allem die Regelung zur Videoüberwachung. Verdeckte Aufnahmen wurden demnach zwar eingeschränkt, doch offen dürfen Firmen ihren Angestellten jetzt leichter auf die Finger schauen. Als Begründung für eine Überwachung reicht Schaar zufolge der Verweis auf eine Qualitätssicherung als Grund. Da damit auch die Arbeit des Mitarbeiters selbst gemeint sein kann, sieht der Beauftragte die Türen für eine weitgehende Kontrolle im Betrieb weit offen.

    In den letzten beiden Jahren hatte die Behörde viel zu tun. Datenskandale häuften sich. Besonders medienwirksam waren die Vorgänge bei der Deutschen Telekom und der Deutschen Bahn, die Mitarbeiter bespitzeln ließ. 20 der insgesamt 30 Beanstandungen, die der Datenschutzbeauftragte aussprach, richteten sich allein gegen die Bahn. Der Konzern habe darauf reagiert und alle Missstände abgestellt, teilte Schaar nun mit.

    Die Bürger reagieren immer sensibler, wenn andere mit ihren persönlichen Daten umgehen. Vor allem wenn die Informationen ohne Kenntnis der Betroffenen gesammelt werden. Schaar sieht dabei auch den Staat am Pranger, wenn öffentliche Stellen zum Beispiel Kommunikationsdaten der Bürger auf Vorrat speichern und dies mit der Terrorabwehr begründen.

    Der Beauftragte registriert immer mehr Beschwerden gegen die Sammelwut. Die Zahl der schriftlichen Eingaben vervierfachte sich im vergangenen Jahrzehnt. Gut 11.000 Beschwerden gingen in den beiden letzten Jahren ein. 14.000 Anrufer meldeten sich beim Beauftragten. Das entspricht einer Steigerung um fast die Hälfte gegenüber dem Zweijahreszeitraum zuvor. Den meisten Ärger lösten die Geschäftspraktiken der Telekommunikationsanbieter aus. „Das ist geradezu explodiert“, bemerkte Schaar. Aber auch die Jobcenter gaben häufig Anlass zum Protest.

    An Arbeit mangelt es Schaar nicht. Kritisch sieht der Beauftragte zum Beispiel die staatlichen Kontenabfragen, mit der zum Beispiel Sozialbetrüger oder Steuerhinterzieher aufgespürt werden sollen. Hier würden sich Behörden rechtlich fragwürdig auch bei der privaten Detektei Schufa mit Informationen versorgen. Verärgert ist der Experte auch über den Softwareriesen Microsoft, der kein vorbauendes Widerspruchsrecht beim seinem Straßenansichtsdienst Street Side vorsieht, wie es Konkurrent Google nach vielen Protesten tat. „Wir werden dagegen vorgehen“, kündigte Schaar an.

    Auf der Wunschliste des Datenschutzbeauftragten steht auch mehr Unabhängigkeit von der Politik. Die Aufsicht durch die Bundesregierung sei mit der vom Europäischen Gerichtshof geforderten Unabhängigkeit nicht zu vereinbaren. Auch Deutschland kommen Schaar zufolge Millionenstrafen durch die EU zu, weil diese Vorgabe nicht zeitgerecht umgesetzt wurde.

  • Ein unappetitliches Geschäft

    Die Finanzspekulation trage rund 20 Prozent zur Preissteigerung von Lebensmitteln bei, hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung berechnet. Ministerin Aigner erwägt bessere Regulierung

    Etwa 20 Prozent der Preissteigerung bei Nahrungsmitteln weltweit werden durch Börsenspekulation verursacht. Diese Berechnung hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung am Dienstag veröffentlicht. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) setzt sich deshalb für bessere Regulierungen des Börsenhandels ein. Ein internationaler Konsens zu diesen Fragen ist aber noch nicht in Sicht.

    Wegen des starken Preisanstiegs ist die Finanzspekulation bei Grundnahrungsmitteln ab 2008 ein großes politisches Thema geworden. Europäische Regierungen befürchten, dass die Zahl der Hungernden weltweit zunimmt und mehr Flüchtlinge in den Norden ziehen. Frankreichs Staatspräsident Nicholas Sarkozy hat die Spekulation mit Lebensmitteln und anderen Rohstoffen deshalb zu einem zentralen Thema seiner aktuellen Präsidentschaft der G20-Gruppe der wichtigsten Wirtschaftsnationen gemacht.

    Neuen Zahlen der Welternährungsorganisation FAO zufolge lag beispielsweise der Preis für Weizen im März 2011 mit 332 Dollar pro Tonne um mehr als die Hälfte über dem Niveau von 2010. Der Anteil der Spekulation an diesen Preiserhöhungen ist bislang allerdings umstritten. Das DIW macht nun einen der ersten Versuche zur Berechnung.

    Unseren Schätzungen zufolge erklärt die globale Liquidität ungefähr 20 Prozent der Lebensmittelpreis-Veränderung“, sagt DIW-Expertin Kerstin Bernoth. Der zugrundeliegende ökonomische Mechanismus, den das DIW analysiert, sieht so aus: Um die Wirtschaft während der Finanzkrise zu stützen, haben Regierungen viele hundert Milliarden Euro in den Geldkreislauf gepumpt. Nun befürchten private Investoren Inflation und legen ihr Geld zunehmend in vermeintlich sicheren und renditeträchtigen Sachwerten an. Dazu gehören Rohstoffe und auch Nahrungsmittel wie Getreide, Soja und Zucker. Steigende Nachfrage aber treibt die Preise nach oben.

    Im Auftrag der Deutschen Welthungerhilfe kam unlängst der Bremer Ökonom Hans Bass zu einem ähnlichen Ergebnis wie das DIW. Er berechnete, dass die weltweite Finanzspekulation die Nahrungsmittel zwischen 2007 und 2009 um bis zu 15 Prozent erhöht habe. Bei einem Weizenpreis von 332 Dollar betrüge der spekulative Anteil rund 20 Dollar pro Tonne.

    DIW-Expertin Bernoth legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass andere Faktoren als die Spekulation den Preis stärker beeinflussen. „Insgesamt hält sich die Wirkung der globalen Liquidität in Grenzen“, sagt die Ökonomin, „ein bedeutenderer Faktor, welcher die Lebensmittelpreise beeinflusst, ist das wirtschaftliche Wachstum in den Schwellenländern.“ Wenn die Bevölkerung in Staaten wie China, Indien und Brasilien insgesamt an Wohlstand gewinnt, nimmt beispielsweise die Nachfrage nach Fleisch und Milch zu. Auch das ist ein Grund, warum Getreide teurer wird.

    Im Zuge dieser Debatten setzt sich Landwirtschaftsministerin Aigner an diesem Mittwoch abermals für eine bessere Regulierung der Geschäfte mit Nahrungsmitteln ein. Vor dem demnächst stattfindenden Gipfel der G20-Staaten plädiert sie dafür, ein „zentrales Transaktionsregister“ für den Handel mit Agrarrohstoffen einzurichten. Dieses solle Transparenz über Händler und Verträge schaffen, um Fehlentwicklungen rechtzeitig aufzudecken, so Aigner. Außerdem sagt die Ministerin: „Notwendig sind realistische Grenzen für die täglichen Preisschwankungen bei Produkten wie Getreide und Soja an Warenterminbörsen.“ Ob diese Vorschläge jemals umgesetzt werden, steht freilich in den Sternen. Bislang haben die G20-Staaten weder eine gemeinsame Einschätzung zum Einfluss der Spekulation noch zu Gegenmaßnahmen gefunden.

    Christian Dreger, Konjunkturchef des DIW, warnt derweil vor übereilten Aktionen: „Weil der Großteil der Preisentwicklung von Fundamentaldaten wie Angebot und Nachfrage bestimmt wird, wäre es falsch, mit zu starker Regulierung in den Handel einzugreifen.“ Sinnvoller erscheine es, unter anderem das Angebot an Nahrungsmitteln zu steigern, so Dreger. „Dazu beitragen könnten beispielsweise mehr und bessere Kredite für Kleinbauern in Entwicklungsländern.“

  • „Für Kleintiere kann eine Fahrt tödlich enden“

    Wie gefährlich Reisen für Haustiere werden können, erklärt Veterinärin Astrid Behr. Die Expertin verrät, welche Vierbeiner ganz und gar nicht gerne mit in den Urlaub fahren.

    Kunstmann: Frau Behr, kann es für Hunde gefährlich werden, wenn sie im Frachtraum mitfliegen?

    Astrid Behr: Nicht alle Airlines nehmen Hunde mit. Und die, die es tun, sind dafür ausgerüstet. Wenn die Technik allerdings ausfällt, kann es kritisch werden. Wird es im Frachtraum zu kalt oder funktioniert der Druckausgleich nicht, überlebt ein Tier den Flug möglicherweise nicht. Im Übrigen bedeutet Fliegen immer Stress für ein Tier. Für zwei oder drei Wochen Urlaub den Hund mitzunehmen, ist absolut nicht sinnvoll.

    Kunstmann: Ist es ratsam, einen Hund, der im Frachtraum transportiert wird, mit Medikamenten ruhig zu stellen?

    Behr: Das ist durchaus zu empfehlen. Jedoch sollte das in Absprache mit dem Tierarzt geschehen und ein Gesundheitscheck vorausgehen.

    Kunstmann: Ist die Hundepension die bessere Alternative, wenn sich Herrchen oder Frauchen für einige Zeit auf Reisen begeben?

    Behr: Auch das verursacht Stress. Besser ist es, das Tier in der Verwandtschaft oder bei Freunden unterzubringen. Letztendlich muss das jeder für sich selbst entscheiden. Soll es die Tierpension sein, sollte sie vorher gut ausgewählt werden und genügend Freilauf bieten. Hunde gewöhnen sich in Gruppen ja ganz gut ein. Bei Katzen sieht das anders aus.

    Kunstmann: Was ist mit Katzen?

    Behr: Sie vertragen in der Regel keine Ortswechsel und werden besser zuhause betreut.

    Kunstmann: Mögen Tiere Reisen generell nicht?

    Behr: Nein. Hunde fahren zum Beispiel normalerweise gerne im Auto mit. Wie beim Menschen verträgt allerdings nicht jeder Hund die Schaukelei. Mit einer Katze wird die Fahrt meist zur Qual. Sie wird grauenvoll schreien und ihren Stress zeigen, in dem sie in den Transportcontainer uriniert. Wenn eine Katze allerdings von klein an an das Mitfahren gewöhnt ist, ist auch das kein Problem. Und für Kleintiere gilt: Für sie kann eine Fahrt sogar tödlich enden.

    Kunstmann: Weil sie vor lauter Stress einen Herzinfarkt erleiden?

    Behr: Ja. Im schlimmsten Fall fällt der Vogel tot von der Stange. Zudem sind kleine Tiere wie Meerschweinchen, Hamster oder Vögel sehr hitzeempflindlich und vertragen keine Zugluft oder Vibrationen. 

    Bio-Box: Dr. Astrid Behr (57) ist Tierärztin und Pressesprecherin beim Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt).

  • Hamster müssen in die Holzklasse

    Kleine Hunde und Katzen dürfen mit in die Kabine, wenn Herrchen oder Frauchen in den Urlaub fliegen. Hamster oder Meerscheinchen müssen mit dem Frachtraum Vorlieb nehmen. Denn nicht immer entscheidet die Größe des Tieres, ob es im ungemütlichen Laderaum oder in der Passagierkabine unterkommt.

    Ob Tiere auf Flügen erlaubt sind und wie deren Mitnahme gehandhabt wird, ist von  Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft unterschiedlich. Bei Airberlin beispielsweise dürfen Passagiere Hunde oder  Katzen mit in die Kabine nehmen, wenn sie in einem geeigneten Behältnis untergebracht sind. Maximal sechs Kilogramm darf der Behälter allerdings samt Inhalt wiegen. Zwei Kilo dürfen es bei der Lufthansa sein. Größere Hunde oder Katzen reisen mit der Fracht.

    Selbst wenn sie noch so winzig sind: Bestimmte Tiere wie Vögel oder Nager akzeptieren viele Airlines nur im Ladebereich. „Hamster, Mäuse oder Meerschweinchen reisen im Frachtraum und in einer auslaufsicheren Box, die entweder aus Metall oder mit Maschendraht
    gesichert ist“, erläutert Airberlin Mitarbeiterin Silke Manitz die Bedingungen ihrer Fluggesellschaft. Auch Vögel reisen hier im Frachtraum. Fische oder Schildkröten sind auf Anfrage und exotische Tiere wie Schlangen oder Spinnen wegen der speziellen klimatischen Anforderungen gar nicht möglich.

    Stabile Boxen, die mit Wassernapf und Aufsaugmaterial ausgestattet sind, schreiben die Gesellschaften für die Verladung vor. Das Tier muss in natürlicher Haltung in der Transportkiste stehen, sitzen, liegen und sich umdrehen können.
    Manch eine Airline stellt die Boxen gegen Aufpreis zur Verfügung. Bei anderen muss sich der Halter darum kümmern.

    Einige Hunde dürfen trotz Übergröße mit an Bord: „Blinden-, Gehörlosen- sowie andere vergleichbare Servicehunde, auf die Sie angewiesen sind, werden grundsätzlich auf allen Lufthansa Flügen kostenlos transportiert und dürfen auch mit in die Kabine“, heißt es auf der Webseite der Lufthansa. Mitstreiter Air Berlin formuliert das so: „Blinde Fluggäste können ihren Blindenhund selbstverständlich kostenfrei mit in den Fluggastraum nehmen.“  

  • Auch Dackel brauchen einen Pass

    Für Reisen ins europäische Ausland benötigen Hunde- und Katzenhalter einen Ausweis für ihr Tier/ Ohne Tollwutimpfung dürfen die Vierbeiner das Land nicht verlassen

    Wer Hund oder Katze mit ins Ausland nimmt, braucht nicht nur für sich selbst ein gültiges Reisedokument. Ebenso der vierbeinige Begleiter benötigt einen Pass. Innerhalb der Europäischen Union verhilft der Heimtierausweis Waldi und Maunzi zum legalen Grenzübertritt. In anderen Ländern gelten abweichende Vorschriften für die Einreise der Tiere. Damit unterwegs alles reibungslos vonstatten geht, sollten sich Herrchen oder Frauchen frühzeitig über die jeweiligen landestypischen Bestimmungen erkundigen. 

    Zwischen Mitgliedstaaten der EU reisen Hunde, Katzen oder Frettchen mit dem Heimtierausweis ganz legal hin und her. Geht es von Deutschland nach Spanien oder Portugal genügt das blaue Dokument mit dem goldenen Sternekreis. „In den Ausweis trägt der Tierarzt die Tierhalterdaten und die Identität des Tieres wie Aussehen, Rasse und Geburtsdatum ein“, erläutert Roman Herzog, kommissarischer Leiter des Geschäftsbereichs „Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung“ des Landratsamts Ostalbkreis in Baden-Württemberg.

    Auch die Kennzeichnung des Tieres muss der Veterinär im Pass dokumentieren. Bisher dienten eine Tätowierung oder ein Mikrochip (elektronischer Transponder) zur Markierung. Ab dem 3. Juli 2011 ist ausschließlich der Chip erlaubt. Ebenso für den Nachweis von Schutzimpfungen ist Platz im Pass. „Eine gültige Tollwutimpfung nach Vorgaben der Impfstoffhersteller ist Voraussetzung für Reisen in EU-Länder“, so Herzog. Tierhalter sollten nicht vergessen, dass für die Impfung bestimmte Fristen einzuhalten sind. So können
    Hunde beispielsweise erst ab einem Alter von drei Monaten gegen Tollwut geimpft werden. Und in der Regel ist eine jährliche Wiederholungsimpfung erforderlich.

    Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Und so handhaben einige EU-Mitgliedstaaten wie Großbritannien, Irland oder Malta die Einreise etwas strenger.  Darüber kann der Tierarzt informieren. In Staaten außerhalb der Europäischen Union herrschen recht unterschiedliche, bisweilen eigensinnige Bestimmungen. Island beispielsweise erteilt Touristen, die sich nur kurze Zeit auf der Insel aufhalten, grundsätzlich keine Genehmigung für den Import von Haustieren. Und Australien verlangt, dass sich Hunde und Katzen mindestens die letzten sechs Monate vor Einreise kontinuierlich im Exportland aufgehalten haben. „Wer in Drittstaaten reist, sollte sich zusätzlich bei der Botschaft oder beim Konsulat über die aktuellen  Einreisebestimmungen des Drittlandes erkundigen“, rät Bereichsleiter Herzog.

    Nicht nur für die Hinreise sollten Tierhalter die landestypischen Bestimmungen kennen. Auch für die Wiedereinreise nach Deutschland gelten mal mehr und mal weniger strenge Vorschriften – je nachdem, wie brenzlig es um die Tollwutsituation im jeweiligen Land bestellt ist. „Es gibt eine Reihe von Ländern, die einen vergleichbaren Tollwutstatus wie EU-Mitgliedstaaten besitzen“, erläutert Ute Tietjen, Expertin für Kleintierfragen bei der Bundestierärztekammer (BTK). Hier gestalte sich die Wiedereinreise relativ einfach: Heimtierausweis und gültige Tollwutimpfung genügten.

    Darüber hinaus gibt es Drittstaaten mit ungeklärtem Tollwutstatus wie die Türkei, Ägypten, Marokko und Tunesien. Für diese Staaten ist die Wiedereinreise strenger geregelt. „Wer mit dem Hund in solche Länder reist, sollte vorab in Deutschland einen Bluttest beim Tier machen lassen. Der ist bei der
    Einreise aus solchen Ländern Pflicht“, rät Expertin Tietjen. Die Untersuchung sollten Tierhalter im Übrigen rechtzeitig durchführen lassen. Denn auch hier gelten bestimmte Fristen. Der Test darf zum Beispiel frühestens 30 Tage nach der Impfung stattfinden.

    Für Reisen in exotische Länder empfiehlt Veterinärin Tietjen zusätzlich eine Parasitenprophylaxe. „Welche Maßnahmen getroffen werden sollten, weiß der Tierarzt“, sagt sie. Flohhalsband und Insektenmittel sollten auf keinen Fall im Reisegepäck fehlen.

    Wer die Reiseregeln im Übrigen nicht beachtet, muss mit Problemen an der Grenze rechnen.  Statt der Einreise hieß es für manch ein Tier erst einmal Quarantäne in der Vergangenheit. Tierärztin Tietjen rät zum Schluss: „Man sollte sich immer überlegen, ob man sein Tier mitnehmen muss. Für Tiere bedeutet Reisen Stress.“

    Tipp: Über Vorschriften für die Wiedereinreise aus Drittländern informiert das Bundesverbraucherministerium auf seiner Webseite www.bmelv.de (Suchbegriff „ Regelungen zur Einreise mit Heimtieren in die Europäische Union“).

  • Unsere Handys haben einen Preis

    Kommentar zur Energiewende von Hannes Koch

    So geht es nicht weiter. In einem Jahr verbrauchen wir so viel Erdöl, wie in fünf Millionen Jahren entstanden ist. Deshalb plädieren die Umweltberater der Bundesregierung in ihrem neuen Gutachten für die „große Transformation“ hin zu einem nachhaltigen Energiesystem. Denn spätestens in ein paar Jahrzehnten ist Schluss mit der aktuellen Art des Wirtschaftens. Mangels Nachschubs und wegen zu hoher Kosten. Das gilt auch für die Atomenergie. Die einfache Tatsache, dass atomare Risiken nicht privatwirtschaftlich versichert werden, weil sie zu groß sind, zeigt, dass wir der Pleite entgegenfahren, wenn wir nichts ändern.

    Was heißt das für uns persönlich, im Alltag? Momentan verbrauchen wir jede Menge Kohle und Gas für die Heizung unserer Wohnungen, Öl für die Motoren unserer Autos und Strom für zunehmende Mengen von Lampen, Bildschirmen, Laptops und Mobiltelefonen. Vielleicht schaffen es die Ingenieure, den Energiekonsum dieser Geräte auf die Hälfte zu drücken. Vielleicht können wir damit unseren aufwändigen Lebensstil noch einige Zeit über die Runden retten.

    Aber ganz ohne irgendeine Umstellung wird es vermutlich nicht gehen. Einen gewissen Verzicht werden wir leisten müssen. Dies kann bedeuten, Lebensqualität anders und neu zu definieren. Wenn wir weiter viel Strom verbrauchen wollen, müssen wir wenigstens Kompromisse machen, was seine Herstellung betrifft. Das bedeutet schlicht, dass wir uns über den Anblick von Windrädern am Horizont und den vermeintlichen Elektrosmog von Stromleitungen über oder unter der Erde nicht mehr beschweren dürfen – weil es Luxusprobleme sind im Vergleich zu den Gefahren des Klimawandels oder Atomenergie. Wer dies anders sieht, müsste eigentlich das Handy abliefern, um seine Klimabilanz zu verbessern.

  • Ein unbescheidener Ratschlag: alles ändern

    Umweltberater der Bundesregierung fordern schnellen Atomausstieg und mehr Sparsamkeit beim Stromverbrauch. Das aber ist nur ein kleiner Teil der großen Transformation, dem globalen Abschied vom „nuklear-fossilen Energiesystem“

    Über Schönheitskorrekturen reden sie nicht, sondern über das große Ganze, grundsätzlich und global. Die zwei Frauen und sieben Männer des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen gaben der Politik am Donnerstag einen unbescheidenen, aber dringenden Rat. „Die große Transformation“ sei notwendig, sagte Hans Joachim Schellnhuber, Klimaforscher und Vorsitzender des Beirats – ein Prozess von ähnlich tiefgreifender Wirkung wie der Übergang zur Industriegesellschaft im 19.Jahrhundert.

    „Wir müssen das fossil-nukleare Energiesystem durch ein effizient-erneuerbares ersetzen“, so Schellnhuber. Das Szenario, das der Beirat entwickelt hat, umfasst nicht weniger als den „möglichst schnellen Ausstieg aus der Atomenergie, den weltweiten Abschied von der fossilen Energieproduktion mittels Kohle, Öl und Gas bis 2050 und einen neuen globalen Gesellschaftsvertrag“. Ganz schön viel für 40 Jahre.

    Aber es geht auch ein bisschen kleiner. Dabei liegt die Betonung auf der Empfehlung, mit Energie im Allgemeinen und Strom im Speziellen einfach etwas sparsamer zu haushalten. Zur Debatte über den schnellen Atomausstieg nach der Katastrophe von Fukushima sagte Schellnhuber: „Auch dann gehen hier die Lichter nicht aus. 20 bis 40 Prozent des heute verbrauchten Stromes könnten wir durchaus einsparen.“

    Darüber, was Energieeffizienz bringen kann, sind viele Forscher uneins. Gegen die Position des Beirats argumentiert etwa Ökonom Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). Seinen Berechnungen zufolge wird der Stromverbrauch der Deutschen in den kommenden Jahren nicht sinken, sondern sogar steigen. Die Zunahme um 0,5 bis ein Prozent jährlich sei wahrscheinlich, weil die Zahl der Single-Haushalte wachse und die Deutschen mehr Laptops und iPods benutzten.

    Vielleicht liegt die Wahrheit in der Mitte zwischen Beirat und RWI: Die Zahl der Geräte steigt, aber ihr jeweiliger Verbrauch sinkt. Dann könnte der Stromkonsum der Privathaushalte in den kommenden Jahrzehnten ungefähr konstant bleiben. Daraus resultiert eine optimistische Botschaft: Die materielle Lebensqualität könnte weiter zunehmen, was viele Menschen wünschen, ohne dass aber gleichzeitig die Schaden für das Klima anwüchse.

    Sparsamer Umgang mit Energie, starker Ausbau von Windparks und Solaranlagen, neue Leitungen und Stromspeicher – die Aufgaben sind so komplex, dass der Beirat nicht nur einen technischen, sondern auch einen politischen Umbau empfiehlt. Um die „Zukunftsinteressen“ ins heutige politische System zu integrieren, müsse man neue demokratische Institutionen schaffen, sagte Beiratsvize und Entwicklungsforscher Dirk Messner.

    Eine „Zukunftskammer“ neben Bundestag und Bundesrat solle dafür sorgen, dass jedes Gesetzesvorhaben auf seine Nachhaltigkeit überprüft werde. Denkbar sei es auch, so Messner, einen Teil der Abgeordnetensitze in den Parlamenten nicht von den Parteien besetzen zu lassen. An ihre Stelle könnten Personen treten, die auch mal an die Zukunft denken. Auswahlverfahren? Vielleicht Wahl, vielleicht Auslosung, darüber sind sich die Regierungsberater noch nicht im Klaren.

    Auf jeden Fall aber müsse das Ziel der Nachhaltigkeit praktisch gestärkt werden, indem Bundestag und Bundesrat ein Klimaschutzgesetz beschlössen, forderte Messner. Darin wäre beispielsweise festgelegt, um wieviel der Kohlendioxidausstoß jedes Jahr sinken solle. Und auch im Grundgesetz müsse man den Klimaschutz als Staatsziel verankern.

    Und zur globalen Zusammenarbeit hatte Entwicklungspolitiker Messner noch einen speziellen Vorschlag parat. Zehn Prozent der Mitarbeiter der relevanten Bundesministerien sollten künftig aus Ländern außerhalb Europas rekrutiert werden. Der Vorteil? Erst dann werde die Sichtweise der Entwicklungs- und Schwellenländern auch hierzulande eine wirkliche Rolle spielen. Schließlich gehe es bei der großen Transformation um ein weltweites Vorhaben.

  • Auch die schönste Energiewende hat Nachteile

    Umweltberater der Bundesregierung präsentieren heute Konzept für den weltweiten Ausstieg aus der nuklear-fossilen Energieproduktion. Beiratsmitglied Claus Leggewie: „Keine reine Win-Win-Situation“

    Keine Atomkraftwerke mehr, 100 Prozent Strom aus Wind und Sonne, trotzdem freier Blick aus dem eigenen Garten bis zu den Alpen. So mag sich mancher Grüner in den beschaulichen Kleinstädten der Schwäbischen Alp die Zukunft vorstellen. Aber auch was die Energieversorgung betrifft, ist die beste aller denkbaren Welten eine Utopie.

    Der das sagt, heißt Claus Leggewie, ist Kulturwissenschaftler und Berater der Bundesregierung. Er und seine Kollegen vom Wissenschaftlichen Beirat für Globale Umweltveränderungen überreichen der Regierung am Donnerstag in Berlin ein epochales Gutachten. Der darin enthaltene zentrale Rat ist dieser: Komplett-Ausstieg aus der nuklear-fossilen Energieproduktion so bald wie möglich. Vollversorgung mit erneuerbarer Energie ohne Kohle, Öl und Atom – auch in Deutschland sei das bis 2050 möglich, wenn man es wolle. Das Projekt nennen die Wissenschaftler „Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“.

    Gesellschaftsvertrag – das ist Leggewies Stichwort. Er plädiert für die Erfindung eines neuen „demokratischen Tauschgeschäfts: Partizipation gegen Selbstbeschränkung“. Damit der Umbau des Energiesystems gelinge, solle die Politik die Bürger viel umfassender und früher als heute in die Planung einbeziehen. Als Gegenleistung für diesen Zuwachs an Mitwirkung, müssten die Menschen aber auch „eine Selbstbeschränkung ihrer Aufschiebe- und Verweigerungsmöglichkeiten“ akzeptieren, so Leggewie.

    Wie darf man sich das praktisch vorstellen? Lange bevor der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg die Schwäbische Alb mit Windrädern zubauen und mit Stromtrassen untertunneln lässt – was möglicherweise notwendig ist – muss er den Städten und Landkreisen ein umfassendes Gesamtkonzept mit echten Wahlmöglichkeiten präsentieren. Dann darf ausgiebig diskutiert, verworfen und umgeplant werden. Neue demokratische Institutionen wie Ombusleute und Zukunftskammern helfen den Bürgern dabei. „Irgendwann muss aber auch Schluss sein, dann wird gebaut“, sagt Leggewie. Wer sich dann immer noch gegen die Windräder am Horizont wehrt, kann sich legitimerweise nicht mehr auf sein Widerstandsrecht berufen.

    Während Leggewie die politikwissenschaftliche Seite des Gutachtens bearbeitete, war Jürgen Schmid vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesysteme (Iwes) mit der Technik beschäftigt. „Wir können bis 2020 ohne Probleme vollständig aus der Atomenergie aussteigen“, sagt Schmid zur Debatte über den Ausstieg in Deutschland. Mehr noch: Sogar den Abschied vom nuklear-fossilen Energiesystem hält der Forscher bis 2050 für möglich. Grundsätzlich gilt dieses Plädoyer auch für die weltweite Energieproduktion.

    Der relativ kurzfristige Atomausstieg in Deutschland bis 2020 lässt sich Jürgen Schmid zufolge so bewerkstelligen: Vordringlich sei es, die Windenergie auf der Nord- und Ostsee beschleunigt auszubauen. Außerdem müsse man die alten Windparks an Land mit leistungsstärkeren Anlagen aufrüsten und zusätzliche Standorte für Windmühlen ausweisen. Hinzu kommt, dass die Leistung der 17 deutschen Atomkraftwerke schon heute rechnerisch überflüssig ist. Der Strombedarf Deutschlands kann auch ohne sie gedeckt werden.

    Insgesamt bringt Iwes-Forscher Schmid den anstehenden Strukturwandel auf diesen Punkt: „Am Anfang der Zivilisation haben die Menschen das Feuer gebändigt. Nun müssen wir das Feuer bannen.“ Denn in vielen Verbrennungsprozessen, die auf Uran, Kohle, Öl und Gas basieren, lässt sich am Ende nur ein Teil der Energie nutzen, die in den verfeuerten Ressourcen gespeichert war. Atomkraftwerke weisen beispielsweise nur einen Wirkungsgrad von 34 Prozent auf – zwei Drittel der vorhandenen Energie werden an die Umwelt abgegeben. Große Kohle-, Gas- und Öl-Kraftwerke nutzen ihren Brennstoff zu 30 bis 50 Prozent. Statt dieser Verschwendung rät der Beirat, sie durch Wind- und Solar-Kraftwerke zu ersetzen.

    Der in Wind- und Solarkraftwerken erzeugte erneuerbare Strom könnte künftig das Rückgrat der Energieversorgung darstellen. Weil der Wind allerdings unregelmäßig bläst und die Sonne nachts nicht scheint, muss man neue Speichertechnologien entwickeln, um die Energie aufzubewahren. Die besten Möglichkeiten dafür sehen die Forscher in „erneuerbarem Gas“. Mittels der Elektrolyse würde man mit Strom aus Wasser Wasserstoff gewinnen und diesen in Salzkavernen unter der Erde speichern. Das chemische Sabatier-Verfahren, eine Reaktion von Wasserstoff mit Kohlendioxid, lieferte später erneuerbares Methan. Dieses wiederum würde in die bestehenden Gasnetze eingespeist und in Wohngebäuden und Industrieanlagen dezentrale Blockheizkraftwerke antreiben, die gleichzeitig Heizwärme und Strom liefern.

    Klingt gut. Aber hat der globale Wechsel des Energiesystems nur Vorteile? Nein, meint Regierungsberater Leggewie. Selbst die schönste Energiewende bringe Kosten mit sich, auch finanzielle. Leggewie: „Das ist keine reine Win-Win-Situation. Unser heutiger Lebenstil steht zur Disposition“. Weniger Stromverbrauch, ein Laptop statt zwei, kleinere Wohnung, höhere Strompreise?

    Gerade auf den letzten Punkt weist auch Ökonom Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen hin. Wenn man beispielsweise Strom mit Hilfe von Wasserstoff speichere, gehe im Laufe der Umwandlungen rund die Hälfte der Energie verloren. Die Kosten für die so jederzeit verfügbare Elektrizität müssten also mindestens „das Doppelte der ohnehin hohen Kosten der erneuerbaren Energien betragen“, sagt Frondel.

  • Künftig auch Kontrollen am Grauen Kapitalmarkt

    Bundeskabinett beschließt Aufsicht der Finanzvermittler / Künftig auch bei freien Beratern Beipackzettel für Finanzprodukte

    Die Bundesregierung verschärft die Aufsicht über Finanzvermittler außerhalb von Banken und Sparkassen. Die rund 80.000 freien Anlageberater werden von den regionalen Gewerbeämtern kontrolliert. Zudem müssen sich die Verkäufer von Fonds oder Beteiligungen öffentlich registrieren lassen. Zudem wird eine Sachkundeprüfung der Vermittler und ihrer Angestellten eingeführt und eine Berufshaftpflichtversicherung zur Pflicht. Letzteres soll sicher stellen, dass etwaige Schadenersatzansprüche von Kunden auch erfüllt werden können.

    „In Zukunft müsse alle ihre Kunden insbesondere über anfallende Provisionen informieren, die Beratung an den persönlichen Bedürfnissen orientieren und den Kunden ein Beratungsprotokoll aushändigen“, hebt Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hervor. Im Segment des so genannten Grauen Kapitalmarkts haben sich in der Vergangenheit immer wieder dubiose Anbieter getummelt und gutgläubiger Sparern mit zweifelhaften Offerten das Geld aus der Tasche gezogen. Zu den bisher unregulierten Produkten zählen zum Beispiel geschlossene Immobilienfonds, Beteiligungen an Windparks, Steuersparmodelle oder Schuldverschreibungen von Unternehmen.

    Das Gesetz stopft auch eine gravierende Lücke im Recht. Künftig müssen die Vermittler Informations- und Dokumentationspflichten einhalten. Die Kunden erhalten zu den Produkten eine Art Beipackzettel, aus dem die wichtigsten Eigenheiten des Angebots hervorgehen, also zum Beispiel die damit verbundenen Chancen, Risiken und Kosten. „Die Haftung für fehlerhafte oder fehlende Prospekte verschärfen wir“, erläutert Aigner. Zudem werden die Verjährungsfristen für Ansprüche aus der Prospekthaftung verlängert. Zusätzliche Haftungsansprüche für fehlende oder fehlerhafte Prospekte können erstmals auch bei fahrlässigem Handeln entstehen.

    Dem Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) gehen die Regelungen nicht weit genug. „Gute Ansätze des Entwurfs bleiben Stückwerk“, kritisiert Verbandschef Gerd Billen. Denn die Regierung versäume die Einführung einer schlagkräftigen Aufsicht. Der vzbv hat sich stets für eine Kontrolle durch die Spezialisten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ausgesprochen, die auch den Banken und Sparkassen beim Vertrieb von Wertpapieren auf die Finger schaut. „Den Gewerbeämtern fehlt dagegen die Erfahrung für solche Prüfungen“, befürchtet Billen.

    Nach Ansicht der Verbraucherzentralen wird mit dem Gesetz auch ein unnötiger bürokratischer Aufwand verursacht. Denn die Gewerbeämter müssen die Unterlagen zu einzelnen Produkten jeweils gesondert anfordern. Läge die Federführung bei der Bundesaufsicht, könnte dieser Dienstweg eingespart werden. Bei der BaFin liegen die Informationen ohnehin vor. Ein weitere Kritikpunkt für den Verband besteht in dem Fähigkeitsnachweis, den die freien Vermittler künftig erbringen müssen. „Der Gesetzgeber muss klarstellen, dass Kenntnisse in verbrauchergerechter Beratung Bestandteil der Qualifikation sind“, fordert Billen. Die generelle Richtung des Gesetzes bewertet der vzbv allerdings positiv.

    Ganz außen vor bleibt die BaFin künftig nicht. Deren Experten prüfen Die Prospekte der Anbieter bald auch inhaltlich, ob sie  frei von Widersprüchen und verständlich sind.

  • Harte Arbeit gegen gutes Image

    Warum man als Gesundheitsminister beim Volk keine Chancen hat, als Wirtschaftsminister aber glänzen darf

    Der neue Parteichef der FDP steht zwar noch nicht fest. Doch er soll die Partei sichtbar nach außen vertreten können. Dazu gehört auch eine geeignete Position, am besten in der Bundesregierung. Einer der um diese Machtposition kämpfenden Spitzenpolitiker ist Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, der auf einem entsprechenden Posten sitzt. Als Favorit für den Parteivorsitz gilt aber Gesundheitsminister Philipp Rösler.

    Nur kann man nach Meinung der Experten mit dessem Amt politisch keinen Blumentopf gewinnen. „Man braucht natürlich Parteivorsitzende, die in ihren Bereichen auch Erfolg erzielen können“, sagt FDP-Präsidiumsmitglied Silvana Koch-Mehrin. Sollte sich Rösler durchsetzen, soll er sich nach Ansicht vieler Liberalen deshalb das Wirtschaftsministerium unter den Nagel reißen.

    Die beiden Ressorts könnten kaum unterschiedlicher sein. Gesundheitsminister sind beim Wahlvolk selten beliebt, obwohl der Job nur mit viel Sachverstand, Standfestigkeit und Engagement erledigt werden kann. Das zählt draußen im Land aber wenig, denn die Botschaften aus diesem Ministerium sind in der Regel schlecht. Das Gesundheitssystem ist in einer alternden Gesellschaft eine Dauerbaustelle. Die zwangsläufig steigenden Kosten können nur durch Leistungskürzungen oder Kostenerhöhungen aufgefangen werden. Das kommt bei den Betroffenen, also allen gesetzlich Versicherten, nicht gut an.

    Beim Wirtschaftsminister werden Standfestigkeit und Engagement dagegen sehr wohl gewürdigt. Das beste Beispiel für die Möglichkeiten im Amt lieferte Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich gleich in den ersten Wochen bar jeder Vorkenntnisse Meriten erwarb. Als ordnungspolitisches Gewissen der Nation lehnte der Baron Hilfen für den angeschlagenen Autobauer Opel ebenso ab wie die Unterstützung des Kaufhaus-Konzerns Karstadt. Am Ende setzte er sich damit durch und erhielt – abgesehen vom Unmut der Betroffenen – dafür viel Beifall.

    Lehnt sich dagegen der Gesundheitsminister gegen die Interessen einer Lobby auf, muss er sich warm anziehen. Ärzte oder Apotheker, Krankenkassen, Patientenverbände und erst Recht die Pharmaindustrie können rasch wirkungsvoll Widerstand leisten. Notfalls wird der Streit bis ins Wartezimmer der Arztpraxen getragen. Die Sorge der Kranken um eine gute Versorgung erzeugt stets einen großen Druck auf die Politik. Und betroffen sind jedes Mal viele Millionen Menschen. Dazu geht es um ein riesiges Geschäft mit der Gesundheit. Über 170 Milliarden Euro werden jährlich allein in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) umgewälzt. Jeder gesetzliche Eingriff stößt daher auf erheblichen Widerstand.

    Der amtierende Wirtschaftsminister Rainer Brüderle muss sich selten mit folgenreichen Entscheidungen herumplagen. Das Ministerium hat nicht sehr viele Zuständigkeitsbereiche. Energie ist eines der zentralen Themen, in denen der Wirtschaftsminister mitreden darf. Auch die Netzregulierung oder die Kartellbehörden unterstehen dem Haus. Ansonsten darf der Minister die Wirtschaftsprognosen der Bundesregierung vorstellen und vor allem zuversichtliche Reden schwingen. Das wird in der Öffentlichkeit positiv wahrgenommen.

    Darüber hinaus verteilt der Wirtschaftsminister viel Geld. Gut sechs Milliarden Euro beträgt der Etat. Mit rund 1,5 Milliarden Euro davon subventioniert die Regierung die Steinkohleförderung. Über eine Milliarde steckt der Bund in den Raumfahrt. Ansonsten gibt es Hilfen für die Forschung, Elektromobilität und viele andere Branchen. Das Geben kommt gut an, auch wenn Brüderle die Kohlesubventionen im Gegensatz zur Kanzlerin schnell abbauen will. Rösler ist für deutlich höhere Beträge verantwortlich. Neben dem Einfluss auf die Ausgaben der GKV ist das Haushaltsvolumen seines Ministerium mit über 15 Milliarden Euro mehr als doppelt so groß wie Brüderles Etat. Trotzdem hat jeder den Eindruck, es gäbe hier nichts zu verteilen.

    Besonders deutlich wird der Imageunterschied zwischen beiden Ministerien in den Themen, mit denen die Amtsführer in den Medien landen. Brüderle spricht gerne über Zukunftschancen und Technologien, Wachstum und mehr Beschäftigung. Rösler muss den Pflegenotstand anprangern, die Ärzte zur Räson rufen und Zusatzbeiträge verteidigen.

  • Tierschutz per Gütesiegel

    Wissenschaftler plädieren für Tierschutzsiegel

    Mit einem Gütesiegel nach dem Vorbild des â??Blauen Engelsâ?? könnten Verbraucher beim Einkauf bald über die Qualität der Haltung von Schweinen, Rindern, Hühnern oder Puten informiert werden. Das fordert zumindest der Wissenschaftliche Beirat des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMELV) in einer noch unveröffentlichten Stellungnahme für die Bundesregierung.

    â??Der Beirat sieht im Tierschutzlabel ein geeignetes Instrument, um die Tierschutzsituation in der Nutztierhaltung zu verbessernâ??, heiÃ?t es im Gutachten. So werde den Verbrau cherwünschen Rechnung getragen. Die Experten erwarten auch, dass Landwirte, die sich um eine möglichst gute Tierhaltung bemühen, im Wettbewerb gestärkt werden. Da eine europaweite Einführung eines Gütesiegels derzeit nicht absehbar ist, plädieren die Forscher für einen deutschen Alleingang beim Tierschutz.

    Das soll freiwillig verliehen werden und mehrstufig sein, ähnlich wie die Sterne-Regelung in der Hotellerie. Je besser es den Tier während der Aufzucht geht, desto höher darf sich der Produzent einstufen. Die Kriterien für eine artgerechte Haltung sollen streng wissenschaftlich festgelegt werden. â??Eine Kennzeichnung soll die Verbraucher in die Lage versetzen, besonders tiergerecht erzeugte Produkte zu erken nenâ??, erläutert der Beirat den Vorschlag. Denn zwischen den Erwartungen der Verbraucher an eine tiergerechte Haltung und der Praxis in manchen Ställen klafft nach Einschätzung der Fachleute eine groÃ?e Lücke. Von einem Kontrollsystem vom Stall über den Transport bis hin zum Schlachthof verspricht sich der Rat mehr Transparenz bezüglich des Tierschutzes.

    Doch die Widerstände gegen einen besseren Tierschutz sind groÃ?, obwohl viele Verbraucher dies wünschen. â??Gleichwohl stehen viele Vertreter aus Landwirtschaft, Lebensmittel handel und -industrie dem Thema weiterhin reserviert bis ablehnend gegenüberâ??, stellen die Experten fest. Gerade in der Union wehren sich Agrarpolitiker gegen höhere Ansprüche an die Tierhaltung. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will dagegen Standards durchsetzen, die Nutztieren unnötiges Leid erspart. Spätestens im Herbst sollen die Gesetze verschärft werden. Damit werden zum Beispiel Kastrationen von Ferkeln ohne Betäubung verboten. Die Ministerin setzt sich auch für ein EU-weites Gütesiegel für den Tierschutz ein. Ob sie die Forderungen nach einem deutschen Alleingang aufnimmt, ist dagegen noch offen.

  • Von Morgenmuffeln und Montagsmorgenmuffeln

    An Montagen kommen viele Berufstätige besonders schwer in die Gänge. Viel zu früh schellt der Wecker. Viel zu wackelig sind die Beine beim Zähneputzen. Auch die sonst so versöhnende Tasse Kaffee erzielt nicht die gewünschte Wirkung. Anstatt zur Arbeit wünscht man sich lieber ganz schnell wieder zurück ins warme Bett. Der „Montagsblues“ hat zugeschlagen. Einigen Beschäftigten ergeht es gar an jedem einzelnen Arbeitstag so. Doch warum?

    Jeder sechste Erwerbstätige klagt hierzulande über fehlenden Tatendrang und Mattigkeit nach dem Wochenende. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind es sogar doppelt so viele. Angestellte und Arbeiter stellen die größte Gruppe der Montagsmüden. Selbständige und Beamte sind seltener betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des Pharmaherstellers Stada.

    Einen Grund für den Montagshänger sehen Wissenschaftler im veränderten Tagesrhythmus am Wochenende. Der sorgt für einen besonders schlechten Schlaf in der Nacht zum Montag. „Viele Menschen sind Montagmorgens matt und antriebslos, weil sie am Wochenende ihr Schlafdefizit abgebaut und daher Sonntag zu Montag nur kurz geschlafen haben“, erläutert der Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Charité Berlin, Ingo Fietze. Konkret heißt das: Am Wochenende haben wir so viel geschlafen, dass wir am Sonntagabend einfach nicht müde werden. Auch der Gedanke an die Arbeit und der damit verbundene Erwartungsdruck, so Fietze, lässt uns schlecht schlafen.

    Zu wenig und zu schlechter Schlaf: Unkonzentriertheit, Gedächtnisschwäche und Abnahme von Geschicklichkeit und Geschwindigkeit sind die Folgen. Zum Glück können Beschäftigte aktiv etwas gegen den Montagshänger tun. Schlafexperte Fietze empfiehlt, den Mittagschlaf am Sonntag sein zu lassen und auch nicht bis mittags zu schlafen. Ebenso hilft viel Bewegung und abends wenig oder kein Alkohol.

    Manch einem Beschäftigten fällt es allerdings jeden Morgen schwer, dem Ruf des Weckers Folge zu leisten. Ob Montag oder Freitag: Früh aus den Federn zu kommen ist für sie eine Qual. Als „Eulen“ bezeichnet die Wissenschaft Menschen, die erst vergleichsweise spät am Tag in die Gänge, dafür erst spät am Abend zur Ruhe kommen. „Lerchen“ stellen das andere Extrem dar. Sie werden abends schnell müde. Frühes Aufstehen ist für sie kein Problem.

    Warum manche Menschen Früh- und manche Spätaufsteher sind, weiß Achim Kramer vom Institut für Medizinische Immunologie der Charité Berlin. „Unsere innere Uhr bestimmt unseren Biorhythmus und damit auch, ob wir eher früh oder eher spät müde werden“, erläutert er. Und: „Unsere Gene steuern, wie schnell die innere Uhr tickt.“ Bei Frühtypen laufe sie schneller. So seien sie für alles ein bisschen zu früh. Auch bei Spättypen sind es häufig die Gene, die die innere Uhr langsamer laufen lassen. „Manchmal kann jemand aber auch nicht so viel Licht wahrnehmen und ist deshalb ein Spättyp“, so Kramer.

    Auf etwa ein Viertel schätzt Schlafforscher Fietze den Anteil der Eulen und Lerchen in der Bevölkerung. Eulen, also Morgenmuffel, sind dabei viel verbreiteter. Der Grund: „Unsere Gesellschaft fängt viel zu früh am Tag an. Die Schule geht um 7 Uhr los. Entsprechend früh müssen auch die meisten Beschäftigten raus“, beklagt Kramer. Würden Arbeit und Schule erst um 9 Uhr losgehen, würde es auch weniger Morgenmuffel geben.

    Während Morgenmuffeln frühe Arbeitszeiten Schwierigkeiten bereiten, plagen Abendmuffel eher soziale Probleme. Wollen die Freunde ins Kino gehen, können sie nicht mit, weil sie zu müde dafür sind. So einfach umstellen kann ein Morgenmuffel seinen Rhythmus allerdings nicht: „Eigentlich kann man nicht viel dagegen tun“, sagt Chronobiologe Kramer. Man müsse es akzeptieren, was im Übrigen auch die  Gesellschaft tun sollte.

    Ein Lichtblick bleibt – und das im wahrsten Sinne des Wortes: Was einem Langschläfer für einen besseren Start in den Tag hilft, ist genug Licht. „Je mehr Licht ein Mensch tankt, desto eher wird er abends müde“, erklärt Charité-Forscher Kramer. Dann schafft man es auch, um 21 oder 22 Uhr ins Bett zu gehen und einzuschlafen. Besonders frühes Licht ist gut. Besonders effektiv ist es, so Kramer, morgens eine Runde zu joggen. Allerdings müsse man das auch regelmäßig machen.
        

  • Letzter Wille mit Tücken

    Ein Testament kann auf unterschiedliche Art und Weise niedergeschrieben werden/ Mit Expertenrat gehen Laien auf Nummer sicher

    Ein Testament sorgt dafür, dass das eigene Hab und Gut nach dem Tod in die richtigen Hände gelangt. Auch dass die Familie gut versorgt ist, stellt die Verfügung sicher. Doch für wen lohnt es sich überhaupt, den Letzten Willen zu Papier zu bringen. Und in welcher Form kann das geschehen?

    Es ist keine Frage des Alters, ein Testament aufzusetzen. „Jeder, der etwas zu vererben hat, sollte seinen Letzten Willen niederschreiben“, rät der Ravensburger Rechtsanwalt Christof Wild. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die gesetzliche Erbfolge, die eintritt, wenn der Verstorbene keine individuelle Regelung getroffen hat, kann zu höchst unerfreulichen Ergebnissen führen.

    „Viele gehen davon aus, dass ohnehin alles der Partner erbt und verfassen kein Testament“, erläutert Wild. Das ist ein Trugschluss. Denn in so manch einer Familienkonstellation, erbt plötzlich die Verwandtschaft mit. Das kann zum Problem werden, wenn sich die von den Eheleuten bewohnte Immobilie im Nachlass befindet und die Miterben auf Auszahlung ihres Anteils am Häuschen pochen. Verfügt nun die hinterbliebene Witwe nicht über genügend finanzielle Mittel, kann das eine Teilungsversteigerung nach sich ziehen.

    Beim Verfassen des Testaments lauern einige Tücken. Auch gibt es verschiedene Arten der Verfügung. Da ist das Einzeltestament, das, wie der Name schon sagt, von einer einzelnen Person aufgesetzt wird. Es kann entweder vollständig per Hand geschrieben sein oder mithilfe eines Notars verfasst werden. „Ein nach Beratung durch Rechtsanwalt oder Notar verfasstes Testament gibt in der Regel eine gewisse Sicherheit, dass sämtliche Formulierungen richtig gewählt sind und das Papier im Streitfall vor Gericht Bestand hat“, so Anwalt Wild.

    Aber auch gemeinsam kann ein Testament aufgesetzt werden – entweder von Eheleuten oder von gleichgeschlechtlichen Partnern einer eingetragenen Lebensgemeinschaft. Bei solch einem Gemeinschaftlichen Testament wird der Text von einem der Partner geschrieben und unterschrieben und dann vom anderen zum Beispiel mit dem Satz „Dies ist auch mein letzter Wille“ gegengezeichnet. „Berliner Testament“ nennt sich eine bestimmte Form des Gemeinschaftlichen Testaments. Hier setzen sich die Partner gegenseitig als Alleinerben ein. Erst wenn beide verstorben sind, sollen die gemeinsamen Kinder erben.

    Als „erbrechtlicher Maßanzug“ bezeichnet der Gründungs- und Ehrenpräsident des Deutschen Forums für Erbrecht, Klaus Michael Groll, das Testament. Wollen Unerfahrene ein solches Dokument aufsetzen, sollten sie einen Spezialisten zurate ziehen, rät er. Was ohne Expertenrat beim Verfassen von Testamenttexten so schief gehen kann, weiß Anwalt Wild: „Laien bringen häufig Begriffe durcheinander“, sagt er. „Vermächtnis“ etwa sei nicht dasselbe wie „vererben“. Wer ein Vermächtnis bekommt, hat gegen die Erben einen Anspruch, etwa auf die goldene Uhr. Erbe ist er aber nicht. Auch die genaue Bedeutung von „Vorerbe“ und „Nacherbe“ kennen viele nicht. Dass ein Vorerbe das Vermögen zuerst erbt und der Nacherbe nach dessen Ableben Zugriff darauf erhält, ist meist klar. Doch dass der Vorerbe über die ihm so vererbte Vermögenssubstanz oder Immobilie nicht frei verfügen und sie nicht veräußern kann, wissen viele nicht.

    Beiweilen wird auch das Wörtchen „enterben“ falsch verstanden. Es bedeutet eben nicht wie so häufig angenommen, dass der aufmüpfige Sohn vom strengen Vater keinen müden Cent sieht. Schließlich gibt es da noch den Pflichtteil, der praktisch bestimmten gesetzlichen Erben, insbesondere Kindern zusteht. „Der Pflichtteil ist ein ganz hohes Recht“, so Anwalt Wild. Dafür, dass einem den Pflichtteil entzogen wird, müsse man zum Beispiel eine Straftat begangen haben, die eine Haftstrafe ohne Bewährung nach sich zieht.

    Der Verbleib des Vermögens lässt sich neben dem Testament auch durch einen Erbvertrag regeln. Diesen Pakt schließt der Erblasser noch zu Lebzeiten mit dem Erben ab. Der Erbvertrag muss vor einem Notar geschlossen und beurkundet werden. „Nur in Ausnahmefällen ist das Dokument Mittel der Wahl“, erläutert Rechtsanwalt Wild. Schließlich bedeutet der zweiseitige Vertrag eine starke Bindung und kann in der Regel nur zusammen abgeändert werden. „Immer wieder kommt es vor, dass aus dicken Freunden Feinde werden“, gibt Wild zu bedenken. Dann sei es unter Umständen schwierig, den Vertrag rückgängig zu machen.