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  • Nur zwei Banken beraten Bauherren gut

    Falsche Beratung kann Immobilienkäufern zehntausende Euro kosten

    Angehende Eigenheimbesitzer sollten bei der Auswahl eines Immobilienkredites vorsichtig sein. Denn die meisten Banken und Kreditvermittler beraten ihre Kunden schlecht. Das ergab ein Test zur Baufinanzierung der Stiftung Warentest. Mit der Frankfurter Volksbank und der Sparda-Bank Baden-Württemberg wurden lediglich zwei von 21 Instituten gut bewertet. Die Postbank, die Hypovereinsbank sowie die Ostsächsische Sparkasse bilden mit der Note „mangelhaft“ die Schlusslichter der Rangfolge.

    „Das Ergebnis ist beunruhigend für all die Verbraucher, die im Augenblick erwägen, eine Wohnung oder ein Haus zu kaufen beziehungsweise zu bauen“, kritisiert der Finanzexperte der Stiftung, Hermann-Josef Tenhagen die Beratungspraxis der Banken. Eine falsche Beratung kann für die Kunden teuer werden, wie der Test zeigt. Der Unterschied zwischen guten und schlechten Angeboten summierte sich auf 30.000 Euro.

    Die Warentesten gingen jeweils in sieben Filialen des jeweiligen Anbieters. So fallen einzelne Ausrutscher bei der Beratung nicht weiter ins Gewicht. Bewertet wurden neben dem Kreditzins auch die Flexibilität der Verträge, die Information der Kunden und der individuelle Zuschnitt des Darlehens. Immerhin hielten sich alle Institute an die gesetzlichen Vorgaben zur Information der Verbraucher. In diesem Teilbereich schnitten die Deutsche Bank und die Commerzbank besonders gut ab. Doch viel wichtiger ist, dass der Kredit den persönlichen Möglichkeiten und Wünschen des Kunden entspricht. Hier gab es reihenweise Probleme. „Acht Banken haben ihre Finanzierungsempfehlung komplett am Bedarf des Kunden vorbei formuliert“, berichtet Tenhagen.

    So berücksichtigten viele Berater die Nebenkosten der neuen Wohnstatt. Allein dadurch lag die monatliche Belastung im schlimmsten Fall 440 Euro über dem vom Kunden angegebenen Budget. Schon einfache Aufgaben stellten einige Bankangestellte vor Probleme, zum Beispiel die Einbeziehung einer Bundesanleihe in das vorhandene Eigenkapital. Im Testfall, dem Kauf eines 260.000 Euro teuren Hauses, wäre die Finanzierung so 3.000 Euro teurer als nötig. Der Hinweis auf preisgünstigen Darlehen der KfW oder die Verwendung der Riester-Police fehlten in den Gesprächen bei der Deutschen Bank, der Berliner Volksbank und der Volksbank Stuttgart ganz. Den Vogel schoss die Postbank ab. „Einmal sollte ein Lehrling allein mit dem Kunden das größte Finanzgeschäft in dessen Leben abwickeln“, kritisiert Tenhagen. Die konkreten Ergebnisse veröffentlichen die Warentester in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest.

    Potenzielle Bauherren rät der wissenschaftliche Leiter des Tests, Stephan Kühnlenz, zu einer guten Vorbereitung des Beratungsgespräches. Die Kosten und Nebenkosten der Immobilien sollten im Vorfeld möglichst gut abgeschätzt werden. Wenn davon das Eigenkapital abgezogen wird, ist der Kunden den Kreditbedarf bekannt. Zudem sollten sich Interessenten darüber klar werden, was sie sich im Monat leisten können, wie wichtig Zinssicherheit und Flexibilität bei der Rückzahlung des Darlehens sind. Außerdem können sich Bauherren schon einmal über das aktuelle Zinsniveau kundig machen. „Lassen Sie die Angebote von einer Verbraucherzentrale prüfen“, empfiehlt Kühnlenz zudem.

  • Bezahlbare Neubauwohnungen nicht in Sicht

    Wohnungswirtschaft sucht Allianz mit der Politik. Unterschiedliche Mietentwicklung in Stadt und Land. Treiben Baustoffhersteller die Mieten hoch?

    Die großen Wohnungsbaugesellschaften sehen keine Entspannung für die Mietentwicklung in Ballungsgebieten. Insbesondere für Mieter mit geringem Einkommen wird die Versorgung mit neuen Wohnungen schwierig. „Die Bautätigkeit reicht in den großen Städten noch bei weitem nicht aus, die Nachfragezuwächse aufzufangen“, stellt der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) fest, dessen Mitglieder rund ein Drittel der secchs Millionen Mietwohnung im Land besitzen. Nach jahrelang geringem Neubau fehlen mittlerweile 500.000 Wohnungen, um den Bedarf zu decken.

    Vor allem große Städte und Universitätsstandorte sind laut GdW von der Knappheit betroffen. Das macht sich in stark steigenden Mieten bemerkbar. Betroffen sind davon rund 70 Landkreise. Insbesondere in Hamburg, München, Dresden und Berlin steigen die Wohnkosten bei Neuvermietungen stark an. Das gilt aber auch für Hochschulstandorte wie Heidelberg oder Augsburg. Zudem müssen die Mieter die Folgen hoher Baupreise mittragen. Von alleine wird sich die Lage nach Einschätzung von GdW-Präsident Axel Gedaschko nicht wieder normalisieren. „Wir brauchen eine Allianz zwischen Kommunen, Ländern und Bund für den Wohnungsneubau“, fordert er.

    Eine gesetzliche Deckelung der Mietpreise bei Neuvermietungen sieht der Verband skeptisch. Denn in der Oberklasse der Mietwohnungen hat die Branche weder Probleme mit der Vermietung noch mit dem Verkauf. Probleme bereitet dagegen die Versorgung mit günstigem Wohnraum mit Mieter mit geringem oder mittleren Einkommen. Hier will die Branche ansetzen. Es brauche Neubauwohnungen, die von Krankenschwestern oder Polizisten bezahlt werden können, erläutert Gedaschko. Dann könnten Angehörige dieser mittleren Berufsgruppen den Wohnraum frei machen, der dringend für Niedrigverdiener oder Hartz-IV-Empfänger benötigt werde.

    Möglichkeiten für einen günstigeren Neubau sieht der Verband auch. Gefragt sind danach die Kommunen, die ihr Bauland jetzt oft an den Investor vergeben, der am meisten dafür bezahlt. Statt dessen solle die Vergabe an ein Vermietungskonzept gebunden werden, verlangt der GdW. Billigeres Bauland könnte die Mietpreise in den Neubauten um bis zu 20 Prozent verringern.

    Auch die Baupreise selbst macht Gedaschko für die immer höheren Wohnkosten verantwortlich. Während die Preise insgesamt seit dem Jahr 2000 um 22,6 Prozent gestiegen sind, haben die Baukosten um fast 29 Prozent zugelegt. Bei der energetischen Sanierung ist der Unterschied noch größer. Für Dämmmaterial müssen die Bauherren fast 59 Prozent mehr bezahlen, für Warmwasserspeicher, Heizkessel oder Wärmepumpen über 40 Prozent mehr. „Je mehr verkauft wird, desto teurer wird es“, wundert sich Gedaschko, „wir können die Preisentwicklung nicht nachvollziehen.“ Die Branche fordert nun die Einsetzung einer Baukostenkommission, die das Geschäftsgebahren der Hersteller untersuchen soll. Offenkundig hegt der Verband den Verdacht von Preisabsprachen.

    Während die Preise in den Ballungsräumen teilweise explodieren, kämpfen ländliche Gebiete mit Abwanderung und Leerstand. Dadurch halten sich die Mieterhöhungen dort auch in engen Grenzen.

  • „Die Freihandelszone hätte positive Wirkung“

    Mehr Arbeitsplätze könnten entstehen, sagt USA-Kenner Braml. Gefährdete Branchen: Agrar, Banken, Kulturindustrie. Bekommt dann jeder Europäer eine US-Greencard?

    Hannes Koch: US-Präsident Barack Obama kommt uns besuchen. Ist er noch der mächtigste Mann der Welt?

    Josef Braml: Dieses geflügelte Wort traf noch nie richtig zu. Mit einer Ausnahme: Militärisch ist der Präsident der USA sicherlich der mächtigste Mann des Globus. Aber auf anderen Feldern – etwa der Wirtschafts-, Handels- oder Umweltpolitik? Nein, da gibt es Personen und Organisationen, die vergleichbaren Einfluss ausüben. Denken Sie an den Internationalen Währungsfonds oder den Staatschef Chinas, der über 1,3 Milliarden Menschen gebietet. Zudem ist der amerikanische Präsident teilweise handlungsunfähig, weil die Parteien im US-Parlament sich gegenseitig und damit auch ihn blockieren.

    Koch: In 15 Jahren wird die Wirtschaft Chinas möglicherweise größer sein als die der USA. Werden die Vereinigten Staaten ihre bisherige Führungsrolle bald mit anderen teilen müssen?

    Braml: Da braucht man gar nicht so weit in die Zukunft zu schauen. Im weltweiten Handel existieren mehrere Gravitationszentren, etwa China und die Europäische Union. Deshalb verliert der US-Dollar zunehmend seinen früheren Rang als wichtigste Weltwährung. Das hat massive Auswirkungen für die amerikanische Wirtschaft, denn sie kann sich nicht mehr so leicht auf Kosten anderer Länder in eigener Währung verschulden. Die abnehmende Finanzkraft schmälert auch die militärische Macht – und diese rückwirkend wieder die der US-Wirtschaft.

    Koch: Die Weltmacht wird schwächer. Geraten Deutschland und Europa deshalb in ein neues Konkurrenzverhältnis zu den USA?

    Braml: In der Sicherheitspolitik verstehen sich die Regierungen weiter als Partner. Aber Washington verlangt eine Lastenteilung. Wenn Europa Militäreinsätze in Libyen, Mali oder Syrien will, muss es sie mindestens teilweise selbst organisieren und finanzieren. In anderen Bereichen jedoch entwickelt sich eine massive Konkurrenz. Mit ihrer Politik des extrem billigen Zentralbankgeldes versuchen die USA, ihre Schulden zu verringen und ihre Wirtschaft zu stabilisieren. Um die zu starke Aufwertung des Euro und Yen zu verhindern, sind Europa und Japan gezwungen, ähnlich zu handeln. Gerade vor dem Hintergrund solcher Konflikte wäre es positiv, wenn die geplante Freihandelszone zwischen den USA und Europa verwirklicht würde.

    Koch: Welche positiven Effekte hätte diese große amerikanisch-europäische Freihandelszone?

    Braml: Zunächst einmal sollte man sie nicht überschätzen. Die gegenseitigen Zölle und Steuern liegen sowieso schon niedrig. Erleichterungen für Unternehmen gäbe es aber, weil technische Standards vereinheitlicht würden. Dadurch könnte der transatlantische Handel zunehmen. Firmen erwirtschafteten mehr Umsätze und Gewinne. Wahrscheinlich kämen Arbeitsplätze hinzu. Aber es gäbe auch Verlierer.

    Koch: Können Sie Branchen nennen, die unter der Liberalisierung leiden?

    Braml: Veränderungen könnten auf die europäische Landwirtschaft und Ernährungsindustrie zukommen. Denn die US-Regierung hat ein Interesse, amerikanischen Konzernen wie Monsanto den Weg zu bereiten, die gentechnologisch veränderte Nahrungsmittel herstellen. Diese unterliegen in Europa starken Restriktionen, die möglicherweise aufgeweicht werden. Durch den verstärkten Import aus den USA könnten dann Arbeitsplätze in Europa wegfallen. Heikel wird es vielleicht auch für die Großbanken in Frankfurt am Main. Neue amerikanische Eigentümer könnten durchsetzen, dass Arbeitsplätze nach New York verlagert werden. Ein weiteres Beispiel ist die Film- und Kulturindustrie in Frankreich, die durch hohe staatliche Förderung mitfinanziert und durch Sendequoten geschützt wird. Dass darüber nicht verhandelt werden soll, hat die französische Regierung zwar vorläufig durchgesetzt. Weil sie damit aber die gesamten Verhandlungen gefährdet, ist das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen.

    Koch: Spanier dürfen in Berlin arbeiten, Deutsche in Paris. Ist es denkbar, dass wir uns auch bald ohne Schwierigkeiten Stellen in den USA suchen?

    Braml: US-Greencards für alle Europäer – das wäre eine Idee, die Mut beweisen würde. Aber die Freizügigkeit für Arbeitnehmer zwischen Europa und den USA ist eine Illusion. Das scheitert schon an der Gegenwehr der US-Gewerkschaften, die um die Arbeitsplätze fürchten. Sowieso ist es nicht eben wahrscheinlich, dass das Freihandelsabkommen schnell beschlossen wird. Obama verfügt gegenwärtig nicht über die sogenannte trade promotion authority – das ist die Kompetenz, ein Paket zur Handelsliberalisierung unbeschadet im Kongress durchzusetzen. Dass die zerstrittenenen Parlamentarier sie ihm erteilen, sehe ich nicht.

    Bio-Kasten

    Dr. Josef Braml (Jg. 1968) forscht und publiziert bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Früher arbeitete er unter anderem für die Weltbank und im US-Kongress. Für sein aktuelles Buch „Der amerikanische Patient. Was der drohende Kollaps der USA für die Welt bedeutet“ (Siedler-Verlag) wurde er auf der Frankfurter Buchmesse 2012 mit dem International Book Award ausgezeichnet.

  • Kommt die Versicherungspflicht gegen Naturkatastrophen?

    Das DIW hat ein bezahlbares Modell entwickelt

    Alle Besitzer von Wohngebäuden sollen eine Versicherung gegen so genannte Elementarschäden abschließen. Dazu gehören neben Überflutungen und Starkregen auch Lawinen, Erdrutsche, Hagelschlag, Erdbeben, Sturmfluten oder Feuer. Diesen Vorschlag macht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). „Die flächendeckenden Risiken nehmen zu“, erläutert der Schadensexperte des Instituts, Reimund Schwarze. Deutschland müsse sich auf wiederkehrende Ereignisse wie Überflutungen einstellen und damit leben. Zur finanziellen Regulierung der Folgen und zur Förderung von vorbeugenden Maßnahmen soll eine Schutzpolice vorgeschrieben werden.

    Bislang bleiben die meisten Hausbesitzer auf Schäden durch Naturkatastrophen sitzen. Die jüngste Flut ist ein gutes Beispiel dafür. Nur 30 Prozent der Häuser sind gegen Hochwasserschäden versichert. Rund eine Million Bürger können laut DIW gar keinen Vertrag darüber abschließen, da Versicherungen dies aufgrund der Risikoeinschätzung verweigern. Deshalb bleiben gerade Gebäude in Flussnähe unversichert. Dazu kommt, dass die Prämien umso höher werden, je größer das Risiko einer Überschwemmung des Grundes wird.

    Der Effekt ist bekannt. Am Ende springt der Staat ein und hilft den Betroffen mit Steuergeldern. Ein Anreiz zur Vermeidung von Schäden wird laut Schwarze damit nicht gesetzt. Besonders ungerecht findet er, dass die Hilfen in Wahljahren deutliche höher ausfallen als in anderen Zeiten. Dies sei statistisch nachweisbar.

    Ein Modell hat das DIW dafür auch schon entwickelt. Berechnungen für ein typisches Eigenheim mit einem Wert von 300.000 Euro ergaben für die Absicherung eine jährliche Belastung von 153 Euro in günstigen Lagen und 525 Euro in Risikogebieten. So wird ein Anreiz zur Vorbeugung gegen Zerstörungen gesetzt. Dabei spielt der so genannte Selbstbehalt eine wesentlich Rolle. Das ist der Eigenanteil, den der Versicherte im Schadenfall selbst übernehmen muss. Dieser steigt mit wachsendem Gefahrenpotenzial an.

    Für Schäden durch Fluten, Erdrutsche oder Lawinen müssten am Ende auch die Mieter in gut geschützten Großstädten aufkommen. Denn die Hausbesitzer würden die Versicherungsprämien sicher auf die Mieten umlegen. DIW-Vorstandsmitglied Gert Wagner verteidigt diese Vergemeinschaftung des Risikos trotzdem. „Bei Starkregen würden auch in Berlin Milliardenschäden entstehen“, sagt Wagner. Deshalb wäre eine Beteiligung aller an der Versicherungspflicht sinnvoll. Außerdem bezahlen die Mieter über ihre Steuerzahlungen ja auch die Nothilfen mit, die der Staat springen lässt.

    Den Vorschlag hat das DIW schon nach der letzten großen Flut 2002 vorgelegt und mit der Versicherungswirtschaft abgesprochen. Politisch war er jedoch nicht durchsetzbar. Denn aus Sicht der Politik hat das Modell einen Haken. Die Versicherungen sollen nur Schäden bis zu einer Gesamthöhe von acht Milliarden Euro tragen. Darüber hinaus gehende Kosten müssten Bund und Länder übernehmen.

    Diesmal erscheinen die Voraussetzungen für eine entsprechende Mehrheit günstiger. Kanzlerin Angela Merkel denkt in diese Richtung und die Justizminister der Länder wollen ein Konzept dafür entwickeln. Noch lehnt die Versicherungswirtschaft die Idee ab. Käme eine Staatsgarantie für hohe Schadenssummen zustande, würde der Widerstand sicher aufgegeben.

  • Gar nicht lecker: Falsche Calamari-Ringe

    Bei der Produktion von Fertiggerichten zeigt sich die Lebensmittelindustrie erfinderisch/ Anstelle von echten Calamari-Ringen kommen jetzt auch Kringel aus panierter Tintenfisch-Pampe auf den Tisch

    Tapetenkleister in Tintenfischringen: Was hier stark nach dem nächsten Lebensmittelskandal klingt, ist in Wahrheit ein Blick in das Rezeptheft der Lebensmittelindustrie. Mithilfe von Zusatzstoffen wie Methylcellulose schaffen es die Produzenten inzwischen, Calamari-Ringe aus Fischbrei nachzubauen. Verbrauchern fällt die Täuschung auf den ersten Blick nicht auf.

    Heute ist es technologisch möglich, nahezu jedes Gericht als Convinience-Produkt anzubieten, ob nun Backfisch, Hackbällchen oder Schwarzwälder Kirschtorte. „Ohne bestimmte Zusatzstoffe, die in den Gerichten eine bestimmte Funktion übernehmen – etwa verdicken, stabilisieren oder färben – ist die Massenproduktion von solch aufwendigen Nahrungsmitteln selten machbar“, sagt der Biologe Christian Niemeyer, der das Hamburger Zusatzstoffmuseum leitet.

    Bisweilen übertreiben es die Hersteller mit ihren Ideen für den modernen Lebensmittelgenuss – zum Beispiel beim Tiefkühlprodukt „Calamares à la Romana“, also Tintenfischringen im Teigmantel, die zuhause frittiert auf den Teller kommen. Eigentlich möchte man meinen, tunken die Hersteller für die Produktion der mediterranen Fertignahrung Abschnitte von Tintenfischtuben in einen Teig. Häufig ist das auch der Fall, wie bei den „Calamares à la Romana“ von Edeka, deren Backteig es auf sage und schreibe 15 Ingredienzien bringt – von Wasser über das Verdickungsmittel Guarkernmehl, bis hin zum Farbstoff Riboflavin.

    Doch es geht auch anders. „Calamares à la Romana“ bietet auch das Hamburger Unternehmen Iceland Seafood an. Wie bei Edeka stecken hier ebenso 50 Prozent Tintenfisch im Gericht. Doch mit echten Tintenfischringen hat der Tüteninhalt nicht mehr viel zu tun. Als „Tintenfischringe geformt aus zerkleinertem Tintenfischfleisch im Backteig“ beschreibt der Hersteller seine Kreation. Die Aufmachung des Produkts suggeriert dem Verbraucher allerdings echten Calamari-Ring-Genuss. Beim Anblick der goldbraun frittierten Ringe auf der Vorderseite der Verpackung, lässt sich nicht erahnen, dass es sich lediglich um Brei-Kringel handelt.

    Neben Weizenmehl, Wasser und Paniermehl findet sich auch Methylcellulose als Zutat im Form-Tintenfischs „Methylcellulose ist ein Mulifunktionstalent“, erläutert Zusatzstoffexperte Niemeyer. „Sie ist nicht nur Hauptbestandteil vieler Tapetenkleister, sondern dient zum Beispiel auch als Füllstoff und Verdickungsmittel in verschiedenen Nahrungsmittel- und Kosmetikprodukten.“ Der menschliche Organismus könne den Stoff nicht verdauen. Giftig sei er allerdings nicht.

    „Pampe“: Mit diesem Wort bringt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg auf den Punkt, was er von den Tapetenkleister-Calamari hält. Aus Sicht der Verbraucherzentralen handele es sich hier um Verbrauchertäuschung, so der Lebensmittelexperte. Rein rechtlich könne der Anbieter dem Vorwurf jedoch entgegenhalten, dass ja alles auf der Verpackung stehe. Das sei ähnlich wie beim Schinken, der häufig aus einzelnen Fleischstücken zusammengefügt werde.

    Verbraucher sehen sich mit einem Dilemma konfrontiert: Ohne Expertenwissen können sie die Zutatenlisten auf den Tüten, Schachteln, Dosen und Bechern nicht verstehen. „Der normale Kunde weiß nicht, dass der Farbstoff ,natürliches Karmin’ aus getrockneten Weibchen der  Scharlachschildlaus gewonnen wird“, so Biologe Niemeyer. „Wer würde schon auf die Idee kommen, dass die rote Farbe des Fleischsalats oder Lollis aus kleinen Krabbeltieren gewonnen wird?“ Und wer wisse schon, dass es sich bei der Zutat Alginat um ein aus Braunalgen gewonnenes Verdickungs- oder ein Geliermittel handele, das Eis, Soßen oder Mayonnaise zu ihrer Konsistent verhelfe? 

    Tipp: Verbraucher, die sich durch die Aufmachung eines Lebensmittels getäuscht fühlen, können das Produkt dem Online-Portal www.lebensmittelklarheit.de melden.

    Ein „ABC der Zusatzstoffe“ finden Interessierte im Internet unter www.zusatzstoffmuseum.de.

  • Zu langsam für die Energiewende

    Bundesregierung lasse sich zu viel Zeit mit der Regulierung des Strommarktes, kritisiert BaWü-Umweltminister Untersteller

    Wenn wirklich zwischen 2015 und 2022 alle deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet werden sollen, muss bis dahin noch einiges passieren. Nach gegenwärtigem Stand könnte dann zeitweise die Stromleistung von fünf bis zehn großen Kraftwerken fehlen – trotz des schnellen Neubaus von Wind- und Sonnenanlagen. Die Bundesregierung aber scheint die Suche nach einer Lösung eher auf die lange Bank schieben zu wollen.

    Um das Problem anzugehen, treffen sich am Donnerstag Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder. Im Vorbereitungspapier des Wirtschaftsministeriums, das dieser Zeitung vorliegt, heißt es jedoch: „Die Situation spricht insgesamt dafür, Entscheidungen über weitreichende Maßnahmen, die einen erheblichen Eingriff in die Marktstruktur zur Folge haben, derzeit noch zurückzustellen.“ Ein Gesetz zur Lösung des Problems peilen die Mitarbeiter von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) „spätestens 2014/15“ an.

    Manchen dauert dieses Nachdenken zu lange, unter anderem Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). „Die Bundesregierung lässt sich zu viel Zeit“, heißt es im Stuttgarter Umweltministerium. „Wir müssen schneller konkret werden und sehr bald mit der Vorbereitung für ein Gesetz beginnen.“ Die Kritiker fürchten, dass zuviel Zeit verstreichen und die unangenehme Frage auf der Tagesordnung kommen könnte: Muss man die AKW doch länger laufen lassen, weil nicht genug Reservekapazitäten zur Verfügung stehen?

    Um eine derartige Stromlücke zu verhindern, ist es wohl notwendig, die Regulierung des Strommarktes zu ändern. Die Herausforderung: Mehr und mehr Wind- und Sonnenkraftwerke werden in den kommenden Jahren am Netz sein und einen steigenden Teil des Strombedarfs decken. Allerdings nicht verlässlich: Manchmal weht kein Wind, und auch die Sonne scheint nicht immer. Für diese Zeiten braucht man konventionelle Reservekraftwerke – beispielsweise Anlagen, die Erdgas verfeuern. Weil diese allerdings zu selten laufen, wird sich ihr Betrieb für die Investoren wahrscheinlich nicht lohnen. Die interessante Frage lautet also: Wer bezahlt die notwendigen, aber unrentablen Stromkapazitäten?

    Die meisten Experten antworten mittlerweile: Dafür brauchen wir ein neues Marktsegment mit eigenen Regeln. Einige Varianten für den sogenannten „Kapazitätsmarkt“ wurden in dieser Woche beim Diskussionsforum der Agora Energiewende in Berlin präsentiert. Gemeinsam ist den Modellen, dass eine zentrale, staatlich kontrollierte Stelle die benötigte Reserveleistung ausschreibt, worauf sich die Energielieferanten bewerben können. Im Rahmen von Versteigerungen erhält dann der günstigste Anbieter den Zuschlag. Die Kosten würden auf die Strompreise für Bürger und Unternehmen umgelegt.

    Während Felix Höffler vom Energiewirtschaftlichen Institut der Universität Köln vorschlägt, dass grundsätzlich alle Stromproduzenten teilnehmen können, will Felix Matthes vom Öko-Institut nur diejenigen Anbieter beteiligen, die ihre Kraftwerke andernfalls stilllegen würden oder die neue bauen wollen. Dies soll verhindern, dass rentable Altkraftwerke zusätzliche Sonderprofite auf Kosten der Kunden erwirtschaften.

    Sowohl Höffler als auch Matthes gehen von einem notwendigen Vorlauf von fünf bis sieben Jahren aus. Diese Zeit bräuchten Investoren, um neue Reservekraftwerke zu planen und zu bauen. Im Hinblick auf die Abschaltung der Atomkraftwerke zwischen 2015 und 2022 herrscht deshalb bereits jetzt ein gewisser Zeitdruck – was in der Bundesregierung anscheinend nicht alle so sehen.

  • Die Schmerzen der Bundesbank

    Kommentar zum Bundesverfassungsgericht von Hannes Koch

    Europa ist größer geworden, die Bundesbank kleiner. Die deutsche Notenbank, die früher die D-Mark herausgab, ist heute nur noch ein Teil des europäischen Währungssystems. Daran leidet die altehrwürdige Institution. Einen ähnlichen Schmerz empfinden auch manche Richter am Bundesverfassungsgericht. Sie können sich nicht damit arrangieren, dass Deutschland in einem größeren Ganzen aufgeht und wichtige Kompetenzen an den förderalen Verbund Europa übertragen werden. Die Angst vor diesem Machtverlust bildet die Triebfeder des Verfahrens, das am Dienstag und Mittwoch am Verfassungsgericht in Karlsruhe stattfindet.

    Dabei bestreiten die Kläger, unter anderem CSU-Politiker Peter Gauweiler und Ex-SPD-Justizministerin Helga Däubler-Gmelin der Europäischen Zentralbank (EZB) das Recht zu tun, was die Notenbank der 17 Euro-Staaten tun soll. Unterstützung finden die Kläger bei der Bundesbank und in gewissem Umfang auch beim Verfassungsgericht.

    Der Auftrag der EZB besteht darin, die gemeinsame Währung Euro aufrechtzuerhalten und die Preisstabilität des Geldes zu sichern. So steht es in den europäischen Verträgen, denen der Bundestag zugestimmt hat. Im Rahmen dieses Mandates hat EZB-Präsident Draghi im vergangenen Herbst angekündigt, im Notfall Staatsanleihen verschuldeter Staaten zu kaufen, um den Zusammenbruch der Euroraumes zu verhindern. Die Botschaft an die Investoren: Ihr braucht nicht gegen den Euro zu spekulieren, wir sitzen am längeren Hebel. Schon alleine diese Ankündigung bewirkte, dass die Zinsen für Staatsanleihen sanken und die Krise zurückgedrängt wurde. Draghis Pro-Euro-Politik hatte Erfolg.

    Der Bundesbank aber gefällt das nicht. Sie wähnt, die EZB helfe verschuldeten Regierungen bei Geldverschwendung und Inflationspolitik. Das Bundesverfassungsgericht prüft, ob die EZB ihr Mandat überschritten hat. Es bleibt zu hoffen, dass die Richter diese Frage trotz aller Skepsis schließlich verneinen. Würden sie stattdessen in die Geldpolitik der Zentralbank eingreifen, riskierten sie eine dreifache Katastrophe: Die Staatsschuldenkrise könnte mit neuer Heftigkeit zurückkehren, der Euroraum auseinanderbrechen und Deutschland durch die nachfolgende massive Aufwertung der Rest-Währung schweren wirtschaftlichen Schaden erleiden. Dieses Risiko einzugehen, ist die verletzte Eitelkeit alter Institutionen nicht wert.

  • Scheidung ohne Rosenkrieg

    Die Auflösung einer Ehe im Einvernehmen ist viel billiger als Streit vor Gericht

    Die Trennung vom Ehepartner gehört für viele Menschen zu den schmerzhaftesten Erlebnissen des Lebens. In finanzieller Hinsicht haben sie es freilich selbst in der Hand, die Nachteile einigermaßen in Grenzen zu halten. Wenn man trotz der emotionalen Verletzungen in der Lage ist, die gegenseitigen Ansprüche einvernehmlich zu regeln, muss eine Scheidung nicht teuer sein.

    „Wer einen Rosenkrieg führen will, braucht eine gut gefüllte Kriegskasse“, sagt Anette Dieckmann, die als Fachanwältin für Familienrecht in der Kanzlei Daube & Kämereit in Essen tätig ist. Deutlich kostengünstiger als der Streit vor Gericht ist es dagegen, möglichst viele Fragen im Gespräch zu klären.

    Ein wichtiger Punkt ist beispielsweise der finanzielle Unterhalt für die gemeinsamen Kinder. Welches der beiden Elternteile muss wieviel zahlen? Konflikte über diese Frage lohnen sich eigentlich nicht, denn es gibt die sogenannte Düsseldorfer Tabelle, die die genauen Beträge in der Abhängigkeit vom Einkommen der Eltern ausweist (siehe Kasten). Beim eventuell fälligen Unterhalts des einen Ehepartners für den anderen ist die Recherche ein wenig schwieriger, aber ebenfalls machbar. Die Essener Familienrechtsfachanwältin Vicky Benning-Graf empfiehlt, im Internet die Leitlinien der jeweiligen Oberlandesgerichtsbezirke zu studieren.

    Wer solche Informationen selbst beschafft und sich an ihnen orientiert, kann Geld sparen, wenn er die zu empfehlende Erstberatung in einer Anwaltkanzlei aufsucht. Diese schlägt mit Kosten von minimal 226 Euro zu Buche. Über das Honorar und den Gegenstand der Beratung sollte man eine schriftliche Vereinbarung abschließen.

    Der wesentliche Vertrag zur Auflösung der Ehe heißt Scheidungsfolgenvereinbarung. Dieser muss beim Notar geschlossen werden. Darin können grundsätzlich alle finanziellen Fragen geregelt werden, die die trennungswilligen Partner und ihre Kinder betreffen – beispielsweise der Unterhalt. Auch individuelle Lösungen sind hier möglich: Eltern, die sich nicht hassen, mögen unabhängig von der Düsseldorfer Tabelle vereinbaren, dass sie unbürokratisch jeweils zu gleichen Teilen für die Kosten der Kinder aufkommen.

    Die Scheidungsvereinbarung muss außerdem festlegen, wie das während der Ehe hinzugekommene Vermögen aufgeteilt wird. In der Juristensprache heißt dies „Zugewinnausgleich“. „Eine während der Ehe erworbene Eigentumswohnung oder zusätzliche Kapitalvermögen werden halbiert“, erklärt Anwältin Dieckmann. Wenn sich die Partner jedoch nicht streiten, können sie auch andere Vereinbarungen treffen, die von der formalen Halbierung des Zugewinns abweichen.

    Ein weiterer Bestandteil ist der Versorgungsausgleich. Dabei geht um die Aufteilung der Alterssicherung. Wenn ein Ehepartner viel verdient hat und der andere weniger, muss ersterer gewisse Rentenansprüche an den geschiedenen Partner abtreten. Aber auch hier gilt: Wenn die Scheidungswilligen es wollen, können sie im Einvernehmen jegliche gegenseitigen finanziellen Ansprüche gegeneinander für die Zukunft ausschließen.

    Unterstellt, das hinzugewonnene Vermögen beträgt 500.000 Euro, würde die sparsamste Variante der Eheauflösung in dieser Form mit Notarkosten gut 2.000 Euro kosten. Hinzu kommen die Ausgaben für den obligatorischen Scheidungstermin vor Gericht in ungefähr derselben Größenordnung. Mit gut 4.000 Euro wäre der Fall erledigt.

    Sehr viel höher dagegen steigen die Ausgaben, wenn die Scheidungswilligen sich streiten und ihren Konflikt vor Gericht austragen. Bei einem zusätzlichen Vermögen von 500.000 Euro und addiertem Nettoeinkommen beider Partner von 5.000 Euro monatlich müssten die Rosenkrieger zwischen 20.000 und 30.000 Euro bezahlen – für die erste Gerichtsinstanz und die entsprechenden Anwaltsgebühren. Reicht dieser Aderlass nicht und wünscht einer von beiden die weitere Klärung in der nächsthöheren Instanz, dürfte mehr als die doppelte Summe fällig sein. Dann können leicht zehn Prozent oder mehr des gemeinsamen Vermögens für Gerichts- und Anwaltskosten draufgehen.

    Ist es das wert? Anwältin Benning-Graf weist auch auf die psychischen Belastungen hin, die ein mitunter mehrjähriger Prozess für das ehemalige Paar bedeutet. Der Streit könnte auch die neuen Partnerschaften in Mitleidenschaft ziehen. Und natürlich leiden auch die gemeinsamen Kinder, die in den meisten Fällen Mühe haben dürften, sich dem Konflikt ihrer Eltern zu entziehen.

    Info-Kasten

    Scheidung

    Die Düsseldorfer Tabelle für die Unterhaltsansprüche der Kinder nach einer Scheidung findet sich hier: http://www.olg-duesseldorf.nrw.de/infos/Duesseldorfer_tabelle/ .

    Übersteigen die Kosten für Anwalt und Gericht die finanziellen Möglichkeiten eines oder beider Partner, kann man Verfahrenskostenhilfe beantragen, die das jeweilige Bundesland trägt. Dies ist zum Beispiel wichtig für Erwerbslose oder Rentner.

  • Die Kosten steigen bereits

    Grundstein für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses: Das Projekt wird teurer als geplant

    Unvorhergesehene Kosten entstehen beim Bauen immer. Da macht das neue Berliner Stadtschloss keine Ausnahme. Als sie die Betonsohle der Baugrube gossen, stießen die Bauarbeiter unlängst auf Braunkohle. Weil diese die Dichtigkeit des Fundamentes beeinträchtigen könnte, waren zusätzliche Arbeiten nötig. Die Rechnung: bis zu 750.000 Euro.

    Für den kommenden Mittwoch (12.6.) ist nun die offizielle Grundsteinlegung für die Replik des Hohenzollernschlosses anberaumt, dessen originalen Vorläufer Walter Ulbricht, der starke Mann der DDR, 1950 sprengen ließ. Die Feier 63 Jahre später wird ein bedeutender Auftritt mit Bundespräsident Joachim Gauck, Bauminister Peter Ramsauer und dem angeschlagenen Oberbürgermeister Berlins, Klaus Wowereit.

    Angesichts dieser Großaufgabe dringen Äußerungen wie die von Antje Kapek kaum durch: „Man sollte die Notbremse ziehen, um weitere Planungsfehler zu vermeiden“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Landesparlament. Wegen der Probleme mit dem Fundament mahnte sie eine gründliche Untersuchung an. Die Warnung kommt nicht von ungefähr: Die Kosten für die Sanierung der benachbarten Staatsoper steigen permanent – unter anderem, weil sich der Untergrund in Spreenähe als schlammig und wenig tragfähig erweist.

    Zur Zeit beträgt der Kostenrahmen für den Neubau des Schlosses 590 Millionen Euro. Mit 478 Millionen übernimmt der Bund den größten Teil. Vor gut zehn Jahren hatte der Bundestag das Projekt bewilligt. Das Land Berlin muss 32 Millionen besteuern. Die übrigen 80 Millionen für die drei historisierenden Barockfassaden des modernen Gebäudes will die Stiftung mittels Spenden der Bürger erwirtschaften. Fraglich, ob das klappt: Bisher sind nach unterschiedlichen Angaben erst zwischen zehn und 26 Millionen hereingekommen. Reicht das Geld der Bürger schließlich nicht, wird wohl der Bund einspringen.

    Weitere Kostensteigerungen sind ebenfalls schon absehbar. Denn die Stiftung unterstellt, dass sich der Baupreis bis zur Eröffnung 2019 im Einklang mit der Inflation erhöht. Bei zwei Prozent Preissteigerung pro Jahr stiege das Gesamtvolumen damit von 590 auf etwa 650 Millionen Euro. Auch vor dem Hintergrund solcher Zahlen fragte sich Altkanzler Helmut Schmidt unlängst: „Was soll das eigentlich? Ob das breite Publikum dieses Schloss wirklich will, das bezweifele ich.“ Und er setze hinzu: „Die Großartigkeit, mit der in Berlin das Geld anderer ausgegeben wird, ist phänomenal.“

    Wenn es bei den 650 Millionen Euro nicht bleibt, wäre das kein Wunder. Andere öffentliche Bauprojekte wie der Bahnhof Stuttgart 21, der Berliner Flughafen oder die Elbphilharmonie in Hamburg sprengen ihre Kalkulationen regelmäßig. Das Musikgebäude in der Hansestadt, errichtet vom Baukonzern Hochtief, wird mit über 700 Millionen Euro vermutlich zehnmal so teuer wie ursprünglich angekündigt. Dasselbe Unternehmen hat kürzlich auch den Auftrag für den Rohbau des Stadtschlosses in Berlin erhalten. Hochtief sichert nun zu, in diesem Fall mit knapp 50 Millionen Euro auszukommen.

    Die Bauherrin, die öffentliche Stiftung Berliner Schloss (SBS), gibt sich optimistisch. „Wir schließen erhebliche Kostensteigerungen aus, da wir zu Beginn der Rohbauarbeiten eine sehr weit ausgearbeitete Planung haben“, sagt SBS-Pressesprecher Bernhard Wolter. Er verweist zudem auf den vorhandenen Finanzpuffer von 30 Millionen Euro, der unvorhergesehene Kosten auffangen soll. SPD-Politiker Florian Pronold, der für den Bundestag im Beirat der Stiftung sitzt, ist da etwas zurückhaltender. Zwar habe er derzeit keine Anhaltspunkte für unerwartete Kostensteigerungen. „Es wäre allerdings blauäugig, wenn man sie nicht befürchten würde“, fügt er hinzu.

    Info-Kasten

    Das neue Berliner Schloss

    An seinem Platz, dem östlichen Ende der Straße Unter den Linden, stand früher die Residenz der preußischen Könige und deutschen Kaiser. Nach der Sprengung 1950 ließ die DDR-Regierung dort einen Paradeplatz und das Parlamentsgebäude („Volkskammer“) errichten. Letzteres wurde in den vergangenen Jahren abgerissen. Das neue Schloss soll ab Ende des Jahrzehnts Museen, Bibliotheken und Sammlungen der Humboldt-Universität beheimaten.

  • Retter oder Totengräber des Euro

    Überschreitet Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, seine Kompetenzen? Das Verfassungsgericht verhandelt

    Gefährdet oder schützt die Europäische Zentralbank den Euro? So lautet die große Frage, über die das Bundesverfassungsgericht am kommenden Dienstag und Mittwoch verhandelt. Es geht um zwei Sätze, die Zentralbank-Präsident Mario Draghi im vergangenen Sommer sprach: „Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“ Konkret kündigte Draghi an, Staatsanleihen von verschuldeten Ländern wie Spanien oder Italien zu kaufen, wenn die Krise noch bedrohlicher werde.

    Unter anderem dieses Programm zum Erwerb von Staatsanleihen stört die Kläger, die sechs Verfassungsbeschwerden eingereicht haben. Darunter sind CSU-Politiker Peter Gauweiler und Ex-Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD). Sie meinen, die Europäische Zentralbank überschreite ihre Kompetenzen. EZB-Chef Draghi dagegen verweist auf seinen Erfolg. Schon die bloße Ankündigung habe gereicht, um die hohen Zinsen für südeuropäische Staatsanleihen sinken zu lassen und die Gefahr des Bankrotts von Spanien und Italien abzuwenden. Unsere Zeitung präsentiert die wichtigsten Argumente für und gegen diese Strategie.

    Geld für Regierungen?

    Die europäischen Verträge definieren die Wertstabilität des Euro als primäres Ziel, das die Europäische Zentralbank verfolgen muss. Den Regierungen der Euro-Staaten Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, ist der EZB dagegen verboten. Die Begründung: Wenn die Regierungen sich bei der Zentralbank bedienen könnten, würden sie zuviel Geld ausgeben und die Inflation griffe um sich. Wie begründet EZB-Chef Draghi dann, dass er trotzdem spanische Schuldscheine kaufen will?

    Argument der EZB: Draghi sagt, die Notenbank würde die Staatsanleihen nicht direkt der spanischen Regierung abkaufen, sondern privaten Händlern. Das Geld der EZB komme deshalb gar nicht beim Staat an. Solche Käufe auf dem so genannten Sekundärmarkt stellten keine verbotene Haushaltshilfe für Regierungen dar.

    Gegenargument: Bundesbankchef Jens Weidmann, der am Dienstag persönlich vor dem Bundesverfassungsgericht spricht, erklärt dagegen: Wenn die EZB mittels Anleihekäufen deren Zinsen drückt, erleichtert das den Regierungen die Verschuldung. Damit helfe die Zentralbank den Politikern doch, ihre maroden Haushalte zu finanzieren.

    Droht Inflation?

    Argument der EZB: Nein, eine höhere Inflation im Euroraum sei nicht abzusehen. Zum Beleg verweist die Notenbank auf die tatsächlichen Inflationsraten, die im Umkreis von ungefährlichen zwei Prozent liegen.

    Gegenargument der Bundesbank: Noch gebe es keine Tendenz zur Inflation. Wenn die EZB ihre Ankündigungen des Anleihekaufes aber umsetze, nehme die Menge des umlaufenden Geldes möglicherweise stark zu und die Kaufkraft des Euro sinke.

    Ist die EZB noch handlungsfähig?

    Argument der EZB: Unternehmen in Spanien oder Italien müssen viel höhere Kreditzinsen zahlen als Firmen in Deutschland. Obwohl die Zentralbank versucht, diese Zinsen mittels ihres Leitzinses zu drücken, funktioniere das nicht. Die Geldpolitik sei also nicht mehr voll wirksam, wodurch die Notenbank ihr primäres Ziel der Geldwertstabilität nur noch eingeschränkt verfolgen könne.

    Gegenargument der Bundesbank: Die hohen Zinsen für Firmen in den südeuropäischen Staaten sind einfach eine Folge der mangelnden Finanzdisziplin der dortigen Regierungen. Wären diese sparsamer, bekämen sie leichter Geld von Investoren. Das würde dann auch für die Banken gelten, und die Zinsen für Unternehmenskredite sänken. Fazit: Die Wirksamkeit der Geldpolitik der EZB steht gar nicht zur Debatte.

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    Alte Freunde

    Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wird beim Bundesverfassungsgericht auf einen guten, alten Bekannten treffen: Jörg Asmussen vertritt EZB-Chef Mario Draghi. Weidmann und Asmussen haben zusammen studiert und später parallel wichtige Positionen in der Bundesregierung eingenommen. Weidmann war ein enger Mitarbeiter von Angela Merkel im Bundeskanzleramt, Asmussen versuchte das Bundesfinanzministerium durch die Finanzkrise zu manövrieren. Beiden wird nachgesagt, ähnliche finanzpolitische Positionen zu vertreten. Nun verlangen ihre Rollen von ihnen aber konträre Statements. Ein Urteil wird das deutsche Verfassungsgericht in der kommenden Woche übrigens nicht fällen – dies dauert noch ein paar Monate.

  • Die den Großen das Geschäft wegnehmen

    Mit Hilfe eines Volksbegehrens wollen Bürger das Berliner Stromnetz dem Vattenfall-Konzern abkaufen

    Michael Sladek ist im Zentrum angekommen. Und damit auch ein wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Machtkampf. Mit der Genossenschaft BürgerEnergie Berlin will der graubärtige Unternehmer aus dem Schwarzwald das Berliner Stromnetz übernehmen. Der jetzige Eigentümer, der Energiekonzern Vattenfall, ist nicht erfreut, der Berliner Senat ebensowenig.

    Grundsätzlich ist die Energiewende in Deutschland offizielle Politik. Wer aber wird künftig von ihr profitieren, wer die Gewinne machen? Die großen, alten Unternehmen verteidigen ihren Marktanteil gegen neue Firmen, Genossenschaften, Bürger und Kommunen. Ein wichtiges Datum in dieser Auseinandersetzung ist der kommende Montag (10.6.). Dann wird sich entscheiden, ob das Berliner Volksbegehren zur Übernahme des Stromnetzes durch die Hauptstadt Erfolg hat.

    Mitten drin in diesem Kampf steckt Michael Sladek. Der korpulente Arzt aus dem Örtchen Schönau unweit der Schweizer Grenze ist einer der erfolgreichsten Protagonisten der alternativen Energiepolitik in Deutschland. Nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 marschierten seine Frau Ursula und er los. Seitdem haben sie die Elektrizitätswerke Schönau gegründet, die mittlerweile fast 150.000 Haushalte bundesweit mit Ökostrom beliefern, sich an der Stromversorgung der Schwarzwaldstadt Titisee beteiligt und Anteile am Stromvertrieb der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart übernommen.

    Sladek (Jg. 1946) ist eine echte Gefahr für Unternehmen wie Vattenfall, die die Deutschen bislang vor allem aus zentralen Kohle- und Atomkraftwerken mit Elektrizität versorgen. „Wir nehmen den Großen einen Teil des Geschäfts weg“, sagt Sladek. Jede Kilowattstunde Strom, die Ökoenergiefirmen und Bürgergenossenschaften produzieren oder verkaufen, ist eine Kilowattstunde weniger auf der Einnahmerechnung der alten Unternehmen.

    Die nächste Etappe dieses Kampfes, in dem es um Milliarden Euro geht, wird nun um das Stromnetz der Hauptstadt geführt. Wahrscheinlich werden die Organisatoren des Volksbegehrens am Montag die nötigen 173.000 Unterschriften aus der Bevölkerung beim Berliner Senat abgeben können. Dann kommen zwei Möglichkeiten in Betracht: Entweder folgt die Landsregierung dem Gesetzentwurf des Volksbegehrens, gründet eine stadteigene Stromfirma und kauft Vattenfall die Berliner Stromleitungen ab. Falls nicht, wollen die Umweltverbände und Bürgerinitiativen mit einem Volksentscheid am Tage der Bundestagswahl genau das erzwingen.

    So oder so spielt Michael Sladek, Aufsichtsrat der BürgerEnergie-Genossenschaft, eine zentrale Rolle. Er und seine Mitstreiter, darunter auch die alternative GLS-Bank aus Nordrhein-Westfalen, wollen die Leitungen nicht alleine betreiben, sondern zusammen mit der neuen städtischen Stromfirma. Deshalb bewirbt sich die Genossenschaft um die entsprechende Konzession, die der Berliner Senat 2015 neu vergeben muss. Die Luft für Vattenfall wird dünner.

    Aber ist es nicht vermessen von den Ökounternehmern aus dem Schwarzwald und ihren wohlmeinenden Sonnenenergie-Freunden aus Berlin-Kreuzberg, dass sie sich einbilden, die Stromversorgung einer 3,3-Millionen-Einwohner-Stadt bewerkstelligen zu können? Werden sie sich wirtschaftlich nicht gnadenlos übernehmen? Schließlich will Vattenfall mindestens 400 Millionen Euro sehen, wenn der Konzern das Berliner Netz verkaufen sollte – wahrscheinlich mehr. Sladeks Genossenschaft müsste Eigenkapital in einer Größenordnung von 200 Millionen Euro aufbringen. Bisher haben die Bürger nach eigenen Angaben 5,4 Millionen eingesammelt – lächerlich wenig, könnte man sagen.

    Aber Michael Sladek bereitet dieses Missverhältnis keine Sorge, zumindest nicht offiziell. Eine Summe von bis zu 50 Millionen Euro könnten die Elektrizitätswerke Schönau von privaten Kapitalanlegern „ohne Probleme“ beschaffen. Zudem gebe es die Möglichkeit, dass die GLS-Bank einen Fonds auflege. „Dann geht das schnell. Wir scheitern nicht an der Finanzierung“, sagt Sladek. Potenzielle Bürger-Investoren hätten großes Interesse, weil es sich bei einem Stromnetz ja nicht um Spekulation, sondern um ein „sinnvolles Investment“ mit stabilen Gewinnaussichten handele.

    Ob das alles klappt, steht trotzdem in den Sternen. Der Berliner Senat ist skeptisch, vor allem die CDU. Oberbürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und seine Regierung könnten den Verkauf des Netzes verhindern. Auch die Bundesnetzagentur betrachtet mit gewissem Argwohn den breiter werdenden Trend, dass Städte und Bürger die Stromversorgung in eigene Hände nehmen. Die Bundesbehörde, die dem Bundeswirtschaftsministerium untersteht, achtet unter anderem darauf, dass Experimente die Versorgungssicherheit der Bevölkerung nicht gefährden. Und nicht zuletzt der Chef des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, hat sich unlängst kritisch geäußert. Bei Netzen in kommunaler Hand bestehe ein „sehr hohes Missbrauchspotenzial“. Die städtischen Firmen würden den Privathaushalten mitunter deutlich mehr Geld abknöpfen, als gerechtfertigt.

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    Strom der Städte

    Während in den 1980er und 1990er viele Städte ihre Stromversorgung verkauften, unter anderem um die Haushalte aufzubessern, gibt es nun einen gewissen Trend in umgekehrte Richtung. Zwischen 2007 und Mitte 2012 seien 60 neue kommunale Energiefirmen gegründet worden, sagt der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Außerdem hätten die Städte über 170 Netzkonzessionen mittels kommunaler Unternehmen zurückgeholt (von etwa 5.400 ausgelaufenen Verträgen). Während 2010 neun Prozent der Stadtwerke in Deutschland ihren eigenen Strom herstellten, produzierten jetzt 12 Prozent selbst Elektrizität. Aktuelle Versuche zur Rekommunalisierung des Stromnetzes oder zur Übernahme durch eine Genossenschaft laufen auch in Hamburg und Oldenburg.

  • In der Bahn wird es immer enger

    Unternehmen beklagt weiterhin fehlende Züge / Auch in diesem Sommer könnten wieder Klimaanlagen ausfallen / Ende 2014 Internet in allen ICE

    In den Zügen der Deutschen Bahn wird es immer voller. „Wir müssen eine wachsende Nachfrage mit weniger Zügen bewältigen“, sagt der für den Personenverkehr zuständige Vorstand Ulrich Homburg. Der Konzern hat zwar längst neue Triebwagen und Waggons bestellt. Doch die Hersteller kommen mit der Auslieferung nicht nach. So fehlen allein zwölf ICE auf den Gleisen. Dazu kommt noch ein altes Problem. 2008 wurde die Bahn zu kürzeren Wartungsintervallen beim ICE verdonnert, weil die Achsen zu schnell Risse aufwiesen. Dadurch fallen weitere Züge aus, weil sie in die Werkhallen beordert werden.

    Mittlerweile hat die Industrie zwar neue Treibradsätze entwickelt. Doch die Genehmigung für deren Betrieb durch das Eisenbahnbundesamt steht noch aus. Damit rechnet Homburg erste zum Jahresende. Bis die neuen Achsen dann eingebaut sind, gehen weitere Monate ins Land. „Es wird ein heißer Sommer und ein heißer Winter“, ahnt der Vorstand. Immerhin ist die Modernisierung der ICE-2-Züge mittlerweile weitgehend abgeschlossen. Das Nachfolgemodell ICE 3 ist noch immer nicht in Sicht. 16 dieser Züge sollten bereits ab Herbst 2011 ausgeliefert werden. Laut Homburg kann der Hersteller Siemens bis heute kein verlässliches Datum für die ersten Fahrten angeben. Auch bei 27 Doppelstockwagen von Bombardier verzögert sich die Inbetriebnahme um Monate.

    Dafür gibt es an anderer Stelle gute Nachrichten für die Bahnfahrer. Zusammen mit der Deutschen Telekom hat die Bahn den Internetempfang auf den Schnellstrecken weiter ausgebaut. Zwischen Hamburg und Berlin, Dortmund und der Hauptstadt, Frankfurt und München sowie Fulda-Würzburg können die Passagiere nun gegen eine Gebühr während der fahrt surfen. Bis Ende des Jahres werden 180 der 225 ICE-Züge mit der entsprechenden Technik ausgestattet sein. Ende 2014 werden die Fahrgäste auf dem insgesamt 5.200 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsnetz nahezu durchgängig online gehen können.

    Einen heißen Sommer könnte es auch in manchen Zügen selbst geben. Die Modernisierung der Klimaanlagen schreitet vor allem in Intercity-Zügen nur langsam voran. Denn die durchschnittlich 40 Jahre alten Waggons sind überwiegend mit alter Technik bestückt und entstammen 43 verschiedenen Baureihen. Erst Ende 2014 werde der größte Teil der Waggons auf einem neueren Stand der Technik sein, kündigt Homburg an. Bei den ICE läuft die Modernisierung noch oder sie ist wie beim ICE 2 bereits abgeschlossen.

  • Außer Garantiezinsen ist wenig drin

    Viele Lebensversicherungskunden müssen ihre Erwartungen herunterschrauben / Niedrige Zinsen machen Sparern wie Anbietern zu schaffen

    Der Versicherungsvertreter war beim Abschluss des privaten Rentenvertrags von Hartmut König (Name geändert) 1994 noch sehr zuversichtlich. Zu der garantierten Rente von rund 250 Euro, die ab 2020 ausgezahlt werden soll, würde fast noch einmal so viel an Überschussbeteiligungen kommen, versicherte er. „Daraus wird wohl nichts“, sagt König heute enttäuscht. Im letzten Schreiben der Versicherung mit einem Zwischenstand und einer neuen Prognose geht der Anbieter nur noch von ein paar Euro bereits erreichter Zusatzerträge aus. Für den Rest der Laufzeit erwartet der Anbieter gar keine Überschussbeteiligung mehr. Nur der Garantiezins von damals 3,5 Prozent soll dazu kommen. Statt erhoffter 500 Euro kommen so nur etwa 280 Euro zusammen.

    Auf ähnliche Erfahrungen müssen sich wohl viele Kunden einstellen. Rund 90 Millionen Verträge über Kapitallebensversicherungen oder Privatrenten laufen derzeit noch. Viele davon wurden vor Jahrzehnten abgeschlossen, in einer Zeit mit einem hohen Zinsniveau. Ende 1993 sicherten die Anbieter ihren Kunden noch vier Prozent Zinsen zu. Heute beträgt der Garantiezins nur noch 1,75 Prozent.

    Die damals hohen Zusagen machen den Versicherungen heute zu schaffen. Denn es gibt derzeit kaum sichere neue Anlagemöglichkeiten auf den Finanzmärkten, die genug abwerfen, um die Garantien für Altkunden zu erwirtschaften. Denn der Leitzins der Zentralbanken liegt weltweit nahe Null. Das wirkt sich auf das gesamte Zinsniveau aus. Deutsche Staatsanleihen werfen zum Beispiel keine zwei Prozent mehr ab.

    Im Durchschnitt erwirtschaften die Unternehmen nur noch rund 3,5 Prozent Zinsen. Das reicht nicht mehr zur Gutschrift der hohen Garantien aus Altverträgen. Auf lange Sicht könnte die Niedrigzinsphase für die Versicherungen zum Existenzproblem werden. Die Bundesfinanzaufsicht gibt aber zunächst Entwarnung. In den kommenden Jahren könnten die Unternehmen die Garantien bedienen, heißt es aus der Behörde.

    Auch könnten die Zinsen wieder steigen, wenn die Konjunktur in den Krisenländern wieder anspringt. „Steigen die Zinsen wieder, werden auch Verträge mit hoher Garantieverzinsung wieder an den Überschüssen beteiligt“, verspricht eine Sprecherin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) den Versicherten. Doch ob und wann dies der Fall sein wird, ist derzeit völlig offen.

    Angesichts der Zinsentwicklung sind viele Kunden mit den einst hohen Zusagen immer noch gut bedient im Vergleich zum Sparbuch oder der Festgeldkonto. Eine Kündigung des Vertrages ist daher oft keine gute Lösung. Dazu sollten sich Kunden auch vom Versicherungsvertreter nicht überreden lasssen, rät die Stiftung Warentest. Allerdings kann es sich lohnen, die tatsächliche Rendite der Police einmal nachzurechnen. Denn vom Garantiezins gehen noch die Kosten der Versicherung ab. Die Stiftung bietet im Internet einen Rechner an, mit dem sich die tatsächliche Verzinsung während der Restlaufzeit des Vertrages berechnen lässt.

    Doch auch der Abschluss eines neuen Vertrages ist für immer weniger Verbraucher attraktiv. Denn im Gegensatz zu der Zeit vor 2005 sind die Erträge aus Kapitellebensversicherungen oder Verträgen über eine Privatrente nicht mehr steuerfrei. Außerdem liegt der geltende Garantiezins nur knapp über der Teuerungsrate. Das bekommt die Branche zu spüren. Die Zahl neu abgeschlossener Riester-Verträge ging 2012 um 36 Prozent zurück. Bei Lebensversicherungen verzeichneten die Anbieter ein Minus von vier Prozent.

  • Weniger Bio bei Ritter Sport

    Schokoladen-Firma stellt Bio-Anbau in Nicaragua größenteils auf konventionelle Produktion um. Ursache: geringer Verkaufserfolg

    Die Schokoladen-Firma Ritter Sport gibt einen großen Teil ihres Anbaus von Bio-Kakao in Nicaragua auf. Das Familienunternehmen aus Waldenbuch in Baden-Württemberg begründet dies mit dem geringen Erfolg seiner fünf Bio-Sorten. Man werde die Produktion in Nicaragua dennoch fortführen, allerdings mit weniger strengen Kriterien, sagte Ritter-Sprecher Thomas Seeger.

    Ritter, einer der größten Schokoladen-Verkäufer Deutschlands, vertreibt Bio-Tafeln seit 2008. Der Kakao kommt unter anderem aus Peru, Ecuador und von Kleinbauern-Kooperativen aus Nicaragua. Diese Produktion ist dem ökologischen und alternativ denkenden Eigentümer Alfred Ritter ein besonderes Anliegen.

    Demnächst soll ein Großteil des Kakaos aus Nicaragua aber nicht mehr als Bioware, sondern mit dem UTZ-Zertifikat versehen sein. Diese in Amsterdam sitzende Organisation gestattet beispielsweise den Gebrauch von Kunstdünger und Pestiziden, was bei Bio nicht erlaubt ist. UTZ setzt sich dennoch für „nachhaltige“ Landwirtschaft ein. Wegen der vergleichsweise laxen Kriterien werfen Kritiker der Organisation aber „Greenwashing“ vor.

    Ritter Sport führt die Kehrtwende auf den geringen Erfolg seiner Bio-Linie zurück, die man trotzdem fortführen will. Im Vergleich zu den normalen quadratischen Tafeln, die an vielen Bahnhöfen beworben werden, bewege sich der Umsatz der Bio-Schokolade im niedrigen einstelligen Bereich, so Sprecher Seeger. Einen Gewinn erwirtschafte das Unternehmen damit nicht.

    Insgesamt wächst das Bio-Segment bei Lebensmitteln. Ritter hat aber besondere Schwierigkeiten. Viele große Ketten des Lebensmittelhandels verkaufen die Bio-Schokolade nicht, weil sie mit beispielsweise 1,70 Euro pro 100-Gramm-Tafel doppelt so teuer ist wie die konventionelle Ware derselben Marke. Gleichzeitig verzichten Bio-Ketten ebenfalls auf Ritter Sport, weil das Unternehmen überwiegend konventionelle Massenware vertreibt. Kai Kreuzer vom Fachdienst bio-markt.info macht für den Misserfolg auch die mangelnde Ritter-Werbung in Sachen Bio verantwortlich.

    Um aus der Zwickmühle herauszukommen, will das Unternehmen bald „auf ein potenziell aussichtsreicheres Nachhaltigkeitssystem umsteigen“, sagt Ritter-Sprecher Seeger. Davon verspreche man sich, größere Mengen zu verkaufen als mit Bio. Deshalb sollen die Bauern in Nicaragua laut Seeger weiterhin denselben Preis erhalten wie bisher. Dieser liege mit rund 4.000 US-Dollar (etwa 3.077 Euro) pro Tonne Kakao um 900 Dollar über dem Weltmarktpreis. Ritter zahlt mehr als üblich, um den Produzenten in Mittelamerika ein vernünftiges Leben zu ermöglichen.

    Östlich der nicaraguanischen Hauptstadt Managua hat die Firma kürzlich ein rund 2.000 Hektar großes Gelände gekauft, was etwa der Größe von 300 Fußballfeldern entspricht. Dort soll eine Plantage mit bis zu 1,5 Millionen Kakaobäumen entstehen, mit der die Firma einen Teil ihres Bedarfes selbst decken will. Jan Urhahn von der entwicklungspolitischen Organisation Inkota hält dieses Geschäft für problematisch. Ritter laufe damit Gefahr, der einheimischen Bevölkerung Land zu entziehen, das diese zum Überleben brauche. Ritter-Sprecher Seeger sagt, das Land liege brach.

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    Firma Ritter

    Das Unternehmen ist bekannt durch seinen Werbespruch „quadratisch, praktisch, gut“. Etwa 1.000 Mitarbeiter produzieren unter der Marke Schokolade. 2011 betrug der Umsatz rund 330 Millionen Euro. Den Gewinn verrät die Firma nicht. Vertreten ist man nach eigenen Angaben in 95 Staaten dieser Erde.

  • Den Schatz bewahren

    Kommentar zum Fracking von Hannes Koch

    Grundsätzliche Lösungen sind oft ideologisch und realitätsfern. Deshalb sollte sich die Bundesregierung jetzt nicht auf ein „Ja“ oder „Nein“ zur Erdgas-Fördermethode des Frackings festlegen. Die Zeit dafür ist noch gekommen – das zeigt auch das neue Gutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen.

    Wie viele Bürger, Kommunalpolitiker und Wissenschaftler äußern die Regierungsberater Zweifel am Fracking – mit zwei Hauptargumenten. Die möglichen Umweltrisiken der Fördermethode, bei der Wasser und Chemikalien in den Untergrund gepresst werden, seien nicht ausreichend erforscht. Außerdem werde das zusätzliche Gasangebot kaum die Verbraucherpreise senken, schätzt der Sachverständigenrat.

    Dem stehen jedoch auch potenzielle Vorteile gegenüber. Die deutschen Vorräte unkonventionellen Erdgases würden wahrscheinlich ausreichen, um für 30 oder 40 Jahr einen nennenswerten Beitrag zur Versorgung zu leisten. Das reduziert die Abhängigkeit von Importen und spart Geld. Mehr einheimische Förderung würde auch dazu beitragen, dass Erträge hierzulande und nicht im Ausland erzielt werden.

    Weil die Entscheidung zwischen Pro und Contra derzeit aber schwer fällt, ist es ratsam, in den kommenden Jahren einige Forschungsvorhaben zu betreiben. Mit mehr Wissen lassen sich die schädlichen Umweltauswirkungen langfristig möglicherweise reduzieren.

    Zur Zeit ist Deutschland auf die neuen Gasquellen sowieso nicht angewiesen. Die Wirtschaft läuft gut, die Energiekosten sind kein großes Problem, und die Versorgung von außen ist unproblematisch. Sollte sich die Lage später einmal ändern, werden wir uns vielleicht freuen, die eigenen Gasvorräte anzapfen zu können. Unter dem Strich hat Fracking jetzt keine Dringlichkeit, der Gesetzentwurf, mit dem die Regierung grünes Licht geben will, kann ruhig noch einige Jahre in der Schublade bleiben.

  • Regierungsberater bezweifeln Vorteile des Erdgas-Frackings

    Gaspreis würde nicht sinken, argumentiert Sachverständigenrat für Umweltfragen

    Die Hoffnungen auf einen Rohstoffboom in Deutschland dämpft der Sachverständigenrat für Umweltfragen. In seinem am Freitag veröffentlichen Gutachten rät das Beratungsgremium der Bundesregierung davon ab, große Mengen von Erdgas mit der Methode des Frackings aus dem Boden zu holen. Das Vorsorgeprinzip gebiete, die Auswirkungen auf die Umwelt zunächst mit Forschungs- und Pilotprojekten zu erhellen.

    Beim Fracking werden Wasser und Chemikalien in tiefe Gesteinsschichten gepresst, um Erdgasvorkommen auszubeuten, die mit konventionellen Bohrungen nicht erreichbar sind. In den USA ist die Förderung durch Fracking in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Derartige Lagerstätten in Deutschland gibt es unter Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Baden-Württemberg.

    Die Regierungskoalition aus Union und FDP will das Fracking mit einem neuen Gesetz ermöglichen, gleichzeitig aber an Umweltauflagen knüpfen. Nicht nur SPD- und Grün-regierte Länder im Bundesrat wollen dabei vorerst nicht mitmachen, auch innerhalb der Union grassiert Skepsis. Dass das Gesetz noch vor der Bundestagswahl im September verabschiedet wird, ist eher unwahrscheinlich.

    Die Umweltsachverständigen warnen einerseits vor ökologischen Problemen. Dabei geht es um potenziell gefährliche Chemikalien, die das Trinkwasser gefährden könnten, und um belastetes Abwasser aus den Erdgaslagerstätten.

    Andererseits stellen die Wissenschaftler aber auch den wirtschaftlichen Sinn des Frackings in Frage. Eine zentrale These lautet, dass „die Förderung von Schiefergas in Deutschland die Mengenverhältnisse auf dem europäischen Markt nicht maßgeblich beeinflussen würde und damit auch nicht die Erdgaspreise“. Dies gelte für die kurzfristige, aber auch für die langfristige Perspektive.

    Mit anderen Worten: Verbraucher und Wirtschaft hätten keine Kostenvorteile, wenn in Deutschland die Methode des Frackings in großem Maßstab angewendet würde. Es sei unwahrscheinlich, dass der Preis für Energie sinke, sagen die Umweltsachverständigen. Merkwürdig: Ist im Zuge des neuen Booms doch der Gaspreis in den USA um zwei Drittel zurückgegangen. Und die Bundesanstalt für Geowissenschaften schätzt, dass Deutschland mittels Fracking seinen gesamten Verbrauch etwa fünfzehn Jahre decken könnten. Eigentlich müssten derartige Mengen das Angebot erhöhen und damit den Preis drücken.

    Nein, meint der Sachverständigenrat. Denn die unkonventionellen Erdgasmengen seien im Vergleich zum europäischen Gesamtbedarf viel zu gering. Und da sich der Preis auf den internationalen Märkten bilde, würde eine zusätzliche deutsche Förderung keine große Rolle spielen. Außerdem verweisen die Wissenschaftler auf Annahmen der Energie-Informationsbehörde der USA, die trotz des Frackingbooms von langfristig steigenden Gaspreisen ausgehe. Hier mache sich der absehbare Rückgang der konventionellen Erdgasförderung bemerkbar.

  • So surfen Kinder sicher im Internet

    Schutz- und Filterprogramme sind sinnvoll. Eltern sollten dem Nachwuchs außerdem ein gewisses Maß an Misstrauen mit auf den Weg geben

    Kinder und Jugendliche stoßen auf zahlreiche Gefahren im weltweiten Netz. Da gibt es Abo- oder Kostenfallen, Diebstahl oder Mobbing. Selbst vor Pädophilie, Pornographie oder Rechtsradikalismus sind junge Surfer nicht gefeit. „Das Internet ist wie eine Stadt“, sagt Gabriele Becker, Projektleiterin bei der Kinder- und Info-Webseite internet-abc.de. „Wie im realen Leben lauern Fallen überall.“ Was können Eltern also tun, um ihre Sprösslinge vor virtuellen Gefahren zu schützen.

    Zum einen gibt es spezielle Schutz- oder Filterprogramme, die die Familie auf dem Computer installieren kann. Mit der kostenlosen Kinderschutz-Software der Deutsche Telekom surfen Kinder beispielsweise nur auf Internetseiten, die für ihr jeweiliges Alter geeignet sind. Eltern können Surfzeit-Budgets festlegen und über eine „Kinder-Wunschliste“ gesperrte Seiten freigeben. Einen Haken hat die Sache allerdings: Selbst das beste Programm kann keinen hundertprozentigen Schutz bieten. „Schlupflöcher gibt es überall“, meint Projektleiterin Becker. Da werde dann halt bei Freunden gesurft oder der Schutzmechanismus geknackt.

    Neben Schutzprogrammen sind auch spezielle Kinderseiten sinnvoll. Auf dem Portal seitenstark.de haben sich zahlreiche davon vernetzt. Das Bären-Blatt zum Beispiel erklärt spannende Nachrichten aus Deutschland und aus der ganzen Welt. Über die Video-Community Juki können Kinder sich Videos anschauen. Und über die Kinder-Suchmaschine fragFinn bekommt der Nachwuchs bei seiner Recherche nur kindgerechte Internetseiten angezeigt. Irgendwann verliert aber auch die beste Kinderseite ihren Reiz und der Nachwuchs will etwas Neues ausprobieren.

    Für diesen Zeitpunkt sollten junge Surfer gewappnet sein. „Eltern sollten frühzeitig anfangen, ihre Kinder fit im Umgang mit dem Internet zu machen“, erläutert Projektleiterin Becker. Sie sollten die ersten Jahre, in denen das Kind beginnt am Computer zu spielen, nutzen, um ihm den richtigen Umgang mit der Technik beizubringen. Zusammen sollte man sich Webseiten anschauen und zum Beispiel erklären, warum bestimmte Seiten gefährlich sind und warum es keine gute Idee ist, überall, wo man danach gefragt wird, seinen Namen samt Emailadresse einzugeben.

    Selbst Werbung kann gefährlich werden – nämlich dann, wenn das Werbebanner dazu auffordert, an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Das dient dann aber lediglich dazu, Nutzer-Daten einzusammeln, um sie an dubiose Firmen weiterzuverkaufen. Mit welcher Werbewucht Kinder teils sogar auf Kinderseiten konfrontiert werden, zeigt sich am Beispiel von maedchenspiele.de. Wer sich auf das Spieleportal begibt, um etwa den Flirt-Test zu machen oder Kuss-, Friseur- oder Hello-Kitty-Spiele zu spielen, wird gnadenlos mit Werbung zugeschüttet.

    Beispiele gefällig? C&A wirbt für seine neuen Sommerkleider, Hugo Boss für seine Herrenkollektion. Ikea preist die neu eingetroffenen Sommermöbel an. Die private Krankenversicherung DKV wirbt für ihre Pflegepolice, Energieriesen Eon und RWE für ihren Strom. Die Kleinen sollen eben so früh wie möglich zu fleißigen Konsumenten herangezogen werden. Sicher, ohne den Geldfluss aus der Werbewirtschaft könnten sich derartige Portale nicht finanzieren. Hinnehmen müssen Eltern die Werbebotschaften allerdings nicht. Mit kostenlosen Werbeblockern wie Adblock Plus lässt sich die Reklame schnell und effektiv ausschalten.

    Und was ist mit Cyber-Mobbing? Können Eltern ihre Kinder vor Diffamierungen oder Pöbeleien im Netz schützen? Leider nein. Jeder kann Mobbing-Opfer werden, egal ob er groß, klein, schlau, dumm, sportlich oder unsportlich ist. „Selbst Grundschüler werden gemobbt“, sagt Annette Bäßler von der Webseite mobbing-schluss-damit.de. Aus Angst, dass das Kind zum Mobbing-Opfer wird, den Computer oder soziale Netzwerke wie Facebook zu verbieten, sei aber keine gute Idee. Wichtig sei es, dem Nachwuchs ein Problembewusstsein zu vermitteln – und das, bevor er sich auf Facebook anmeldet.

    Würdest du dem Fremden da drüben deine Adresse verraten? Mit dieser Frage können Eltern verdeutlichen, wie wichtig es in sozialen Netzwerken ist, die eigene Privatsphäre zu schützen.  Gemeinsam könne die Familie beispielsweise die Privatsphäreeinstellungen von Facebook so festlegen, dass nur Freunde und nicht Freunde von Freunden Zugang zum Nutzer-Konto bekommen. Die goldene Regel lautet: So wenig Daten preisgeben wie möglich – keinen richtigen Namen, keine Adresse, keine Telefonnummer. „Wichtig ist es, dem Kind ein gesundes Misstrauen auf den Weg mitzugeben“, sagt Mobbing-Expertin Bäßler. Das bewahre es sicher nicht davor, sämtlichen Fallen im Netz aus dem Weg zu gehen – aber sicher einigen.

    Tipps:

    Einen Führerschein fürs Web – einen Surfschein – können Kinder auf  der Webseite  internet-abc.de machen.

    Eine Liste von Kinderseiten hält das Portal seitenstark.de parat.

    Über strafbare oder jugendgefährdende Inhalte im Netz kann sich jeder bei der FSM – Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia Diensteanbieter unter www.fsm.de beschweren.

    Die Seite mobbing-schluss-damit.de hilft Mobbing-Opfern aus der Mobbing-Falle.