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  • Illusionen

    Genmais – Pro von Wolfgang Mulke

    Die Zahl der Erdenbürger steigt und damit auch ihr Hunger nach Energie und Nahrung. Das vergangene Jahr hat gezeigt, wie sprunghaft sich die Preise entwickeln können, wenn wichtige Grundstoffe knapp werden, bei teurem Öl beispielsweise der Anbau von Energiepflanzen mit dem von Nahrungsmitteln konkurriert. Die jetzige Preisflaute an den Märkten täuscht. Mittelfristig werden Agrarprodukte teurer.


    Die grüne Gentechnik kann, sofern sie sich als beherrschbar erweist, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einerseits erhöht der Einsatz die Produktivität in der Landwirtschaft deutlich. Das dämpft die Preisentwicklung. Andererseits vermeidet die Technologie eine unmäßige Ausweitung der Anbauflächen zulasten der Natur. Eines ist illusorisch. Nur mit „Bio“ oder nur mit konventioneller Produktion ist die Welternährung bald nicht mehr zu haben. Seien wir froh über neue technologische Möglichkeiten zur Bekämpfung des Hungers auf der Welt.


    Auf einem anderen Blatt steht die Frage der Folgenabschätzung. Selbstverständlich darf die Gentechnik nicht nach dem Vorbild der Atomkraft Raum greifen, wo fröhlich hoch verstrahlter Müll ohne Lagerstätte produziert wird. Die Sicherheit von neuem Mais, Kartoffeln oder Soja muss daher verstärkt erforscht werden. Das geht übrigens nur, wenn Versuche auch im Freiland möglich sind. Natürlich kann sich Deutschland auch gemütlich zurücklehnen, die grüne Gentechnik dem Rest der Welt überlassen und sich am guten Gewissen berauschen. Spätestens bei stark steigenden Preisen würde diese Luxushaltung jedoch infrage gestellt.

  • Vorsorge statt Laisser-Faire

    Genmais – Contra von Hannes Koch

    Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker! Der große Vorteil dieser Aufforderung in Bezug auf Medikamente besteht darin, dass man Antworten auf seine Fragen erhält. Bei der grünen Gentechnologie ist das Gegenteil der Fall. Niemand kann abschätzen, welche Gefahren der Anbau gentechnisch veränderter Nahrungsmittel mit sich bringt. Deshalb ist es richtig, dass Landwirtschaftsministerin Aigner (CSU) die Aussaat einer genmanipulierten Mais-Sorte vorerst verboten hat.


    Auch wenn Firmen wie Monsanto, die das manipulierte Saatgut verkaufen, es nicht wahrhaben wollen: Die grüne Gentechnik ist eine Risiko-Technologie. Die Wissenschaft hat bis heute kaum untersucht oder gar geklärt, welche Auswirkungen zu erwarten sind, sollten manipulierte Organismen massenhaft in die Natur freigesetzt werden. Die wichtigste Frage lautet: Welche gesundheitliche Schäden könnten beim Menschen auftreten, wenn wir uns mit genveränderten Nahrungsmitteln ernähren? Statt das Laisser-Faire-Prinzips zu praktizieren, sollten wir das Vorsorge-Prinzip anwenden.


    Das bedeutet nicht, die Hände in den Schoß zu legen. Denn in der Tat steigt mit dem Wachstum der Weltbevölkerung der Bedarf an Nahrungsmitteln, den zu befriedigen die grüne Gentechnik einen Beitrag leisten kann. Es geht jedoch um die Prioritäten. Zunächst müssen Politik und Wirtschaft alle konventionellen Mittel ausreizen, um die Lebensmittelproduktion zu steigern. Diesen zeitlichen Aufschub kann man nutzen, um intensive Gefahrenforschung zu betreiben. Geben unabhängige Studien in einigen Jahren Entwarnung, stünde auch dem Anbau von Gentech-Pflanzen nichts im Wege. Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie Monsanto und BASF: die Agro-Konzerne müssen liefern – nicht nur Produkte, sondern auch Antworten.

  • „Die armen Länder schaffen es nicht alleine“

    Der Anbau von Gentech-Pflanzen sei notwendig, um die Ernährung von Milliarden Menschen zu sichern, sagt Agrarwissenschaftler Harald von Witzke

    Hannes Koch: Herr von Witzke, Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat den Anbau von gentechnisch verändertem Mais in Deutschland verboten. Halten Sie diese Entscheidung für richtig?


    Harald von Witzke: Nein. Langfristig kommen wir auf dieser Welt nicht ohne den Anbau genetisch bearbeiteten Saatguts aus. Denn seit dem Jahrtausendwechsel erleben wir eine Trendwende auf den Weltagrarmärkten.


    Koch: Was ändert sich?


    Von Witzke: Von 1870 bis etwa zum Jahr 2000 sanken die Preise für Nahrungsmittel, weil die Produktion und die Produktivität der Landwirtschaft schneller stiegen als die Nachfrage. Nun aber ist es umgekehrt: Die Nachfrage wächst schneller als das Angebot. Das hat zwei Gründe: Einerseits nimmt die Weltbevölkerung weiter rasant zu. 2050 werden neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Außerdem verdienen viele Einwohner von Schwellenländern wie China und Indien mehr Geld und kaufen mehr Nahrungsmittel. Dadurch wird sich die Nachfrage nach Lebensmitteln in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts verdoppeln. Und schon im nächsten Jahrzehnt steigen auch die Preise um bis zu 100 Prozent.


    Koch: Der Gentech-Anbau soll den Preisanstieg und die Knappheit mildern?


    Von Witzke: Mit gentechnisch veränderten Pflanzen kann man die Ernteverluste verringern. Heute geht die Hälfte der weltweiten Ernte durch Pflanzenkrankheiten verloren. Aber das ist nur ein Weg, um die Produktivität der Landwirtschaft zu steigern. Wichtig ist auch eine bessere und schonendere Nutzung der Böden in den Entwicklungsländern.


    Koch: Die Menschen in Deutschland sind wohlhabend. Höhere Nahrungsmittelpreise machen ihnen nicht viel aus. Wozu dann Gentechnologie in der Landwirtschaft?


    Von Witzke: Für viele Europäer mag das eine Luxusfrage sein – wenn auch nicht für alle. Für die arme Hälfte der Weltbevölkerung aber haben steigende Preise dramatische Auswirkungen. Millionen Menschen in Asien, Afrika und Lateinamerika hungern. Ihre Zahl steigt. Unruhen und Aufstände nehmen zu.


    Koch: Sie halten Gentech-Landwirtschaft für notwendig, um die Entwicklungsländer zu ernähren?


    Von Witzke: Ja. Wo sollen die fehlenden Nahrungsmittel herkommen, wenn nicht aus den reichen Staaten? Weil das Bevölkerungswachstum so groß ist, können die Entwicklungsländer ihre Bevölkerung nicht komplett selbst ernähren. Die armen Länder schaffen es einfach nicht alleine.


    Koch: Also geht es gar nicht um uns?


    Von Witzke: Wir müssen die moralische Frage beantworten, ob wir dazu beitragen wollen, die Welternährung zu sichern.


    Koch: Für Deutschland hätte der Einsatz von gentechnologischen Pflanzen demnach gar keinen Vorteil?


    Von Witzke: Doch, wenn einheimische Landwirte genverändertes Saatgut verwenden, sichert das Arbeitsplätze in der Agrarforschung. Und zweitens könnten die hiesigen Betriebe dann vom Wachstum des Weltmarktes profitieren.


    Koch: Der Verkauf biologischer und gentechnikfreier Lebensmittel nimmt aber schneller zu.


    Von Witzke: Der Markt für organische Nahrungsmittel ist klein. Selbst in Deutschland liegt er weit unter zehn Prozent des Gesamtmarktes. Und das gilt erst recht im weltweiten Maßstab. Die einheimischen Bauern müssen sich entscheiden, ob sie für eine Minderheit oder die Mehrheit produzieren wollen.


    Koch: Könnte Deutschland seinen Beitrag zur Welternährung auch dadurch leisten, dass wir die bewirtschaftete Fläche ausdehnen und die Produktivität auf konventionelle Weise erhöhen?


    Von Witzke: Das reicht nicht. In der Europäischen Union könnten wir vier Millionen Hektar zusätzlich unter den Pflug nehmen. Das macht nur etwa 0,25 Prozent der weltweiten Agrarfläche aus.


    Koch: Lässt sich nicht wenigstens die weltweite Produktionsfläche ausdehnen?


    Von Witzke: Ja, aber bis 2020 nur um etwa fünf Prozent. Doch alleine die Nachfrage nach Getreide wird in diesem Zeitraum um 30 Prozent wachsen. Die besten Flächen sind bereits in Bearbeitung. Es gibt keine nennenswerten Bodenreserven mehr. Und wo es sie noch gibt, wollen wir sie nicht nutzen, um beispielsweise den tropischen Regenwald zu erhalten.

    Harald von Witzke (59) lehrt und forscht als Professor für Agrarhandel und Entwicklung an der Berliner Humboldt-Universität

  • Schnäppchenland Europa

    Von den unterschiedlichen Preisen in den EU-Ländern können die deutschen Verbraucher profitieren/ Doch nur wenige Konsumenten kaufen jenseits der Grenze ein/ Denn immer noch bringt der Warenkauf Risiken mit sich

    Noch vor einigen Jahren galt Großbritannien als teures Reiseziel für deutsche Urlauber. Ob die Übernachtung im Hotel, ein Glas Bier im Pub oder die Eintrittskarte für die Oper – im Schnitt kostete alles 20 Prozent mehr. Inzwischen hat sich die Situation merklich geändert. Vom einst starken Pfund ist nichts mehr zu spüren: Freundinnen verabreden sich zum Kurzurlaub nach London, um die Läden auf der Oxford Street nach modischen Outfits zu durchstöbern, Liebhaber von Oldtimern durchforsten britische Automobilzeitschriften, um sich anschließend ihren Traumwagen direkt beim Verkäufer auf der Insel abzuholen. Auch in anderen Ländern lässt sich durch die teilweise enormen Preisunterschiede mancher Euro sparen. Auch über das Internet kann man sich die begehrten Waren von den Händlern im Ausland direkt nach Hause liefern lassen. Manchmal bringt das günstig erstandene Computerspiel oder die preiswerte Designer-Handtasche jedoch nichts als Ärger mit sich: Das gerade gekaufte Produkt geht nach kurzer Zeit kaputt, oder man bekommt die Ware überhaupt nicht oder beschädigt ausgeliefert.
    Zwar haben alle EU-Bürger seit 2002 einen Mindeststandard an Rechten beim Wareneinkauf. So können Käufer von gewerblichen Händlern entweder eine Nachbesserung oder eine Ersatzlieferung verlangen, wenn die Ware einen Mangel hat. Doch die Regelung hat einen Haken. „Häufig fällt es vielen Verbrauchern schwer ihre Rechte zu erkennen und auch durchzusetzen“, weiß Charlotte Geiger, Pressereferentin des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland in Kehl, „das liegt vor allem an Sprachbarrieren und unterschiedlichen nationalen Regelungen.“
    Sehr viele Verbraucher stoßen auf Schwierigkeiten, wenn sie versuchen ein Problem zu lösen oder zu ihrem Recht zu kommen. Nach Untersuchungen der Europäischen Kommission erklärten sich die Hälfte der Verbraucher, die sich beschwerten mit der Art und Weise, wie ihre Beschwerde behandelt wurde, unzufrieden.
    Diese Ergebnisse sind wohl auch der Grund dafür, warum der grenzüberschreitende Einzelhandel auf der Stelle tritt. Seit 2006 ist der Prozentsatz von Verbrauchern, die in anderen EU-Ländern einkaufen unverändert geblieben: 25 Prozent. Und obwohl das Internet mit teils unschlagbar günstigen Preisen lockt, wagen sich nur sehr wenige Verbraucher den grenzüberschreitenden Online-Kauf: „Bereits 150 Millionen Verbraucher kaufen online ein, jedoch nur 30 Millionen auch im Ausland“, berichtet EU-Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva.
    Die EU-Kommission weiß auch warum die Verbraucher günstige Waren nur sehr selten im Ausland bestellen: Viele Verbraucher würden zum einen von den Händlern abgewiesen, zum anderen stünden sprachliche Barrieren im Weg. Auch logistische Probleme, die zum Beispiel durch unterschiedliche Zahlungssysteme oder Zugangsprobleme zustande kommen, behinderten den Warenverkehr. Besonders würden Konsumenten von einer Bestellung Abstand nehmen, wenn zum Beispiel Zahlungsfragen oder Lieferbedingungen nicht eindeutig geklärt wären oder wenn sie Bedenken wegen des Datenschutzes hätten.
    Wer bei Streitigkeiten mit Händlern im EU-Ausland nicht gleich den Rechtsweg einschlagen möchte, dem hilft das Europäische Verbraucherzentrum in Kehl bei einer Schlichtung. Unter der Telefonnummer 07851 / 99148-0 oder mit einer Email an info@euroinfo-kehl.eu können die Experten erreicht werden.

  • Verbraucherschützer: Hersteller mogeln Lebensmittel gesund

    Die Verbraucherzentralen kritisieren den Nährwertkompass der Indusitrie/ Die Unternehmen hingegen, betrachten die Kennzeichnung als nützliche Orientierung für die Konsumenten

    Ein Blick auf den Nährwertkompass auf der Kornflakes-Packung und schon ist der Kunde informiert: In einer Portion stecken 112 Kalorien, 2,5 Gramm Zucker und 0,3 Gramm Fett. Das klingt wenig – und so landen die Knusperflocken erst im Einkaufskorb und später als vermeintlich leichte Kost in der  Frühstücksschale. Die Lebensmittelhersteller loben ihren Nährwertkompass als Einkaufshilfe. Die Verbraucherzentralen bezeichnen die Grafik mit den fünf aneinander gereihten ovalen Kästchen, hingegen als Augenwischerei.   

    „Die Unternehmen rechnen sich das schön,“ kritisiert Christiane Manthey von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg das Instrument, „jeder Lebensmittelhersteller kann sich seine Portionsgrößen selbst zurechtlegen.“ Tatsächlich dürfen  die Konzerne selbst entscheiden, wie groß, oder eben klein, eine Portion bei den Verbrauchern auf den Teller oder in die Gläser kommt. „Kaum jemand isst nur eine Praline, zwei Stückchen Schokolade, eine Hand voll Kartoffelchips oder drei dünne Scheiben Salami, die als Portion vorgesehen sind“, bemängelt Manthey die Minimengen, „das ist einfach unrealistisch.“

    Bei Coca Cola, einem der neun deutschen Unternehmen, die sich für die einheitliche Kennzeichnung stark machen, sieht man das anders: “Die Portionsangaben sind alltagstaugliche vorstellbare Maßeinheiten, mit denen der Verbraucher den Kaloriengehalt direkt im Verzehrmoment abschätzen kann“,erklärt
    Tanja Schüle, Leiterin Public Affairs.

    Die winzigen Portionen sind nicht der einzige Kritikpunkt der Verbraucherzentralen. Bei ihren Berechnungen zum Energie- und Nährstoffbedarf stützen sich die Unternehmen auf die Richtwerte für eine erwachsene Frau, die vom Verband der europäischen Ernährungsindustrien (CIAA) errechnet wurden. Bei einem Energieverbrauch von durchschnittlich 2.000 Kilokalorien dürften Frauen dementsprechend 90 Gramm Zucker (einschließlich Fruchtzucker), 70 Gramm Fett und 2,4 Gramm Salz am Tag zu sich nehmen.

    Den Verbraucherschützern sind diese Mengen zu hoch. Maximal 50 Gramm zugesetzter Zucker, 60 Gramm Fett und 1,4 Gramm Salz dürften es bei einer täglichen Energiezufuhr von 2.000 Kilokalorien sein. Das sind die Richtwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
     
    Auch die willkürliche Festlegung auf den Bedarf einer erwachsenen Frau stößt bei den Verbraucherzentralen auf Ablehnung. „Das ist eigentlich unzulässig“, meint Expertin Manthey und verweist gleichzeitig auf die unterschiedlichen Bedürfnisse vor allem von alten Menschen und Kindern.

    Ebenso schlagen die Zentralen bei Lebensmitteln für Kinder Alarm. Ob Fruchtquark oder Kaubonbon, auch auf den bunt verpackten Produkten für die Knirpse prangen die Nährwertangaben, die für die erwachsene Durchschnittsfrau gelten. Nur selten werden die Werte auch Kindern gerecht. Warum das so ist, kann sich Manthey nicht so recht erklären, schließlich gäbe es ja Richtlinien für die Kleinen.

    „Der Kompass kann mit seinem Richtwert eine Orientierung geben“, verteidigt Coca-Cola-Sprecherin Schüle den Bezugswert von 2.000 Kalorien, „denn die meisten Verbraucher haben eine unrealistische Vorstellung über den durchschnittlichen Kalorienbedarf eines Menschen“.

    Übrigens müsste man die anfangs erwähnten Kornflakes trocken, oder mit Wasser verzehren, um auf den angegebenen Energiegehalt von 112 Kalorien pro Portion zu kommen. Denn die Milch, die den Cerealien üblicherweise beigemengt wird, findet in den Nährwertangaben keine Erwähnung.     

     

  • Ohne Porsche durch die L-Kurve

    Die Wirtschaftskrise und unsere Vorstellung von Gerechtigkeit

    Auf dem Küchentisch liegt die „Bravo“ meiner Tochter. Die Sängerin Ashley Tisdale, 23, lese ich, fährt mehrere Autos, das preiswerteste Modell ist ein Porsche Boxter für 50.000 Euro. Mehr nicht? Ich bin erstaunt und schaue nach. Porsche-Webseite, Modellvergleich, Boxter. Stimmt, 46.142 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Ich hätte das Doppelte geschätzt.

    Kann ich mir trotzdem nicht leisten. Nein, besser: Würde ich mir sowieso nie leisten wollen, weil anderes wichtiger ist – Reisen beispielsweise. Ach, Quatsch. Es handelt sich um faktisch bedingte Bescheidenheit. Wenn ich das Geld hätte, würde ich zuschlagen. Vielleicht klappt es irgendwann?

    Es ist diese immerwährende Hoffnung auf materiell definierten sozialen Aufstieg, die die Finanzkrise für längere Zeit begraben könnte. US-Ökonom Nouriell Roubini warnt vor einer Wirtschaftsentwicklung, die dem Buchstaben „L“ ähnelt – steiler Absturz, lange Stagnation auf niedrigem Niveau.

    Fünf Prozent Schrumpfung der deutschen Wirtschaftsleistung in diesem Jahr bedeuten ein Minus von rund 130 Milliarden Euro. Auf die Erholung 2010 wettet niemand. Prognosen verschieben den Aufschwung zunehmend in die Zukunft. Viele reden über eine „lost decade“, ein verlorenes Jahrzehnt, wie es Japan in den 1990er Jahren erlebte. Vielleicht kommt es anders. Aber wir sollten uns mit dieser Variante vertraut machen.

    Sie würde ziemlich viel über den Haufen werfen. Unser Modell der Sozialen Marktwirtschaft funktioniert nur deshalb relativ reibungslos, weil es die materiellen Ansprüche der wichtigen Bevölkerungsgruppen aus dem Wirtschaftswachstum finanziert. Hohe Kapitalrenditen für Firmen und Aktionäre, steigende Gehälter für die Mittelschicht, eine halbwegs menschenwürdige soziale Sicherung für die Abgehängten – dafür ist nur dann genug Geld da, wenn das Bruttoinlandsprodukt jedes Jahr um zwei oder drei Prozent wächst.

    Dies spiegelt sich in der vorherrschenden Vorstellung von Gerechtigkeit, die der liberale Sozialphilosoph John Rawls so beschrieb: Dass manche Leute unheimlich reich sind, noch dazu immer vermögender werden, stört diejenigen, die am Minimum leben, oft wenig. Das gilt, so Rawls, unter einer Voraussetzung: Alle, auch die Schlechtgestellten, wollen vom allgemeinen Zuwachs wenigstens ein bisschen abbekommen – wieviel, ist ihnen egal, auf die Chance des Zuwachses kommt es an.

    Weil aber der allgemeine Zugewinn fehlte, könnte diese Art, Gerechtigkeit herzustellen, unter den Bedingungen der Stagnation nicht mehr funktionieren. Den Unternehmen und Kapitalbesitzern würde es weiterhin – wie immer – gelingen, ihre Rendite zusichern. Die Mehrheit aber schaute in Röhre. Wie ließe sich dieser Systembruch unter den Bedingungen der Stagnation kitten?

    Es gilt, eine Selbstbeschränkung der Reichen zu institutionalisieren. Dass so etwas möglich ist, zeigen die neuesten Nachrichten aus den USA. Dort hat gerade der Kongress eine Einkommenssteuer von 90 Prozent beschlossen, die Manager staatsgestützter Banken auf ihre Boni zahlen müssen. So schnell verschieben sich die Maßstäbe! Da nehmen sich die Spitzensätze der Einkommenssteuer von 55 Prozent in Schweden und 59 Prozent in Dänemark schon fast bescheiden aus. Nicht unwahrscheinlich erscheint es, dass die Kapitalbesitzer unter dem Druck der Krise und ihres Versagens einem neuen Gesellschaftsvertrag zustimmen. Dieser Krisenkonsens würde beinhalten, dass der Teil der Wertschöpfung, den sie beanspruchen, erheblich geringer ausfällt, als bisher.

    Die Instrumente, dies zu verwirklichen, sind vorhanden: ein höherer Spitzensatz der Einkommenssteuer, Erbschaftsteuer, Vermögenssteuer, eine neue Börsenumsatzsteuer für die Finanzmärkte. Letztere verlangen mittlerweile nicht mehr nur die Globalisierungskritiker von Attac, sondern selbst SPD-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat sie sich zu eigen gemacht. Das zusätzliche Geld wird auch dringend gebraucht. Denn die Schuldenlast, die künftig auf uns alle zukommt, wird deutlich steigen. Hunderte Milliarden Euro, die Bundesrat, Bundestag und Regierung heute zur Bekämpfung der Finanzkrise ausloben, müssen irgendwann mindestens teilweise zurückgezahlt werden.

    Doch nicht alle Kosten der Stagnation lassen sich die Wohlhabenden und Reichen aufbürden. Wenn die Nachfrage nach Produkten nachlässt oder sinkt, werden die Unternehmen ihr Personal reduzieren und versuchen, die Löhne der übrigen Beschäftigten zu drücken. Der materielle Zuwachs der Mittelschichten wird in Frage gestellt. Nur einzelne Branchen, Firmen und Bevölkerungsgruppen können noch profitieren, viele werden sich jedoch mit weniger zufriedengeben müssen.

    Die Lage könnte dann so aussehen: Unternehmen und vermögende Bürger verbuchen weiterhin einen gewissen Gewinn. Die materielle Ausstattung des Bürgertums dagegen nimmt ab. Um trotzdem Rawls´ Gerechtigkeitsdefinition zu erfüllen und den gesellschaftlichen Frieden zu wahren, müsste der nicht mehr vorhandene materielle Zuwachs durch andere Verbesserungen kompensiert werden. Hier stellt sich die Frage: Lässt sich Lebensqualität dematerialisieren?

    Als die grüne Partei noch konsumkritisch war, verfügte sie über eine heute etwas verstaubt anmutende Antwort. Die lautete: Wer weniger arbeitet, hat mehr Zeit zum Leben. In den 1980er und 1990er Jahren hingen auch einige Gewerkschaften dieser Einstellung an. „Arbeitszeitverkürzung“ – wenn notwendig auch ohne Lohnausgleich – lautete eine zentrale Forderung der postmaterialistischen Ära.

    Heute könnte auf dieser Basis ein neues Bündnis zwischen der Oberschicht, der breiten Mitte und den ärmeren Bevölkerungsgruppen entstehen. Das reiche Drittel der Gesellschaft erhielte nur eine eingeschränkte Kapitalrendite. Mit seinem Verzicht auf hohe Profite würde es neben den Schulden der Krise auch die Lebensqualität der Mehrheit finanzieren: bessere Kindergärten, Schulen und Unis, funktionierende Bus- und Bahnverbindungen, öffentlich finanzierte Theater, Schwimmbäder und Freizeiteinrichtungen.

    Die Mittelschicht müsste ihre persönlichen Lebensziele und Entwicklungswünsche etwas weniger als heute in den Kategorien materiellen Zuwachses messen. 5.000 Euro Monatsverdienst pro Job, Küchenzeile mit Granit-Arbeitsplatte, zwei Tiefkühltruhen und drei Flachbildschirme, Haus an Stadtrand, großer Kombi plus Zeitwagen würden nicht mehr ungefochten als erstrebenswert gelten. Beruflicher Erfolg würde mit Ansehen, Verantwortung, Freizeit, Entspannung und Reisen honoriert.

    Das klingt paradiesisch und snobistisch. Aber ich weiß: Nicht nur die Reichen müssen sich entscheiden, auch ich muss mich entscheiden. Ob das klappt? Gold war immer schon begehrt. Wollen nicht alle Porsche fahren? Bin ich zufrieden, wenn der Traum ausgeträumt ist? Aber jetzt muss ich los. Wo ist mein Fahrradschlüssel?

    Hannes Koch

  • Daimler will notfalls Jobs abbauen

    Autobauer fährt in die roten Zahlen / Erst im Herbst winkt Besserung

    Der Autokonzern Daimler schließt Kündigungen nicht mehr aus. „Im äußersten Fall können wir Entlassungen nicht ausschließen, wenn die Krisendynamik anhält“, sagte Vorstandschef Dieter Zetsche am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Berlin. Beim Personal setzt der Konzern ohnehin schon den Rotstift an. 68.000 Beschäftigte arbeiten kurz, im Sommer ist eine mehrwöchige Arbeitspause am Stück vorgesehen. Darüber hinaus werden die vereinbarte Tariferhöhung verschoben, das Urlaubs- und Weihnachtsgeld gekürzt und freiwillige Firmenleistungen ausgesetzt. Von Kündigungen war bislang nicht die Rede, auch weil ein Beschäftigungspakt dies eigentlich bis Ende 2011 ausschließt.

    Immerhin wollen auch die Führungskräfte und die Aktionäre etwas zur Gesundung Daimlers beitragen. Die Vergütung der Vorstände ging im vergangenen Jahr um gut 40 Prozent zurück. Die  Dividende wurde kräftig gekürzt. Statt zuletzt zwei Euro müssen sich die Anteilseigner mit 60 Cent pro Aktie begnügen. Denn der Daimler-Gewinn ging schon 2008 um zwei Drittel auf 1,4 Milliarden Euro zurück. Nun will Zetsche jeden Euro zwei mal umdrehen, bevor er ausgegeben wird. Mit einem rigiden Sparprogramm soll Daimler Milliarden einsparen und wieder auf die Erfolgsspur gebracht werden. Vor allem sollen die Fahrzeugbestände auf der Halde abgebaut werden, die viel Kapital binden.

    So stecken die Stuttgarter mitten im Kampf gegen die Krise. „Das erste Quartal wird deutlich negativ“, kündigte Zetsche  rote Zahlen an. Im Gesamtjahr rechnet der Vorstand aber mit Besserung, auch weil mit der neuen E-Klasse ein viel versprechendes Modell auf den Markt gebracht wurde. Konkrete Prognosen für den Geschäftsverlauf wollte der Manager jedoch nicht wagen.

    Der Absatz bröckelt unterdessen auf breiter Front. In den ersten drei Monaten ging der Absatz an Lkw um 39 Prozent zurück, bei Mercedes beträgt das Minus 25 Prozent. Für 2009 ist Zetsche daher pessimistisch. „Der Umsatz wird in allen automobilen Geschäftsfeldern deutlich unter Vorjahr liegen“, schätzt der Vorstand.

    „Wir wollen trotz schwacher Märkte ein starkes Unternehmen bleiben“, schwor der Manager die Aktionäre auf den künftigen Kurs Daimlers ein. Dazu gehört für Zetsche vor allem die weitere Entwicklung verbrauchsarmer Motoren. Mehr Hybrid- und Elektrofahrzeuge sowie durch Brennstoffzellen angetriebene Autos stehen auf dem Programm. Als Vorbild dient die nun mit  einem Hybridantrieb ausgestattete S-Klasse, die weniger als acht Liter Sprit verbraucht.

    Zetsche musste sich reichlich Kritik gefallen lassen. Vor dem Kongresszentrum demonstrierten Arbeitnehmer des Konzerns für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und Greenpeace für saubere Autos. Drinnen zogen Aktionäre über die Geschäftspolitik her. „Daimler ist ein Wertvernichter“, stellte der Sprecher der Schutzvereinigung der Kapitalanleger angesichts eines Kursrückgangs um 60 Prozent im vergangenen Jahr fest. Die Investmentgesellschaft Union warf Zetsche vor, Nachhaltigkeit zu predigen ohne dies auch zügig in Modellen umzusetzen. Bei der Reduktion von CO2 hinke der Konzern hinter Wettbewerbern wie BMW deutlich zurück. Gefordert wurde auch der Verkauf der Rüstungssparte mit dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS.

  • Mehr Service, weniger Börsengang

    Gewerkschaften unterstützen neuen Bahnchef / Konzern will wieder mehr um Deutschland um Deutschland kümmern

    Es ist ungewöhnlich, wenn sich der angehende Vorstandschef eines großen Konzerns bei den Arbeitnehmern vorstellen muss, bevor er den Job bekommt. Doch bei der Bahn ist auch dies möglich. So stand der designierte oberste Bahner Rüdiger Grube am Montag zwei Stunden lang den beiden großen Gewerkschaften Transnet und GDBA Rede und Antwort. Von dem Gespräch hing die Zustimmung der Beschäftigten zur Personalwahl ab. „Herr Grube hat die Bewerbung bestanden“, lobte GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel anschließend den Auftritt des noch bei Daimler tätigen Managers. Grube selbst kämpfte sich fast schweigend durch die Meute der Kameraleute. „Es war ein sehr gutes Gespräch“, rang sich der 57-jährige dann doch noch ein paar Worte ab. Der Berufung steht nun nichts mehr im Wege. Der gebürtige Hamburger kann im Mai seine Arbeit im Bahntower aufnehmen.

    Entscheidend für das Gewerkschaftsvotum sind inhaltliche Zugeständnisse vom Bund und dem künftigen Vorstandsvorsitzenden. Die bisherige Geschäftspolitik von Hartmut Mehdorn wird zwar nicht generell über den Haufen geworfen, aber in einem wesentlichen Punkt verändert. Die Bahn wird den Blick künftig weniger auf die ganze Welt als vielmehr auf den Kernmarkt im Inland werfen. Der Service solle verbessert und die Kunden zufriedener werden, sagte der Transnet-Vorsitzende Alexander Kirchner. Das bedeutet zwangsläufig, dass künftig wieder mehr in Deutschland investiert wird. International will der Konzern weiter mitspielen. Mit der zuletzt forcierten Expansionsstrategie ist es aber wohl vorbei. Das geht aus einem Memorandum zwischen dem Bund als Eigentümer der Bahn und den Gewerkschaften hervor, das von Grube mitgetragen wird.

    Private Investoren sind nicht mehr gefragt. „Der Börsengang in dieser Form wird nicht fortgeführt“, stellte Kirchner fest. Grube sehe dies bestenfalls als eine Option für ferne Zeiten an. Festgeschrieben ist in der Vereinbarung auch, dass der Konzern als Ganzes erhalten wird. Immer wieder wurden die Trennung von Netz und Betrieb oder der Verkauf der Logistiksparte diskutiert. Nun bekennt sich der Bund als Eigentümer zum integrierten Konzern. Für die Arbeitnehmer ist dies besonders wichtig, weil so der unternehmensinterne Arbeitsmarkt erhalten bleibt, ohne den es in Teilbereichen wohl zu Kündigungen kommen müsste.

    Zunächst will Grube nach Angaben der Gewerkschaften die noch anstehenden Hausaufgaben lösen. „Er versucht, die Datenaffäre völlig aufzuklären, versicherte Kirchner. Die verdeckte Überprüfung von Mitarbeitern und Lieferanten sowie die Durchforstung von E-Mails nach verdächtigen Empfängern hatten dem scheidenden Bahnchef Mehdorn am Ende den Job gekostet. Bis Mitte Mai sollen die Schnüffelaktionen vollends aufgeklärt und die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden.

  • „Es ist mehrheitsfähig, die Reichensteuer zu erhöhen“

    Bundesfinanzminister Peer Steinbrück im Interview

    Hannes Koch: Unser letztes Interview fand Mitte September statt, genau an dem Tag, als die US-Bank Lehman Brothers pleite ging. Sie sagten, dass „die Auswirkungen in Deutschland sehr begrenzt“ sein würden. Haben Sie damals Sicherheit simuliert oder tatsächlich daran geglaubt?
    Peer Steinbrück: Man kann nur das wiedergeben, was man als Informationsstand hat. Die gesamte spätere Entwicklung der Finanz- und Wirtschaftskrise habe ich nicht in dieser Tiefenschärfe sehen können, wie übrigens auch Tausende anderer Fachleute, Banker und Journalisten nicht.
    Koch: Fühlen Sie sich manchmal hilflos angesichts der Wucht der Ereignisse?
    Steinbrück: Nein, nicht hilflos. Ich glaube, wir haben Schlimmeres verhindert. Wir haben richtige Antworten auf die Krise gegeben – national und international. Ob diese Antworten allerdings zureichend sind für die notwendige Vertrauensbildung auf den Finanzmärkten, wird sich erst noch herausstellen.
    Koch: Die Politiker in Deutschland hätten in den vergangenen Jahren zu sehr der marktradikalen Ideologie angehangen, räumten Sie kürzlich ein. Welche Fehler haben Sie selbst gemacht?
    Steinbrück: Soll ich jetzt „mea culpa“ rufen?
    Koch: Wie wäre es mit Ehrlichkeit?
    Steinbrück: Seit den 90er ist von vielen das marktradikale Modell, das Paradigma der Deregulierung, vorangetrieben worden – von Managern, Wirtschaft, wissenschaftlicher Expertise und nicht zuletzt auch von vielen namhaften Teilen der Wirtschaftspresse. Selbstkritisch gesprochen: Dem hat sich die Politik zu lange ergeben. Wir haben uns der angloamerikanischen Definitionshoheit zu wenig widersetzt. Aber daraus jetzt ein Politik- und Staatsversagen zu konstruieren, wie es etwa die FDP tut, ist eine Frechheit. Wenn jemand dieser Marktideologie aufgesessen ist und sich gegen jedwede Regulierung gewandt hat, dann doch wohl die FDP.
    Koch: Der große G20-Gipfel, das Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer, vergangene Woche in London ist von den Beteiligten als großer Erfolg gefeiert worden. Sind Sie mit dem Ergebnis wirklich zufrieden?
    Steinbrück: Ich bin nicht euphorisch. Aber in der Tat haben wir Vereinbarungen getroffen, die ich vor einem dreiviertel Jahr nicht für möglich gehalten hätte.
    Koch: Für Ihre scharfen Worte gegen Steueroasen und die Forderung einer schwarzen Liste haben Sie im Vorfeld viel Ärger bekommen. Nun wurde auf Druck der G20 tatsächlich eine Liste veröffentlicht, aber da standen nur vier Länder drauf: Costa Rica, Malaysia, Philippinen und Uruguay. Das sind nicht gerade die problematischsten Steueroasen. Und selbst die wurden inzwischen wieder gestrichen. Ist das nicht ein mageres Ergebnis, das lediglich Aktivität simuliert?
    Steinbrück: Durchaus nicht. Schließlich hat ja schon die Drohung mit der Liste gewirkt. In den vergangenen drei, vier Wochen haben sich jede Menge Steueroasen bei uns gemeldet, die plötzlich die Transparenz-Standards der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) anerkennen wollten. So haben sie sich von der schwarzen auf eine graue Liste derjenigen Länder gerettet, die Besserung geloben, dies aber noch nicht umgesetzt haben.
    Koch: Gegen die nicht kooperativen Länder soll es Sanktionen geben. Gilt das nur für die, die auf der schwarzen Liste stehen, oder auch für die Staaten der grauen Liste?
    Steinbrück: Man muss diesen Ländern die Chance geben, ihre Ankündigungen in die Tat umzusetzen. Das mahne ich aber auch an.
    Koch: Und wie viel Zeit geben sie ihnen?
    Steinbrück: Jedenfalls nicht fünf Jahre. Das muss möglichst schnell gehen.
    Koch: Bisher sind selbst Institute wie die Commerzbank, die jetzt ja zum Teil dem Staat gehört, noch in Steueroasen aktiv. Wäre es nicht notwendig, das als erstes zu verhindern, wenn man im Kampf gegen Steuerflucht glaubwürdig sein will?
    Steinbrück: Die Antwort lautet: Ja.
    Koch: Und was gedenken Sie zu tun?
    Steinbrück: Wir haben bereits die ersten Schritte eingeleitet. Alles Weitere werden die nächsten Wochen zeigen.
    Koch: Genauer geht das nicht?
    Steinbrück: Ich kündige hier nichts an. Sonst habe ich nur wieder einen Tag Aufräumarbeit. Aber ich sage Ihnen: Wir werden uns um diesen Missstand kümmern.
    Koch: Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass der G20-Gipfel überwiegend die Symptome bearbeitet hat. Kaum ein Finanzprodukt, das die Krise auslöste, wurde bislang verboten. Müsste man nicht eine Art TÜV einführen, um Wertpapiere zu testen, bevor sie auf den Markt losgelassen werden?
    Steinbrück: Ja, wir bräuchten eine Art Zulassungsstelle für Finanzprodukte – so ähnlich wie bei der Überprüfung von Arzneimitteln. Aber das ist sehr schwer umzusetzen. Denn diverse Leute denken sich Finanzmarktprodukte nicht nur in Deutschland aus, sondern auch weltweit. Beim Versuch, diese zu erfassen, stoßen Sie sofort an institutionelle und administrative Grenzen. Trotzdem: Der Gedanke ist nicht falsch.
    Koch: Ebenfalls kaum debattiert wird derzeit die Frage, wer die Rettungspakete später bezahlen soll. Müssten Sie sich nicht dafür einsetzen, dass diejenigen, die im Boom besonders profitiert haben, in der Krise auch besonders zur Kasse gebeten werden?
    Steinbrück: Das ist eine Stimmung, die es in der Bevölkerung gibt. Das ist nachvollziehbar, und ich nehme das sehr ernst. Angesichts der sittenwidrig hohen Abfindungen der Manager auf der einen und den sittenwidrig niedrigen Löhnen auf der anderen Seite haben viele Menschen das Gefühl, dass da etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Und zwar zu Recht.
    Koch: Aber was tun Sie dagegen?
    Steinbrück: Bei der Bundestagswahl wird auch darüber entschieden, wie die künftige Einkommensbesteuerung in Deutschland aussehen wird. Ohne dass ich da Beschlüssen meiner Partei vorgreifen will, glaube ich, dass die SPD die Steuern im oberen Bereich angehen wird – sowohl bei den Sätzen als auch bei den Einkommensgrenzen.
    Koch: Was heißt das genau?
    Steinbrück: Ich gehe davon aus, dass es mehrheitsfähig ist, die Reichensteuer von heute 45 Prozent zu erhöhen. Parallel sollte die Einkommensgrenze sinken, ab der sie erhoben wird. Bisher gilt der höchste Satz erst ab 500.000 Euro für Verheiratete und 250.000 Euro für Singles. Dieser Wert kann verringert werden – sofern wir klar machen, wofür wir das Geld brauchen, vornehmlich für Bildung.
    Koch: Aber an der 90-Prozent-Steuer, die US-Präsident Obama für Bonuszahlungen an Pleite-Banker plant, wollen Sie sich nicht orientieren?
    Steinbrück: Das muss ich gar nicht. Wir haben das nämlich früher gelöst: Bei uns sind bei Banken, die Staatshilfe in Anspruch nehmen, Managergehälter auf 500.000 € gedeckelt und Bonuszahlungen ausgeschlossen. Das haben wir Monate vor Präsident Obama gemacht, sind allerdings dafür nicht ganz so gefeiert worden.

  • Bankenaufsicht oder Kosmetik?

    Die Beschlüsse des G20-Gipfels zur Kontrolle der Finanzinstitute, Hedgefonds und Ratingagenturen sind gut. Ob tatsächlich eine schärfere Aufsicht ausgeübt wird, steht aber auf einem anderen Blatt

    Der Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer wollte in London globale Politik machen. Das war der Anspruch der Regierungschef, aber auch die Hoffnung vieler Menschen. Nun ist die Frage: Wurde tatsächlich Politik oder eher Simulation betrieben?


    Die Beschlüsse des Gipfels zur schärfen Kontrolle von Banken und Investoren klingen gut, bis zur praktischen Umsetzung aber dürfte es in vielen Fällen ein sehr weiter Weg sein. Ein Beispiel: Das heutige Forum für Finanzstabilität, in dem nationale Bankenkontrolleure zusammenarbeiten, soll nach dem Willen der 20 Regierungen zum Kern einer internationalen Finanzmarktaufsicht ausgebaut werden. Künftig heißt die in Basel residierende Institution „Financial Stability Board“ (FSB). Sie bekommt die Aufgabe, sehr genau hinzusehen, wo sich an den Weltbörsen gefährliche Risiken auftürmen, die zu Krisen führen könnten. Schönheitsfehler: Eigene Sanktionsmöglichkeiten wird das FSB nicht bekommen. Das sollen weiterhin die nationalen Aufsichtsbehörden erledigen. Ob schließlich wirklich eine schärfere Aufsicht ausgeübt wird, weiß man nicht.


    Neue Überwachungsgremium für transnational tätige Finanzinstitute sollen außerdem gegründet werden, hat der Gipfel beschlossen. Bank- und Versicherungsaufseher aus verschiedenen Staaten würden dann besser zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass die jeweilige Bank risikoreiche Geschäfte irgendwo im Ausland versteckt. Beispielsweise bei der Deutschen Bank, der Allianz AG und anderen europäischen Instituten existieren solche Gremien schon. Fraglich ist deshalb, ob der Gipfel-Beschluss für Europa überhaupt eine schärfere Aufsicht bedeutet.


    Offen ist auch vieles bei den Hedgefonds. Die Regierungen haben in London zwar vereinbart, dass sich die „systemrelevanten Fonds“ registrieren und in die Bilanzen schauen lassen müssen. Jetzt aber startet erstmal die Debatte: Was ist ein „systemrelevanter“ Fonds? Wie groß oder klein darf er sein, welche Geschäfte tätigt er, um beaufsichtigt werden zu müssen? Heikle Fragen – die Antworten sollen folgen. Von ihnen wird es abhängen, ob die neue Kontrolle der Hedgefonds mehr sein wird als Kosmetik.


    Ähnlich sieht es bei den Rating-Agenturen aus. Hier hat der Gipfel ebenfalls beschlossen, die Firmen künftig zu registrieren und zu beaufsichtigen. Denn Standard & Poor´s, Moody´s und weitere Rating-Agenturen haben zur Finanzkrise erheblich beigetragen: Die vermeintliche Qualität heute wertloser Papiere testierten sie in den vergangenen Boomjahren mit Bestnoten. Um den Grund dafür zu finden, muss man nicht allzulange forschen: Sie wurden von den Emittenten der Wertpapiere bezahlt. Mit derartigen Interessenkonflikten soll künftig Schluss sein. Die Europäische Kommission hat einen entsprechenden Vorschlag ins EU-Parlament eingebracht. Was am Ende dabei herauskommt, ist noch offen.


    Politik oder Simulation? Die Regierungen scheinen die Absicht der Bankenregulierung ernst zu meinen, sie wollen etwas tun. Ob die schärfere Kontrolle der Finanzmärkte in die Tat umgesetzt wird, muss sich erst zeigen.

  • Halber Erfolg in London

    Kommentar von Hannes Koch

    Der Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in London hat sich zusammengerauft. Die Regierungschefs haben keinen Erfolg auf der ganzen Linie geschafft, aber auch keinen Misserfolg produziert. Denn erstmals seit dem Beginn der neuen Globalisierung in den 1980er Jahren trauen sich die Regierungen selbst mehr Macht zu. Bestand das Ergebnis internationaler Verhandlungen bisher oft darin, die Staaten zu schwächen und die Unternehmen zu stärken, so wird diese Logik nun in ihr Gegenteil verkehrt. Das neue Programm lautet: „Kein Markt, kein Akteur und kein Produkt soll ohne staatliche Aufsicht bleiben“.


    Banken und Investoren haben deshalb künftig weniger Bewegungsfreiheit für risikoreiche Geschäfte. Und dieser Fortschritt beschränkt sich nicht auf die Industriestaaten. Weil diese unter dem Druck der Krise bereit sind, ihre Macht mit den aufstrebenden Schwellenländern wie China, Indien, Brasilien und Indonesien zu teilen, kristalliert sich eine neue globale Wirtschaftsverfassung heraus.


    Auf einige drängende Fragen, die die Finanzkrise aufwirft, hat der Gipfel allerdings keine Antworten gegeben. Was passiert mit den wertlosen, verlustbringenden und unverkäuflichen Wertpapieren, die einst Hunderte Milliarden Euro wert waren, und nun die Bilanzen der Banken belasten? Entgegen dem Plädoyer von IWF-Chef Dominique Strauss Kahn hat man sich darüber lieber nicht unterhalten. Herausgekommen wäre: Niemand weiß genau, was man machen soll. Großbritannien probiert es mit einer öffentlichen Versicherung, die USA mit Kauf durch den Staat. Nichts funktioniert richtig. Und die deutsche Regierung hofft, dass sich das Problem irgendwie von selbst erledigt.


    Der größte Mangel aber besteht darin, dass die Regierungen kein gemeinsames Investitionsprogramm zur Stabilisierung der Weltwirtschaft beschlossen haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ist das schlicht zu teuer – eine Sparsamkeit, die sich angesichts des abrupten Absturzes der Weltkonjunktur noch als extrem kurzsichtig erweisen könnte. Gemildert wird dieser Nachteil jedoch dadurch, dass für die Mittel des Internationalen Währungsfonds für Entwicklungs- und Schwellenländer auf rund 800 Milliarden Dollar verdreifacht werden.


    Über all das ist aber das letzte Wort noch nicht gesprochen. Wenn der Wirtschaftsabschwung anhält und der Druck steigt, könnte der nächste G20-Gipfel durchaus ein weiteres internationales Konjunkturprogramm beschließen. Denn diese Krise ist noch lange nicht vorbei.

  • Strategiewechsel?

    Kommentar

    Erstaunlich schnell präsentiert die Bundesregierung einen neuen Bahnchef. Der bisherige Daimler-Vorstand bringt als einer von wenigen Topleuten zumindest auf dem Papier alle Voraussetzungen für den schwierigen Posten mit, auch wenn er bislang mit dem Schienenverkehr nichts zu tun hatte. Grube kennt als Automann den Verkehrsmarkt, die weltweiten Logistikketten und ist mit der Führung eines großen internationalen Konzerns vertraut. Darüber hinaus hat der Manager durch seine frühere Tätigkeit beim Luftfahrt- und Rüstungskonzern DASA Erfahrungen im Umgang mit der Politik. Der Mehdorn-Nachfolger stand vermutlich schon länger auf der Wunschliste möglicher Kandidaten, denn spätestens im nächsten Jahr wäre der alte Bahnchef wohl ohnehin abgelöst worden.

    Viel interessanter als die Person ist das Programm. Nutzt der Bund die Gelegenheit zu einem Strategiewechsel? Die Bahn soll sich laut Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee stärker auf die Dienstleistungsqualität in Deutschland konzentrieren. Das kann durchaus als kleiner Rückzug von den weltweiten Aktivitäten des Konzerns gedeutet werden. Die Fahrgäste würden es sicher danken, wenn die Bahn sich stärker um ihr wohl kümmert, den Verkehr ausbaut, pünktlicher wird und ein gutes Angebot zu vernünftigen Preisen bietet.

  • „Er könnte es können“

    Der neue Bahnchef Rüdiger Grube kommt von Daimler / Mehdorn verhandelt über Abfindung

    Der neue Mann an der Spitze der Deutschen Bahn heißt Rüdiger Grube. Der 57-jährige ist derzeit noch Vorstandsmitglied beim Autokonzern Daimler und dort für strategische Fragen zuständig. Kanzlerin Angela Merkel und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier einigten sich auf diesen Kandidaten. Am Donnerstag wurde die Personalie bereits im Präsidium des Bahn-Aufsichtsrates beraten. Noch im April soll das Kontrollgremium der Berufung zustimmen. Wann Grube tatsächlich im Bahntower die Arbeit aufnimmt, ist noch offen.

    Offen ist auch noch die Haltung der Gewerkschaften. Transnet und GDBA wollen sich am kommenden Montag dazu äußern. Die erste Reaktion war allerdings eher positiv. „Er könnte es können“, sagte GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel. Die Gewerkschaften trafen Grube am Mittwochabend bereits zu einem kurzen Gespräch. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee ist von Grube überzeugt. Der „Spitzenmanager“ sei ein exzellenter Fachmann, der über eine hohe soziale Kompetenz verfüge, sagte der Minister. Strategisch seien sich beide einig, dass die Bahn weiterhin Netz und Betrieb vereint führt. Dazu soll das Unternehmen die Kunden stärker ins Visier nehmen. „Herr Grube wird einen starken Fokus auf eine hohe Dienstleistungsqualität  in Deutschland legen“, kündigte Tiefensee an.

    Der gebürtige Hamburger gilt als offener Charakter und jemand, der mit den Arbeitnehmervertretern gut klarkommt. Seine Karriere begann der Ingenieur, Wirtschaftspädagoge und Arbeitswissenschaftler 1989 beim Rüstungsunternehmen Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB), aus der später die Daimlertochter Dasa wurde. Ein Jahr später trafen sich die Wege von Grube und Hartmut Mehdorn bei Airbus in Hamburg. Mehdorn war Chef, Grube sein Büroleiter. 2001 wurde der Manager in die Daimler-Zentrale nach Stuttgart und dort in den Vorstand berufen. Dort ist Grube für die Konzernentwicklung und industrielle Beteiligungen verantwortlich.

    2005 hätte Grube beinahe einen Karriereknick hinnehmen müssen. Er hatte die Pläne einer Welt AG unter Führung von Jürgen Schrempp unterstützt, die bekanntlich nicht aufgegangen sind. Statt Grube nach dem Scheitern Schrempps zu feuern, betraute Daimler ihn mit der Abwicklung der Zukäufe. So konnte er beim zum Beispiel die US-Tochter Chrysler noch rechtzeitig vor der Autokrise losschlagen.

    Umwelt- und Verkehrsverbände halten wenig vom neuen Bahnchef. Der Verkehrsclub Deutschland wirft dem Manager Unkenntnis über den Schienenverkehr vor. Die Chance auf einen Neuanfang werde vertan. Im Bahntower wurde der Vorschlag dagegen erleichtert aufgenommen, weil die Einheit des Konzerns damit wohl erhalten bleibt.

    Der Aufsichtsrat nimmt das Rücktrittsangebot von Hartmut Mehdorn an. Da dessen Vertrag aber noch bis 2011 läuft, wird der scheidende Vorstand eine nennenswerte Abfindung erhalten. Die Bundesregierung drängt auf eine maßvolle Regelung, will aber auch die Leistungen des Managers in den letzten zehn Jahren anerkennen. Die Verhandlungen darüber haben ebenfalls am Donnerstag begonnen. Vermutlich wird Mehdorn der Abschied durch einen Millionenbetrag versüßt.

    Die zunächst wichtigste Aufgabe des Nachfolgers ist die Aufklärung der Datenaffäre. Damit soll zunächst das Vertrauen in den Vorstand wieder hergestellt werden. Wahrscheinlich werden in den nächsten Wochen noch weitere Führungskräfte die Bahn verlassen. Finanzvorstand Diethelm Sack werden zum Beispiel Rücktrittsgedanken nachgesagt. Danach hat Grube alle Hände voll mit der Bewältigung der Wirtschaftskrise, die den Konzern beim Güterverkehr und im Logistikgeschäft voll trifft.

  • Vorname Bahnchef zu vergeben

    Nur wenige Manager kommen für den Job in Frage / Koalition hat mehrere Optionen

    Rund zwei Millionen Euro brachte der Posten im vergangenen Jahr ein. Und doch ist die Zahl der Bewerber um die Nachfolge des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, eher gering. Denn das Aufgabenprofil unterscheidet sich erheblich von den Anforderungen anderer Unternehmen. Wer immer diese Herausforderung annimmt, steht im Licht der Öffentlichkeit. „Wer möchte mit Vornamen schon Bahnchef heißen“, beschreibt Jürgen Siebert von der Personalberatungsfirma Kienbaum die Vorbehalte der Gilde.

    Die Kandidaten müssen überdies gleich auf mehreren Gebieten fit sein. Zu den Grundfertigkeiten gehört die Führung eines weltweit agierenden Konzerns mit weit mehr als 200.000 Beschäftigten. Dazu muss der Bewerber mit Politikern umgehen können und die Gewerkschaften auf seine Seite ziehen. „Es gibt vielleicht ein Dutzend Manager, die dafür in Frage kommen“, glaubt Siebert.

    Am Dienstagabend trafen sich im Kanzleramt führende Regierungspolitiker zur Suche nach einer schnellen Lösung. Beteiligt waren die Kanzlerin, der Finanz-, Wirtschaft- und Verkehrsminister sowie SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier. Der Ausgang war bei Redaktionsschluss noch offen. Eine Entscheidung soll aber noch in dieser Woche getroffen werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein langfristig verpflichteter Vormann aufgeboten wird. Die große Koalition prüft mehrere Optionen.

    Die Union bevorzugt eine Übergangslösung. Damit könnten Zeit für die Suche nach einer geeigneten Besetzung des Vorstands gewonnen werden. Wahrscheinlich müssen bald sogar mehrere Stellen ausgeschrieben werden, fordern Mehdorn-Getreue wie Finanzchef Diethelm Sack ebenfalls ihren Hut nehmen. Die wenigen in Frage kommenden Spitzenleute haben überwiegend einen Job. So bliebe Zeit, sie anderswo loszueisen. Diese Variante hätte aus Unionssicht auch politischen Charme. Im Falle eines erwarteten Wahlsieges könnte die CDU diese wichtige Position ohne Mitsprache der SPD besetzen.

    Für eine begrenzte Zeitspanne bieten sich mehrere Kandidaten an. Aufsichtsratschef Werner Müller hat sich angeblich selbst angeboten, auf den Chefsessel zu wechseln. Allerdings gibt es über dessen Bereitschaft aus dem Aufsichtsrat unterschiedliche Informationen. Er selbst schweigt. Die notwendige Kraft traut Berater Siebert dem 62-jährigen noch zu. Noch vor wenigen Jahren hätten Firmen vor allem junge Manager gesucht. Dies habe sich geändert. Das Alter spiele keine große Rolle mehr. „Es geht um die Begeisterungsfähigkeit“, sagt Siebert. Nach Einschätzung von Aufsichtsrat Georg Brunnhuber kommt auch eine bahninterne Besetzung in Betracht. Von den derzeitigen Vorständen sei dafür aber niemand in der Auswahl.
     
    Eine weitere Option ist die sofortige Präsentation eines echten Nachfolgers. In diesem Falle müssten die Vorbereitungen für den Führungswechsel bei der Bahn aber schon lange vor dem Rücktritt Mehdorns begonnen haben. Ausschließen wollte dies am Dienstag jedoch niemand. Immer wieder wurden neue Namen ins Spiel gebracht. Neben dem früheren EnBW-Chef Utz Claasen und dem Fraport-Vorstand Wilhelm Bender wird zum Beispiel der frühere Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke genannt. Die Erfahrung lehrt freilich, dass die zuvorderst öffentlich erwähnten selten am Ende auch den Zuschlag erhalten.

    Eine immer wahrscheinlichere Möglichkeit ist eine Doppelspitze, die mit einem der SPD und einem der CDU nahen Manager besetzt wird. Der eine wäre Chef des Gesamtkonzerns, der andere Herr über die eminent wichtigen Transportsparten. Noch scheint das Rennen offen. Doch vor Überraschungen ist derzeit niemand gefeit.

  • Schwerer Job

    Kommentar

    Es soll nach dem Job als Kanzler der zweitverrückteste Posten der Republik sein, den Bahnchef Hartmut Mehdorn nun räumt. Selbst beim Abgang ist sich der bisherige Alleinherrscher im Bahntower treu geblieben. Von Einsicht in Fehler keine Spur, Schuld sind stets die anderen, die Kampagnen gegen ihn und das Unternehmen fahren. Die fehlende Fähigkeit zum Dialog mit Kritikern und zum Kompromiss hat Mehdorn in den letzten Jahren bei der Sanierung des Unternehmens oft genug geholfen. Beim Umgang mit der Wellen schlagenden Schnüffelaffäre hat ihn das von jeglicher Selbstkritik freie Naturell untragbar gemacht. Die Leistungen des scheidenden Vorstands sollten ebenso unbestritten sein wie dessen Fehler. Mehdorn hat sich letztlich selbst zuzuschreiben, dass seine Leistungen an der Spitze dieses schwierigen Verkehrsunternehmens zum Abgang nicht groß gewürdigt werden.

    Tatsächlich steht kein anderer Konzern so sehr im Licht der Öffentlichkeit, mischen sich Politiker und Umweltverbände in die Firmenpolitik ein, stimmen Kunden täglich mit den Füßen über das Leistungsniveau ab, wie bei der Deutschen Bahn. Dieses Umfeld stellt alleine schon große Anforderungen an den kommenden Bahnchef. Er oder sie darf kein politisch genehmer Kandidat sein, sondern muss vor allem Management- und Steherqualitäten mitbringen. Ein Schuss diplomatisches Vermögen wäre auch nicht schlecht. Ein fauler Koalitionskompromiss wäre für die Bahn das schlechteste, was ihr passieren kann.

    An Aufgaben mangelt es nicht. Die Wirtschaftskrise ist nur eine von vielen Herausforderungen. Daneben müssen wohl manche Ziele neu formuliert werden. Soll die Bahn irgendwann doch noch an die Börse fahren oder verzichtet der Bund auf die Privatisierung endgültig? Wie sollen wirtschaftlicher Erfolg und gemeinwohlorientierte Angebote zusammengebracht werden, ohne dass der politische Einfluss zu stark wird? Vor allem aber muss der neue Vorstand zerbrochenes Porzellan an allen möglichen Ecken kitten und die Glaubwürdigkeit der Führungsebene wieder herstellen. Dazu zählt auch die Aufklärung der Schnüffelaffäre.

    An der Unternehmensstrategie selbst muss der künftige Bahnchef gar nicht viel ändern. Die Deutsche Bahn ist im europäischen Wettbewerb bestens aufgestellt. Ob der Erfolg anhält, wird vom neuen Chef abhängen und auch davon, dass die noch auf Mehdorn getrimmten Führungskräfte der Bahn in akzeptieren und unterstützen. Leicht wird der Job also nicht.

  • Mehdorn wirft das Handtuch

    Nach Datenaffäre Rücktritt angeboten / Nachfolger gesucht

    Bahnchef Hartmut Mehdorn hat seinen Rücktritt angeboten. „Ich habe dem Aufsichtsratvorsitzenden die Auflösung meines Vertrages angeboten“, sagte der Manager am Montag in Berlin. Persönlich habe er sich nichts vorzuwerfen, betonte Mehdorn, der unzulässige Schnüffelaktionen im Konzern weiterhin von sich weist. Kein Bahn-Mitarbeiter habe sich rechtswidrig verhalten. Bei der Affäre gehe es um eine Kampagne gegen die Unternehmensführung und die Unternehmenspolitik. „Vorverurteilungen, Verdächtigungen und Spekulationen haben ein Ausmaß angenommen, das selbst für mich – ich bin ein harter Hund – schwer erträglich ist“, erläuterte der Vorstand. Die für die Bahn zerstörerischen Debatten müssten nun beendet werden.

    Kanzlerin Angela Merkel dankte dem Manager für die geleistete Arbeit. Die Koalitionsparteien äußerten sich zurückhaltend. „Ich danke ihm für die in den letzten Jahren geleistete Arbeit“, sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sprach von „Respekt“ vor der Entscheidung. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kündigte an, dass noch in dieser Woche ein Nachfolger präsentiert werden soll.

    Mit Erleichterung nahm die Opposition den Abgang Mehdorns zur Kenntnis. Der Manager habe aus der Bahn einen Geheimdienst gemacht und das Image ramponiert, kritisierte der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi. Die Grünen wollen nun die Börsenpläne des Unternehmens von der Tagesordnung streichen. „Die Bahn sollte sich jetzt auf das Kerngeschäft konzentrieren und einen attraktiven Bahnverkehr anbieten“, forderte die Grünenpolitikerin Renate Künast.

  • Schwere Zeiten

    Kommentar

    Die wirtschaftliche Bilanz der Ära Hartmut Mehdorns kann sich sehen lassen, auch wenn die Veröffentlichung der jüngsten Bilanzzahlen angesichts der Rücktrittsofferte des Vorstands zur Nebensache geriet. Im vergangenen Jahr stieg der Konzerumsatz um 6,8 Prozent auf über 33 Milliarden Euro. Beim Amtsantritt vor zehn Jahren war nicht einmal die Hälfte. Als Gewinn blieben 1,3 Milliarden Euro bei der Bahn hängen. 1999 stand ein Verlust von 1,5 Milliarden Euro in den Büchern. Mit den Erträgen kann das Unternehmen auch ohne Börsengang seine Eigenkapitaldecke aufstocken. Auch der Schuldenabbau schritt 2008 voran. Der Konzern steht mit fast 16 Milliarden Euro in der Kreide.

    Die Bahn ist mit rund 240.000 Beschäftigten eines der größten Unternehmen Deutschlands. Der Personentransport auf Nah- und Fernverkehrstrecken ist mit gut zwölf Milliarden Euro Umsatz längst nicht mehr der stärkste Geschäftszweig. Die weltweiten Logistikleistungen erbringen mit nahezu 15 Milliarden Euro inzwischen weit mehr ein. Dazu kommen noch Trassengebühren, das Bahnhofsgeschäft, die Energieproduktion und andere Dienstleistungen.

    Doch die Wirtschaftskrise hat auch die Bahn teilweise erfasst. Im Personenverkehr merkt das Unternehmen noch keine großen Veränderungen. Dafür brechen der Güterverkehr und das weltweite Logistikgeschäft derzeit ein. 35.000 Cargowaggons stehen derzeit still, weil sie nicht gebraucht werden. Finanzchef Diethelm Sack will deshalb auch keine Prognose für die nähere Zukunft abgeben.

  • Demontage übers Wochenende

    Bahnchef Hartmut Mehdorn tritt zurück / Auf den Nachfolger warten große Herausforderungen

    Das Drehbuch für den wahrscheinlich letzten großen Auftritt von Bahnchef Hartmut Mehdorn ließ keine Abweichungen vom Zeitplan zu. Erst präsentierten der Vorstandsvorsitzende und sein Finanzvorstand in einem Berliner Hotel wie gewohnt die Bilanzzahlen für das Jahr 2008, dann durften die geladenen Journalisten Fragen zur Geschäftsentwicklung stellen. Draußen vor dem Saal baute das Servicepersonal derweil das Buffet zum Zahlenwerk auf. Alles war wie immer, nur interessierte es niemanden. Erst nach fast eineinhalb Stunden ergriff der umstrittene Manager erneut das Wort und lieferte die Schlagzeilen des Tages. „Vorverurteilungen, Verdächtigungen und Spekulationen haben ein Ausmaß angenommen, das selbst für mich schwer erträglich ist“, sagte Mehdorn und betonte, dass er eigentlich ein „harter Hund“ sei. Dann kündigte er seinen Rücktritt an.

    Aber die Spitzelaffäre und ihre Folgen haben wohl zu großen Druck erzeugt. Von Einsicht geprägt sind die Abschiedsworte nicht. Er habe sich nichts vorzuwerfen, niemand habe gegen rechtliche Bestimmungen verstoßen und es handele sich um eine Kampagne gegen die Unternehmensführung und die Unternehmenspolitik. Der entscheidende Satz kam kurz vor Schluss. Ich habe dem Aufsichtsratsvorsitzenden daher die Auflösung meines Vertrages angeboten“, berichtete Mehdorn, „meine zehn Jahre bei der Bahn waren eine tolle Zeit.“ Der Rücktritt ist damit nur noch eine Formsache, bei der die Konditionen ausgehandelt werden müssen.

    Innerhalb kürzester Zeit hat der kantige 66-jährige den letzten Rückhalt bei Kanzlerin Angela Merkel verspielt. Noch vor zwei Wochen hatte sich Merkel demonstrativ vor den obersten Bahner gestellt. Der letzte Akt begann mit einer Aufsichtsratssitzung am Freitag. Da stellten die Ermittler der Datenaffäre ihren Zwischenbericht vor. Heraus kam, dass der Konzern nicht nur systematisch die Daten von Beschäftigten und Lieferanten abgeglichen hat, sondern auch den Mailverkehr im Haus nach bestimmten Kontakten zu Journalisten, Gewerkschaftern, Politikern und Wissenschaftlern durchforstete. Die Gewerkschaften forderten daraufhin den Rücktritt und auch in der Politik fand sich nach der neuerlichen Enthüllung kein Fürsprecher mehr. Am Wochenende ließ das Kanzleramt schon durchblicken, dass der Vorstand nicht mehr gestützt wird. Mitten im Wahlkampf wollte wohl niemand Bilder von Bahnbeschäftigten sehen, die auf Großdemonstrationen die Ablösung ihres Chefs fordern. Daraufhin warf Mehdorn das Handtuch.

    Die Datenaffäre war der Auslöser, aber sicher nicht alleiniger Grund für den Rückzug des in der Öffentlichkeit nicht gerade beliebten Ingenieurs. Bei der Konstruktion eines international schlagkräftigen Logistikkonzerns hat sich Mehdorn viele Feinde gemacht. Solange ihm dabei keine gravierenden Fehler unterliefen, war seine Position gesichert. Doch bei der Datenaffäre versagte der Instinkt, im richtigen Moment nachzugeben. Völlig uneinsichtig berief sich Mehdorn bis zuletzt allein auf die Rechtmäßigkeit der Schnüffelaktionen im Kampf gegen Korruption und kriminelle Mitarbeiter. Tatsächlich ist der Bahn nach dem bisherigen Kenntnisstand strafrechtlich nichts nachzuweisen. Abgeschlossen ist die Prüfung jedoch erst zur Hälfte. Aber darum ging es längst nicht mehr. Das Vertrauen in der Belegschaft schwand rapide. Und statt gleich zu Beginn der Affäre alle Fakten auf den Tisch zu legen, kommen immer neue Details scheibchenweise auf den Markt. Da bot Mehdorns nicht zu knapp bemessener Gegnerschar reichlich Munition.

    Der Verkehrsminister steht schon länger mit Mehdorn auf Kriegsfuß. Im Bahntower lästerte die Führungsriege gerne über „den Mann aus Indien“, weil Tiefensee sich irgendwann einmal von einer Dienstreise auf den Subkontinent aus in Bahnangelegenheiten eingemischt hat. Im Fachausschuss des Bundestags gab es auch noch viele offene Rechnungen, nachdem Mehdorn die Politiker mal als „angebliche Verkehrsexperten“ abkanzelte. Linken und Grünen sind die Privatisierungspläne ein Gräuel, viele Landespolitiker sind sauer, weil die Bahn unrentable Verbindungen eingestellt hat. Die Liste der Feinde ist immer länger, die der Fürsprecher immer kürzer geworden.

    Nun ist die zehnjährige Ära Mehdorn wohl vorbei. Kein anderer Manager in Deutschland stand so oft im Rampenlicht wie der gebürtige Berliner, dessen Vertrag eigentlich erst 2011 mit einem gelungenen Börsengang enden sollte. Wirtschaftlich hat der Manager das Unternehmen weit nach vorne gebracht. Aus einem Milliardenverlust 1999 wurde ein Milliardengewinn im vergangenen Jahr. Die Bahn ist international wettbewerbsfähig und wird wohl zu den wenigen in Europa überlebenden Großunternehmen der Branche gehören. Zwar gab es immer wieder auch Negativschlagzeilen über Verspätungen, Preiserhöhungen oder Achsbrüche. Doch unter dem Strich ist aus dem einstigen Sanierungsfall ein moderner Konzern geworden. Das bestreiten nicht einmal die Kritiker der Bahn.

    Nach der Bundestagswahl im Herbst wäre Mehdorn vermutlich abgelöst worden, wenngleich aus ganz anderen Erwägungen. Neue Aktionäre wollen gerne wissen, wer langfristig an der Spitze eines Unternehmens steht. Nachdem der Börsengang wegen der Finanzkrise geplatzt ist, kommt der scheidende Vorstand aus Altersgründen für einen zweiten Anlauf nicht mehr in Frage. Bis dahin wollte vor allem die Union an Mehdorn festhalten. Im Falle eines Wahlsiegs könnte Merkel den Posten dann problemlos an einen der CDU nahe stehenden Manager vergeben. Nun müssen sich die Koalitionäre auf einen Nachfolger einigen. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kündigte eine Entscheidung noch in dieser Woche an. Zeitungsberichten zufolge hat Merkel einen Favoriten, den jetzigen Airbus-Chef Thomas Enders. In der Vergangenheit wurden auch immer wieder andere Namen genannt, auch aus dem Unternehmen selbst. Der Streit darum ist vorprogrammiert.

    Denkbar ist allerdings auch eine Doppellösung. Denn genau genommen hinterlässt Mehdorn zwei Lücken, einmal als Chef des Gesamtkonzerns, einmal als Vorstand der Verkehrssparte. Womöglich beendet die Koalition die Personalunion. Dann könnten beide großen Parteien je einen Kandidaten mit einem der schwierigsten Positionen in der Wirtschaft betrauen.

    Auf jeden Fall steht der Neue an der Bahnspitze vor großen Herausforderungen. Der Streit um die Privatisierung entbrennt gerade wieder neu und die weltweite Krise schlägt auf die so wichtige Güterverkehrssparte durch. Dazu hat Mehdorn den Konzern strikt auf seine Person ausgerichtet. Vermutlich werden daher noch weitere Führungskräfte ihren Hut nehmen und die Leistungsebene neu strukturiert werden müssen.

    Die angesichts der Rücktrittsofferte zur Nebensache geratene Bilanz verdeutlich die Größenordnungen der Bahn, die jährlich zwei Milliarden Passagiere befördert und täglich 27.000 Züge bewegt.. Im vergangenen Jahr stieg der Konzerumsatz um 6,8 Prozent auf über 33 Milliarden Euro. Beim Amtsantritt vor zehn Jahren war nicht einmal die Hälfte. Als Gewinn blieben 1,3 Milliarden Euro bei der Bahn hängen. 1999 stand ein Verlust von 1,5 Milliarden Euro in den Büchern. Mit den Erträgen kann das Unternehmen auch ohne Börsengang seine Eigenkapitaldecke aufstocken. Auch der Schuldenabbau schritt 2008 voran. Der Konzern steht mit fast 16 Milliarden Euro in der Kreide.

    Die Bahn ist mit rund 240.000 Beschäftigten eines der größten Unternehmen Deutschlands. Der Personentransport auf Nah- und Fernverkehrstrecken ist mit gut zwölf Milliarden Euro Umsatz längst nicht mehr der stärkste Geschäftszweig. Die weltweiten Logistikleistungen erbringen mit nahezu 15 Milliarden Euro inzwischen weit mehr ein. Dazu kommen noch Trassengebühren, das Bahnhofsgeschäft, die Energieproduktion und andere Dienstleistungen.

    Doch die Wirtschaftskrise hat auch die Bahn teilweise erfasst. Im Personenverkehr merkt das Unternehmen noch keine großen Veränderungen. Dafür brechen der Güterverkehr und das weltweite Logistikgeschäft derzeit ein. 35.000 Cargowaggons stehen derzeit still, weil sie nicht gebraucht werden.

    In dieser schwierigen Zeit muss die Bahn nun einen Wechsel an der Spitze bewerkstelligen. Glaubt man Mehdorn ist der Job trotz allen Ärgers toll. „Manchmal ein wenig verrückt, immer aufregend. Meine fast zehn Jahre bei der Bahn waren eine tolle Zeit“, schloss der scheidende „Bahnchef“ seine Rücktrittsrede.