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  • Wenn Strom minus 50 Cent kostet

    Wie Verbraucher profitieren können

    Strom verbrauchen und Geld dazubekommen? Im vergangenen Jahr war das in Deutschland an mehreren Tagen möglich. Stundenweise war der Preis negativ. Das Phänomen hat mit der Energiewende zu tun. Verbraucher können profitieren.

    Was sind negative Strompreise?

    Normalerweise kostet es Geld, eine Kilowattstunde Strom zu verbrauchen. Es kann sein, dass der Preis ins Negative dreht, wenn das Angebot größer als die Nachfrage ist. Tatsächlich bekommt jemand dann Geld dafür, eine Kilowattstunde abzunehmen. Der Effekt tritt an der Strombörse auf, an der ein Teil des deutschen Stroms gehandelt wird – am Spotmarkt, an dem zur Sekunde Strom gehandelt wird, und am Day-Ahead-Markt, auf dem es um Strom für den nächsten Tag geht.

    Wie entstehen negative Strompreise?

    Negative Strompreise sind eine Folge des veränderten Marktes und Strommixes in Deutschland. Als Strom vor allem aus konventionellen Kraftwerken stammte, wurde so viel erzeugt, wie die Kunden brauchten. Zu Spitzenzeiten liefen Gas- und Kohlekraftwerke mehr, in Nebenzeiten weniger. 2023 stammten 54,1 Prozent des Stroms nach Zahlen des Verbands BDEW aus erneuerbaren Quellen. Vor allem Wind- und Solaranlagen liefern, wenn es ausreichend weht und die Sonne scheint. Das sind nicht unbedingt Zeiten, in denen viel verbraucht wird. Dann kann das Angebot von Strom größer sein als die Nachfrage.

    Wie oft treten negative Strompreise auf?

    Noch sind die Preise am Spotmarkt nicht dauerhaft, sondern stundenweise im Minus, mal um ein paar Cent, mal etwas mehr. Es gibt auch Ausreißer: „Im vergangenen Jahr hatten wir kurzzeitig einen Preis von minus 50 Cent je Kilowattstunde am Day-Ahead-Markt“, sagt Merlin Lauenburg, Managing Director beim Stromanbieter Tibber Deutschland. Er erwartet: „Negative Strompreise in Deutschland werden mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien zunehmen.“ Auf jeden Fall werden die Strompreise stärker schwanken.

    Welche Probleme bereiten schwankende Strompreise?

    Negative wie auch niedrige Strompreise am Spotmarkt kosten Geld, im Zweifel alle Stromkunden. Wenn viel billiger Windstrom in Norddeutschland ins Netz kommt, nimmt möglicherweise jemand in Süddeutschland eine große Menge Strom ab. Das Übertragungsnetz reicht oft nicht für den Transport. Also muss ein teureres regionales Gaskraftwerk im Süden mehr teuren Strom liefern. Die Preisdifferenz tragen alle Stromkunden über die Netzentgelte.

    Was lässt sich tun?

    Das besonders belastete Stromnetz muss ausgebaut werden, vor allem die großen Nord-Süd-Trassen. Deutschland benötigt mehr Möglichkeiten, Strom zu speichern – zum Beispiel in großen Batterien. Oder mit dem Strom wird Wasserstoff hergestellt, mit dem sich wieder Strom erzeugen lässt. Batterien und Wasserstoff sind aber noch nicht im industriellen Maßstab praxistauglich. Und Deutschland benötigt mehr Flexibilität. So könnten Kunden Strom nutzen, wenn er günstig ist. Dafür müssten sie aber ihren Verbrauch und die Preise genau kennen.

    Kann ich von schwankenden Strompreisen profitieren?

    Im Prinzip ja. Nötig ist dafür mindestens eine moderne Messeinrichtung mit Digitaldisplay, besser ein Smartmeter, ein moderner digitaler Stromzähler. Er liefert den genauen Verbrauch. Versorger können dann dynamische Tarife anbieten, die sich zum Beispiel nach den Preisen am Day-Ahead-Markt der Börse richtet. Über ein Programm im Computer oder dem Smartphone ließe sich dann etwa die Waschmaschine anschalten oder das E-Auto laden, wenn der Strom günstig ist – automatisch. „Zu bestimmten Zeiten am Tag ist der Strom in einem dynamischen Tarif sicher teurer als bei einem Tarif mit fixen Preisen, zu anderen Zeiten ist er günstiger. Im Schnitt liegt er dank Verbrauchssteuerung niedriger, auch aufs Jahr gerechnet“, sagt Lauenburg von Tibber. Das Unternehmen hat in Norwegen und Schweden bereits Erfahrung gesammelt. Dort sind praktisch alle Haushalte mit einem Smartmeter ausgestattet. In Deutschland sind es ein Prozent. 2025 soll der große Rollout beginnen.

    Mein Stromvertrag sieht einen festen Strompreis vor. Wie betreffen mich schwankende Strompreise?

    Zunächst einmal nicht. Die meisten Stromversorger bieten feste Preise je Kilowattstunde an. Dafür kaufen sie den Strom meist über länger laufende Verträge bei den Erzeugern ein oder erzeugen selbst. Nur etwa ein Viertel des Stroms wird über die Strombörse am Spotmarkt gehandelt. Täglich schwankende Preise gleicht der Stromversorger dann selbst aus, der Kunde merkt nichts.

  • Die Sommerfrage: Mit Flip-Flops ans Steuer?

    Ach, Sommer! Endlich. Die Füße dürfen an die frische Luft. Im Schwimmbad, auf der Party, beim Camping, eigentlich überall laufen die Menschen in Flip-Flops rum, in diesen angesagten Sandalen. Und dann sollen nur schnell Brötchen oder anderer Kram geholt werden, darum schnell ins Auto gesprungen. – Stopp!

    „Flip-Flops sind völlig ungeeignet zum Autofahren.“ So warnt Friedrich Müller. Der Professor ist einer der wenigen, wenn nicht der einzige in Deutschland, der untersucht hat, wie sich mit Flip-Flops bremsen lässt, welche Risiken im Verkehr bestehen. Darum ein Anruf bei ihm.

    Die Frage taucht im Sommer schließlich immer wieder auf: Darf ich mit diesem nicht festen Schuhwerk Auto fahren?

    Immer heißt es dann: Es gibt kein Gesetz, dass es einem verbietet mit Schlappen, Clogs, hochhackigen Schuhen oder auch locker sitzenden Gummistiefeln zu fahren. Die Polizei wird also auch niemanden anhalten, um zu kontrollieren, welche Schuhe der oder die hinter dem Steuer eines Pkw trägt. Allerdings könne es aber sein, dass einem bei einem Unfall eine Teilschuld zugesprochen wird oder es Probleme mit der Versicherung gibt.

    Das bestätigt dieser Zeitung auch Kirstin Zeidler, die die Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft leitet und meint: „Um sich und andere nicht zu gefährden und Unfälle zu vermeiden, sollte man rutschsichere, feste Schuhe tragen, die auch bei harten Bremsmanövern Halt bieten.“

    Aber was passiert genau im Autoverkehr mit lose am Fuß sitzenden Schlappen? Diese Zehenstegnsandalen sind im Grunde eine uralte Erfindung. Den Prototypen gab es schon bei den alten Ägyptern. An das Auto dachte da noch niemand. Nur der Name Flip-Flop ist noch ziemlich neu, der dieses nun ja: fluffige Geräusch bezeichnen soll, welches entsteht, wenn sich die Plastiksohle beim Laufen vom Fuß löst. Er kommt aus den 1950 er Jahren. In Deutschland wurden die Gummilatschen dann vor allem hipp, als sich die Triathletin Stefanie Schulze 1997 den Begriff in der Schreibweise „Flip*Flop“ als deutsche Marke beim Marken- und Patentamt schützen ließ.

    Arbeitspsychologe Friedrich Müller erzählt zuerst von einer Studie aus den USA. Da seien 3.000 Unfallberichte durchgeschaut worden. In 9 Fällen habe der Unfall „gesichert mit dem Schuhwerk zusammengehangen.“ 9 von 3.000 – das mag sich für manchen nicht dramatisch anhören. Doch Müller erklärt: „Da besteht ein zu großes Risiko.“ Die oft bunten Dinger mit der Plastiksohle können sich leicht verhakeln zwischen den Pedalen. Aber das ist es nicht allein.

    Ein Fahrsimulator, ein VW-Golf, 40 Personen, 5400 Bremsmanöver, die eine Hälfte davon mit Flip-Flops, die andere mit fest geschlossenem Schuhwerk. Das war die Versuchsanordnung, die Müller am Institut für experimentelle Wirtschaftspsychologie, dem sogenannten LüneLab, an der Leuphana Universität Lüneburg aufgestellt hat. Das war schon vor acht Jahren. Doch die Ergebnisse hätten bis heute Bestand, sagt der Professor.

    Gemessen wurden unter anderem die Zeiten, wie lange es dauert, bis das Gaspedal entlastet und das Bremspedal gedrückt wurde – bei einer Ampel, die auf rot springt, bei einer, die auf gelb springt, und bei einem Kind, das plötzlich mit dem Skateboard auf der Straße auftaucht. Dabei zeigte sich „eindeutig“, sagt Müller: „Die Probanden mit Flip-Flops benötigten mehr Zeit zum Bremsen. In überraschend auftretenden Bremssituationen verlängerte sich der Bremsweg bei einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde im Schnitt um rund 2,5 Meter.“

    Fast die Hälfte der Latschen-Fahrer verfehlte mindestens einmal das Bremspedal, ein knappes Drittel rutschte mindestens einmal vom Pedal ab. Und 80 Prozent der Fahrer gaben an, dass sie sich beim Fahren mit Flip-Flops wesentlich unsicherer fühlten.

    Interessant ist der Auftraggeber, den Experte Müller für die Studie hatte: die unter anderem für Lkw-Fahrer zuständige Berufsgenossenschaft, die BG Verkehr. Nach den Unfallverhütungsvorschriften müssen Fahrer eines Lkw „den Fuß umschließendes Schuhwerk tragen“. Das wird durchaus kontrolliert, etwa von der Autobahnpolizei. Werden die Fahrer dann barfuß oder mit Flip-Flops erwischt, müssen sie ein Bußgeld zahlen.

    Einige Trucker, so erzählt Müller, hätten moniert, dass sie anders behandelt würden als Autofahrer, aber sicher nicht schlechter fahren würden. Und im Sommer sei es nun einmal heiß in den Fahrerkabinen. Also habe die BG Verkehr untersuchen lasse wollen, ob die feste Schuhwerk-Regel abgeschafft werden kann. Es gibt sie für Lkw-Fahrer bis heute.

    Kasten:
    Auf dem Rad?
    Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, rät auch auf dem Rad zu gut sitzenden Schuhen. Sie sagt: „Auch hier sollten die Füße immer in festen Schuhen mit kräftigen Sohlen stecken, um sicher mit Pedalen und Fahrradachse zu verbunden sein. Flip-Flops sind also die falsche Wahl, sie geben keine sichere Verbindung zu den Pedalen und man rutscht leicht ab.“

  • Bulgarien lockt

    Sommerurlaub in Schweiz am teuersten.

    Sonne, Sand, dem Alltag entfliehen: Fast drei Viertel der Bundesbürger zieht es im Sommerurlaub ins Ausland. Besonders beliebt sind Spanien, Italien und die skandinavischen Länder. Viele haben bereits die Unterkunft gebucht. Und fragen sich vielleicht, wie teuer der Restaurantbesuch in diesem Jahr wird. Genau lässt sich das wegen regionaler Unterschiede nicht sagen, aber Tendenzen gibt es schon. Vor allem Skandinavien und die Schweiz sind deutlich teurer als Deutschland.

    Das Statistische Bundesamt hat sich die Preise in ausgewählten Urlaubsländern angesehen. Wer noch nicht gebucht hat und genau rechnen muss, sollte danach Bulgarien oder Albanien wählen. Dort liegen die Preise für Hotels und Gaststätten 55 und 54 Prozent unterhalb des bundesdeutschen Niveaus. In der Schweiz sind es dagegen 49 Prozent mehr. Unterkunft und Essen gehen reißen auch in Dänemark (33 Prozent mehr), Norwegen (23) und Finnland (13) Löcher ins Budget. Einzig in Schweden liegen die Ausgaben für Kost und Logis kaum über denen in Deutschland.

    Frankreich, Österreich und Italien, ebenfalls beliebte Urlaubsziele sind etwas günstiger als in Deutschland. Spanien, der Deutschen liebstes Urlaubsziel, liegen die Preise demnach 26 Prozent unter denen hierzulande, in der Türkei sogar 41 Prozent. Die Statistiker errechneten Durchschnittswerte. Vor Ort kann ein Hotel nahe der Alhambra in spanischen Granada oder ein Restaurant in Palma auch deutlich teurer sein als die Tapas-Bar um die Ecke zu Hause. Ebenso bietet manch Italiener die Pizza in Deutschland vielleicht billiger als am Strand von Rimini oder an der Piazza Navona in Rom.

    Nun sind die Kosten für Unterkunft und Restaurantbesuche nicht alles. Und nicht jeder hat einen Pauschalurlaub all inclusive gebucht.  Viele Menschen entspannen im Ferienhaus und kochen selbst. Nach Zahlen der Weltbank wird es in der Schweiz, in Norwegen und Island dennoch teuer. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke kosten in der Schweiz im Schnitt 59 Prozent mehr als in Deutschland, in Norwegen sind es 43 Prozent, in Island noch 34 Prozent. Am günstigsten in Europa sind die Türkei und Polen. Die Zahlen stammen von 2021 und werden nur alle vier Jahre erhoben. Viel verändert hat sich an den Verhältnissen eher nicht.

    International an der Spitze liegen andere Länder: Wer auf den Kaimaninseln einkauft, muss theoretisch für dieselben Waren wie in Deutschland 77 Prozent mehr zahlen. Das Land in der Karibik ist allerdings weniger als Urlaubsziel bekannt, denn als Ort zahlreicher Briefkastenfirmen. Noch vor der Schweiz bei den Lebenshaltungskosten finden sich auch Bermuda und Südkorea. Am unteren Ende der Liste stehen Indien und Pakistan, wo der Einkauf im Schnitt etwa die Hälfte dessen kostet, was in Deutschland auszugeben wäre.

    Die Zahlen der Statistiker sind immer Durchschnittswerte, ermittelt anhand bestimmter Waren. Nicht alle Waren gibt es überall, Reis ist in Thailand allgegenwärtig, in Äthiopien aber nur schwer zu bekommen. Zudem muss nicht jeder Urlauber die hohen Preise merken. Es hängt immer davon ab, welche Produkte man selbst kauft. Möglicherweise wird es teurer, weil andere Produkte als zu Hause im Einkaufskorb landen. Ist schließlich Urlaub. Das ein oder andere Eis zusätzlich dürfte auch dabei sein.

    Einen recht guten Überblick, wie teuer es in welchen Ländern ist, gibt auch der Big-Mac-Index, den das britische Magazin „Economist“ seit Jahren erhebt. Der Burger der Fastfood-Kette McDonald’s ist praktisch überall auf der Welt zu bekommen – Ausnahmen sind unter anderem Russland, Nordkorea und Haiti. Die Preise werden jeweils in Dollar umgerechnet. Die Liste ist eindeutig: Am teuersten ist die Schweiz. Im Januar, als der Index zuletzt errechnet wurde, kostete dort der Mettklops im Brötchen im Schnitt 8,17 Dollar. Auf Platz 2 folgt Norwegen mit 7,14 Dollar und Uruguay mit 7,04 Dollar. In der Euro-Zone mussten 5,87 Dollar bezahlt werden.

    Nach dieser Liste bietet sich ein Urlaub in Ägypten (2,75), Südafrika (2,71) oder Indien (2,59) an. Am günstigsten ist es demnach in Taiwan mit 2,39 Dollar. Die Anreise auf die Insel vor der chinesischen Küste dürfte allerdings deutlich teurer sein als eine Fahrt in die Schweiz oder der Flug nach Mallorca.

  • Sicher zahlen im Ausland

    Was bei der Reisekasse im Urlaub zu bedenken ist

    Wandern auf den Lofoten, Baden in Antalya, Kultur in Rom: Diesen Sommer gehen die Bundesbürger wieder auf Reisen. Sehr viele beschäftigt die Frage, welche Kleidung in den Koffer kommt. Fast ebenso wichtig sind einige Gedanken zur Reisekasse, damit Eis, Eintritt und Essen bezahlt werden können und der Schaden bei Diebstahl gering bleibt.

    Was gehört in die Reisekasse?

    Wer innerhalb Europas verreist, kann meist mit seiner Girocard oder einer entsprechenden Debitkarte etwa von Mastercard oder Visa bezahlen oder Geld am Automaten abheben. Die Debitkarte, die das Geld direkt vom Konto abbucht, erkennt man am kleinen Schriftzug „Debit“ auf der Vor- oder Rückseite. Wer einen Leihwagen buchen, ein Hotelzimmer reservieren möchte oder Europa verlässt, sollte eine Kreditkarte dabei haben, die weltweit gültig ist. Die größten Anbieter sind die US-Firmen Mastercard und Visa. Kreditkarten tragen den Schriftzug „Credit“ auf Vor- oder Rückseite. Bei Kreditkarten sammelt der Anbieter die Ausgaben und bucht sie einmal im Monat vom Konto ab. Dafür garantiert er die Zahlungen. Manche Banken wie DKB und ING geben Debitkarten von Mastercard und Visa aus, die ähnlich aussehen wie Kreditkarten. Grundsätzlich sollte sich damit auch ein Auto mieten lassen, allerdings akzeptieren nicht alle Firmen diese Debitkarten.

    Was ist mit meiner EC-Karte?

    Was die Deutschen gemeinhin als EC-Karte bezeichnen, heißt offiziell Girocard. Sie ist eine Debitkarte der deutschen Banken und Sparkassen. Sie gilt in Deutschland, ist dank einer Zusammenarbeit mit Mastercard (Maestro) oder Visa (V-Pay) auch international einsetzbar.

    Und Reiseschecks?

    Mit Travelers Cheques konnten Reisende im Ausland bezahlen, ohne Bargeld in der Landeswährung mitzunehmen. Das umfangreichste Programm dieser Art hatte das US-Kreditkartenunternehmen American Express. Neue Schecks stellt es seit 2015 nicht mehr aus, löst aber immer noch alte ein. In manchen Ländern lässt sich mit den Schecks noch heute bezahlen. Nötig ist das nicht mehr, Karten- oder mobile Zahlung hat die Schecks überflüssig gemacht.

    Lässt sich jede Karte im Ausland nutzen?

    Nicht alle Karten sind freigeschaltet, um sie außerhalb Deutschlands zu nutzen. Manche Banken setzen das Auslandslimit aus Sicherheitsgründen auf null, wie es beim Bankenverband heißt. Dann lässt sich schon bei den EU-Nachbarn weder bezahlen noch Geld abheben. Das kann auch für Bezahlen mit dem Mobiltelefon gelten, wenn dort eine digitale Karte hinterlegt ist. Das Limit lässt sich meist im Online-Banking anheben. Sonst hilft jemand in einer Filiale.

    Wie sicher ist Kartenzahlung im Ausland?

    „Kartenzahlung im Ausland ist sicherer als Bargeld“, sagt Kerstin Backofen von Finanztest. Diebe können mit einer Karte oft weniger anfangen als mit Bargeld. Und sie lässt sich schnell sperren. Der Schaden ist da meist geringer. Zudem haben vor allem Kreditkartenunternehmen interne Kontrollmechanismen. Wird eine Karte zum Beispiel im dänischen Aarhus und eine Stunde später im mexikanischen Acapulco benutzt, könnte eine extra Sicherheitsabfrage nötig sein oder die Karte gesperrt werden. Schließlich kann niemand in so kurzer Zeit an zwei so weit voneinander gelegenen Orten sein. „Man kann die eigene Bank vor einer Reise zum Beispiel außerhalb Europas informieren. Das verhindert, dass die Karte gesperrt wird, weil das Abrechnungssystem die Urlaubsausgaben als verdächtig betrachtet, weil sie bisher nie im Reiseland eingesetzt wurde“, sagt Backofen.

    Wie wichtig ist Bargeld?

    In kaum einem Land halten die Menschen so sehr am Bargeld fest wie in Deutschland. In vielen Ländern Europas lässt sich ganz ohne Scheine und Münzen reisen. Vor allem in Skandinavien zücken die meisten Karte oder Mobiltelefon, um zu bezahlen, selbst wenn es nur ein Brötchen oder eine Postkarte ist. Auch in Frankreich, Großbritannien, den USA ist die Karte das Maß der Dinge. Wer Trinkgeld geben will, kann das meist am Bezahlterminal einstellen.

    Lohnt es sich, ausländisches Bargeld schon in Deutschland zu tauschen?

    Wer schon am ersten Tag Geld in der Landeswährung haben möchte, um etwa ein Taxi vom Flughafen zu bezahlen, und nicht auf Kartenzahlung vertraut, kann bereits in Deutschland Geld tauschen. Meist muss das vorher bei der Bank bestellt werden. Und es werden in der Regel Gebühren fällig. Getauscht werden kann auch in Wechselstuben zum Beispiel direkt am Flughafen. Wer dort Landeswährung gegen Euro haben will, „sollte sich vorher über die aktuellen Tauschkurse informieren, etwa auf Übersichtsportalen im Internet“, sagt Backofen. „Sonst kann es teuer werden.“ Der Bankenverband bietet im Internet einen Umrechner für 160 Währungen an. Am kostengünstigsten ist es nach Angaben des Verbands meistens, Bargeld am Urlaubsort am Automaten zu ziehen. Auch hier werden aber in der Regel Gebühren fällig. Manche Banken oder Sparkassen bieten allerdings Karten an, mit denen sich im Ausland kostenlos Geld abheben lässt.

    Der Geldautomat oder das Bezahlterminal bieten an, das Geld in Euro oder in der Landeswährung vom Konto abzubuchen. Was rechnet sich für mich?

    Es sieht praktisch aus, auch in Dänemark, Großbritannien oder der Türkei am Terminal mit Euro zu rechnen, kostet allerdings auch extra. „Wer am Automaten im Ausland Geld abhebt, sollte immer die Abrechnung in der jeweiligen Fremdwährung wählen, also zum Beispiel Pfund oder Dänische Krone“, sagt Backofen. „Die Hausbank hat in der Regel einen besseren Umrechnungskurs als die Bank, die den Geldautomaten betreibt.“ Auch der Bankenverband empfiehlt, in der jeweiligen Landeswährung abzurechnen.

    Was sind Fremdwährungsgebühren?

    Beim Einsatz der Kreditkarte in Ländern, die nicht den Euro haben, wird oft eine Fremdwährungsgebühr fällig. Sie liegt zwischen einem und zwei Prozent des bezahlten Preises und soll die Umrechnungskosten abdecken. Manch Kreditinstitut bietet auch Kreditkarten ohne solche Gebühren an. Ein Vergleich lohnt sich vor einer größeren Reise.

    Was sollte sonst beachtet werden?

    „Es empfiehlt sich, Kopien aller Karten und anderer wichtiger Dokumente dabeizuhaben und auch eine Kopie zu Hause zu lassen“, sagt Backofen von Finanztest. „Im Notfall hat man dann noch Zugriff auf wichtige Daten wie die Konto- oder Passnummer.“ Der Bankenverband empfiehlt, sich die Telefonnummern zu notieren, mit denen sich die Karten sperren lassen. So lässt sich schnell reagieren, wenn das Portemonnaie gestohlen oder verloren wurde. Wichtig: Wer mit dem Mobiltelefon bezahlt, muss daran denken, die hinterlegte Karte zu sperren, sollte das Gerät gestohlen werden. Die zentrale Sperrnummer lautet +49 116 116. Sie ist rund um die Uhr besetzt. Allerdings sind nicht alle Banken oder Sparkassen angeschlossen. Manche haben eine eigene Sperrnummer. Im SOS-Infopass sind die wesentlichen Daten zusammengefasst.

    SOS-Infopass: https://www.kartensicherheit.de/oeffentlich/meine-kartensicherheit/karte-sperren/sos-infopass.html

    Währungsrechner: https://bankenverband.de/service/waehrungsrechner/

  • Kampfdrohne aus deutscher Fertigung

    Airbus stellt eigenes Konzept Wingman vor

    Airbus schafft den Kampfpiloten ab. Zumindest arbeitet die Verteidigungssparte des Konzerns an einer Drohne, die auch für die deutsche Luftwaffe im Einsatz sein könnte – als Aufklärer oder bestückt mit Raketen. Der Wingman soll bereits in wenigen Jahren abheben. Noch ist das Projekt in einer frühen Phase. Auf der Internationalen Luftfahrtausstellung ILA in Berlin ist erstmals ein Designmodell in Originalgröße zu sehen.

    „Das Unbemannte bekommt immer mehr Gewicht“, sagt Michael Schoellhorn, Chef von Airbus Defence and Space, der Militär- und Raumfahrtsparte des Airbus-Konzerns. Im Ukraine-Krieg sind Drohnen sowohl auf Seiten des Angreifers Russland als auch bei den Verteidigern im Einsatz. Russland stützt sich dabei unter anderem auf Fluggerät aus dem Iran. Die Ukraine wehrt sich mit teils selbstgebauten Kleindrohnen.

    Mit solchem Fluggerät hat die geplante Airbus-Drohne wenig zu tun. Die Designstudie ähnelt einem Kampfjet. Wie bei solchen Studien üblich, kann das Serienprodukt später abweichen – bei Aussehen und Funktionen – je nachdem, was Kunden sich wünschen.

    Ein Wingman ist ein Begriff aus der militärischen Luftfahrt. Er bezeichnet den Piloten eines Kampfflugzeugs, der den führenden Piloten mit seinem Kampfflugzeug schützt und unterstützt. „Das ist ein unbemannter Begleiter für bemannte Kampfjets“, sagt Marco Gumbrecht, zuständig für Luftkampfsysteme bei Airbus Defence and Space. Er soll die Einsätze unterstützen, zum Beispiel aufklären, also etwa Bilddaten der feindlichen Linien beschaffen. Die Drohne kann auch mit Lenkwaffen oder Raketen bestückt werden und Ziele in der Luft oder am Boden angreifen.

    Das Fluggerät wird nach den Plänen etwa 15 Meter lang sein und hat eine Spannweite von zwölf Metern. Die Drohne soll zwischen neun und zehn Tonnen wiegen. Vorgesehen ist eine Tarnkappenfunktion. Überschallgeschwindigkeit wie bei einem Kampfjet ist möglich. Die Drohne ähnelt einem Kampfflugzeug wie dem Eurofighter, der knapp 16 Meter lang und dessen Flügel sich etwa elf Meter spannen. Auch über eine ähnliche Traglast wird nachgedacht.

    Insgesamt soll die Drohne sehr autonom sein. Entsprechend kompliziert ist es, sie mit einem Kampfjet zu vernetzen. Zudem fliegt die Luftwaffe nicht nur mit Eurofightern, sondern auch mit amerikanischen F-35. Die Drohne muss jeden Typ „verstehen“. Das Komplexe sei nicht so sehr der Bau des Fluggeräts, sagt Gumbrecht, sondern die Software. Anfang der 2030er Jahre soll Wingman bereits einsatzfähig sein. Ambitioniert, aber aus Sicht der Verteidigungssparte von Airbus möglich.

    Airbus Defence and Space muss das Fluggerät nicht komplett neu erfinden. „Wir bauen auf vergangene Projekte auf“, sagt Schoellhorn. Er nennt unter anderem die militärische Forschungsdrohne Barracuda und die eigene Forschung zur Stealth-Technik, die ein Flugzeug möglichst unsichtbar machen soll. Entwickelt wird Wingman derzeit an den Standorten Manching und Ottobrunn in Bayern. Sehr wahrscheinlich werden andere deutsche Rüstungsunternehmen mit eingebunden, schließlich hat Airbus nicht in allen Gebieten Expertise. Gespräche laufen offenbar bereits.

    Bisher steckt Airbus Defence and Space vor allem eigenes Geld in das Projekt. „Solch eine Studie kostet noch nicht viel“, sagt Chef Schoellhorn. Er sprach von einer Summe „im unteren zweistelligen Millionenbereich“. Wenn es dann weitergehe, werde es teurer, je nachdem, was man alles einbaue. Und das hängt letztlich von den Kunden ab. Die Summe ist für die Verteidigungssparte von Airbus übersichtlich. Die Sparte setzte 2023 11,5 Milliarden Euro um.

    Gesprochen wird mit Deutschland, also der Luftwaffe als Kunden, und mit Spanien. Unklar ist noch, was die Drohne kosten soll. „Sie muss billiger sein als ein Kampfflugzeug“, sagt Gumbrecht. Es sei aber nicht als Wegwerfprodukt für eine Million Euro angelegt. Konkurrenz gibt es auch. Israel hat mit Heron bereits eine Kampfdrohne im Einsatz. Dassault entwickelt für Frankreich eine eigene Drohne. Und in den USA wird ohnehin an unbemannten Kampffliegern gearbeitet.

  • Wo die Energiewende befeuert wird

    In Österreich laufen erste Wasserstoffprojekte

    So sieht also ein Industrievorzeigeprojekt aus. Weißer Kies auf 30 mal 50 Metern, einige weiße Container, ein Zaun. Drumherum wogt sanft Weizen, dahinten steht ein Storch. Der Blick ginge bis zu den Alpen, regnete es nicht gerade. Stefan Bauer zeigt auf die Container: links der Elektrolyseur, der Wasserstoff erzeugen soll; in der Mitte der Verdichter, der den Druck des Gas erhöht; und etwa 1000 Meter unter der Oberfläche der Gasspeicher, randvoll mit Wasserstoff. „Und da drüben geht die Pipeline raus“, sagt er.

    Bauer leitet den Bereich Green Gas Technology bei RAG Austria. Das Unternehmen, früher zuständig für Gas- und Ölförderung in Österreich, betreibt derzeit zehn ehemalige Gaslagerstätten als Speicher, darunter diesen hier in Rubensdorf, gut 40 Kilometer nordöstlich von Salzburg, an dem Bauer gerade steht. Und es ist weltweit vorn dabei, wenn es um Wasserstoff geht. Das Gas soll die Energiewende vor allem in der Industrie befeuern. Es verbrennt CO2-frei, könnte also fossiles Gas oder Öl ersetzen.

    Weltweit arbeiten deshalb Regierungen und Unternehmen daran, auf Wasserstoff umzustellen. Passiert ist aber bisher wenig. Die Bundesregierung etwa hat eine nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet. Die Industrie will Deutschland mit einem Netz besonderer Pipelines überziehen. Sehr viel Papier, sehr viele Ideen, bisher wenig Konkretes. Unklar ist vor allem, wo die riesigen Mengen Wasserstoff herkommen sollen, die nötig sind.

    Wer Projekte im Industriemaßstab sehen möchte, muss derzeit nach Oberösterreich, wie Timm Kehler, Chef des deutschen Gasverbands Zukunft Gas, sagt. „Wir haben da eine Führungsrolle weltweit“, formuliert es Bauer, während sanft der Regen auf Felder und Container rieselt. Delegationen aus aller Welt waren bereits hier, um sich die Anlage anzusehen.

    Bereits seit 2013 beschäftigt sich RAG Austria intensiv mit Wasserstoff. Im Sommer stehe sehr viel Solarstrom bereit, es werde aber wenig Strom gebraucht. Im Winter gebe es viel Bedarf, aber wenig Angebot, sagt Firmenchef Markus Mitteregger. „Wir brauchen den Wasserstoff also, um die Energie aus dem Sommer zu speichern.“ Und deshalb forscht sein Unternehmen jetzt an der CO2-freien Zukunft. Die Idee des Projekts: Der Elektrolyseur nutzt den Solarstrom, um aus Wasser Wasserstoff und Sauerstoff herzustellen. Der Wasserstoff wird im porösen Sandstein gespeichert und bei Bedarf in Strom und Wärme gewandelt.

    Die Pipeline verläuft acht Kilometern unter Feldern hindurch und mündet im RAG-Standort Puchkirchen praktisch in einen weiteren Standardcontainer, diesmal in grau. Im Innern schimmert ein riesiger Zwölf-Zylinder-Motor nebst Generator. Die Anlage, die Wasserstoff verbrennt, hat ein Megawatt Leistung, in dieser Größe einzigartig in Europa, wie Andreas Kunz sagt, Technikvorstand des österreichischen Motorenbauers Innio. Ein weiteres dieser Blockheizkraftwerke steht in Südkorea. Läuft es eine Stunde, könnte es ein Mehrfamilienhaus drei Monate mit Strom und Wärme versorgen.

    Rund 15 Millionen Euro staatliches Fördergeld sind bisher in das Projekt geflossen, vor allem um zu klären, wie gut sich das Gas im Boden speichern lässt. Inzwischen fördert die EU das Projekt bis 2029. In den nächsten Wochen sollen auch der Elektrolyseur, der Wasserstoff aus Wasser gewinnt, und Blockheizkraftwerk in Betrieb genommen werden. Und dann wird getestet, ob sich die Idee als praxistauglich erweist.

    44 Kilometer Luftlinie experimentiert RAG Austria mit einer anderen Art, Wasserstoff zu erzeugen: Methan-Pyrolyse. Jens Hanke öffnet die Front eines – weißen – Containers. Darin liegen zwei silbrige Zylinder übereinander, Magnetspulen, jede Menge Rohre – zwei Plasmalyseure. Im Container neben an ist noch ein dritter eingebaut. „Die Anlage ist weltweit einmalig“, sagt Hanke, Chef der Berliner Ingenieursfirma Graforce, die die Geräte entwickelt hat. Sie spalten Erdgas – Methan – mittels Lichtbogen in Wasserstoff und Kohlenstoff.

    Die weißen Container stehen in Krift bei Kremsmünster. Ein leichter Ölgeruch erinnert daran, dass das hier ein Ölstandort von RAG Austria ist. Rundherum fangen Solarflächen Sonne ein. Mit dem Strom wird in den Reaktoren ein Lichtbogen oder Plasma erzeugt. Dadurch wird das Erdgas geblasen, dass dann zerfällt. Vier Kilogramm Methan bringen ein Kilo Wasserstoff und drei Kilo Kohlenstoff. Insgesamt schafft die Anlage 50 Kilo Wasserstoff pro Stunde. Das Gas läuft über eine Leitung zum Blockheizkraftwerk, einem weiteren Container, etwa 200 Meter entfernt, das Strom und Wärme für den Standort liefert.

    Die Anlage läuft seit Ende September 2023. Der harte Testbetrieb soll in wenigen Wochen beginnen. Die RAG Austria freut sich bereits jetzt über internationales Interesse. Gerade war eine Delegation aus Thailand da und hat sich den Plasmalyseur zeigen lassen.

    Und der Kohlenstoff? Das schwarze Pulver wird per Lastwagen abtransportiert. RAG Austria arbeitet mit einem Düngerhersteller zusammen. „Kohlenstoff“, sagt Markus Krainz, Leiter RAG Energy Valley und verantwortlich für das Projekt, „kann die Qualität eines Bodens deutlich verbessern.“ Auch Zement- und Stahlindustrie hätten Interesse an dem schwarzen Material bekundet. „Ob sich das durchsetzt“, sagt Krainz, „wird in zehn Jahren der Markt entscheiden.“ Aber sie sind ziemlich zuversichtlich.

  • Wo die Gläschen gefüllt werden

    Zum 125. Geburtstag gewährt Hipp einen Blick hinter die Kulissen

    In der Luft hängt ein Hauch von Möhre. Auch wenn die Mitarbeiter in weißen Kitteln und Haarnetzen gerade die Edelstahlanlage abspritzen, ist klar, was hier vor kurzem noch in den Riesentöpfen gekocht hat und dann durch die Rohre zur Abfüllung gepumpt wurde. Stefan Hipp ist bereits durch die nächste Tür, steigt eine Treppe hoch, um die Ecke – diesmal riecht es nach Apfel. Hipp, Chef der gleichnamigen Firma, Biopionier nicht nur bei Babykost, hält inne, atmet tief ein.

    Generationen von deutschen Kindern sind mit den Produkten von Hipp aufgewachsen – Gläschen mit Möhrenbrei oder Apfelmus, die hier im Werk im beschaulichen Pfaffenhofen nördlich Münchens vom Band laufen. Normalerweise sind die Türen geschlossen, aber zum 125. Geburtstag des Familienunternehmens macht Stefan Hipp eine Ausnahme. Bevor es in das größte der fünf Werke geht, müssen Hände und Schuhe desinfiziert, saubere Kittel angezogen werden.

    Hipp ist hier schon als Kind durchgelaufen, dem Besucher kommt alles etwas labyrinthisch vor. Aber das Werk folgt einem optimalen Produktionsfluss – von der Anlieferung der Rohware bis zu den fertigen Gläschen, in Kartons zusammengestellt und auf Paletten gestapelt. Und während am Anfang noch teilweise von Hand abgewogen wird, läuft spätestens nach dem Kochen in Töpfen mit zwei Metern Durchmesser alles vollautomatisch. Etwa 1000 Beschäftigte arbeiten in drei Schichten, sieben Tage die Woche.

    Wichtig ist, dass die Bioqualität, die vorn angeliefert wird, hinten im Gläschen drin ist – auch im industriellen Maßstab. Hipp spricht viel über Anbau, Vorgaben, aufwändige Kontrollen in eigenen Laboren. Das Unternehmen spürt, dass sich weltweit etwas wandelt. „Es ist schwieriger als noch vor 20 Jahren, heute die hohe Qualität in der erforderlichen Menge zu bekommen“, stellt Hipp fest. „Das Klima hat sich geändert, die Böden und damit die Grundlagen, wie die Landwirte produzieren.“ Er merkt das selbst auf seinem Gut im Osten Polens, das er seit Jahren vom konventionellen zum Bio-Vorzeigebetrieb umbaut. So lässt sich mit Hipp auch nicht nur über optimierte Produktion und Kreislaufwirtschaft reden, sondern auch über die richtige Kompostierung von Mist. Und natürlich beliefert Hipp auch Hipp.

    Der Chef führt vorbei an Säcken mit Dinkel, mit Reis. Er öffnet eine weitere Tür. Riecht das nach Thymian und Oregano? Fleisch mit Tomate und Kräutern, vermutet Hipp. Auch hier Edelstahl überall, Waagen, Kästen, Rohre, Riesentöpfe. In einer Ecke steht ein Fleischwolf in Schrankkofferformat, bereits gereinigt und vorbereitet für die nächste Schicht. Der Firmenchef strebt einen Gang entlang.

    Begonnen hat alles am Marktplatz von Pfaffenhofen, wo Joseph Hipp in seiner Bäckerei Ende des 19. Jahrhunderts ein Zwiebackmehl entwickelt. Mit Milch gekocht, ist es als Zusatznahrung für seine erste Tochter Marianne gedacht. Auch andere wollen bald J. Hipps Kinder-Zwieback-Mehl kaufen. Sohn Georg erfindet das Gläschen, setzt als erster auf bio, bevor Enkel Claus das Unternehmen groß und mit Fernsehwerbung bekannt macht. Inzwischen hat er sich zurückgezogen. Die Firma gehört seinen Kindern Stefan und Sebastian.

    „Als wir in den 50er Jahren mit der Biokost angefangen haben, gab es keine Vorschriften, was Bio ist“, sagt der Firmenchef. „Wir haben eigene entwickelt, damit die Bauern wussten, was wir darunter verstehen.“ Und auch heute sind die Vorgaben für die Landwirte streng, teilweise strenger als die der EU – zu Produktqualität und Saatgut, zu Bodenqualität, Tierhaltung und Blühstreifen sowie Hecken, um die Artenvielfalt zu fördern. Wichtig ist Hipp auch, die rund 8000 Landwirte weltweit, die zuliefern, gut zu kennen und langfristig zu binden. „Heute arbeite ich mit jemandem zusammen, dessen Großvater schon mit meinem Großvater gearbeitet hat“, sagt er.

    Überhaupt Tradition: Das heutige Logo mit den vier Farben und den Herzen stammt von 1969. Es ist praktisch unverändert auf allen Produkten des Unternehmens zu sehen, ob sie in Europa, dem Nahen Osten oder im wachsenden asiatischen Markt in den Regalen stehen. Hipp liefert in mehr als 60 Länder, nicht nur Gläschen, die gut 40 Prozent des Geschäfts ausmachen, auch Milchprodukte für Babys, die aus dem Werk im nordrhein-westfälischen Herford kommen, Quetschbeutel, natürliche Sondennahrung für Menschen, die künstlich ernährt werden müssen, und Kosmetik.

    Die Geschäfte laufen, mit mehr als 3000 Mitarbeitern setzt das Familienunternehmen rund eine Milliarde Euro um. Über den Gewinn schweigt sich Hipp aus. Ein Selbstläufer sind die Gläschen nicht. „Der Markt ist herausfordernd“, sagt der Chef. Die Kosten für Energie, Verpackung und Rohstoffe seien enorm gestiegen, gleichzeitig sparten die Menschen. Und: „Die sinkende Geburtenrate in manchen Ländern macht uns zu schaffen“, sagt Hipp. Das betrifft vor allem die Babykost. „Den Umsatz halten wir stabil, weil anderes Geschäft wächst.“ Auf jeden Fall legt der Biomarkt zu.

    Dass Bioprodukte teuer sind, findet er nicht. Die anderen sind zu billig. „Der Regalpreis konventioneller Lebensmittel berücksichtigt nicht alle Kosten“, sagt er. „Für die Schäden wie zum Beispiel die Trinkwasserverunreinigung kommt der Steuerzahler auf.“ Hipp versucht, es anders zu machen, nicht nur mit den Anbauvorgaben. Die Firma setzt, wenn möglich, auf kurze Transportwege, Recyclingglas. Das neue Parkhaus ist mit Baumstämmen verkleidet, oben gibt es ein Storchennest. Und auf dem Dach des Werks nistet ein Falke als natürliche Taubenabwehr.

    Größter Markt für Hipp ist Deutschland, gefolgt von Polen und Italien. Die Geschmäcker unterscheiden sich etwas. Eltern in Deutschland greifen am liebsten zu Gläschen mit Milchreis oder Spaghetti Bolognese. Italiener mögen Kaninchen, Franzosen Fisch, Briten eher Lamm und Polen zum Beispiel Borschtschsuppe.

    Hinter der nächsten Tür rauscht es, so laut, dass Gespräche kaum möglich sind. Bänder überall, ein Gewirr von Stegen in Edelstahl, von Kabeln und Leitungen. Und es ist warm, die Öfen, in denen die Gläschen sterilisiert werden, strahlen Hitze ab. Die Anlage hier befüllt die Gläschen, verschließt sie, ein steter Strom Apfel. Weiter hinten greifen Roboterarme zu. An der letzten Station warten die vollen Paletten auf den Abtransport. Insgesamt verlassen täglich eine Million Gläschen das Werk. Die letzte Tür fällt hinter Stefan Hipp zu. Draußen zwitschern die Vögel.

  • Die Tricks der Passwort-Angler

    Kontodaten ködern: Was Sie zu Phishing wissen müssen

    Netflix informiert über eine blockierte Zahlung, die Postbank hat das Konto aus Sicherheitsgründen deaktiviert und Paypal will die Sicherheitsbestimmungen aktualisieren. Alle drei Mails der vergangenen Wochen haben eins gemeinsam: Sie sind gefälscht und wollen an die Kontodaten der Empfänger. Ein kleiner Leitfaden zum Phishing.

    Was ist Phishing?

    Der Begriff steht für eine besondere Form von Kriminalität im Internet. Er ist zusammengesetzt aus den englischen Worten „password“ und „fishing“ – Passwort angeln. Kriminelle versuchen, mit E-Mails, SMS oder etwa Whatsapp-Nachrichten Zugangsdaten zum Beispiel zu Bankkonten zu bekommen und dann dort Geld zu stehlen. Oft werden die Daten auch weiterverkauft.

    Wie gehen die Täter vor?

    Es gibt verschiedene Tricks. Der Klassiker ist eine E-Mail, die aussieht, als komme sie von einer Bank. Vermeintliche Absender können auch ein Paketdienst sein, ein Streamingdienst oder ein Hotelbuchungsportal. In der Mail wird auf einen Fehler hingewiesen, etwa bei der Buchung oder beim Bankzugang, und gebeten, einen Link anzuklicken. Oder der Empfänger wird aufgefordert, die TAN-Liste des Kontos zu aktualisieren oder eine Buchung zu stornieren. Der Link führt dann auf eine Internetseite, die täuschend echt aussieht, aber gefälscht ist. Wer hier die Bankzugangsdaten eingibt, meldet sich dann nicht bei seinem Konto an, sondern liefert den Kriminellen die Informationen. Nachrichten, die auf gefälschte Seiten verweisen, können auch bei Facebook, X (vormals Twitter), Whatsapp oder einem anderen Kurznachrichtenportal versandt werden.

    Neu sind QR-Codes in Mails oder Nachrichten. Das QR steht für quick response, schnelle Antwort. Der Begleittext fordert auf, den Code mit dem Mobiltelefon zu scannen, um zum Beispiel eine Rechnung zu öffnen oder schnell auf das Konto zuzugreifen. Auch dieser Code führt auf eine gefälschte Seite.

    Woran erkennt man ein gefälschtes Schreiben?

    Wer kein Kunde des Unternehmens ist, das die Mail angeblich geschickt hat, wird sie sofort als falsch erkennen und löschen. Andere gefälschte Schreiben entlarven sich durch Kleinigkeiten im Absender, etwa wenn die Mail vom Karrierenetzwerk LinkedIn kommen soll, im Absender aber als Linked-in auftaucht. Auch der angegebene Link kann Hinweise geben. Wer mit der Maus drüberfährt, ohne zu klicken, sieht die dahinterliegende Internetadresse angezeigt. Bei Vijsa.com statt Visa.com sollte man vorsichtig sein. Gleiches gilt für ergänzte Adressen wie Paypal-zahlen.de. Gefälschte Nachrichten verraten sich auch durch allgemeine Anreden sowie Schreib- oder Grammatikfehler, wobei die Täter inzwischen Programme nutzen, um ihre Mails oder Nachrichten echter aussehen zu lassen. Der Bankenverband rät, ein digitales Schreiben mit anderen zu vergleichen, die man bereits bekommen hat. Außerdem nutzen vor allem Banken und Sparkassen üblicherweise keine SMS oder Mails, um ihre Kunden anzusprechen oder gar nach sensiblen Daten zu fragen. Ist der Absender unbekannt, empfiehlt es sich grundsätzlich, skeptisch zu sein. Im Phishing-Radar der Verbraucherzentralen sind zudem viele der neuesten Tricks aufgeführt.

    Wie kann man sich schützen?

    Grundsätzlich sollten Sie Passwörter und Zugangsdaten nie für mehrere Webseiten gleichzeitig verwenden. Sonst haben Täter bei erfolgreichem Phishing möglicherweise noch mehr Zugriff. Haben Sie merkwürdige Post erhalten, bewahren Sie Ruhe, auch wenn die Mail oder Nachricht eine Frist setzt oder drängt, sofort zu handeln. Fragen Sie sich: Habe ich gerade etwas gebucht? Ein Paket über den Paketversender bestellt? Erwarte ich Post von der Bank? Melden Sie sich bei einem Buchungsportal oder Kreditinstitut grundsätzlich über den Weg im Internet an, den Sie sonst auch nutzen: Tippen Sie die Adresse im Browser ein, nutzen Sie die App oder Lesezeichen. Sie halten den Absender für unseriös? Dann kontaktieren Sie das Unternehmen, von dem Mail oder SMS stammen sollen, direkt etwa per Telefon. Klicken Sie nicht auf den Link. Antworten Sie nicht.

    Ich habe auf den Link geklickt. Was nun?

    Es kann sein, dass Sie sich jetzt ein Schadprogramm eingefangen haben, dass den Rechner nach Passworten scannt. Sie sollten das Antivirenprogramm, das Sie nutzen aktualisieren und laufen lassen. Suchen Sie im Zweifel professionellen Rat.

    Ich habe meine Daten eingegeben. Was tue ich?

    Informieren Sie Ihr Kreditinstitut und sperren Sie sofort das betroffene Konto und die dazugehörigen Karten. Lassen Sie ein aktualisiertes Antivirenprogramm laufen. Ändern Sie auch die Online-Zugangsdaten bei anderen Banken, Streamingdiensten oder dort, wo Sie sich sonst noch anmelden. Nutzen Sie am besten einen anderen Rechner dafür. Stellen Sie Strafanzeige und löschen Sie die Mail oder Nachricht, auf die Sie hereingefallen sind, nicht. Sie ist ein Beweismittel.

    Wie hoch ist der Schaden?

    Die internationale Anti-Phishing-Initiative APWG hat 2023 rund fünf Millionen Phishing-Angriffe verzeichnet. 2022 waren es 4,7 Millionen. Tendenz deutlich steigend. Wie hoch die Schäden beim Verbraucher sind, ist nicht genau erfasst. Der durchschnittliche Schaden im vierten Quartal 2023 Phishing über Geschäftsmails betrug nach Zahlen des Sicherheitsunternehmens Forta im Schnitt rund 56.200 Dollar (52.000 Euro). Ein Quartal zuvor war es doppelt so viel.

    Phishing-Radar der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: https://www.vz-nrw.de/phishing

    Link zum BSI: https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Cyber-Sicherheitslage/Methoden-der-Cyber-Kriminalitaet/Spam-Phishing-Co/Passwortdiebstahl-durch-Phishing/Wie-erkenne-ich-Phishing-in-E-Mails-und-auf-Webseiten/wie-erkenne-ich-phishing-in-e-mails-und-auf-webseiten_node.html

  • Die letzte Fahrt des Atommülls

    Finnland testet im August das erste Endlager der Welt. Besuch 450 Meter tief im Gestein.

    Die letzte Fahrt des Atommülls

    Es ist trocken hier unten, bei dauerhaft elf Grad. Obwohl die Lüftung brummt, riecht es leicht nach Abgasen der schweren Maschinen. Während die Wände der Haupttunnel mit Stahlnetz und grauem Beton verkleidet sind, tritt hier im Seitentunnel das rohe Gestein hervor, 1,9 Millionen Jahre alt. Am Boden sind im Licht der Leuchtstoffröhren etwa alle acht Meter grüne Kreuze zu sehen. Jedes markiert die Stelle für ein Loch, in dem vermutlich 2025 ein Behälter mit Atommüll versenkt wird. Denn was wie ein Bergwerk aussieht, ist das bisher einzige Endlager der Welt: Onkalo.

    Knapp 450 Meter höher strahlt die Mai-Sonne auf das Gelände des finnischen Betreiberunternehmens Posiva. Rundherum drei Meter hohe Sicherheitszäune in zwei Reihen, an der Spitze Stacheldraht. Dahinter jenseits der Straße zum Atomkraftwerk Olkiluoto Birken, Fichten, Kiefern. Lynxe sollen herumstreifen, Elche, sogar Wölfe, die übliche finnische Natur an der Westküste. Das Besondere hier ist neben dem Tunnelsystem das verschachtelte graue Gebäude, auf das Pasi Tuohimaa zeigt. „Weltweit einmalig“, sagt er. Eine Fabrik, in der Atommüll endgültig eingedost wird.

    Tuohimaa ist Kommunikationschef von Posiva und schon wegen seiner Funktion äußerst überzeugt. „Uran stammt aus Stein, wir geben es dem Stein zurück“, zitiert er einen Werbespruch des Unternehmens. Und: „Wir haben eine Lösung für das Atommüllproblem.“ Was stimmt. Kein anderes Land der Welt ist annähernd so weit wie Finnland. In Deutschland etwa dauert es bis mindestens 2046, bis ein geeigneter Standort gefunden ist, eher länger.

    Derzeit lagert Finnlands hochradioaktiver Atommüll neben den Kraftwerken: nahe Lovissa, gut 80 Kilometer östlich von Helsinki, und eben in Olkiluoto, gut 230 Kilometer nordwestlich der finnischen Hauptstadt. Hier gibt es unterirdische Becken, in denen die gebrauchten Brennstäbe in Behältern auf das Endlager warten. Wohl im kommenden sollen die ersten dieser Behälter in das graue Gebäude wechseln.

    Dort werden sie geöffnet, die Stäbe herausgenommen, getrocknet, in einen neuen Stahlbehälter gesteckt, der in eine etwa sechs Meter lange Kapsel aus mehreren Zentimetern dickem Kupfer geschoben wird. Sie wird mit einem Deckel verschlossen und zugeschweißt. Der Vorgang dauert je Kapsel etwa eine Woche. Alles läuft vollautomatisch, die inneren Räume sind geschützt wie die Reaktorkammer eines Atomkraftwerks. Von dort aus geht es dann mit einem Aufzug ins Endlager. Der Testlauf noch ohne radioaktives Material ist für August geplant.

    Seit Anfang der Achtziger Jahre hat Finnland einen Standort gesucht. 150 Plätze schienen geeignet. Zuletzt stritten nur noch die beiden Gemeinden mit den Akw um Onkalo. Unter anderem ging es um Arbeitsplätze und das Geld, das das Endlager mit sich bringt. Bisher hat Posiva rund eine Milliarde Euro investiert. Die jährlichen Betriebskosten schätzt das Unternehmen auf 40 Millionen Euro. Das alles zahlt ein staatlich verwalteter Fonds, in den die Atomenergieunternehmen seit dem Start der Stromproduktion eingezahlt haben. Letztlich entschied sich der Staat für Olkiluoto. 2003 begann der Bau,. Die Lagerlizenz erwartet Posiva noch in diesem Jahr.

    Ingenieurin Marianna Hanni steigt in den Personenaufzug, drückt einen Knopf und es geht abwärts – von plus 13 auf minus 433 Meter in knapp einer Minute. Unten geht es durch zwei weiß gestrichene Räume vorbei an der Cafeteria. Hanni ist eine der rund 90 Mitarbeiter von Posiva. Sie öffnet eine weitere Tür in eine große Halle, die in den Fels getrieben ist. Von hier aus geht es mit dem Auto nach links in einen Tunnel. Sie fühle sich jedes Mal an eine Tiefgarage erinnert, sagt Hanni, während sie Gas gibt. Es gilt Tempo 20.

    Der Wagen stoppt. Hanni parkt in einer Nische, damit die schweren Maschinen im Haupttunnel genug Platz haben. Hier auf der untersten Ebene bei etwa 450 Metern unter Null liegen jene fünf Tunnel, in denen die ersten Kapseln mit Atommüll eingelagert werden sollen. Die Gänge sind jeweils 350 Meter lang, 4,5 Meter breit, 5,5 Meter hoch. In Tunnel zwei steht auf halber Strecke ein blauer VW-Bus. Dahinter dröhnt es. Mehrere Arbeiter in leuchtenden Westen und Schutzhelmen bohren Löcher in den Stein. Fertig werden sie acht Meter tief sein und einen Durchmesser von gut zwei Metern haben, so dass die Kapseln gut hineinpassen.

    Wenn es soweit ist, wird eine Spezialmaschine etwas Bentonit einfüllen, vulkanischen Lehm, der auch in Katzenstreu verwendet wird und die wenige Feuchtigkeit, die aus dem Gestein kommt, langsam aufsagen soll. Darauf wird ein anderes Fahrzeug eine Kapsel rutschen lassen. Dann werden die Hohlräume mit dem Lehm aufgefüllt, die Kapsel damit abgedeckt. Sind alle Löcher bestückt, verfüllt eine weitere Maschine den Tunnel mit Bentonit. Am Ende wird er mit einem Betonpropfen geschlossen. „Die Fahrzeuge sind einmalig, wurden extra angefertigt“, sagt Hanni. Und sie werden aus einem geschützten Raum praktisch per Joystick ferngesteuert.

    Die fünf Tunnel reichen Kommunikationschef Tuohimaa zufolge bis 2035, neue würden vermutlich von 2035 an gebohrt. Im Einsatz ist deutsche Technik  des Bohrspezialisten Herrenknecht. Insgesamt können bis zu 6500 Tonnen Atommüll eingelagert werden. Viel mehr finnischen Atommüll wird es wohl nicht geben, weitere Atomkraftwerke sind nicht geplant. Und der Import radioaktiven Abfalls aus dem Ausland ist verboten. Für Deutschland schätzt das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung die hochradioaktive Abfallmenge auf 27.000 Tonnen.

    Jetzt zischt der Aufzug wieder nach oben gen Tageslicht. Derzeit liefern Finnlands Atomreaktoren etwa 40 bis 45 Prozent des benötigten Stroms, allein ein Drittel kommt aus den drei Reaktorblöcken von Olkiluoto, die oben etwa zwei Kilometer entfernt hinter den Bäumen stehen. Knallrot mit weißen Kanten heben sie sich markant vom blauen Himmel ab. Dahinter die offene Ostsee. Die Reaktorblöcke 1 und 2 laufen seit 1979 und 1982. Sie sollen 2039 und 2042 heruntergefahren werden.

    Block 3 ist der erste eines neuen europäischen Typs, bisher der leistungsstärkste europäische Reaktor, gebaut von der französischen Firma Areva. Siemens lieferte die Turbinentechnik. Er ging 2023 ans Netz, 14 Jahre verspätet und mit elf Milliarden Euro fast viermal so teuer wie geplant. Die Laufzeit ist auf 60 Jahre ausgelegt. Dazu kommen dann noch etwa 40 Jahre Abkühlzeit im Spezialbecken nahe des Reaktors, bevor die Brennstäbe unten in einem der Tunnel eingelagert werden können. Der letzte Atommüll dürfte dann Mitte der 2120er Jahre eingelagert werden. Dann werden die Tunnel komplett gefüllt, die Anlage oben abgebaut. Über Onkalo wachsen dann wahrscheinlich wieder Birken, Fichten und Kiefern.

  • Neue Öl- und Gasheizung

    Was dagegen spricht, was dafür

    Viele Hausbesitzerinnen und Besitzer lassen sich nun neue Gas- und Ölheizungen einbauen. Auf diese Wärmequellen kommen in viereinhalb Jahren jedoch erhebliche Veränderungen zu. Denn ab 2029 müssen die jetzt installierten fossilen Heizungen teilweise auf Ökoenergie umgestellt werden. Damit können Unsicherheiten verbunden sein, beispielsweise die Frage, ob Ökobrennstoff dann preisgünstig in ausreichender Menge zur Verfügung steht.

    Die aktuelle Lage
    Knapp zwei Drittel der zwischen Januar und März diesen Jahres verkauften Heizungsanlagen werden mit Gas betrieben, erklärte der Verband der Heizungsindustrie (BDH). Weitere gut zehn Prozent verfeuern Öl. Währenddessen brach der Verkauf von strombetriebenen Wärmepumpen stark ein. Diese Veränderungen im Kaufverhalten führt der BDH unter anderem auf die Verunsicherung zurück, die die lange Debatte über das Gebäudeenergiegesetz im vergangenen Jahr ausgelöst habe. Viele Hausbesitzende entscheiden sich deshalb für die bekannten, konventionellen Varianten Erdgas oder Erdöl.

    Was auf die Gas- und Ölheizungen zukommt
    Wer diese Entscheidung trifft, sollte Veränderungen beachten, die möglicherweise nicht ausreichend gewürdigt werden. Denn ab 2029 müssen die seit 2024 eingebauten neuen Öl- und Gasheizungen teilweise mit klimaneutralem Brennstoff befeuert werden. Das jetzt gültige Gebäudeenergiegesetz sieht diese Quoten vor: ab 1. Januar 2029 mindestens 15 Prozent, ab 1. Januar 2035 mindestens 30 Prozent und ab 1. Januar 2040 mindestens 60 Prozent Erneuerbare Energien. Folgende Ausnahmen von den Fristen gibt es nach Information des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK): Eine neue Gasheizung ist komplett auf Wasserstoff umrüstbar, und in der betreffenden Gemeinde wird künftig tatsächlich auch Wasserstoff angeboten. „Auch wenn der örtliche Fernwärme-Anbieter den Anschluss an ein Wärmenetz innerhalb von zehn Jahren zusagt, wird die Quoten-Regelung ausgesetzt“, heißt es beim BMWK außerdem.

    Welche Ökobrennstoffe kommen in Frage?
    Immobilienbesitzerinnen und Besitzer mit neuen fossilen Heizungen tun deshalb gut daran, sich schon jetzt mit der späteren Verfügbarkeit von klimafreundlichen Brennstoffen zu beschäftigen. Eine Variante der Beimischung zum Erdgas ist Biomethan, das in Biogasanlagen zum Beispiel aus Pflanzenresten produziert wird. Auch sogenanntes biogenes Flüssiggas kommt in Frage. Außerdem wird klimaneutraler Wasserstoff eine Rolle spielen.

    Gibt es die klimaneutralen Brennstoffe dann?
    In welcher Menge und zu welchen Preisen die Ökobrennstoffe für Erdgas- und Ölheizungen in einigen Jahren auf dem Markt sein werden, ist eine heute kontrovers diskutierte Frage ohne genaue Antwort. Einig sind sich viele Fachleute darüber, dass diese Treibstoffe später in erster Linie dort eingesetzt werden, wo Ökostrom keine gute Lösung ist – beispielsweise im Schwerlastverkehr und in der Chemieindustrie. Welche Mengen für Gebäudeheizungen übrig bleiben, ist fraglich. Deshalb warnt das BMWK: „Daher ist zu erwarten, dass die Preise über denen für Erdgas oder Heizöl liegen und entsprechende Lieferverträge teuer sein werden.“ Mit Ähnlichem müsse man bei Wasserstoff rechnen.

    Welche Heizung kostet was?
    Aktuelle Entscheidungen für neue Gas- und Ölheizungen werden oft getroffen, weil die Anschaffungskosten deutlich niedriger liegen als etwa von strombetriebenen Wärmepumpen. In einer solchen Betrachtung bleiben andere Faktoren jedoch häufig außer acht. Etwa die finanzielle Förderung, die der Staat nur für ökologische System zahlt, nicht aber für Gas- und Ölheizungen. Oder die langfristigen Kosten: So betont das Wirtschaftsministerium, dass künftig der Kohlendioxidpreis, quasi eine Steuer auf Erdgas und Erdöl, erheblich steigen wird. Schon 2030 könne er die doppelte Höhe des heutigen Wertes erreichen. Das Fraunhofer-Instituts ISE in Freiburg hat für einen Zeitraum von 20 Jahren berechnet: „Wird jetzt neu in einen Heizungsaustausch investiert, sind Wärmepumpen und Fernwärme nicht nur klimaschonender, sondern langfristig auch kostengünstiger als das Heizen mit Gas.“

    Fazit: Was spricht gegen neue Gas- und Ölheizungen?
    Neben der Umrüstpflicht auf Ökobrennstoffe ab 2029 weist Florian Munder vom Bundesverband der Verbraucherzentralen auf diesen Punkt hin: „2045 ist nach aktueller Rechtslage endgültig Schluss mit jeder Form von Heizung, die nicht klimaneutral ist.“ Das betreffe besonders „fossil betriebene Gas- und Ölheizungen“. Für heute eingebaute Brenner mag das dann bedeuten, dass sie ersetzt werden müssen, obwohl sie noch gut funktionieren. Zudem werden manche Energieversorger ihre Erdgasnetze nach und nach stilllegen, weil die Zahl der Kunden abnimmt.

    Und dafür?
    Gesetze können sich ändern. Vielleicht revidiert eine nächste Bundesregierung die Fristen und Vorschriften, so dass fossile Anlagen länger laufen dürfen. Ein Pluspunkt der konventionellen Heizungen sind zudem die teils niedrigen Anschaffungskosten. Und für manche älteren Gebäude scheint die Heizleistung der ökologischen Systeme nicht immer auszureichen.

    Die Alternativen zu Öl- und Gasheizungen?
    Neben reinen Wärmepumpen, die später vorzugsweise mit Ökostrom betrieben werden, können das auch Hybridsysteme sein – Kombinationen etwa von Erdgasbrennern und Wärmepumpen. Außerdem kommen unter anderem in Frage: Pellett-Anlagen, die Holz verfeuern, Sonnenkollektoren, Stromdirektheizungen oder Fernwärme.

    Informationen gibt es hier:
    www.energiewechsel.de
    https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2024/guenstig-und-klimaschonend-heizen-waermepumpen-kosten-langfristig-weniger-als-das-heizen-mit-gas.html
     

  • Die Sicherheitsbremse

    Haushalt, Ukraine und der 2. Weltkrieg

    Robert Habeck klingt „ein bisschen nach Churchill“, schreibt der Spiegel. Zu Ostern 2024 hat der Grüne ein Video aufgenommen, in dem er den russischen Angriff auf die Ukraine als Bedrohung der westlichen Freiheit und der europäischen Demokratie einordnet. „Wir sind weit vom Frieden entfernt“, erklärt der Vizekanzler, ein Ende des Krieges sei nicht in Sicht. Der russische Machthaber Vladimir Putin „will die Welt in Unordnung stürzen. Deshalb sind wir gut beraten, mehr in unser eigene Sicherheit zu investieren.“

    Der britische Premierminister Winston Churchill war die eine westliche Führungspersönlichkeit, der es maßgeblich zu verdanken ist, dass Adolf Hitler, der Nationalsozialismus und die deutsche Wehrmacht den Zweiten Weltkrieg verloren haben. Der zweite demokratische Politiker, der mit Churchill verbündet alles in die Waagschale warf, war Franklin D. Roosevelt, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Dieser historische Bezug, den der Spiegel-Autor herstellt, ist nicht übertrieben. Habeck legt ihn in seinem Video selbst nahe, wenn er sagt: „Putins Krieg gegen die Ukraine ist der blutigste, den Europa seit 1945 erlebt hat.“

    Einen derartigen gedanklichen Bogen über 80 Jahre zu konstruieren, kann man für überdramatisiert halten. Schließlich tobt jetzt kein Weltkrieg. Und doch spricht einiges dafür, dass wir uns in einer globalen, teilweise militärisch geführten Auseinandersetzung zwischen freiheitlichen Demokratien und autoritären Regimen befinden. Russland ist die eine Macht, die ihren neoimperialen Herrschaftsanspruch nicht nur den Nachbarländern aufzuzwingen versucht, sondern auch Konflikte in anderen Kontinenten schürt. Durch ähnliche Interessen teilweise mit Moskau verbunden, bedroht die Regierung Chinas den demokratischen Staat Taiwan und strebt gleichzeitig nach weltweiter ökonomischer Vorherrschaft. Zudem erleben manche westlichen Demokratien einen Moment innerer Schwäche: Nicht nur in Frankreich, den USA und Deutschland fordert die extreme Rechte die freiheitliche Lebensweise heraus, teils mit Unterstützung der russischen Regierung.

    Diese veränderte Weltlage ist bislang zu wenig im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit und den Diskussionen der hiesigen Politik angekommen. Besonders in der Finanzpolitik spiegelt sie sich nicht. Wenn das Bundeskabinett bald den Entwurf für den Bundeshaushalt 2025 beschließt sollte, steht dieser wohl unter dem Diktat der Schuldenbremse. Die Regel im Grundgesetz schreibt vor, dass der Bund sich grundsätzlich nur mit 0,35 Prozent der Wirtschaftsleistung pro Jahr neu verschulden darf. Die damit verfügbaren Summen sind jedoch zu gering, um auf die globalen Herausforderungen angemessen zu reagieren.

    Während also der grüne Vizekanzler sagt: „Wir müssen uns schützen, auch vor militärischen Angriffen“ und fordert, Deutschland solle „schutzfähig“ werden, fehlt dem sozialdemokratischen Verteidigungsminister Boris Pistorius Geld. Ob er die 58 Milliarden Euro, die er für kommendes Jahr als Ausgaben im normalen Haushalt angemeldet hat, von Finanzminister Christian Lindner (FDP) bekommt, ist fraglich. Dieser scheint bisher davon auszugehen, dass 52 Milliarden Euro für die Bundeswehr reichen – und verweist auf das zusätzliche 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen, wobei dieses schon bald aufgezehrt sein dürfte. Wenn aber, wie Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) versprochen hat, Deutschland weiterhin das Zwei-Prozent-Ziel der Nato einhalten will, sind auf Dauer Militärausgaben im Haushalt von rund 80 Milliarden Euro jährlich nötig, nicht gut 52 Milliarden wie im Augenblick.

    Deshalb rebelliert Pistorius gegen die Schuldenbremse. „Das Grundgesetz will sich selbst verteidigen“, lautet der zentrale Satz des Kurzgutachtens seines Ministeriums von Mitte Mai. Soll heißen: Die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger als Kern der freiheitlichen Ordnung sind nur dann geschützt, wenn sich der Staat im Notfall nach außen verteidigen kann. Deshalb fordert der Verteidigungsminister eine „Ausnahme von Ausgaben für Verteidigung von den Schuldenregeln“. Diese sei nötig, weil die „Möglichkeit von Krieg“ in den Grundgesetz-Artikeln zur Kreditobergrenze bisher nicht mitgedacht worden sei.

    Die Regierungschefs des Vereinten Königreichs und der USA mussten sich in den 1940er Jahren nicht mit Schuldenbremsen herumschlagen. Winston Churchill und Franklin D. Roosevelt erhöhten die Kreditaufnahme massiv, um gegen Nazi-Deutschland und Japan das Notwendige zu tun. Nach dem Angriff der Japaner auf den US-Marine-Stützpunkt Pearl Habour im Pazifik 1941 stieg die US-Staatsverschuldung beispielsweise von 58 Milliarden Dollar auf 260 Milliarden Dollar 1945. Die Schuldenquote im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung sprang von 50 Prozent auf 115 Prozent. Mit ausreichend Geld konnten die Alliierten ihre Verteidigung, Aufrüstung, die Invasion in der Normandie und schließlich den Sieg über die Diktaturen finanzieren.

    Freilich war die Lage damals insofern anders, als Großbritannien und die USA bereits selbst angegriffen worden waren. Das ist Deutschland, Europa und der Nato bisher erspart geblieben. Bei einem direkten Angriff würde die Schuldenbremse wohl auch keine Rolle mehr spielen. Trotzdem ist der Hinweis auf die hohen, kreditfinanzierten Verteidigungsausgaben während des Zweiten Weltkriegs produktiv. Sie setzten ein, als es zu spät war, als es nicht mehr anders ging.

    Heute geht es jedoch darum, einer solchen Eskalation durch höhere Ausgaben vorzubeugen. Die finanzielle Unterstützung der Ukraine und die Investitionen in die bessere Ausstattung der Bundeswehr sollen dazu dienen, den russischen Angriff auf das Nachbarland abzuwehren und die russische Regierung davon abzuhalten, noch einmal einen ähnlichen Versuch an anderer Stelle zu unternehmen. In den Worten des Pistorius-Gutachtens: „Das sicherheitspolitisch Notwendige auf die Zukunft gerichtet antizipatorisch zu veranlassen“ – einfach gesagt, die deutsche Armee jetzt zu einer schlagfähigen Truppe zu machen. Das jedoch verhindert heute die Schuldenbremse. Sie verhindert die Verhinderung weiterer Kriege, eigentlich ist sie eine Sicherheitsbremse.

    Nicht nur dabei steht die Kreditobergrenze in ihrer gegenwärtigen Form im Wege. Sie untergräbt auch eine vernünftige Industrie-, Infrastruktur- und Klimapolitik. So verabschieden sich hierzulande gerade zum zweiten Mal die Produzenten von Solarmodulen. Sie sind der chinesischen Billigkonkurrenz, die die meisten Anlagen fertigt, nicht gewachsen. Auch wegen der Schuldenbremse stellt die Bundesregierung keine ausreichende Förderung bereit, um das zu verhindern. Eine strategische Zukunftsbranche wird zunehmend abhängig von dem autoritären Regime in Peking.

    Der öffentlichen Infrastruktur fehlen ebenfalls Milliarden Euro. Die Deutsche Bahn AG fährt oft unpünktlich und langsam. Verkehr wird umgeleitet, weil Autobahnbrücken marode sind. Es dauert Jahre, bis Schulen saniert oder gebaut werden, denn auch die Länder leiden unter der Bremse. Diese Missstände tragen nicht selten dazu bei, dass Bürgerinnen und Bürger sich von der etablierten Politik ab- und den Rechtsextremen zuwenden. Wegen der Sparregel im Grundgesetz kommt auch die Reduzierung der klimaschädlichen Treibhausgase nicht so schnell voran wie sie sollte. Beispielsweise für die sozialverträgliche Energiesanierung von Wohngebäuden fehlen öffentliche Zuschüsse.

    Dabei raten zahlreiche Wirtschaftsforscher der deutschen Politik dazu, Geld für öffentliche Investitionen in gewissem Umfang von der Schuldenbremse ausnehmen. Der Internationale Währungsfonds vertritt diese Position, ebenso wie der Sachverständigenrat, die sogenannten Wirtschaftsweisen. Das unternehmensnahe Institut der Deutschen Wirtschaft hat ein entsprechendes Gutachten zusammen mit dem gewerkschaftsnahen Institut für Makroökonomie veröffentlicht. Und selbst der Bundesverband der Deutschen Industrie kann sich unter bestimmten Bedingungen schuldenfinanzierte Investitionen vorstellen.

    Eine zusätzliche Begründung dafür lautet, dass der Zustand der öffentlichen Finanzen Deutschlands ziemlich gut ist – trotz Belastungen wie der Corona-Pandemie und der gegenwärtigen ökonomischen Stagnation. Die Schuldenquote beträgt 64 Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt – der bei Weitem niedrigste Wert der sieben großen westlichen Wirtschaftsnationen. Deutschland hätte damit einen gewissen Spielraum für eine höhere Kreditaufnahme, ohne seine finanzpolitische Solidität und die Rolle als Stabilitätsanker des Euroraumes aufzugeben.

    Weder jedoch kann sich gegenwärtig die rot-grün-gelbe Bundesregierung darauf einigen, die Schuldenbremse zu lockern – die FDP lehnt das ab, noch existiert eine verfassungsändernde Mehrheit dafür im Bundestag. Nach der nächsten Bundestagswahl könnte sich das ändern, wenn eine entsprechende Stimmung in der Union weiter um sich greift. Nützen würde das immer noch, auch weil der Krieg Russlands gegen die Ukraine dann wohl nicht zu Ende ist.

  • Die Tricks der Passwort-Angler

    Was Sie zu Phishing wissen müssen

    Netflix informiert über eine blockierte Zahlung, die Postbank hat das Konto aus Sicherheitsgründen deaktiviert und Paypal will die Sicherheitsbestimmungen aktualisieren. Alle drei Mails der vergangenen Wochen haben eins gemeinsam: Sie sind gefälscht und wollen an die Kontodaten der Empfänger. Ein kleiner Leitfaden zum Phishing.

    Was ist Phishing?

    Der Begriff steht für eine besondere Form von Kriminalität im Internet. Er ist zusammengesetzt aus den englischen Worten „password“ und „fishing“ – Passwort angeln. Kriminelle versuchen, mit E-Mails, SMS oder etwa Whatsapp-Nachrichten Zugangsdaten zum Beispiel zu Bankkonten zu bekommen und dann dort Geld zu stehlen. Oft werden die Daten auch weiterverkauft.

    Wie gehen die Täter vor?

    Es gibt verschiedene Tricks. Der Klassiker ist eine E-Mail, die aussieht, als komme sie von einer Bank. Vermeintliche Absender können auch ein Paketdienst sein, ein Streamingdienst oder ein Hotelbuchungsportal. In der Mail wird auf einen Fehler hingewiesen, etwa bei der Buchung oder beim Bankzugang, und gebeten, einen Link anzuklicken. Oder der Empfänger wird aufgefordert, die TAN-Liste des Kontos zu aktualisieren oder eine Buchung zu stornieren. Der Link führt dann auf eine Internetseite, die täuschend echt aussieht, aber gefälscht ist. Wer hier die Bankzugangsdaten eingibt, meldet sich dann nicht bei seinem Konto an, sondern liefert den Kriminellen die Informationen. Nachrichten, die auf gefälschte Seiten verweisen, können auch bei Facebook, X (vormals Twitter), Whatsapp oder einem anderen Kurznachrichtenportal versandt werden.

    Neu sind QR-Codes in Mails oder Nachrichten. Das QR steht für quick response, schnelle Antwort. Der Begleittext fordert auf, den Code mit dem Mobiltelefon zu scannen, um zum Beispiel eine Rechnung zu öffnen oder schnell auf das Konto zuzugreifen. Auch dieser Code führt auf eine gefälschte Seite.

    Woran erkennt man ein gefälschtes Schreiben?

    Wer kein Kunde des Unternehmens ist, das die Mail angeblich geschickt hat, wird sie sofort als falsch erkennen und löschen. Andere gefälschte Schreiben entlarven sich durch Kleinigkeiten im Absender, etwa wenn die Mail vom Karrierenetzwerk LinkedIn kommen soll, im Absender aber als Linked-in auftaucht. Auch der angegebene Link kann Hinweise geben. Wer mit der Maus drüberfährt, ohne zu klicken, sieht die dahinterliegende Internetadresse angezeigt. Bei Vijsa.com statt Visa.com sollte man vorsichtig sein. Gleiches gilt für ergänzte Adressen wie Paypal-zahlen.de. Gefälschte Nachrichten verraten sich auch durch allgemeine Anreden sowie Schreib- oder Grammatikfehler, wobei die Täter inzwischen Programme nutzen, um ihre Mails oder Nachrichten echter aussehen zu lassen. Der Bankenverband rät, ein digitales Schreiben mit anderen zu vergleichen, die man bereits bekommen hat. Außerdem nutzen vor allem Banken und Sparkassen üblicherweise keine SMS oder Mails, um ihre Kunden anzusprechen oder gar nach sensiblen Daten zu fragen. Ist der Absender unbekannt, empfiehlt es sich grundsätzlich, skeptisch zu sein. Im Phishing-Radar der Verbraucherzentralen sind zudem viele der neuesten Tricks aufgeführt.

    Wie kann man sich schützen?

    Grundsätzlich sollten Sie Passwörter und Zugangsdaten nie für mehrere Webseiten gleichzeitig verwenden. Sonst haben Täter bei erfolgreichem Phishing möglicherweise noch mehr Zugriff. Haben Sie merkwürdige Post erhalten, bewahren Sie Ruhe, auch wenn die Mail oder Nachricht eine Frist setzt oder drängt, sofort zu handeln. Fragen Sie sich: Habe ich gerade etwas gebucht? Ein Paket über den Paketversender bestellt? Erwarte ich Post von der Bank? Melden Sie sich bei einem Buchungsportal oder Kreditinstitut grundsätzlich über den Weg im Internet an, den Sie sonst auch nutzen: Tippen Sie die Adresse im Browser ein, nutzen Sie die App oder Lesezeichen. Sie halten den Absender für unseriös? Dann kontaktieren Sie das Unternehmen, von dem Mail oder SMS stammen sollen, direkt etwa per Telefon. Klicken Sie nicht auf den Link. Antworten Sie nicht.

    Ich habe auf den Link geklickt. Was nun?

    Es kann sein, dass Sie sich jetzt ein Schadprogramm eingefangen haben, dass den Rechner nach Passworten scannt. Sie sollten das Antivirenprogramm, das Sie nutzen aktualisieren und laufen lassen. Suchen Sie im Zweifel professionellen Rat.

    Ich habe meine Daten eingegeben. Was tue ich?

    Informieren Sie Ihr Kreditinstitut und sperren Sie sofort das betroffene Konto und die dazugehörigen Karten. Lassen Sie ein aktualisiertes Antivirenprogramm laufen. Ändern Sie auch die Online-Zugangsdaten bei anderen Banken, Streamingdiensten oder dort, wo Sie sich sonst noch anmelden. Nutzen Sie am besten einen anderen Rechner dafür. Stellen Sie Strafanzeige und löschen Sie die Mail oder Nachricht, auf die Sie hereingefallen sind, nicht. Sie ist ein Beweismittel.

    Wie hoch ist der Schaden?

    Die internationale Anti-Phishing-Initiative APWG hat 2023 rund fünf Millionen Phishing-Angriffe verzeichnet. 2022 waren es 4,7 Millionen. Tendenz deutlich steigend. Wie hoch die Schäden beim Verbraucher sind, ist nicht genau erfasst. Der durchschnittliche Schaden im vierten Quartal 2023 Phishing über Geschäftsmails betrug nach Zahlen des Sicherheitsunternehmens Forta im Schnitt rund 56.200 Dollar (52.000 Euro). Ein Quartal zuvor war es doppelt so viel.

    Phishing-Radar der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen:

    https://www.vz-nrw.de/phishing

    Link zum BSI:

    https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Cyber-Sicherheitslage/Methoden-der-Cyber-Kriminalitaet/Spam-Phishing-Co/Passwortdiebstahl-durch-Phishing/Wie-erkenne-ich-Phishing-in-E-Mails-und-auf-Webseiten/wie-erkenne-ich-phishing-in-e-mails-und-auf-webseiten_node.html

  • Schlechte Nachrichten

    Kommentar zu US-Strafzöllen

    Mit drastischen Strafzöllen unter anderem auf E-Autos aus China will US-Präsident Joe Biden die mächtige Volksrepublik auf Abstand halten. Was auf den ersten Blick harsch und wirksam wirkt, ist Wahlkampfgetöse. Für die deutsche Autoindustrie, sogar die Wirtschaft insgesamt könnten Bidens Zölle noch schwierig werden.

    Auslöser der Strafzölle, die E-Autos aus China praktisch vom Markt ausschließen, ist vor allem die US-Innenpolitik. Es herrscht Wahlkampf. Biden plant eine zweite Amtszeit, Donald Trump will ebenfalls erneut ins Weiße Haus. Beide glauben, der Wahlsieg führe auch darüber, den Amerikanern den Erhalt von Industriearbeitsplätzen zu versprechen. Schon die Strafzölle, die Trump in seiner Amtszeit auf viele Produkte erhob, hatten wenig Effekt. Hinzu kommt, dass der US-Marktanteil chinesischer Hersteller bei E-Autos sehr übersichtlich ist. Einsame Spitze ist US-Hersteller Tesla, der unter anderem in Shanghai produziert.

    China taugt im Wahlkampf auch als große Gefahr, der es zu begegnen gilt. Das Land versucht, weltweit Einfluss und Kontrolle zu gewinnen, sei es wirtschaftspolitisch über die Neue Seidenstraße, bei Normen, kritischen Rohstoffen, Solarzellen, E-Autos. Um die Strafzölle zu umgehen, bauen chinesische Hersteller möglicherweise Fabriken in Mexiko, von denen aus sie zollfrei in die USA liefern können. Zunächst werden sie versuchen, ihre Fahrzeuge woanders abzusetzen, etwa in Europa.

    Die EU wird sich auf sehr viele billige E-Fahrzeuge aus China einstellen. Denn dank staatlicher Hilfen können die dortigen Hersteller die Preise drücken. Die EU könnte dann ihrerseits Zölle erheben, um die heimische Autoindustrie zu schützen. Das träfe wohl auch europäische Hersteller wie BMW oder Stellantis, die in China für Europa produzieren.

    Dann dürfte die chinesische Regierung reagieren, vielleicht nicht mit Strafzöllen, denn europäische Hersteller produzieren anders als US-Hersteller auch in China für den chinesischen Markt. Es könnte aber andere Branchen treffen. Für die deutsche Wirtschaft wäre das eine Katastrophe. Wir sind eine Exportnation. Freie Märkte sind unabdingbar.

  • Raketenstart verzögert sich

    Abheben in der Nordsee wohl erst im Juli

    Ein Prestigeprojekt der deutschen Industrie verschiebt sich. Im April sollte erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine Rakete von einem Schiff in der Nordsee gen Weltraum starten. Doch wie oft in der Raumfahrt dauert es etwas länger. Ein neuer Termin ist jetzt für den Sommer angepeilt. Erstmals werden auch Einzelheiten bekannt.

    Ein erster Test war für April vorgesehen.

    „Der Start der Demo-Mission verzögert sich etwas“, sagt Sabine von der Recke, Geschäftsführerin der German Offshore Spaceport Alliance (Gosa), die das Projekt vorantreibt. „Wir mussten den Zeitplan anpassen, unter anderem, weil sich die Partner, die Raketen starten wollen, geändert haben.“ Der neue Termin liegt im Sommer. „Wir planen jetzt mit einem Start im Juni. Vielleicht dauert es auch bis Juli.“ Hinter Gosa stehen unter anderem der Satelliten-Spezialist OHB, bei dem von der Recke im Vorstand arbeitet, die Spezialreederei Harren Group und der Hafenbetreiber BLG, alle aus Bremen.

    Zunächst werden bis zu vier sogenannte Suborbital-Raketen abheben. Sie erreichen eine Höhe von bis zu 50 Kilometern und verlassen die Erdanziehung nicht, stürzen also wieder zur Erde zurück. Sie werden üblicherweise für Experimente genutzt. Und auch für die Demo-Mission sind sie wichtig, weil sich vieles testen lässt, ohne dass die Kosten stark steigen. „Damit sammeln wir technische Erfahrungen und proben die Zusammenarbeit mit Partnern und Behörden“, sagt von der Recke. „Das hilft, für orbitale Starts, die deutlich komplexer sind, und Satelliten in eine Erdumlaufbahn bringen können.“

    Die Raumfahrt wandelt sich seit ein paar Jahren – weg von vor allem staatlich finanzierten Missionen hin zu privaten Investitionen. Unternehmen entwickeln Satelliten und Raketen, versprechen sich Geschäft mit dem All, etwa über Satelliten-Schwärme, die Internet bieten oder die Erde beobachten oder Landmaschinen steuern. Allein den Markt für Satelliten schätzt die Beratungsfirma Novaspace bis 2032 auf 588 Milliarden Dollar (535 Milliarden Euro) weltweit.

    Die Satelliten werden immer kleiner und günstiger, weil sie in Serie hergestellt werden. Und um sie ins All zu befördern und später auch zu ersetzen, sind viele Raketen nötig. Drei deutsche Firmen entwickeln sogenannte Microlauncher. Sie sind um die 30 Meter hoch und haben einen Durchmesser von rund zwei Metern – deutlich kleiner als etwa die Ariane 6 der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa mit ihren gut 63 Metern Höhe und 5,4 Metern Durchmesser. Und unabhängig von anderen Ländern zu sein, hatten mehrere deutsche Unternehmen die Idee, von der Nordsee aus zu starten.

    Partner der Demo-Mission sind die dänische Studentengruppe DanStar, das Unternehmen T-Minus aus dem niederländischen Delft, das Space Team Aachen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen und der gemeinnützige Verein FAR, der unter anderem Höhenforschungsraketen entwickelt. T-Minus entwickelt Suborbitalraketen sowie Satelliten und bietet wissenschaftliche Tests an. Space Team Aachen baut Raketen, Rover und Satelliten.

    Die Demo-Mission startet vom sogenannten Entenschnabel aus, dem äußersten Zipfel der Ausschließlichen Wirtschaftszone Deutschlands in der Nordsee, etwa 400 Kilometer vor der Küste. Ein Schlepper wird eine Barge, eine Art Ponton ohne Motor, von Bremerhaven aus dorthin bringen. Geplant sind bis zu vier Raketenstarts, die größte ist 4,5 Meter hoch. Die Demo-Mission wird deshalb mehrere Tage dauern.

    „Wir starten den Test von einem Ponton aus. Ein Schiff wäre für die kleineren Testraketen überdimensioniert“, sagt von der Recke. Das hat auch mit den Kosten zu tun, die die Gosa niedrig halten will. Darüber, wie viel die Partner für die Demo-Mission investieren, schweigt sich die Managerin aus. Klar ist dagegen bereits, dass der Startknopf auf einem Begleitschiff gedrückt wird. Auch wenn die Raketen eine eher übersichtliche Größe haben, ist es zu gefährlich, beim Start daneben zu stehen. Und genau genommen gibt es auch keinen Knopf, sondern einen Schalter, der umgelegt wird.

    Unklar ist auch, was ein Start mit einer großen Rakete vom Spezialschiff ins All kosten wird. Denn er hängt von vielen Faktoren ab. Wie leicht sich etwa auf ein geeignetes Schiff zugreifen lässt, das in der Regel kurzfristig gechartert wird. Und was Rohöl kostet, schließlich muss das Schiff betankt werden.

    Wichtig ist auch, ob es überhaupt Kunden für die Raketen gibt, die starten könnten. Im Gespräch sind die RFA One der Rocket Factory Augsburg und die SL1 von HyImpulse aus Neuenstadt am Kocher bei Heilbronn. Dritter Hersteller im Bunde ist Isar Aerospace aus Ottobrunn bei München mit der Spectrum genannten Rakete. RFA plant den Erststart im Sommer von Shetland aus, Isar Aerospace will ebenfalls noch dieses Jahr von Nordnorwegen starten. HyImpulse entwickelt noch.

    Abheben ist nicht alles, deshalb denkt Gosa bereits weiter. „Bei dem Projekt geht es nicht nur um eine Startmöglichkeit auf deutschem Hoheitsgebiet“, sagt von der Recke. „Künftige Raketen sollen wiederverwertbar sein.“ Das bedeutet, sie müssen nach dem auch wieder zur Erde zurückkommen, wenn sie einen Satelliten in 400 Kilometer Höhe ausgesetzt haben. „In Europa ist eine Landung auf dem Festland wegen der dichten Besiedelung nicht möglich“, erklärt die Gosa-Managerin. „Deshalb bietet sich eine Landung auf einem Schiff an.“

  • Wo steht der Standort D?

    Auf der Suche nach dem neuen Bestseller

    Olaf Scholz streitet sich gerade mit Siegfried Russwurm. Der Chef des mächtigen Industrieverbands BDI wirft dem Kanzler vor, angesichts der dramatischen Lage die Wirtschaft zu vernachlässigen. Der wiederum behauptet, die Unternehmen redeten den Standort schlecht. Wer hat Recht? Wo steht Deutschland derzeit und was sollte angepackt werden?

    Die neuesten Zahlen zum Wirtschaftswachstum stimmen positiv: Im ersten Vierteljahr 2024 ist die deutsche Wirtschaft gewachsen, wie das Statistische Bundesamt berechnet hat, 0,2 Prozent im Vergleich zum letzten Vierteljahr 2023. Zudem haben die Statistiker für 2023 noch einmal nachgerechnet: Die deutsche Wirtschaft schrumpfte nur um 0,2 statt um 0,3 Prozent. Die Inflation ist da herausgerechnet. Und gerade verkündete die Bundesregierung, sie erwarte im laufenden Jahr ein Plus von 0,3 statt 0,2 Prozent.

    Dazu passt, dass sich die Stimmung der Wirtschaft bessert, wie der Geschäftsklimaindex des Münchener Ifo-Instituts nahelegt. Er ist in den vergangenen drei Monaten gestiegen – ein Zeichen für eine Wende. Die Firmen bewerten demnach die aktuelle Lage besser als vorher. Und sie schauen optimistischer in die Zukunft. Das Institut befragt jeden Monat etwa 9000 Unternehmen.

    Also alles gut? Eher nicht. „Deutschlands Konjunktur hinkt gegenwärtig im internationalen Vergleich hinterher“, sagt Moritz Schularick, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Kiel (IfW). Dies liege auch in der deutschen Wirtschaftsstruktur, die stark vom Export von Investitionsgütern geprägt sei. Da habe die Nachfrage besonders unter der Energiekrise und den hohen Teuerungsraten gelitten. Der Ökonom vermisst Planbarkeit und eine klare wirtschaftspolitische Agenda zur Klimatransformation.

    Im vergangenen Jahr lief es nicht rund für Deutschland. Während das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte, legte es zum Beispiel in Frankreich um 0,9 Prozent zu, in Japan um 1,9 Prozent. Die USA verzeichneten ein Plus von 2,5 Prozent. Insgesamt wuchs die Weltwirtschaft um 3,2 Prozent. Für 2024 rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) ebenfalls mit einem Gesamtplus von 3,2 Prozent. Die USA kommen danach auf 2,7 Prozent, Frankreich auf 0,7 Prozent und Japan auf 0,9 Prozent. Für Deutschland sollen es 0,2 Prozent sein.

    Für 2025 sieht es wieder besser aus. Der Währungsfonds erwartet 1,3 Prozent Wachstum für Deutschland, die EU-Kommission schätzt 1,2 Prozent, die Bundesregierung 1,0 Prozent. Allerdings sind solche Zahlen kaum belastbar. Im Jahreswirtschaftsbericht 2023 hatte die Bundesregierung für 2024 noch ein Plus von 1,8 Prozent angenommen. Die geopolitischen Spannungen, Kriege in der Ukraine und im Gaza-Streifen, die zunehmende Blockbildung in der Welt machen Vorhersagen schwierig.

    Wäre überhaupt mehr Wachstum möglich? Ökonomen arbeiten mit einer Größe, die zeigt, was erreichbar wäre, wenn, vereinfacht gesagt, alle Produktionsanlagen optimal genutzt werden – das Potenzialwachstum. Hier sieht es mau für die kommenden Jahre aus: „Der demografische Wandel bedeutet für Deutschland, dass sich das Potenzialwachstum von rund 1,5 Prozent im Durchschnitt der letzten Jahre auf unter 0,5 Prozent abschwächen wird, wenn die Politik nicht gegensteuert“, sagt Schularick. „Die höheren Wachstumsraten kommen nicht wieder von allein zurück, es braucht politische Initiative.“ Und da hapert es.

    „Den Ampelparteien fehlt eine gemeinsame, überzeugende wirtschaftspolitische Agenda, um entscheidende Weichen für mehr Wirtschaftswachstum zu stellen“, sagt der IfW-Präsident. „Sie scheuen derzeit die nötigen Kompromisse, um eine Wirtschaftspolitik auf den Weg zu bringen, die Deutschland dringen braucht.“ Die SPD müsse sich von der Aversion lösen, Bürger im Rentenalter weiterarbeiten zu lassen und Arbeitszeiten für Arbeitswillige zu flexibilisieren.

    „Die FDP muss angesichts der geopolitischen Bedrohungslage durch Russland und einem erstarkenden Ostblock die Regeln ihrer Ordnungspolitik updaten und schuldenfinanzierte Investitionen in Sicherheit und Verteidigung akzeptieren, die der Wirtschaft einen spürbaren Wachstumsimpuls bringen würden“, fordert Schularick. Die Partei hat zwar gerade ein Zwölf-Punkte-Programm für eine Wirtschaftswende vorgelegt, die das aber nicht berücksichtigt, Kompromisse schon gar nicht.

    Und die Grünen? Müssten sich angesichts der Dysfunktionalität des Wohnungsmarkts und des Kollapses der Neubautätigkeit „gegen eine ökologisch motivierte Not-In-My-Backyard-Kultur und das Regulierungsdickicht positionieren“. Beides verhindere seit Jahren, dass sich deutsche Städte flächen- und höhenmäßig verdichteten. Heißt vereinfacht: Lücken schließen, höher bauen und im Zweifel die ein oder andere Zauneidechse ignorieren.

    Bleibt die Frage, ob der Bundeskanzler auch ein bisschen recht hat, wenn er den Unternehmen vorwirft, alles schlecht zu reden. „Auch die Unternehmen müssen ihre Hausaufgaben machen“, sagt Schularick. Deutschland sei auf den internationalen Märkten zunehmend Konkurrenz ausgesetzt, was für die deutsche Wirtschaft einen Umbruch bedeute. „Der deutsche Verbrennermotor hat als Exportschlager ausgedient, die energieintensive Chemiebranche dürfte nicht zu alter Stärke zurückfinden“, sagt der Ökonom. „An ihre Stelle müssen jetzt neue Bestseller Made-in-Germany treten. Die haben deutsche Unternehmen bislang noch nicht gefunden.“

  • Wasserstoffausbau stockt

    Viele Projekte, viel Zuversicht, wenig Konkretes

    Schon länger arbeitet die Salzgitter AG daran, Stahl CO2-neutral herzustellen. Gerade schloss das Unternehmen einen Vertrag mit dem Energiekonzern Uniper. Die Düsseldorfer werden Wasserstoff aus ihrem Werk in Wilhelmshaven per Pipeline nach Niedersachsen ans Werk des drittgrößten deutschen Stahlproduzenten liefern. Es ist ein Beispiel dafür, wie Deutschlands Wandel von Erdgas zu Wasserstoff vorangeht – allerdings nur auf dem Papier. Wunsch und Wirklichkeit klaffen, wie auch bei der nationalen Strategie, noch auseinander.

    Um die Klimaziele des Pariser Abkommens einzuhalten, setzt Deutschland auf erneuerbare Energieträger wie Sonne und Wind. Bis 2030 sollen 80 Prozent des deutschen Stroms aus solchen Quellen kommen. In der Industrie lässt sich aber vieles nicht mit Strom herstellen. Chemie-, Glas- und Stahlbranche etwa, die derzeit vor allem auf fossiles Erdgas setzen, brauchen Ersatz. Eine Lösung ist Wasserstoff. Bis 2030 sollen in Deutschland Elektrolyseure mit einer Leistung von zehn Gigawatt Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten. So sieht es die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung vor.

    Zuletzt planten Unternehmen bis 2030 Anlagen mit einer Leistung von 10,1 Gigawatt, wie aus der Wasserstoff-Bilanz des Energieunternehmens Eon hervorgeht. Die Daten ermittelt das Energiewirtschaftliche Institut der Universität zu Köln seit zwei Jahren. Erstmals könnte das Ziel der Bundesregierung auch erreicht werden. Die Zahlen zeigen auch: Es gibt sehr viele Pläne, aber wenig Konkretes. 37 Elektrolyse-Anlagen mit 66 Megawatt Leistung sind in Betrieb. Weitere 88 Projekte gibt es. Doch nur für 16 davon ist auch klar, dass Firmen wirklich investieren. Sie haben eine Leistung von zusammen 322 Megawatt. Die anderen sind erst einmal nur beabsichtigt.

    „Wir brauchen mehr Tempo“, sagt Gabriël Clemens, bei Eon für das Wasserstoffgeschäft verantwortlich. Dass es nicht schneller geht, hat mehrere Gründe. Unter anderem fehlen Abnehmer. Zum einen lohnt sich für viele Unternehmen Wasserstoff im Vergleich zu anderen Energieträgern nicht, das Gas ist zu teuer. Zum anderen fehlen Leitungen,. Derzeit sind 420 Kilometer reine Wasserstoff-Pipelines in Betrieb. Sie gehören drei Gase-Anbietern in Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Geplant sind den Daten nach 6207 Kilometer bis 2035 – umgenutzte klassische Gaspipelines und neu gebaute. Das Wasserstoffkernnetz, das die Bundesregierung beschlossen hat, soll rund 10.000 Kilometer haben. Es würde gut 28 Prozent der Unternehmen, die Wasserstoff nutzen könnten, erreichen. Weitere Leitungen sind bisher nicht geplant.

    Auch das Projekt von Uniper und Salzgitter ist noch unsicher. So ist das Elektrolyse-Werk mit 200 Megawatt Leistung, in dem Uniper in Wilhelmshaven Wasserstoff mit Windstrom aus der Nordsee erzeugen will, noch nicht im Bau. Frühstens 2028 könne man jährlich bis zu 20.000 Tonnen liefern. „Eine Pipeline-Verbindung von Wilhelmshaven nach Salzgitter ist zwingend erforderlich und muss schnellstmöglich geschaffen werden“, heißt es bei Uniper und Salzgitter. Pipeline-Betreiber und politische Entscheidungsträger müssten sich dringend auf einen beschleunigten Fahrplan einigen.

    Eon-Wasserstoffchef Clemens zufolge sind auch noch einige Regelungen in Deutschland und der EU unklar. So fehlt eine klare Aussage, was genau grüner Wasserstoff ist. Er entsteht, wenn Wasser in einem Elektrolyseur mittels Strom aus erneuerbaren Quellen in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten wird. Aber was ist mit dem Transport? Zählt beim Import etwa aus Namibia der CO2-Ausstoß des Tankers mit in die CO2-Bilanz? Und wird die Produktion des Elektrolyseurs ebenfalls mit erfasst?

    Auch heute schon wird Wasserstoff in Deutschland hergestellt. 400.000 Tonnen sogenannter grauer Wasserstoff werden aus Erdgas hergestellt. Gesprochen wird auch über blauen Wasserstoff, eine Art sauberer Version des grauen. Dabei wird das CO2, das entsteht, abgeschieden und eingelagert. Grüner Wasserstoff ist der sauberste, derzeit werden geschätzt 5172 Tonnen in Deutschland hergestellt. Trotz der Farbenspiele: Das Gas ist in jedem Fall unsichtbar.

    Ist das Ziel der Bundesregierung zu erreichen, wenn so vieles vage ist? Immerhin sind es nur noch sechs Jahre bis 2030. Clemens ist zuversichtlich. Der Bau eines Elektrolyse-Werks sei in drei Jahre möglich. Probleme könnten Teile wie Transformatoren bereiten, die auch wegen des Ausbaus der Stromnetze gefragt seien. Da gebe es einige Lieferengpässe. Dennoch: „Das ist in sechs Jahren zu schaffen“, sagt er.

    Importieren muss Deutschland ohnehin zusätzlich Wasserstoff. An der entsprechenden Strategie arbeitet die Bundesregierung gerade. Auch im Ausland stehen Investoren und Energiekonzerne vor ähnlichen Problemen wie in Deutschland. Es gebe zahlreiche Projekte, die aber nicht umgesetzt würden, weil niemand bestelle, sagt der Eon-Wasserstoff-Chef. Es ist ein bisschen wie das Henne-Ei-Problem. Immerhin ist das Thema erkannt, die deutsche Politik treibt es voran, die Industrie hat Interesse an Wasserstoff, Pipeline-Betreiber am Netz und Energieunternehmen an der Produktion. Ob wirklich etwas passiert, hängt wie immer in der Wirtschaft am Geld. Die Fördermittel sind aus Sicht von Eon nicht ausreichend, fehlende Förderzusagen bremsen zusätzlich. Clemens sagt: „Am Ende muss es sich lohnen.“

  • Gut in jeder Hinsicht

    EU-Lieferketten-Richtlinie beschlossen

    Martin Wansleben scheint wenig von Wirtschaft zu verstehen. Komisch für einen Funktionär, der als Geschäftsführer der deutschen Industrie- und Handelskammern amtiert. Er fordert, das deutsche Lieferkettengesetz auszusetzen. Und das jetzt, nachdem es gerade richtig in Kraft getreten ist, Unternehmen und Aufsichtsbehörde sich daran gewöhnen. Dem schlechten Rat Folge zu leisten, hieße, Durcheinander und Unsicherheit zu verbreiten – das Gegenteil von dem, was der Wirtschaft gefällt.

    Erst waren große deutsche Wirtschaftsverbände gegen das hiesige Lieferkettengesetz. Ihr Argument: Man muss das auf europäischer Ebene regeln. Dann waren sie gegen die entsprechende EU-Richtlinie. Argument: Alles zu kompliziert. Nun wurde am Freitag die europäische Regulierung beschlossen. Was sagt Martin Wansleben dazu? „Wir brauchen umsetzbare Lösungen auf betrieblicher Ebene.“ Das sind Äußerungen aus einer Parallelwelt, in der Kapitalismus ohne Gesetze funktioniert.

    Mag die Lieferkettenregulierung anfangs auch nervig sein, wird sie den europäischen und deutschen Unternehmen auf Dauer nützen. Sie verpflichtet die Firmen zu menschenrechtlichen Minimalstandards bei ihren globalen Lieferanten – halbwegs angemessenen Löhnen, Urlaub, gewerkschaftlicher Vertretung, Sicherheit am Arbeitsplatz für die Beschäftigten in aller Welt. Die Demokratien nehmen ihren eigenen Anspruch ernst. Sie bieten fairere Arbeitsverhältnissen als die Putins, Xi Jinpings und Autokraten dieser Welt. Die Arbeiterinnen und Arbeiter in Asien, Afrika und Lateinamerika werden dieses Angebot beantworten – mit der Qualität ihrer Produkte und einem Lächeln nach Norden.

  • Kampf gegen „ewige Chemikalien“ im Wasser

    Natürlich, jeder und jede kann beim Einkauf selbst etwas tun: Nur Pfannen oder Outdoorjacken kaufen, auf denen „PFAS-frei“ steht. Camping- und Kindergeschirr aus Melaminharz stehen lassen und Geschirrspülmittel und Tabs mit Benzotriazolen vermeiden.

    PFAS, Melamin, Benzotriazole – es sind langlebige Chemikalien, die besser nicht in die Umwelt gelangen sollten, da sie den Menschen gefährlich werden können, Boden und Grundwasser dauerhaft verschmutzen. Nur: Wer nimmt sich die Zeit und alle Produkte im Laden genau unter die Lupe? Bleiben wie es ist, kann es aber nicht. Sonst wird es teuer, könnten die Preise für Trinkwasser steigen, das immer aufwändiger gereinigt werden muss.

    Derzeit habe die Chemieindustrie eine „Lizenz zur Verschmutzung“, sagt Martin Weyand, es gebe keinen Anreiz, die giftigen Stoffe zu vermeiden. Weyand ist der für Wasser und Abwasser zuständige Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes für Energie und Wasserwirtschaft BDEW. Er fordert: „Hersteller müssen zahlen.“

    Wasserwerker mahnen schon seit Jahren, dass sich in den Wasserressourcen, aus denen das Trinkwasser gewonnen wird, zu viele Rückstände von Medikamenten, von Düngemitteln, von Pestiziden, auch von Wasch- und Pflegemitteln. Neuerdings machen ihnen nun auch noch die PFAS Sorgen, kurz für per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen. PFAS werden mit Nieren- und Hodenkrebs, Schilddrüsenerkrankungen, Leberschäden, Unfruchtbarkeit des Menschen Verbindung gebracht.

    Das Trinkwasser sei „sicher“, sagt Weyand, alle vorgegebenen Grenzwerte würden eingehalten. Leitungswasser ist in Deutschland deutlich strenger reguliert als Mineralwasser aus dem Supermarkt oder Discounter. Aber, so der Experte: „Zunehmende Schadstoffeinträge belasten die Rohwasserressourcen, was die Trinkwasseraufbereitung immer teurer machen wird.“ Zum Beispiel müssen Aktivkohlefilter eingebaut werden.

    Im Landkreis Rastatt in Baden-Württemberg seien die Trinkwasserpreise bereits um rund 20 Prozent gestiegen, erklärt Weyand, weil im Grundwasser auf einer Fläche in der Größe des Starnberger Sees PFAS in hohen Konzentrationen auftauchten. Der Grund: Vermutlich wurden mit den Chemikalien belastete Rückstände aus der Papierproduktion mit Kompost vermischt als Dünger auf den Äckern ausgebracht. Die nun notwendigen Investitionen der Stadtwerke: 15 Millionen Euro.

    Es ist ein besonders extremer Fall. Doch tauchen PFAS selbst in den entlegensten Gebieten der Welt wieder auf, sogar in Fisch und Muscheln, in Fleisch und Eiern. So steigen die Anforderungen an die Reinigung des Wassers allerorten – und damit die Kosten, die bisher alleine den Verbrauchern angelastet werden.

    Weyand will das ändern. Er fordert, dass Hersteller und Importeure von PFAS in einen Fonds einzahlen, um „volkswirtschaftliche Kosten der PFAS-Verschmutzung zu übernehmen“. Und für die Zukunft will er ein Verbot: „An einer Vermeidung führt kein Weg vorbei, wir sind kein Reparaturbetrieb“.

    Deutschland hat unlängst auf ein Verbot in der EU gedrängt, zusammen mit Dänemark, den Niederlanden, Norwegen und Schweden. Derzeit erarbeitet die Europäische Chemikalienagentur ECHA einen Vorschlag dazu. Wie das ausgeht: offen.

    Die Chemieindustrie warnt immer wieder vor „drastischen Folgen“ eines umfassenden Verbots. Es geht um eine Menge. Zur Gruppe der PFAS gehören bis zu 10.000 industriell hergestellte Chemikalien für Alltagsdinge, Automobilindustrie, Klimatechnik, Löschschaum und und und.

    Weyand weiß dafür die Umweltschützer an seiner Seite. Der Umweltverband BUND hat aktuell Mineral- und Leitungswasser getestet auf die Stoffe: Trifluoressigsäure. Sie zu den PFAS. Auf Melamin, das in Verdacht steht Krebs auszulösen. Und auf Benzotriazole, die möglicherweise den Hormonhaushalt ändern. Zwar fanden sich keine Überschreitungen von Grenzwerten. Aber in neun von zehn Leitungswasserproben und drei von fünf Mineralwässern tauchte mindestens einer der drei Stoffe auf. „Wenn jetzt nicht die Emissionen gestoppt werden, werden auch die Werte in unseren Wasserressourcen steigen“, sagt der BUND-Vorsitzender Olaf Bandt. Auch er fordert: „Schäden müssen die zahlen, die sie verursacht haben.“

    Der Verband der Chemischen Industrie VCI wollte sich zur Frage der Zahlungen nicht äußern, erklärte dieser Zeitung aber, dass die chemisch-pharmazeutische Industrie „zu ihrer Verantwortung steht und die Maßnahmen zur Reduktion von schädlichen Einträgen relevanter Stoffe in die Umwelt begrüßt“.

    Umweltschützer Bandt ruft die Verbraucher auf mitzuhelfen, Druck auf die Chemieindustrie aufzubauen. Der BUND hat die entsprechende App Tox-Fox entwickelt – auf das Handy laden, den Barcode auf einem alltäglichen Produkt scannen und eine Anfrage an den Hersteller zu Schadstoffen verlangen. „Damit zeigen Sie, dass Sie die Stoffe nicht wollen“, sagt Bandt.